41
Die Stimme meines Vaters hatte sich nicht verändert. Sie klang wie vor einem Jahr, als er mich das letzte Mal angerufen hatte. »Sweet sixteen«, hörte ich ihn am anderen Ende der Welt sagen, aber mir war noch immer speiübel von letzter Nacht, weswegen mein blöder Geburtstag mir in dem Augenblick ziemlich egal war. Ich ging aus dem Flur in mein Zimmer zurück und setzte mich neben Anna. Ich wusste nicht, was ich mit ihm reden sollte. Mein Herz tat weh, und mein Bauch fühlte sich nach Kotzen an. Immerhin hatte er sich die Mühe gemacht, aus Südafrika anzurufen, also versuchte ich mich zu konzentrieren. Er erzählte von Milo, meinem geliebten Hund, und dass er von einer giftigen Schlange gebissen wurde und jetzt tot sei. Sachte fuhr ich mit meiner Hand über Annas Haare und fragte mich, ob Menschen und Tiere im Himmel auf unterschiedlichen Wolken wohnen. Ich blieb eine Weile traurig, weil ich die Angst fühlen konnte, die mein kleiner Jack Russell kurz vor seinem Tod gehabt haben musste. Ich hoffte, dass die Schlange schnell zugebissen hatte und dass seine Schmerzen nicht zu groß waren. Er war ein guter Hund. Nach dem Telefonat zündete ich in der Küche eine Kerze für ihn an und sprach ein kurzes Hundegebet. Mama hatte zum Glück genug Kerzen vorrätig. Anlässe gab es bei uns ja genug. Dann ging ich ins Bad, um mich im Waschbecken zu übergeben. Niemand stand hinter mir, um mich festzuhalten, also musste ich aufpassen, dass mir die Beine nicht wegsackten. Das war gar nicht so einfach, aber ich schaffte es. Rocky schlich auf leisen Pfoten durch den Flur. Er sah mich nicht. Mein Magen beruhigte sich wieder, und ich putzte mir schnell die Zähne, damit ich das hinter mir hatte. Ich hasse Zähneputzen.
»Guten Morgen, mein Engel«, hörte ich Mamas Stimme plötzlich neben mir. »Alles gut bei dir?«
Kurz überlegte ich, etwas zu sagen, aber was hätte das schon geändert? Ich nickte erschöpft und stellte meine Zahnbürste zurück in den Becher. Mama nahm mich in den Arm und gab mir einen Kuss auf die Wange.
»Happy Birthday, Sonnenschein. Endlich bist du sechzehn. Hab dich sooooo lieb.«
Als sie mit der Geburtstagsknuddelei fertig war, atmete ich tief ein, was ein bisschen brannte und sagte: »Also ehrlich, Mama. Wo ist deine gute Erziehung geblieben? Tauchst hier einfach ohne Geschenke auf. Aber ich verzeihe dir. Ausnahmsweise.«
Papa kam zu uns ins Bad. Mama und er lachten eine Runde zusammen. Ich nicht, weil es ja mein eigener Witz war. Wir nahmen uns zu dritt in den Arm, und jeder sagte dem anderen, wie lieb er ihn hatte. Das war schön. So wurde es doch noch ein guter Start in den Tag. Auch wenn ich mich, wie immer, beeilen musste, um nicht den Bus zu verpassen.
Mein Racheplan ging voll in die Hose. Dabei hatte ich mich so sehr darauf gefreut, in ihr verdutztes Gesicht zu gucken. Das Problem war nur: Layla kam an diesem Tag nicht in die Schule. Zuerst dachte ich, sie verstecke sich nur vor mir, weil sie vielleicht eine Vorahnung hatte. In jeder Pause suchte ich nach ihr, aber sie war wirklich nirgends zu finden. Ihre besten Freundinnen sah ich einige Male, sie nie. Mein erster Impuls war, mich nach ihr zu erkundigen, weil ich begann, mir Sorgen zu machen. Auch wenn sie ein hinterlistiger Drachen war, so hatte ich sie tief in meinem Herzen immer noch lieb. Aber dann erinnerte ich mich an die Drohung ihrer Clique, und weil ich nicht verprügelt werden wollte, ging ich zurück ins Klassenzimmer und blieb dort bis zum Schlussgong. Das trübte meine Laune natürlich, und als Lars mit ausgebreiteten Armen vor mir stand, fiel es mir schwer, zurückzulächeln. Die Kinder aus den anderen Klassen strömten an uns vorbei, Sanitäter schoben Rollstühle zu den Krankentransportern, und ich hatte mir alles so anders vorgestellt.
»Hey, Geburtstagsjunge«, grinste Lars. »Willst du mich denn gar nicht begrüßen?«
»Nimm erst mal deine Sonnenbrille ab, du Honk«, fauchte ich ihn an.
Er nahm sie ab und drückte mich.
»Alles Gute zum Geburtstag, mein Lieber.«
»Danke«, sagte ich und griff nach meiner Jacke, die über der Tasche mit dem Sauerstoff lag. Lars setzte sich seine Sonnenbrille wieder auf, sah sich um und rieb sich schon voller Vorfreude die Hände.
»Okay, Brüderchen. Wie ist der Plan? Wo steckt die Kleine? Wo soll die Show stattfinden?«
»Wo ist Tamtam?«, fragte ich frustriert.
»Die wartet draußen. Ich wollte hier erst mal die Lage checken, bevor sie die große Bühne betritt, verstehst du?«
»Die braucht sich gar nicht auszuziehen«, winkte ich ab und ging zum Ausgang. »Der Plan ist abgeblasen.«
Lars schnappte sich die Sauerstofftasche und lief mir hinterher.
»Was ist passiert?«
»Egal, erzähl ich dir später. Wo steht der BMW?«
»Gleich da vorne. Schau mal.«
»Geil!«
Meine Laune besserte sich. Dann entdeckte ich Tamtam, und ich verschwendete keine Sekunde mehr damit, an meine doofe Ex zu denken.
»Darf ich vorne sitzen?«
»Alles, was du willst«, lachte Lars. »Es ist dein Tag. Du bist der Boss wie Rick Ross.«
Dann kam mir ein Geistesblitz. Ich jubelte vor Freude, weil er gerade noch rechtzeitig durch meinen Kopf flog.
»Wenn ich mir alles aussuchen darf«, sagte ich, »dann setze ich mich mit Tamtam auf die Rückbank, wir spielen Liebespaar und du bist unser Chauffeur.«
Lars öffnete kommentarlos die hintere Wagentür und sagte: »Meine Damen und Herren, bitte steigen Sie ein.«
Tamtam und ich klatschten ab. Ich drehte mich kurz zum Schuleingang um. Vielleicht hatte das ja gerade jemand gesehen, aber die Krankenwagen blockierten die Sicht. Egal. Lars ließ beim Anfahren den Motor aufheulen, und wir rauschten ab ins Hospiz. Viel lieber wäre ich mit unserem Raumschiff an alle anderen Orte dieser Welt geflogen, egal wohin, aber Lars meinte, das sei mit Mama so abgesprochen und an Absprachen müsse man sich halten. Ich protestierte lautstark, aber es half nichts. Lars erinnerte mich an einen Spruch, den er mir vor einigen Wochen mal sagte, als ich etwas tun sollte, worauf ich keine Lust hatte. Ins Bett gehen, oder so. Deine Mama hat immer recht, egal was sie sagt, weil sie deine Mama ist. Ich fragte ihn damals, ob das auch auf seine Mama zuträfe, und er meinte, dass diese Regel für alle lieben Mamas galt. Ich sah zu Tamtam.
»Auch für Tamtams Mama?«
»Frag sie doch selbst!«, grinste Lars durch den Rückspiegel.
»Gilt das auch für deine Mama?«, fragte ich Tamtam.
»Wir müssen uns alle an diese Regel halten, mein Schatz.«
»Außerdem wären die Mädels aus dem Hospiz bestimmt traurig, wenn du an deinem Geburtstag nicht wenigstens für ein Stündchen bei ihnen vorbeischauen würdest. Die haben dich doch auch lieb und möchten ihre Geburtstagsdrückungen loswerden.«
»Okay«, willigte ich zähneknirschend ein. »Eine Stunde! Dann geht’s aber sofort ins ELBE. Ich muss dringend shoppen gehen. Ihr wisst schon: Für die heißen Weiber.«
Im Hospiz wurde ich mit lautem Applaus empfangen. Manu, Ester, Lizzi, Sabine und die nette alte Putzfrau, hatten kleine Tröten in ihren Mündern und tröteten, was das Zeug hielt. Es gab auch einen schönen Geburtstagskuchen. Wir setzten uns an den großen Tisch vor dem Kicker und plauderten. Also, die Erwachsenen stellten mir Fragen über meinen Geburtstag, und ich musste antworten. Das war langweilig. Ich bekam aber viele Geschenke. Als ich alles ausgepackt hatte, lagen auf dem Tisch Gutscheine fürs Kino und das Einkaufszentrum, jede Menge Süßigkeiten, zwei BMW-X5-Spielzeugautos und ein schwarzes T-Shirt mit einem Bild von Lars und mir vorne drauf. Ich befahl Lars, den ganzen Kram in eine Tüte zu packen. Ich glaube, ich beschimpfte ihn auch, aber genau weiß ich es nicht mehr. Die Aufregung war zu viel für mich. Der Raum begann sich zu drehen, aber da ich auf einem Stuhl saß, konnte ich es gut für mich behalten. Ich musste nur in Ruhe atmen, dann ging es schnell wieder vorbei. Ich trank einen Schluck von meiner Fanta und gab Tamtam über meine Augen heimlich das Signal, gehen zu wollen. Sie nickte mir komplizenhaft zu und stupste Lars unauffällig mit ihren Füßen an.
»So, wir ziehen dann mal die Bahn«, sagte Lars nicht mal fünf Sekunden später. »Das Geburtstagskind möchte noch shoppen gehen.«
»Ihr wisst schon«, grinste ich in die Runde. »Für die heißen Weiber.«
Dann lachten alle. Dieses Mal lachte ich mit.
Wir parkten das Auto im Parkhaus vom Einkaufszentrum. Tamtam war hungrig wie ein Wolf, Lars auch ein bisschen, also gingen wir direkt zum Italiener. Lars und ich waren schon oft dort gewesen, aber für Tamtam war es das erste Mal, also erklärte ich ihr alles. Weil ich Geburtstag hatte, durfte ich für alle bestellen. Für Lars gab es eine Pizza mit Mozzarella, für Tamtam Nudeln mit ekligen Muscheln und für mich natürlich einen Teller Spaghetti carbonara. Tamtam wollte zum Essen einen Weißwein trinken, aber ich erlaubte es nicht. Wenn ich keinen Alkohol trinken durfte, dann durfte sie auch nicht. Gleiche Regeln für alle. Aber sie setzte einen süßen Hundeblick auf und blinzelte mit ihren Augen, da konnte ich nicht widerstehen und erlaubte es ihr doch. Wir redeten nicht viel. Ich dachte über die Party nach und versuchte, ein paar Details aus Lars heraus zu kitzeln, aber er blieb standhaft und verriet kein Wort. Ich war zu müde, um neue Überredungsversuche zu starten und schickte Mama eine SMS. Ich schrieb: Hab dich lieb.
Der Kellner brachte unser Essen und irgendwie schmeckte ich überhaupt keinen Unterschied. Ich meine, nichts wurde besser oder schlechter, nur weil ich plötzlich sechzehn war. Mein Herz tat immer noch genauso weh. Warum hatte ich mich die ganze Zeit nur so auf diesen Tag gefreut? In meinem Kopf waren keine Antworten zu finden. Lars probierte von meinen Spaghetti und ich von seiner Pizza. Von Tamtams Muschelnudeln probierte niemand.
»Darf ich aufstehen?«
»Was ist mit deinem Essen?«, fragte Lars.
»Kann nicht mehr«, sagte ich.
»Und wo willst du hin?«
»Friseur. Bitte, darf ich?«
Mein Friseurladen lag schräg gegenüber, direkt am Übergang zum Parkhaus. Lars fuhr mir prüfend durch die Haare.
»Friseur ist eine gute Idee«, sagte er und biss wieder von seiner Pizza ab.
»Darf ich alleine gehen? Ich bin ja schließlich jetzt sechzehn.«
Tamtam fing an zu kichern.
»Aber nimm dein Handy mit«, sagte Lars mit strengem Blick.
Ich strahlte.
»Und wenn was ist, rufst du an.«
Ich nickte.
»Was ist mit der Sauerstoffflasche?«
»Das Scheißding bleibt hier. Kranksein ist was für Fünfzehnjährige.«
»Ach, hau schon ab.«
Als ich den hübschen Frauen im Friseurladen von meinem Geburtstag erzählte, kamen sie sofort an, um mich zu drücken und mir durch die Haare zu streicheln. Friseurinnen lieben meine Haare, weil sie so schön leuchten. Alle kümmerten sich nur noch um mich, als gäbe es niemanden anderen mehr. Meine Lieblingsfriseurin nannte mich sogar ihren kleinen Prinzen. Das war so schön. Für einen kurzen Moment hörte mein Herz auf, weh zu tun. Es schlug einfach nur, so, wie ein gesundes Herz es tun würde. Sechzehn zu sein war doch nicht so übel. Dann holten Lars und Tamtam mich auch schon ab, und es ging weiter im Programm: Klamotten shoppen!
Lars bekam aber eine Auszeit. Erstens war sein Geschmack nicht der allerbeste, und zweitens machte es mehr Spaß, mit einem Mädchen shoppen zu gehen. Und zwar alleine! Ich erlaubte Lars, auf der Bank in der Umkleidekabine Platz zu nehmen und auf unsere Taschen aufzupassen, während wir uns in dem Kaufhaus umsahen. Wir kamen mit einem riesigen Kleiderstapel zurück, und es war ein bisschen wie bei einer Modenschau. Am Ende entschieden wir uns für eine dunkelgraue Jeans und ein schwarzes Sakko. Lars machte sich Sorgen, weil ich seit Weihnachten schon mehr als eine Konfektionsgröße abgenommen hatte. Mir war das auch aufgefallen, da ich schon am letzten Loch meines Gürtels angekommen war.
»Scheiß drauf«, sagte ich und stellte mich mit Tamtam an der Kasse an.
Lars blieb noch ein paar Sekunden auf der Bank sitzen, kam aber nach, als er sah, dass wir gleich an der Reihe waren.
»Okay, Daniel, wie machen wir das mit dem Bezahlen?«, fragte er.
»Du bezahlst«, sagte ich.
»Warum sollte ich das tun?«
»Weil du immer bezahlst.«
»Tamtam schenkt dir das Sakko zum Geburtstag, stimmt’s?«
Ich nickte.
»Es bleibt also nur die Hose übrig. Pass auf, ich mache dir folgenden Vorschlag: Du hast doch vorhin im Hospiz einen Gutschein über zehn Euro bekommen. Den gibst du dazu, und den Rest bezahle ich.«
Das war die blödeste Idee, die ich jemals gehört hatte. Warum sollte ich von meinem Geld etwas dazugeben? Das kapierte ich nicht.
»Das mache ich nicht«, sagte ich und drehte mich weg.
»Du, wir können das Spielchen noch eine Weile spielen, kein Problem, ich habe Zeit, aber vielleicht wollen die anderen Leute auch noch drankommen. Was meinst du?«
Ich schaute an Tamtam vorbei, und die Frau, die mit ihrem Kinderwagen hinter uns stand, hatte schon einen unruhigen Blick aufgesetzt.
»Aber du bezahlst doch sonst immer alles!«, versuchte ich es wieder.
»Und genau deshalb musst du lernen, dass das keine Selbstverständlichkeit ist.«
Die Schlange hinter uns wurde immer länger, aber Lars lehnte völlig entspannt am Kassentresen.
»Es ist deine Hose. Wenn du sie wirklich willst, gibst du was dazu, wenn nicht, dann bleibt sie hier. Deine Entscheidung. Ja oder nein?«
Ich holte meinen Geldbeutel aus der Jackentasche, knallte den Gutschein auf den Tisch und grummelte: »Aber nicht, dass das jetzt immer so wird!«
Das Mädchen an der Kasse lächelte mich jetzt an, die Dame, die eben noch böse geguckt hatte, auch, und ich fragte mich, was daran so lustig sein sollte. Ich fand es nur gemein. Als wir aber wenig später in dem geilen Superauto saßen, und ich den Startknopf drücken durfte, war wieder alles gut in meinem Kopf.
Wir setzten Tamtam vor der Wohnung ihrer Freundin ab, wo sie die nächsten beiden Nächte schlief, und fuhren wieder stadtauswärts. Ich setzte mich nach vorne zu Lars. Wenn kein Mädchen im Auto war, brauchte er auch nicht mehr Chauffeur zu spielen. Regentropfen fielen vom Himmel, und ich dachte an meine Freunde, die dort oben gerade den Spaß ihres Lebens hatten. Ob sie mir die Regentropfen schickten? Ich stellte mir die Sitzheizung an und rutschte ein bisschen tiefer in den Sitz, um den Himmel besser sehen zu können. Er war ganz grau und wolkig.
»Können wir noch durch die Gegend fahren, bevor es zurück nach Hause geht? Einfach nur rumfahren bitte.«
»Autobahn?«, grinste Lars.
»Autobahn!«, grinste ich zurück.
Wie es wohl wäre, in einem echten Raumschiff zu sitzen und quer durch die Galaxie zu fliegen? Als Lars beschleunigte, schloss ich meine Augen und versuchte es mir vorzustellen, aber ich schaffte nur ein paar Sekunden, weil mein Herz vor Aufregung wummerte. Lars fuhr auf die rechte Spur und drosselte das Tempo, damit ich mich nicht mehr so in den Sitz pressen musste. Ich atmete wieder normal. Der Radiomoderator machte einen Witz über das Dschungelcamp, und Lars wechselte schnell den Sender, um wieder Musik zu hören. Mama sah sich die Sendung jeden Abend an, aber seit Dirk Bach nicht mehr dabei war, spielte ich lieber in meinem Zimmer oder guckte eine Wiederholung von Berlin – Tag & Nacht. Ich fand Dirk Bach so cool. Er erinnerte mich immer an einen kunterbunten runden Knallfrosch. Er quakte auch so lustig. Ich bat Lars, die Musik leiser zu stellen, damit ich mich besser auf meine Gedanken konzentrieren konnte. Die Bilder, die ich sah, waren so echt, dass sie mir vorkamen, als erlebte ich sie gerade zum ersten Mal, dabei war es schon über ein halbes Jahr her, seit Dirk Bach gestorben war.
»Das nennt man einen Flashback haben«, erklärte mir Lars, und ich erzählte ihm alles, denn ich konnte mich noch genau an den Tag erinnern, als ich von seinem Tod erfuhr.
Mein Papa hatte die Zeitung in der Küche liegen gelassen, und das Foto von Dirk Bach war riesengroß auf der ersten Seite abgedruckt. Dort stand ein Zitat, das er in einem Theaterstück hätte aufsagen sollen: »Und wer tot ist, wird ein Stern«. Der Satz brannte sich tief in mein Herz, weil er mich an eine Geschichte erinnerte, die mein großer Bruder Ryan meiner Mama erzählte, noch bevor ich geboren wurde. Ich weiß das, weil Mama sie mir einmal erzählte, als ich ganz krank im Bett lag.
Es war ein verregneter Sonntagnachmittag in Südafrika. Ryan überraschte meine Mama am Küchentisch, wie sie ein zerknülltes Taschentuch in den Händen hielt, sich schnell die Tränen aus dem Gesicht wischte und so tat, als sei nichts geschehen. Seit sie ihr Baby verloren hatte, waren schon zwei Monate vergangen, aber sie kam einfach nicht darüber hinweg.
»Weinst du wegen des Babys?«, fragte Ryan, und als meine Mama betrübt nickte, meinte er: »Dann musst du noch eins bekommen, weil es ein Seelenkind ist und du ja seine Mutter sein solltest.« Sie muss ihn wohl ganz verdutzt angeschaut haben, denn er fügte hinzu: »Weißt du nicht, was ein Seelenkind ist?« Sie hatte keine Ahnung, was er meinte. »Ich werde es dir erklären, Mom. Jede Frau kann eine bestimmte Anzahl von Babys in ihrem Leben bekommen, und diese Babys bilden einen Kreis. Jeden Monat ist ein anderes Baby an der Reihe, das, wenn die Frau schwanger wird, geboren wird. Wenn sie nicht schwanger wird, kehrt das Baby zu den anderen in den Kreis zurück. Wenn die Frau schwanger wird, und es passiert etwas Schlimmes vor der Geburt, kehrt das Baby ebenfalls in den Kreis zurück und wird ein Seelenkind. Alle anderen Babys lassen ihm beim nächsten Mal den Vortritt. Und deshalb musst du wieder schwanger werden, damit du dasselbe Seelenkind noch einmal bekommst. Wenn nicht, wird es nämlich in den Kinderkreis einer anderen Frau übergehen, und dann ist es dort als erstes an der Reihe. Es bleibt immer irgendwo an erster Stelle, bis es schließlich geboren wird. Aber es wäre traurig, wenn du es nicht bekommst, denn ich weiß, wie gerne du es haben möchtest. Du musst es also noch einmal versuchen.«
Als ich Lars diese Geschichte erzählt hatte, schaute er vor sich auf die Straße und sprach die nächsten Kilometer kein einziges Wort. Das Radio war mittlerweile ganz ausgeschaltet. Der Regen nahm wieder ab, dafür knipsten die Autos wegen der anbrechenden Dunkelheit ihre Scheinwerfer an.
»Bist du dir sicher, dass das so passiert ist?«, fragte Lars.
Ich sagte: »Glaube schon.«
Lars sagte: »Wow!«
»Bist du auch ein Seelenkind?«, fragte ich.
»Keine Ahnung, Daniel. Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht.«
»Also, ich bin ein Seelenkind. So viel steht fest.«
Lars lächelte, und ich lächelte zurück. Mama sagt, dass es einen Grund dafür gibt, warum es mir so schlecht geht, dass alles einen Sinn hat und dass der liebe Gott mich auf die Welt geschickt hat, um anderen Menschen Mut zu machen. Ich glaubte erst mal an Geburtstagsgeschenke. Da fiel mir ein, dass ich von Lars noch gar nichts bekommen hatte. Sofort boxte ich gegen seine Schulter und zog eine Grimasse.
»Wo bleiben meine Geschenke?«
»Hahaha.«
»Was gibt’s da zu lachen? Her damit!«
»Sieh mal unter deinem Sitz nach.«
Ich beugte mich vor und zog einen schmalen Pappkarton hervor. Zuerst wollte ich ihn nicht öffnen, weil ich die Vorfreude immer am schönsten finde, aber dann siegte meine Neugierde doch.
»Wow«, rief ich voller Erstaunen aus. »Wie geil ist das denn?«
In meinen Händen hielt ich ein weißes T-Shirt mit einem Foto von Lars und mir vorne drauf, wie wir auf der Treppe im Hospiz sitzen und unsere neuen coolen Klamotten tragen. Quer über dem Foto stand mit roter Farbe geschrieben: BROTHERS FOR LIFE.
»Weißt du was?«, strahlte ich ihn an. »Das kann ich morgen zu meiner Party anziehen. Unter mein neues Sakko.«
»Perfekt. Und die anderen Geschenke kriegst du später.«
»Es gibt noch mehr?«
»Wenn wir zu Hause sind.«
Lars wendete unser Raumschiff und drehte die Musik wieder auf. Diese Spannung war kaum auszuhalten.
Mama und Papa erwarteten uns schon sehnsüchtig. Papa war immer noch krank und hustete, weswegen Lars mit seinem Koffer und dieser geheimnisvollen Geschenkkiste direkt im Gästezimmer verschwand. Ich wollte sofort hinterher, aber Mama hielt mich fest und sagte, ich solle ihn in Ruhe lassen, damit er sich kurz hinlegen könne. Weil ich nicht wusste, was ich sonst tun sollte, zeigte ich meinen Eltern alle Geschenke, die ich bekommen hatte. Das weiße T-Shirt von Lars und mir verstaute ich gleich in meinem Kleiderschrank, damit es nicht schmutzig wurde, das schwarze T-Shirt streifte ich mir über und lief stolz ins Wohnzimmer zurück. Mama fing auf der Stelle an zu weinen. Papa und ich lachten über sie, aber auf die liebe Weise. Dann reichte Papa ihr ein Taschentuch und nahm sie in den Arm, um sie zu trösten. Es gibt nichts Schöneres auf der Welt, als seinen Eltern dabei zuzusehen, wie sie sich lieb haben. Immer wenn mein Papa nicht zu Hause sein kann, weil er arbeiten muss, um für uns Geld zu verdienen, ruft er bei meiner Mama an, um ihr zu sagen, dass er sie lieb hat. Das macht er jeden Abend, bevor sie ins Bett geht. Sie lächelt, wenn er das sagt und antwortet: »Ich liebe dich auch.« Für mich sind das oft die schönsten Momente des ganzen Tages, weil ich tief in meinem Herzen dann auch glücklich bin.
Ich hielt es nicht mehr aus, darauf zu warten, dass Lars’ kurze Pause endlich vorbei war und stürmte, ohne zu klopfen, in sein Zimmer. Er lag auf meinem alten Bett und weinte. Ich blieb erschrocken stehen und fragte ihn, was los sei. Lars sagte, dass es nur seine Katzenallergie sei. Er schwindelte mich an, das konnte ich sofort erkennen. Mit Rocky und Sina hatten seine rote Augen nichts zu tun. Ich setzte mich zu ihm aufs Bett, so wie er es sonst bei mir immer machte, und drückte ihn so fest ich konnte.
»Du bist doch mein Schutzengel«, sagte ich. »Und Schutzengel dürfen nicht traurig sein. Bitte sei nicht mehr traurig. Versprich es mir!«
»Ich verspreche es«, wisperte Lars.
Weil er versprach, nicht mehr traurig zu sein, ließ ich ihn los und ging ins Wohnzimmer zurück. Mama und Papa erzählte ich aber nichts von seinen roten Augen. Das blieb unser Geheimnis.
Es dauerte nicht lange, und Lars kam mit einem großen Karton in den Händen aus seinem Zimmer. Seine Augen waren wieder braun. Er sah trotzdem noch traurig aus. Ich musste mir dringend überlegen, wie ich seine Traurigkeit wegzaubern könnte, aber wegen des Kartons, den er vor meinen Füßen abgestellt hatte, schaffte ich es nicht, mich auf zwei Sachen gleichzeitig zu konzentrieren.
»Dein nächstes Geschenk«, grinste er.
Mama und Papa guckten gespannt vom Sofa rüber. Ich setzte Sina auf den Boden und riss die Verpackung ab. Hoffentlich erwarten sie jetzt nicht, dass ich vor Freude in die Luft springe, dachte ich. Meine traurigen Gedanken ließen sich einfach nicht abstellen. Ich drückte ganz fest meine Augen zu, aber als ich sie wieder öffnete, waren sie immer noch da. Dann hielt ich eine braune Jacke mit Fellkapuze in meinen Händen.
»Dir ist doch immer so kalt, wenn du morgens in die Schule gehst«, hörte ich Lars’ Stimme. »Zwei Freunde von mir, Elöd und Nicole, betreiben einen Outdoor-Store, und als sie von dir hörten, schickten sie mir sofort ein Päckchen für dich. Ich soll dir ganz liebe Grüße bestellen.«
In dem Karton lag sogar eine Geburtstagskarte, auf der mein Name stand. Noch nie in meinem Leben hatte ich so ein tolles Geschenk von Menschen bekommen, die ich gar nicht kannte. Warum machten sie das? Mama gab mir ein Zeichen, ich solle die Jacke anprobieren. Ich sah damit aus wie ein Eskimo. Das war gut, da Eskimos nicht frieren, und ich wollte auch nicht mehr frieren. Ich bedankte mich artig und lief zum Gedankensortieren schnell in mein Zimmer. Auf meinem Schreibtisch herrschte ein wildes Durcheinander, aber ich durfte wegen Lars’ Traurigkeit keine Zeit verlieren. Ich schob die Flasche mit Ginger Ale und die beiden angebrochenen Chipstüten zur Seite, legte meinen Kopf auf den Tisch und überlegte, was mir, wäre ich an seiner Stelle, jetzt gefallen würde. Aus den Augenwinkeln entdeckte ich verschwommen meine Einkaufstüte von Lidl. Ich konnte mich nicht mehr erinnern, was ich gekauft hatte, aber nachdem ich nachgesehen hatte, rannte ich mit dem Inhalt in Lars’ Zimmer. Er saß auf seinem Bett. Ich versteckte meine Hände hinter dem Rücken, damit er meine Überraschung noch nicht sehen konnte. Ich war so aufgeregt, dass ein Pups aus meinem Popo kam.
Lars lachte, und ich sagte: »Du musst die Augen zumachen! Eine Überraschung ist erst dann eine Überraschung, wenn man vorher die Augen geschlossen hatte.«
»Meine Augen sind doch zu«, sagte Lars.
Ich überprüfte es. Sie waren wirklich zu. Ich ließ meine Überraschung in seinen Koffer fallen und setzte mich neben ihn aufs Bett.
»Du kannst sie jetzt aufmachen«, grinste ich. »Guck mal da unten!«
»Oh, krass. Das sind ja Gummibärchen!«
»Ja.«
»Und auch noch meine Lieblingsgummibärchen.«
»Ja.«
»Saure Pommes und Happy Cola.«
»Ja.«
»Sind die alle für mich?«
»Ja, die habe ich von meinem Geld bezahlt.«
»Von deinem Taschengeld?«
»Von meinem Geburtstagsgeld.«
»Ahhh, danke schön«, lächelte Lars.
Ich lächelte auch. Dann drückten wir uns. Lars sah nicht mehr traurig aus. Und mir fiel ein Stein vom Herzen.
»Die können wir nachher futtern, wenn wir Berlin – Tag & Nacht gucken«, schlug Lars vor, aber dann sagte er gleich hinterher: »Nee, wir dürfen doch vor dem Abendessen keine Süßigkeiten essen. Sonst kriegen wir Ärger von deiner Mutti. Außer wir machen es heimlich.«
Ich sagte: »Oder wir gehen heute Abend irgendwohin.«
»Männerabend?«
»Ja!«
»Saufen bis zum Umfallen?«
»Jaaaa!«
Genau das wollte ich machen. Nichts anderes. In einer Kneipe sitzen, Alkohol trinken und mit Mädchen flirten. Ich stellte mir alles genau vor und musste gar keinen echten Alkohol trinken, um von den Bildern in meinem Kopf betrunken zu werden. So schön.
»Du, Bruderherz?«
»Hmm?«
»Können wir nicht, also, ich meine, nur du und ich, mit dem geilen BMW in eine Kneipe fahren?«
»Daniel, hast du schon vergessen, was wir heute Abend vorhaben?« Ich schaute Lars an und hatte keine Ahnung, wovon er sprach. »Wir gehen mit deinen Eltern und Tamtam und Tara zusammen abendessen. Tara hat bei ihrem Lieblingsitaliener einen Tisch reserviert. Darüber haben wir gestern lange gesprochen. Weißt du nicht mehr?« Ich konnte mich nicht erinnern. »Außerdem gehen wir doch morgen in die beste Kneipe der Welt.«
»Ja, aber trotzdem. Morgen ist nicht heute.«
Ich musste meine Gedanken so schnell wie möglich auf ein anderes Thema lenken, bevor sie zu stark wurden und in meinem Kopf noch mehr Chaos anrichteten. In Lars’ Koffer entdeckte ich neben den Gummibärchen und seinen T-Shirts ein kleines Buch. Ich beugte mich vor und nahm es in die Hände. Das Cover war schön bunt mit Pflanzen und Blumen und rechts unten saß ein Auerhahn auf einem Zweig. Ich hatte Schwierigkeiten damit, die Schrift zu lesen, weil sie so schnörkelig geschrieben war, aber nach ein paar Anläufen klappte es. »Die zehn Geheimnisse der Liebe« stand dort. Ich musste kichern.
»Du sagst doch immer, dass ich keine Ahnung von der Liebe habe.«
»Das stimmt«, sagte ich leise und blätterte durch das Buch. Es gab kein einziges Bild, weswegen es langweilig war.
»Deshalb brauche ich ein bisschen Nachhilfe, damit ich auch mal ein Mädchen abbekomme. Du schnappst sie mir ja immer sofort weg.«
Ich legte das Buch zurück in den Koffer und sagte: »Kann ich doch nichts dafür, dass sie alle auf mich stehen und nicht auf dich.«
»Ich möchte dir jemanden zeigen«, sagte Lars und drehte seinen Laptop zu mir.
Das Mädchen auf dem Foto war hübsch und sexy.
»Na, was sagst du?«, lächelte Lars.
»Sie ist hübsch und sexy.«
»Das ist Nini.«
»Nini?«
»Ja, Nini. Sie hat einen Song für uns geschrieben.«
»Wirklich?«
»Ganz wirklich.«
Seine Worte flogen in Lichtgeschwindigkeit durch meinen Kopf. Ich ließ mich nach hinten auf’s Bett fallen, schloss meine Augen und dachte an die Speicherkarte, die Mama für mich besorgen wollte, damit ich endlich meine eigenen Videos drehen konnte. Dann dachte ich an das bescheuerte Blutgerinnsel in meinem Kopf. Der Arzt sagte, dass es wieder größer geworden sei und auf meine Augen drücke und der Grund für meine Schwindelanfälle und Kopfschmerzen sei. Gerade hatte ich keine Schmerzen, aber mein Kopf fühlte sich trotzdem an, als würde er jeden Augenblick explodieren. Mir wurde kalt. Ich kuschelte mich an Lars und dachte an die warme Eskimojacke. Ich blieb eine Weile so liegen, bis Mama ins Zimmer kam und uns an das Geburtstagsessen erinnerte. Ich raffte mich auf. Es ging schon wieder. Papa, Mama, Lars und ich fuhren in die Innenstadt. Papa scherzte, dass Lars mit seinem Raumschiff um diese Uhrzeit nie und nimmer einen Parkplatz bekommen würde, aber wir hatten Glück und fanden eine Lücke direkt vor dem Restaurant.
Tara und Tamtam saßen schon in der Ecke und tranken Sekt. Als sie mich sahen, knutschten sie mich ab, weil ich so süß war. Jedenfalls sagten sie das. Ich bekam noch mehr Geschenke. Mama zauberte sogar die Kamera hervor, die ich mir schon so lange gewünscht hatte. Ich lächelte so gut es ging und drückte alle – hauptsächlich Tara, weil sie so lieb und hübsch ist, aber in Wahrheit wollte ich nur noch nach Hause in mein Bett. Ich löffelte lustlos in meiner Gemüsesuppe herum. Nichts schmeckte, nicht einmal mein alkoholfreies Bierchen. Als Lars auf die Toilette musste, kroch ich unter dem Tisch hindurch und ging mit ihm mit, obwohl ich gar nicht musste. Aber dann, als wir nebeneinander vor den Pinkelbecken standen, musste ich doch. Als ich fertig mit Pinkeln war und die letzten Tropfen abschüttelte, sah ich zu ihm rüber.
»Meinst du, der wächst noch?«
Lars grinste mich an.
»Meiner oder deiner?«
»Meiner natürlich, du Honk!«
Manchmal war Lars wirklich schwer von Begriff. Er schaute zu mir runter: »Keine Sorge, Brüderchen. Der wächst noch.«
»Bis morgen?«, fragte ich.
»Wegen der Party, hmm?«
»Ja.«
»Bis morgen wahrscheinlich nicht, aber darüber musst du dir heute noch keine Gedanken machen. Das klären wir morgen. Was meinst du?«
»Mir geht’s nicht gut«, sagte ich.
Ein fremder Mann kam herein und wusch sich die Hände. Lars und ich warteten an der Heizung, bis er wieder fort ging. Dann kniete er sich vor mich.
»Was hast du?«
»Weiß nicht«, versuchte ich zu erklären, aber ich wusste nicht wie. Ich fühlte mich so leer und kraftlos und wollte am liebsten sofort meine Augen schließen. Ich hatte große Mühe, sie offen zu halten, weswegen ich ganz oft blinzeln musste. Lars fasste mir an die Stirn.
»Ist dir kalt?«
»Bisschen.«
»Komm, lass uns nach Hause fahren!«
Ich schüttelte den Kopf, weil ich das nicht wollte.
»Nein, lieber nicht. Es ist doch mein Geburtstagsessen, und ich möchte, dass alle Spaß haben. Und Nachtisch hatte auch noch niemand.«
»Ach, Kleiner. Mach dir keine Gedanken um die anderen. Die sind eh alle zu fett. Die brauchen keinen Nachtisch mehr.«
Das war witzig, und wir lachten zusammen.
»Trägst du mich die Treppe hoch?«, fragte ich.
»Na logo. Spring auf! Ich nehme dich huckepack.«
»Können wir daraus ein Spiel machen?«, fragte ich. »Will nicht, dass die Mädels sehen, dass es mir nicht gut geht. Kannst du einfach mein Pferd sein?«
»Ich kann auch wiehern, wenn du magst«, lachte Lars. »Du bist Lucky Luke und ich dein Jolly Jumper.«
»Los geht’s, Pferdchen, los!«
Ich hielt mich fest, und Lars galoppierte die Treppe hoch. Bevor er mich an unserem Tisch wieder absetzte, drehte er noch eine Runde durchs Restaurant, was mir etwas peinlich war, aber ich konnte meinen Kopf ganz gut hinter seinem Rücken verstecken. Trotzdem starrten uns alle an.
»Was denn?«, rief Lars. »Noch nie einen coolen Cowboy gesehen?«
Damit meinte er mich.
Wenig später saßen Tamtam und Tara im Taxi und Mama, Papa, Lars und ich im Raumschiff. Niemand sprach ein Wort. Ich glaube, es lag daran, dass ich, als wir noch im Restaurant waren, etwas Gemeines zu Mama gesagt hatte und sie jetzt böse auf mich war. Ich drehte mich um und sah ihren Kopf auf Papas Schulter – ein gutes Zeichen. Es konnte also nicht so schlimm gewesen sein. Ich schloss meine Augen, um meinem Kopf einen Gefallen zu tun und öffnete sie erst wieder, als Lars den Motor abstellte. Mama und Papa stiegen aus und gingen voraus. Sie hielten Händchen.
»Bist du wieder mein Pferd?«, fragte ich Lars, und er wieherte. Das war geheime Pferdesprache für »Blöde Frage! Natürlich, Bruderherz«. Lars wusste ja, dass es mir nicht gut ging. Ich sah meinen Eltern hinterher und lächelte. Sie haben es gut, dachte ich, weil sie sich gegenseitig lieb haben können, wenn sie sich einsam fühlen. Ich drehte mich zu Lars.
»Was ist mit Nini?«
»Was soll mit ihr sein?«, sagte er gedankenversunken. Sein Blick richtete sich zum Himmel, der schwarz wie die Nacht war. Es war ja auch Nacht. Ich schaute nach, was es dort zu sehen gab. Eigentlich nichts. Der Mond leuchtete schwach. Er wurde durch Wolken und einige Nebelschwaden verdeckt. Lars schien der Anblick des Mondes zu gefallen. Ich fand es eher gruselig. Wenn ich allerdings eine feste Freundin hätte, würde ich mit ihr im romantischen Mondschein spazierengehen, unter einer Laterne stehenbleiben, sie ganz lange küssen und sagen: »Baby, ich liebe dich, von hier bis zum Mond, hundertmal um den Mond herum, und wieder zurück.«
Ich zog den Reißverschluss meiner Jacke hoch. Lars seufzte. Ich überlegte, was meine feste Freundin antworten könnte, aber erst, nachdem wir uns noch ein zweites Mal lange geküsst hatten. Sie würde bestimmt sagen: »Daniel, ich liebe dich bis in alle Ewigkeit.« In meinem Bauch kribbelte es ein bisschen, weil ich es mir genau vorstellte. Das waren die schönsten Gedanken der Welt.
»Lars?«
»Hmm?«
»Was gewinnt: Ich liebe dich bis in alle Ewigkeit oder Ich liebe dich für immer?«
»Gute Frage«, nuschelte er ohne mich anzusehen. »Wie kommst du darauf?«
»Nur so. Stelle mir gerade Sachen in meinem Kopf vor und muss es dringend wissen.«
»Also, für immer und Ewigkeit sind gleichstark. Da gibt es keinen Gewinner. Na ja, eigentlich stimmt das nicht ganz. In deinem speziellen Fall, wenn es sich um die Liebe handelt, würde ich sagen, gibt es nur Gewinner.«
»Gut«, sagte ich und träumte mich schnell zu meiner festen Freundin unter der Laterne zurück. Sie war noch da, aber sie saß jetzt auf einer Parkbank, hatte die Beine übereinandergeschlagen und sah wunderschön aus. Ich umarmte sie schnell, damit sie nicht aufstehen und weglaufen konnte und flüsterte ihr ins Ohr: »Ich dich auch, Baby. Für immer. Und egal, was du sagst, ich liebe dich immer einmal mehr.«
Meine Tür öffnete sich plötzlich, und ich zuckte kurz zusammen. Ich brauchte eine Sekunde, um wieder aus meinem Traum zurückzukehren. Er hätte ruhig noch ein bisschen länger dauern können, so schön, wie er war. Wahrscheinlich hatte ich deswegen nicht bemerkt, dass Lars längst ausgestiegen war und neben mir stand.
»Auf geht’s, Cowboy!«
Sina begrüßte mich schon an der Wohnungstür. Ich nahm sie hoch und gab ihr einen Eskimokuss, indem ich meine Nase gegen ihre Nase stupste. Ich beeilte mich mit der Katzenknuddelung, weil ich mich schnell bei Mama entschuldigen wollte. Ich konnte mich zwar nicht erinnern, was ich gesagt oder getan hatte, aber wenn sie danach nicht mehr böse auf mich war, spielte das keine Rolle für mich. Ich lief ins Wohnzimmer und drückte sie. Papa drückte ich zur Sicherheit gleich mit. Dann putzte ich meine Zähne, schlüpfte in meinen Schlafanzug und schlich mich ins Gästezimmer. Lars war noch in der Küche, um seine Hustenmedizin zu nehmen. Neben dem Bett standen eine Kiste mit Feuerwerksraketen und dahinter die große Tüte mit noch mehr Geschenken. Lars meinte zwar, er wolle sie mir erst auf der Party geben, aber vielleicht konnte ich ja doch noch eins abstauben. Plötzlich fiel mir ein, dass ich mit ihm etwas besprechen wollte, aber ich erinnerte mich nicht mehr, was es war. Es hatte irgendwas mit dem Mond zu tun, aber ich kam einfach nicht drauf. Ich versuchte mich zu entspannen.
»Na, hast du dich nicht im Zimmer geirrt?«
Lars setzte sich neben mich und kraulte meinen Rücken.
»Will noch nicht schlafen«, sagte ich und hielt meine neue Kamera fest in der rechten Hand, damit sie während der ganzen Nacht bei mir war.
»Dann bleib einfach noch ein bisschen hier.«
»Weißt du was? Gib mir doch jetzt ein Geschenk. Dann brauche ich morgen nicht alle drei aufzumachen.«
»Ach, hast du sie schon gezählt, ja?«
»Ja«, sagte ich. »Außerdem bekomme ich morgen schon so viele Geschenke auf der Party. Und dann bin ich immer so hektisch und rede so viel, wie jetzt, also gib mir doch gleich eins und morgen die anderen.«
»Okay«, schmunzelte Lars und tätschelte mir über den Kopf. »Eins bekommst du noch.«
Ich setzte mich auf, um zu gucken, welches er aus der Tüte zog und wurde so aufgeregt, dass ich wild mit meinen Füßen zappelte.
»Was ist da drinnen? Was ist da drinnen? Was ist da drinnen?«
»So, du beruhigst dich erst mal, legst dich wieder hin, schnaufst in Ruhe durch, dann gebe ich dir auch einen Tipp, okay?«
»Okay.«
»Wir waren doch in diesem schönen Hotel«, begann Lars zu erzählen, aber ich unterbrach in sofort und sagte: »Udo Lindenberg!«
»Wie hieß das Hotel?«
»Atlantik.«
»Und da waren wir ja an der Bar.«
»Ja.«
»Und nach wem haben wir gesucht?«
»Nach Udo.«
»Und war er da?«
»Nein.«
»Hmm, und jetzt stell dir vor«, murmelte Lars ohne den Satz zu Ende zu sprechen und zog ein kleines Geschenk aus der Tüte.
Ich grinste und strampelte vor lauter Vorfreude wieder aufgeregt mit den Füßen, aber dieses Gefühl in meinem Herzen war einfach zu schön und musste irgendwie raus. Lars legte das Geschenk neben meinen Kopf und sagte: »Hier, für dich.«
»Ist das von Udo?«
»Pack’s doch einfach aus.«
Ich drehte und wendete das Päckchen ein paar Mal, aber dann traute ich mich nicht, das Geschenkpapier aufzureißen.
»Darf ich Mama holen? Ohne Mama möchte ich das nicht auspacken. Hol sie mal rein!«
»Du bist jetzt sechzehn, Daniel. Glaubst du nicht, dass du das alleine schaffst?«
Ich überlegte. Auf der einen Seite hatte Lars recht, auf der anderen Seite wollte ich diesen schönen Moment so gerne mit meiner Mama teilen. Während ich darüber nachdachte, friemelten meine Finger aber schon den Tesafilm ab und das Geschenk packte sich von ganz alleine aus. Sina lag im Flur und miaute. Ich konnte sie durch die Tür hören. Meine Gedanken wirbelten kreuz und quer. Mir fiel wieder ein, was ich Lars fragen wollte. Nicht jetzt, sagte ich zu mir und kniff ganz fest die Augen zu und wieder auf. Dann hielt ich eine Doppel-DVD von Udo Lindenberg in den Händen.
»Krass!«, sagte ich und starrte auf das Cover.
»Weißt du, wo das Konzert aufgenommen wurde?«, fragte Lars, aber woher sollte ich das wissen? Ich war ja nicht dabei. »Im Atlantik.«
»Echt?«
»Ja, weißt du noch, als wir die Erkundungstour gemacht haben und hinten in diesem großen Saal landeten, wo alles aus Gold war?«
»Ja.«
»Genau dort!«
»Wie cool.«
»Guck mal, Udo hat sogar für dich unterschrieben«, sagte Lars und klappte die DVD auf. Dort war eine bunte Zeichnung zu sehen, von Udo als Karikatur, und daneben stand geschrieben: »Mein lieber Daniel. No Panic! Alles Gute zum 16. Geburtstag. Ahoi! Udo Lindenberg«.
Ich war sprachlos.
»Woher weiß er denn überhaupt, dass ich Geburtstag habe?«, fragte ich.
»Kann ja sein, dass dein großer Bruder es ihm erzählt hat«, grinste Lars mich komisch an, aber das glaubte ich ihm nicht, weil wir während der Zeit im Hotel ja immer zusammen waren. Ich blätterte durch das Heftchen, das in der DVD lag und schaute mir die schönen Fotos an. Als ich damit fertig war, sagte ich »cool«, packte alles ordentlich zusammen und rannte ins Wohnzimmer, um Mama voller Stolz mein neuestes Geschenk zu präsentieren. Sie musste es einfach sehen. Papa machte große Augen, als er von Udo Lindenberg erfuhr, und fing an, von einem Konzert zu erzählen, auf dem er vor über zwanzig Jahren gewesen war. Damals kannte er Mama noch nicht. Papa rückte zu uns und gab Mama einen Kuss. Ich freute mich schon auf den Moment, an dem wir alle wieder hier auf dem Sofa sitzen würden, mit Chips und Fanta, um gemeinsam die DVD anzusehen. Während ich neben Mama saß, fiel mir auf, dass ich schon wieder etwas Wichtiges vergessen hatte. Ich konzentrierte mich, was mir aber wegen Papas lauter Stimme und den vielen Geräuschen, die aus dem Fernseher kamen, nur schwer gelang. Vorhin lag es mir noch auf der Zunge, aber dann kam die Sache mit dem Geschenk dazwischen und der Gedanke verschwand irgendwo in meinem Kopf. Ich musste ihn finden!
Ich ließ meine Eltern über ihre alten Zeiten reden und rannte in mein Zimmer. Dort war es angenehm ruhig. Ich nahm Anna in den Arm, kämmte ihre schönen blonden Haare und stellte mich ans Fenster. Das mache ich oft, wenn ich nachdenken muss. Der Himmel war noch genauso schwarz wie zuvor, als ich mit Lars im Raumschiff saß und über die Ewigkeit redete. Ich kam ins Grübeln. Über den Mond hatten wir auch gesprochen und über feste Freundinnen. Ich spürte, dass ich dem Geheimnis dicht auf der Spur war, bis Anna plötzlich fragte, ob sie mich auf meine Geburtstagsparty begleiten dürfe. Die Indianerfährte in meinem Kopf war dahin, und ich setzte Anna zur Strafe aufs Sofa zurück. Ich hatte ihr schon vor einigen Tagen erklärt, dass ich sie nicht mit zur Feier nehmen könne, weil ich mich dort ausschließlich um die hübschen Mädchen kümmern müsse. Und die brauchten meine volle Aufmerksamkeit. Ich überprüfte, ob im Geheimversteck der oberen Komodenschublade noch das Kondom lag, das ich dort für den Notfall gebunkert hatte. Falls ich morgen nach der Party ein Mädchen abschleppen würde, wollte ich gut vorbereitet sein. Es war noch da. Wie aus heiterem Himmel traf mich der Gedankenblitz, und ich stürmte ohne wertvolle Zeit zu verlieren ins Gästezimmer zurück. Lars lag im Bett und hörte Musik, die aus seinem Laptop kam.
»Ich weiß wieder, was ich dich fragen wollte«, rief ich ihm zu und war in dem Augenblick unendlich erleichtert, diese Aufgabe endlich gelöst zu haben.
»Na, dann erzähl mal«, lächelte Lars erwartungsvoll und drückte dreimal auf einen Knopf, um die Musik leiser zu stellen.
»Nini.«
»Ja?«
»Warum hat sie einen Song für uns geschrieben?«
Lars richtete sich auf und machte neben sich Platz. Ich setzte mich zu ihm und nahm einen Teil der Decke, damit es an meinen Füßen nicht kalt wurde.
»Du hast mir doch mal erzählt, dass du früher so gerne Die Wilden Kerle geguckt hast«, sagte Lars, und ich nickte. In meinem Zimmer stehen zwei DVDs, die ich von Mama zum Geburtstag bekommen hatte. Am liebsten mochte ich die Folge Die Attacke der Biestigen Biester! Aber was hatte das mit Nini zu tun?
»Nini war eines der biestigen Biester«, sagte Lars.
»Echt?«
»Nini hat ausgerechnet in deiner Lieblingsfolge mitgespielt. Ist das nicht ein verrückter Zufall?«
»Hast du nicht mal gesagt, dass es im Leben keine Zufälle gibt?«
»Gut gemerkt, mein Kleiner«, lächelte Lars. »Und weil es keine Zufälle gibt, habe ich Nini einen Brief geschrieben und ihr erzählt, dass du heute Geburtstag hast.«
»Du hast ihr von mir erzählt? Sie weiß also jetzt, dass es mich gibt?«
»Ja.«
»Oh, mein Gott!«, flüsterte ich zur Decke und mein Herz schaltete einen Gang hoch, weil die Vorstellung viel zu aufregend war.
»Darf ich noch mal ihr Foto sehen?«
»Ich hab’ was viel Besseres.«
»Sie kommt morgen zu meiner Party! Du hast sie doch eingeladen, oder? Bitte sag mir, dass du sie eingeladen hast. Bitte, bitte, bitte!«
Ich trommelte jetzt mit beiden Händen auf Lars ein. Ich konnte mein Glück noch immer nicht fassen. Das hübscheste Mädchen mit schwarzen Haaren würde auf meine Geburtstagsfeier kommen. Wenn sich das in meiner Schule herumspricht, wäre ich auf einen Schlag der coolste Junge von allen. Auch von den älteren. Von allen!
»Nini kann morgen leider nicht bei uns sein, aber sie hat dir ein Video aufgenommen, stell dir vor! Ein Video nur für dich alleine.«
»Waaas?«
Wie von einer Biene gestochen, sprang ich auf, schrie so laut ich konnte und hüpfte vor Glück auf dem Bett umher. Das war ja noch hundertmal besser, dachte ich, weil man sich ein Video immer wieder angucken kann. Mein Rücken begann von der Hüpferei weh zu tun, und ich kuschelte mich schnell zu Lars, damit er ihn kraulen konnte. Ich war schon nach wenigen Sprüngen völlig außer Atem und rang nach Luft, aber der Augenblick war viel zu schön, als dass meine brennende Lunge ihn mir verderben konnte.
»Bist du bereit?«, fragte Lars, und ich sagte: »Und wie!«
Nini saß mit einer großen bunten Decke auf ihrem Bett und hielt eine Gitarre im Arm. Auf ihrem Kopf war ein Hut, wie bei Zauberern und Schornsteinfegern, und ihre schönen langen Locken fielen seitlich über ihre Schultern. Mein stechendes Herz bekam eine Auszeit, denn die nächsten Augenblicke gehörten nur ihr. Lars drückte auf Play:
»Hey Daniel, hier ist Nini. Vielleicht kennst du mich ja eigentlich als biestiges Biest von den Wilden Kerlen. Ich habe von deinem großen Bruder gehört, dass du der coolste Junge der Welt bist und dass du heute Geburtstag hast. Und da ich ja in erster Linie Musikerin bin, dachte ich mir, ich mache dir ein besonderes Geschenk. Ich habe einen Song für dich geschrieben. Ja, der ist auch schon fertig aufgenommen und heißt Drei Wünsche und kommt aus ganzen Herzen von mir für dich … und für deinen großen Bruder. Teilt ihn euch, hört ihn euch an. Viele liebe Grüße von mir und alles Liebe zu deinem sechzehnten Geburtstag.«
Nini winkte mir am Ende des Videos und pustete mir einen Kuss zu. Mein Bauch kribbelte, und ich ließ mich nach hinten ins Kopfkissen fallen. Wie gerne würde ich das Video noch einmal sehen, dachte ich, aber dann fiel mir ein, dass Lars ja einfach nur auf Play drücken musste. Er nahm den Laptop vom Tisch und stellte ihn auf seinen Schoß. Ich zählte mit. Wir sahen uns das Video sechzehn Mal an. Weil 16 meine neue Glückszahl war.
»Na, was hältst du von ihr?«, fragte Lars.
»Sie ist eine Herz-Zauberin«, sagte ich. »Mein Herz tut gar nicht mehr weh. Es ist ganz friedlich auf einmal. Ihre Stimme hört sich so lieb an.«
Lars drehte sich zu mir und lächelte.
»Wollen wir das Lied jetzt hören?«
Ich nickte nur noch. Der Tag war sehr anstrengend für mich, und ich spürte, wie mir schon die Augen zufielen. Aber ich war glücklich, richtig glücklich. Als Nini dann auch noch zu singen begann, schwebte ich direkt ins Wunderland, wo es keine kranken Herzen und nur hübsche Engel gab.
Drei Wünsche
Du warst auf einmal da
Fast wie ein Sonnenstrahl
Immer da bei mir, immer da
In diesem Leben ist nichts normal
Meinem Kopf trau ich nicht mal
Doch meinem Herzen
Hätte ich drei Wünsche frei
Würde ich mir für dich wünschen
Dass du niemals vergisst
Dass du was Besonderes für mich bist
Hätte ich drei Wünsche frei
Würde ich mir wünschen
Dass das Feuer ewig brennt
Und uns niemals etwas trennt
Du lachst, du lässt dich gehen
Wir malen Welten, die nur wir verstehen
Ich danke dir für diese Zeit
Nun geht die Sonne auf
Die Welt erwacht und wohin ich lauf
Du bleibst ein Teil von mir
Hätte ich drei Wünsche frei
Würde ich mir für dich wünschen
Dass du niemals vergisst
Dass du was Besonderes für mich bist
Hätte ich drei Wünsche frei
Würde ich mir wünschen
Dass das Feuer ewig brennt
Und uns niemals etwas trennt