21
Eine Auferstehung zur Unzeit
Ich dachte immer noch über Bankiers und Darlehen
nach, als unsere Kutsche vor dem Anwesen hielt, das der Herzog in
der Rue de St. Anne gemietet hatte. Zu dem imposanten, schönen
Gebäude inmitten eines großen Gartens führte eine lange, mit
Pappeln gesäumte Auffahrt. Ein reicher Mann, der Herzog.
»Glaubst du, Charles hat Manzettis Darlehen in St.
Germains Geschäft gesteckt?« fragte ich.
»Das vermute ich«, meinte Jamie. Er zwängte sich in
die Schweinslederhandschuhe, die bei einem offiziellen Besuch
angezeigt waren, und verzog das Gesicht, als er das straffe Leder
über den steifen Ringfinger seiner rechten Hand zog. »Das Geld, das
er nach Meinung seines Vaters für seinen Unterhalt in Paris
ausgibt.«
»Also versucht Charles tatsächlich, Geld für ein
Heer aufzutreiben«, stellte ich mit einem gewissen widerwilligen
Respekt für Charles Stuart fest. Die Kutsche hielt, und der Lakai
sprang herunter, um uns die Tür zu öffnen.
»Auf jeden Fall versucht er, Geld aufzutreiben«,
korrigierte mich Jamie, während er mir beim Aussteigen half.
»Vielleicht will er ja auch nur mit Louise de La
Tour und seinem Bastard durchbrennen.«
Ich schüttelte den Kopf. »Das glaube ich nicht.
Nicht nach dem, was mir Maltre Raymond gestern erzählthat. Außerdem
sagt Louise, sie habe ihn nicht mehr gesehen, seit sie und Jules...
na ja...«
Jamie schnaubte verächtlich. »Zumindest besitzt sie
einen Rest von Ehrgefühl.«
»Ich weiß nicht, ob es das ist«, bemerkte ich,
während ich an Jamies Arm die Stufen zum Eingang hinaufging.»Sie
sagte, Charles sei so wütend gewesen, weil sie mit ihrem Mann
geschlafen hat, daß er auf und davon gestürmt ist, und seither hat
sie ihn nicht wiedergesehen.
Von Zeit zu Zeit schreibt er leidenschaftliche Briefe und schwört,
sie und das Kind zu sich zu holen, sobald er seine rechtmäßige
Stellung in der Welt erlangt hat. Aber sie empfängt ihn nicht mehr,
weil sie fürchtet, Jules könnte die Wahrheit herausfinden.«
Jamie gab einen mißbilligenden schottischen Laut
von sich.
»Mein Gott, welcher Mann kann eigentlich sicher
sein, daß er kein Hahnrei ist?«
Ich streichelte seinen Arm. »Wahrscheinlich können
sich einige sicherer sein als andere.«
»Glaubst du?« fragte er, lächelte mich aber
an.
Die Tür wurde von einem kleinen kahlköpfigen Butler
in makelloser Uniform geöffnet.
»Monsieur«, sagte er mit einer Verbeugung vor
Jamie, »und Madame. Sie werden erwartet. Bitte treten Sie
ein.«
Der Herzog, der uns im großen Salon empfing, war
die Freundlichkeit in Person.
»Unsinn, Unsinn«, meinte er auf Jamies
Entschuldigung wegen des Zwischenfalls auf unserer
Abendgesellschaft. »Verdammterregbares Volk, die Franzosen. Machen
furchtbar viel Aufhebens um alles und jedes. Nun wollen wir einmal
all diese faszinierenden Angebote durchsehen, oder? Und vielleicht
möchte sich Ihre liebe Gemahlin... inzwischen ein wenig
amüsieren... nicht wahr?« Er machte eine vage Armbewegung in
Richtung der Wand und ließ es offen, ob ich mich mit der
Betrachtung der großen Gemälde, des wohlgefüllten Bücherregals oder
der Glasvitrinen amüsieren sollte, die die
Schnupftabakdosensammlung des Herzogs enthielten.
»Vielen Dank«, murmelte ich mit einem reizenden
Lächeln, begab mich zu der Wand und vertiefte mich in einen großen
Boucher, der die Rückenansicht einer üppigen Nackten auf einem
Felsen inmitten der Wildnis zeigte. Wenn dieses Bild den
Zeitgeschmack hinsichtlich der weiblichen Anatomie ausdrückte,
wunderte es mich nicht mehr, daß Jamie so viel von meinem Hintern
hielt.
»Ha!«, rief ich. »Ein Königreich für ein
Korsett.«
»Was?« Jamie und der Herzog blickten verblüfft von
ihrem Portefeuille mit Anlagepapieren auf, das die offizielle
Begründung für unseren Besuch lieferte.
»Laßt Euch durch mich nicht stören«, erklärte ich
mit einer huldvollen Handbewegung. »Ich erfreue mich nur an der
Kunst.«
»Das höre ich mit größter Genugtuung, Madam«,
bemerkte der Herzog höflich und wandte sich sofort wieder den
Papieren zu, während Jamie sich gewissenhaft dem eigentlichen Zweck
unseres Besuches widmete-dem Herzog unauffällig zu entlocken, ob er
auf Seiten der Stuarts stand oder nicht.
Auch ich hatte mir für den Besuch etwas
vorgenommen. Während sich die Männer wieder ins Gespräch
vertieften, arbeitete ich mich allmählich zur Tür vor und tat so,
als inspizierte ich die wohlgefüllten Regale. Sobald ich unbemerkt
entwischen konnte, wollte ich hinausschlüpfen und Alex Randall
suchen. Für Mary Hawkins hatte ich bereits getan, was in meiner
Macht stand; jeder weitere Schritt mußte von ihm kommen. Die
gesellschaftliche Etikette machte es ihm unmöglich, Mary im Haus
ihres Onkels zu besuchen, und genausowenig konnte sie mit ihm
Kontakt aufnehmen. Ich aber konnte den beiden ohne weiteres eine
Gelegenheit bieten, sich in der Rue Tremoulins zu treffen.
Die Männer hatten die Stimmen mittlerweile zu einem
vertraulichen Flüstern gesenkt. Ich streckte den Kopf in die Halle,
konnte aber keinen Lakai entdecken. Doch in einem Haus wie diesem
mußte es Dutzende von Dienstboten geben, also konnte der nächste
nicht weit sein. Ohne Wegbeschreibung konnte ich Alexander Randall
in einem so großen Gebäude nicht finden. Also schlug ich einfach
irgendeine Richtung ein und suchte nach jemandem, den ich fragen
konnte.
Als ich am anderen Ende des Flures eine Bewegung
sah, rief ich die Person an. Doch sie antwortete nicht. Alles, was
ich hörte, waren verstohlene Schritte auf dem polierten
Parkett.
Für einen Dienstboten war dieses Verhalten
merkwürdig. Ich blieb stehen und schaute mich um. Im rechten Winkel
schloß sich ein weiterer Flur an; an der einen Seite waren Türen,
an der anderen hohe Fenster, die auf die Auffahrt und den Garten
hinausgingen. Mir fiel auf, daß eine Tür in meiner Nähe nur
angelehnt war.
Auf leisen Sohlen näherte ich mich der Tür und
lauschte. Da ich nichts hörte, nahm ich die Klinke und öffnete
mutig die Tür.
»Was in aller Welt machst du denn hier?« rief ich
erstaunt.
»Oh, hast du mich erschreckt! Du liebe G-güte, ich
hab’ gedacht, ich m-muß sterben.« Mary Hawkins preßte beide Hände
an ihr Mieder. Ihr Gesicht war kalkweiß und ihre dunklen Augen vor
Schreck geweitet.
»Das wirst du schon nicht«, entgegnete ich. »Es sei
denn, dein Onkel findet dich hier. Dann bringt er dich
wahrscheinlich um. Oder weiß er etwa, daß du hier bist?«
»Nein. Ich habe es niemandem erzählt. Ich bin mit
einer Droschke gekommen.«
»Aber um Gottes willen, warum denn?«
Sie sah sich um wie ein verängstigtes Kaninchen,
das einen Unterschlupf sucht. Da sie aber keinen fand, richtete sie
sich auf und biß die Zähne zusammen.
»Ich muß Alex finden. Ich muß m-mit ihm reden. Ich
muß wissen, ob er - ob er...« Sie rang die Hände; es war nicht zu
übersehen, welche Überwindung es sie kostete, die Worte über die
Lippen zu bringen.
»Ist schon gut«, sagte ich resigniert. »Ich
verstehe. Dein Onkel aber würde es nicht verstehen und der Herzog
auch nicht. Weiß Seine Hoheit, daß du hier bist?«
Sie schüttelte stumm den Kopf.
»Gut«, sagte ich und dachte nach. »Zuerst einmal
müssen wir...«
»Madame? Kann ich Ihnen helfen?«
Mary zuckte zusammen, und mein Herzschlag setzte
aus. Verdammte Lakaien, sie tauchten immer nur dann auf, wenn man
sie nicht brauchte.
Jetzt half nur noch größte Unverfrorenheit. Ich
wandte mich an den Diener, der dastand, als hätte er einen Stock
verschluckt, und uns mißtrauisch musterte.
»Ja«, sagte ich mit aller Arroganz, die mir zu
Gebote stand. »Wollen Sie bitte Mr. Randall mitteilen, daß er
Besuch hat.«
»Ich bedaure, aber das ist nicht möglich«, erklärte
der Lakai mit kühler Höflichkeit.
»Und warum nicht?«
»Weil Mr. Alexander Randall nicht mehr im Dienste
Seiner Hoheit steht, Madame. Er wurde entlassen.« Der Lakai
musterte Mary kurz, dann ließ er sich herab zu sagen: »Soviel ich
weiß, ist Monsieur Randall auf dem Weg nach England.«
»Nein! Er kann nicht abgereist sein, er kann
einfach nicht!««
Mary schoß auf die Tür zu und rannte fast Jamie um,
der soeben hereinkam. Sie schnappte überrascht nach Luft, und er
starrte sie verblüfft an.
»Was...«, begann er, ehe er mich hinter ihr
entdeckte. »Oh, da bist du ja, Sassenach. Ich habe mich
entschuldigt, weil ich dich suchen wollte - Seine Hoheit hat mir
gerade gesagt, daß Alex Randall...«
»Ich weiß«, fiel ich ihm ins Wort. »Er ist
weg.«
»Nein!« stöhnte Mary. »Nein!« Sie lief zur Tür und
war verschwunden, bevor wir sie aufhalten konnten.
»Verdammte Närrin!« Ich streifte meine Schuhe ab,
raffte meine Röcke und rannte ihr nach. In Strümpfen war ich viel
schneller als sie in ihren hochhackigen Schuhen. Vielleicht konnte
ich sie einholen, bevor sie jemand anderem in die Arme lief und
ertappt wurde. Diesen Skandal hätte ich gerne verhindert.
Ich sah gerade noch, wie ihre Röcke um die Ecke in
einen angrenzenden Flur verschwanden, und nahm die Verfolgung auf.
Hier war der Boden mit einem Teppich bedeckt. Wenn ich mich nicht
beeilte, würde ich bald ihre Spur verlieren, da ich ihre Schritte
nicht mehr hören konnte. Ich senkte den Kopf, stürmte um eine Ecke
und stieß mit voller Wucht mit einem Mann zusammen, der mir
entgegenkam.
»Hoppla!« rief er verblüfft, als ich gegen ihn
prallte, und hielt mich an beiden Armen fest, damit wir nicht
gemeinsam zu Boden gingen.
»Tut mir leid!«, rief ich atemlos. »Ich dachte, Sie
seien - oh, Jesus H. Roosevelt Christ!«
Mein erster Eindruck - daß ich auf Alexander
Randall gestoßen war - verflüchtigte sich im Bruchteil jener
Sekunde, den ich brauchte, um ihm in die Augen zu blicken. Der fein
geschnittene Mund hätte Alex gehören können, abgesehen von den
tiefen Falten, die ihn umgaben. Aber ich kannte nur einen Mann, der
derart kalte Augen besaß.
Der Schock war so groß, daß mir paradoxerweise
alles völlig normal vorkam. Ich verspürte den Impuls, den Mann mit
einer Entschuldigung abzuwimmeln und einfach weiterzulaufen. Doch
unter dem Einfluß des Adrenalinstoßes, der meinen Körper durchfuhr,
war diese Absicht rasch vergessen.
Er hingegen hatte sich mittlerweile gefaßt und
seine vorübergehend erschütterte Gelassenheit wiedergefunden.
»Ich empfinde ähnlich wie Sie, Madam, auch wenn ich
dafür nicht dieselben Worte wählen würde.« Noch immer hielt er
meine
Ellbogen umklammert. Jetzt schob er mich ein Stück von sich fort
und blinzelte, um mein Gesicht sehen zu können. Als er mich
erkannte, wurde er schreckensbleich. »Zum Teufel, Sie sind’s!« rief
er.
»Ich dachte, Sie seien tot!« Mit aller Kraft
versuchte ich, mich aus dem eisernen Griff Jonathan Randalls zu
befreien.
Er ließ einen meiner Arme los, um sich die
Magengegend zu reiben, und musterte mich kalt. Sein schmales,
feingeschnittenes Gesicht wirkte braungebrannt und gesund.
Äußerlich war ihm nicht anzusehen, daß vor fünf Monaten eine Herde
Rinder auf ihm herumgetrampelt war. Er hatte nicht einmal einen
Hufabdruck an der Stirn.
»Wieder teile ich Ihre Gefühle, Madam. Ich stand
unter demselben Eindruck, was Ihren Gesundheitszustand betrifft.
Vielleicht sind Sie ja doch eine Hexe. Wie haben Sie es angestellt?
Sich in eine Wölfin verwandelt?« Die Abneigung, die aus seinen
Zügen sprach, war nicht frei von abergläubischer Ehrfurcht. Denn
wenn man jemanden in einer kalten Winternacht zu einem Rudel Wölfe
hinausstößt, sollte man doch meinen, daß er sich ohne Umstände
auffressen läßt. Wie meine verschwitzten Hände und das Hämmern
meines Herzens bezeugten, wirkte die unverhoffte Wiederauferstehung
eines Totgeglaubten höchst beunruhigend. Vermutlich fühlte auch er
sich ein wenig unwohl.
»Das würden Sie wohl gern wissen?« Der Drang, ihn
zu ärgern - diese eisige Ruhe zu durchbrechen -, gewann die
Oberhand im Gefühlschaos, das sein Anblick in mir ausgelöst hatte.
Sein Griff um meinen Arm wurde fester, seine Lippen schmaler. Ich
sah, wie er angestrengt nachdachte und Möglichkeiten abhakte.
»Wenn es nicht Ihr Leichnam war, den Sir Fletchers
Männer aus dem Verlies zogen, wer war der Tote dann?« fragte ich,
denn ich wollte mir zunutze machen, daß er vorübergehend die
Fassung verloren hatte. Ein Augenzeuge hatte mir geschildert, daß
man nach dem wilden Durchzug der Viehherde, die Jamies Flucht aus
eben jenem Verlies getarnt hatte, »eine Puppe in blutigen Fetzen« -
vermutlich Randall - gefunden hatte.
Randall lächelte mißvergnügt. Wenn er ebenso nervös
war wie ich, dann zeigte er es nicht. Er atmete ein wenig schneller
als gewöhnlich, und die Falten um Augen und Mund waren tiefer, als
ich sie in Erinnerung hatte, aber er schnappte nicht nach Luft wie
ein Fisch auf dem Trockenen. Leider hatte ich weniger
Selbstbeherrschung. Ich pumpte möglichst viel Sauerstoff in meine
Lungen und versuchte, durch die Nase zu atmen.
»Es war mein Bursche, Marley. Aber wenn Sie auf
meine Fragen nicht eingehen, warum sollte ich dann die Ihren
beantworten?« Er musterte mich von Kopf bis Fuß und taxierte meine
Erscheinung: Seidenkleid, Haarschmuck, Juwelen, unbeschuhte
Füße.
»Wohl mit einem Franzosen verheiratet?« erkundigte
er sich. »Ich habe Sie immer für eine französische Spionin
gehalten. Hoffentlich hält Ihr neuer Gatte Sie besser im Zaum
als...«
Die Worte erstarben ihm auf den Lippen, als er
aufblickte, um zu sehen, wer soeben den Flur hinter mir betrat.
Wenn ich ihn aus der Ruhe hatte bringen wollen, so wurde mir dieser
Wunsch jetzt erfüllt. Kein Hamlet hat angesichts des Geistes ein
überzeugenderes Entsetzen zustande gebracht als jenes, das sich nun
auf den aristokratischen Zügen vor mir malte. Die Hand, die immer
noch meinen Arm hielt, krallte sich tief in mein Fleisch, und ich
spürte den Schock, der ihn durchzuckte wie ein elektrischer
Schlag.
Ich wußte, wen er hinter mir erblickte, und wagte
nicht, mich umzudrehen. Auf dem Korridor herrschte vollkommene
Stille. Ganz langsam befreite ich meinen Arm aus Randalls Griff,
und seine Hand fiel kraftlos herunter. Hinter mir war kein Laut zu
hören, obwohl jetzt aus dem Raum am Ende des Flures Stimmen
drangen. Ich betete, daß die Tür sich nicht öffnen würde, und
überlegte verzweifelt, ob Jamie bewaffnet war.
Ich war unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen,
bis endlich das beruhigende Bild seines Schwertes vor mir
aufleuchtete, das an der Garderobe hing. Aber er hatte natürlich
noch seinen Dolch bei sich und das kleine Messer, das er
gewohnheitsmäßig im Strumpf trug. Außerdem war ich mir vollkommen
sicher, daß er einen Gegner notfalls auch mit bloßen Händen
angreifen würde. Und wenn man meine gegenwärtige Position zwischen
den beiden Männern unbedingt als Notfall sehen wollte... Ich
schluckte und drehte mich langsam um.
Er stand reglos da, kaum einen Meter hinter mir.
Neben ihm stand ein hoher Fensterflügel offen, in dem die Schatten
der Zypressen spielten wie Wellen auf einem versunkenen Felsen.
Auch Jamie zeigte nicht mehr Regungen als ein Felsen. Was in ihm
vorging, konnte man nur ahnen; seine Augen waren groß und klar
wie Glas, als wäre die Seele hinter diesem Spiegel längst
davongeflogen.
Er sagte nichts, streckte mir aber die Hand
entgegen. Es dauerte einen Moment, bis ich die Geistesgegenwart
aufbrachte, sie zu ergreifen. Sie war kalt und hart, und ich hielt
sie umklammert, als ginge es um das liebe Leben.
Er zog mich eng an sich, nahm meinen Arm und führte
mich weg, ohne ein Wort zu sagen oder seinen Gesichtsausdruck zu
verändern. Als wir das Ende des Flures erreichten, brach Randall
das Schweigen.
»Jamie«, sagte er. Seine heisere Stimme klang halb
ungläubig, halb flehend.
Jamie blieb stehen und drehte sich zu ihm um.
Randall war kalkweiß, nur auf den Wangenknochen glühten kleine rote
Flekken. Er hatte seine Perücke abgenommen und ballte die Fäuste;
sein dunkles Haar klebte schweißnaß an den Schläfen.
»Nein.« Jamies Stimme klang gefaßt, beinahe
ausdruckslos. Aufblickend sah ich, daß sein Gesicht ebenso reglos
blieb, nur die Schlagader an seinem Hals pulsierte heftig, und die
kleine dreiekkige Narbe über seinem Kragen hatte sich tiefrot
verfärbt.
»Ich bin der Herr von Broch Tuarach«, sagte er
leise. »Und künftig werden Sie mich nur noch in aller Form
ansprechen - bis Sie mit meinem Schwert auf der Brust um Ihr Leben
betteln. Dann können Sie mich beim Vornamen nennen, denn es wird
das letzte Wort sein, das je über Ihre Lippen kommt.«
Mit unerwarteter Heftigkeit fuhr Jamie herum, so
daß sich sein weites Plaid blähte und ich Randall nicht mehr sehen
konnte, als wir in den angrenzenden Flur abbogen.
Unsere Kutsche wartete am Tor. Ängstlich Jamies
Blick ausweichend, stieg ich ein und beschäftigte mich damit, die
Falten meines gelben Seidenrocks zu ordnen. Als der Wagenschlag
zufiel, schreckte ich hoch, aber bevor ich den Griff packen konnte,
fuhr die Kutsche ruckartig an, so daß ich in meinen Sitz
zurückgeworfen wurde.
Fluchend rappelte ich mich wieder auf, kniete mich
auf die Bank und spähte aus dem Rückfenster. Jamie war
verschwunden. Nichts regte sich außer den schwankenden Schatten der
Zypressen und Pappeln.
Verzweifelt hämmerte ich gegen das Wagendach, aber
der Kutscher feuerte nur die Pferde an, noch schneller zu laufen.
Um diese Zeit waren die Straßen kaum belebt, und wir polterten
durch die engen Straßen, als wäre der Teufel hinter uns her.
Als wir in der Rue Tremoulins hielten, sprang ich,
vor Angst und Wut bebend, aus der Kutsche.
»Warum haben Sie nicht angehalten?« fuhr ich den
Kutscher an. Er zuckte die Achseln. Hoch oben auf seinem Kutschbock
war er offenbar durch nichts zu erschüttern.
»Der Herr hat befohlen, Sie unverzüglich nach Hause
zu fahren, Madame.« Mit seiner Peitsche berührte er sachte den
Rücken des rechten Pferdes.
»Warten Sie!« rief ich. »Ich will zurück!« Aber er
zog nur den Kopf ein wie eine Schildkröte und tat so, als hörte er
mich nicht, während die Kutsche davonholperte.
In ohnmächtiger Wut wandte ich mich zum Eingang.
Fergus kam mir entgegen und sah mich fragend an.
»Wo ist Murtagh?« herrschte ich ihn an. Denn unser
Verwandter war der einzige Mensch, dem ich es zutraute, Jamie zu
finden und aufzuhalten.
»Ich weiß nicht, Madame. Vielleicht da unten.« Der
Junge wies in die Richtung der Rue Gamboge, wo es mehrere Tavernen
gab, einige davon solide Gasthäuser, in denen auch ein Ehepaar auf
Reisen einkehren konnte, andere Räuberhöhlen, die wohl nicht einmal
ein bewaffneter Mann gern allein betrat.
Ich legte meine Hand auf Fergus’ Schulter, um Halt
zu finden und um meinen Worten Nachdruck zu verleihen.
»Lauf und hol ihn, Fergus. So schnell du
kannst!«
Erschreckt durch meinen Tonfall, sprang Fergus die
Treppe hinunter und war verschwunden, noch bevor ich sagen konnte:
»Sei vorsichtig!« Aber schließlich kannte er sich im Armeleute- und
Verbrechermilieu von Paris besser aus als ich. Niemand war eher
geeignet, sich durch eine überfüllte Taverne zu schlängeln, als ein
ehemaliger Taschendieb. Zumindest hoffte ich, daß er dieser
Beschäftigung nun nicht mehr nachging.
Aber im Augenblick verdrängte eine Sorge alle
anderen Überlegungen, und die Befürchtung, man könnte Fergus
erwischen und für seine Untaten hängen, verblaßte neben der
Vorstellung, die Jamies letzte Worte an Randall in mir
heraufbeschworen hatten.
Gewiß war Jamie nicht ins Haus des Herzogs zurückgekehrt, oder?
Nein, beruhigte ich mich. Er hatte kein Schwert bei sich. Was immer
er auch empfinden mochte - und mein Herz wurde schwer bei diesem
Gedanken -, er würde nicht überstürzt handeln. Ich hatte ihn schon
im Kampf beobachtet - sein Verstand arbeitete stets mit eiserner
Ruhe, losgelöst von den Gefühlen, die sein Urteilsvermögen trüben
könnten. Schon allein deshalb würde er sich an die Regeln halten.
Er würde die strengen Vorschriften beachten, die einen Ehrenhandel
regelten - daran konnte er sich festhalten, wenn ihn der Ansturm
der Gefühle und der maßlose Durst nach Blut und Rache mit sich
fortzureißen drohten.
In der Halle blieb ich stehen, legte mechanisch
meinen Mantel ab und blickte in den Spiegel, um mein Haar zu
ordnen. Denk nach Beauchamp, beschwor ich stumm mein
bleiches Spiegelbild. Wenn er sich duelliert, was braucht er als
erstes?
Ein Schwert? Nein, das war es nicht. Seines hing
oben an der Garderobe. Zwar konnte er sich leicht eines leihen,
aber es war unvorstellbar, daß er das wichtigste Duell seines
Lebens mit einem anderen als seinem eigenen Schwert austrug. Sein
Onkel, Dougal MacKenzie, hatte es ihm mit siebzehn geschenkt, seine
Kampfausbildung überwacht und ihm die Tricks und die Vorteile
gezeigt, die einem linkshändigen Schwertkämpfer mit dieser Waffe
zugute kamen. Dougal hatte stundenlang mit ihm links gegen links
geübt, bis er, wie Jamie sagte, das Gefühl hatte, daß die
Damaszenerklinge lebendig geworden war, eine Verlängerung seines
Arms. Jamie hatte gesagt, ohne das Schwert fühlte er sich nackt.
Und diesem Kampf würde er sich gewiß nicht nackt stellen.
Nein, wenn er das Schwert sofort gebraucht hätte,
wäre er heimgekommen, um es zu holen. Ungeduldig fuhr ich mir durch
die Haare und versuchte nachzudenken. Verdammt, wie lauteten die
Spielregeln für ein Duell? Was kam, bevor man zu den Waffen griff?
Die Forderung natürlich. Waren Jamies Worte auf dem Korridor
bereits eine Forderung gewesen? Ich hatte die vage Vorstellung, daß
man seinem Gegner Handschuhe ins Gesicht schlug, wußte aber nicht,
ob das wirklich üblich war oder nur der Phantasie eines Regisseurs
entsprungen.
Dann dämmerte es mir. Erst forderte man den Gegner,
dann wurde ein Ort vereinbart - er wurde mit Bedacht gewählt, um
nicht die Aufmerksamkeit der Polizei oder der Königlichen Garde auf
sich zu ziehen. Und um den Ort zu vereinbaren, wurde ein Sekundant
benötigt. Ah ja. Deshalb war er also verschwunden: um den
Sekundanten zu suchen. Murtagh.
Selbst wenn Jamie Murtagh noch vor Fergus fand,
waren erst noch einige Formalitäten zu erledigen. Erleichtert
atmete ich auf, obwohl mein Herz noch wie wild hämmerte und mein
Mieder zu eng schien. Von den Dienstboten war niemand zu sehen;
also löste ich die Schnüre und nahm einen tiefen, befreienden
Atemzug.
»Wenn ich gewußt hätte, daß du die Angewohnheit
hast, dich auf der Diele auszuziehen, wäre ich im Salon geblieben«,
sagte eine ironische Stimme mit unverkennbar schottischem Akzent
hinter mir.
Ich wirbelte herum - vor Schreck brachte ich kein
Wort heraus. Der Mann, der den Türrahmen ausfüllte, war fast so
groß wie Jamie, bewegte sich mit derselben kraftvollen Anmut,
strahlte dieselbe kühle Selbstbeherrschung aus. Sein Haar war
jedoch dunkel, und die tiefliegenden Augen schimmerten
haselnußbraun. Dougal MacKenzie tauchte in diesem Haus auf, als
hätte ich ihn durch meine Gedanken herbeigerufen. Wenn man den
Teufel nennt...
»Was um alles in der Welt machst du hier?« Der
erste Schreck ebbte ab, wenn auch mein Herz noch pochte. Seit dem
Frühstück hatte ich nichts gegessen, und plötzlich wurde mir ganz
schwarz vor Augen. Er kam auf mich zu, nahm meinen Arm und zog mich
zu einem Stuhl.
»Setz dich Mädel«, sagte er. »Du fühlst dich nicht
besonders, scheint mir.«
»Sehr aufmerksam von dir«, entgegnete ich. Vor
meinen Augen zuckten kleine Blitze, und am Rand meines
Gesichtsfeldes tauchten schwarze Flecken auf. »Entschuldige«, sagte
ich höflich und steckte den Kopf zwischen die Knie.
Jamie. Frank. Randall. Dougal. Ich sah ihre
Gesichter vor mir, ihre Namen klangen mir in den Ohren. Ich klemmte
meine feuchten Hände unter die Achseln. Jamie würde sich dem Kampf
mit Randall nicht sofort stellen; das war das einzige, was zählte.
Mir blieb noch ein wenig Zeit zum Nachdenken, und ich konnte
vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Aber welche? Diese Frage überließ
ich einstweilen meinem Unterbewußtsein, während ich mich zwang,
gleichmäßig zu atmen, und mich den unmittelbar anstehenden
Problemen zuwandte.
»Noch einmal«, sagte ich, richtete mich auf und
strich mir das Haar aus der Stirn, »was machst du hier?«
Die dunklen Brauen zuckten.
»Brauche ich einen Grund, um einen Verwandten zu
besuchen?«
Hinten im Hals schmeckte ich noch Galle, aber
wenigstens zitterten meine Hände nun nicht mehr.
»Unter den gegebenen Umständen, ja.« Ich straffte
die Schultern, wobei ich die geöffneten Schnüre meines Mieders
großzügig übersah, und griff nach der Weinbrandkaraffe. Doch Dougal
kam mir zuvor, nahm ein Glas vom Tablett und schenkte mir ein, kaum
mehr als einen Teelöffel voll. Doch ein nachdenklicher Blick in
meine Richtung bewog ihn, die Dosis zu verdoppeln.
»Danke«, sagte ich kühl.
»Umstände, was? Und welche Umstände sollen das
sein?«
Ohne eine Antwort abzuwarten, füllte er ein zweites
Glas für sich und brachte einen zwanglosen Toast aus: »Auf Seine
Majestät!«
Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. »König
James, vermutlich?« Ich nippte an meinem Glas und spürte, wie mir
das angenehme Aroma in die Nase stach. »Bedeutet deine Anwesenheit
in Paris etwa, daß du Colum von deiner Denkungsart überzeugt hast?«
Dougal MacKenzie mochte ja ein Jakobit sein, doch das Oberhaupt der
MacKenzies von Leoch war sein Bruder Colum. Da seine Beine durch
eine entstellende Krankheit verkrüppelt waren, konnte Colum seinen
Clan nicht länger in die Schlacht führen; Dougal war der
Kriegsherr. Aber die Entscheidung, ob sie in die Schlacht zogen,
oblag Colum.
Dougal ignorierte die Frage. Nachdem er sein Glas
geleert hatte, bediente er sich ein zweites Mal. Genüßlich ließ er
den ersten Schluck auf der Zunge zergehen und leckte sich die
Lippen.
»Nicht schlecht«, meinte er. »Davon muß ich Colum
etwas mitbringen. Damit er nachts schlafen kann, braucht er etwas
Stärkeres als Wein.«
Tatsächlich war das eine indirekte Antwort auf
meine Frage. Colums Zustand verschlechterte sich also. Da ihm die
Krankheit, die seinen Körper zerstörte, stets Schmerzen bereitete,
hatte Colum abends immer Dessertwein getrunken, um besser schlafen
zu können. Inzwischen brauchte er schon Weinbrand. Ich fragte mich,
wie lange es dauerte, bis er gezwungen sein würde, auf Opium
zurückzugreifen.
Wenn er das tat, war sein Ende als Oberhaupt des
Clans gekommen. Seiner körperlichen Kräfte beraubt, regierte er
durch schiere Charakterstärke. Doch wenn Colums Verstand durch
Schmerzen und Drogen getrübt würde, dann bekam der Clan einen neuen
Anführer - Dougal.
Ich betrachtete ihn über den Rand meines Glases
hinweg. Er hielt meinem Blick ohne Anzeichen von Verlegenheit
stand, und ein leichtes Lächeln umspielte den breiten
MacKenzie-Mund. Seine Züge glichen denen seines Bruders - und
seines Neffen: hohe Wangenknochen, die Nase lang und gerade wie
eine Klinge, ein Gesicht, aus dem Stärke und Kühnheit
sprachen.
Als Achtzehnjähriger hatte Dougal seinem Bruder die
Treue geschworen, und diesen Eid hatte er dreißig Jahre lang
gehalten. Und er würde ihn weiter halten, das wußte ich, bis zu dem
Tag, an dem Colum starb oder den Clan nicht länger führen konnte.
Und an diesem Tag würde Dougal Colums Nachfolge als Clanoberhaupt
antreten, und die Männer des MacKenzie-Clans würden ihm folgen,
wohin er sie führte-unter dem Schrägkreuz Schottlands, unter dem
Banner von König James, in vorderster Reihe für Bonnie Prince
Charles.
»Umstände?« sagte ich, seine vorherige Frage
aufgreifend. »Ich glaube nicht, daß es besonders geschmackvoll ist,
einem Mann einen Besuch abzustatten, den du für tot abgeschrieben
und dessen Frau du zu verführen versucht hast.«
Er lachte - von einem Dougal MacKenzie war nichts
anderes zu erwarten. Ich wußte nicht recht, wodurch man den Mann
aus der Fassung bringen konnte, aber ich hoffte von ganzem Herzen,
ich würde dabei sein, wenn es eines Tages doch passierte.
»Verführen?« meinte er amüsiert. »Ich habe dir die
Ehe angetragen.«
»Du hast mir angetragen, mich zu vergewaltigen,
soweit ich mich erinnere«, schnauzte ich ihn an. Tatsächlich hatte
er mir im vergangenen Winter - unter Gewaltandrohung - einen
Heiratsantrag gemacht, nachdem er es abgelehnt hatte, mir bei
Jamies Befreiung aus dem Wentworth-Gefängnis zu helfen. Sein
Hauptbeweggrund war zweifellos, Jamies Gut Lallybroch - das ich
nach Jamies Tod erben würde - an sich zu bringen, aber er hätte
auch nichts dagegen gehabt, regelmäßig mein Lager zu teilen.
»Und was Jamies Befreiung aus dem Gefängnis
angeht«, fuhr er
fort, meine Bemerkung wie üblich ignorierend, »es schien
aussichtslos, ihn herauszuholen. Es hätte keinen Sinn gehabt, gute
Männer bei einem sinnlosen Versuch aufs Spiel zu setzen. Er wäre
der erste gewesen, der das verstanden hätte. Und als sein
Verwandter war es meine Pflicht, seiner Frau im Falle seines Todes
meinen Schutz anzubieten. Ich war schließlich sein Pflegevater,
oder?« Er leerte sein Glas mit einem Zug.
Auch ich nahm eine Stärkung und trank schnell,
damit ich mich nicht verschluckte. Der Alkohol brannte mir in Hals
und Speiseröhre, und die Hitze stieg mir ins Gesicht. Dougal hatte
recht. Jamie hatte ihm keine Vorhaltungen gemacht, weil er nicht in
das Wentworth-Gefängnis hatte einbrechen wollen- aber auch von mir
hatte er es nicht erwartet. Und gelungen war es mir nur durch ein
Wunder. Anschließend hatte ich Jamie zwar von Dougals
Heiratsabsichten erzählt, aber nicht durchblicken lassen, daß
hinter seinem Angebot auch fleischliche Gelüste standen. Denn
schließlich hatte ich nicht damit gerechnet, Dougal MacKenzie
jemals wiederzusehen.
Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen wußte ich,
daß er ein Mann war, der günstige Gelegenheiten beim Schopf packte.
Als Jamies Hinrichtung bevorstand, hatte er nicht einmal die
Vollstrekkung des Urteils abgewartet, bevor er versuchte, sich
meiner und des mir als Erbe zustehenden Besitzes zu bemächtigen.
Falls - nein, ich korrigierte mich -, wenn Colum starb oder
handlungsunfähig wurde, wäre Dougal innerhalb einer Woche das
Oberhaupt des MacKenzie-Clans. Und wenn Charles Stuart die
Unterstützung fand, die er suchte, würde Dougal zur Stelle sein.
Schließlich besaß er Erfahrung als einflußreicher Mann hinter dem
Thron.
Nachdenklich nippte ich an meinem Glas. Colum hatte
Geschäftsinteressen in Frankreich; Wein und Nutzholz vor allen.
Zweifellos war dies der Vorwand für Dougals Besuch in Paris, nach
außen hin vielleicht sogar der Hauptgrund. Aber er hatte noch
andere Motive, da war ich mir sicher. Und die Anwesenheit von Prinz
Charles Edward Stuart war bestimmt eines davon.
Eines mußte man Dougal MacKenzie lassen: Eine
Begegnung mit ihm regte die Geistestätigkeit an-es war einfach
notwendig, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, was er im
Augenblick tatsächlich im Schilde führte. Dank seiner anregenden
Gegenwart und einem herzhaften Schluck portugiesischen Weinbrands
kam mir eine glorreiche Idee.
»Wie auch immer, ich bin froh, daß du jetzt hier
bist«, bemerkte ich und stellte mein leeres Glas auf dem Tablett
ab.
»Tatsächlich?« Ungläubig zog er die dichten dunklen
Brauen hoch.
»Ja.« Ich stand auf und deutete in die Halle. »Hol
mir meinen Mantel, während ich mein Mieder zuschnüre. Ich möchte,
daß du mich auf das commissariat de police
begleitest.«
Als ich sah, wie seine Kinnlade herunterklappte,
flackerte Hoffnung in mir auf. Wenn es mir gelungen war, Dougal
MacKenzie zu verblüffen, dann konnte ich doch gewiß auch ein Duell
verhindern?
»Willst du mir vielleicht verraten, was du
vorhast?« erkundigte sich Dougal, als die Kutsche um den Cirque du
Mireille holperte und knapp einer Kalesche und einem Karren voll
Kürbissen auswich.
»Nein«, beschied ich ihm. »Aber vermutlich läßt es
sich nicht vermeiden. Wußtest du, daß Jack Randall noch
lebt?«
»Ich hatte nicht gehört, daß er tot ist«, erklärte
Dougal gelassen.
Ich wurde stutzig. Aber natürlich hatte er recht.
Wir hatten Randall nur für tot gehalten, weil Sir Marcus MacRannoch
den zu Tode getrampelten Burschen Randalls für den Hauptmann
gehalten hatte. Natürlich hatte sich die Nachricht von Randalls Tod
nicht in den Highlands verbreitet, da er ja noch lebte. Ich
versuchte, meine Gedanken zu ordnen.
»Er ist nicht tot«, sagte ich, »sondern in
Paris.«
»In Paris?« Das interessierte ihn. Er zog die
Brauen hoch, und beim nächsten Gedanken riß er die Augen auf.
»Wo ist Jamie?« fragte er scharf.
Ich freute mich, daß er den wesentlichen Punkt
sofort erfaßt hatte. Zwar hatte er keine Ahnung, was sich zwischen
Jamie und Randall abgespielt hatte - das würde außer Jamie, Randall
und bis zu einem gewissen Grade auch mir niemand je wissen -, aber
er wußte mehr als genug über Randall, um sich klarzumachen, was
Jamies erster Impuls sein würde, wenn er dem Mann hier außerhalb
der schützenden Grenzen Englands begegnete.
»Ich weiß nicht«, entgegnete ich und sah aus dem
Fenster. Wir fuhren an Les Halles vorbei, und derber Fischgeruch
stieg mir in die Nase. Ich zog ein parfümiertes Taschentuch heraus,
um mir damit Nase und Mund zu bedecken.
»Wir haben Randall heute zufällig beim Herzog von
Sandringham getroffen. Jamie hat mich in der Kutsche nach Hause
geschickt, und seitdem habe ich ihn nicht mehr gesehen.«
Dougal ignorierte sowohl den Gestank als auch die
heiseren Rufe der Fischweiber, die ihre Waren anpriesen. Er
runzelte die Stirn.
»Er wird den Mann töten wollen.«
Ich schüttelte den Kopf und erklärte, daß Jamie
sein Schwert nicht bei sich hatte.
»Ich kann nicht zulassen, daß es zu einem Duell
kommt.«
Ich ließ das Taschentuch fallen, damit er mich
besser verstand. »Auf gar keinen Fall!«
Dougal nickte geistesabwesend.
»Aye, das wäre gefährlich. Natürlich könnte es der
Junge ohne weiteres mit Randall aufnehmen - wie du weißt, habe ich
ihn unterrichtet«, fügte er etwas selbstgefällig hinzu, »aber die
Strafe, die auf Duellieren steht...«
»Du hast es erfaßt«, sagte ich.
»Gut«, sagte er bedächtig, »aber warum die Polizei?
Du willst den Jungen doch nicht im voraus einsperren lassen, oder?
Deinen eigenen Mann?«
»Nicht Jamie«, erklärte ich, »Randall.«
Dougal verzog das Gesicht zu einem breiten Grinsen,
das nicht frei von Skepsis war.
»Ach ja? Und wie willst du das anstellen?«
»Eine Freundin und ich wurden vor ein paar Tagen
auf der Straße... angegriffen.« Bei der Erinnerung daran schluckte
ich. »Die Männer waren maskiert. Ich habe sie nicht erkannt. Aber
einer von ihnen hatte dieselbe Größe und Statur wie Jonathan
Randall. Ich möchte aussagen, daß ich Randall heute in einem Haus
getroffen und ihn als einen der Täter erkannt habe.«
Dougals Stirn umwölkte sich; er musterte mich
kühl.
Plötzlich schien ihm ein neuer Gedanke zu
kommen.
»Bei Gott, du hast einen Wagemut wie der
Leibhaftige. Ein Raubüberfall?« fragte er leise. Zornesröte stieg
mir ins Gesicht.
»Nein«, erwiderte ich mit zusammengebissenen
Zähnen.
»Aha.« Er lehnte sich zurück. »Du bist aber nicht
zu Schaden gekommen?«« Ich blickte auf die Straße hinaus, spürte
aber, wie sein Blick lüstern über meinen Halsausschnitt zur Hüfte
glitt.
»Ich nicht, aber meine Freundin...«
»Verstehe.« Nach kurzem Schweigen sagte er
versonnen: »Hast du schon mal von ›Les Disciples du Mal‹
gehört?«
Ich warf den Kopf herum und sah ihn an. Er lümmelte
in der Ecke, geduckt wie eine Katze, und betrachtete mich aus
schmalen Augenschlitzen.
»Nein. Was machen sie?« fragte ich.
Achselzuckend neigte er sich nach vorne und spähte
an mir vorbei auf den sich nähernden Koloß des Quai des Orfèvres,
der sich grau und trist über der glitzernden Seine erhob.
»Eine Art - Gesellschaft. Junge Männer aus gutem
Hause, die sich für Dinge interessieren, die man... ungesund nennen
könnte.«
»Das kann man behaupten«, sagte ich. »Und was weißt
du über Les Disciples?«
»Nur, was ich in einer Taverne in der Cite gehört
habe. Daß die Gesellschaft ziemlich viel von ihren Mitgliedern
verlangt, und der Preis für die Initiation ist hoch... nach meinen
Begriffen.«
»Nämlich?« Ich warf ihm einen herausfordernden
Blick zu. Er lächelte ziemlich grimmig, bevor er antwortete.
»Eine Jungfernschaft, zum Beispiel. Oder die
Brustwarzen einer verheirateten Frau.« Seine Augen huschten über
meine Brust. »Deine Freundin ist Jungfrau, nicht wahr? Oder sie war
es?«
Mir wurde abwechselnd heiß und kalt. Ich wischte
mir das Gesicht mit meinem Leinentuch ab und stopfte es in die
Tasche meines Umhangs, was mir nicht auf Anhieb gelang, da meine
Hand zitterte.
»Ja. Was hast du noch gehört? Weißt du, wer mit
Les Disciples zu tun hat?«
Dougal schüttelte den Kopf. Die Nachmittagssonne
ließ die Silberfäden in seinem braunen Haar aufleuchten.
»Nur Gerüchte. Der Vicomte de Busca, der jüngste
von den Charmisse-Söhnen - vielleicht. Der Comte de St. Germain.
Was denn? Ist dir nicht gut, Mädel?«
Er beugte sich besorgt über mich.
»Schon gut.« Ich atmete tief durch. »Verdammt gut.«
Ich zog mein Taschentuch heraus und trocknete den kalten Schweiß
auf meiner Stirn.
Keine Sorge, Mesdames, es geschieht Ihnen
kein Leid. Die hämische Stimme hallte im Dunkel meiner
Erinnerung wieder. Der Mann im getupften Hemd war mittelgroß und
dunkel, schlank, fast
schmächtig. Diese Beschreibung paßte auf Jonathan Randall und auch
auf den Comte de St. Germain. Hätte ich ihn aber nicht an der
Stimme erkannt? War es vorstellbar, daß ein normaler Mann mir
gegenüber am Tisch Platz nimmt, Lachs-Mousse verzehrt und höfliche
Konversation treibt - kaum zwei Stunden nach dem Zwischenfall in
der Rue du Faubourg-St.-Honoré?
Nüchtern betrachtet, warum nicht? Ich hatte es ja
auch fertiggebracht. Und es gab keinen Grund für die Annahme, daß
der Comte ein - nach meinen Maßstäben - normaler Mann war, wenn man
den Gerüchten glauben durfte.
Die Kutsche kam zum Stehen; es blieb wenig Zeit für
weitere Überlegungen. War ich im Begriff, dafür zu sorgen, daß der
Mann, der Mary Gewalt angetan hatte, ungeschoren davonkam, und
darüber hinaus, daß Jamies Todfeind in Sicherheit gebracht wurde?
Zitternd vor Aufregung holte ich tief Luft. Mir blieb verdammt noch
mal keine andere Wahl. Was jetzt zählte, war das Leben. Die
Gerechtigkeit mußte warten, bis ihre Zeit gekommen war.
Der Kutscher stieg ab, um den Wagenschlag zu
öffnen. Ich biß mir auf die Lippen und sah Dougal MacKenzie an. Er
erwiderte meinen Blick mit einem Achselzucken. Was wollte ich
eigentlich von ihm?
»Verbürgst du dich für meine Geschichte?« fragte
ich abrupt.
Er sah zum dunklen Massiv des Quai des Orfèvres
empor. Durch die offene Tür fiel strahlendes Tageslicht
herein.
»Bist du dir sicher?«
»Ja.« Mein Mund war trocken.
Er rückte näher und reichte mir die Hand.
»Dann gebe Gott, daß wir nicht beide hinter Schloß
und Riegel landen.«
Eine Stunde später traten wir auf die leere Straße
vor dem commissariat de police hinaus. Ich hatte die Kutsche
heimgeschickt, damit keiner unserer Bekannten sie vor dem Quai des
Orfèvres stehen sah. Dougal bot mir seinen Arm, den ich
gezwungenermaßen nahm. Hier war der Boden schlammig, und auf der
kopfsteingepflasterten Straße fand man mit hochhackigen Schuhen
wenig Halt.
»Les Diciples«, sagte ich, während wir am Seineufer
Richtung Notre Dame entlangspazierten. »Glaubst du wirklich, der
Comte de St. Germain könnte einer der Männer gewesen sein, die...
die
uns an der Rue du Faubourg-St.-Honoré entgegentraten?« Ich begann
vor Erschöpfung - und vor Hunger - zu zittern; seit dem Frühstück
hatte ich nichts zu mir genommen, und das machte sich jetzt
bemerkbar. Das Verhör bei der Polizei hatte ich nur mit äußerster
Selbstbeherrschung durchgestanden. Jetzt brauchte ich mein Hirn
nicht mehr anzustrengen, daher konnte ich auch nicht mehr
denken.
Dougals Arm unter meiner Hand fühlte sich hart an,
aber ich konnte nicht zu ihm aufsehen. Ich brauchte meine ganze
Aufmerksamkeit, um nicht hinzufallen. Wir waren in die Rue Elise
abgebogen; hier glänzte das Kopfsteinpflaster feucht und war mit
allem möglichen Unrat verschmutzt. Ein Dienstmann, der eine Kiste
schleppte, blieb vor uns stehen, um sich lautstark auszuhusten. Der
grünliche Auswurf blieb an einem Stein zu meinen Füßen kleben und
glitt schließlich in eine kleine Pfütze.
»Mmmpf.« Mit nachdenklich gerunzelter Stirn sah
sich Dougal in der Straße nach einer Droschke um. »Kann ich nicht
sagen. Von dem Mann habe ich Schlimmeres als das gehört, aber ich
hatte noch nicht die Ehre, ihm zu begegnen.« Er sah auf mich
hinunter.
»Bis jetzt hast du dich gut geschlagen«, meinte er.
»Es wird keine Stunde dauern, bis Jack Randall in der Bastille
festsitzt. Aber früher oder später müssen sie ihn wieder
laufenlassen, und ich möchte wetten, daß sich Jamies Zorn in der
Zwischenzeit nicht gerade abkühlt. Willst du, daß ich mit ihm rede
- ihn überzeuge, keinen Unsinn zu machen?«
»Nein! Um Gottes willen, halt dich da raus!« Das
Poltern von Wagenrädern auf dem Pflaster war laut, aber meine
Stimme übertönte den Lärm, so daß Dougal überrascht die Brauen
hochzog.
»In Ordnung«, sagte er nachsichtig. »Dann überlasse
ich ihn dir. Er ist stur wie ein Stein... aber ich nehme an, du
hast deine Methoden, nicht?« Er warf mir einen Seitenblick zu und
grinste durchtrieben.
»Ich schaffe das schon.« Ja, ich würde, ich mußte
es schaffen. Alles, was ich Dougal erzählt hatte, war die reine
Wahrheit. Und doch so weit von der Wahrheit entfernt. Denn ich
hätte Charles Stuart und seinen Vater mit Freuden zur Hölle
geschickt. Ich hätte jede Hoffnung, ihn von seiner Torheit
abzuhalten, geopfert, ja sogar Jamies Verhaftung riskiert, nur um
die Wunde zu heilen, die Randalls Wiederauferstehung in Jamies
Seele geschlagen hatte. Nur
allzugern hätte ich ihm dabei geholfen, Randall zu töten, doch
etwas hielt mich davon ab. Eine Erwägung, die schwerer wog als
Jamies Stolz, als seine männliche Würde, als sein Seelenfrieden.
Frank.
Dieser eine Gedanke hatte mich den ganzen Tag über
aufrechterhalten, und zwar über den Punkt hinaus, an dem der
Zusammenbruch eine Erlösung gewesen wäre. Seit Monaten hatte ich
angenommen, Randall sei kinderlos gestorben, und um Franks Leben
gefürchtet. Aber während dieser Zeit hatte mich der Anblick des
schlichten Goldrings an meiner linken Hand getröstet.
Das Gegenstück zu Jamies Silberring an meiner
Rechten war ein Talisman in den dunkelsten Stunden der Nacht, wenn
nach den Träumen Zweifel kamen. Da ich Franks Ring noch trug, würde
der Mann, der ihn mir gegeben hatte, leben. Das hatte ich mir
tausendmal gesagt. Auch wenn ich nicht wußte, wie ein Mann, der
kinderlos starb, eine Abstammungslinie begründen konnte, die zu
Frank führte - der Ring war da, also würde Frank leben.
Jetzt wußte ich, warum der Ring noch an meiner Hand
glänzte, das Metall ebenso kalt wie meine Hand. Randall lebte,
konnte immer noch heiraten und ein Kind zeugen, das die Linie
fortführte. Wenn Jamie ihn nicht vorher tötete.
Für den Augenblick hatte ich alles getan, was in
meinen Kräften stand, aber die Tatsache, mit der ich im Korridor
des herzoglichen Hauses konfrontiert wurde, blieb bestehen. Der
Preis für Franks Leben war Jamies Seele - und wie sollte ich
zwischen beiden meine Wahl treffen?
Die herannahende Droschke preschte, ohne auf
Dougals Zuruf zu achten, so nah an uns vorbei, daß Dougals
Seidenstrümpfe und der Saum meines Kleides mit Schmutzwasser
bespritzt wurden.
Dougal nahm davon Abstand, einen Hagel gälischer
Flüche loszulassen, drohte dem Wagen aber mit der Faust
hinterher.
»So, und was jetzt?« fragte er überflüssigerweise.
Der schleimige Auswurf trieb auf der Pfütze zu meinen Füßen, in der
sich graues Licht spiegelte. Ich glaubte, den kalten, zähflüssigen
Schleim auf der Zunge zu spüren, streckte die Hand aus und griff
nach Dougals Arm. Schwarze Flecken tanzten mir vor Augen.
»Jetzt«, sagte ich, »wird mir schlecht.«
Die Sonne war schon fast untergegangen, als ich in
die Rue Tremoulins zurückkehrte. Mir zitterten die Knie, und es
kostete mich große Anstrengung, die Treppe hinaufzusteigen. Ich
begab mich schnurstracks ins Schlafgemach, um meinen Umhang
abzulegen. Ob Jamie schon heimgekommen war?
Offensichtlich. In der Tür blieb ich stehen und
ließ den Blick durchs Zimmer schweifen. Mein Medizinkasten stand
offen auf dem Tisch. Auf meiner Frisierkommode lag die Schere, die
ich zum Zuschneiden von Verbänden benutzte. Ein ausgefallenes
Stück, das Geschenk eines Messerschmieds, der zuweilen im Hopital
des Anges arbeitete. Der vergoldete Griff war wie ein Storchenkopf
geformt, die silbernen Schneiden bildeten den langen Schnabel. Sie
leuchteten im Licht der untergehenden Sonne inmitten einer Wolke
rotgoldner Locken.
»Verdammter Mist«, keuchte ich. Er war tatsächlich
hiergewesen, und jetzt war er fort. Genauso wie sein Schwert.
Die üppigen, glänzenden Haarsträhnen lagen so, wie
sie gefallen waren, auf der Kommode, dem Hocker und dem Boden. Ich
nahm eine Locke von der Frisierkommode und spielte mit den feinen,
weichen Haaren. Dabei spürte ich, wie mich kalte Panik ergriff - es
fing zwischen meinen Schulterblättern an und lief prickelnd die
Wirbelsäule hinunter. Ich erinnerte mich, wie mir Jamie am
Springbrunnen hinter dem Haus der de Rohans von seinem ersten Duell
in Paris erzählt hatte.
»Mitten im Kampf hat sich das Band, das meine
Haare hielt, gelöst, und der Wind blies mir die Haare ins Gesicht,
so daß ich nur noch eine Gestalt im weißen Hemd vor mir sah, die
hin und her flitzte wie eine Elritze.«
Er wollte nicht riskieren, daß sich dergleichen
wiederholte. Ich sah die Spuren, die er hinterlassen hatte - die
Locke in meiner Hand fühlte sich noch weich und lebendig an -, und
konnte mir seine kalte Entschlossenheit vorstellen, das Klappern
der Schere, während er alles Weiche wegschnitt, das ihm die Sicht
nehmen könnte. Nichts und niemand würde ihn daran hindern, Jonathan
Randall zu töten.
Niemand außer mir. Mit der Locke in der Hand ging
ich zum Fenster und starrte hinaus, als hoffte ich, Jamie auf der
Straße zu sehen. Aber die Rue Tremoulins lag still da, nichts
rührte sich außer den wogenden Schatten der Pappeln.
Die gedämpften Geräusche aus der Küche im
Untergeschoß drangen an mein Ohr. Heute abend wurden keine Gäste
erwartet, und das schlichte Mahl, das wir einzunehmen pflegten,
wenn wir unter uns waren, erforderte keine großen
Vorbereitungen.
Ich setzte mich aufs Bett, schloß die Augen und
verschränkte die Arme über der Rundung meines Bauches. Die Locke
hielt ich umklammert, als könnte ich Jamie schützen, solange ich
sie nicht losließ.
Hatte ich rechtzeitig gehandelt? Waren die
Polizisten vor Jamie bei Jack Randall aufgetaucht? Was, wenn sie
gleichzeitig eingetroffen waren oder gerade in dem Augenblick, wo
Jamie ihn zum Duell forderte? Ich rieb die Locke zwischen Daumen
und Zeigefinger, so daß ein kleiner aufgefächerter Besen aus
rotblonden Härchen entstand. Na ja, zumindest wären sie dann beide
in Sicherheit. Im Gefängnis vielleicht, aber im Vergleich zu
anderen Gefahren war das jetzt zweitrangig.
Und wenn Jamie Randall als erster gefunden hatte?
Ich blickte nach draußen. Die Dämmerung brach herein. Duelle wurden
von jeher am frühen Morgen ausgetragen, aber ich wußte nicht, ob
Jamie noch eine Nacht warten wollte. Vielleicht standen sie sich in
diesem Augenblick schon gegenüber, an einem abgeschiedenen Ort, wo
das Klirren von Stahl und der Schrei eines tödlich Verwundeten
keine Aufmerksamkeit erregen würden.
Denn ein Kampf auf Leben und Tod würde es sein. Was
zwischen diesen beiden Männern stand, konnte nur durch den Tod
bereinigt werden. Aber wer würde sterben? Jamie? Oder Randall - und
mit ihm Frank? Jamie war der bessere Schwertkämpfer, aber als
Geforderter durfte Randall die Waffen wählen. Und bei Pistolen hing
der Erfolg mehr vom Glück als vom Geschick ab. Nur die besten
Pistolen schossen zielsicher, und selbst diese konnten zu früh
losgehen oder anderweitig versagen. Plötzlich sah ich Jamie vor
mir, wie er schlaff und reglos im Gras lag, Blut quoll ihm aus
einer leeren Augenhöhle, und der Geruch von Schwarzpulver mischte
sich mit den Frühlingsdüften des Bois de Boulogne.
»Was zum Teufel machst du da, Claire?«
Mein Kopf fuhr so schnell hoch, daß ich mir auf die
Zunge biß. Ich blickte in seine Augen, und sie waren noch da, wo
sie hingehörten, nämlich zu beiden Seiten der schmalen Nase. Noch
nie hatte ich ihn mit derart kurzgeschorenen Haaren gesehen. Er sah
aus wie ein
Fremder, die markanten Züge wirkten starr, die Rundung des
Schädels zeichnete sich unter den kurzen dichten Stoppeln ab.
»Was ich mache?« wiederholte ich und schluckte.
»Was ich mache? Ich sitze hier mit einer Locke von dir in der Hand
und frage mich, ob du tot bist oder nicht! Das mache ich!«
»Ich bin nicht tot.« Er ging zum Schrank hinüber
und öffnete ihn. Seit unserem Besuch in Sandringhams Haus hatte er
sich umgezogen; er hatte sich sein Schwert umgeschnallt und trug
seinen alten Rock.
»Ja, das merke ich«, sagte ich. »Nett von dir, daß
du gekommen bist, um es mir zu sagen.«
»Ich bin gekommen, um meine Sachen zu holen.« Er
nahm zwei Hemden und seinen langen Umhang heraus und legte alles
auf einen Hocker; dann durchwühlte er eine Kommode nach sauberer
Wäsche.
»Deine Sachen? Wo willst du hin?« Ich hatte nicht
gewußt, was mir bevorstand, wenn ich ihn wiedersah, aber damit
hatte ich nicht gerechnet.
»In einen Gasthof.« Er warf mir einen Blick zu und
schien zu dem Schluß zu kommen, daß ich mehr verdient hatte als
diese drei Worte. Seine Augen waren dunkel und undurchsichtig wie
Lasurstein.
»Nachdem ich dich in der Kutsche nach Hause
geschickt hatte, machte ich einen kurzen Spaziergang, bis ich mich
wieder in der Hand hatte. Dann ging ich heim, holte mein Schwert
und kehrte ins Haus des Herzogs zurück, um Randall in aller Form zu
fordern. Der Butler hat mir mitgeteilt, daß Randall verhaftet
worden ist.«
Sein Blick ruhte auf mir, undurchdringlich wie die
Tiefe des Ozeans. Wieder schluckte ich.
»Ich fuhr zur Bastille. Dort hörte ich, du hättest
unter Eid ausgesagt, Randall habe dich und Mary Hawkins in jener
Nacht überfallen. Warum, Claire?«
Meine Hände zitterten so heftig, daß ich die Locke
fallenließ.
»Jamie«, sagte ich mit zittriger Stimme, »Jamie, du
kannst Jack Randall nicht töten.«
Sein Mundwinkel zuckte kaum wahrnehmbar.
»Ich weiß nicht, ob ich wegen deiner Sorge gerührt
oder über dein geringes Vertrauen in mich gekränkt sein soll. Aber
so oder so kannst du unbesorgt sein. Ich kann ihn töten. Mit
Leichtigkeit.«
Die letzten Worte sprach er ganz ruhig aus, mit einem Unterton, in
dem sich Haß und Befriedigung mischten.
»Das meine ich nicht! Jamie...«
»Glücklicherweise«, fuhr er fort, als hörte er mich
nicht, »kann Randall beweisen, daß er den fraglichen Abend im Haus
des Herzogs verbracht hat. Sobald die Polizei die Befragung der
anwesenden Gäste abgeschlossen und festgestellt hat, daß Randall
unschuldig ist - zumindest, was diese Anschuldigung betrifft -,
wird man ihn entlassen. Ich bleibe im Gasthof, bis er frei ist. Und
dann werde ich ihn finden.« Er starrte den Schrank an, aber
offenbar sah er etwas anderes. »Er wird mich erwarten«, sagte er
leise.
Er stopfte die Hemden und die Wäsche in eine
Reisetasche und legte sich den Umhang über den Arm. Als er sich zur
Tür wandte, sprang ich vom Bett auf und packte ihn am Ärmel.
»Jamie! Um Himmels willen, Jamie hör mir zu! Du
kannst Jack Randall nicht töten, weil ich es nicht zulasse!«
Er musterte mich zutiefst erstaunt.
»Wegen Frank«, sagte ich. Ich ließ seinen Ärmel los
und trat einen Schritt zurück.
»Frank«, wiederholte er und schüttelte den Kopf,
als hätte er Ohrensausen. »Frank.«
»Ja. Wenn du Jack Randall jetzt tötest, dann wird
Frank... er wird nie existieren. Er wird nicht zur Welt kommen.
Jamie, du kannst doch keinen Unschuldigen umbringen!«
Bei meinen Worten wurde sein sonst so gesundes,
sonnengebräuntes Gesicht fahl und fleckig. Nun stieg die Röte
langsam wieder auf, bis seine Ohren glühten und seine Wangen
brannten.
»Einen Unschuldigen?«
»Frank ist doch unschuldig! Jack Randall ist mir
egal...««
»Aber mir nicht!« Er griff nach der Tasche und
schritt zur Tür. »Großer Gott, Claire! Du willst mich daran
hindern, an dem Mann Rache zu nehmen, der seine Hurenspiele mit mir
getrieben hat? Der mich gezwungen hat, seinen mit Blut beschmierten
Schwanz zu schlucken? O Gott, Claire!« Er stieß die Tür auf
und war schon auf dem Flur, als ich ihn einholte.
Inzwischen war es dunkel, aber die Dienstboten
hatten die Kerzen angezündet, so daß der Flur matt erleuchtet war.
Ich packte ihn am Arm und zerrte an ihm.
»Jamie! Bitte!«
Ungeduldig entwand er sich meinem Griff. Ich weinte
fast, hielt aber die Tränen zurück. Ich bekam die Tasche zu fassen
und riß sie ihm aus der Hand.
»Bitte, Jamie! Warte nur noch ein Jahr! Das Kind -
Randalls Kind - wird im nächsten Dezember gezeugt. Danach spielt es
keine Rolle mehr. Aber bitte - um meinetwillen - warte so
lang!«
Der Kandelaber auf dem goldumrandeten Tisch warf
Jamies Schatten riesenhaft und schwankend an die gegenüberliegende
Wand. Er starrte ihn an, als hätte er ein Ungeheuer vor sich, das
ihn bedrohlich überragte.
»Aye«, flüsterte er wie im Selbstgespräch, »ich bin
ein großer Kerl. Groß und stark. Ich kann viel aushalten. Ja, ich
halte viel aus.« Er wirbelte herum und schrie mich an.
»Ich halte viel aus! Aber heißt das, daß ich es
auch muß? Muß ich die Schwächen aller anderen ertragen? Kann ich
nicht mal selber schwach sein?«
Er begann im Korridor auf und ab zu gehen; der
Schatten folgte ihm in lautloser Hast.
»Wie kannst du das von mir verlangen! Ausgerechnet
du! Du, die du weißt, was... was...« Sprachlos vor Wut rang er nach
Luft.
Im Hin- und Hergehen schlug er immer wieder mit der
Faust gegen die Wand. Die Kalksteinwand schluckte seine Hiebe ohne
einen Laut.
Schließlich wandte er sich um und blieb
schweratmend vor mir stehen. Ich stand wie erstarrt da und wagte
nicht, mich zu rühren oder zu sprechen. Er nickte ein-, zweimal,
als käme er zu einem Entschluß. Dann zog er seinen Dolch aus dem
Gürtel und hielt ihn mir unter die Nase. Mit spürbarer Anstrengung
richtete er das Wort an mich.
»Du hast die Wahl, Claire. Er oder ich.« Das
Kerzenlicht tanzte auf der glänzenden Klinge. »Ich kann nicht
leben, solange er lebt. Wenn du nicht willst, daß ich ihn töte,
dann töte du mich jetzt!« Er packte meine Hand und zwang meine
Finger um den Griff. Dann riß er sein Spitzenjabot auf, entblößte
seinen Hals und riß meine Hand nach oben.
Mit aller Kraft stemmte ich mich dagegen, aber er
führte die Spitze der Klinge unerbittlich an die kleine Mulde über
dem
Schlüsselbein, genau unter die bläuliche Narbe, die Randalls Dolch
dort vor Jahren hinterlassen hatte.
»Jamie! Hör auf! Hör sofort auf!« Mit der anderen
Hand packte ich ihn, so fest ich konnte, am Gelenk und lockerte
seinen Griff so weit, daß ich meine Finger mit einem Ruck
freibekam. Der Dolch fiel scheppernd zu Boden, sprang über die
Steinfliesen und landete schließlich geräuschlos auf dem
gemusterten Aubusson-Teppich.
Jamie stand wie erstarrt vor mir, das Gesicht
aschfahl, die Augen glühend. Ich packte seinen Arm, der hart wie
Stein war.
»Bitte, glaub mir, bitte. Ich würde das nicht tun,
wenn es eine andere Lösung gäbe«, beschwor ich ihn und holte tief
Luft, da mein Herz hämmerte, als wollte es zerspringen.
»Du verdankst mir dein Leben, Jamie. Nicht einmal,
zweimal. Ich habe dich vor der Hinrichtung in Wentworth gerettet
und dann wieder, als du in der Abtei im Fieber lagst. Du schuldest
mir ein Leben, Jamie!«
Er starrte mich lange an, bevor er antwortete.
Seine Stimme klang wieder ruhig und ein wenig bitter.
»Verstehe. Und diese Schuld willst du jetzt
einfordern?« Seine Augen glühten tiefblau, wie das Blau, das im
Herzen einer Flamme lodert.
»Ich muß. Anders bringe ich dich nicht zur
Vernunft!«
»Vernunft. Ah, Vernunft. Nein, ich kann nicht
behaupten, daß ich gerade jetzt für Vernunftgründe zugänglich
wäre.« Langsam entfernte er sich von mir und schritt mit gesenktem
Kopf den langen Korridor hinunter.
Der Flur erstreckte sich über die ganze Länge des
ersten Stockes und wurde an beiden Enden von einem riesigen
Buntglasfenster begrenzt. Jamie marschierte bis zum einen Ende,
machte mit der Präzision eines Soldaten kehrt und kam gemessenen
Schritts wieder auf mich zu. Auf und ab, auf und ab, immer
wieder.
Mir zitterten die Knie, und ich ließ mich in der
Nähe eines Fensters in einen fauteuil sinken. Einmal näherte
sich einer der allgegenwärtigen Diener und fragte, ob Madame Wein
wünsche oder vielleicht Kekse? So höflich wie möglich winkte ich
ab.
Endlich blieb Jamie vor mir stehen, breitbeinig,
die Füße fest in den Boden gestemmt. Erst als ich zu ihm
aufschaute, begann er zu sprechen. Seine Miene war
undurchdringlich, kein Zucken verriet
seine Erregung, aber die tiefen Falten um die Augen zeigten seine
Anspannung.
»Ein Jahr also«, war alles, was er sagte. Er wandte
sich rasch ab und hatte sich schon ein Stück entfernt, als ich mich
aus den Tiefen des Samtsessels herausgearbeitet hatte. Kaum war ich
auf den Füßen, da stürmte er wieder an mir vorbei, erreichte mit
drei Schritten das große Buntglasfenster und durchschlug es mit der
rechten Hand.
Das Fenster bestand aus Tausenden von farbigen
Scheiben, die durch Bleistreifen miteinander verbunden waren. Es
stellte das Urteil des Paris dar. Zwar erzitterte das ganze
Fenster, aber es entstand nur ein unregelmäßiges Loch zu Füßen der
Aphrodite, durch das die milde Frühlingsluft hereindrang.
Jamie preßte beide Hände in den Bauch. Ein
dunkelroter Fleck breitete sich auf der gerüschten Manschettte aus.
Als ich auf ihn zuging, hastete er an mir vorbei und ging wortlos
davon.
Ich ließ mich so schwer in den Sessel fallen, daß
eine kleine Staubwolke aus der Polsterung aufstieg. Erschlafft lag
ich da, die Augen geschlossen, und spürte, wie mich der kühle
Nachtwind streifte. An den Schläfen war mein Haar schweißnaß, und
mein Puls raste.
Würde er mir je verzeihen? Mein Herz zog sich
zusammen, als ich mich an den Ausdruck in seinen Augen erinnerte -
ich hatte ihn verraten. »Wie kannst du das von mir
verlangen?« hatte er gefragt. »Du, die du weißt..« Ja
ich wußte es, und ich dachte, dieses Wissen könnte mich von Jamies
Seite reißen, so wie ich von Frank weggerissen worden war.
Aber ob Jamie mir nun verzeihen konnte oder nicht -
ich selbst hätte es mir nie verziehen, wenn ich einen unschuldigen
Menschen, einen Mann, den ich einmal geliebt hatte, dem Tod
preisgegeben hätte.
»Die Sünde des Vaters«, murmelte ich vor mich hin.
»Der Sohn soll nicht tragen die Sünde des Vaters.«
»Madame?«
Ich schrak auf, öffnete die Augen und sah ein
Zimmermädchen, das ebenso erschrocken vor mir zurückwich.
»Madame, geht es Ihnen nicht gut? Soll
ich...«
»Nein«, sagte ich, so fest ich konnte. »Mir geht es
gut. Ich möchte nur eine Weile hier sitzen bleiben. Bitte lassen
Sie mich allein.«
Das Mädchen kam dieser Aufforderung nur zu gern
nach. »Oui, Madame!« nickte sie und huschte davon.
Ausdruckslos starrte ich auf ein Bild an der gegenüberliegenden
Wand - eine Liebesszene in einem Garten. Plötzlich fröstelnd zog
ich den Umhang enger um mich und schloß wieder die Augen.
Nach Mitternacht ging ich endlich ins
Schlafgemach. Jamies saß vor einem kleinen Tisch und beobachtete
zwei Goldaugen, die um die einzige Kerze flatterten, die den Raum
erhellte. Ich ließ den Umhang zu Boden gleiten und ging zu
ihm.
»Rühr mich nicht an«, sagte er. »Geh ins Bett.«
Seine Stimme klang geistesabwesend, aber ich blieb stehen.
»Aber deine Hand...«, begann ich.
»Spielt keine Rolle. Geh ins Bett«, wiederholte
er.
Die Knöchel der rechten Hand waren blutverschmiert,
und die Spitzenmanschette war blutgetränkt, aber ich hätte nicht
einmal dann gewagt, ihn zu berühren, wenn er ein Messer im Bauch
gehabt hätte. Also überließ ich ihn dem Todestanz der Goldaugen und
legte mich ins Bett.
Gegen Morgen erwachte ich. Im dämmrigen Licht
wurden die Umrisse der Möbel sichtbar. Durch die Flügeltür zum
Vorraum sah ich Jamie, der immer noch am Tisch saß. Inzwischen war
die Kerze heruntergebrannt, und die Goldaugen waren verschwunden.
Er hatte den Kopf auf die Hände gestützt, die Finger in die
erbarmungslos geschorenen Haare vergraben. Das Dämmerlicht
schluckte alle Farben; selbst die Haare, die wie Flammen zwischen
seinen Fingern standen, schienen aschgrau.
Ich glitt aus dem Bett und ging auf ihn zu. Er
drehte sich nicht um, wußte aber, daß ich da war. Als ich seine
Hand berührte, ließ er sie auf den Tisch fallen, und sein Kopf sank
gegen meine Brust. Er seufzte tief, als ich ihn streichelte, und
ich merkte, wie die Spannung langsam von ihm abfiel. Dann strich
ich ihm über Hals und Schultern und spürte durch das dünne
Leinenhemd, wie kalt er war. Schließlich trat ich vor ihn hin. Er
nahm mich um die Taille, zog mich an sich und vergrub seinen Kopf
in meinem Nachthemd, genau über der Rundung des ungeborenen
Kindes.
»Mir ist kalt«, sagte ich schließlich behutsam.
»Kommst du zu mir und wärmst mich?«
Nach einer Weile nickte er und erhob sich taumelnd
wie ein
Blinder. Ich führte ihn zum Bett. Widerstandslos ließ er sich
ausziehen und zudecken. Ich lag in seiner Armbeuge, eng an ihn
gepreßt, bis die Kälte von ihm gewichen war und sich Wärme um uns
ausbreitete.
Zögernd legte ich die Hand auf seine Brust und
streichelte sie sanft, bis sich die Brustwarze erregt aufrichtete.
Er legte seine Hand auf meine und hielt sie fest. Ich fürchtete, er
könnte mich wegstoßen, was er auch tat, aber nur, um sich zu mir zu
drehen.
Inzwischen war es heller geworden. Lange Zeit
betrachtete er nur mein Gesicht, streichelte es von der Schläfe bis
zum Kinn, zeichnete mit dem Daumen die Linie meines Halses und
Schlüsselbeins nach.
»Mein Gott, ich liebe dich so«, flüsterte er, als
spräche er mit sich selbst. Er küßte mich, so daß ich nicht
antworten konnte und umfaßte meine Brust mit seiner verletzten
Rechten.
»Aber deine Hand...«, protestierte ich zum
zweitenmal in dieser Nacht.
»Spielt keine Rolle«, entgegnete er, ebenfalls zum
zweitenmal in dieser Nacht.