Anstelle eines Nachwortes

Auszug aus einem Brief von Professor Walter Baldwin Spencer, Völkerkundler und Zoologe, der 1903 nach ausgedehnten Studienreisen zu den Aborigines das neu geschaffene Amt des Chief Protector of Aborigines übernahm und 22 Jahre ausübte:

 

»Es war für mich, den Naturwissenschaftler, eine große Überraschung, dass diese Primitiven eine echte Religion haben - nicht bloß ein Bündel von Moralgeboten oder eine Götzen- und Dämonenfurcht, sondern eine Religion, die sich aus der Überzeugung nährt, dass diese Welt nicht nur Materie ist und dass es Geistwesen gibt, die uns Menschen helfen wollen und können.

Je länger ich mit diesen ›Wilden‹ umging, umso mehr festigte sich bei mir die Erkenntnis, dass meine Forschungsreise, die ich anfangs nur als eine Fahrt zu einem Volk primitiver Exoten begriff, sich nur werde rechtfertigen lassen, wenn die Ergebnisse nicht bloß zum Verständnis der Ureinwohner, sondern mehr zur Verständigung zwischen ihnen und den Weißen über die Schranken der Traditionen hinweg auf der einen, die der Zivilisation auf der anderen Seite beitragen ...

Vom Eingehen auf diese Kinder der Wüste, die noch den ganzen Zauber eines Landes besitzt, das sich dem formenden Zugriff des Menschen entzieht, können wir die Einsicht gewinnen, wie eng Glück und Gefahr der Freiheit immer miteinander verknüpft sein müssen, damit menschliches Dasein sein volles Maß an Sinn und Richtung behält ... Mir haben sie jedenfalls die Augen dafür geöffnet, dass unsere Art zu leben und zu denken für uns gewiss die angemessene, aber nicht für alle Menschen die allein gültige ist.

Die Ureinwohner dieses Kontinents sind mit der Natur ihrer Heimaterde eine viel innigere Verbindung auf Gedeih und Verderben eingegangen, als sich dies meines Wissens bei irgendeinem anderen Volk hat beobachten lassen ... Ihre Naturverflechtung, die sich in ihren Totem- und Tabubräuchen ausspricht, hat ihnen nach unserer Ansicht Fesseln angelegt, ihnen aber noch mehr geholfen, im Ringen mit einer übermächtigen, gnadenlos harten Umwelt eine fast übermenschliche Umsicht, Geduld und Leidensfähigkeit zu entwickeln ...«

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