21
Eine Auferstehung zur Unzeit
Ich dachte immer noch über Bankiers und Darlehen nach, als unsere Kutsche vor dem Anwesen hielt, das der Herzog in der Rue de St. Anne gemietet hatte. Zu dem imposanten, schönen Gebäude inmitten eines großen Gartens führte eine lange, mit Pappeln gesäumte Auffahrt. Ein reicher Mann, der Herzog.
»Glaubst du, Charles hat Manzettis Darlehen in St. Germains Geschäft gesteckt?« fragte ich.
»Das vermute ich«, meinte Jamie. Er zwängte sich in die Schweinslederhandschuhe, die bei einem offiziellen Besuch angezeigt waren, und verzog das Gesicht, als er das straffe Leder über den steifen Ringfinger seiner rechten Hand zog. »Das Geld, das er nach Meinung seines Vaters für seinen Unterhalt in Paris ausgibt.«
»Also versucht Charles tatsächlich, Geld für ein Heer aufzutreiben«, stellte ich mit einem gewissen widerwilligen Respekt für Charles Stuart fest. Die Kutsche hielt, und der Lakai sprang herunter, um uns die Tür zu öffnen.
»Auf jeden Fall versucht er, Geld aufzutreiben«, korrigierte mich Jamie, während er mir beim Aussteigen half.
»Vielleicht will er ja auch nur mit Louise de La Tour und seinem Bastard durchbrennen.«
Ich schüttelte den Kopf. »Das glaube ich nicht. Nicht nach dem, was mir Maltre Raymond gestern erzählthat. Außerdem sagt Louise, sie habe ihn nicht mehr gesehen, seit sie und Jules... na ja...«
Jamie schnaubte verächtlich. »Zumindest besitzt sie einen Rest von Ehrgefühl.«
»Ich weiß nicht, ob es das ist«, bemerkte ich, während ich an Jamies Arm die Stufen zum Eingang hinaufging.»Sie sagte, Charles sei so wütend gewesen, weil sie mit ihrem Mann geschlafen hat, daß er auf und davon gestürmt ist, und seither hat sie ihn nicht wiedergesehen. Von Zeit zu Zeit schreibt er leidenschaftliche Briefe und schwört, sie und das Kind zu sich zu holen, sobald er seine rechtmäßige Stellung in der Welt erlangt hat. Aber sie empfängt ihn nicht mehr, weil sie fürchtet, Jules könnte die Wahrheit herausfinden.«
Jamie gab einen mißbilligenden schottischen Laut von sich.
»Mein Gott, welcher Mann kann eigentlich sicher sein, daß er kein Hahnrei ist?«
Ich streichelte seinen Arm. »Wahrscheinlich können sich einige sicherer sein als andere.«
»Glaubst du?« fragte er, lächelte mich aber an.
Die Tür wurde von einem kleinen kahlköpfigen Butler in makelloser Uniform geöffnet.
»Monsieur«, sagte er mit einer Verbeugung vor Jamie, »und Madame. Sie werden erwartet. Bitte treten Sie ein.«
 
Der Herzog, der uns im großen Salon empfing, war die Freundlichkeit in Person.
»Unsinn, Unsinn«, meinte er auf Jamies Entschuldigung wegen des Zwischenfalls auf unserer Abendgesellschaft. »Verdammterregbares Volk, die Franzosen. Machen furchtbar viel Aufhebens um alles und jedes. Nun wollen wir einmal all diese faszinierenden Angebote durchsehen, oder? Und vielleicht möchte sich Ihre liebe Gemahlin... inzwischen ein wenig amüsieren... nicht wahr?« Er machte eine vage Armbewegung in Richtung der Wand und ließ es offen, ob ich mich mit der Betrachtung der großen Gemälde, des wohlgefüllten Bücherregals oder der Glasvitrinen amüsieren sollte, die die Schnupftabakdosensammlung des Herzogs enthielten.
»Vielen Dank«, murmelte ich mit einem reizenden Lächeln, begab mich zu der Wand und vertiefte mich in einen großen Boucher, der die Rückenansicht einer üppigen Nackten auf einem Felsen inmitten der Wildnis zeigte. Wenn dieses Bild den Zeitgeschmack hinsichtlich der weiblichen Anatomie ausdrückte, wunderte es mich nicht mehr, daß Jamie so viel von meinem Hintern hielt.
»Ha!«, rief ich. »Ein Königreich für ein Korsett.«
»Was?« Jamie und der Herzog blickten verblüfft von ihrem Portefeuille mit Anlagepapieren auf, das die offizielle Begründung für unseren Besuch lieferte.
»Laßt Euch durch mich nicht stören«, erklärte ich mit einer huldvollen Handbewegung. »Ich erfreue mich nur an der Kunst.«
»Das höre ich mit größter Genugtuung, Madam«, bemerkte der Herzog höflich und wandte sich sofort wieder den Papieren zu, während Jamie sich gewissenhaft dem eigentlichen Zweck unseres Besuches widmete-dem Herzog unauffällig zu entlocken, ob er auf Seiten der Stuarts stand oder nicht.
Auch ich hatte mir für den Besuch etwas vorgenommen. Während sich die Männer wieder ins Gespräch vertieften, arbeitete ich mich allmählich zur Tür vor und tat so, als inspizierte ich die wohlgefüllten Regale. Sobald ich unbemerkt entwischen konnte, wollte ich hinausschlüpfen und Alex Randall suchen. Für Mary Hawkins hatte ich bereits getan, was in meiner Macht stand; jeder weitere Schritt mußte von ihm kommen. Die gesellschaftliche Etikette machte es ihm unmöglich, Mary im Haus ihres Onkels zu besuchen, und genausowenig konnte sie mit ihm Kontakt aufnehmen. Ich aber konnte den beiden ohne weiteres eine Gelegenheit bieten, sich in der Rue Tremoulins zu treffen.
Die Männer hatten die Stimmen mittlerweile zu einem vertraulichen Flüstern gesenkt. Ich streckte den Kopf in die Halle, konnte aber keinen Lakai entdecken. Doch in einem Haus wie diesem mußte es Dutzende von Dienstboten geben, also konnte der nächste nicht weit sein. Ohne Wegbeschreibung konnte ich Alexander Randall in einem so großen Gebäude nicht finden. Also schlug ich einfach irgendeine Richtung ein und suchte nach jemandem, den ich fragen konnte.
Als ich am anderen Ende des Flures eine Bewegung sah, rief ich die Person an. Doch sie antwortete nicht. Alles, was ich hörte, waren verstohlene Schritte auf dem polierten Parkett.
Für einen Dienstboten war dieses Verhalten merkwürdig. Ich blieb stehen und schaute mich um. Im rechten Winkel schloß sich ein weiterer Flur an; an der einen Seite waren Türen, an der anderen hohe Fenster, die auf die Auffahrt und den Garten hinausgingen. Mir fiel auf, daß eine Tür in meiner Nähe nur angelehnt war.
Auf leisen Sohlen näherte ich mich der Tür und lauschte. Da ich nichts hörte, nahm ich die Klinke und öffnete mutig die Tür.
»Was in aller Welt machst du denn hier?« rief ich erstaunt.
»Oh, hast du mich erschreckt! Du liebe G-güte, ich hab’ gedacht, ich m-muß sterben.« Mary Hawkins preßte beide Hände an ihr Mieder. Ihr Gesicht war kalkweiß und ihre dunklen Augen vor Schreck geweitet.
»Das wirst du schon nicht«, entgegnete ich. »Es sei denn, dein Onkel findet dich hier. Dann bringt er dich wahrscheinlich um. Oder weiß er etwa, daß du hier bist?«
»Nein. Ich habe es niemandem erzählt. Ich bin mit einer Droschke gekommen.«
»Aber um Gottes willen, warum denn?«
Sie sah sich um wie ein verängstigtes Kaninchen, das einen Unterschlupf sucht. Da sie aber keinen fand, richtete sie sich auf und biß die Zähne zusammen.
»Ich muß Alex finden. Ich muß m-mit ihm reden. Ich muß wissen, ob er - ob er...« Sie rang die Hände; es war nicht zu übersehen, welche Überwindung es sie kostete, die Worte über die Lippen zu bringen.
»Ist schon gut«, sagte ich resigniert. »Ich verstehe. Dein Onkel aber würde es nicht verstehen und der Herzog auch nicht. Weiß Seine Hoheit, daß du hier bist?«
Sie schüttelte stumm den Kopf.
»Gut«, sagte ich und dachte nach. »Zuerst einmal müssen wir...«
»Madame? Kann ich Ihnen helfen?«
Mary zuckte zusammen, und mein Herzschlag setzte aus. Verdammte Lakaien, sie tauchten immer nur dann auf, wenn man sie nicht brauchte.
Jetzt half nur noch größte Unverfrorenheit. Ich wandte mich an den Diener, der dastand, als hätte er einen Stock verschluckt, und uns mißtrauisch musterte.
»Ja«, sagte ich mit aller Arroganz, die mir zu Gebote stand. »Wollen Sie bitte Mr. Randall mitteilen, daß er Besuch hat.«
»Ich bedaure, aber das ist nicht möglich«, erklärte der Lakai mit kühler Höflichkeit.
»Und warum nicht?«
»Weil Mr. Alexander Randall nicht mehr im Dienste Seiner Hoheit steht, Madame. Er wurde entlassen.« Der Lakai musterte Mary kurz, dann ließ er sich herab zu sagen: »Soviel ich weiß, ist Monsieur Randall auf dem Weg nach England.«
»Nein! Er kann nicht abgereist sein, er kann einfach nicht!««
Mary schoß auf die Tür zu und rannte fast Jamie um, der soeben hereinkam. Sie schnappte überrascht nach Luft, und er starrte sie verblüfft an.
»Was...«, begann er, ehe er mich hinter ihr entdeckte. »Oh, da bist du ja, Sassenach. Ich habe mich entschuldigt, weil ich dich suchen wollte - Seine Hoheit hat mir gerade gesagt, daß Alex Randall...«
»Ich weiß«, fiel ich ihm ins Wort. »Er ist weg.«
»Nein!« stöhnte Mary. »Nein!« Sie lief zur Tür und war verschwunden, bevor wir sie aufhalten konnten.
»Verdammte Närrin!« Ich streifte meine Schuhe ab, raffte meine Röcke und rannte ihr nach. In Strümpfen war ich viel schneller als sie in ihren hochhackigen Schuhen. Vielleicht konnte ich sie einholen, bevor sie jemand anderem in die Arme lief und ertappt wurde. Diesen Skandal hätte ich gerne verhindert.
Ich sah gerade noch, wie ihre Röcke um die Ecke in einen angrenzenden Flur verschwanden, und nahm die Verfolgung auf. Hier war der Boden mit einem Teppich bedeckt. Wenn ich mich nicht beeilte, würde ich bald ihre Spur verlieren, da ich ihre Schritte nicht mehr hören konnte. Ich senkte den Kopf, stürmte um eine Ecke und stieß mit voller Wucht mit einem Mann zusammen, der mir entgegenkam.
»Hoppla!« rief er verblüfft, als ich gegen ihn prallte, und hielt mich an beiden Armen fest, damit wir nicht gemeinsam zu Boden gingen.
»Tut mir leid!«, rief ich atemlos. »Ich dachte, Sie seien - oh, Jesus H. Roosevelt Christ!«
Mein erster Eindruck - daß ich auf Alexander Randall gestoßen war - verflüchtigte sich im Bruchteil jener Sekunde, den ich brauchte, um ihm in die Augen zu blicken. Der fein geschnittene Mund hätte Alex gehören können, abgesehen von den tiefen Falten, die ihn umgaben. Aber ich kannte nur einen Mann, der derart kalte Augen besaß.
Der Schock war so groß, daß mir paradoxerweise alles völlig normal vorkam. Ich verspürte den Impuls, den Mann mit einer Entschuldigung abzuwimmeln und einfach weiterzulaufen. Doch unter dem Einfluß des Adrenalinstoßes, der meinen Körper durchfuhr, war diese Absicht rasch vergessen.
Er hingegen hatte sich mittlerweile gefaßt und seine vorübergehend erschütterte Gelassenheit wiedergefunden.
»Ich empfinde ähnlich wie Sie, Madam, auch wenn ich dafür nicht dieselben Worte wählen würde.« Noch immer hielt er meine Ellbogen umklammert. Jetzt schob er mich ein Stück von sich fort und blinzelte, um mein Gesicht sehen zu können. Als er mich erkannte, wurde er schreckensbleich. »Zum Teufel, Sie sind’s!« rief er.
»Ich dachte, Sie seien tot!« Mit aller Kraft versuchte ich, mich aus dem eisernen Griff Jonathan Randalls zu befreien.
Er ließ einen meiner Arme los, um sich die Magengegend zu reiben, und musterte mich kalt. Sein schmales, feingeschnittenes Gesicht wirkte braungebrannt und gesund. Äußerlich war ihm nicht anzusehen, daß vor fünf Monaten eine Herde Rinder auf ihm herumgetrampelt war. Er hatte nicht einmal einen Hufabdruck an der Stirn.
»Wieder teile ich Ihre Gefühle, Madam. Ich stand unter demselben Eindruck, was Ihren Gesundheitszustand betrifft. Vielleicht sind Sie ja doch eine Hexe. Wie haben Sie es angestellt? Sich in eine Wölfin verwandelt?« Die Abneigung, die aus seinen Zügen sprach, war nicht frei von abergläubischer Ehrfurcht. Denn wenn man jemanden in einer kalten Winternacht zu einem Rudel Wölfe hinausstößt, sollte man doch meinen, daß er sich ohne Umstände auffressen läßt. Wie meine verschwitzten Hände und das Hämmern meines Herzens bezeugten, wirkte die unverhoffte Wiederauferstehung eines Totgeglaubten höchst beunruhigend. Vermutlich fühlte auch er sich ein wenig unwohl.
»Das würden Sie wohl gern wissen?« Der Drang, ihn zu ärgern - diese eisige Ruhe zu durchbrechen -, gewann die Oberhand im Gefühlschaos, das sein Anblick in mir ausgelöst hatte. Sein Griff um meinen Arm wurde fester, seine Lippen schmaler. Ich sah, wie er angestrengt nachdachte und Möglichkeiten abhakte.
»Wenn es nicht Ihr Leichnam war, den Sir Fletchers Männer aus dem Verlies zogen, wer war der Tote dann?« fragte ich, denn ich wollte mir zunutze machen, daß er vorübergehend die Fassung verloren hatte. Ein Augenzeuge hatte mir geschildert, daß man nach dem wilden Durchzug der Viehherde, die Jamies Flucht aus eben jenem Verlies getarnt hatte, »eine Puppe in blutigen Fetzen« - vermutlich Randall - gefunden hatte.
Randall lächelte mißvergnügt. Wenn er ebenso nervös war wie ich, dann zeigte er es nicht. Er atmete ein wenig schneller als gewöhnlich, und die Falten um Augen und Mund waren tiefer, als ich sie in Erinnerung hatte, aber er schnappte nicht nach Luft wie ein Fisch auf dem Trockenen. Leider hatte ich weniger Selbstbeherrschung. Ich pumpte möglichst viel Sauerstoff in meine Lungen und versuchte, durch die Nase zu atmen.
»Es war mein Bursche, Marley. Aber wenn Sie auf meine Fragen nicht eingehen, warum sollte ich dann die Ihren beantworten?« Er musterte mich von Kopf bis Fuß und taxierte meine Erscheinung: Seidenkleid, Haarschmuck, Juwelen, unbeschuhte Füße.
»Wohl mit einem Franzosen verheiratet?« erkundigte er sich. »Ich habe Sie immer für eine französische Spionin gehalten. Hoffentlich hält Ihr neuer Gatte Sie besser im Zaum als...«
Die Worte erstarben ihm auf den Lippen, als er aufblickte, um zu sehen, wer soeben den Flur hinter mir betrat. Wenn ich ihn aus der Ruhe hatte bringen wollen, so wurde mir dieser Wunsch jetzt erfüllt. Kein Hamlet hat angesichts des Geistes ein überzeugenderes Entsetzen zustande gebracht als jenes, das sich nun auf den aristokratischen Zügen vor mir malte. Die Hand, die immer noch meinen Arm hielt, krallte sich tief in mein Fleisch, und ich spürte den Schock, der ihn durchzuckte wie ein elektrischer Schlag.
Ich wußte, wen er hinter mir erblickte, und wagte nicht, mich umzudrehen. Auf dem Korridor herrschte vollkommene Stille. Ganz langsam befreite ich meinen Arm aus Randalls Griff, und seine Hand fiel kraftlos herunter. Hinter mir war kein Laut zu hören, obwohl jetzt aus dem Raum am Ende des Flures Stimmen drangen. Ich betete, daß die Tür sich nicht öffnen würde, und überlegte verzweifelt, ob Jamie bewaffnet war.
Ich war unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen, bis endlich das beruhigende Bild seines Schwertes vor mir aufleuchtete, das an der Garderobe hing. Aber er hatte natürlich noch seinen Dolch bei sich und das kleine Messer, das er gewohnheitsmäßig im Strumpf trug. Außerdem war ich mir vollkommen sicher, daß er einen Gegner notfalls auch mit bloßen Händen angreifen würde. Und wenn man meine gegenwärtige Position zwischen den beiden Männern unbedingt als Notfall sehen wollte... Ich schluckte und drehte mich langsam um.
Er stand reglos da, kaum einen Meter hinter mir. Neben ihm stand ein hoher Fensterflügel offen, in dem die Schatten der Zypressen spielten wie Wellen auf einem versunkenen Felsen. Auch Jamie zeigte nicht mehr Regungen als ein Felsen. Was in ihm vorging, konnte man nur ahnen; seine Augen waren groß und klar wie Glas, als wäre die Seele hinter diesem Spiegel längst davongeflogen.
Er sagte nichts, streckte mir aber die Hand entgegen. Es dauerte einen Moment, bis ich die Geistesgegenwart aufbrachte, sie zu ergreifen. Sie war kalt und hart, und ich hielt sie umklammert, als ginge es um das liebe Leben.
Er zog mich eng an sich, nahm meinen Arm und führte mich weg, ohne ein Wort zu sagen oder seinen Gesichtsausdruck zu verändern. Als wir das Ende des Flures erreichten, brach Randall das Schweigen.
»Jamie«, sagte er. Seine heisere Stimme klang halb ungläubig, halb flehend.
Jamie blieb stehen und drehte sich zu ihm um. Randall war kalkweiß, nur auf den Wangenknochen glühten kleine rote Flekken. Er hatte seine Perücke abgenommen und ballte die Fäuste; sein dunkles Haar klebte schweißnaß an den Schläfen.
»Nein.« Jamies Stimme klang gefaßt, beinahe ausdruckslos. Aufblickend sah ich, daß sein Gesicht ebenso reglos blieb, nur die Schlagader an seinem Hals pulsierte heftig, und die kleine dreiekkige Narbe über seinem Kragen hatte sich tiefrot verfärbt.
»Ich bin der Herr von Broch Tuarach«, sagte er leise. »Und künftig werden Sie mich nur noch in aller Form ansprechen - bis Sie mit meinem Schwert auf der Brust um Ihr Leben betteln. Dann können Sie mich beim Vornamen nennen, denn es wird das letzte Wort sein, das je über Ihre Lippen kommt.«
Mit unerwarteter Heftigkeit fuhr Jamie herum, so daß sich sein weites Plaid blähte und ich Randall nicht mehr sehen konnte, als wir in den angrenzenden Flur abbogen.
 
Unsere Kutsche wartete am Tor. Ängstlich Jamies Blick ausweichend, stieg ich ein und beschäftigte mich damit, die Falten meines gelben Seidenrocks zu ordnen. Als der Wagenschlag zufiel, schreckte ich hoch, aber bevor ich den Griff packen konnte, fuhr die Kutsche ruckartig an, so daß ich in meinen Sitz zurückgeworfen wurde.
Fluchend rappelte ich mich wieder auf, kniete mich auf die Bank und spähte aus dem Rückfenster. Jamie war verschwunden. Nichts regte sich außer den schwankenden Schatten der Zypressen und Pappeln.
Verzweifelt hämmerte ich gegen das Wagendach, aber der Kutscher feuerte nur die Pferde an, noch schneller zu laufen. Um diese Zeit waren die Straßen kaum belebt, und wir polterten durch die engen Straßen, als wäre der Teufel hinter uns her.
Als wir in der Rue Tremoulins hielten, sprang ich, vor Angst und Wut bebend, aus der Kutsche.
»Warum haben Sie nicht angehalten?« fuhr ich den Kutscher an. Er zuckte die Achseln. Hoch oben auf seinem Kutschbock war er offenbar durch nichts zu erschüttern.
»Der Herr hat befohlen, Sie unverzüglich nach Hause zu fahren, Madame.« Mit seiner Peitsche berührte er sachte den Rücken des rechten Pferdes.
»Warten Sie!« rief ich. »Ich will zurück!« Aber er zog nur den Kopf ein wie eine Schildkröte und tat so, als hörte er mich nicht, während die Kutsche davonholperte.
In ohnmächtiger Wut wandte ich mich zum Eingang. Fergus kam mir entgegen und sah mich fragend an.
»Wo ist Murtagh?« herrschte ich ihn an. Denn unser Verwandter war der einzige Mensch, dem ich es zutraute, Jamie zu finden und aufzuhalten.
»Ich weiß nicht, Madame. Vielleicht da unten.« Der Junge wies in die Richtung der Rue Gamboge, wo es mehrere Tavernen gab, einige davon solide Gasthäuser, in denen auch ein Ehepaar auf Reisen einkehren konnte, andere Räuberhöhlen, die wohl nicht einmal ein bewaffneter Mann gern allein betrat.
Ich legte meine Hand auf Fergus’ Schulter, um Halt zu finden und um meinen Worten Nachdruck zu verleihen.
»Lauf und hol ihn, Fergus. So schnell du kannst!«
Erschreckt durch meinen Tonfall, sprang Fergus die Treppe hinunter und war verschwunden, noch bevor ich sagen konnte: »Sei vorsichtig!« Aber schließlich kannte er sich im Armeleute- und Verbrechermilieu von Paris besser aus als ich. Niemand war eher geeignet, sich durch eine überfüllte Taverne zu schlängeln, als ein ehemaliger Taschendieb. Zumindest hoffte ich, daß er dieser Beschäftigung nun nicht mehr nachging.
Aber im Augenblick verdrängte eine Sorge alle anderen Überlegungen, und die Befürchtung, man könnte Fergus erwischen und für seine Untaten hängen, verblaßte neben der Vorstellung, die Jamies letzte Worte an Randall in mir heraufbeschworen hatten. Gewiß war Jamie nicht ins Haus des Herzogs zurückgekehrt, oder? Nein, beruhigte ich mich. Er hatte kein Schwert bei sich. Was immer er auch empfinden mochte - und mein Herz wurde schwer bei diesem Gedanken -, er würde nicht überstürzt handeln. Ich hatte ihn schon im Kampf beobachtet - sein Verstand arbeitete stets mit eiserner Ruhe, losgelöst von den Gefühlen, die sein Urteilsvermögen trüben könnten. Schon allein deshalb würde er sich an die Regeln halten. Er würde die strengen Vorschriften beachten, die einen Ehrenhandel regelten - daran konnte er sich festhalten, wenn ihn der Ansturm der Gefühle und der maßlose Durst nach Blut und Rache mit sich fortzureißen drohten.
In der Halle blieb ich stehen, legte mechanisch meinen Mantel ab und blickte in den Spiegel, um mein Haar zu ordnen. Denk nach Beauchamp, beschwor ich stumm mein bleiches Spiegelbild. Wenn er sich duelliert, was braucht er als erstes?
Ein Schwert? Nein, das war es nicht. Seines hing oben an der Garderobe. Zwar konnte er sich leicht eines leihen, aber es war unvorstellbar, daß er das wichtigste Duell seines Lebens mit einem anderen als seinem eigenen Schwert austrug. Sein Onkel, Dougal MacKenzie, hatte es ihm mit siebzehn geschenkt, seine Kampfausbildung überwacht und ihm die Tricks und die Vorteile gezeigt, die einem linkshändigen Schwertkämpfer mit dieser Waffe zugute kamen. Dougal hatte stundenlang mit ihm links gegen links geübt, bis er, wie Jamie sagte, das Gefühl hatte, daß die Damaszenerklinge lebendig geworden war, eine Verlängerung seines Arms. Jamie hatte gesagt, ohne das Schwert fühlte er sich nackt. Und diesem Kampf würde er sich gewiß nicht nackt stellen.
Nein, wenn er das Schwert sofort gebraucht hätte, wäre er heimgekommen, um es zu holen. Ungeduldig fuhr ich mir durch die Haare und versuchte nachzudenken. Verdammt, wie lauteten die Spielregeln für ein Duell? Was kam, bevor man zu den Waffen griff? Die Forderung natürlich. Waren Jamies Worte auf dem Korridor bereits eine Forderung gewesen? Ich hatte die vage Vorstellung, daß man seinem Gegner Handschuhe ins Gesicht schlug, wußte aber nicht, ob das wirklich üblich war oder nur der Phantasie eines Regisseurs entsprungen.
Dann dämmerte es mir. Erst forderte man den Gegner, dann wurde ein Ort vereinbart - er wurde mit Bedacht gewählt, um nicht die Aufmerksamkeit der Polizei oder der Königlichen Garde auf sich zu ziehen. Und um den Ort zu vereinbaren, wurde ein Sekundant benötigt. Ah ja. Deshalb war er also verschwunden: um den Sekundanten zu suchen. Murtagh.
Selbst wenn Jamie Murtagh noch vor Fergus fand, waren erst noch einige Formalitäten zu erledigen. Erleichtert atmete ich auf, obwohl mein Herz noch wie wild hämmerte und mein Mieder zu eng schien. Von den Dienstboten war niemand zu sehen; also löste ich die Schnüre und nahm einen tiefen, befreienden Atemzug.
»Wenn ich gewußt hätte, daß du die Angewohnheit hast, dich auf der Diele auszuziehen, wäre ich im Salon geblieben«, sagte eine ironische Stimme mit unverkennbar schottischem Akzent hinter mir.
Ich wirbelte herum - vor Schreck brachte ich kein Wort heraus. Der Mann, der den Türrahmen ausfüllte, war fast so groß wie Jamie, bewegte sich mit derselben kraftvollen Anmut, strahlte dieselbe kühle Selbstbeherrschung aus. Sein Haar war jedoch dunkel, und die tiefliegenden Augen schimmerten haselnußbraun. Dougal MacKenzie tauchte in diesem Haus auf, als hätte ich ihn durch meine Gedanken herbeigerufen. Wenn man den Teufel nennt...
»Was um alles in der Welt machst du hier?« Der erste Schreck ebbte ab, wenn auch mein Herz noch pochte. Seit dem Frühstück hatte ich nichts gegessen, und plötzlich wurde mir ganz schwarz vor Augen. Er kam auf mich zu, nahm meinen Arm und zog mich zu einem Stuhl.
»Setz dich Mädel«, sagte er. »Du fühlst dich nicht besonders, scheint mir.«
»Sehr aufmerksam von dir«, entgegnete ich. Vor meinen Augen zuckten kleine Blitze, und am Rand meines Gesichtsfeldes tauchten schwarze Flecken auf. »Entschuldige«, sagte ich höflich und steckte den Kopf zwischen die Knie.
Jamie. Frank. Randall. Dougal. Ich sah ihre Gesichter vor mir, ihre Namen klangen mir in den Ohren. Ich klemmte meine feuchten Hände unter die Achseln. Jamie würde sich dem Kampf mit Randall nicht sofort stellen; das war das einzige, was zählte. Mir blieb noch ein wenig Zeit zum Nachdenken, und ich konnte vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Aber welche? Diese Frage überließ ich einstweilen meinem Unterbewußtsein, während ich mich zwang, gleichmäßig zu atmen, und mich den unmittelbar anstehenden Problemen zuwandte.
»Noch einmal«, sagte ich, richtete mich auf und strich mir das Haar aus der Stirn, »was machst du hier?«
Die dunklen Brauen zuckten.
»Brauche ich einen Grund, um einen Verwandten zu besuchen?«
Hinten im Hals schmeckte ich noch Galle, aber wenigstens zitterten meine Hände nun nicht mehr.
»Unter den gegebenen Umständen, ja.« Ich straffte die Schultern, wobei ich die geöffneten Schnüre meines Mieders großzügig übersah, und griff nach der Weinbrandkaraffe. Doch Dougal kam mir zuvor, nahm ein Glas vom Tablett und schenkte mir ein, kaum mehr als einen Teelöffel voll. Doch ein nachdenklicher Blick in meine Richtung bewog ihn, die Dosis zu verdoppeln.
»Danke«, sagte ich kühl.
»Umstände, was? Und welche Umstände sollen das sein?«
Ohne eine Antwort abzuwarten, füllte er ein zweites Glas für sich und brachte einen zwanglosen Toast aus: »Auf Seine Majestät!«
Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. »König James, vermutlich?« Ich nippte an meinem Glas und spürte, wie mir das angenehme Aroma in die Nase stach. »Bedeutet deine Anwesenheit in Paris etwa, daß du Colum von deiner Denkungsart überzeugt hast?« Dougal MacKenzie mochte ja ein Jakobit sein, doch das Oberhaupt der MacKenzies von Leoch war sein Bruder Colum. Da seine Beine durch eine entstellende Krankheit verkrüppelt waren, konnte Colum seinen Clan nicht länger in die Schlacht führen; Dougal war der Kriegsherr. Aber die Entscheidung, ob sie in die Schlacht zogen, oblag Colum.
Dougal ignorierte die Frage. Nachdem er sein Glas geleert hatte, bediente er sich ein zweites Mal. Genüßlich ließ er den ersten Schluck auf der Zunge zergehen und leckte sich die Lippen.
»Nicht schlecht«, meinte er. »Davon muß ich Colum etwas mitbringen. Damit er nachts schlafen kann, braucht er etwas Stärkeres als Wein.«
Tatsächlich war das eine indirekte Antwort auf meine Frage. Colums Zustand verschlechterte sich also. Da ihm die Krankheit, die seinen Körper zerstörte, stets Schmerzen bereitete, hatte Colum abends immer Dessertwein getrunken, um besser schlafen zu können. Inzwischen brauchte er schon Weinbrand. Ich fragte mich, wie lange es dauerte, bis er gezwungen sein würde, auf Opium zurückzugreifen.
Wenn er das tat, war sein Ende als Oberhaupt des Clans gekommen. Seiner körperlichen Kräfte beraubt, regierte er durch schiere Charakterstärke. Doch wenn Colums Verstand durch Schmerzen und Drogen getrübt würde, dann bekam der Clan einen neuen Anführer - Dougal.
Ich betrachtete ihn über den Rand meines Glases hinweg. Er hielt meinem Blick ohne Anzeichen von Verlegenheit stand, und ein leichtes Lächeln umspielte den breiten MacKenzie-Mund. Seine Züge glichen denen seines Bruders - und seines Neffen: hohe Wangenknochen, die Nase lang und gerade wie eine Klinge, ein Gesicht, aus dem Stärke und Kühnheit sprachen.
Als Achtzehnjähriger hatte Dougal seinem Bruder die Treue geschworen, und diesen Eid hatte er dreißig Jahre lang gehalten. Und er würde ihn weiter halten, das wußte ich, bis zu dem Tag, an dem Colum starb oder den Clan nicht länger führen konnte. Und an diesem Tag würde Dougal Colums Nachfolge als Clanoberhaupt antreten, und die Männer des MacKenzie-Clans würden ihm folgen, wohin er sie führte-unter dem Schrägkreuz Schottlands, unter dem Banner von König James, in vorderster Reihe für Bonnie Prince Charles.
»Umstände?« sagte ich, seine vorherige Frage aufgreifend. »Ich glaube nicht, daß es besonders geschmackvoll ist, einem Mann einen Besuch abzustatten, den du für tot abgeschrieben und dessen Frau du zu verführen versucht hast.«
Er lachte - von einem Dougal MacKenzie war nichts anderes zu erwarten. Ich wußte nicht recht, wodurch man den Mann aus der Fassung bringen konnte, aber ich hoffte von ganzem Herzen, ich würde dabei sein, wenn es eines Tages doch passierte.
»Verführen?« meinte er amüsiert. »Ich habe dir die Ehe angetragen.«
»Du hast mir angetragen, mich zu vergewaltigen, soweit ich mich erinnere«, schnauzte ich ihn an. Tatsächlich hatte er mir im vergangenen Winter - unter Gewaltandrohung - einen Heiratsantrag gemacht, nachdem er es abgelehnt hatte, mir bei Jamies Befreiung aus dem Wentworth-Gefängnis zu helfen. Sein Hauptbeweggrund war zweifellos, Jamies Gut Lallybroch - das ich nach Jamies Tod erben würde - an sich zu bringen, aber er hätte auch nichts dagegen gehabt, regelmäßig mein Lager zu teilen.
»Und was Jamies Befreiung aus dem Gefängnis angeht«, fuhr er fort, meine Bemerkung wie üblich ignorierend, »es schien aussichtslos, ihn herauszuholen. Es hätte keinen Sinn gehabt, gute Männer bei einem sinnlosen Versuch aufs Spiel zu setzen. Er wäre der erste gewesen, der das verstanden hätte. Und als sein Verwandter war es meine Pflicht, seiner Frau im Falle seines Todes meinen Schutz anzubieten. Ich war schließlich sein Pflegevater, oder?« Er leerte sein Glas mit einem Zug.
Auch ich nahm eine Stärkung und trank schnell, damit ich mich nicht verschluckte. Der Alkohol brannte mir in Hals und Speiseröhre, und die Hitze stieg mir ins Gesicht. Dougal hatte recht. Jamie hatte ihm keine Vorhaltungen gemacht, weil er nicht in das Wentworth-Gefängnis hatte einbrechen wollen- aber auch von mir hatte er es nicht erwartet. Und gelungen war es mir nur durch ein Wunder. Anschließend hatte ich Jamie zwar von Dougals Heiratsabsichten erzählt, aber nicht durchblicken lassen, daß hinter seinem Angebot auch fleischliche Gelüste standen. Denn schließlich hatte ich nicht damit gerechnet, Dougal MacKenzie jemals wiederzusehen.
Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen wußte ich, daß er ein Mann war, der günstige Gelegenheiten beim Schopf packte. Als Jamies Hinrichtung bevorstand, hatte er nicht einmal die Vollstrekkung des Urteils abgewartet, bevor er versuchte, sich meiner und des mir als Erbe zustehenden Besitzes zu bemächtigen. Falls - nein, ich korrigierte mich -, wenn Colum starb oder handlungsunfähig wurde, wäre Dougal innerhalb einer Woche das Oberhaupt des MacKenzie-Clans. Und wenn Charles Stuart die Unterstützung fand, die er suchte, würde Dougal zur Stelle sein. Schließlich besaß er Erfahrung als einflußreicher Mann hinter dem Thron.
Nachdenklich nippte ich an meinem Glas. Colum hatte Geschäftsinteressen in Frankreich; Wein und Nutzholz vor allen. Zweifellos war dies der Vorwand für Dougals Besuch in Paris, nach außen hin vielleicht sogar der Hauptgrund. Aber er hatte noch andere Motive, da war ich mir sicher. Und die Anwesenheit von Prinz Charles Edward Stuart war bestimmt eines davon.
Eines mußte man Dougal MacKenzie lassen: Eine Begegnung mit ihm regte die Geistestätigkeit an-es war einfach notwendig, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, was er im Augenblick tatsächlich im Schilde führte. Dank seiner anregenden Gegenwart und einem herzhaften Schluck portugiesischen Weinbrands kam mir eine glorreiche Idee.
»Wie auch immer, ich bin froh, daß du jetzt hier bist«, bemerkte ich und stellte mein leeres Glas auf dem Tablett ab.
»Tatsächlich?« Ungläubig zog er die dichten dunklen Brauen hoch.
»Ja.« Ich stand auf und deutete in die Halle. »Hol mir meinen Mantel, während ich mein Mieder zuschnüre. Ich möchte, daß du mich auf das commissariat de police begleitest.«
Als ich sah, wie seine Kinnlade herunterklappte, flackerte Hoffnung in mir auf. Wenn es mir gelungen war, Dougal MacKenzie zu verblüffen, dann konnte ich doch gewiß auch ein Duell verhindern?
 
»Willst du mir vielleicht verraten, was du vorhast?« erkundigte sich Dougal, als die Kutsche um den Cirque du Mireille holperte und knapp einer Kalesche und einem Karren voll Kürbissen auswich.
»Nein«, beschied ich ihm. »Aber vermutlich läßt es sich nicht vermeiden. Wußtest du, daß Jack Randall noch lebt?«
»Ich hatte nicht gehört, daß er tot ist«, erklärte Dougal gelassen.
Ich wurde stutzig. Aber natürlich hatte er recht. Wir hatten Randall nur für tot gehalten, weil Sir Marcus MacRannoch den zu Tode getrampelten Burschen Randalls für den Hauptmann gehalten hatte. Natürlich hatte sich die Nachricht von Randalls Tod nicht in den Highlands verbreitet, da er ja noch lebte. Ich versuchte, meine Gedanken zu ordnen.
»Er ist nicht tot«, sagte ich, »sondern in Paris.«
»In Paris?« Das interessierte ihn. Er zog die Brauen hoch, und beim nächsten Gedanken riß er die Augen auf.
»Wo ist Jamie?« fragte er scharf.
Ich freute mich, daß er den wesentlichen Punkt sofort erfaßt hatte. Zwar hatte er keine Ahnung, was sich zwischen Jamie und Randall abgespielt hatte - das würde außer Jamie, Randall und bis zu einem gewissen Grade auch mir niemand je wissen -, aber er wußte mehr als genug über Randall, um sich klarzumachen, was Jamies erster Impuls sein würde, wenn er dem Mann hier außerhalb der schützenden Grenzen Englands begegnete.
»Ich weiß nicht«, entgegnete ich und sah aus dem Fenster. Wir fuhren an Les Halles vorbei, und derber Fischgeruch stieg mir in die Nase. Ich zog ein parfümiertes Taschentuch heraus, um mir damit Nase und Mund zu bedecken.
»Wir haben Randall heute zufällig beim Herzog von Sandringham getroffen. Jamie hat mich in der Kutsche nach Hause geschickt, und seitdem habe ich ihn nicht mehr gesehen.«
Dougal ignorierte sowohl den Gestank als auch die heiseren Rufe der Fischweiber, die ihre Waren anpriesen. Er runzelte die Stirn.
»Er wird den Mann töten wollen.«
Ich schüttelte den Kopf und erklärte, daß Jamie sein Schwert nicht bei sich hatte.
»Ich kann nicht zulassen, daß es zu einem Duell kommt.«
Ich ließ das Taschentuch fallen, damit er mich besser verstand. »Auf gar keinen Fall!«
Dougal nickte geistesabwesend.
»Aye, das wäre gefährlich. Natürlich könnte es der Junge ohne weiteres mit Randall aufnehmen - wie du weißt, habe ich ihn unterrichtet«, fügte er etwas selbstgefällig hinzu, »aber die Strafe, die auf Duellieren steht...«
»Du hast es erfaßt«, sagte ich.
»Gut«, sagte er bedächtig, »aber warum die Polizei? Du willst den Jungen doch nicht im voraus einsperren lassen, oder? Deinen eigenen Mann?«
»Nicht Jamie«, erklärte ich, »Randall.«
Dougal verzog das Gesicht zu einem breiten Grinsen, das nicht frei von Skepsis war.
»Ach ja? Und wie willst du das anstellen?«
»Eine Freundin und ich wurden vor ein paar Tagen auf der Straße... angegriffen.« Bei der Erinnerung daran schluckte ich. »Die Männer waren maskiert. Ich habe sie nicht erkannt. Aber einer von ihnen hatte dieselbe Größe und Statur wie Jonathan Randall. Ich möchte aussagen, daß ich Randall heute in einem Haus getroffen und ihn als einen der Täter erkannt habe.«
Dougals Stirn umwölkte sich; er musterte mich kühl.
Plötzlich schien ihm ein neuer Gedanke zu kommen.
»Bei Gott, du hast einen Wagemut wie der Leibhaftige. Ein Raubüberfall?« fragte er leise. Zornesröte stieg mir ins Gesicht.
»Nein«, erwiderte ich mit zusammengebissenen Zähnen.
»Aha.« Er lehnte sich zurück. »Du bist aber nicht zu Schaden gekommen?«« Ich blickte auf die Straße hinaus, spürte aber, wie sein Blick lüstern über meinen Halsausschnitt zur Hüfte glitt.
»Ich nicht, aber meine Freundin...«
»Verstehe.« Nach kurzem Schweigen sagte er versonnen: »Hast du schon mal von ›Les Disciples du Mal‹ gehört?«
Ich warf den Kopf herum und sah ihn an. Er lümmelte in der Ecke, geduckt wie eine Katze, und betrachtete mich aus schmalen Augenschlitzen.
»Nein. Was machen sie?« fragte ich.
Achselzuckend neigte er sich nach vorne und spähte an mir vorbei auf den sich nähernden Koloß des Quai des Orfèvres, der sich grau und trist über der glitzernden Seine erhob.
»Eine Art - Gesellschaft. Junge Männer aus gutem Hause, die sich für Dinge interessieren, die man... ungesund nennen könnte.«
»Das kann man behaupten«, sagte ich. »Und was weißt du über Les Disciples?«
»Nur, was ich in einer Taverne in der Cite gehört habe. Daß die Gesellschaft ziemlich viel von ihren Mitgliedern verlangt, und der Preis für die Initiation ist hoch... nach meinen Begriffen.«
»Nämlich?« Ich warf ihm einen herausfordernden Blick zu. Er lächelte ziemlich grimmig, bevor er antwortete.
»Eine Jungfernschaft, zum Beispiel. Oder die Brustwarzen einer verheirateten Frau.« Seine Augen huschten über meine Brust. »Deine Freundin ist Jungfrau, nicht wahr? Oder sie war es?«
Mir wurde abwechselnd heiß und kalt. Ich wischte mir das Gesicht mit meinem Leinentuch ab und stopfte es in die Tasche meines Umhangs, was mir nicht auf Anhieb gelang, da meine Hand zitterte.
»Ja. Was hast du noch gehört? Weißt du, wer mit Les Disciples zu tun hat?«
Dougal schüttelte den Kopf. Die Nachmittagssonne ließ die Silberfäden in seinem braunen Haar aufleuchten.
»Nur Gerüchte. Der Vicomte de Busca, der jüngste von den Charmisse-Söhnen - vielleicht. Der Comte de St. Germain. Was denn? Ist dir nicht gut, Mädel?«
Er beugte sich besorgt über mich.
»Schon gut.« Ich atmete tief durch. »Verdammt gut.« Ich zog mein Taschentuch heraus und trocknete den kalten Schweiß auf meiner Stirn.
Keine Sorge, Mesdames, es geschieht Ihnen kein Leid. Die hämische Stimme hallte im Dunkel meiner Erinnerung wieder. Der Mann im getupften Hemd war mittelgroß und dunkel, schlank, fast schmächtig. Diese Beschreibung paßte auf Jonathan Randall und auch auf den Comte de St. Germain. Hätte ich ihn aber nicht an der Stimme erkannt? War es vorstellbar, daß ein normaler Mann mir gegenüber am Tisch Platz nimmt, Lachs-Mousse verzehrt und höfliche Konversation treibt - kaum zwei Stunden nach dem Zwischenfall in der Rue du Faubourg-St.-Honoré?
Nüchtern betrachtet, warum nicht? Ich hatte es ja auch fertiggebracht. Und es gab keinen Grund für die Annahme, daß der Comte ein - nach meinen Maßstäben - normaler Mann war, wenn man den Gerüchten glauben durfte.
Die Kutsche kam zum Stehen; es blieb wenig Zeit für weitere Überlegungen. War ich im Begriff, dafür zu sorgen, daß der Mann, der Mary Gewalt angetan hatte, ungeschoren davonkam, und darüber hinaus, daß Jamies Todfeind in Sicherheit gebracht wurde? Zitternd vor Aufregung holte ich tief Luft. Mir blieb verdammt noch mal keine andere Wahl. Was jetzt zählte, war das Leben. Die Gerechtigkeit mußte warten, bis ihre Zeit gekommen war.
Der Kutscher stieg ab, um den Wagenschlag zu öffnen. Ich biß mir auf die Lippen und sah Dougal MacKenzie an. Er erwiderte meinen Blick mit einem Achselzucken. Was wollte ich eigentlich von ihm?
»Verbürgst du dich für meine Geschichte?« fragte ich abrupt.
Er sah zum dunklen Massiv des Quai des Orfèvres empor. Durch die offene Tür fiel strahlendes Tageslicht herein.
»Bist du dir sicher?«
»Ja.« Mein Mund war trocken.
Er rückte näher und reichte mir die Hand.
»Dann gebe Gott, daß wir nicht beide hinter Schloß und Riegel landen.«
 
Eine Stunde später traten wir auf die leere Straße vor dem commissariat de police hinaus. Ich hatte die Kutsche heimgeschickt, damit keiner unserer Bekannten sie vor dem Quai des Orfèvres stehen sah. Dougal bot mir seinen Arm, den ich gezwungenermaßen nahm. Hier war der Boden schlammig, und auf der kopfsteingepflasterten Straße fand man mit hochhackigen Schuhen wenig Halt.
»Les Diciples«, sagte ich, während wir am Seineufer Richtung Notre Dame entlangspazierten. »Glaubst du wirklich, der Comte de St. Germain könnte einer der Männer gewesen sein, die... die uns an der Rue du Faubourg-St.-Honoré entgegentraten?« Ich begann vor Erschöpfung - und vor Hunger - zu zittern; seit dem Frühstück hatte ich nichts zu mir genommen, und das machte sich jetzt bemerkbar. Das Verhör bei der Polizei hatte ich nur mit äußerster Selbstbeherrschung durchgestanden. Jetzt brauchte ich mein Hirn nicht mehr anzustrengen, daher konnte ich auch nicht mehr denken.
Dougals Arm unter meiner Hand fühlte sich hart an, aber ich konnte nicht zu ihm aufsehen. Ich brauchte meine ganze Aufmerksamkeit, um nicht hinzufallen. Wir waren in die Rue Elise abgebogen; hier glänzte das Kopfsteinpflaster feucht und war mit allem möglichen Unrat verschmutzt. Ein Dienstmann, der eine Kiste schleppte, blieb vor uns stehen, um sich lautstark auszuhusten. Der grünliche Auswurf blieb an einem Stein zu meinen Füßen kleben und glitt schließlich in eine kleine Pfütze.
»Mmmpf.« Mit nachdenklich gerunzelter Stirn sah sich Dougal in der Straße nach einer Droschke um. »Kann ich nicht sagen. Von dem Mann habe ich Schlimmeres als das gehört, aber ich hatte noch nicht die Ehre, ihm zu begegnen.« Er sah auf mich hinunter.
»Bis jetzt hast du dich gut geschlagen«, meinte er. »Es wird keine Stunde dauern, bis Jack Randall in der Bastille festsitzt. Aber früher oder später müssen sie ihn wieder laufenlassen, und ich möchte wetten, daß sich Jamies Zorn in der Zwischenzeit nicht gerade abkühlt. Willst du, daß ich mit ihm rede - ihn überzeuge, keinen Unsinn zu machen?«
»Nein! Um Gottes willen, halt dich da raus!« Das Poltern von Wagenrädern auf dem Pflaster war laut, aber meine Stimme übertönte den Lärm, so daß Dougal überrascht die Brauen hochzog.
»In Ordnung«, sagte er nachsichtig. »Dann überlasse ich ihn dir. Er ist stur wie ein Stein... aber ich nehme an, du hast deine Methoden, nicht?« Er warf mir einen Seitenblick zu und grinste durchtrieben.
»Ich schaffe das schon.« Ja, ich würde, ich mußte es schaffen. Alles, was ich Dougal erzählt hatte, war die reine Wahrheit. Und doch so weit von der Wahrheit entfernt. Denn ich hätte Charles Stuart und seinen Vater mit Freuden zur Hölle geschickt. Ich hätte jede Hoffnung, ihn von seiner Torheit abzuhalten, geopfert, ja sogar Jamies Verhaftung riskiert, nur um die Wunde zu heilen, die Randalls Wiederauferstehung in Jamies Seele geschlagen hatte. Nur allzugern hätte ich ihm dabei geholfen, Randall zu töten, doch etwas hielt mich davon ab. Eine Erwägung, die schwerer wog als Jamies Stolz, als seine männliche Würde, als sein Seelenfrieden. Frank.
Dieser eine Gedanke hatte mich den ganzen Tag über aufrechterhalten, und zwar über den Punkt hinaus, an dem der Zusammenbruch eine Erlösung gewesen wäre. Seit Monaten hatte ich angenommen, Randall sei kinderlos gestorben, und um Franks Leben gefürchtet. Aber während dieser Zeit hatte mich der Anblick des schlichten Goldrings an meiner linken Hand getröstet.
Das Gegenstück zu Jamies Silberring an meiner Rechten war ein Talisman in den dunkelsten Stunden der Nacht, wenn nach den Träumen Zweifel kamen. Da ich Franks Ring noch trug, würde der Mann, der ihn mir gegeben hatte, leben. Das hatte ich mir tausendmal gesagt. Auch wenn ich nicht wußte, wie ein Mann, der kinderlos starb, eine Abstammungslinie begründen konnte, die zu Frank führte - der Ring war da, also würde Frank leben.
Jetzt wußte ich, warum der Ring noch an meiner Hand glänzte, das Metall ebenso kalt wie meine Hand. Randall lebte, konnte immer noch heiraten und ein Kind zeugen, das die Linie fortführte. Wenn Jamie ihn nicht vorher tötete.
Für den Augenblick hatte ich alles getan, was in meinen Kräften stand, aber die Tatsache, mit der ich im Korridor des herzoglichen Hauses konfrontiert wurde, blieb bestehen. Der Preis für Franks Leben war Jamies Seele - und wie sollte ich zwischen beiden meine Wahl treffen?
Die herannahende Droschke preschte, ohne auf Dougals Zuruf zu achten, so nah an uns vorbei, daß Dougals Seidenstrümpfe und der Saum meines Kleides mit Schmutzwasser bespritzt wurden.
Dougal nahm davon Abstand, einen Hagel gälischer Flüche loszulassen, drohte dem Wagen aber mit der Faust hinterher.
»So, und was jetzt?« fragte er überflüssigerweise. Der schleimige Auswurf trieb auf der Pfütze zu meinen Füßen, in der sich graues Licht spiegelte. Ich glaubte, den kalten, zähflüssigen Schleim auf der Zunge zu spüren, streckte die Hand aus und griff nach Dougals Arm. Schwarze Flecken tanzten mir vor Augen.
»Jetzt«, sagte ich, »wird mir schlecht.«
Die Sonne war schon fast untergegangen, als ich in die Rue Tremoulins zurückkehrte. Mir zitterten die Knie, und es kostete mich große Anstrengung, die Treppe hinaufzusteigen. Ich begab mich schnurstracks ins Schlafgemach, um meinen Umhang abzulegen. Ob Jamie schon heimgekommen war?
Offensichtlich. In der Tür blieb ich stehen und ließ den Blick durchs Zimmer schweifen. Mein Medizinkasten stand offen auf dem Tisch. Auf meiner Frisierkommode lag die Schere, die ich zum Zuschneiden von Verbänden benutzte. Ein ausgefallenes Stück, das Geschenk eines Messerschmieds, der zuweilen im Hopital des Anges arbeitete. Der vergoldete Griff war wie ein Storchenkopf geformt, die silbernen Schneiden bildeten den langen Schnabel. Sie leuchteten im Licht der untergehenden Sonne inmitten einer Wolke rotgoldner Locken.
»Verdammter Mist«, keuchte ich. Er war tatsächlich hiergewesen, und jetzt war er fort. Genauso wie sein Schwert.
Die üppigen, glänzenden Haarsträhnen lagen so, wie sie gefallen waren, auf der Kommode, dem Hocker und dem Boden. Ich nahm eine Locke von der Frisierkommode und spielte mit den feinen, weichen Haaren. Dabei spürte ich, wie mich kalte Panik ergriff - es fing zwischen meinen Schulterblättern an und lief prickelnd die Wirbelsäule hinunter. Ich erinnerte mich, wie mir Jamie am Springbrunnen hinter dem Haus der de Rohans von seinem ersten Duell in Paris erzählt hatte.
»Mitten im Kampf hat sich das Band, das meine Haare hielt, gelöst, und der Wind blies mir die Haare ins Gesicht, so daß ich nur noch eine Gestalt im weißen Hemd vor mir sah, die hin und her flitzte wie eine Elritze.«
Er wollte nicht riskieren, daß sich dergleichen wiederholte. Ich sah die Spuren, die er hinterlassen hatte - die Locke in meiner Hand fühlte sich noch weich und lebendig an -, und konnte mir seine kalte Entschlossenheit vorstellen, das Klappern der Schere, während er alles Weiche wegschnitt, das ihm die Sicht nehmen könnte. Nichts und niemand würde ihn daran hindern, Jonathan Randall zu töten.
Niemand außer mir. Mit der Locke in der Hand ging ich zum Fenster und starrte hinaus, als hoffte ich, Jamie auf der Straße zu sehen. Aber die Rue Tremoulins lag still da, nichts rührte sich außer den wogenden Schatten der Pappeln.
Die gedämpften Geräusche aus der Küche im Untergeschoß drangen an mein Ohr. Heute abend wurden keine Gäste erwartet, und das schlichte Mahl, das wir einzunehmen pflegten, wenn wir unter uns waren, erforderte keine großen Vorbereitungen.
Ich setzte mich aufs Bett, schloß die Augen und verschränkte die Arme über der Rundung meines Bauches. Die Locke hielt ich umklammert, als könnte ich Jamie schützen, solange ich sie nicht losließ.
Hatte ich rechtzeitig gehandelt? Waren die Polizisten vor Jamie bei Jack Randall aufgetaucht? Was, wenn sie gleichzeitig eingetroffen waren oder gerade in dem Augenblick, wo Jamie ihn zum Duell forderte? Ich rieb die Locke zwischen Daumen und Zeigefinger, so daß ein kleiner aufgefächerter Besen aus rotblonden Härchen entstand. Na ja, zumindest wären sie dann beide in Sicherheit. Im Gefängnis vielleicht, aber im Vergleich zu anderen Gefahren war das jetzt zweitrangig.
Und wenn Jamie Randall als erster gefunden hatte? Ich blickte nach draußen. Die Dämmerung brach herein. Duelle wurden von jeher am frühen Morgen ausgetragen, aber ich wußte nicht, ob Jamie noch eine Nacht warten wollte. Vielleicht standen sie sich in diesem Augenblick schon gegenüber, an einem abgeschiedenen Ort, wo das Klirren von Stahl und der Schrei eines tödlich Verwundeten keine Aufmerksamkeit erregen würden.
Denn ein Kampf auf Leben und Tod würde es sein. Was zwischen diesen beiden Männern stand, konnte nur durch den Tod bereinigt werden. Aber wer würde sterben? Jamie? Oder Randall - und mit ihm Frank? Jamie war der bessere Schwertkämpfer, aber als Geforderter durfte Randall die Waffen wählen. Und bei Pistolen hing der Erfolg mehr vom Glück als vom Geschick ab. Nur die besten Pistolen schossen zielsicher, und selbst diese konnten zu früh losgehen oder anderweitig versagen. Plötzlich sah ich Jamie vor mir, wie er schlaff und reglos im Gras lag, Blut quoll ihm aus einer leeren Augenhöhle, und der Geruch von Schwarzpulver mischte sich mit den Frühlingsdüften des Bois de Boulogne.
»Was zum Teufel machst du da, Claire?«
Mein Kopf fuhr so schnell hoch, daß ich mir auf die Zunge biß. Ich blickte in seine Augen, und sie waren noch da, wo sie hingehörten, nämlich zu beiden Seiten der schmalen Nase. Noch nie hatte ich ihn mit derart kurzgeschorenen Haaren gesehen. Er sah aus wie ein Fremder, die markanten Züge wirkten starr, die Rundung des Schädels zeichnete sich unter den kurzen dichten Stoppeln ab.
»Was ich mache?« wiederholte ich und schluckte. »Was ich mache? Ich sitze hier mit einer Locke von dir in der Hand und frage mich, ob du tot bist oder nicht! Das mache ich!«
»Ich bin nicht tot.« Er ging zum Schrank hinüber und öffnete ihn. Seit unserem Besuch in Sandringhams Haus hatte er sich umgezogen; er hatte sich sein Schwert umgeschnallt und trug seinen alten Rock.
»Ja, das merke ich«, sagte ich. »Nett von dir, daß du gekommen bist, um es mir zu sagen.«
»Ich bin gekommen, um meine Sachen zu holen.« Er nahm zwei Hemden und seinen langen Umhang heraus und legte alles auf einen Hocker; dann durchwühlte er eine Kommode nach sauberer Wäsche.
»Deine Sachen? Wo willst du hin?« Ich hatte nicht gewußt, was mir bevorstand, wenn ich ihn wiedersah, aber damit hatte ich nicht gerechnet.
»In einen Gasthof.« Er warf mir einen Blick zu und schien zu dem Schluß zu kommen, daß ich mehr verdient hatte als diese drei Worte. Seine Augen waren dunkel und undurchsichtig wie Lasurstein.
»Nachdem ich dich in der Kutsche nach Hause geschickt hatte, machte ich einen kurzen Spaziergang, bis ich mich wieder in der Hand hatte. Dann ging ich heim, holte mein Schwert und kehrte ins Haus des Herzogs zurück, um Randall in aller Form zu fordern. Der Butler hat mir mitgeteilt, daß Randall verhaftet worden ist.«
Sein Blick ruhte auf mir, undurchdringlich wie die Tiefe des Ozeans. Wieder schluckte ich.
»Ich fuhr zur Bastille. Dort hörte ich, du hättest unter Eid ausgesagt, Randall habe dich und Mary Hawkins in jener Nacht überfallen. Warum, Claire?«
Meine Hände zitterten so heftig, daß ich die Locke fallenließ.
»Jamie«, sagte ich mit zittriger Stimme, »Jamie, du kannst Jack Randall nicht töten.«
Sein Mundwinkel zuckte kaum wahrnehmbar.
»Ich weiß nicht, ob ich wegen deiner Sorge gerührt oder über dein geringes Vertrauen in mich gekränkt sein soll. Aber so oder so kannst du unbesorgt sein. Ich kann ihn töten. Mit Leichtigkeit.« Die letzten Worte sprach er ganz ruhig aus, mit einem Unterton, in dem sich Haß und Befriedigung mischten.
»Das meine ich nicht! Jamie...«
»Glücklicherweise«, fuhr er fort, als hörte er mich nicht, »kann Randall beweisen, daß er den fraglichen Abend im Haus des Herzogs verbracht hat. Sobald die Polizei die Befragung der anwesenden Gäste abgeschlossen und festgestellt hat, daß Randall unschuldig ist - zumindest, was diese Anschuldigung betrifft -, wird man ihn entlassen. Ich bleibe im Gasthof, bis er frei ist. Und dann werde ich ihn finden.« Er starrte den Schrank an, aber offenbar sah er etwas anderes. »Er wird mich erwarten«, sagte er leise.
Er stopfte die Hemden und die Wäsche in eine Reisetasche und legte sich den Umhang über den Arm. Als er sich zur Tür wandte, sprang ich vom Bett auf und packte ihn am Ärmel.
»Jamie! Um Himmels willen, Jamie hör mir zu! Du kannst Jack Randall nicht töten, weil ich es nicht zulasse!«
Er musterte mich zutiefst erstaunt.
»Wegen Frank«, sagte ich. Ich ließ seinen Ärmel los und trat einen Schritt zurück.
»Frank«, wiederholte er und schüttelte den Kopf, als hätte er Ohrensausen. »Frank.«
»Ja. Wenn du Jack Randall jetzt tötest, dann wird Frank... er wird nie existieren. Er wird nicht zur Welt kommen. Jamie, du kannst doch keinen Unschuldigen umbringen!«
Bei meinen Worten wurde sein sonst so gesundes, sonnengebräuntes Gesicht fahl und fleckig. Nun stieg die Röte langsam wieder auf, bis seine Ohren glühten und seine Wangen brannten.
»Einen Unschuldigen?«
»Frank ist doch unschuldig! Jack Randall ist mir egal...««
»Aber mir nicht!« Er griff nach der Tasche und schritt zur Tür. »Großer Gott, Claire! Du willst mich daran hindern, an dem Mann Rache zu nehmen, der seine Hurenspiele mit mir getrieben hat? Der mich gezwungen hat, seinen mit Blut beschmierten Schwanz zu schlucken? O Gott, Claire!« Er stieß die Tür auf und war schon auf dem Flur, als ich ihn einholte.
Inzwischen war es dunkel, aber die Dienstboten hatten die Kerzen angezündet, so daß der Flur matt erleuchtet war. Ich packte ihn am Arm und zerrte an ihm.
»Jamie! Bitte!«
Ungeduldig entwand er sich meinem Griff. Ich weinte fast, hielt aber die Tränen zurück. Ich bekam die Tasche zu fassen und riß sie ihm aus der Hand.
»Bitte, Jamie! Warte nur noch ein Jahr! Das Kind - Randalls Kind - wird im nächsten Dezember gezeugt. Danach spielt es keine Rolle mehr. Aber bitte - um meinetwillen - warte so lang!«
Der Kandelaber auf dem goldumrandeten Tisch warf Jamies Schatten riesenhaft und schwankend an die gegenüberliegende Wand. Er starrte ihn an, als hätte er ein Ungeheuer vor sich, das ihn bedrohlich überragte.
»Aye«, flüsterte er wie im Selbstgespräch, »ich bin ein großer Kerl. Groß und stark. Ich kann viel aushalten. Ja, ich halte viel aus.« Er wirbelte herum und schrie mich an.
»Ich halte viel aus! Aber heißt das, daß ich es auch muß? Muß ich die Schwächen aller anderen ertragen? Kann ich nicht mal selber schwach sein?«
Er begann im Korridor auf und ab zu gehen; der Schatten folgte ihm in lautloser Hast.
»Wie kannst du das von mir verlangen! Ausgerechnet du! Du, die du weißt, was... was...« Sprachlos vor Wut rang er nach Luft.
Im Hin- und Hergehen schlug er immer wieder mit der Faust gegen die Wand. Die Kalksteinwand schluckte seine Hiebe ohne einen Laut.
Schließlich wandte er sich um und blieb schweratmend vor mir stehen. Ich stand wie erstarrt da und wagte nicht, mich zu rühren oder zu sprechen. Er nickte ein-, zweimal, als käme er zu einem Entschluß. Dann zog er seinen Dolch aus dem Gürtel und hielt ihn mir unter die Nase. Mit spürbarer Anstrengung richtete er das Wort an mich.
»Du hast die Wahl, Claire. Er oder ich.« Das Kerzenlicht tanzte auf der glänzenden Klinge. »Ich kann nicht leben, solange er lebt. Wenn du nicht willst, daß ich ihn töte, dann töte du mich jetzt!« Er packte meine Hand und zwang meine Finger um den Griff. Dann riß er sein Spitzenjabot auf, entblößte seinen Hals und riß meine Hand nach oben.
Mit aller Kraft stemmte ich mich dagegen, aber er führte die Spitze der Klinge unerbittlich an die kleine Mulde über dem Schlüsselbein, genau unter die bläuliche Narbe, die Randalls Dolch dort vor Jahren hinterlassen hatte.
»Jamie! Hör auf! Hör sofort auf!« Mit der anderen Hand packte ich ihn, so fest ich konnte, am Gelenk und lockerte seinen Griff so weit, daß ich meine Finger mit einem Ruck freibekam. Der Dolch fiel scheppernd zu Boden, sprang über die Steinfliesen und landete schließlich geräuschlos auf dem gemusterten Aubusson-Teppich.
Jamie stand wie erstarrt vor mir, das Gesicht aschfahl, die Augen glühend. Ich packte seinen Arm, der hart wie Stein war.
»Bitte, glaub mir, bitte. Ich würde das nicht tun, wenn es eine andere Lösung gäbe«, beschwor ich ihn und holte tief Luft, da mein Herz hämmerte, als wollte es zerspringen.
»Du verdankst mir dein Leben, Jamie. Nicht einmal, zweimal. Ich habe dich vor der Hinrichtung in Wentworth gerettet und dann wieder, als du in der Abtei im Fieber lagst. Du schuldest mir ein Leben, Jamie!«
Er starrte mich lange an, bevor er antwortete. Seine Stimme klang wieder ruhig und ein wenig bitter.
»Verstehe. Und diese Schuld willst du jetzt einfordern?« Seine Augen glühten tiefblau, wie das Blau, das im Herzen einer Flamme lodert.
»Ich muß. Anders bringe ich dich nicht zur Vernunft!«
»Vernunft. Ah, Vernunft. Nein, ich kann nicht behaupten, daß ich gerade jetzt für Vernunftgründe zugänglich wäre.« Langsam entfernte er sich von mir und schritt mit gesenktem Kopf den langen Korridor hinunter.
Der Flur erstreckte sich über die ganze Länge des ersten Stockes und wurde an beiden Enden von einem riesigen Buntglasfenster begrenzt. Jamie marschierte bis zum einen Ende, machte mit der Präzision eines Soldaten kehrt und kam gemessenen Schritts wieder auf mich zu. Auf und ab, auf und ab, immer wieder.
Mir zitterten die Knie, und ich ließ mich in der Nähe eines Fensters in einen fauteuil sinken. Einmal näherte sich einer der allgegenwärtigen Diener und fragte, ob Madame Wein wünsche oder vielleicht Kekse? So höflich wie möglich winkte ich ab.
Endlich blieb Jamie vor mir stehen, breitbeinig, die Füße fest in den Boden gestemmt. Erst als ich zu ihm aufschaute, begann er zu sprechen. Seine Miene war undurchdringlich, kein Zucken verriet seine Erregung, aber die tiefen Falten um die Augen zeigten seine Anspannung.
»Ein Jahr also«, war alles, was er sagte. Er wandte sich rasch ab und hatte sich schon ein Stück entfernt, als ich mich aus den Tiefen des Samtsessels herausgearbeitet hatte. Kaum war ich auf den Füßen, da stürmte er wieder an mir vorbei, erreichte mit drei Schritten das große Buntglasfenster und durchschlug es mit der rechten Hand.
Das Fenster bestand aus Tausenden von farbigen Scheiben, die durch Bleistreifen miteinander verbunden waren. Es stellte das Urteil des Paris dar. Zwar erzitterte das ganze Fenster, aber es entstand nur ein unregelmäßiges Loch zu Füßen der Aphrodite, durch das die milde Frühlingsluft hereindrang.
Jamie preßte beide Hände in den Bauch. Ein dunkelroter Fleck breitete sich auf der gerüschten Manschettte aus. Als ich auf ihn zuging, hastete er an mir vorbei und ging wortlos davon.
 
Ich ließ mich so schwer in den Sessel fallen, daß eine kleine Staubwolke aus der Polsterung aufstieg. Erschlafft lag ich da, die Augen geschlossen, und spürte, wie mich der kühle Nachtwind streifte. An den Schläfen war mein Haar schweißnaß, und mein Puls raste.
Würde er mir je verzeihen? Mein Herz zog sich zusammen, als ich mich an den Ausdruck in seinen Augen erinnerte - ich hatte ihn verraten. »Wie kannst du das von mir verlangen?« hatte er gefragt. »Du, die du weißt..« Ja ich wußte es, und ich dachte, dieses Wissen könnte mich von Jamies Seite reißen, so wie ich von Frank weggerissen worden war.
Aber ob Jamie mir nun verzeihen konnte oder nicht - ich selbst hätte es mir nie verziehen, wenn ich einen unschuldigen Menschen, einen Mann, den ich einmal geliebt hatte, dem Tod preisgegeben hätte.
»Die Sünde des Vaters«, murmelte ich vor mich hin. »Der Sohn soll nicht tragen die Sünde des Vaters.«
»Madame?«
Ich schrak auf, öffnete die Augen und sah ein Zimmermädchen, das ebenso erschrocken vor mir zurückwich.
»Madame, geht es Ihnen nicht gut? Soll ich...«
»Nein«, sagte ich, so fest ich konnte. »Mir geht es gut. Ich möchte nur eine Weile hier sitzen bleiben. Bitte lassen Sie mich allein.«
Das Mädchen kam dieser Aufforderung nur zu gern nach. »Oui, Madame!« nickte sie und huschte davon. Ausdruckslos starrte ich auf ein Bild an der gegenüberliegenden Wand - eine Liebesszene in einem Garten. Plötzlich fröstelnd zog ich den Umhang enger um mich und schloß wieder die Augen.
 
Nach Mitternacht ging ich endlich ins Schlafgemach. Jamies saß vor einem kleinen Tisch und beobachtete zwei Goldaugen, die um die einzige Kerze flatterten, die den Raum erhellte. Ich ließ den Umhang zu Boden gleiten und ging zu ihm.
»Rühr mich nicht an«, sagte er. »Geh ins Bett.« Seine Stimme klang geistesabwesend, aber ich blieb stehen.
»Aber deine Hand...«, begann ich.
»Spielt keine Rolle. Geh ins Bett«, wiederholte er.
Die Knöchel der rechten Hand waren blutverschmiert, und die Spitzenmanschette war blutgetränkt, aber ich hätte nicht einmal dann gewagt, ihn zu berühren, wenn er ein Messer im Bauch gehabt hätte. Also überließ ich ihn dem Todestanz der Goldaugen und legte mich ins Bett.
Gegen Morgen erwachte ich. Im dämmrigen Licht wurden die Umrisse der Möbel sichtbar. Durch die Flügeltür zum Vorraum sah ich Jamie, der immer noch am Tisch saß. Inzwischen war die Kerze heruntergebrannt, und die Goldaugen waren verschwunden. Er hatte den Kopf auf die Hände gestützt, die Finger in die erbarmungslos geschorenen Haare vergraben. Das Dämmerlicht schluckte alle Farben; selbst die Haare, die wie Flammen zwischen seinen Fingern standen, schienen aschgrau.
Ich glitt aus dem Bett und ging auf ihn zu. Er drehte sich nicht um, wußte aber, daß ich da war. Als ich seine Hand berührte, ließ er sie auf den Tisch fallen, und sein Kopf sank gegen meine Brust. Er seufzte tief, als ich ihn streichelte, und ich merkte, wie die Spannung langsam von ihm abfiel. Dann strich ich ihm über Hals und Schultern und spürte durch das dünne Leinenhemd, wie kalt er war. Schließlich trat ich vor ihn hin. Er nahm mich um die Taille, zog mich an sich und vergrub seinen Kopf in meinem Nachthemd, genau über der Rundung des ungeborenen Kindes.
»Mir ist kalt«, sagte ich schließlich behutsam. »Kommst du zu mir und wärmst mich?«
Nach einer Weile nickte er und erhob sich taumelnd wie ein Blinder. Ich führte ihn zum Bett. Widerstandslos ließ er sich ausziehen und zudecken. Ich lag in seiner Armbeuge, eng an ihn gepreßt, bis die Kälte von ihm gewichen war und sich Wärme um uns ausbreitete.
Zögernd legte ich die Hand auf seine Brust und streichelte sie sanft, bis sich die Brustwarze erregt aufrichtete. Er legte seine Hand auf meine und hielt sie fest. Ich fürchtete, er könnte mich wegstoßen, was er auch tat, aber nur, um sich zu mir zu drehen.
Inzwischen war es heller geworden. Lange Zeit betrachtete er nur mein Gesicht, streichelte es von der Schläfe bis zum Kinn, zeichnete mit dem Daumen die Linie meines Halses und Schlüsselbeins nach.
»Mein Gott, ich liebe dich so«, flüsterte er, als spräche er mit sich selbst. Er küßte mich, so daß ich nicht antworten konnte und umfaßte meine Brust mit seiner verletzten Rechten.
»Aber deine Hand...«, protestierte ich zum zweitenmal in dieser Nacht.
»Spielt keine Rolle«, entgegnete er, ebenfalls zum zweitenmal in dieser Nacht.
Die Geliehene Zeit
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