13
Täuschungen
»...einen Absud aus drei Handvoll Berberitzenblätter über Nacht ziehen lassen und eine halbe Handvoll schwarze Nieswurz damit aufgießen.« Leicht angeekelt legte ich die Zutatenliste auf den Intarsientisch. »Das habe ich von Madame Rouleaux. Selbst sie als eine der besten Engelmacherinnen hält diese Mixtur für gefährlich. Louise, bist du dir sicher, daß du es willst?«
Auf ihrem rundlichen Gesicht zeichneten sich Flecken ab, und die fleischige Unterlippe zitterte ein wenig.
»Habe ich denn eine andere Wahl?« Sie nahm das Rezept für den Abtreibungstrank und starrte gleichermaßen angewidert wie fasziniert darauf.
»Schwarze Nieswurz.« Sie schauderte. »Wie schrecklich das schon klingt!«
»Ja, es ist wirklich ein ziemlich übles Zeug«, räumte ich ein. »Man fühlt sich, als würden einem die Eingeweide platzen, aber möglicherweise hat man dabei auch einen Abgang. Es klappt nicht immer.« Ich erinnerte mich an Maitre Raymonds Warnung - wenn man zu lange wartet, wird es gefährlich - und fragte mich, wie weit Louise sein mochte. Wohl höchstens in der sechsten Woche; sie hatte mir den vermutlichen Zeugungszeitpunkt genannt.
Mit rotgeränderten Augen starrte sie mich an.
»Hast du es denn selbst schon ausprobiert?«
»Um Himmels willen, nein!« Von meinem heftigen Ton selbst überrascht, atmete ich tief durch.
»Nein. Aber ich habe Frauen gesehen, die es genommen haben - im Höpital des Anges.« Die Engelmacherinnen praktizierten meist zurückgezogen bei sich zu Hause oder bei ihren Kundinnen, und es waren nicht die erfolgreich behandelten Frauen, die ins Spital kamen. Unwillkürlich legte ich meine Hand schützend auf meinen Unterleib. Als Louise diese Geste bemerkte, warf sie sich auf das Sofa und vergrub das Gesicht in den Händen.
»Ach, ich wollte, ich wäre tot!« jammerte sie. »Warum habe ich nicht wie du das Glück, das Kind eines Ehemanns auszutragen, den ich liebe?« Sie preßte die Hände auf ihren gewölbten Bauch und starrte darauf, als erwartete sie, das Kind würde gleich hervorlugen.
Auf diese Frage hätte ich alles mögliche erwidern können, aber ich hatte den Eindruck, daß sie nichts davon hören wollte. Also setzte ich mich neben sie und tätschelte ihre Schulter.
»Louise«, sagte ich, »willst du das Kind?«
Sie hob den Kopf und sah mich verwundert an.
»Natürlich will ich’s!« rief sie. »Es ist... es ist Charles’ Kind! Es...« Mit kummervoller Miene blickte sie abermals auf ihren Bauch hinunter. »Es ist mein Kind«, flüsterte sie. Nach einer Weile hob sie das tränenüberströmte Gesicht, und in einem kläglichen Versuch, Haltung anzunehmen, wischte sie sich die Nase am weiten Ärmel ihres Damastkleides ab.
»Aber es geht nicht«, sagte sie. »Wenn ich...« Sie schluckte, als ihr Blick auf das Rezept fiel. »Dann läßt Jules sich scheiden... er jagt mich davon! Es gäbe einen entsetzlichen Skandal. Ich würde womöglich exkommuniziert werden! Nicht einmal Vater könnte mich schützen.«
»Ja, aber...«, meinte ich zögerlich. Dann schlug ich jede Vorsicht in den Wind und fragte ohne Umschweife: »Gäbe es irgendeine Möglichkeit, Jules davon zu überzeugen, daß es sein Kind ist?«
Sie schaute mich so ausdruckslos an, daß ich sie am liebsten geschüttelt hätte.
»Ich wüßte nicht, wie... ach so!« dämmerte es ihr endlich, und das Entsetzen stand ihr ins Gesicht geschrieben.
»Du meinst, ich soll mit Jules schlafen? Aber Charles wäre außer sich!«
»Aber Charles ist schließlich nicht schwanger!« erwiderte ich grimmig.
»Na ja, aber er... ich meine... nein, das kann ich nicht!« Doch ihr entsetzter Ausdruck schwand bereits, je mehr sie die Möglichkeit in Erwägung zog.
Ich wollte sie nicht drängen; andererseits sah ich keinen Grund, warum sie ihr Leben aufs Spiel setzen sollte, um Charles Stuarts Stolz zu schonen.
»Glaubst du, Charles würde wollen, daß du dich einer solchen Gefahr aussetzt?« gab ich zu bedenken. »Und überhaupt - weiß er eigentlich von dem Kind?«
Sie nickte nachdenklich. »Ja. Deshalb haben wir letztens auch gestritten.« Sie schniefte. »Er war wütend und sagte, es sei alles meine Schuld, ich hätte warten sollen, bis er den Thron seines Vaters zurückerobert hat. Eines Tages wäre er dann König und würde mich von Jules wegbringen und den Papst veranlassen, meine Ehe zu annullieren. Seine Söhne würden den Thron von England und Schottland erben...« Wieder packte sie die Verzweiflung. Schluchzend stammelte sie wirres Zeug vor sich hin.
Ich wurde ungehalten.
»Ach, sei doch still, Louise!« fuhr ich sie an. Daraufhin hörte sie - zumindest vorübergehend - auf zu heulen, und ich nutzte die Pause, um meine Argumente vorzubringen.
»Schau«, sagte ich so überzeugend wie möglich, »glaubst du etwa, Charles möchte, daß du seinen Sohn opferst, ob ehelich oder nicht?« Tatsächlich vermutete ich, Charles würde jede Entscheidung begrüßen, wenn ihm dadurch Unannehmlichkeiten erspart blieben - ohne Rücksicht auf Louise und seinen eigenen mutmaßlichen Sprößling. Andererseits besaß der Prinz einen ausgeprägten Hang zur Romantik; vielleicht konnte man ihn glauben machen, dies sei nur so etwas wie eine vorübergehende Widrigkeit, die Exilmonarchen häufig widerfuhr. Offensichtlich würde ich Jamies Hilfe benötigen. Ich dachte mit gemischten Gefühlen daran, was er dazu sagen würde.
»Nun...« Louise war wankend geworden und schien unbedingt überzeugt werden zu wollen. Einen kurzen Augenblick lang empfand ich Mitleid mit Jules, dem Prince de Rohan. Doch das Bild einer jungen Dienstmagd, die auf einem blutverschmierten Strohsack im Flur des Hôpitals des Anges einen langen, qualvollen Tod gestorben war, stand mir überdeutlich vor Augen.
Die Sonne ging schon fast unter, als ich mich müde nach Hause schleppte. Louise war, vor Nervosität zitternd, oben in ihrem Zimmer, wo sie sich von ihrer Zofe die Haare frisieren ließ und sich mit ihrem gewagtesten Kleid herausputzte, ehe sie zu einem trauten Abendessen mit ihrem Gemahl hinuntergehen wollte. Ich war völlig erschöpft und hoffte, Jamie hatte niemanden zum Essen eingeladen; ein ruhiger Abend wäre auch mir sehr willkommen.
Jamie war allein. Als ich das Arbeitszimmer betrat, rätselte er über drei oder vier eng beschriebenen Blättern.
»Meinst du, bei dem ›Pelzhändler‹ könnte es sich eher um König Louis handeln oder um seinen Finanzminister Duverney?« fragte er, ohne aufzusehen.
»Gut, danke, und wie geht es dir?« erwiderte ich.
»Gut«, sagte er geistesabwesend. Einige widerspenstige Haarbüschel standen ihm vom Kopf ab, als er sich das Haar raufte.
»Der ›Schneider von Vendôme‹ ist bestimmt Monsieur Geyer«, fuhr er fort, »und ›unser gemeinsamer Freund‹ - das könnte entweder der Graf von Mar oder der päpstliche Gesandte sein. Aus dem folgenden würde ich schließen, daß es sich um den Grafen handelt, aber...«
»Was um alles in der Welt ist denn das?« Ich spähte über seine Schulter und erblickte zu meinem Erstaunen die Unterschrift von James Stuart, König von England und Schottland.
»Donnerwetter! Es hat also geklappt!« Ich drehte mich um und entdeckte Fergus, der auf einem Schemel vor dem Kamin hockte und eifrig Gebäck in sich hineinstopfte. »Guter Junge«, sagte ich und lächelte ihm zu. Mit vollen Backen grinste er zurück.
»Den haben wir vom päpstlichen Boten«, erklärte Jamie, der meine Anwesenheit erst jetzt richtig zur Kenntnis nahm. »Fergus hat ihn aus seiner Tasche entwendet, während er in einer Taverne zu Abend aϐ. Dort wird er auch übernachten, und deshalb müssen wir den Brief vor Tagesanbruch wieder in die Tasche geschmuggelt haben. Meinst du, daß es schwierig wird, Fergus?«
Der Junge schluckte hinunter und schüttelte den Kopf. »Nein, Herr. Er schläft allein im Zimmer, weil er Angst hat, ein Schlafkamerad könnte ihm etwas aus seiner Tasche stehlen.« Dabei verzog er den Mund zu einem spöttischen Grinsen. »Das zweite Fenster von links, über dem Stall.« Er machte eine lässige Handbewegung, dann griff er mit flinken, schmutzigen Fingern nach einem weiteren Stück Kuchen. »Eine Kleinigkeit, Herr.«
Auf einmal sah ich vor mir, wie diese feingliedrige Hand auf einem Holzblock festgehalten wurde, während ein Henkersschwert zum Hieb auf das dünne Handgelenk ausholte. Ich schluckte, um eine plötzliche Übelkeit zu unterdrücken. Fergus trug eine kleine, grünliche Kupfermünze um den Hals - das Bildnis des heiligen Dismas, hoffte ich.
»Nun«, brachte ich nach einem tiefen Atemzug hervor, »was hat es denn mit diesen Pelzhändlern auf sich?«
 
Wir hatten keine Zeit, uns in Ruhe damit zu befassen. Ich fertigte lediglich eine rasche, saubere Abschrift des Briefes an, dann wurde er sorgsam zusammengefaltet und das Originalsiegel mit einer über der Kerzenflamme erhitzten Messerklinge wiederhergestellt.
Kritisch verfolgte Fergus die Prozedur und schüttelte den Kopf. »Sie sind wirklich begabt, Herr. Wie schade, daß die eine Hand verkrüppelt ist.«
Gleichgültig betrachtete Jamie seine Rechte. Eigentlich sah sie gar nicht so schlimm aus. Zwei Finger waren ein wenig krumm, und über den Mittelfinger zog sich eine breite Narbe. Nur der Ringfinger hatte größeren Schaden genommen; er stand steif ab, denn das zweite Gelenk war völlig zerquetscht worden. Die Hand hatte Jonathan Randall ihm gebrochen, vor knapp vier Monaten im Wentworth-Gefängnis.
»Halb so schlimm«, meinte er lächelnd. »Mit meinen großen Pranken könnte ich sowieso kein Taschendieb werden.« Seine Hand war wieder erstaunlich beweglich geworden, dachte ich. Er trug immer noch den weichen Stoffball, den ich ihm genäht hatte, mit sich herum und drückte ihn unzählige Male am Tag unauffällig zusammen, während er arbeitete. Und falls die zusammengewachsenen Knochen ihm Schmerzen bereiteten, so beklagte er sich nie darüber.
»Dann mach dich auf den Weg«, wies er Fergus an. »Und melde dich bei mir, wenn du zurück bist, damit ich weiß, daß du nicht von der Polizei oder dem Wirt der Taverne erwischt worden bist.«
Diese Bedenken entlockten Fergus lediglich ein verächtliches Naserümpfen, er nickte jedoch und verstaute den Brief sorgfältig in seinem Kittel. Über die Hintertreppe verschwand er in der Nacht, seinem natürlichen Element.
Jamie sah ihm lange nach, dann wandte er sich zu mir um und starrte mich plötzlich entsetzt an.
»Himmel, Sassenach! Du bist ja kreidebleich! Fehlt dir was?«
»Nur etwas zu essen«, antwortete ich.
Sofort klingelte er nach dem Abendessen, das wir dann vor dem Kamin einnahmen, während ich ihm von Louise erzählte. Zu meinem Erstaunen nahm er den Sachverhalt zwar mit einem Stirnrunzeln zur Kenntnis, und seine auf gälisch gemurmelten Bemerkungen über Louise und Charles klangen wenig schmeichelhaft, aber er war mit meiner Lösung des Problems einverstanden.
»Ich dachte, du würdest dich darüber aufregen«, meinte ich, während ich Brot in das saftige Cassoulet tunkte. Die warmen, mit Speck gewürzten Bohnen taten gut und beruhigten mich. Draußen pfiff ein kalter Nachtwind, doch vor dem Kaminfeuer hatten wir es warm und behaglich.
»Darüber, daß Louise de La Tour ihrem Mann das Kind eines anderen unterschieben will?« fragte Jamie, während er mit dem Finger die Soßenreste von seinem Teller wischte. »Na ja, ich bin davon nicht gerade begeistert, das kann ich dir sagen, Sassenach. Es ist ein gemeines Spiel, das sie mit ihrem Mann treibt, aber was soll die arme Frau sonst tun?« Auf seinem Gesicht machte sich ein gequältes Lächeln breit.
»Außerdem steht es mir nicht zu, mich moralisch über andere zu erheben. Ich stehle Briefe, spioniere und versuche, den Mann zu behindern, der in den Augen meiner Familie der rechtmäßige König ist. Nein, Sassenach, ich würde nicht wollen, daß mich jemand nach meinen Taten beurteilt.«
»Aber du hast einen guten Grund für deine Taten!« hielt ich ihm entgegen.
Er zuckte mit den Achseln. Im Schein des flackernden Feuers wirkten seine Wangen eingefallener und die Schatten um seine Augen dunkler. Das Licht ließ ihn älter erscheinen, als er war - noch keine vierundzwanzig, wie ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen mußte.
»Aye. Und Louise de La Tour hat auch einen guten Grund. Sie will ein Menschenleben retten, und ich zehntausend. Ist das eine Entschuldigung dafür, daß ich den kleinen Fergus in Gefahr bringe... und Jareds Geschäft... und dich?« Er wandte den Kopf und lächelte mich an. Das Licht spiegelte sich auf seinem langen, geraden Nasenrücken, und im Schein des Feuers funkelten seine Augen wie Saphire.
»Nein, es wird mir keine schlaflosen Nächte bereiten, daß ich anderer Leute Briefe öffne«, sagte er. »Vielleicht steht uns noch viel Schlimmeres bevor, Claire, und ich kann nicht im voraus sagen, wieviel mein Gewissen aushält. Am besten stellt man es nicht allzubald auf die Probe.«
Dagegen ließ sich nichts sagen; er hatte vollkommen recht. Als ich seine Wange streichelte, legte er seine Hand auf die meine, dann drückte er einen sanften Kuß auf meine Handfläche.
»Nun«, meinte er in geschäftsmäßigem Ton, »nachdem wir gegessen haben, könnten wir uns doch jetzt den Brief ansehen, was meinst du?«
Der Brief war offensichtlich verschlüsselt. Für den Fall, daß er abgefangen wurde, erklärte Jamie.
»Wer würde denn die Post Seiner Majestät abfangen wollen?« fragte ich. »Außer uns, meine ich.«
»Beinahe jeder, Sassenach«, erwiderte Jamie, belustigt über meine Naivität. »Die Spione von Louis, von Duverney, von Philipp von Spanien. Die jakobitischen Adligen und solche, die sich als Jakobiten ausgeben würden, wenn der Wind aus der richtigen Richtung weht. Personen, die mit Nachrichten handeln und sich einen Dreck darum scheren, ob Leben oder Tod anderer Menschen davon abhängt. Der Papst höchstpersönlich; der Heilige Stuhl unterstützt die Stuarts im Exil seit fünfzig Jahren - gewiß hat er ein Auge darauf, was sie tun.« Er tippte auf die Abschrift des Briefes, den James an seinen Sohn gesandt hatte.
»Das Siegel auf dem Brief dürfte bereits dreimal aufgebrochen worden sein, bevor ich ihn in die Hand bekommen habe«, meinte er.
»Ich verstehe«, erwiderte ich. »Kein Wunder, daß James seine Briefe verschlüsselt. Meinst du, du kannst herausfinden, worum es geht?«
Jamie nahm stirnrunzelnd die Blätter in die Hand. »Ich weiß nicht; manches schon, aber manches ist mir auch völlig unklar. Aber ich denke, ich könnte es herausbringen, wenn ich noch ein paar andere Briefe des Königs zu Gesicht bekäme. Vielleicht kann Fergus da noch das eine oder andere für mich tun.« Er faltete die Abschrift zusammen und legte sie sorgsam in eine Schublade, die er verschloß.
»Wir können niemandem trauen, Sassenach«, erklärte er auf meine Verwunderung hin. »Möglicherweise sind sogar unter unseren Dienstboten Spione.« Nachdem er den Schlüssel in seiner Rocktasche verstaut hatte, bot er mir seinen Arm an. »Gehen wir schlafen.«
Ich nahm die Kerze in die eine Hand und hakte mich mit der anderen bei ihm unter. Das Haus war dunkel, die Dienstboten - außer Fergus - schliefen den Schlaf der Gerechten. Mir war etwas unheimlich zumute bei dem Gedanken, daß der eine oder andere der selig Schlummernden vielleicht nicht der war, als der er sich ausgab.
»Macht es dich nicht ein bißchen unruhig«, fragte ich ihn, als wir die Treppe hinaufgingen, »daß du niemandem trauen kannst?«
Er lachte leise. »Nun, niemand würde ich nicht sagen, Sassenach. Ich habe dich - und Murtagh und meine Schwester Jenny und ihren Mann Ian. Euch vieren würde ich mein Leben anvertrauen - was ich auch schon mehr als einmal getan habe.«
Ich fröstelte, als er die Vorhänge des großen Bettes zurückzog. Das Feuer hatte man bereits mit Asche bedeckt, und im Zimmer wurde es kalt.
»Vier Leute, denen man trauen kann, sind nicht gerade viel«, meinte ich, als ich die Bänder meines Kleides löste.
Jamie zog sich das Hemd über den Kopf und warf es auf einen Stuhl. Im schwachen Licht, das durchs Fenster hereindrang, schimmerten die Narben auf seinem Rücken silbern.
»Aye«, entgegnete er sachlich, »aber es sind vier mehr, als Charles Stuart hat.«
 
Noch lange vor der Morgendämmerung zwitscherte draußen ein Vogel. Es war eine Spottdrossel, die auf irgendeiner Dachrinne in der Nähe saß und ihre Triller übte.
Schlaftrunken rieb Jamie seine Wange an meinem glatten, frisch gewachsten Unterarm, dann hauchte er mir einen Kuß in die Armbeuge, so daß ich wohlig erschauderte.
»Mmh«, murmelte er, während seine Hand über meine Rippen glitt, »ich mag es, wenn du eine Gänsehaut bekommst.«
»So?« erwiderte ich und fuhr mit den Fingernägeln sanft über seinen Rücken, was ihm ebenfalls eine Gänsehaut bescherte.
»Ah.«
»Selber ›ah‹«, sagte ich leise.
»Mmmh.« Genüßlich stöhnend wälzte er sich zur Seite und schlang die Arme um mich. Ich genoß es, seinen nackten Körper zu spüren, seine Wärme, die wie ein über Nacht mit Asche bedecktes Feuer in der kalten Morgendämmerung wieder aufloderte.
Seine Lippen schlossen sich sanft um eine meiner Brustwarzen, und ich stöhnte lustvoll.
»Läßt du mich das später auch machen?« murmelte er unter vorsichtigen Bissen. »Wenn das Kind da ist und deine Brüste voller Milch sind? Stillst du mich dann auch, hier an deiner Brust?«
Meine Finger kraulten das babyweiche, dichte Haar an seinem Nacken.
»Immer«, flüsterte ich.
Die Geliehene Zeit
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