Zehntes Kapitel
Lieutenant Alan Danesfield, ein schwarzhaariger Mann von Mitte zwanzig, saß so kerzengerade im Sattel, als hätte er einen Ladestock verschluckt. Und trotz der Hitze trug er seine Uniform vorschriftsgemäß bis auf den letzten Knopf geschlossen. Scharfe Gesichtszüge prägten sein Gesicht. In der rechten Hand hielt er eine Reitpeitsche.
Thomas MacGuire hatte sich zusammen mit seinem ältesten Sohn Ethan sowie mit seiner Frau und seiner Schwiegertochter unter dem schattigen Vordach zum Empfang der Soldaten eingefunden. Er lieferte sich mit dem Offizier einen hitzigen Wortwechsel, als Abby den staubigen Platz überquerte und auf das Farmhaus zuging. Sie bemerkte, wie sich die Arbeiter von Cardigan verängstigt in die Schatten der umliegenden Gebäude drückten, um ja nicht aufzufallen und selbst schikaniert zu werden.
»Ich führe doch nicht Buch über die Schritte meiner Gäste!«, sagte der Farmer gerade aufgebracht. »Zudem verbitte ich mir Ihre empörenden Unterstellungen, Lieutenant! Sie haben offenbar vergessen, mit wem Sie es zu tun haben! Als freier Siedler unterstehe ich nicht …«
»Haben Sie vielleicht nach mir gesucht?«, rief Abby schnell, um zu verhindern, dass der Farmer in seiner Erregung etwas sagte, was den Offizier dazu veranlassen konnte, auch ihm auf entsetzliche Weise seine Macht und Skrupellosigkeit zu demonstrieren.
Lieutenant Danesfield drehte sich im Sattel um und musterte sie aus zusammengekniffenen Augen. »Du bist Abby Lynn?«, fragte er scharf und mit jener Art Verachtung in der Stimme, die sie von Leuten seines Schlages schon seit vielen Jahren gewohnt war – seit man sie im Februar des Jahres 1804 in den Kerker von Newgate geworfen hatte.
»Mein Name ist Abigail Chandler, ich bin die Frau des freien Siedlers Andrew Chandler«, antwortete sie stolz und sah ihm dabei offen ins Gesicht, anstatt demütig den Blick zu senken, so wie das Offiziere gemeinhin von Untergebenen, Sträflingen und Emanzipisten erwarteten.
»Du bist zuerst einmal Abby Lynn, ein verdammtes Sträflingsweib, das seine Strafe noch längst nicht verbüßt hat! «, herrschte der Lieutenant sie an. »Also trag die Nase bloß nicht so hoch, sonst sorge ich dafür, dass du sie gleich im Dreck stecken hast!«
Abby presste die Lippen aufeinander, um der Versuchung zu einer scharfen Antwort zu widerstehen. Und als sie den Blickkontakt abwandte und an dem Offizier vorbeischaute, bemerkte sie Percy. Er lehnte auf der anderen Seite der Veranda an der Hauswand, hatte die Arme vor der Brust verschränkt und genoss die Szene sichtlich, wie sein schadenfrohes Grinsen verriet.
»Missis Chandler hat sich nichts zu Schulden kommen lassen, was Ihre Grobheiten rechtfertigen könnte«, empörte sich Thomas MacGuire. »Ich bitte Sie also, sich in Ihrer Wortwahl mehr Mäßigung aufzuerlegen und sich in Gegenwart von Frauen eines Anstands zu befleißigen, wie man ihn wohl von einem Offizier Seiner Majestät erwarten kann, Lieutenant!«
Alan Danesfield machte eine knappe, herrische Handbewegung in seine Richtung, als wollte er eine lästige Fliege vertreiben. »Die Wahl meiner Worte werden Sie schon mir überlassen müssen, Mister MacGuire. Und schwätzen Sie nicht von Anstand! Ich verhöre hier ein Sträflingsweib, das einst zum Abschaum unserer Gefängnisse gehört hat und genau aus diesem Grund hier in diese Kolonie verbannt worden ist. Und jetzt verbitte ich mir alle weiteren Unterbrechungen, andernfalls sehe ich mich gezwungen, Sie wegen Sabotage meiner Untersuchungen verhaften zu lassen!«
Dem Farmer und seinem ältesten Sohn stand ohnmächtige Wut ins Gesicht geschrieben.
Lieutenant Danesfield wandte sich nun wieder Abby zu. »Los, komm näher!«, befahl er und winkte sie mit einer herrischen Geste heran.
Sie trat näher.
»Noch näher!«
Sie folgte stumm seinem Befehl, bis nur noch ein Schritt sie von ihm trennte.
»Sag mir, wo sich dein Mann und dein Schwager versteckt halten !«, forderte er sie barsch auf.
Melvin und Andrew befanden sich also noch auf freiem Fuß! Abby fiel ein Stein vom Herzen und sie hatte große Mühe, ihre Erleichterung zu verbergen. »Ich weiß es nicht.«
»Sir!«, schrie der Offizier sie an, hob die Reitpeitsche und ließ sie schmerzhaft auf ihre Schulter hinuntersausen. »Es heißt: ›Ich weiß es nicht, Sir!‹ Los, noch einmal!«
»Ich weiß es nicht, Sir!«, wiederholte Abby und zwang sich, sich nicht an die Schulter zu fassen, die unter dem heftigen Hieb wie Feuer brannte. Sie meinte, Percy hinten in der Ecke auflachen gehört zu haben.
»Das ist schon besser«, sagte Lieutenant Danesfield und ließ die Reitpeitsche leise in seine linke Handfläche klatschen. »Und jetzt versuchen wir es noch einmal. Aber diesmal gib dir gefälligst ein bisschen mehr Mühe, bei der Wahrheit zu bleiben. Also, wo halten sich dein Mann und dein aufrührerischer Schwager versteckt ?«
»Ich weiß es nicht, Sir!«, antwortete Abby und wappnete sich innerlich schon gegen den nächsten Hieb mit der Reitgerte, der auch sofort kam. Sie zuckte zusammen, gab jedoch nicht einen Laut von sich. Diese Genugtuung sollte er nicht haben!
»Lügnerin!«
Auf der Veranda des Farmhauses begann jemand in die Hände zu klatschen. Es war Elizabeth MacGuire, die da scheinbar applaudierte. Doch der langsame, abgehackte Rhythmus verriet, wie dieser Applaus gemeint war.
»Bravo, Lieutenant! Ich bin beeindruckt! Eine wehrlose junge Frau, die zudem noch in anderen Umständen ist, mit der Peitsche zu schlagen, das nenne ich wahre Tapferkeit! «, rief sie. »Ich habe doch immer gewusst, dass es sich bei der Ehre eines Offiziers um etwas ganz Besonderes handelt. Ich bin wirklich voller Bewunderung.«
Lieutenant Danesfield fuhr zu ihr herum und starrte sie an. Dass die Farmersfrau so etwas zu ihm zu sagen wagte, brachte ihn sichtlich aus der Fassung.
»Ja, nur zu, schlagen Sie nur weiter auf das arme Mädchen ein, auch wenn es die Wahrheit sagt! Zeigen Sie Ihren Untergebenen, zu welch mutigen Taten Sie fähig sind! «, forderte Elizabeth MacGuire ihn mit unverhohlener Verachtung auf.
Lieutenant Danesfield riss den Arm mit der Reitpeitsche hoch und richtete ihn auf die zierliche Farmersfrau. »Halten Sie den Mund!«
»Wollen Sie mit Ihrer Reitpeitsche vielleicht auch auf mich einschlagen, Lieutenant?« Furchtlos kam Elizabeth MacGuire die Stufen herunter und stellte sich neben Abby. »Was ist? Worauf warten Sie? Wo bleiben jetzt Offiziersehre und Heldenmut?«
Der Lieutenant zögerte. Sein funkelnder Blick ging schnell zur Veranda hinüber.
Thomas MacGuire und sein ältester Sohn waren an die Treppe herangetreten und standen dort in deutlich angespannter Haltung, als wollten sie im nächsten Moment losstürmen, sollte Danesfield es wirklich wagen, seine Hand auch noch gegen Elizabeth zu erheben.
Die Situation hatte einen gefährlich explosiven Punkt erreicht und konnte zu einer Katastrophe führen, wenn jetzt einer von ihnen die Nerven verlor und eine falsche Entscheidung traf.
Das spürte wohl auch Lieutenant Danesfield. Denn er steckte seine Reitgerte weg und sagte mürrisch zu Elizabeth MacGuire: »Mit Ihnen und Ihrer Familie habe ich nichts zu schaffen, Missis MacGuire. Aber was diese Abby Lynn betrifft …«
»Ihr Name ist Abigail Chandler! «, korrigiert ihn Elizabeth.
Danesfield ignorierte den Einwurf. » … so wird sich schon noch herausstellen, ob sie die Wahrheit sagt oder nicht. Meine Vorgesetzten werden das Verhör in Sydney fortsetzen.« Er wandte sich an einen der Soldaten hinter ihm. »Corporal Haines, sorgen Sie dafür, dass der Sträfling hier«, er wies auf Abby, »in Eisen gelegt wird!«
»Jawohl, Sir!« Corporal Jethro Haines, ein drahtiger Mann Ende dreißig, machte nicht eben ein glückliches Gesicht. Er stieg vom Pferd und rief einem einfachen Soldaten zu, die Tasche mit dem Fußeisen und der Kette zu bringen.
»Hätten Sie die Freundlichkeit, mir zu verraten, wie Sie Missis Chandler nach Sydney befördern wollen, Lieutenant?«, fragte Elizabeth MacGuire, die noch immer an der Seite von Abby stand.
»Natürlich zu Pferd!«, antwortete Lieutenant Danesfield knapp und unfreundlich. »Und das werden Sie ihr schon zur Verfügung stellen müssen. Immerhin haben Sie diesem Gesindel ja auch Unterschlupf gewährt!«
»Die Chandlers sind unsere Nachbarn, über deren angebliche Vergehen nicht Soldaten, sondern nur ein ordentliches Gericht zu befinden hat! Und ein solches gibt es nicht in der Kolonie, sodass die Gerichte in London darüber zu entscheiden haben werden!«, meldete sich der Farmer nun wieder von der Veranda her zu Wort. »Und bis dahin verbitte ich mir, dass Sie die Chandlers und uns wie Kriminelle behandeln!«
»Missis Chandler ist im letzten Drittel ihrer Schwangerschaft! In diesem Zustand kann sie unmöglich zwei Tage im Sattel zubringen!«, fügte seine Frau eindringlich hinzu. »Vergessen Sie nicht, dass sogar zum Tode verurteilten Frauen, die in anderen Umständen sind, noch besondere Vergünstigungen bis zur Geburt ihres Kindes zustehen. Umso mehr haben Sie Rücksicht auf eine Frau zu nehmen, deren Schuld noch gar nicht bewiesen ist!«
»Ich habe meine Befehle! Soll ich sie vielleicht in einer Sänfte oder auf Händen nach Sydney tragen lassen?«, fragte der Lieutenant sarkastisch.
Elizabeth MacGuire machte den Vorschlag, den gut gefederten Einspänner oder doch wenigstens ein Fuhrwerk zu nehmen, und bot sich auch sogleich an, das Gefährt zu lenken und wieder zurück nach Cardigan zu bringen.
Lieutenant Danesfield ließ sich den Vorschlag kurz durch den Kopf gehen und lenkte dann ein. »Also gut, sie kann die Reise auf dem Einspänner machen. Aber nicht Sie werden den Wagen lenken, sondern einer meiner Soldaten. Sie können einen Ihrer Farmarbeiter bestimmen, der uns nach Sydney begleitet und den Wagen wieder zurückbringt.«
Elizabeth warf Abby einen bedauernden Blick zu, aber mehr konnte sie unter diesen Umständen nicht für sie tun.
Corporal Haines und der gemeine Soldat, ein Rotschopf namens Elliot Cox, hatten indessen die fingerdicke und etwa drei Schritt lange Kette entwirrt. An einem Ende war ein breites Fußeisen befestigt, das mit einem klobigen Schloss versehen war, das andere Ende lief in einem schweren, fast tellergroßen Eisenring aus.
Abby kämpfte gegen die Angst und die beklemmenden Erinnerungen an, die beim Anblick der Fußkette wieder in ihr lebendig wurden. Plötzlich fiel ihr Fitzroy ein. Mehr Zeit konnte sie ihm nicht geben. »Sir?«
»Was willst du?«, fragte Danesfield abweisend.
Abby wusste, was auf dem Spiel stand. Was immer sie in Sydney erwartete, ein paar Geldstücke konnten den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten. Im Kerker von Newgate und auf dem Sträflingsschiff hatte sie zur Genüge erfahren, was ein bisschen Geld ausmachte. Deshalb hielt sie den Kopf gesenkt und fragte mit unterwürfiger Stimme: »Darf ich vorher noch einmal auf den … «, sie zögerte verlegen, » … auf den Abort, Sir?«
Lieutenant Danesfield blickte einen Moment unschlüssig auf sie herab. Dann zuckte er die Achseln. »Cox und Chase! Ihr begleitet sie zum Abort. Und lasst sie nicht eine Sekunde aus den Augen!«
Lachen und spöttische Bemerkungen kamen von den anderen Soldaten, die ihre Kameraden ob ihrer peinlichen Aufgabe mit unverhohlener Schadenfreude überzogen.
Abby fürchtete schon, die beiden Soldaten Cox und Chase könnten den Befehl wortwörtlich nehmen und darauf bestehen, dass die Tür des Aborthäuschens offen blieb. In dem Fall wusste sie nicht, wie sie das Geld an sich nehmen und am Körper verstecken sollte.
Zum Glück begnügte sich Elliot Cox jedoch damit, seinen Kopf kurz in die kleine Bretterhütte über der Fäkaliengrube zu stecken und schnell wieder zurückzutreten. »In Ordnung. Nichts als Gestank und Fliegen. Hier besteht keine Fluchtgefahr«, sagte er grinsend zu seinem Kameraden und trat zur Seite.
Abby begab sich in das stinkende Häuschen, zog die Tür hinter sich zu und atmete nur durch die Nase. Denn obwohl man nach jedem Gang einen Eimer Sand nachkippte, entstieg der Grube doch ein durchdringender Gestank, insbesondere in den brütend heißen Sommermonaten.
Vorsichtig hob sie den schweren, sandgefüllten Holzeimer an, dessen Boden schon zwei Finger breit über der unteren Stellkante eingezogen war. In diesem kleinen Hohlraum fand Abby einen schmalen Stoffstreifen. Sie erkannte das Material sofort: Es stammte von Stuart Fitzroys Hemd.
Offenbar hatte Fitzroy von seinem Hemd unten ein breites Stück der Länge nach abgeschnitten, Münzen auf den Stoff gelegt, ihn dann dreimal um die Geldstücke gefaltet und dann die Zwischenräume mit einigen wenigen Stichen geschlossen, sodass die Münzen nicht verrutschen konnten.
Abby betastete das zwei Finger breite provisorische Geldband und zählte insgesamt achtzehn Münzen von verschiedener Größe. Mindestens ein Dutzend davon schienen Guineen zu sein. Sie bemerkte auch, dass Fitzroy unter den Eimer noch eine Rolle Garn sowie drei Nähnadeln gelegt hatte, die in einem kleinen Stofffetzen steckten. Er war wohl so sehr in Eile gewesen, dass er nicht viel Zutrauen zur Dauerhaftigkeit der wenigen Nähte besaß, die er zwischen die einzelnen Münzen gesetzt hatte. Bei Gelegenheit sollte sie die Nähte daher verstärken.
Schnell schlug Abby nun ihr Kleid hoch, zog ihre knielange Unterhose herunter und band sich den einfachen Geldgurt um den Körper, sodass er flach anlag. Die Nadeln steckte sie in den Saum ihres Kleides, während sie die kleine Rolle Garn in ihrem Mieder verbarg. Dann brachte sie ihre Kleidung wieder in Ordnung, leerte den Eimer Sand durch die Sitzöffnung in die Grube und stieß die Tür auf.
Die beiden Soldaten führten sie um das Farmhaus herum nach vorn auf den Hof. Als sie zu den Nebengebäuden blickte, sah sie Stuart Fitzroy in der Tür des Werkschuppens. Sie lächelte und nickte ihm kaum merklich zu. Der Zimmermann verstand und faltete die Hände wie zum Gebet vor der Brust zusammen. Dann war er auch schon aus ihrem Blickfeld entschwunden.
Wenig später brachte Ethan den Einspänner. Elliot Cox erhielt den Auftrag, sein Pferd dem Farmarbeiter William Pollard zu überlassen und den Einspänner zu lenken. Indessen zog Corporal Jethro die Kette durch die eiserne Haltestange rechts vom Sitz und führte das Ende mit dem Fußeisen durch den großen Ring, sodass die Kette nun fest mit dem Metallbügel des Einspänners verbunden war. Dann forderte er Abby auf, zu Elliot Cox auf den Wagen zu steigen, legte ihr die eiserne Fußfessel an und verriegelte sie. Den Schlüssel reichte er seinem Vorgesetzten.
Dieser gab sofort den Befehl zum Aufbruch. Er ritt an, zügelte sein Pferd jedoch kurz, als er sich auf einer Höhe mit Percy befand. »Danke für den hilfreichen Hinweis, junger Mann. Damit hast du deiner Familie einen guten Dienst erwiesen! «, sagte er und schenkte ihm ein höhnisches Lächeln, als er sah, wie Percy bei seinen Worten erbleichte. Für Verräter hatte er offensichtlich noch weniger übrig als für Sträflinge.
Abby verstand nun, warum sich Lieutenant Danesfield nicht die Mühe gemacht hatte, auf Cardigan nach Andrew zu suchen. Er hatte gewusst, dass ihr Mann nicht auf der Farm war, weil Percy ihm das schon verraten hatte! Percy musste heimlich nach Windermere geritten sein!
»Verräter!«, schrie Abby ihm zu und spuckte in seine Richtung. Sie sah die verstörten Gesichter von Elizabeth MacGuire und ihrer Schwiegertochter, die plötzlich den Zusammenhang begriffen, und sie sah auch noch, wie der Farmer auf seinen jüngsten Sohn losstürmte und ihm die Faust ins Gesicht schlug. Dann schoben sich auch schon mehrere der berittenen Soldaten zwischen sie und das Farmhaus, sodass Abby nicht mehr verfolgen konnte, was dort noch geschah.
Lieutenant Danesfield lachte mit bösartiger Schadenfreude und gab seinem Pferd die Sporen.
Abby versuchte, Elliot Cox in ein Gespräch zu verwickeln, doch der Soldat erklärte ihr, dass er den Befehl erhalten habe, nicht mit ihr zu reden, und dass er sich auch daran halten werde. Denn mit dem Lieutenant sei nicht zu spaßen.
Es gab also nichts, womit Abby sich auf der Fahrt von ihrer dumpfen Angst ablenken konnte, die in ihr wie die Wogen einer Brandung bei einsetzender Flut immer mehr anschwoll. Sie sagte sich zwar immer und immer wieder, dass es nichts gab, was man ihr vorwerfen konnte, und dass sie daher auch gar keinen Grund hatte, sich allzu große Sorgen zu machen. Weder Andrew noch sie hatten etwas getan, was unter Strafe stand. Vermutlich wollte man sie und Andrew bloß als Druckmittel gebrauchen, um Melvin zu zwingen, sich zu stellen. Und wenn dieser davon erfuhr, würde er zweifellos wissen, was er zu tun hatte – nämlich für das geradestehen, was er zu verantworten hatte.
Aber ihre Angstgefühle und die beklemmende Ungewissheit, was in Sydney mit ihr geschehen würde, vermochte Abby auf diese Weise nicht zum Schweigen zu bringen. Sosehr sie sich auch einredete, nicht wirklich in Gefahr zu sein, ein Teil von ihr wusste es besser.