39

Sebastian hatte den Jahreswagen gleich in die Waschanlage gefahren. Er war kaum ausgestiegen, als Frau Gambach neben ihm auftauchte.

„Ich muss Sie sprechen, in drei Minuten in meinem Büro. Unauffällig.“ Sie ging um den Wagen herum, als begutachte sie ihn und verschwand dann wieder.

Sebastian wusste nicht, was er davon halten sollte. Er stand nicht auf Stress. Unauffällig hatte sie gesagt. Wollte sie ihn etwa verführen?

Er wusch sich die Hände und folgte ihr ins Büro.

„Schließen Sie die Tür?“

Sie bot ihm keinen Stuhl an. „Was fällt Ihnen ein?“ Ihre Stimme klang harsch.

„Ich weiß nicht, wovon …“

„Hören Sie auf, unterbrechen Sie mich nicht. Die Polizei war eben da.“

Er erblich. „Was wollten die?“

„Sie haben in dem SUV unseres Kunden Heckmann gefälschte Papiere gefunden.“

Er wollte widersprechen.

„Leugnen ist zwecklos.“

Was bildete die sich ein? Er verschränkte die Arme vor der Brust.

„Wollen Sie mir weismachen, dass der dicke Kurt Autos stiehlt?“

Keine schlechte Idee.

Der Alte kotzte ihn sowieso an.

„So blöd bin ich nicht, und die Polizei erst recht nicht. Wie können Sie unser kleines Arrangement so leichtfertig gefährden?“

Er hatte gar nichts gefährdet. Nur weil ihm diese Kinder in die Quere gekommen waren, lief alles schief.

Plötzlich stand sie ganz nah vor ihm. „Ich kann verstehen, dass es Sie gejuckt hat, den SUV weiterzuschieben, solange er nagelneu war. Aber wieso haben Sie die Papiere nicht entfernt, als Sie die Gelegenheit hatten? Das war dumm.“

Was sollte er sagen? Leider hatte sie recht.

„Sie werden heute Nachmittag freinehmen.“

Er erschrak.

„Ich möchte, dass Sie alles, was auf unsere Sondervereinbarung hinweist, an einen sicheren Platz bringen. So sicher, dass auch eine Schwadron Spürhunde sie nicht findet. Wenn die Polizei wiederkommt, darf nichts mehr auf unser Geschäft hinweisen. Ist das klar?“

Er nickte beklommen. Gab sie ihm noch eine Chance? Wo sollte er das Zeug hinbringen? In seine Scheune?

„Wo …?“

„Das ist Ihre Sache, und ich will es gar nicht wissen. Wir müssen uns noch entscheiden, ob Sie zugeben oder leugnen, die Papiere deponiert zu haben.“

„Leugnen.“

„Reden Sie nicht dazwischen. Das will gut überlegt sein. Wenn Sie es zugeben, was soll Ihnen passieren? Der Wagen ist ja noch da. Sie könnten einen Namen nennen, sagen, dass man sie gezwungen hat. Alte Freunde Ihres Vaters vielleicht?“

Namen nennen? Die bringen mich um. Was weiß sie von meinem Alten?

„Oder würden die Herren von der Polizei feststellen, dass an ihren letzten Arbeitsstellen öfter mal ein Neuwagen geklaut wurde? Das wäre sehr unglücklich. Wie gesagt, das will gut überlegt sein. Stehen Sie nicht herum wie ein Stockfisch, ich versuche, Sie aus der Schusslinie zu ziehen und Sie starren mich an, ohne mit der Wimper zu zucken.“

Er überlegte fieberhaft, was er sagen sollte. Das Wort Schusslinie irritierte ihn. Ahnte sie etwas? Würde es ihr gefallen, dass er so zielstrebig vorging? Er musste erst in Ruhe darüber nachdenken. Das ging ihm alles viel zu schnell. Was sollte er sagen? Am besten ein Kompliment, das versöhnte sie immer.

„Sie sind wunderschön, wenn Sie sich aufre …“ Nein, das nicht. „… wenn Sie sich Sorgen machen.“

Ihr Gesicht wurde nicht so weich, wie er erwartet hatte. Er gab sich einen Ruck. „Ich bringe das in Ordnung. Bin die ganze Zeit dabei. Ist nicht so einfach.“

„Oh doch, es ist ganz einfach. Du lässt alles sausen, was wir nicht vereinbart haben, sonst lasse ich dich sausen, alles klar?“

Ihre Stimme klang hart. Hatte sie ihn eben geduzt? Warum? Sie war die Chefin und er der Angestellte. Das gehörte sich nicht. Wie sollte er sie anbeten, wenn sie ihn duzte?

Er wich zurück, sah sie prüfend an. Sie saß wieder hinter ihrem Schreibtisch, unnahbar und schön, wie es sich gehörte.

„Sie können jetzt gehen. Bitte kümmern Sie sich um den Jahreswagen, bevor Sie für heute Schluss machen. Danke.“

Er war entlassen. Blind stolperte er aus dem Büro.

Mechanisch reinigte Sebastian das Auto von innen und außen. Er musste vorsichtiger sein. Vor allem musste er Lirim loswerden. Er dachte an die PK380 in seinem Versteck. Wenn alles nichts half.

Zuerst musste er jedoch die Sache mit den Typen vom Gymmi zu Ende bringen.

Die Wut saß wie ein dicker Klumpen Holzkohle in seinem Bauch und glühte vor sich hin.

Ausweichmanöver
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