Kapitel Vierunddreißig
›Wir haben ihn‹, meldete sich Lamoureaux nur zwei Stunden später bei Dakota. ›Gerade haben wir ihn entdeckt, wie er eine Nebenluftschleuse auf Deck D ansteuert. Das ist die gute Nachricht. ‹
Dakota selbst stand im Eingang eines Maschinenraums in der Nähe des Haupthangars und sah zu, wie drei Spinnen-Mechaniker sich mit Hilfe kleiner Gasschübe durch die Halle lavierten. Das Licht ihrer hin und her schwenkenden Scheinwerfer wurde von Schotten und Apparaturen reflektiert und ließ die sie umgebenden Schatten umso dunkler erscheinen.
Sie haben also auch eine schlechte Nachricht?
›Wir fangen Spuren von Tach-Net-Kommunikationen der Emissäre auf, die sich definitiv in unserer Nachbarschaft befinden. Kleine Einheiten, breit aufgefächert, aber zahlreich.‹
Verdammt. Scouts?
›Kann ich noch nicht bestätigen, aber das ist auch meine Einschätzung. Keine Ahnung, ob sie uns schon entdeckt haben, aber ehe sie uns bemerken, müssen wir den nächsten Sprung riskieren. Jetzt schicke ich Ihnen die Videoerfassung von Whitecloud.‹
Sie sah Whitecloud, der sich zügig durch einen Korridor bewegte, eine schwere Tasche über die Schulter geschlungen. Als er an der verborgenen Überwachungskamera vorbeikam, konnte man hinter ihm einen Wegweiser erkennen, der in die Richtung einer Luftschleuse zeigte.
Wo zum Teufel will er hin?, erkundigte sie sich bei Lamoureaux. Der Haupthangar befindet sich doch ganz woanders.
›Fragen Sie ihn, wenn Sie ihn sehen. Von uns allen sind Sie dieser Luftschleuse am nächsten. Denken Sie, Sie werden mit ihm fertig?‹
Sie kehrte dem Maschinenraum den Rücken, packte einen Haltegriff und benutzte ihn, um durch die Luft zu schnellen. Mit den Füßen stieß sie sich an den Wänden ab, bis sie ein gewisses Tempo erreichte. Ich hatte schon mit Dingen zu tun, die viel schlimmer waren als Whitecloud. Wann findet der nächste Sprung statt?
›In fünfundzwanzig Minuten.‹
Verstanden.
›Strengen Sie sich an, Dakota. Und viel Glück.‹
Sie hetzte in Richtung Bug, entfernte sich dabei immer weiter vom Hangar, bis sie den Korridor erreichte, in dem Whitecloud gesichtet worden war. In Rekordzeit preschte sie zum Luftschleusenkomplex, doch sie brauchte trotzdem gut zehn Minuten.
Als sie dort ankam, fiel ihr sofort auf, dass in den Gestellen ein Anzug fehlte. Whitecloud befand sich bereits in einer der Luftschleusen, deren Zyklus allerdings noch im Gange war.
Sie kickte sich von einer Wand ab und landete direkt auf der Luftschleusentür. Als sie durch die Glasscheibe linste, sah sie Whiteclouds Hinterkopf. Er trug einen Helm, und seine Tasche hing über der Schulter seines Anzugs.
Mehrere Male hämmerte sie mit der Hand gegen das Glas, bis Whitecloud sich endlich umdrehte und sie ansah. Etwas in seinen Gesichtszügen verlieh ihm einen fremden, gespenstischen Ausdruck. Sie fragte sich, wie lange der Händler ihn noch unter Kontrolle halten konnte.
War der Luftschleusenzyklus erst einmal eingeleitet, gab es keine Möglichkeit mehr, ihn zu stoppen. Ihr blieb also gar nichts anderes übrig als abzuwarten, bis Whitecloud nach draußen auf die Hülle trat und die Außenluke sich wieder geschlossen hatte. Sobald das Sicherheitslicht aufblinkte und die Luftschleuse die Sperre löste, riss Dakota die Tür auf, kletterte in die Kabine und initiierte einen neuen Zyklus. Als sich die Außenluke abermals öffnete, hatte sich ihr Iso-Anzug unter ihrer Bekleidung schon über ihren ganzen Körper ausgebreitet.
Sie zog sich auf die Hülle hinaus, vermochte Whitecloud jedoch nirgends zu entdecken. Einen beklemmenden Augenblick lang befürchtete sie, sie hätte ihn verloren, doch dann sah sie ihn, wie er eilig durch den Wald aus Antriebsdornen turnte; er bewegte sich auf das Heck zu, und die Tasche pendelte im Rhythmus seiner Bewegungen.
Ty? Händler? Können Sie mich hören? Ich befinde mich direkt hinter Ihnen.
Whitecloud blieb nur kurz stehen, um sich zu ihr umzublicken. Dann wandte er sich wieder ab und setzte seinen Weg mit erhöhtem Tempo fort.
Parallel zur Hülle schob sie sich voran. Es war ein gefährliches Unterfangen, sich ohne eine Sicherungsleine, die sie mit der Außenhülle verband, so schnell zu bewegen. Ein einziger Fehler genügte, und sie würde in die Schwärze des Alls trudeln.
Händler, ich weiß, dass Sie dahinterstecken.
Zu ihrer Überraschung antwortete er ihr.
›Seien Sie gegrüßt, Dakota. Ich hoffe, Sie sind wohlauf.‹
Aus Whiteclouds Mund klangen die Worte falsch. Plötzlich erinnerte sie sich an Gespenstergeschichten aus ihrer Kindheit, Erzählungen über Geister oder Leute, die von einem Dämon besessen waren. Den Händler durch ein menschliches Wesen sprechen zu hören, war eine höchst verstörende Erfahrung.
Ich weiß alles, Händler. Sie haben Olivarri und Willis umgebracht, und jetzt benutzen Sie Whitecloud, um Ihnen den Mos Hadroch zu bringen. Aber ohne die notwendige Feuerkraft, die Ihnen den Rücken freihält, kommen Sie nicht an den Technologiehort heran. Warum tun Sie das also?
›Sie haben mich verraten, Dakota. Ist das nicht Grund genug?‹
Was?
›Als Sie mir zu verstehen gaben, Moss sei tot, haben Sie gelogen. Ich erhielt Berichte, denen zufolge er sehr lebendig ist. Ich frage mich, was er Ihnen gegeben hat, um Sie davon abzuhalten, ihn zu töten.‹
Whitecloud verschwand nun hinter der breiten Wand einer Wärmetauschergondel. Dakota setzte ihren Weg entlang einer der Plasmaleitungen fort und holte langsam auf. Aber nach fünfzig Metern endeten die Leitungen; danach begann die Außenwand des Haupthangars.
Na schön, ich geb’s zu, ich ließ ihn am Leben. Und jetzt bleiben Sie stehen, Händler, andernfalls übernehme ich Ihre Yacht.
›Das können Sie gar nicht.‹
Sie fragten mich, was Moss mir gegeben hat. Er überließ mir die Kommandostruktur für Ihr Schiff. Wenn Sie nicht sofort stehenbleiben, sorge ich dafür, dass Sie gar nicht erst wieder an Bord gelangen.
›Ein Versuch, und Whitecloud wird das Artefakt von der Fregatte wegschleudern. Ihre Chancen, es wieder zu bergen, dürften gleich null sein, wenn man bedenkt, dass eine große Anzahl Scouts der Emissäre im Anflug sind.‹
An der Gondel hielt sie erst einmal inne, um sich dann vorsichtig herumzutasten. Als sie die andere Seite erreichte, sah sie Whitecloud auf dem Weg zu einer Luftschleuse, von der aus man direkt in eine Reihe von Zugangstunneln gelangte, die den Haupthangar umgaben.
Einen Moment lang schien er zu zaudern; reglos stand er da, eine Hand auf dem manuellen Entriegelungsmechanismus. Sie fragte sich, ob die Kontrolle, die der Händler über ihn ausübte, endlich nachließ.
Mit frischer Energie schob sie sich auf ihn zu.
Ted, Whitecloud betritt den Hangar durch eine Service-Schleuse.
›Verstanden. Es sieht ganz danach aus, als wären gerade ein paar Scouts in unsere Nähe gesprungen, um uns zu checken. Sie müssen wieder reinkommen, Dakota. Jetzt gleich!‹
Ich hab’s gehört.
Sie fuhr fort, sich näher an Whitecloud heranzuarbeiten. Anscheinend hatte sich seine Starre gelöst, denn er betätigte hastig den Türöffner. Ein rotes Licht beleuchtete die Vorderseite seines Anzugs, als die Luftschleusenluke langsam zur Seite glitt.
Händler! Das ist der helle Wahnsinn. Die Emissäre werden Sie in Stücke schießen, wenn Sie versuchen, sich dem Technologiehort allein zu nähern.
›Wie kommt es, Dakota, dass die anfliegenden Scouts uns bis zu diesen Koordinaten verfolgen konnten, wo doch der Perseusarm ungeheuer groß ist? Woher wussten sie, dass wir hier sind?‹
Ehe Dakota Gelegenheit erhielt, ihm zu antworten, verschwand Whitecloud durch die offene Luke.
Längs der Spitzen der nächsten Antriebsdorne sprühten bereits Lichtfunken, und sie vergegenwärtigte sich, dass die Mjollnir nur noch Sekunden von einem Sprung entfernt war. Wenn sie nicht sofort ins Schiff zurückkehrte, würde der Energiefluss sie vaporisieren.
Etwas rauschte an der Fregatte vorbei; die Geschwindigkeit des Objekts war so hoch, dass es schon wieder weg war, als sie darauf aufmerksam wurde. Sie streckte die Hand nach einem Haltegriff neben der Luke aus …
Die Energiefeldgeneratoren schalteten sich ein, als die ersten Impulsstrahlen auf die Mjollnir zuschossen.
Ein paar Sekunden lang verwandelte sich die Welt in ein weißes Gleißen, aber sie ließ den Griff nicht los. Das Licht verflüchtigte sich bald, sie aktivierte das Verschlusssystem und sah, wie die Tür in die Einsparung hineinglitt.
Noch mehr schwarze Objekte sausten vorbei, so schnell, dass sie sie kaum wahrnahm. Sie zog sich in die Schleusenkammer hinein.
Händler? Ich habe keine Ahnung, wie die Scouts uns aufspüren konnten. Vielleicht verraten Sie es mir?
Über ihr schloss sich die Luke, während draußen Blitze über die Schiffshülle zuckten.
›Gerade Sie müssten doch wissen, wie unvorstellbar gering die Chancen sind, in den Tiefen des interstellaren Raums rein zufällig auf diese Fregatte zu stoßen. Daraus folgt der einzig logische Schluss, dass die Scouts die Mittel hatten, uns aufzuspüren. ‹
Die Luftschleuse beendete ihren Zyklus, und Dakota gelangte in ein Geflecht aus engen Service-Tunneln. Sie tauchte kurz in den Datenraum ein, um sich eine Vorstellung zu verschaffen, welche Richtung sie einschlagen musste.
Als der Gang vor einer wuchtigen Tür endete, öffnete sie sie und stand in einem großen Kontrollmodul, das einen Einblick in den Hangar bot. Von diesem Raum aus überwachten Kontrolleure die Bewegungen von Schiffen und Fracht. Das Modul war mehrere Meter lang, und durch das riesige Fenster am anderen Ende sah sie die Yacht des Händlers. Das Schiff hatte das Eindockgerüst verlassen und schwebte nun so dicht hinter der Glasscheibe, dass tatsächlich die Gefahr bestand, die Antriebsdorne könnten sie zertrümmern.
Unter dem Fenster kauerte Ty, neben einer Konsole, die Tasche mit dem Mos Hadroch immer noch fest gegen die Brust gepresst. Seinen Helm hatte er bereits abgenommen.
»Sie hätten mir nicht folgen dürfen«, schrie er mit einer Stimme, die schon fast wie seine eigene klang.
Als sie auf ihn zuging, zog er ein Messer aus der Tasche; an der Klinge klebte noch Willis’ Blut.
»Damit können Sie mich nicht verletzen, glauben Sie mir«, erklärte sie.
Sie rückte noch näher an ihn heran, und mit einem unerwartet jähen Ruck schoss die Yacht auf das Fenster zu. Ein Antriebsdorn bohrte sich durch die Glasscheibe, und Dutzende von Splittern wirbelten durch die Luft. Dakota hielt sich an einem Metallsims an der Wand fest, ehe die entweichende Atmosphäre sie aus dem Modul heraussaugen und in den Hangar befördern konnte.
Aber die explosionsartig erfolgte Dekompression riss ihre Hände von dem Sims, und sie kollidierte mit dem Schott neben dem Fenster. Es gelang ihr, sich so lange an die Konsole zu klammern, bis die Wucht der Dekompression sich nach ein paar Augenblicken endlich abschwächte.
Als sie sich nach Whitecloud umsehen wollte, war der verschwunden. Der Riemen seiner Tasche hatte sich jedoch an einem verbogenen Metallstück verhakt, das seitlich aus dem Fensterrahmen hervorragte.
Mit ausgestreckten Händen schob Dakota sich auf die Tasche zu.
Ihr war nicht bewusst, dass es eine Explosion gegeben hatte oder dass sie von einem Geschoss getroffen wurde. Erst später erinnerte sie sich, flüchtig einen Ball aus weißem Licht gesehen zu haben, der sich durch das zertrümmerte Fenster bis zu ihr ausdehnte. Zunächst wusste sie nur, dass sie sich plötzlich an der gegenüberliegenden Seite des Moduls befand. Die Metallborde waren an den Stellen verbogen, an denen ihr Körper mit einer ungeheuren Wucht aufgeprallt war.
Der Iso-Anzug hatte sie geschützt, aber die Schwere des Aufpralls hatte nahezu seine gesamte Energie verbraucht. Bis zu seinem völligen Versagen dauerte es vielleicht nur noch wenige Minuten.
Der Händler schwamm durch das zerstörte Fenster herein und driftete zur Tasche, bis die ihn umgebende Sphäre aus Wasser sie einhüllte. Die Tentakel, die unter seinem Bauch baumelten, lösten den Riemen von dem Hindernis und zogen die Tasche dicht an seinen Leib.
Hilflos sah sie zu. Sie wusste, wenn sie den Händler zu einem neuerlichen Angriff provozierte, würde ihr Iso-Anzug der Gewalt nicht standhalten.
Der Händler drehte sich um und blickte sie an. ›Ich würde unser Gespräch von vorhin gern fortsetzen. Sie wissen natürlich, dass es raffinierte Techniken gibt, mit deren Hilfe Kulturen, die viel weiter entwickelt sind als die Ihre, Individuen über enorm große Entfernungen verfolgen können.‹
Ich habe keinen blassen Schimmer, was Sie meinen.
›Tun Sie nicht so. Sie wissen ganz genau, wovon ich spreche. Auf diese Weise jagte Hugh Moss mich kreuz und quer durch die Galaxis. Ist Ihnen denn nicht klar, dass er gar nicht will, dass wir Erfolg haben? Die Emissäre sind dabei, den Krieg zu gewinnen. Die Shoal ziehen sich zurück, eine Welt nach der anderen wird vernichtet. Sie können sich ja gar nicht vorstellen, wie viele Opfer es bereits gegeben hat. Nichts würde diesem Ungeheuer mehr Vergnügen bereiten, als uns alle sterben zu sehen. Deshalb war es keine große Überraschung, dass er Ihnen eine ähnliche Form von Peiltechnologie implantieren würde. Etwas, das so winzig und unauffindbar ist, dass Sie es niemals entdecken würden. Und dann, meine teure Dakota, gab er den Emissären das Mittel, um Sie aufzuspüren.‹
Dakota entsann sich, wie Moss auf Derinkuyu ihre Schulter angefasst hatte, und dass diese Berührung sehr schmerzhaft war.
Sie lügen. Das können Sie gar nicht wissen.
›Ich bin nicht so allein in meinen Bemühungen, wie Sie offenbar glauben. Es gibt immer noch Sympathisanten, denen ich vertraue und die mich mit bestimmten Informationen versorgen, anderenfalls hätte Moss mich längst gefunden und vernichtet. Aber der endgültige Beweis, dass die Emissäre über die Möglichkeit verfügen, sich an Ihre Fersen zu heften, ist die Tatsache, mit welcher Leichtigkeit sie uns in den riesigen Weiten dieses Spiralarms geortet haben. Ich bin fest davon überzeugt, dass die in dem Hort versteckten Scouts eine Falle waren, die bei Ihrer Ankunft zuschnappen sollte. Mir bleibt also gar keine andere Wahl, als den Mos Hadroch weit weg von Ihnen und der Fregatte zu bringen, weil er in Ihrer Nähe nicht sicher ist.«
Das ist Blödsinn! Sie hatten von Anfang an vor, ihn zu stehlen!
›Ich hatte in der Tat geplant, ihn nach Beendigung unserer Mission der Hegemonie zu überlassen, die ihn bewachen sollte, das ist wohl wahr. Wenn Sie diesen Tag überleben, gelangen Sie vielleicht zu der Einsicht, dass der Mos Hadroch viel zu kostbar ist, als dass man ihn einer so unreifen und barbarischen Rasse wie den Menschen anvertrauen dürfte. Die Aufmerksamkeit der Emissäre wird sich auf die Fregatte, oder präzise ausgedrückt, auf Sie richten, während ein viel kleineres Schiff wie meine Yacht sich eventuell an ihren Abwehrsystemen vorbeimogeln kann.«
An der Seite der Yacht glitt eine Luke auf, und der Händler schwebte darauf zu.
Warten Sie …
›Leben Sie wohl, Dakota. Ich habe mir diese Entscheidung nicht leichtgemacht.‹
Er schlüpfte durch die Luke, die sich hinter ihm schloss. Um die Spitzen der Antriebsdorne flackerten Blitze.
Dakota aktivierte die Kommandostruktur, die Moss ihr gegeben hatte; sie spürte, wie sie sich tief in ihrem Geist entfaltete, ähnlich einer unglaublich komplexen Origamiblume. Als Erstes wollte sie sich in die primären Steuersysteme der Yacht einklinken, doch dazu war es zu spät; das Schiff stand kurz vor einem Sprung. Ein Versuch, den durch die Antriebsdorne fließenden Energiestrom umzukehren, hätte zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich die Yacht, den Hangar und sie selbst zerstört.
Sie preschte zur Tür und geriet in Panik, als sie merkte, dass das Schott sich als Folge der Dekompression selbst verriegelt hatte. Hastig katapultierte sie sich in den Datenraum zurück und fand die Override-Codes für die Tür, aber Lamoureaux saß im Interface-Sessel und das bedeutete, dass sie sie ohne seine ausdrückliche Erlaubnis nicht aktivieren konnte.
Ted, Sie müssen die Sicherheitssperren an meinem augenblicklichen Aufenthaltsort überbrücken. Schnell!
›Ich habe Sie geortet, aber die Tür aufzusprengen, wäre gefährlich. Wollen Sie nicht …?‹
Tun Sie es einfach, Ted! Beeilung, oder ich bin tot!
›Okay. Aber rücken Sie von der Tür ab, falls Sie sich in der Nähe befinden.‹
Sie verkroch sich in einer Ecke unter einem Metalltisch, der aus einer Wand kragte, und hielt sich an dessen Beinen fest. Das Licht, das die Yacht des Händlers verströmte, steigerte sich zu einem fast blendendem Gleißen.
Eine Sekunde später krachte die Ausgangstür auf, und Dakota klammerte sich mit aller Kraft fest, als die Atmosphäre an ihr vorbei durch das zersplitterte Fenster zischte. Nachdem der reißende Luftstrom abgeebbt war, hechtete sie in den Zugangstunnel und hangelte sich zur Luftschleuse zurück, wobei sie in ihrer Hektik rechts und links von den Wänden abprallte.
Das Licht, dessen Helligkeit weiter zunahm, verfolgte sie. Jedes Mal, wenn ihre Hände oder Füße ein Schott berührten, fühlte sie, wie sich heftige Vibrationen darin aufbauten.
Keine Minute später stand sie wieder draußen auf der Hülle. Abermals hatten sich die Sterne verändert, und die Scouts der Emissäre befanden sich nun mehrere Hundert Lichtjahre hinter ihnen.
›Dakota!‹, kreischte Lamoureaux durch den Link. ›Was zum Teufel ist da los? Werden wir immer noch angegriffen?‹
Sie konnte hören, wie auf der Brücke Alarmsignale der höchsten Dringlichkeitsstufe plärrten.
Es ist der Händler. Er wird mit seinem Schiff aus dem Inneren des Hangars springen. Ich weiß auch nicht, was dann mit der Fregatte passiert, aber Sie sollten die anderen warnen, damit sie vorbereitet sind.
Hand über Hand zog sie sich auf der Außenhülle in Richtung Bug bis zu der Wärmetauschergondel, an der sie vorher vorbeigekommen war. Sie schob sich auf die andere Seite und presste sich dicht an sie heran. Die Vibrationen steigerten sich nun zu einem gewaltigen Tremor, auf den mehrere wuchtige Stöße folgten, die sie beinahe in die Schwärze des Weltraums geschleudert hätten.
Auf der anderen Seite der Gondel ergoss sich ein Schwall Licht in das Vakuum. Sie spähte über den oberen Rand und sah gerade noch, wie die Hülle rings um den Haupthangar aufriss, als bestünde sie aus Kitt; Platten der Außenpanzerung schwebten lautlos davon, als ein Inferno aus Licht und Energie aus der klaffenden Lücke spritzte. Unter heftigem Pulsieren schraubte sich das Gleißen zu einem wahren Crescendo in die Höhe und stieß dann eine gigantische, feurige Plasmablase aus, die sich von der Fregatte ausdehnte, ehe sie schnell zu einem intensiven Orangeton verblasste.
Die Yacht des Händlers war weg. Entsetzt starrte Dakota auf die Verwüstung, die sie angerichtet hatte.
›Dakota! Dakota, sind Sie noch da? Wir haben den Kontakt mit allem verloren, was hinter Deck E liegt. Bitte antworten Sie.‹
Ja, ich bin hier. Der Händler ist auf und davon – und wir haben den größten Teil des Haupthangars verloren.