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Jeeter dämmerte vor sich hin und murmelte dabei. Fats schnarchte wie eine betrunkene, fette Frau. Banjo war aufgestanden und wärmte sich am Feuer, aber auch er war müde. Zu diesem Zeitpunkt hielt er es für unnötig, noch Wache zu schieben. Er hatte schon einmal vorgeschlagen, nach drinnen zu gehen, doch Jeeter wollte nicht.
Eine Handvoll der verpeilten Bastarde war während der letzten Stunde in Banjos Wachbereich vorgestoßen, doch ein Kuss von Old Crow hatte sie rasch ausgeschaltet. Old Crow, so nannte er eine äußerst wuchtige Brechstange, die er aus dem Markt entwendet hatte. Wenn er keinen Gebrauch davon machte, legte er sie auf seine rechte Schulter, doch begann er erst einmal, das zehn Pfund schwere und 36 Zoll lange Werkzeug aus Stahl zu schwingen, zerbrachen Schädel wie Eierschalen.
Er ging im Kreis über ihr kleines Lager, hob zwei Kisten Brennholz von einer breiten Auslage neben dem Eingang und warf sie aufs Feuer. Dann ließ er sich wieder auf seinen Stuhl fallen und griff zu einem Bier. Nachdem er es ausgetrunken hatte, warf er die Dose in die Flammen, erhob sich abermals und drehte eine Runde, um wach zu bleiben. Banjo war Jeeters ergebener Handlanger und würde nicht klagen. Theoretisch hätte er Fats dazu verdonnern können, den Wachdienst zu übernehmen – theoretisch. Fats war geistig behindert oder so gut wie, weshalb er es vermasseln würde. Fats eignete sich trefflich als Rückendeckung im Kampf, taugte aber sonst zu nichts. Er konnte mit Ach und Krach sein Motorrad im Gleichgewicht halten.
Banjo fragte sich, ob der schwarze Affe noch in der Halle oder durch die Hintertür getürmt war. Fats und er hatten beide Ausgänge bewacht, während Jeeter knapp eine Stunde lang drinnen gewesen war, um ihn aufzuspüren. Der Typ musste sich verpisst haben. Plötzlich hielt Banjo still und vergaß alles, woran er gerade gedacht hatte.
War das gerade ein aufheulender Motor gewesen? Es kam irgendwoher aus dem Dunkeln, doch genau konnte er es nicht bestimmen. Jetzt klang es, als würde ein Wagen beschleunigen, und das Geräusch wurde lauter, während es näherkam. Ein großer Van schoss hinter dem Baumarkt hervor. Er beschrieb einen Bogen und rollte geradewegs auf die Biker zu, ehe er nur wenige Fuß vor ihnen vorbeiraste. Zu diesem Zeitpunkt johlte Banjo bereits und setzte sich auf sein Motorrad. Er drehte den Zündschlüssel um, woraufhin es knatternd ansprang.
Als Sal das Brummen hörte, fragte er: »Ich dachte, du hättest irgendwas mit den Rädern angestellt?«
Ron lächelte. »Habe ich auch. Keine Bange, warte mal ab.«
Jeeter stand mit Müh und Not auf, während Fats weiter sägte, weshalb er ihm einen Tritt gegen den Kopf versetzte. Schließlich liefen beide Männer zu ihren Maschinen. Als der Van an ihnen vorbeifuhr, bremste der Fahrer ein wenig. Der Schwarze saß auf der Beifahrerseite und rief durchs Fenster: »Master, ich froh, ich nicht muss hängen!« Ron hielt stolz einen ausgestreckten Mittelfinger hoch.
Die Wut im Bauch verlieh ihm Mut, während Sal Todesängste ausstand und aufs Gas trat. Ron streckte den Kopf immer noch weit aus dem Fenster und schaute zurück. »Sal, bleib stehen. Stopp! Wir müssen sehen, ob es geklappt hat.«
»Und wenn nicht?«
»Tja, dann sind wir sowieso am Arsch, egal ob wir warten oder weiterfahren.«
Sal ließ den Van langsam vorwärtsrollen, ohne den Gang herauszunehmen. Endlich brausten auch die anderen beiden Motoren auf. Banjo wartete darauf, dass Jeeter die Führung übernahm. Jeeter gab Gas, ließ die Kupplung kommen und schoss wie eine Rakete los. Banjo folgte sofort, da bockte die Maschine seines Anführers plötzlich, als wäre er gegen eine unsichtbare Mauer gefahren. Jeeter segelte über die Lenkstange durch die Luft. Banjo reagierte sofort, indem er eine Vollbremsung machte, das Rad herumriss und seitlich schlitternd stehenblieb. In diesem Augenblick entdeckte er ein dünnes Metallkabel, das durch den Rahmen der Maschine und zurück in die Dunkelheit führte, wo es zweifellos an einem der vielen Betonpfosten entlang des Markteingangs befestigt war. Sein rasches Abbremsen hatte ihn vor Jeeters Schicksal bewahrt, doch Fats in seiner Begriffsstutzigkeit, der gleich hinter ihm gerast kam, ging weder in die Eisen oder wich aus, noch dämmerte ihm überhaupt, was passierte, bis es zu spät war. Er beschleunigte noch, als er Banjo in die Seite fuhr.
Der schaffte es kurz vor dem Zusammenstoß der beiden Motorräder, sich in Sicherheit zu bringen. Als Fats seine Maschine rammte, überrollte es sie glatt, blieb dann aber genauso ruckartig stehen wie Jeeter zuvor. Der Dicke flog über seinen Lenker und klatschte auf die Straße wie ein Sack nasser Lumpen. Jeeter lag ein Stück weit vor seinem Rad mit dem Gesicht auf dem Asphalt und rührte sich nicht.
Banjo setzte sich in Bewegung. Der Van war schon weit die Straße hinuntergefahren, und die roten Heckleuchten wurden im Dunklen immer kleiner. Er glaubte zu erkennen, dass sie abbogen, doch vielleicht versperrte bloß ein Gebäude die Sicht. Jeeter blieb reglos liegen, während Fats vor Schmerz jammerte und brüllte. Banjo lief zu seinem Boss hinüber und klopfte ihm auf die Wangen, damit er zu sich kam. Jeeter hatte sich ein paar üble Schrammen und Abschürfungen zugezogen, kam aber fluchend wieder auf die Beine. Er war stark betrunken und spürte kaum etwas. Banjo schlug auch Fats ins Gesicht, allerdings um ihn ruhigzustellen. Wie es aussah, hatte er sich ein Bein gebrochen und ein Handgelenk verstaucht, denn es war stark angeschwollen.
Am übelsten erwischt hatte es ihre Motorräder. Alle drei sahen verdammt nach Totalschaden aus.
Jeeter nuschelte etwas, Fats wimmerte. Banjo hingegen starrte ins Dunkel, wo der Van verschwunden war, und sah nichts als rot. Er kochte vor Wut.
Diese Arschlöcher waren so gut wie tot.