38

Wenn man ein Ziel vor Augen hat, irgendwas, worauf man sich richtig freuen kann, worauf es sich lohnt zu warten, was einen durchhalten lässt, dann kann man ganz schön viel ertragen. Der Vormittag in der Schule war nämlich nicht sehr schön, weil die anderen Kinder mich wieder »Gregmeyer« nannten und Witze über mich machten, aber ich ließ es einfach geschehen. Ich hatte mir einen guten Trick überlegt: Immer wenn sie gemein wurden, schloss ich die Augen, zählte bis zwei und dachte an die vielen schönen Augenblicke, die ich mit Lars in den nächsten beiden Tagen erleben würde. Es funktionierte. Ich wurde nicht traurig. Die blöden Sprüche flogen in mein linkes Ohr rein und zischten durch mein rechtes Ohr wieder raus, und nichts blieb drinnen. Warum war ich darauf bloß noch nicht früher gekommen?

Um 14.15 Uhr entdeckte ich ihn. Er stand an der offenen Tür unseres Klassenzimmers und winkte meiner Lehrerin zu. Dann lächelte er mich an. Lars war eine Viertelstunde zu früh, aber ich war nicht böse deswegen. Meine Lehrerin machte eine Ausnahme und erlaubte mir, schon vor dem Gong zu gehen. Mama hatte ihr ja Bescheid gegeben, dass Lars mich abholen kam, damit sie sich keine Sorgen machen musste. Ich rannte aus dem Klassenzimmer und drückte ihn.

»Bist du mit dem BMW da?«, fragte ich, zog den gebunkerten Koffer aus dem Spind und nahm meine Jacke vom Haken.

»Nee, mit dem Taxi«, lachte Lars. »Das wartet übrigens unten auf uns.«

»Okay.«

Lars klemmte sich den Koffer und die Sauerstofftasche unter die Arme und versuchte mir einen Tritt gegen den Hintern zu verpassen. Ich war total überrascht, konnte aber gerade noch ausweichen. Lars rannte lachend Richtung Treppe.

»Na, warte«, rief ich ihm hinterher.

Kurz vor der Treppe stoppte er abrupt ab und nickte freundlich einem Lehrer zu, der ihm entgegenkam. Ich nickte ihm auch zu, obwohl er mich in keinem Fach unterrichtete. Als ich nach wenigen Metern neben Lars stand, warteten wir, bis er um die Ecke gebogen war, dann fingen wir laut an zu kichern und klatschten uns ab. Das Abenteuer konnte beginnen.

Nach einer Fahrt durch die halbe Stadt hielt unser Taxi genau vor dem Eingang des Hotels. Ein Mann mit schwarzem Hut öffnete die Tür. Das fand ich sehr nett, und ich bedankte mich bei ihm. Er nahm sogar unser Gepäck aus dem Kofferraum und stellte es unter eine Vorrichtung, damit es nicht nass wurde. Es regnete nämlich ein bisschen. Der lächelnde Mann mit dem schwarzen Hut war so freundlich, dass er uns sogar anbot, all unsere Sachen aufs Zimmer zu bringen. Zuerst hatte ich Sorge, dass er uns beklauen könnte, aber dann erinnerte ich mich an unser letztes Hotelabenteuer. Dort gab es auch einen Mann mit schwarzem Hut, der ebenfalls so hilfsbereit war und mit diesem Bild vor meinem Auge hatte ich keine Angst mehr. Ich sagte: »Okay, aber bitte passen Sie auf. In der Tasche sind meine Schulsachen. Die darf ich nicht verlieren, sonst bekomme ich Ärger von meiner Klassenlehrerin.«

Der Mann mit dem schwarzen Hut gab mir die Hand und versprach es mir. Jetzt war ich endgültig beruhigt.


Das Hotel hieß Atlantik und sah von innen wie ein richtiges Schloss aus. Also, ich war noch nie in einem Schloss, aber genauso stellte ich es mir vor. Kurz schwebte Hui Buh mit seiner schwarzen Rasselkette an meinen Augen vorbei, aber Hui Buh wohnte eher in einer Burg, obwohl es ein Schlossgespenst war. Während Lars an der Rezeption unseren Zimmerschlüssel holte, sah ich mich in der Lobby um. Von der Decke hing ein gewaltiger Kronleuchter, der golden funkelte. Dann gab es noch einen hübschen Kamin, und ging man nach rechts um die Ecke, stand man in einer großen Bar. Mehr konnte ich auf die Schnelle nicht auskundschaften, weil Lars meinen Namen rief. Ich rannte zu ihm zurück und streckte meine Hand aus.

»Hier bitte, Chef«, sagte er grinsend und überreichte mir den Schlüssel. Mit dem Fahrstuhl, halb aus Glas, halb aus Gold, fuhren wir in den ersten Stock. Die Bilder an den Wänden waren riesig und sahen aus, als seien sie aus einem Museum geklaut worden. Ich blieb stehen, weil ich im Gehen nicht gut denken kann, und fragte mich, wie man so große Bilder klauen konnte. Sie passten ja durch keine Tür durch. Der Fahrstuhl war auch zu klein. Dafür war der Saal, in dem Lars und ich standen und in dem sich nichts außer einem Teppich befand, größer als die Wohnung meiner Eltern. Ich war mir sicher: So märchenhaft wohnten sonst nur Könige.

Im Zimmer kontrollierte ich sofort den Kühlschrank und die Mini-Bar. Es gab Chips und alkoholfreies Bier. Das war gut, denn ich brauchte dringend ein Feierabendbierchen. Lars sagte, ich solle damit noch warten, weil er vorher noch ins Schwimmbad wollte. Ich stellte die Flasche zurück und überlegte, ob ich schon Hunger hatte. In der Schule gab es zum Mittagessen Nudeln mit Tomatensoße und Salat. Ich hatte meinen ganzen Teller aufgegessen, was nicht oft vorkam. Ich war pappsatt, aber für ein paar köstliche Chips würde sich in meinem Bauch noch ein gemütliches Plätzchen finden lassen. Lars setzte sich neben mich und sah mir beim Knabbern zu. Gemeinsam warteten wir auf den Concierge. Als fünfzehn Minuten später noch immer niemand an unserer Tür geklopft hatte, fuhren wir wieder runter. Unsere Sachen standen unbewacht auf einem goldenen Schiebewagen neben dem Gepäckraum.

»Entschuldigen Sie?«

Ich tippte den Mann mit dem schwarzen Hut von hinten an. Als er sich umdrehte, holte ich Luft und sagte: »Hallo, ich bin Daniel. Wir kennen uns von eben. Warum haben Sie gesagt, dass Sie unser Gepäck aufs Zimmer bringen, wenn Sie es gar nicht machen?«

Der Mann mit dem schwarzen Hut entschuldigte sich auf der Stelle. Er griff schon nach meiner Schultasche, aber das wollte ich nicht mehr.

»Jetzt können mein Bruder und ich das auch selbst nach oben tragen. Ich mag es nicht, wenn man mir etwas verspricht und es dann nicht hält.«

Dem Mann mit dem schwarzen Hut tat es fürchterlich leid, aber wir schnappten unseren Kram und gingen kommentarlos zum Fahrstuhl zurück. Innerlich wurde ich sehr wütend, weil der Mann mit dem schwarzen Hut mich angelogen hatte.

»Lars, du hast doch gesagt, dass Udo Lindenberg auch hier im Hotel wohnt.«

»Ja.«

»Und du hast gesagt, dass es das beste Hotel von ganz Hamburg ist.«

»Na ja, jedenfalls eines der teuersten«, lachte er.

»Meinst du, Udo wird auch von dem Mann mit dem schwarzen Hut angelogen?«

»Du meinst, ob er auch so lange auf sein Gepäck warten muss?«

»Ja.«

»Ach, weißt du, so ist das manchmal im Leben. Sieh uns an! Wir tragen Sneakers, ausgewaschene Jeans und Kapuzenpullis. Die meisten Gäste in diesen Luxushotels sind sehr reich, tragen elegante Anzüge, teure Uhren, solche Sachen. Die machen mit ihrer Erscheinung einfach mehr Eindruck als wir. Wir sind weder reich, noch berühmte Rockstars, sondern ganz normale Jungs, die für eine Nacht in eine fremde Welt eintauchen. Scheiß drauf, dass die uns vergessen haben. Dadurch lassen wir uns doch unsere Laune nicht vermiesen, hmm?«

»Aber das ist doch ungerecht!«, sagte ich laut und dachte auf dem Weg ins Zimmer still darüber nach, aber weil mir das im Kopf zu anstrengend wurde, legte ich mich auf’s Bett und schaltete den Fernseher ein. Danach packte ich meinen Koffer aus. Das Zimmer war kleiner als die Suite, die Lars das letzte Mal gemietet hatte. Da man in dem Zimmer nicht von einem Raum in den nächsten laufen konnte, wurde mir langweilig.

»Ich habe jetzt Hunger. Können wir bitte rausgehen?«

»Kein Roomservice?«, fragte Lars und warf die Speisekarte zu mir aufs Bett. Ohne sie eines Blick zu würdigen, schob ich sie mit den Füßen wieder weg.

»Nein, wie langweilig. Ich will raus.«

Lars sah aus dem Fenster und sagte: »Aber draußen nieselt es wieder.«

»Na, und? Nehmen wir eben einen Schirm mit.«

Wir spazierten an der Außenalster entlang. Der Wind wehte uns den Regen direkt ins Gesicht, aber wir hatten vom Hotel einen großen Schirm bekommen und konnten uns gut dagegen schützen. Das machte richtig Spaß. Ich durfte das Restaurant aussuchen. Zuerst wollte ich in einen McDonald’s, weil ich dort schon alles kannte, aber Lars schüttelte mit dem Kopf. Wir mussten an sechs weiteren Restaurants vorbeilaufen, bis mir eines gefiel. Auf dem Schild über dem Eingang war ein großes Segelschiff abgebildet. Da wollte ich rein. Der Kellner gab uns einen Tisch in der Mitte des Raumes. Normalerweise sitze ich lieber am Rand, aber wegen des Lunchmenüs für 6,90 Euro war das Restaurant gut besucht und die schönen Platze alle schon vergeben. Ich zog meine Jacke aus und schaute an die Decke. Für einen kurzen Augenblick erschrak ich, weil hoch über unseren Köpfen ein riesiges Schiff hing. Es war bestimmt fünf oder zehn Meter lang. Zuerst hatte ich etwas Angst, dass es auf uns drauf fallen könnte, aber dann nicht mehr. Ich fragte Lars, ob ich mir ein alkoholfreies Bier bestellen dürfe, und er erlaubte es. Als der Kellner aber mein Alter wissen wollte, begann mein Herz so schnell zu klopfen, dass ich nervös wurde und gar nicht mehr wusste, was ich antworten sollte. Hilfesuchend sah ich zu Lars, der aber noch in die Speisekarte vertieft war.

»Auch in alkoholfreiem Bier ist nämlich noch Restalkohol vorhanden«, erklärte der Kellner. »Wusstest du das?«

Umso besser, dachte ich. Dann werde ich schneller betrunken. Aber das half mir jetzt auch nicht weiter. Ich trat Lars unter dem Tisch gegens Schienbein und rollte unauffällig mit den Augen.

»Mein Bruder ist sechzehn«, grinste Lars den Kellner an, der mit unserer Bestellung in der Küche verschwand.

»Puh! Das war knapp«, sagte ich erleichtert. »Danke, dass du mir aus der Patsche geholfen hast. Ich wollte schon fünfzehn sagen, weil ich nicht lügen wollte. O Mann, war das aufregend gerade.«

»Hehe.«

Mir wurde so heiß, dass ich mir mit der Speisekarte Luft ins Gesicht fächeln musste. Zum Glück wollte der Kellner meinen Ausweis nicht sehen. Dann hätte er die Polizei gerufen, und ich wäre wegen Betruges verhaftet worden.

»Jetzt brauche ich wirklich ein Bierchen«, sagte ich, »Zur Abkühlung. Bei dem ganzen Stress hier. Ehrlich mal.«

»Nicht dass du mir besoffen in den Pool kippst, wenn wir gleich ein paar Runden schwimmen.«

»Keine Sorge, ich bin doch Daniel Delphin, schon vergessen?«

»Wie könnte ich?«, freute sich Lars. »Auf welcher Seite bist du eigentlich?«

»Noch am Anfang, aber die Bilder habe ich mir alle schon angesehen. Ist ja mein Lieblingsbuch.«

Ich überlegte, ob Delphine auch Sex haben, so wie Menschen. Ich stellte mir das schwierig vor, aber irgendwo mussten die Delphinbabys ja herkommen. Bis zu meinem Geburtstag waren es nur noch zwei Wochen. Ob ich bis dahin ein Mädchen kennenlernen würde, mit der ich ins Bett gehen könnte? Die Freundinnen von Lars sagten, ich solle mir ein Mädchen in meinem Alter suchen, das wäre viel schöner, aber alle fünfzehnjährigen Mädchen, die ich kenne, haben Pickel im Gesicht und das ist voll eklig.

»Du Lars?«, sagte ich.

»Hmm?«

»Schenkst du mir zum Geburtstag eine Stripperin?«

»Meinst du, das hältst du aus?«

»Hallo, ich bin dann sechzehn und keine fünfzehn mehr, verstehst du das, Junge?«

»Ich verstehe.«

»SECHZEHN.«

»Schon klar«, lachte Lars.

»Dann schnapp ich mir ’ne heiße Braut und fliege mit ihr durch die Welt. Jeden Tag eine andere Stadt, wie es uns gefällt.«

Lars begann zu singen: »Baby, bitte mach dir nie mehr Sorgen um Geld, gib mir nur deine Hand und ich zeig dir die Welt.«

Dann kam unser Essen, und ich stellte mir vor, wie schön es wäre, ginge dieser Traum wirklich in Erfüllung. Tief in mir wusste ich zwar, dass es für immer eine Phantasie bleiben würde, aber ich gab ihn trotzdem nicht auf. Dafür waren die Bilder in meinem Kopf viel zu schön. Ich glaube, Träume sind für Jungs wie mich erfunden worden, damit sie auch in schweren Zeiten glücklich sein können. Wenn auch nur für den Augenblick eines Traums.


Der Wellnessbereich lag im fünften Stock. Auf dem Weg dorthin kamen wir an vielen Schiffen vorbei, die in goldenen Vitrinen ausgestellt wurden. Das hatte bestimmt etwas mit dem Hafen zu tun, überlegte ich, weil das Hotel ja direkt am Wasser liegt und den Namen eines Meeres trägt. Eine Frau mit braunen Haaren begrüßte uns mit einem Lächeln und fragte nach unserer Zimmernummer. Ich wusste sie auswendig. Dafür bekamen wir zwei große Handtücher. Lars wollte im Pool schwimmen gehen, aber mir war das Wasser zu kalt. Außerdem saßen am Rand des Beckens andere Kinder, die gerade von einer Trainerin Unterricht bekamen. Ich schämte mich ein bisschen und versuchte, sie nicht anzusehen. Lars zog seinen Bademantel aus. Ich setzte mich auf eine der vielen roten Liegen und sah ihm beim Schwimmen zu. Mir wurde langweilig. Und ich fror. Nach zwei Runden hielt ich es nicht mehr aus, auch weil mein Körper immer kälter wurde.

»Können wir wieder gehen?«, rief ich ihm zu.

»Jetzt schon?«

»Bitte.«

»Aber wir sind doch gerade erst gekommen.«

»Trotzdem.«

Die Kinder sahen zu mir herüber, und ich zog meinen Bademantel noch fester zu. Ich wollte nicht, dass die mich sehen. Lars kam zu mir an den Rand geschwommen und spritzte mich mit Wasser voll. Ich fand das nicht witzig.

»Ich wollte gleich noch in die Sauna«, sagte er und tauchte kurz mit seinem Kopf unter. Als er mich wieder hören konnte, sagte ich: »Aber mir ist kalt.«

»Schau mal, da drüben!«

Ich drehte meinen Kopf nach links. Lars zeigte auf eine kleine Kammer aus Holz. Ich zuckte mit der Schulter.

»Das ist ein Wärmeraum«, erklärte er mir. »Du setzt dich rein, schaltest die Wärmelampe an und schon fühlst du dich wie in der Karibik. Wollen wir das mal ausprobieren?«

»Nein, ich will hier weg.«

»Ach, Daniel. Ich komme so selten zum Schwimmen. Das tut mir gerade richtig gut. Hältst du noch zehn Minuten aus?«

»Nein.«

»Jetzt sofort gehen?«

»Ja.«

Lars schwamm noch eine Runde, trocknete sich ab und schlüpfte wieder in seinen Bademantel. Die Wand des Schwimmbades war aus Glas, und man konnte das Meer und die Schiffe sehen. Wir guckten beide raus.

»Die Aussicht ist gigantisch, hmm?«

»Weiß nicht.«

Neben uns stand ein kleiner Tisch mit einer Wasserkaraffe, in der viele Zitronenscheiben schwammen. Lars goss sich ein Glas ein und trank es in einem Zug aus. Ich wollte nichts. Nur zurück ins Zimmer.

Dann sah ich sie.

Sie stand an der Rezeption und trug ein rotes T-Shirt. Sie war nicht viel größer als ich und hatte ihre schönen braunen Haare zu einem Zopf zusammengebunden. Auf einen Schlag war mir gar nicht mehr kalt. Es kribbelte überall, hauptsächlich im Bauch. Mein Herz bedankte sich sofort mit hektischem Schlagen.

»Siehst du das Mädchen?«, flüsterte ich zu Lars. »Sie ist voll hübsch.«

»Stimmt«, sagte Lars, »und sie ist gar nicht so viel älter als du.«

»Hmm.«

»Wollen wir mit ihr reden?«

»Weiß nicht. Mach du!«

»Soll ich ihr etwas von dir ausrichten?«

»Weiß nicht.«

»Willst du mitkommen oder wartest du hier?«

»Ich warte hier«, sagte ich und setzte mich um die Ecke auf einen Stuhl.

Nach ein paar Minuten, die mir aber wie Jahre vorkamen, stand Lars grinsend vor mir und sagte: »Ich hab alles klar gemacht.«

»Was?«

»Um 18 Uhr hast du ein Date. Sie ist eine ganze Stunde nur für dich da. Sie heißt übrigens Tessa.«

»Wie hast du das denn gemacht?«

»Mit ein bisschen Magie geht alles, mein Lieber. Du bekommst von ihr eine schöne Massage mit warmen Ölen. Du wirst dich wie im Paradies fühlen. Garantiert.«

»Oh, mein Gott.«

»Ich weiß.«

»Aber ich darf doch nicht massiert werden, wegen, also, den blöden Stäben in meinem Rücken.«

»Keine Sorge, hab ich alles geklärt. Du bekommst von ihr eine ganz leichte Krabbelung.«

»Wie geil ist das denn? Und Tessa macht das?«

»Ja.«

»Krabbelt die mich, na ja, du weißt schon, überall?«

Lars lachte, nahm mich in den Arm und sagte: »Das kannst du ja später selbst mit ihr verhandeln.«

Wir gingen aufs Zimmer zurück, aber ich war so aufgeregt, dass ich mich nicht entspannen konnte. Ich futterte eine ganze Packung Nüsse, obwohl ich keinen Hunger hatte, einfach nur, um irgendwie abgelenkt zu sein. Lars ärgerte mich die ganze Zeit, dass ich mich vor Tessa nackt ausziehen müsse und dass sie mich dann überall berühren würde. Bei der Vorstellung wurde mir mulmig, aber auf die schöne Weise. Ich schaute auf die Uhr. Noch fünfzig Minuten! Lars schloss seinen iPod an die Anlage an und drehte die Musik auf. Ich drehte sie wieder leiser, weil wir schließlich nicht die einzigen Gäste waren. Dann schluckte ich meine Tabletten mit einem Glas Fanta Mango herunter. Eigentlich wollte ich sie nicht mehr nehmen, aber Lars und ich hatten eine Abmachung getroffen: Wann immer wir beide alleine unterwegs waren, musste ich, erstens, pünktlich meine Tabletten nehmen und zweitens, sofort sagen, wenn es mir schlecht ging. Von den Nüssen bekam ich Blähungen und pupste so dolle, dass Lars das Fenster aufmachen musste.


Tessa wartete schon auf mich. Sie ging in eines der hinteren Zimmer. Ich schaute auf den Boden und folgte ihr verlegen. Im Fahrstuhl auf dem Weg ins Spa musste Lars mir versprechen, mich nicht alleine zu lassen. Das traute ich mich noch nicht.

»Bist du zum ersten Mal hier?«, fragte sie.

Sie lächelte und nickte und mein Herz wummerte. Dann erklärte sie mir genau, was sie gleich machen würde, aber ich konnte mich nur auf den schönen Klang ihrer Stimme konzentrieren. Zum Glück durfte ich mich hinlegen, weil meine Beine schon aus Wackelpudding waren. Lars saß in der Ecke und sagte kein Wort. Das war gut, denn es lief schöne asiatische Wasserfallmusik. Tessa legte mir warme Steine auf die Augen, die mich sofort beruhigten. Ich fühlte mich sicher. Ich wartete noch einen Moment, dann ergriff ich meine Chance.

»Lars«, flüsterte ich blind in die Luft, weil sich die Steine ja immer noch auf meinem Gesicht befanden. Ich hörte, wie er aufstand und an meinen Kopf kam.

»Ich bin hier«, flüsterte er in mein linkes Ohr. »Alles okay?«

»Ja, also, es ist so«, sagte ich so leise wie möglich. Ich wollte nicht, dass sie es hörte. »Ich habe jetzt keine Angst mehr. Ich erlaube dir schwimmen zu gehen. Du kannst Tessa und mich ruhig alleine lassen. Das ist schon okay.«

Ich hörte, wie eine Tür auf- und wieder zuging. Dann war ich alleine mit ihr. Mein Herz schlug sofort etwas schneller, aber weil Tessa mich so schön krabbelte, entspannte ich mich wieder. Sie fragte mich, warum ich so krank sei. Sie war nämlich Medizinstudentin, und die großen Narben an meinem Rücken und Brustkorb hatten sie neugierig gemacht. Warum der liebe Gott mich krank auf die Welt geschickt hat, wusste ich nicht, aber ich erzählte ihr von meinen Operationen und von meinem kranken Herzen und dass ich nicht mehr lange leben würde. Ich versprach ihr aber, den lieben Gott auf jeden Fall zu fragen, was er sich dabei gedacht hatte. Dann würde ich einen Engel beauftragen, mit der Botschaft zur Erde zu fliegen und es ihr im Schlaf zuzuflüstern. Ich hatte kurz überlegt, sie zu fragen, ob sie es dann meiner Mama weitersagen könne, aber sie kannte Mama ja gar nicht. Außerdem wollte ich bei meinem ersten Date nicht von meiner Mutter sprechen. Das wäre voll peinlich gewesen. Dafür machte ich ihr viele Komplimente. Ich sagte, dass sie sehr hübsch und sexy sei und dass ich sie später gerne auf einen Drink an der Bar einladen würde. Leider musste Tessa den ganzen Tag arbeiten. Als sie mich am Bauch krabbelte, musste ich ganz laut lachen, weil es so kitzelte. Am Schönsten fand ich die Krabbelungen an den Beinen, den Armen, in den Handflächen, am Nacken und am Rücken. Am Allerschönsten fand ich aber Tessa. Sie war neunzehn.

Zurück auf dem Zimmer musste ich schnell eine neue Chipstüte aufreißen. Ich hielt meine Nase über die offene Tüte, inhalierte das feurige Barbecue Aroma ein und griff genüsslich zu.

»Nach dem Sex erst mal Fast Food, was?«, lachte Lars.

»Du spinnst wohl«, grinste ich und zeigte ihm den Vogel. »Wir hatten keinen Sex. Das hätte Tessas Chefin ja gehört. Dann hätte sie Ärger bekommen.«

Meine Haut war zauberhaft weich und roch nach Tessa und ihrem warmen Öl. Ich wollte nie mehr duschen gehen, weil ich ihren Duft und die Erinnerung an sie nicht wegwaschen wollte. Ich hielt meinen Arm vor Lars’ Gesicht, damit er daran schnuppern konnte. Er fragte mich, ob er sich auch von Tessa massieren lassen dürfe. Ich wurde sauer und boxte ihn. Tessa gehörte zu mir. Wenn es um Mädchen geht, verstehe ich keinen Spaß. Da teile ich auch nicht. Auch nicht mit meinem Bruder.

Mario kam vorbei, und ich bereitete ihm einen Espresso zu, weil wir eine Espressomaschine auf dem Zimmer hatten. Sie stand neben der Minibar. Lars wollte auch einen. An der Hotelbar machten wir dann einen Männerabend. Lars hatte mich vorher gefragt, ob er Mädchen einladen sollte, aber ich war entschieden dagegen. Viel lieber wollte ich einen echten Männerabend mit Kumpels und Alkohol. Mädchen würden da nur stören. Lars und Mario bestellten sich zwei Bierchen, aber ich wollte etwas trinken, was es sonst nicht gab, und nahm einen alkoholfreien Moquito mit extra viel Limettensaft. Der Barkeeper stellte alles vor uns auf den Tresen, und ich bat ihn, Udo Lindenberg anzurufen, weil ich jetzt da sei und nicht den ganzen Abend auf ihn warten wolle. Außerdem fand ich den Mann, der auf der anderen Seite der Bar am Klavier spielte, blöd. Es wäre viel schöner gewesen, wenn Udo dort gesungen hätte. Der Barkeeper sagte, dass er nicht wisse, wo Udo an diesem Abend sei, und ich antwortete, dass er doch nur auf seinem Zimmer anrufen müsse. Er meinte, das ginge nicht. Ich schlug vor, selbst nachzusehen, aber er wollte mir Udos Zimmernummer nicht verraten, also musste ich an der Bar sitzenbleiben. Lars und Mario lachten und hoben ihre Gläser, aber ich wollte nicht mit ihnen anstoßen und saugte an meinem Strohhalm. Ich verstand nicht, warum er nicht einfach bei Udo anrufen konnte. Ich war doch nur heute hier. Warum probierte er es nicht wenigstens? Ich bekam schlechte Laune deswegen. Mario und Lars redeten über Musik und Mädchen, und ich hörte zu. Ich erzählte Mario von Tessa, und er erzählte mir von seiner Freundin, aber dann nicht mehr, weil Lars ja keine Freundin hatte und wir nicht wollten, dass er traurig wurde. Der Barkeeper stellte eine große Schüssel mit unterschiedlichen Nüssen neben unsere Getränke, und wir griffen alle zur gleichen Zeit hinein. Das war lustig. Als mein Cocktail leer war, bestellte ich noch einen, aber ich sagte: »Dieses Mal noch mehr Zitrone bitte. So sauer, wie möglich.« Der Barkeeper nickte und stellte keine Fragen. Das fand ich gut. Dann dachte ich an meine Klassenkameraden und an meine olle Ex-Freundin.

»Mario, aus meiner Klasse sind alle eifersüchtig auf mich.«

»Ja, wieso?«

»Weil ich ihnen von Udo Lindenberg erzählt habe und dass ich heute in seinem Hotel übernachte.«

»Und weiß deine Lehrerin auch davon?«

»Ja, klar.«

»Und was sagt die dazu?«

»Nichts.«

Ich lutschte an meinem Strohhalm. Dann sagte ich: »Meine Klasse weiß jetzt auch, dass ich Auto gefahren bin.«

»Von wem denn?«

Ich lutschte immer noch an meinem Strohhalm und klopfte mit einem Finger gegen mein Herz. Das bedeutete: Von mir!

»Du kannst auch viel für dich behalten, oder?«, lachte Mario, aber ich verstand nicht, wie er das meinte, weil ich ja immer alles ausplaudern muss. Vor allem, wenn man damit angeben kann.

»Erzähl Mario von deinem Racheplan!«, sagte Lars.

Das war eine gute Idee, aber vorher musste ich schnell noch eine grüne Wasabi-Nuss essen, weil die schön scharf sind. Ich spülte sie mit einem Schluck Cocktail herunter, dann konnte es losgehen. »Und zwar, mein Geburtstag«, fing ich an. »Das wird der coolste und geilste Geburtstag der Welt. Lars kommt mit Tamtam zu meiner Schule, also sie holen mich ab. Mit einem geilen Schlitten. Der Plan ist, meine Ex-Freundin eifersüchtig zu machen. Ich habe heute Morgen zu ihr gesagt, weil sie mich wieder geärgert hat: Ey Layla, ich hab eh eine Neue. Ich brauch’ nicht mehr so eine Hässliche wie dich!

Sie meinte dann: Wenn ich die sehe, schlage ich sie.

Und ich: Sie ist aber viel größer als du!

Als sie das hörte, ist sie weggerannt.«

Mario begann zu lachen und sagte: »Hart!«

Lars drehte sich zu ihm und meinte: »Aber sie hat es verdient. Sie ärgert ihn die ganze Zeit und macht uncoole Sachen. Die kann das vertragen.«

»War sie fies zu dir?«, fragte Mario und Lars antwortete für mich: »Richtig fies.«

»Dann ist es okay.«

Ich beugte mich zu Mario.

»Sie hat sogar zu mir gesagt: Ich habe dich nie geliebt! Stell dir das mal vor!«

»Das ist wirklich hammerhart.«

»Und dann wurde ich auch noch bedroht in der Schule. Von ihrer besten Freundin. Aber ich renne immer weg, wenn ich sie sehe.«

»Die meinte zu Daniel, wenn sie ihn noch einmal in der Nähe von Layla sehen würde, würde sie ihn umbringen.«

»Krass.«

Ich sagte: »Ja, voll gemein.«

»Deswegen der Racheplan«, grinste Lars.

»Also, Tamtam wird sich sexy anziehen.«

»Mit ganz viel Schminke.«

»Nein!«, fuhr ich Lars ins Wort, »doch nicht wie eine Prostituierte.«

»Der Kleine weiß Bescheid«, lachte Mario.

»Aber einen kurzen Rock soll sie anziehen«, sagte Lars.

»Nein, du Honk! Du hast keine Ahnung von Frauen, wie oft denn noch? Tamtam zieht ein kurzes Kleid an.«

»Und dann holen die beiden dich vor der Schule ab?«

»Ja, vor der ganzen Klasse«, strahlte ich.

»Ja, Mann. Das ist cool!«

»Dann werden wir meine Klasse eifersüchtig machen und Layla.«

»Normal«, sagte Mario.

»Dann werde ich sagen: Na Layla, bist du jetzt eifersüchtig? Jetzt ist eine Neue dran! Und dann werde ich auf Tamtam zeigen.«


Draußen war es dunkel und kalt. Trotzdem wollte ich das Abendessen nicht im Hotel zu mir nehmen. Lars versuchte mich zwar zu überreden und mir den Zimmerservice schmackhaft zu machen, aber ich wollte nicht. Als wir vor dem Hotel standen, grüßte uns der Mann mit dem schwarzen Hut, aber ich ignorierte ihn, weil ich immer noch sauer auf ihn war. Rechts ging es zum Wasser, links in Richtung Hauptbahnhof. Lars wollte nach rechts, also zog ich ihn nach links. Ich nahm eine Schokoladenzigarette aus meiner Jackentasche und tat so, als sei es eine echte. Ich blies den unsichtbaren Zigarettenrauch in die Luft, aber es war nicht kalt genug, um ihn zu sehen. Die Gegend am Hauptbahnhof machte mir Angst, weil die Straßen nicht gut beleuchtet waren und überall betrunkene Menschen herumliefen, die laut pöbelten. Lars hatte den Hotelschirm dabei, den wir im Notfall als Schwert benutzen konnten. Wir überquerten einige Straßen, bogen mal nach links, mal nach rechts ab, ohne ein festes Ziel. Plötzlich kamen uns zwei torkelnde Männer entgegen. Sie schrien ganz laut, und ich bekam noch mehr Angst. Vielleicht waren es ja Räuber. Schnell griff ich Lars’ Hand und drückte mich fest an ihn. Er beruhigte mich und versprach mir, mich zu beschützen, aber in meinem Kopf wurde es neblig und ich zog ihn schnell die kleine Treppe hinunter in das Restaurant, das sich im Keller des Hauses befand, vor dem wir zufällig gerade standen. Schnell schlossen wir die Tür hinter uns. Das Restaurant war sehr klein, und der Koch stand in einer offenen Küche und begrüßte uns auf Italienisch. Mein Herz klopfte immer noch wegen der beiden Räuber. Wir setzten uns an einen kleinen Tisch und schauten auf die Karte.

»Hmm, lecker, selbst gemachte Spaghetti mit frisch gehobelter schwarzer Trüffel«, schwärmte Lars, aber ich fand die anderen Gäste irgendwie komisch, ganz alt und spießig, dass ich lieber wieder gehen wollte. Die Gefahr war ja nun vorüber.

»Du bist der Boss«, sagte Lars und ging wieder auf die Straße zurück. Ich blieb noch an der Tür des Restaurants stehen, bis Lars kontrolliert hatte, ob die Luft rein war. Er gab mir ein Zeichen, dann lief ich schnell zu ihm. Schon an der nächsten Ecke fanden wir einen Italiener, der mir besser gefiel.

Nachdem Lars für uns bestellt hatte, ich auf dem Klo war und sich die Aufregung wieder etwas gelegt hatte, rief ich sofort Mama an. Zuerst wollte ich wissen, ob es Sina gut ging und Mama sagte: »Ja, sie liegt neben mir der Couch und schläft.« Dann erzählte ich ihr vom Hotel, vom Mittagessen, von Tessa und dass ich fast ein Date mit ihr hatte, von Mario, den beiden Räubern und wo wir gerade saßen. Dann wollte sie mit Lars sprechen, und ich reichte ihm das Handy über den Tisch.

»Jetzt gibt’s Ärger«, lachte ich.

Lars hörte zu und nach einer Weile sagte er: »Nein, nein, nein, Debbie. Mach dir keine Sorgen. Alles okay. Ich muss auflegen. Unser Essen kommt. Schönen Abend dir, ja? Tschühüüüs.«

Lars legte mein Handy auf den Tisch und grinste. Unser Essen kam nämlich noch gar nicht. Ich überlegte, ob ich Mama wieder anrufen sollte, um ihr zu sagen, dass Lars sich nur ein Späßchen erlaubt hatte, damit der liebe Gott es nicht als Lüge zählte, aber Lars meinte, dass sei nicht nötig.

Ich konnte mich nur noch schwer konzentrieren und sagte: »Okay.« Dann kam unser Essen. Dieses Mal aber wirklich.

Zurück im Hotel tranken wir Sekt aus der Mini-Bar und spritzten die halbe Flasche aus dem Fenster, was lustig war, weil auf dem Bürgersteig viele Leute liefen. Dann setzte ich mich mit Bleistift und Block aufs Bett, um eine Karte zu zeichnen. Die brauchten wir wegen der Klingelstreiche, damit wir nicht aus Versehen den falschen Fluchtweg nahmen. Lars meinte zwar, dass wir dafür keine Karte brauchten, sondern einen schnellen Fuß, aber er hatte mal wieder keine Ahnung. Er wusste auch nicht, dass Klingelstreiche in Hotels Klopfstreiche genannt werden, weil Hotelzimmer ja keine Klingeln haben. Zum Glück hatte er mich, damit ich es ihm erklären konnte. Wir schlichen durch die langen Flure, aber als es soweit war, traute ich mich nicht mehr. Ich bekam Angst, weil Klopfstreiche verboten waren und weil man verbotene Sachen nicht tun darf. Lars sagte zwar, dass mir im Hotel nichts passieren würde, aber ich bekam dieses kribbelige Gefühl trotzdem nicht mehr aus dem Bauch. Weil ich keine Angst mehr haben wollte, ging ich schnell in unser Zimmer zurück und schloss die Tür. Ich nahm einen Schluck Sekt, um mich zu beruhigen, und sagte: »Komm, wir gehen runter in die Lobby. Nur gucken!«

Das war aufregend genug. Der Fahrstuhl ging zu, und ich schaute mich im Spiegel an.

»Na, guckst du, ob du Falten bekommst?«, lachte Lars, und ich sagte: »Bekomme ich schon. Wegen dir.«

In der Lobby war alles ruhig. Außer dem Personal an der Rezeption war niemand zu sehen. Irgendwie unheimlich. Aus der Bar kam Klaviermusik. Ganz leise. Lars legte seinen Arm um meine Schulter, und wir schauten nach, ob Udo am Klavier saß, aber außer ein paar alten Männern war die Bar leer. Wir drehten sofort wieder um.

»Wie ausgestorben das Hotel«, sagte Lars. »Nichts los. Komm, wir gucken mal ins Restaurant.«

»Okay.«

In dem Restaurant war überhaupt niemand, kein Gast, keine Bedienung, einfach niemand. Vor uns stand ein Wagen mit vielen Wein- und Whiskeyflaschen und Lars schlug vor, ihn zu klauen, aber ich sagte schnell: »Spinnst du? Ich klaue nicht.«

Klauen ist noch verbotener als Klopfstreiche zu machen, und da ich mit einem schlechten Gewissen nicht einschlafen kann, schauten wir uns noch das restliche Hotel an, was wirklich einem Palast glich, aber dann wurde ich müde und wollte wieder aufs Zimmer zurück. Wir guckten noch ein bisschen fern, und Lars kraulte mich so lange, bis meine Augen zufielen. Meine Gedanken waren bei Tessa. Dann schlief ich ein.

Der nächste Morgen war blöd, weil Lars wieder nach Berlin abreiste. Mama wartete schon am Bahnhof auf uns. Sie hatte Migräne und sah ganz blass aus. Lars fragte, ob er ihr eine Kopfschmerztablette geben solle, aber ich trat ihm gegen sein Bein, weil er nicht auf meine Frage geantwortet hatte.

»Nein, Daniel«, sagte Mama. »Lars kann nicht für immer in unserem Gästezimmer einziehen.«

Ich wurde so wütend auf sie, dass ich gemeine Sachen zu ihr sagte. Ich hatte ihren Satz so verstanden, dass sie es nicht erlaubte, dass Lars bei uns wohnte und wurde ziemlich fies zu ihr.

Der ICE fuhr ein.

Lars drückte mich, und ich musste ihm versprechen, mich bei Mama zu entschuldigen. Als der Zug verschwunden war, und ich ihm nicht mehr hinterhersehen konnte, entschuldigte ich mich. Wie ich es versprochen hatte. Ich bedankte mich auch, dass sie mich trotz Migräne abholen kam. Ich sagte: »Es tut mir leid. War nicht so gemeint. Hast du mich wieder lieb? Also, ich hab dich lieb.«

An einem Imbiss blieben wir stehen und teilten uns eine große Portion Pommes. Dann sagte Mama: »Ich dich auch.«

Dieses bescheuerte Herz: Über den Mut zu träumen
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