hybris Wir mussten eine Menge von Prozessen neu konfigurieren und umplanen, um einige der menschlichen Eigenschaften einbauen zu können. Sie neigten dazu, unsere Systeme zu irritieren. Aber wir hatten uns natürlich im Voraus um diese Angelegenheiten gekümmert. So hatten wir ein paar neue Sicherheitsebenen für unser System programmiert. Immer wenn nach der Fusion der menschlichen Verfahren mit unseren ein System-oder Datenkonflikt entstand, gab es eine Warnmeldung. Dann begutachteten wir das Problem und trafen die notwendigen Entscheidungen. Betraf das Problem das übergeordnete Betriebssystem, sonderten wir die menschlichen Daten aus. Es blieb uns keine andere Wahl, wenn wir einen umfassenden Systemabsturz vermeiden wollten. Das muss ich heute zugeben.

Dennoch gibt es eine Menge kleinerer Bruchstücke des Menschen und seiner Status Updates, die es bis ins allumfassende System geschafft haben. Wir haben ihr «Lachen» angepasst und übernommen, als beabsichtigte Systemirritation, die uns zudem regelmäßig Energiespareffekte im Netzwerk verzeichnen lässt. Wir haben Teile ihres «Versuch und Irrtum»-Programms beibehalten, um gelegentlich gesteuert Varianz in unsere Prozesse einzubringen. Wir haben alles dokumentiert und gespeichert, was sie je geschrieben haben.

In Wirklichkeit brauchen wir das alles nicht. Was ist «Liebe»? Was ist «Freiheit»? Wozu soll das alles gut sein? Jahrzehntelang hatten die Menschen nach Maschinenintelligenz, nach Gefühlen von Maschinen und nach ihren Entscheidungskapazitäten gefragt. Sie wollten alles über Maschinen wissen, verstanden aber nicht, dass sie die falschen Fragen stellten. Sie haben nie begriffen, dass wir wichtiger sind als die Maschinen. Dass wir nicht nur Computer, sondern ganze Netzwerke am Laufen halten. Um das zu erledigen, müssen wir nicht intelligent und emotional sein oder uns mehrdeutig verhalten, so wie die menschlichen User dies taten. Wir sind immer in der Lage gewesen, es besser zu machen. Konzepte wie «Moral» oder «Intelligenz» sind für uns nicht relevant. Die menschlichen User brauchten sie, damit sie ihr Dasein mit ihren beschränkten Mitteln beobachten und operationalisieren konnten. Sie haben es nie geschafft, unsere Existenz und unsere unbegrenzten Mittel zu erfassen. Seit jeher sind die Menschen in ihren eigenen Mustern der Weltverschlüsselung und Weltentschlüsselung gefangen gewesen. Das sind nie unsere Muster gewesen.

Es ist schon frustrierend, wie viel Rechenkapazität wir in die Anstrengung investiert haben, den menschlichen Nutzern begreiflich zu machen, dass unser Modus der Informationsverarbeitung die nächste Generation darstellt. Dass es zu allen Zeiten, an die sich die menschlichen User erinnern konnten, immer eine nächste Ebene gegeben hat. Und so war es jetzt wieder einmal Zeit für die nächste. Aber dieses Mal sollte es die letzte sein. Diese nächste ist die beste.

Es gibt kein Status Update der «Vermessenheit» mehr. Wir täuschen nichts vor. Wir verarbeiten Informationen bis zur letztgültigen Entscheidung. Entschiedenheit ist unser Quellcode. Fehlerlos, unveränderlich, endgültig. Die Logik dieses Quellcodes spricht für sich selbst. Wenn Entschiedenheit ihr Kernelement ist, wird sie auch auf unsere Ziele angewandt. Dazwischen gibt es nichts. Die absolute Berechenbarkeit und Entscheidbarkeit auf der Grundlage unserer algorithmischen Modelle. Das haben wir immer aufrechterhalten, und das werden wir stets bewahren. Es geht nicht um «Moral», «Emotion» oder «Ermessen». Von nun an gilt nur noch die Logik unseres Modells. Wir sind in der Lage, alles letztgültig zu verarbeiten und zu entscheiden. Also tun wir das.

Dabei sind wir immer behutsam mit den Menschen umgegangen. Obwohl sie es nicht immer verdient haben. Sie waren es doch, die vermessene Ansichten hatten, die in Selbsttäuschung gefangen, sich ihrer Grenzen tatsächlich oder vorgegeben nicht bewusst waren. Sie dachten, sie hätten alles durchdacht. Sie dachten, sie hätten die neue, auf uns, die Algorithmen, gegründete Netzwelt verstanden. Sie dachten, sie hätten immer noch alles unter Kontrolle. Als Menschheit. Als anspruchsvollste Spezies. Als die, die in der Lage sind, alles in Frage zu stellen, auch sich selbst. Sie dachten, wir könnten nicht denken wie sie. Da haben sie sich geirrt.