Kapitel 10

Berlin, Deutsches Reich,
März 1908

Demy taumelte gegen die Tormauer. Ihr Gesicht brannte wie Feuer und ihr langer Mantel wickelte sich unglücklich um ihre Beine. Allerdings war es nicht sie, die einen Schmerzenslaut ausstieß, sondern die an der Mauer zusammengekrümmt kauernde Person.

Von ihrem Angreifer, der sie inzwischen losgelassen hatte, kam ein schreckliches Stöhnen, das in ein heftiges Keuchen überging. Nun wusste Demy zumindest, dass sie es mit einer Frau zu tun hatte, die offenbar schreckliche Schmerzen litt. Zwar klopfte ihr Herz noch immer rasend schnell, dennoch gelang es ihr, ihre wild dahinjagenden Gedanken in geordnete Bahnen zu lenken.

»Was ist denn mit Ihnen?«, fragte sie mit zittriger Stimme, sorgsam darauf bedacht, der zusammengekauerten Gestalt nicht zu nahe zu kommen.

»Kind kommt«, lautete die undeutliche Antwort, ehe das Keuchen wieder in ein Angst einflößendes Stöhnen überging.

»Sie bekommen ein Kind? Aber doch nicht hier!« Entsetzt nahm Demy den dumpfen Geruch von Abfällen und Exkrementen wahr, der aus dem Hinterhof am Ende des Torbogens zu ihr drang.

»Doch! Helfen!«

»Ich kann versuchen, Hilfe zu finden«, stammelte Demy, wurde aber von einem unbarmherzigen Griff um ihr Handgelenk am Aufstehen gehindert.

»Sie müssen mir helfen!«, schrie die Frau sie an, schnappte dann nach Luft und schien diese anzuhalten.

»Ich?« Erneut stieg Panik in Demy auf. Unmöglich konnte sie bei einer Geburt Hilfe leisten. Gehetzt sah sie sich um, doch mehr als diffuse Schatten konnte sie nicht sehen. Niemand war da, der ihnen helfen könnte. Die Frau umklammerte auch ihr zweites Handgelenk und führte ihre Hände unter ihren Rock.

Demy verging nahezu vor Scham und Hilflosigkeit, bis ihre Finger ausgesprochen weiche, leicht behaarte Haut spürte, die über einem winzigen Kopf gespannt war. Das Kind hatte seinen Weg auf die Welt fast schon geschafft!

Da sie unmöglich zulassen konnte, dass dieser kleine Mensch in den kalten Schmutz der Straße fiel, behielt Demy ihre Hände dort. Nach zwei Wehen, die die Gebärende fast lautlos über sich ergehen ließ, glitt das Kind in Demys Arme.

»Es ist da«, hauchte sie und trotz der verwirrenden Situation, in der sie sich befand, breitete sich ein Gefühl von Freude und Ehrfurcht in ihr aus.

Die Frau ließ sich rücklings gegen die Wand fallen, zerrte ihren Rock höher und machte sich an irgendetwas zu schaffen. Ob sie eine Schere oder ein Messer bei sich trug? Durchtrennte sie damit die Nabelschnur?

»Nehmen Sie es weg!«, flüsterte die Unbekannte. Schnell gehorchte Demy. Sie erhob sich vorsichtig mit dem Kind und trat einen Schritt zurück.

Die Mutter presste nochmals, stand kurz darauf ebenfalls auf und lehnte mit der Schulter gegen die Tormauer, wohl um ihre Kleidung zu ordnen.

»Haben Sie irgendetwas bei sich, worin wir ihr Kind einwickeln können?«, fragte Demy und schaute auf das Neugeborene hinunter. Dieses begann sich zu regen und stieß einen ersten, jammernden Laut aus.

»Nein.«

»Am besten, wir bitten in einem der Häuser um ein Stück Stoff, was denken Sie?«

»Klar!«

Ungeachtet des Blutes und der schmierigen Schicht auf seiner Haut drückte Demy das Kleine an sich und schlug ihren Mantel um es, damit es nicht noch mehr auskühlte. Langsam, damit die von der Geburt geschwächte Mutter mit ihr mithalten konnte, ging sie durch den Torbogen in den Innenhof. Hektische Schritte hinter ihr ließen sie herumwirbeln. Die Mutter rannte auf und davon!

Als ob das Kind dies spürte, begann es heiser klingende Geräusche auszustoßen, die sich sehr schnell in ein herzzerreißendes Weinen verwandelten.

»Warten Sie!«, schrie Demy, woraufhin das Neugeborene erschrocken die Arme spreizte, und lief zurück auf den Weg. Aufgebracht blickte sie sich um, doch bis auf einige spätabendliche Passanten beim Schloss war die Straße menschenleer.

Ihre Schultern sackten nach unten. Was war nur in diese Frau gefahren? Sie konnte doch nicht einfach ihr Kind zurücklassen!

Demy, zutiefst verwirrt über die Geschehnisse der letzten Minuten, rümpfte ihre Nase. Sie verstand die Welt nicht mehr. Was bewog eine Mutter, ohne ihr Neugeborenes wegzulaufen? Was hätte sie getan, wenn Demy nicht vorbeigekommen wäre? Bei der Vorstellung, dass dieses zarte, unschuldige Wesen allein im Schmutz dieser Gasse geendet hätte, packte Demy die Wut.

Wie hartherzig, selbstsüchtig und grausam war diese Frau?

Neben allem Zorn wurde Demy schnell klar, dass sie ein Problem hatte. Und das wand sich in ihren Händen, wimmerte und zitterte vor Hunger und Kälte.

So wie sie es noch von Feddo in Erinnerung hatte, aber dennoch schrecklich unbeholfen, legte sie das Kind vorsichtig auf ihren linken Arm, schlüpfte aus ihrem Mantel, tat dasselbe auf der anderen Seite und wickelte das Kind in das warme Kleidungsstück ein, bis nur noch die Augen, die Nase und der Mund des Neugeborenen zu sehen waren. Mit dem Bündel im Arm trat sie auf die beleuchtete Straße beim Schloss.

Prüfend warf sie einen Blick auf das Gesicht des Säuglings, wobei ihr beim Anblick der geröteten Haut und des klitzekleinen Näschens die Tränen kamen. Was für ein Wunder so ein kleines Menschenkind doch war! Wie konnte man es einfach zurücklassen? Die Mutter hatte ihrem Kind ja nicht einmal einen Blick gegönnt.

Demy war unendlich dankbar, dass sie zum rechten Zeitpunkt am richtigen Ort gewesen war, obwohl sie keine Ahnung hatte, was sie nun mit ihrem Findling tun sollte.

***

Vor dem Haus der Meindorffs angekommen stieg Demy unbeholfen aus und bat den Taxifahrer, mit hineinzukommen. Sie besaß kein Geld, um den Mann zu entlohnen und hoffte, dass ihr jemand das Fahrgeld vorschießen würde.

Grummelnd folgte ihr der Chauffeur über die ausladende Treppe bis zur Tür und wartete neben ihr, als sie an der Glocke zog. Das Neugeborene, das im Automobil eingeschlafen war, begann sich zu rühren und stieß merkwürdige Laute aus, die ein Lächeln auf das Gesicht des Mädchens zauberten.

»Was haben Sie da eigentlich? Junge Katzen?«, wollte der Fahrer wissen.

»Nein, ein Kind.«

»Ein … sind Sie dafür nicht etwas zu jung?«

»Es ist nicht meines!«, erwiderte Demy erschrocken und hob erleichtert den Kopf, als der rechte Türflügel aufschwang. Ein Lichtschein aus dem kleinen Foyer fiel auf sie und ihren Chauffeur – und auf das erst fragende, dann entsetzte Gesicht des britischen Butlers Charles Sethwick.

»Fräulein van Campen? Wurden Sie überfallen? Sollen wir einen Arzt rufen?«

»Nein, Herr Sethwick, aber nein. Mir geht es gut. Ob Sie wohl bitte den Chauffeur für mich bezahlen könnten? Ich gebe Ihnen das Geld später wieder.«

»Was ist hier los? Wo warst du zu dieser späten Stunde?«

Demy schrak bei den herrischen Worten Meindorffs zurück. Ihre Hoffnung, sie könne ungesehen in den Dienstbotentrakt gelangen, zerschlug sich in diesem Augenblick.

Der Rittmeister trat näher, woraufhin Charles respektvoll zurückwich. Somit gelang es Demy nicht, sich hinter dem englischen Butler zu verstecken, was wünschenswert gewesen wäre, wie ihr ein Blick in das düstere Gesicht des Hausherrn verriet.

»Ist das deine Art, mit neuer Kleidung umzugehen? Wo kommst du überhaupt her? Und was willst du uns da ins Haus schleppen? Tollwütige Katzen?«

Erst jetzt wurde Demy sich ihres Aussehens bewusst. Ihren flotten Hut hatte sie verloren, der vornehme Mantel, den sie um das Baby geschlungen hatte, war ebenso mit Blut und Staub verschmutzt wie ihr Kleid. Außerdem signalisierte ihre schmerzende Wange ihr unbarmherzig, dass sie von ihrem Sturz gegen die Mauer mehr als nur eine unbedeutende Abschürfung davongetragen hatte.

»Keine Katzen, ein Kind. Und ich will endlich mein Geld!«, brachte der Taxifahrer sich in Erinnerung.

»Ein …?« Meindorff verschlug es die Sprache. Allerdings hatte er sich umgehend wieder im Griff, zog seine Geldbörse hervor und bezahlte den Chauffeur großzügig. Vermutlich war der Hausherr froh, einen möglichen Zeugen nachfolgender Auseinandersetzungen loszuwerden.

Demy zitterten die Knie, und das Kind in ihrem Arm begann erneut herzzerreißend zu weinen. Sie versuchte, sich davonzustehlen, und war bereits an den Stufen zum großen Foyer angelangt, als die beißende Stimme Meindorffs sie zum Halten zwang. »Wo in Gottes Namen hast du dich herumgetrieben, und woher stammt dieses Balg?«

»Ich war nur ein wenig spazieren, Herr Rittmeister. In einer Seitenstraße stieß ich auf eine Frau, die soeben niederkam. Direkt nach der Geburt verschwand sie und ließ das Kind zurück. Was hätte ich denn tun sollen? Ich konnte das Kind doch unmöglich sich selbst überlassen!«

»Genau das wäre die richtige Alternative gewesen!«, donnerten die wütenden Worte des Mannes auf sie herunter, der inzwischen ganz dicht vor sie getreten war.

»Aber …?«

»Höchstwahrscheinlich war die Mutter eine der Frauen, die ihren Körper …« Er räusperte sich und vollführte eine unwillige Handbewegung. »Fast täglich findet man verlassene Kinder auf den Plätzen oder zieht sie aus der Spree. Dieses eine mehr wird wohl kaum ins Gewicht fallen!«

»Das können Sie nicht ernst meinen, Herr Rittmeister!« Demy blitzte den Mann entsetzt an. Dieser verschränkte die Arme hinter seinem Rücken und beugte sich zu ihr hinunter, als sei sie ein kleines, unmündiges Kind. »Doch, das ist mein voller Ernst! Niemand will etwas mit so einem Kind zu tun haben! Ohnehin wäre es für das Kleine besser, du hättest es an Ort und Stelle sterben lassen.«

Wie unter Protest schrie das Kind nur noch lauter, und Demy drückte es schützend an sich.

»Das … das wäre grausam, Herr Rittmeister!«, flüsterte sie entsetzt.

»Gott wäre sicher gnädig gewesen und hätte es schnell sterben lassen!«

»Jesus sagt aber auch: Was ihr bei einem der Geringsten meiner Brüder und Schwestern unterlassen habt, das habt ihr an mir unterlassen10

Ob sie dieses Mal den Bogen überspannt hatte? Demy beobachtete die zunehmend dunkler werdende Gesichtsfarbe des Mannes und seine geballten Fäuste. Mühsam beherrscht wandte er sich an den Butler: »Hol die Degenhardt, Sethwick. Sie wird wissen, wo es ein Säuglingsheim gibt, und dem Schreihals vorher noch den Mund stopfen. Immerhin haben wir Gäste im Haus. Diese sollten nicht zwingend miterleben müssen, wie skandalös sich die Gesellschafterin meiner Schwiegertochter aufführt.«

Der Butler huschte eilends davon, um dem Auftrag nachzukommen, und Demy wollte schon erleichtert aufatmen, als der Patriarch sich im schneidenden Befehlston erneut an sie wandte: »Wir sprechen uns, sobald Degenhardt mit dir fertig ist und du dich wieder in einen menschenwürdigen Zustand gebracht hast.«

Die in seinem Tonfall versteckte Aufforderung, ihn nicht zu lange warten zu lassen, hörte Demy sehr wohl. Die eigentliche Standpauke lag also noch vor ihr, natürlich abseits der Öffentlichkeit.

Da auch sie nicht erpicht darauf war, auf einen der Gäste zu treffen, betrat sie trotz des Verbots den Seitenflügel mit den Arbeitsräumen und wartete dort auf Maria. Noch immer schrie das kleine Wesen aus Leibeskräften und ihr war bei dem Gedanken, das Kind bald schon in die Anonymität eines Säuglingsheimes geben zu müssen, kläglich schwer ums Herz.

Die Haushälterin eilte mit schnellem Schritt herbei, warf einen prüfenden Blick auf Demy, bevor sie ihr vorsichtig das Bündel aus dem Arm nahm. Die Tatsache, dass sie keine Fragen stellte, verriet Demy, dass Charles sie bereits ins Bild gesetzt hatte.

»Ein Junge oder ein Mädchen?«

»Das weiß ich gar nicht, Frau Degenhardt. Es war dunkel in der Gasse, als es auf die Welt kam, und später hatte ich keine Gelegenheit mehr nachzusehen.«

Maria schmunzelte und schälte das Neugeborene aus dem verschmutzten Mantel. »Ein Junge. Und ich werde ihm gleich seinen Nabel richten. Die Nabelschnur sieht ja aus wie abgebissen.«

Hilflos zuckte Demy mit den Schultern, lächelte aber, als der Kleine erneut lautstark brüllte.

»Er hat Hunger. Mal sehen, was wir dagegen tun können.« Die Frau beugte sich zu ihr herüber und flüsterte: »Fräulein van Campen, Sie haben das ganz richtig gemacht. Lassen Sie sich nichts anderes einreden. Dieser Junge verdient es zu leben.«

Demy, die die vernichtenden Worte des Hausherrn nur zu deutlich im Ohr hatte, spürte Tränen in ihren Augen brennen. »Danke«, murmelte sie und strich dem Kind über die Wange.

»Ich kümmere mich um den Kleinen und bringe ihn später ins Kaiserin-Auguste-Viktoria-Säuglingsheim. Möchten Sie ihm nicht einen Namen geben?«

»Ich?«

»Er verdankt Ihnen sein Leben, da ist es nur richtig, dass Sie ihm auch den Namen geben, den er dieses Leben lang tragen wird.«

»Wenn Sie meinen …«

Während das Neugeborene immer durchdringender nach Nahrung schrie und Maria das Kind zu beruhigen versuchte, wandte Demy sich nachdenklich ab.

»Nathanael!«, entschied sie sich endlich für einen Namen, dessen Bedeutung ihr bekannt war: Gott hat gegeben.

»Nathanael also. Eine schöne Wahl. Jetzt laufen Sie aber in ihr Zimmer. Den Herrn Rittmeister sollte man nicht warten lassen. Um Ihre verschmutzte Kleidung wird Henny sich kümmern, machen Sie sich darum keine Gedanken!«

»Vielen Dank, Frau Degenhardt.«

Maria schüttelte nur den Kopf und begann eine Melodie zu summen, während sie mit dem Kind aus der Tür ging.

Demy eilte die Stufen in den ersten Stock hinauf, machte sich frisch und schlüpfte in ein weiteres ihrer neuen Kleider. Nur wenig später fand sie sich mit klopfendem Herzen vor dem Arbeitszimmer des Rittmeisters ein. Dieser Raum lag direkt unter ihrem eigenen Zimmer neben dem Rauchersalon und war, wie sie nach dem Eintreten bemerkte, durch einen lichtdurchfluteten Glasanbau erweitert worden. Tagsüber bot sich dem Hausherrn hier sicherlich ein herrlicher Ausblick auf den Garten.

»Setz dich«, befahl Meindorff knapp.

Das Mädchen nahm auf einem der vier bereitstehenden Eichenholzstühle mit den blauen Samtbezügen Platz. Der gewaltige Schreibtisch, ebenfalls aus Eichenholz gefertigt, stand auf vier kunstvoll gedrechselten Beinen und wies an der ihr zugewandten Seite filigrane Schnitzereien auf. Das Kunstwerk erinnerte sie vage an eine vergangene Geschichtsstunde, in der es um den Achtzigjährigen Krieg gegangen war. Heeresführer in schmucken Uniformen auf muskelbepackten Pferden und Soldaten mit schussbereiten Arkebusen, die sie gegeneinander richteten, wurden von einem selbst auf dem puren Holz düster wirkenden Wald umgeben.

Demy holte tief Luft, und für einen Moment fühlte sie sich in der Rolle eines dieser Untergebenen. Sie hatte nicht mehr zu tun als zu gehorchen, Meindorff hingegen repräsentierte einen der uniformierten Anführer. Er erteilte Befehle, doch für die einzelnen Soldaten und ihre Nöte empfand er weniger als nichts. Sie hatten sich strikt nach seinen Anweisungen zu richten, ihre eigenen Wünsche und Gedanken waren unbedeutend.

»Du hast dieses Kind also einfach so in den Arm gedrückt bekommen? Der Chauffeur sagte, er habe dich beim Stadtschloss aufgenommen.«

Erleichtert über seinen recht nüchternen Tonfall wagte Demy ein zustimmendes Nicken. Sie verspürte Dankbarkeit darüber, dass der Taxifahrer nicht hatte wissen können, wo sie sich zuvor aufgehalten hatte. Die Prachtstraße Unter den Linden und der Platz um das Schloss gingen in den Augen Meindorffs sicher noch als für eine Frau passenden Aufenthaltsort durch.

»Wir schreiben zwar inzwischen das zwanzigste Jahrhundert, junge Dame, dennoch möchte ich die persönliche Gesellschafterin meiner Schwiegertochter nicht noch einmal ohne Begleitung in den Straßen der Stadt wissen. Haben wir uns verstanden?«

Demy nickte eifrig, unterdrückte allerdings die Frage, wer ihr denn als Begleitung zur Verfügung stünde. Ob es eine Begleiterin für die Begleiterin gab? Der bei dieser Überlegung in ihr aufkeimende Anflug von Heiterkeit wurde von der strengen, unnachgiebigen Miene des Patriarchen sofort verscheucht.

»Du wohnst in meinem Hause, arbeitest in meinem Hause, und ich erwarte, dass du dich an die in diesem Hause gültigen Regeln hältst! Eskapaden dieser Art lasse ich nicht ungestraft durchgehen. Nichts, was dem guten Ruf dieses Hauses schadet, wird von mir geduldet. Und an diese Regeln halten sich nicht nur meine Söhne und deren Ehefrauen oder zukünftigen Ehefrauen, sondern im besonderen Maße die Angestellten. Besuche im Scheunenviertel oder anderen heruntergekommenen Gegenden sind tabu, sollten sie noch so sehr dein zweifelhaftes Interesse wecken. Du wirst auf meinen und den Wunsch deiner Schwester hin in der gehobenen Gesellschaft verkehren. Und damit scheiden Vertraulichkeiten mit der Dienerschaft aus, das möchte ich in deinem Falle nochmals ausdrücklich betonen, selbst wenn du streng genommen zu dieser gehörst.«

Demy versteckte ihre geballten Hände hinter ihrem Rücken, während der Hausherr weitere Regeln und Drohungen auf sie niederprasseln ließ.

Hatte dieser Mann, im Prinzip ihr Gönner und auch ihr Arbeitgeber, überhaupt das Recht, sich in diesem Maße in ihr Leben einzumischen und es einzuschränken? War ihr mit dem Einzug in dieses Haus und der Unterschrift ihres Vaters unter einen Angestelltenvertrag jegliches Recht auf Selbstbestimmung entzogen worden?

»… zudem bin ich mir mehr als noch vor ein paar Tagen sicher, dass meine Schwiegertochter uns mit dir ein Kuckucksei ins Nest gesetzt hat. Ich verspüre nicht wenig Lust, dich zurück zu deinem Vater zu schicken.«

Aufgeregt hielt Demy den Atem an. Durfte sie am Ende nach Hause? Zurück zu ihrer Familie, in ihr kleines Dorf am Meer und zu allem, dem sie unfreiwillig hatte den Rücken kehren müssen? Ein sehnsüchtiger, süßlicher Schmerz stieg in ihrem Inneren auf und wollte sich vehement Bahn brechen.

»Ich werde dafür Sorge tragen, dass du eine ausgezeichnete Ausbildung bekommst. Frau Cronberg wird dich mit den hier in Berlin herrschenden Regeln vertraut machen, deine Umgangsformen schleifen und dich zu der reifen und verantwortungsbewussten Dame formen, die du an der Seite deiner Schwester darzustellen hast. Ich überlasse die endgültige Entscheidung ihr, in welchen Bereichen du zusätzlich gefördert wirst. Ich kann es mir nicht leisten, zum Gespött von Berlin zu werden, nur weil die Schwägerin meines Sohnes sich nicht ihrer Stellung angemessen zu benehmen weiß. Hoffen wir, dass du gelehrig bist und wir einen Großteil deiner Ausbildung abgeschlossen haben, bis die Dame des Hauses deine Unterstützung braucht.«

Demy lauschte dem Monolog vor Aufregung, Enttäuschung und unterdrücktem Zorn zitternd; immerhin gelang es ihr, gelegentlich zustimmend zu nicken. Sie empfand vor Meindorff einen gewaltigen Respekt. Nicht so sehr, weil er ein reicher, angesehener Mann war und aus einer traditionsreichen Familie stammte, sondern weil er so unmissverständlich aussprach, was er von ihr erwartete und davon ausging, dass man seinen Anweisungen widerspruchslos nachkam. Militärisch steif und sehr aufrecht saß er hinter seinem wuchtigen Schreibtisch, während seine Augen sie mit demselben stechenden Blick, den auch sein Sohn Joseph beherrschte, förmlich durchbohrten.

»Ich denke, wir haben uns verstanden!«

Ein weiteres Mal nickte Demy schweigend, obwohl dieser abschließende Satz keinesfalls als Frage an sie gerichtet war.

Daraufhin senkte Meindorff den Kopf und begann in irgendwelchen Unterlagen zu lesen, wobei sich auf seiner Stirn tiefe Querfalten bildeten. Entweder strengte ihn das Lesen an, weil die Lampe auf seinem Schreibtisch nicht ausreichend Licht spendete, oder aber der Inhalt des Dokumentes bereitete ihm Sorgen.

Als der Mann nach einigen Minuten den Kopf hob, schien er überrascht zu sein, dass Demy noch immer vor ihm saß.

»Du kannst gehen!«, murmelte er zerstreut und winkte sie mit einer Handbewegung fort wie eine lästige Fliege.

Demy gab sich alle Mühe, sich halbwegs würdevoll zu erheben und mit gemessenen Schritten den Raum zu verlassen. Ob sie sich auf den angesetzten Unterricht freuen sollte, da er Abwechslung in dem eintönigen Dasein in dem stillen Haus versprach, wusste sie noch nicht einzuordnen. Schließlich lag es durchaus im Bereich des Möglichen, dass sich die Hauslehrerin als schreckliche pedantische Frau entpuppen würde.

Zögernd blieb Demy im Foyer stehen, den Blick auf die Tür gerichtet, hinter der der Durchgang zum Nebentrakt lag. Wie gerne wäre sie hinübergelaufen, um zuzusehen, wie Maria den kleinen Nathanael versorgte, und sich gebührend von ihm zu verabschieden, ehe man ihn in das Heim brachte. Aber an diesem Abend wagte sie das nicht mehr. Zu viel hatte sie heute schon angestellt!

Traurig und mit dem Gefühl, wie ein Kanarienvogel mit gebrochenen Flügeln im Käfig zu hocken, betrat sie das Treppenhaus und stieg ungewohnt schwerfällig die Stufen in den ersten Stock hinauf. Die im Haus herrschende Stille empfand sie als beinahe beängstigend. Gab es zwischen diesen stabilen Mauern überhaupt so etwas wie Freude und Glück? Die Menschen in diesem schmucken Gebäude kamen ihr schrecklich freudlos und leblos vor. Wo blieb das Lachen, die fröhlich geführten Unterhaltungen, die gutmütigen Neckereien, die in ihrer Familie alltäglich gewesen waren? Kannten die Meindorffs so etwas denn nicht? War dies alles, was sie und Tilla hier erwartete: Regeln, Verbote, Stille?! Da war ihr ja fast noch der unverfrorene Philippe sympathischer. Aber nur fast!

Zum Glück gab es ja noch den aufmerksamen und lustigen Hannes – wenigstens mit ihm würde sie sich gut unterhalten. Allmählich beruhigte sich ihr aufgewühlter Gedankenstrom und sie betrat erschöpft ihr Zimmer.

***

Der nächste Morgen begann mit einem fröhlichen Pfeifkonzert der Vögel in der Gartenanlage. Ihr Gesang weckte Demy, die es sich für einen Moment gestattete, liegenzubleiben, auf das Gezwitscher zu hören, wenn ihr auch die vertrauten, heiseren Schreie der Möwen fehlten, und dabei dem leichten, zart roséfarbenen Vorhang zuzusehen, wie er gleich einem Segel vom Wind in ihr Zimmer hineingebläht wurde.

Seufzend erhob sie sich schließlich, verzog jedoch schmerzlich das Gesicht, als sie sich das Nachthemd über den Kopf streifte. Ihre linke Wange brannte wie Feuer. Achtlos warf sie die weiße, mit Spitze verzierte Nachtwäsche aufs Bett und trat an den mannshohen, auf zierlichen, aber eigentümlich krummen Beinen stehenden ovalen Spiegel.

Erschrocken betrachtete sie ihr Spiegelbild. Ihre linke Gesichtshälfte wies vom Kinn über den Wangenknochen bis hinauf zu den Augenbrauen eine bunte Palette aus roten, blauen, grünen und violetten Farben auf. Dazwischen zeigten sich lang gezogene Kratzer.

Demy tastete mit den Fingerspitzen vorsichtig über die Verfärbung. Zu ihrer Erleichterung hielt sich der Schmerz in Grenzen. Also zuckte sie in jugendlicher Gleichgültigkeit mit den Schultern, kleidete sich an und sprang durch den Flur und die Stufen hinunter bis in die Halle.

Da sie am vergangenen Tag kaum etwas zu sich genommen hatte, verspürte sie an diesem Morgen großen Hunger. Übermütig stürmte sie in den Speisesaal, wo das Klappern eines wild auf dem Teller tanzenden Messers ein neuerliches ungebührliches Verhalten ihrerseits anmahnte, ehe derjenige, der es vor Schreck hatte fallen lassen, es wieder in die Hand bekam.

Mit einem betretenen Blick in die ihr zugewandten Gesichter gewahrte sie erleichtert, dass der Hausherr sich nicht unter den Anwesenden befand. Bei Tisch saßen Philippe und Hannes, während zwei Angestellte und der allgegenwärtige Charles beim Buffet warteten.

»Guten Morgen.« Aus Philippes Stimme klang deutlich seine Erheiterung über ihren stürmischen Auftritt heraus.

Hannes hingegen runzelte die Stirn und eilte auf sie zu. »Mein Gott, was ist dir denn zugestoßen?« Besorgt ergriff er sie an den Schultern und führte sie zu einem Stuhl. Fürchtete er, sie könnte jeden Moment in Ohnmacht fallen? Aus dem Augenwinkel sah Demy, wie Charles die beiden Frauen aus dem Raum scheuchte, die neugierig ihr Gesicht begutachtenden.

Philippe warf ihr lediglich einen kurzen Blick zu, grinste und meinte: »Und ich dachte, du seiest zumindest aus dem Alter heraus, in dem du dich mit Gleichaltrigen prügelst!«

»Sie waren gestern ja nicht da, deshalb musste ich mir ein anderes Opfer suchen«, gab Demy bissig zurück, was Philippe zu einem amüsierten Auflachen reizte, ehe er sich wieder seinem Frühstück widmete.

Der besorgte Hannes zog einen Stuhl herbei und setzte sich vor sie. »Geht es dir gut? Was ist geschehen?«

»Es ist nichts weiter. Ich bin von einer Frau etwas grob gepackt worden, sodass ich unglücklich gegen eine Mauer prallte.«

Geraume Zeit wurde sie von Hannes gemustert, ehe er sich erkundigte: »Gepackt worden? Wo hieltest du dich denn auf, dass du überfallen werden konntest?«

Demy beugte sich zu ihm hinüber und flüsterte: »Verrate es bitte nicht deinem Vater, er ist sowieso schon äußerst aufgebracht. Ich war im Scheunenviertel bei einem Mädchen, dem ich im Park begegnet bin, und auf dem Rückweg wurde ich unter einem schmuddeligen Torbogen unfreiwillig Zeugin der Geburt eines Kindes. Die Frau ließ dann das Neugeborene einfach zurück und ergriff die Flucht.« Als sie die gerunzelte Stirn ihres Gesprächspartners sah, beeilte sie sich hinzuzufügen: »Ich war aber fast schon wieder beim Schloss. Und mir ist nichts passiert.«

»Nichts passiert? Du siehst aus, als wärst du in die Farbtöpfe Picassos gefallen.« Philippe stellte sein exzellentes Gehör unter Beweis, dazu die Tatsache, dass er nicht gewillt war, ihr zumindest eine Spur von Mitgefühl entgegenzubringen.

Da sie nicht wusste, wer dieser Picasso war, ignorierte Demy den lachenden Soldaten und wandte sich lieber wieder dem besorgt dreinblickenden Hannes zu.

»Kleine, du solltest nicht allein in der Stadt unterwegs sein. Berlin ist riesig, überschwemmt von allen möglichen Kreaturen ohne Arbeit oder geordnete Verhältnisse, die revolutionäres Gedankengut in sich tragen. Viele von ihnen sind nicht sonderlich gut auf Familien wie die unsere zu sprechen. Ihr Neid auf unser Vermögen und unser Ansehen ist oftmals größer als ihr gesunder Menschenverstand.«

»Lieselotte wollte mich ja ursprünglich zurückbegleiten, doch leider kehrte ihr Vater früher als erwartet nach Hause zurück. Und der war betrunken.«

Hannes griff nach ihrer Hand und drückte sie leicht. »Du bist zu vertrauensselig. Niemals darfst du einfach mit Fremden mitgehen. Und schon gar nicht in Gegenden, wie in das heruntergekommene und verrufene Scheunenviertel.«

Entrüstet entzog Demy ihm ihre Hand und sprang auf. »Na, du bist gut! Ich soll nicht allein ausgehen, aber sag mir, wer mich begleiten sollte? Und Lieselotte und ihre Geschwister sind nette, anständige Menschen. Sie wurden vom Schicksal in das Scheunenviertel verschlagen. Ihre Mutter arbeitet schwer und ihr Vater war ein guter, hart arbeitender Mann, der darunter leidet, dass er seine Familie nicht ernähren kann.«

Ihr Gesprächspartner erhob sich ebenfalls. »Da magst du recht haben. Aber offenbar hat dir niemand gesagt, wie du dich in Berlin verhalten solltest. Du darfst Henny zu deiner Begleitung anfordern, wenn du das Haus verlassen möchtest. Und was diese Leute betrifft, die …«

»Fräulein Demy erhält ab heute Unterricht bei Frau Cronberg. Sie wird in all den Lebensbereichen unterwiesen, die sie seit ihrer Ausbildung in Holland vergessen oder nie gelernt hat. Entsprechend wenig Zeit bleibt ihr in Zukunft für derartige Ausflüge!« Meindorffs Stimme füllte den Speisesaal mit einer solchen Gewalt aus, dass Demy erschauerte.

Hannes nickte seinem Vater zu und setzte sich zurück auf seinen Platz. Unterdessen bat der Hausherr den Diener, ihm das Frühstück in sein Arbeitszimmer zu bringen. Nachdem Charles das Frühstückszimmer mit einem gefüllten Tablett verlassen hatte, bereitete auch Demy sich eine Kleinigkeit zu und setzte sich den beiden Männern gegenüber an den Tisch.

Verwundert betrachtete sie das blau unterlaufene, halb zugeschwollene linke Auge von Philippe, das er bislang gekonnt vor ihr versteckt hatte. Dieser Kerl besaß tatsächlich die Unverfrorenheit, sie wegen ihres ramponierten Aussehens zu verspotten, obwohl er selbst deutliche Spuren einer Schlägerei an sich trug!?

Um seinem hämischen Grinsen zu entgehen, widmete sie sich ihrer Mahlzeit und lauschte dem angeregten Gespräch der beiden Männer über ein paar Damen, die sie am Vortag kennengelernt hatten. Dabei erfuhr sie, dass Hannes zurück in die Kadettenanstalt musste und Philippe in den nächsten Tagen nach Afrika abzureisen plante. Letztere Neuigkeit nahm sie mit Erleichterung auf. Bestimmt ließ es sich in diesem Haus angenehmer leben, wenn dieser unfreundliche, immerzu spottende Mann fort war.

Allerdings bereitete ihr nun der anstehende Unterricht Kummer. Als der Name Cronberg fiel, hatte sie beobachtet, wie Hannes das Gesicht verzog, ehe er sich hastig setzte. Auf Philippes Stirn hatten sich unübersehbare Falten gebildet.

Musste sie sich vor dieser Gouvernante fürchten? Standen ihr unzählige Stunden harten Drills unter lauernden Augen bevor, die jeden noch so winzigen Fehler unbarmherzig aufdeckten? In ihrer Fantasie hörte sie bereits eine schnippische Stimme ihr Tun zerlegen, wie ein Adler seinen erbeuteten Fisch bis auf seine Gräten ausnahm. Trotz und zugleich auch die Furcht, jegliche Freiheit und den letzten Funken Fröhlichkeit in ihrem Herzen zu verlieren, stritten in ihrem Inneren um die Vorherrschaft.

Himmel ueber fremdem Land
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