PROLOG

Jeder kennt José Mourinhos Spitznamen: The Special One. Mich dagegen nennt die Sportpresse neuerdings The Lucky One, den Glückspilz.

Nach dem Tod von João Zarco (Pech) hatte ich das Glück, bei London City Interimstrainer zu werden, und noch größeres Glück, den Job nach der Saison 2013/2014 auch zu behalten. London City schloss die Saison auf dem vierten Platz ab – mit viel Glück, wie es hieß. Mit ähnlich großem Glück erreichten wir auch das Finale des Capital One Cup und das Halbfinale des FA Cup. Beide verloren wir.

Ich persönlich fand eigentlich, dass es schon verdammtes Pech war, dass wir keinen einzigen Titel abräumten, aber die Times sah das anders:

Wenn man alles bedenkt, was sich in den vergangenen sechs Monaten am Silvertown Dock abspielte – die Ermordung eines charismatischen Trainers, das tragische Ende einer vielversprechenden Torwartkarriere, die laufenden Ermittlungen der Steuerbehörden im sogenannten 4F-Skandal (Freie Fahrt für Fußballer) –, kann London City mit diesem Saisonergebnis mehr als zufrieden sein. Ein Großteil der Erfolge des Vereins geht zweifellos auf den hartnäckigen Eifer des Trainers Scott Manson zurück, dessen so leidenschaftliche wie eloquente Trauerrede auf seinen Vorgänger im Internet abertausendfach angeschaut wurde. Der Spectator verglich Manson in diesem Zusammenhang sogar mit keinem Geringeren als Marcus Antonius. Wenn wir José Mourinho The Special One nennen, dann muss Scott Manson The Clever One heißen; und The Lucky One trifft sicher auch zu.

Ich persönlich würde mich eigentlich nicht gerade als Glückspilz bezeichnen. Schon gar nicht, nachdem ich achtzehn Monate im Wandsworth Prison für ein Verbrechen einsaß, das man mir angehängt hatte.

Als ich noch aktiver Spieler war, hatte ich nur einen einzigen Aberglauben: Ich habe grundsätzlich bei jedem Elfmeter meine ganze Kraft in den Schuss gelegt.

Ich weiß nicht, ob die Spieler von heute allgemein abergläubischer sind als wir damals, aber wenn ich mir ihre Tweets und Facebook-Einträge von der WM in Brasilien so ansehe, dann spielt das Glück für sie eine ähnlich große Rolle wie für die Besucher eines Wunderheiler-Kongresses in Las Vegas. Keiner unserer Jungs geht groß in die Kirche, Moschee oder Synagoge, also darf man sich wohl über ihren Aberglauben nicht wundern; wahrscheinlich ist er sogar die einzige Religion, mit der diese meist ahnungslosen Geister überhaupt klarkommen. Als Trainer gehe ich freundlich, aber bestimmt gegen jeden Aberglauben meiner Spieler vor, auch wenn das natürlich ein hoffnungsloser Kampf ist. Ob es jetzt um ein pedantisch ausgeführtes, so unpraktisches wie langwieriges Ritual vor dem Spiel geht, um eine magische Trikotnummer, einen Glücksbart oder ein T-Shirt mit dem Bild des Duke of Edinburgh (kein Witz!): Aberglaube gehört zum modernen Fußball wie Insiderwetten, Kompressionsshirts und Kinesio-Tape.

Natürlich ist Fußball in vieler Hinsicht Glaubenssache, aber es gibt auch Grenzen. Wenn es nicht mehr damit getan ist, mal eben auf Holz zu klopfen, gerät man schnell ins Reich der Illusionen und des blanken Wahnsinns. Die einzigen Normalen beim Fußball sind doch meistens die armen Schweine, die sich den ganzen Zirkus anschauen; dummerweise sehen die das mittlerweile oft selbst so.

Nehmen wir zum Beispiel Iñárritu, unseren jungen, hochtalentierten Mittelfeldspieler, der gerade für Mexiko in Gruppe A mitmischt: Laut zahlreichen Tweets an seine hunderttausend Follower gibt ihm Gott persönlich ein, wie er die Dinger reinmachen soll, und wenn alle Stricke reißen, kauft der Junge sich schon mal einen Strauß Ringelblumen und ein paar Stück Zucker und zündet vor einer kleinen Skelettpuppe mit rotem Damenkleid eine Kerze an. Schon klar, das funktioniert garantiert.

Und Ayrton Taylor, der gerade mit der englischen Nationalmannschaft in Belo Horizonte weilt, ist auch nicht besser: Im Spiel gegen Uruguay hat er sich nämlich den Mittelfußknochen anscheinend nur deshalb gebrochen, weil er vergessen hatte, seinen silbernen Bulldoggen-Glücksbringer mitzubringen und wie sonst mit seinen Nike Hypervenoms in der Hand zum heiligen Luigi Scrosoppi zu beten, dem Schutzpatron aller Fußballer. Nein wirklich, es hatte natürlich ganz und gar nichts mit dem Drecksack zu tun, der Taylor mit dem vollen Körpergewicht auf den Fuß gesprungen war.

Bekim Develi, unser russischer Mittelfeldspieler, ist auch gerade in Brasilien und berichtet auf Facebook von seinem Glücksstift, den er überallhin mitnimmt. Und in einem Interview mit Jim White für den Daily Telegraph erzählt er von seinem gerade geborenen Sohn Peter und gibt zu, dass seine Freundin Alex den Kleinen die ersten vierzig Tage niemandem zeigen darf, weil sie »noch auf die Ankunft seiner Seele warten«. In dieser kritischen Zeit bestünde ansonsten die ernste Gefahr, dass eine fremde Seele oder Energie sich in dem Kind einnistet.

Und als wäre das alles noch nicht lächerlich genug, hat einer unserer Afrikaner bei London City, der Ghanaer John Ayensu, einem brasilianischen Radioreporter verraten, dass er nur mit einem ganz besonderen Fetzen Leopardenfell in der Unterhose spielen kann. Eine recht unkluge Entscheidung, hagelte es doch sofort einen Tierschützer-Shitstorm.

Im selben Interview verkündete Ayensu auch, dass er unseren Verein im Sommer verlassen werde, was mir zu Hause in London gar nicht in den Kram passte. Auch dass unser deutscher Stürmer Christoph Bündchen auf Instagram-Fotos in einer Schwulenbar und -sauna in Fortaleza auftauchte, freute mich gar nicht. Christophs offizielles Coming-out steht noch aus, also behauptete er, er sei versehentlich im Dragon Health Club gelandet, aber Twitter wusste es natürlich besser. Die Zeitungen – vor allem der verdammte Guardian – sind ganz geil darauf, dass sich endlich mal ein Spieler outet, der noch mitten in der Profikarriere steckt (Thomas Hitzlsperger war so schlau, damit bis zum Ruhestand zu warten). Christoph muss einem ganz unerträglichen Druck ausgesetzt sein.

Außerdem hat mir einer unserer beiden spanischen Spieler, Juan Luis Dominguín, gerade ein Foto von Xavier Pepe gemailt, auf dem man ihn in einem Restaurant in Rio beim gemeinsamen Abendessen mit einem der Scheichs sieht, denen Manchester City gehört. Und das direkt nach dem Spiel Spanien gegen Chile. Diese Männer sind reicher als Gott – auf jeden Fall reicher als unser Vereinsbesitzer Viktor Sokolnikow –, also bereitet mir das natürlich Sorgen. Mit der richtigen Zahl im Vertrag kann man heutzutage jedem Spieler den Kopf verdrehen wie den von Linda Blair in Der Exorzist.

Wie gesagt bin ich eigentlich nicht besonders abergläubisch, aber als im Januar das Bild durch die Zeitungen ging, wie die Jesusstatue über Rio von einem Blitz in die Hand getroffen wird, hätte ich ahnen können, dass Brasilien für uns so einige Katastrophen bereithalten würde. Kurz nach dem Blitzeinschlag gab es Aufstände in den Straßen von São Paulo, nachdem Demonstrationen gegen die öffentlichen Ausgaben für die WM außer Kontrolle geraten waren; Autos wurden in Brand gesetzt, Läden verwüstet, Schaufensterfronten von Banken eingeworfen, und die Polizei eröffnete das Feuer mit Gummigeschossen. Ich will den Demonstranten aber nichts vorwerfen. Man kann doch nicht vierzehn Milliarden Dollar (Schätzung von Bloomberg) für die WM raushauen, während weite Teile Rios keine richtige Abwasserentsorgung haben. Aber wie mein Vorgänger João Zarco war auch ich noch nie ein großer Fan der WM, und nicht nur wegen der Bestechungen, der Korruption, der Hinterzimmerpolitik und Sepp Blatter – nicht mal wegen der Hand Gottes ’86. Für mich hat der kleine Mann, der zum Spieler der zweiten mexikanischen WM erklärt wurde, schlicht und ergreifend beschissen. Dass er überhaupt nominiert wurde, sagt doch schon alles über diese ach so großartige FIFA-Veranstaltung.

Das einzige Argument überhaupt für die WM ist doch wohl die Tatsache, dass die Amis keinen Fußball können. Wo bekommt man sonst schon zu sehen, dass Ghana oder Portugal die USA bei irgendetwas fertigmachen. Aber bis auf diese eine Sache ist die WM für mich das Allerletzte.

Ich hasse die WM, weil dort fast immer nur Scheißfußball gespielt wird, weil die Schiris nichts taugen und die Songs noch weniger, wegen der dämlichen Maskottchen (Fuleco das Gürteltier, das offizielle Maskottchen der WM 2014, ist ein Portmanteau-Wort aus futebol und ecologia – meine Fresse!), wegen der ganzen Schwalbenkünstler aus Argentinien und Paraguay und, ja, auch aus Brasilien, wegen des ganzen »Diesmal packen wir’s«-Hypes in England und natürlich wegen der ganzen Vollpfosten, die keine Ahnung von Fußball haben, einem aber plötzlich mit ihrer kackdämlichen Meinung ein Ohr abkauen. Ganz besonders hasse ich die Politiker, die in den Mannschaftsbus steigen, wild mit einem England-Schal wedeln und dabei doch nur den üblichen Schwachsinn labern.

Aber wie alle anderen Trainer der Premier League hasse ich die WM vor allem deshalb, weil sie ein Riesenchaos anrichtet. Die Saison ist erst seit dem 17. Mai vorbei, und nach nicht mal zwei Wochen Urlaub müssen unsere Jungs in Brasilien bei ihrer jeweiligen Nationalmannschaft antreten, wenn sie denn ausgewählt wurden. Das erste Spiel der WM war dann schon am 12. Juni, also hatten die Spieler nicht ansatzweise genug Zeit, sich von den Anstrengungen und Belastungen einer vollen Premier-League-Saison zu erholen. Dafür bieten sich ihnen dann zahlreiche Gelegenheiten, sich ernsthafte Verletzungen zuzuziehen.

Ayrton Taylor würde wohl für zwei Monate außer Gefecht sein und ziemlich sicher unser erstes Saisonspiel gegen Leicester am 16. August verpassen. Noch viel schlimmer: Er würde wohl auch bei unserem Champions-League-Playoff-Spiel in Gruppe B gegen Olympiakos die Woche darauf ausfallen. Das können wir natürlich gar nicht gebrauchen, vor allem wenn sich die Presse gleichzeitig das Maul über die sexuellen Vorlieben unseres anderen Stürmers zerreißt.

In solchen Momenten wünsche ich mir ein paar mehr Schotten und Schweden in der Mannschaft, Leute aus Ländern eben, die sich nicht für die WM 2014 qualifiziert haben.

Ich weiß nicht, was schlimmer ist: Die Sorgen über die »leichte Adduktorenzerrung«, die Bekim Develi am Spiel für Russland gegen Südkorea in Gruppe H hinderte; oder die Angst, weil der russische Trainer Fabio Capello ihn gegen Belgien schon wieder auflaufen ließ, bevor er sich richtig hatte erholen können. Ob die Spieler eingesetzt werden oder nicht – man macht sich jeden Tag aufs Neue verrückt.

Und als ob das alles nicht schon genug wäre, macht unser stinkreicher Vereinsbesitzer gerade Rio unsicher, um »unsere Mannschaft zu verstärken«, also irgendwen einzukaufen, der nie im Leben so toll ist, wie all die selbsternannten Experten gerade behaupten. Jeden Abend ruft Viktor Sokolnikow mich über Skype an und will meine Meinung über irgendeinen verkackten Bosnier wissen, von dem ich noch nie gehört habe, oder über das neueste afrikanische Wunderkind, das die BBC zum neuen Pelé erklärt hat. Denn wenn die BBC etwas sagt, dann muss es ja stimmen.

Besagtes Wunderkind heißt Prometheus Adenuga und spielt für AS Monaco und Nigeria. Ich habe mir gerade einen Fernsehzusammenschnitt seiner Tore und Tricks angeschaut, bei dem im Hintergrund Robbie Williams Let Me Entertain You grölt. Das beweist doch nur, was ich immer schon geahnt habe: Die BBC hat keine Ahnung von Fußball. Beim Fußball geht es nicht um Unterhaltung. Wenn du unterhalten werden willst, guck dir an, wie Liza Minnelli irgendwo von der Bühne runterfällt, aber lass den Fußball da raus. Wenn du alles versuchst, um ein Spiel zu gewinnen, ist es dir scheißegal, ob die Zuschauer gut unterhalten werden oder nicht. Dafür ist Fußball eine zu ernste Sache. Fußball ist nur interessant, wenn es um etwas geht. Schaut euch nur mal ein Freundschaftsspiel von England an und wagt dann noch, mir zu widersprechen. Genau deshalb kann ich auch mit amerikanischem Sport nichts anfangen – die müssen immer alles fürs Fernsehen aufpeppen, damit es für die Zuschauer bloß nicht zu langweilig wird. Das ist doch Scheiße! Noch mal: Sport ist nur spannend, wenn es um etwas geht, oder, mal ehrlich, wenn es um alles geht!

Apropos Ehrlichkeit: Prometheus ist angeblich erst achtzehn, aber in Nigeria nimmt man es mit den Altersangaben ja nicht immer so genau. Die letzten beiden Jahre war er in der nigerianischen Mannschaft, die auch die U-17-WM gewonnen hat. Nigeria hat das Turnier vier Mal für sich entschieden, aber nur, weil viele Spieler aufgestellt wurden, die ihren siebzehnten Geburtstag schon lange hinter sich hatten. Viele der bekanntesten nigerianischen Blogger schreiben, dass Prometheus in Wirklichkeit dreiundzwanzig ist. Bei manchen afrikanischen Spielern in der Premier League ist der Unterschied sogar noch größer. Denselben Quellen zufolge ist Aaron Abimbole, derzeit bei Newcastle United, sieben Jahre älter als die achtundzwanzig, die sein Pass angibt; und Ken Okri, den wir Ende Juli an Sunderland verkauft haben, war vermutlich schon über vierzig. All das erklärt vielleicht, warum viele dieser afrikanischen Spieler kaum Kondition haben und nicht lange aktiv bleiben. Und warum sie so oft verkauft werden. Auf so einem will keiner sitzen bleiben, wenn seine Zeit abgelaufen ist.

Das ist nur einer der Gründe, warum ich nie die englische Nationalmannschaft trainieren werde: Die englische Football Association würde niemals jemanden dulden, der offen sagt, dass der afrikanische Fußball in der Hand verlogener Betrüger ist – nicht mal, wenn er, wie ich, selbst zur Hälfte schwarz ist.

Aber das Alter von Prometheus beschäftigt die nimmermüde Journaille gar nicht so sehr, sondern vielmehr die Hyäne, die er sich in seiner Wohnung in Monte Carlo als Haustier gehalten hat. Laut Daily Mail biss sie im Bad ein Rohr durch, setzte so das ganze Gebäude unter Wasser und richtete einen fünfstelligen Eurobetrag an Schäden an. Neben einer Hyäne als Haustier wirken Mario Balotellis Bentley Continental mit Tarnmuster und Thierry Henrys zwölf Meter hohes Aquarium richtig vernünftig.

Eigentlich müsste man mal eine Fantasy-Football-Variante einführen, bei der man sich eine imaginäre Mannschaft aus echten Fußballern zusammenstellt und Punkte dafür bekommt, wenn einer der eigenen Spieler sich das teuerste Haus oder Auto kauft oder es in die Schlagzeilen der Regenbogenpresse schafft. Bonuspunkte gibt es für die abgehobenste Freundin, die pompöseste Kitschhochzeit, den dämlichsten Babynamen, die meisten Rechtschreibfehler in einem Tattoo, die beknackteste Frisur und den kreativsten Seitensprung.

Ich habe mir Alex Fergusons Autobiografie natürlich gleich am Erscheinungstag gekauft. Seine Meinung über David Beckham hat mich sehr gefreut. Fergie sagt, er habe den berühmten Schuh damals auf Beckham geschossen, weil seine Nummer sieben sich geweigert hatte, auf dem Trainingsplatz die Strickmütze abzunehmen, damit die Presse seine neue Frisur nicht vor dem Spieltag zu Gesicht bekam. Ich muss sagen, da kann ich Ferguson gut verstehen. Die Spieler dürfen nie vergessen, dass alles von den Fans abhängt, die ihnen im Endeffekt das Gehalt zahlen. Unsere Jungs müssen ständig daran erinnert werden, wie das Leben eines normalen Fans aussieht. Ich habe meinen Spielern schon verboten, bei unserem Trainingsplatz in Hangman’s Wood mit dem Hubschrauber anzukommen oder mit einem Auto, das mehr kostet als ein durchschnittliches Einfamilienhaus. Also derzeit mehr als 242.000 Pfund. Das hört sich vielleicht nicht allzu streng an, aber ein Lamborghini Veneno kostet zum Beispiel schon mal seine 2,4 Millionen. Für einen Spieler, der im Jahr fünfzehn Millionen verdient, sind das natürlich Peanuts. Die Idee mit dem Preislimit kam mir neulich, als bei uns auf dem Parkplatz zwei Aston Martin One-77 und ein Pagani Zonda Roadster standen, die pro Stück über eine Million Pfund kosten.

Versteht mich nicht falsch, beim Fußball geht’s ums Geschäft, und die Spieler machen mit, weil sie Geld verdienen und ihren schnellen Wohlstand genießen wollen. Ich habe kein Problem damit, Spielern 300.000 Pfund die Woche zu zahlen. Die meisten arbeiten sich dafür halb tot, außerdem hält das große Geld nie lange an, und überhaupt schaffen es nur die wenigsten auf dieses Niveau. Nur blöd, dass ich mir damals als aktiver Spieler noch nicht so eine goldene Nase verdienen konnte. Aber weil es nun mal ums Geschäft geht, müssen alle Beteiligten auch immer die PR im Hinterkopf behalten. Man muss sich doch nur mal die Banker ansehen, die heutzutage überall als ungeliebte Raffzähne gelten. Wahrnehmung ist alles, und ich will echt nicht, dass die Fans irgendwann die Barrikaden stürmen, weil sie die Einkommensungleichheit zwischen sich und den Spielern nicht mehr ertragen. Deshalb habe ich auch einen Experten vom London Centre for Ethical Business Cultures zu einem Vortrag vor meinen Spielern zum Thema »Kunst des Understatements« eingeladen. Kernaussage: Kauft euch verdammt noch mal keinen Lamborghini Veneno. Den ganzen Aufwand betreibe ich, weil ich meine Jungs vor unerwünschten Schlagzeilen schützen muss, wenn ich den bestmöglichen Fußball aus ihnen rauskitzeln will. Und nur darum geht es mir. Meine Spieler liegen mir am Herzen wie meine eigene Familie. Und so rede ich auch mit ihnen, obwohl ich oft auch einfach nur zuhöre. Genau das brauchen die meisten von ihnen: einen, der sie versteht, was natürlich nicht immer ganz einfach ist. Der Umgang der Spieler mit ihrem Reichtum lässt sich natürlich nicht über Nacht ändern. Junge Männer im Allgemeinen zu verantwortungsbewussten Mitmenschen erziehen ist genauso schwer wie der Kampf gegen den Aberglauben der Spieler. Aber hier muss sich bald etwas ändern, sonst verliert der Fußball seine Nähe zu den einfachen Leuten, wenn er das nicht schon längst hat.

Vom totalen Fußball hat wohl schon jeder mal gehört, vielleicht betreibe ich hier die totale Mannschaftsführung. Oft muss ich im Gespräch mit meinen Spielern neben dem Thema Fußball auch andere Bereiche abdecken; und manchmal muss ich Durchschnittsmenschen dazu bringen, sich wie Ausnahmetalente zu verhalten. Dieser Job hat mich zum Psychologen, Lebensberater, Komiker, Trostspender, Pfarrer, Freund und Vater gemacht. Und manchmal auch zum Detektiv.

Die Hand Gottes
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