KAPITEL 15
Belle fand die Veränderung, die sich an Miranda vollzog, seit sie Will kannte, bemerkenswert. Obwohl sie sich fast jede Nacht davonstahl, um sich mit ihm zu treffen, und immer erst nach Mitternacht zurückkam, war sie morgens munter wie eine Lerche, lachte und sang und hatte für jedermann ein freundliches Wort.
Sally missbilligte die Affäre. Sie behauptete, Miranda sei leichtfertig, aber so neidisch und gehässig sie auch sein mochte, war sie nicht der Typ, der über andere Klatsch verbreitete. Belle fiel es schwer, nicht selbst so etwas wie Neid zu empfinden. Ihre Freundin mit glänzenden Augen und verträumtem Gesichtsausdruck zu sehen erinnerte sie daran, was sie für Etienne empfunden hatte, und sie fragte sich schuldbewusst, warum sie an ihre Gefühle für ihn, nicht für Jimmy dachte.
»Wie ist denn dieser Typ von Miranda eigentlich?«, fragte David sie eines Morgens, als sie ihre erste Tour zum Bahnhof unternahmen, um neue Patienten abzuholen.
»Was meinst du?«, fragte Belle vorsichtig. Sie hatte keiner Menschenseele etwas verraten, und sie konnte sich nicht vorstellen, dass die anderen Mädchen darüber geredet hatten.
»Stell dich nicht dumm! Ich habe doch gesehen, dass nach eurem Abstecher nach Calais irgendwas im Busch war«, meinte er grinsend. »Du hast ein sorgenvolles Gesicht gemacht, und sie ist herumgehüpft wie ein Lämmchen auf der Weide. Da ist es nicht schwer, zwei und zwei zusammenzuzählen.«
Belle sah keinen Grund, David zu belügen. Er war ein anständiger Kerl und sehr diskret. »Na ja, behalte es bitte für dich! Amerikaner, sehr attraktiv, ein netter Mann. Er ist Sergeant.«
»Ein G.I., hm?«, sagte er. »Na, dann bestell ihm mal von mir, dass er sich beeilen soll, die anderen Yankees herzuholen, damit sie uns helfen, diesen verdammten Krieg zu beenden!«
»Sie kommen bald, heißt es«, sagte Belle. »Dann wird er nicht mehr so viel Zeit für Miranda haben.«
»Warum sorgst du dich, wenn der Bursche in Ordnung ist?«
»Na ja, es hat sie ganz schön erwischt«, seufzte Belle. Eigentlich war sie froh, ihre Sorgen jemandem anvertrauen zu können. »Ich habe Angst, dass sie nach Hause geschickt wird oder dass es mit den beiden nicht klappt.«
»Hat keinen Sinn, sich den Kopf zu zerbrechen.« Er zuckte mit den Schultern. »Wenn ich ein Mädchen kennenlernen würde, bei dem ich herumlaufe, als wäre ich im siebten Himmel, würde ich über glühende Kohlen gehen, um bei ihr zu sein. Und bist du nicht auch hergekommen, um näher bei deinem Alten zu sein?«
Belle nickte, doch insgeheim stellte sie beschämt fest, dass es nicht stimmte. Sie hatte nicht einmal daran gedacht, Captain Taylor zu fragen, ob sie vielleicht ein paar Tage Urlaub haben könnte, um sich irgendwo mit Jimmy zu treffen. Warum nicht?
Einige Abende später war Miranda gerade dabei, sich für ihr Stelldichein mit Will zu frisieren, als Belle tropfnass in die Baracke kam. Sie sagte nichts, legte nur ihre nasse Öljacke ab, hängte sie an den Haken bei der Tür und bückte sich, um ihre Stiefel auszuziehen.
Die anderen vier Mädchen saßen am hinteren Ende des Raumes. Sie blickten auf und winkten Belle zu. Sie winkte zurück und holte dann ihr Handtuch, um ihr feuchtes Haar trocken zu rubbeln. Miranda hatte den Eindruck, dass Belle sie absichtlich ignorierte.
»Bist du sauer auf mich?«, fragte sie, als Belle sich schließlich auf ihr Bett setzte.
»Natürlich nicht«, sagte Belle erstaunt. »Warum sollte ich?«
»Vielleicht weil ich zurzeit ständig mit Will unterwegs bin und dich allein lasse.«
»Das macht doch nichts, mit Vera ist es auch sehr nett. Wir haben uns ziemlich gut angefreundet.«
Miranda fühlte sich zurückgesetzt. »Ich will dich nicht als Freundin verlieren«, gestand sie.
Belle lachte. »Da braucht es mehr als einen Mann, um mich loszuwerden.«
Miranda atmete erleichtert auf. Belle würde nicht scherzen, wenn sie verstimmt wäre.
»Weißt du, wir müssen die Zeit einfach so gut wie möglich nutzen. Er kann jeden Moment versetzt werden«, versuchte Miranda zu erklären.
Seit sie sechzehn war, sehnte sie sich nach jener Art von Liebe, die sie nur aus Büchern kannte. Sie war dreimal Brautjungfer gewesen, und bei all diesen Eheschließungen war es eher darum gegangen, dass die Braut eine gute Partie gemacht hatte, als um die große Liebe. Zu der Zeit, als sie Frank begegnet war, hatte Miranda fast schon nicht mehr an diese Liebe geglaubt.
Nach dem Schmerz, den Frank ihr zugefügt hatte, hatte sie sich allmählich mit dem Gedanken angefreundet, dass es vielleicht am besten wäre, sich mit einem netten, anständigen Mann zu begnügen, dem sie vertrauen und auf den sie sich verlassen konnte. Aber dann trat Will in ihr Leben, in einem Moment, in dem sie am wenigsten erwartet hätte, Romantik zu finden, und ganz plötzlich wusste sie mit absoluter Gewissheit, dass er der Mann war, auf den sie immer gehofft hatte.
Alles an ihm stimmte; sie konnten über alles Mögliche reden und lachten über die gleichen Sachen. Er ließ ihr Herz schneller schlagen; vom frühen Morgen, wenn sie erwachte, bis zum Abend, wenn sie einschlief, dachte sie ununterbrochen an ihn. Am schönsten war das Wissen, dass er genauso empfand. Wegen des Krieges lag die Zukunft im Ungewissen, doch was Will anging, war sie sich sicher. Das war die Liebe, von der sie geträumt hatte.
Aber sosehr er auch ihre Gedanken und Träume beherrschte, Belles Freundschaft wollte sie auf keinen Fall verlieren. Belle bedeutete ihr viel zu viel, und Miranda schämte sich bei dem Gedanken, dass sie ihre Freundin vielleicht vernachlässigt hatte.
Belle beugte sich vor und legte eine kalte, klamme Hand auf Mirandas Arm. »Ich verstehe vollkommen, und ich freue mich für dich. Sei aber bitte vorsichtig! Lass dir noch ein bisschen Zeit!«
Miranda sah sich verstohlen um, ob jemand lauschte, doch Sally las, Vera strickte Socken, und Honor und Maud spielten Schach.
»Wir haben es noch nicht gemacht«, wisperte sie. »Sorgst du dich deshalb?«
Belle kicherte. »Das habe ich nicht gemeint. Ich bin wohl kaum die Richtige, um dir Moralpredigten zu halten. Ich habe nur Angst, dass das alles ein bisschen zu schnell geht.«
»Deine Warnung kommt ein wenig spät. Captain Taylor hat gesagt, dass ich diesen Sonntag freihabe, und Will möchte irgendwo mit mir die Nacht verbringen.«
Als Belle nichts erwiderte, nahm Miranda ihre Hand. »Ich weiß, dass du mein Verhalten überstürzt findest, doch ich liebe ihn, Belle. Ich liebe ihn wirklich. Und er liebt mich.«
Belle lächelte sie an. »Ich verstehe dich, und ich will dich bestimmt nicht kritisieren. Wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich wahrscheinlich dasselbe tun«, sagte sie. »Aber was trödelst du noch hier herum, wenn er schon auf dich wartet? Und zieh lieber meinen Mantel an, sonst wirst du bis auf die Haut durchnässt.«
Kurz darauf verließ Miranda in die Öljacke gehüllt die Baracke. Sie ging ein Stück die Straße hinunter, die aus dem Lazarettgelände hinausführte, bog dann wie gewöhnlich ein paar Hundert Meter vor dem Haupttor zwischen zwei Stationen auf einen Pfad, bis sie den Zaun erreichte, und kletterte durch ein Loch.
Sie hatte diesen heimlichen Ausgang vor einer Weile entdeckt und seither benutzt, weil sie wusste, dass der Wachposten am Haupttor sie vermutlich melden würde. Will wartete in der Nähe in seinem Wagen, der hinter einem dichten Gebüsch verborgen war. Wie immer, wenn sie Will traf, schwebte sie auf Wolken. Nicht einmal während der Affäre mit Frank hatte sie etwas Ähnliches empfunden, doch bei ihm hatte sie auch nie das Gefühl gehabt, ihn wirklich zu kennen.
Will war ganz anders. Er war warmherzig, offen und verlässlich und hatte sie noch nie gedrängt, mit ihm zu schlafen, obwohl er ihr jedes Mal, wenn sie sich küssten, sagte, dass es für ihn wie der Vierte Juli sei. Der Vergleich gefiel ihr. Auch sie hatte das Gefühl, dass in ihrem Inneren ein Feuerwerk explodierte; sie brauchte nur seine Hand zu berühren, und schon brannte sie vor Verlangen nach ihm. In Wahrheit war es nur die Angst, wieder schwanger zu werden, die sie bis jetzt zurückgehalten hatte.
Es war nicht anzunehmen, dass irgendein Mann Gnade vor den Augen ihrer Mutter finden würde, es sei denn, er hätte blaues Blut oder sehr viel Geld. Und Will stammte aus bescheidenen Verhältnissen. Sein Vater war einer von unzähligen mittellosen Iren gewesen, die Ende des neunzehnten Jahrhunderts nach Amerika ausgewandert waren. Ein paar Jahre später hatte er die Tochter italienischer Einwanderer geheiratet und fünf Kinder mit ihr bekommen, von denen Will das älteste war. Sein Vater besaß ein kleines Bauunternehmen, und er hatte sich gewünscht, dass Will eines Tages den Familienbetrieb übernahm, doch obwohl Will einige Jahre für seinen Vater gearbeitet hatte, war er ins Berufsheer eingetreten, als sein jüngerer Bruder alt genug war, um seinen Platz einzunehmen. Will sagte, dass er vom Leben mehr erwarte als das Dasein eines gehobenen Bauarbeiters.
Aber obwohl er aus einfachen Verhältnissen stammte, war Will ein Gentleman. Er behandelte Miranda mit großer Zärtlichkeit und Hochachtung und schien alles an ihr zu mögen. Das war ihr noch nie passiert, nicht einmal in ihrer Familie. Sie wollte nach dem Krieg mit ihm in Amerika leben, sein Leben zu ihrem machen und ihre Vergangenheit abstreifen. Es kümmerte sie wirklich nicht, dass sie ihre eigene Familie vielleicht nie wiedersehen würde.
Will hielt die Tür auf, als Miranda zum Wagen gelaufen kam. »Hallo, meine Schöne!«, begrüßte er sie mit einem Lächeln, bei dem seine Zähne in der Dunkelheit weiß blitzten.
Sie schälte sich aus dem nassen Mantel, verfrachtete ihn auf den Rücksitz und warf sich stürmisch in Wills Arme.
»Mhm«, sagte er nach einem langen, leidenschaftlichen Kuss. »Dafür hat sich das Warten gelohnt. Ich hoffe, du kannst am Wochenende weg, ich habe nämlich etwas für uns gefunden.«
»Ja, ich habe frei«, sagte sie und schmiegte sich an seine Schulter. »Aber du wirst doch aufpassen … wenn du verstehst, was ich meine?«
»Keine Angst, Süße, ich habe alles im Griff«, lachte er. »Ich möchte auch nicht, dass du ein Baby bekommst. Das sollten wir erst in Angriff nehmen, wenn wir verheiratet sind.«
»Verheiratet?«, rief Miranda.
Wieder lachte er. »Ich hätte dir wohl einen richtigen Antrag machen sollen. Eigentlich hatte ich das fürs Wochenende geplant, doch jetzt ist es mir einfach rausgerutscht. Was meinst du? Willst du mich heiraten, wenn der Wahnsinn dieses Krieges vorbei ist?«
Miranda schlang erneut die Arme um seinen Hals. »Ich würde dich schon morgen heiraten, Wahnsinn hin oder her«, sagte sie und überschüttete sein Gesicht mit Küssen.
Er nahm ihre Hände, hielt sie fest und küsste ihre Finger. »Ich kann dir nicht garantieren, wo wir letzten Endes landen werden«, gestand er. »Ich könnte überallhin versetzt werden, doch ich weiß, dass ich dich bei mir haben will, egal, wo.«
»Solange du bei mir bist, ist mir egal, ob wir in der Wüste, auf einem Berggipfel oder dem Mond leben«, sagte sie. Freudentränen liefen ihr übers Gesicht.
»He, wer wird denn da weinen?«, fragte er und wischte mit dem Daumen ihre Tränen weg. »Ich habe meiner Familie schon von dir geschrieben, und ich weiß, dass sie dich genauso lieben werden, wie ich dich liebe. Was werden denn deine Eltern dazu sagen?«
»Ich wünschte, ich könnte behaupten, dass sie vor Freude außer sich sein werden«, meinte Miranda bekümmert. »Aber ich habe dir ja schon erzählt, wie meine Mutter ist. Doch das ist mir egal, ich gehöre zu dir, diese Kröte müssen sie eben schlucken.«
»Meinst du, sie werden finden, dass ich nicht gut genug für dich bin?«
»Das wäre in ihren Augen keiner, es sei denn, der Betreffende käme aus dem Hochadel.« Sie seufzte. »Aber zerbrich dir darüber nicht den Kopf. Du heiratest mich, nicht meine Mutter.«
Belle schlief, als Miranda lange nach Mitternacht zurückkam. Sie war so aufgeregt, dass sie ihre Freundin einfach wecken musste.
»Es ist doch noch nicht morgen, oder?«, murmelte Belle schlaftrunken, als Miranda sie an der Schulter schüttelte.
»Nein, aber ich muss dir etwas erzählen, das nicht bis morgen warten kann.«
Das Mondlicht war gerade hell genug, dass Miranda sehen konnte, wie Belle sich die Augen rieb. »Ich hoffe für dich, dass es eine wirklich gute Nachricht ist«, brummte sie.
»Ist es. Will hat mir einen Heiratsantrag gemacht. Ich gehe mit ihm nach Amerika, wenn der Krieg vorbei ist. Ist das nicht toll? Ich bin ja so glücklich!«
Belle setzte sich auf, nahm Mirandas Hand und drückte sie. »Das ist eine wundervolle Neuigkeit. Ich freue mich aufrichtig für dich. Willst du hier heiraten?«, wisperte sie.
»Das haben wir noch nicht entschieden. Ich würde gern, aber er möchte seine Familie dabeihaben. Das können wir alles am Wochenende besprechen.«
»Wirst du es deinen Eltern sagen?«
»Nein. Mama veranstaltet bestimmt ein fürchterliches Theater. Ich werde sie vor vollendete Tatsachen stellen.«
»Ich hoffe, die Hochzeit findet hier statt, damit ich dabei sein kann«, sagte Belle. »Aber kann ich jetzt weiterschlafen?«
»Es heißt: ›Darf ich jetzt weiterschlafen‹«, korrigierte Miranda sie kichernd. Sie verbesserte ständig Belles Sprechweise – es war ein alter Witz bei den beiden, dass sie Belles Grammatiklehrerin sei.
»Dann darfst du dich jetzt verziehen«, sagte Belle. »Und vergiss nicht, dass ich Trauzeugin sein will!«
Sonnabend war es ausnahmsweise einmal trocken, wenn auch kühl. Erst am Nachmittag hatte einer der französischen Rettungsfahrer gemeint, dass dies der regenreichste Sommer sei, an den er sich erinnern könne. Rund um das Lazarettgelände standen überall riesige Wasserlachen, die allen bewusst machten, wie furchtbar die Bedingungen für die Soldaten an der Front sein mussten.
Miranda traf sich mit Will um sechs Uhr an der üblichen Stelle. Es war das erste Mal seit dem Tag, an dem sie sich kennengelernt hatten, dass sie einander bei Tageslicht trafen, und ihr fiel gleich auf, dass der Wagen gewaschen und poliert war. Das war typisch für Will. Miranda roch, dass er nach Zitronenseife duftete, als sie ihn küsste, und er trug zwar wie immer Uniform, doch sie war frisch gebügelt, und seine Stiefel waren blank geputzt.
»Ich dachte, heute würde es nie Abend werden«, sagte er und barg sein Gesicht an ihrem Hals. »Die anderen haben mich ganz schön auf die Schippe genommen. Angeblich habe ich ständig auf die Uhr geschaut.«
»Ich auch«, gestand sie. »Wir hatten furchtbar viel zu tun, und meine Gangschaltung hat dauernd geklemmt, und jetzt tut mir vom Schalten der Arm weh. Ich hatte gehofft, noch schnell baden zu können, bevor wir uns treffen, doch das hat leider nicht geklappt. Und du siehst so proper aus!«
Will hatte noch nie so gut ausgesehen. Seine Haut war goldbraun, seine Augen glänzten, und sein dunkles Haar war sauber und akkurat geschnitten. Ihr Herz schlug schneller, als sie an die Nacht dachte, die vor ihnen lag, doch sie wünschte, sie hätte Zeit gehabt, sich für Will schön zu machen.
»Für mich siehst du toll aus, einfach zum Anbeißen«, sagte er. »Los, fahren wir, bevor du es dir anders überlegst!«
Obwohl Frankreich ein Kriegsgebiet war mitsamt den Verwüstungen, die während der Kämpfe entstanden waren – mit Schlachtfeldern, wo kein Baum, kein Strauch mehr stand, Massengräbern, hastig errichteten Feldlazaretten, Vorratslagern und Straßen voller Laster, Lafetten, Pferdefuhrwerken und Soldaten –, befand sich nur wenige Kilometer hinter der Frontlinie immer noch ein ländliches Idyll. Als Miranda jetzt mit Will in Richtung Rouen fuhr, konnte sie es selbst sehen. Hier war das Land noch unversehrt und schön, die Felder waren grün und fruchtbar. Auf den Wiesen weideten Kühe, und alte Leute bewirtschafteten liebevoll ihre Gemüsegärten.
»Wie schön«, sagte sie, als sie über schmale Landstraßen fuhren. »Ich kann frisch gemähtes Heu und feuchte Erde und jede Menge Wildblumen riechen. Es ist wie daheim in Sussex und ganz anders als in der Gegend um Camiers.«
Will lächelte sie an. »Erwarte bitte nicht das Waldorf, Liebling! Das Englisch des französischen Offiziers, von dem ich den Tipp habe, war genauso schlecht wie mein Französisch; womöglich hat er mir erzählt, dass es eine fürchterliche Absteige ist, keine Ahnung. Aber er hat mir gesagt, dass er mit seiner Freundin dort war, und hat für mich in dem Gasthof angerufen.«
»Erstaunlich, dass du den Weg findest. Ich habe kein einziges Straßenschild gesehen«, bemerkte sie.
»Lobe mich nicht zu früh, noch sind wir nicht da!«, lachte er.
»Da wären wir«, sagte er kurz darauf, als er vor einem malerischen, wenn auch etwas baufälligen Haus stehen blieb, von dessen Fensterläden die Farbe abblätterte. Die Sonne ging gerade direkt hinter dem Haus unter und tauchte es in rosiges Licht.
Auf dem verwitterten Schild stand Le Faisan Doré. Miranda wusste, dass doré golden hieß, aber das andere Wort kannte sie nicht. Das Gebäude mochte ein bisschen schäbig wirken, doch verglichen mit einer Wellblechhütte, die mitten im Schlamm stand, war es ein Palast.
Drinnen war ebenfalls alles ein bisschen abgenutzt, aber freundlich, ganz ähnlich wie in vielen englischen Landhäusern. Durch die Eingangstür kam man direkt in einen großen Raum mit niedriger Decke. Rechts vom Eingangsbereich befanden sich die Theke und eine Art Salon. Bei einigen Stühlen und Sofas quoll die Füllung aus den Polstern, und die Teppiche, die auf dem Steinboden lagen, waren verschlissen. Auf der linken Seite befand sich der Speisesaal mit schlichten Holzstühlen und -tischen, die gerade von einem mageren jungen Burschen für das Abendessen gedeckt wurden. In jedem Zimmer prasselte ein munteres Feuer in einem Kamin, und eine mollige ältere Frau kam freundlich lächelnd auf sie zu und bot ihnen zur Begrüßung ein Glas Rotwein an.
Sie erklärte ihnen auf Französisch, dass sie gleich bestellen müssten, falls sie zu Abend essen wollten, weil das Lokal am Sonnabend immer gut besucht sei. Anscheinend gab es nur ein Gericht, und Miranda erkannte in der Beschreibung lediglich das Wort bœuf. Sie übersetzte es für Will, und er nickte zustimmend.
Sie setzten sich ans Feuer und tranken ihren Wein, und als der Junge mit Tischdecken fertig war, führte er sie auf ihr Zimmer.
Miranda schnappte vor Begeisterung nach Luft, als der Junge die Tür öffnete. Wie alles Übrige im Haus war auch dieses Zimmer altmodisch; es erstrahlte im Abglanz vergangener Pracht und erinnerte Miranda an das Heim ihrer Großeltern. Es gab ein schönes altes Bett aus Walnussholz mit dazu passendem Schrank und Frisiertisch, und vor dem Fenster mit Ausblick auf Wiesen und Felder stand ein kleiner runder Tisch mit einer Vase mit rosa Rosen.
Will musste den Kopf einziehen, um nicht an die Deckenbalken zu stoßen, und als sich der Junge grinsend verabschiedete, stupste Miranda die Matratze an, die ihr himmlisch weich vorkam.
»Was meinst du, Schatz?«, fragte Will nervös.
»Es ist bezaubernd«, sagte sie ehrlich. Sie mochte sich früher in sehr viel eleganteren Räumlichkeiten aufgehalten haben, doch dieses Zimmer war gemütlich und romantisch. »Wie geschaffen für unsere erste gemeinsame Nacht.«
Sie schlug die verblasste Überdecke zurück und stellte zu ihrer Überraschung fest, dass das Bett mit spitzenbesetztem Leinen bezogen war. Der Stoff war im Lauf der Jahre ein wenig vergilbt, doch er war ganz glatt gebügelt und roch leicht nach Lavendel. Als sie eine zweite Tür öffnete, entdeckte sie einen kleinen Waschraum mit Wanne und Bidet. Noch größer war ihre Überraschung, als sie den Wasserhahn aufdrehte und heißes Wasser herausfloss.
Im Lazarett konnten sie froh sein, wenn das warme Wasser in der Wanne zwanzig Zentimeter hoch war, bevor es kalt wurde. Sally hatte gesagt, es sei absichtlich so eingestellt, damit niemand zu lange badete, wozu aber ohnehin niemand eine Neigung verspürte, weil das Bad ein ungemütlicher, karger Raum war, in dem es ständig zog. Freudestrahlend drehte sie sich zu Will um.
Er nahm sie in die Arme und küsste sie. »Ich sehe dir an, dass du darauf brennst, ein Bad zu nehmen. Ich gehe inzwischen in die Bar und warte dort auf dich. Komm runter, wenn du fertig bist!«
Wieder einmal war Miranda gerührt, wie aufmerksam und feinfühlig er war. Sie hatte erwartet, dass er sich sofort auf sie stürzen würde, wenn die Schlafzimmertür ins Schloss fiel, und obwohl sie ihn wirklich begehrte, wollte sie, dass alles perfekt war.
Sie war in Rock und Bluse gekommen, weil sie beim Verlassen des Lazaretts kein Aufsehen erregen wollte. Aber sie hatte ein dunkelrotes Samtkleid eingepackt, von dem nicht einmal Belle wusste, dass sie es aus England mitgebracht hatte. Sowie sie gesehen hatte, wie das Leben im Lazarett ablief, hatte das Kleid geradezu lächerlich unpassend gewirkt. All die Wochen hatte es, in Seidenpapier eingeschlagen, im Koffer gelegen, und sie hatte nicht gedacht, je Gelegenheit zu haben, es zu tragen.
Während sie das Bad einließ, holte sie es heraus und stellte zu ihrer Freude fest, dass es nicht zerknittert war.
Will, der bei seinem zweiten Brandy war, beobachtete, wie sich das Lokal mit französischen Offizieren füllte, die hier essen wollten. Plötzlich fiel ihm auf, dass sich alle Blicke zur Treppe wandten.
Miranda stand auf den Stufen, und sie sah sensationell aus. Ihr blondes Haar war hochgesteckt und wurde von zwei Schildpattspangen gehalten, und ihr dunkelrotes Kleid schmiegte sich an ihre Kurven und betonte vorteilhaft ihren hellen englischen Teint. Der Ausschnitt entblößte cremige Schultern, und als sie in den Speisesaal rauschte, wogte der lange Rock des Kleides hinter ihr her. Mit ihrem funkelnden Halsband, passenden Ohrringen und den zierlichen Schuhen sah sie aus, als wäre sie direkt einem Modemagazin entstiegen. Will war schrecklich stolz, dass sie sein Mädchen war.
»Gut genug für dich?«, raunte sie ihm zu, als sie bei ihm war.
Seine Kehle war wie zugeschnürt. Miranda sah genauso aus wie das, was sie war: Ein Mädchen aus den ersten Kreisen, und er konnte kaum fassen, dass sie ihn tatsächlich liebte.
»Du machst Witze! Du wärst gut genug für den Präsidenten, ganz zu schweigen von einem mickrigen Sergeant!«
»Ich muss dir etwas gestehen«, sagte er später, als sie an einem Fenstertisch saßen. Das Lokal hatte sich mittlerweile gefüllt, und der junge Bursche, der ihnen ihr Zimmer gezeigt hatte, spielte Akkordeon. Das Essen bestand aus Steak und Pommes frites; das Steak war blutig, aber zart, der Wein fruchtig und schwer.
Vier bis fünf andere Frauen waren anwesend. Sie waren gut gekleidet, doch neben Miranda verblassten sie. Sie schienen eher Ehefrauen als Freundinnen zu sein, wie Miranda schmunzelnd bemerkte, weil sie sehr gelassen wirkten und nicht viel mit ihren Männern redeten.
»Hoffentlich eröffnest du mir nicht, dass du schon eine Frau hast«, sagte Miranda. »In dem Fall würde ich dir nämlich wahrscheinlich mein Weinglas an den Kopf werfen.«
»Nein, natürlich nicht«, lachte er. »Es ist ein bisschen peinlich.«
»Hast du ein Holzbein?«, fragte sie mit einem Augenzwinkern. »Kein Problem, das kann ich verkraften.«
»Ich denke, das hättest du inzwischen schon gemerkt«, meinte er. »Nein, es ist mein Name.«
»Was gibt es an Will auszusetzen?«
»Du denkst sicher, es ist eine Abkürzung für William?«
Miranda nickte. »Ist es nicht?«
»Nein, für Wilbur.«
Sie brach in Gelächter aus. »Wilbur?«
»Leider. Kannst du damit leben?«
»Tja, ich weiß nicht so recht. Ziemlich schwer. Belle kriegt Schreikrämpfe, wenn sie zu unserer Hochzeit kommt und das hört.«
»Dann sollten wir vielleicht lieber heimlich heiraten. Und zwar bald. Nach heute Nacht will ich unbedingt eine anständige Frau aus dir machen.«
Sie sah ihn nur an. Ihre funkelnden Augen verrieten ihm alles, was er wissen musste. Sein Vater hatte ihm einmal erzählt, dass er Herzflattern bekommen hatte, als er Wills Mutter begegnet war. In diesem Moment hatte er gewusst, dass es wahre Liebe war. Auch Will hatte jetzt Herzflattern; alles, was er sich vom Leben erhoffte, saß direkt vor ihm.
»Ich würde dich schon morgen heiraten, wenn es ginge«, sagte sie leise.
Als der Tag anbrach und das erste Licht durch die Vorhänge sickerte, stützte sich Miranda auf ihren Ellenbogen und betrachtete Will. Er war eingeschlafen; ein kräftiger gebräunter Arm lag quer über ihrem Körper, und sein Gesicht war ins Kissen gedrückt. Sie konnte kaum fassen, wie schön es gewesen war, mit Will zu schlafen. Dieses Erlebnis hatte alles Vorangegangene ausgelöscht, die Demütigung durch Frank, das Wissen, dass ihre Mutter sich nichts aus ihr machte, und das Gefühl, nicht besonders viel wert zu sein.
Er hatte jeden Zentimeter ihres Körpers geküsst, sogar Stellen, die sie jetzt erröten ließen, wenn sie daran dachte, und sie so zärtlich liebkost, dass sie hatte weinen müssen. Der Liebesakt mit Frank war heiß und berauschend gewesen, doch sie hatte nicht gewusst, was fehlte: Nie hatte er ihr wie Will das Gefühl gegeben, eine Göttin zu sein. Es war ein Akt voller Freude und Hingabe gewesen, ohne jede Eile, nur darauf bedacht, den anderen glücklich zu machen.
Sie strich mit ihrer Hand leicht über seinen Rücken und genoss es, seine glatte Haut und seine straffen Muskeln zu fühlen. Wenn sie seinen Körper, der so vollkommen war, ansah, befiel sie Angst, dass er vielleicht verwundet wurde, sobald er mit seinem Regiment in die Schlacht zog. Miranda war täglich aufs Neue entsetzt, wenn sie all die verstümmelten und entstellten jungen Männer sah. Doch der Gedanke, Will könnte das Gleiche zustoßen, war unerträglich, und allein bei der Vorstellung stiegen ihr Tränen in die Augen.
Sie hatte ihm in dieser Nacht gestanden, wie sehr sie sich um ihn ängstigte.
»Ich werde dir zuliebe gut auf mich aufpassen«, hatte er fröhlich gesagt, als wäre Liebe eine Art Schutzschild. »Ich glaube nicht, dass Gott mir erlaubt, ein Mädchen wie dich kennenzulernen und es von ganzem Herzen zu lieben, um dann zuzulassen, dass ich getötet oder schwer verwundet werde.«
Schließlich hatte er auch sie davon überzeugen können. Es war bestimmt nicht möglich, einen Menschen so sehr zu lieben, nur damit er einem durch eine Granate oder eine Kugel entrissen wurde. Aber als sie ihm jetzt beim Schlafen zusah, kehrte die Angst zurück.
Plötzlich wurde ihr bewusst, dass Belle noch nie ähnliche Ängste um Jimmy erwähnt hatte. War sie der Überzeugung, dass ihr Mann unverwundbar war? Oder hatte sie in Wirklichkeit große Angst um ihn und befürchtete, das Schlimmste könnte passieren, wenn sie diese Ängste laut aussprach?
»Warum schaust du mich an?«, sagte Will schläfrig, während er seinen Arm fester um sie schlang und sie eng an sich zog.
»Weil du schön bist«, hauchte sie.
Es war fast elf, als sie, gesättigt von Liebe, schließlich nach unten gingen. Am liebsten hätten sie den ganzen Tag damit verbracht, im Bett zu liegen und einander in den Armen zu halten, aber sie mussten das Zimmer räumen.
Im Gastraum hielten sich nur noch ein weiteres Pärchen und drei französische Soldaten auf. Das Pärchen hatten sie schon am Vorabend gesehen, aber die Soldaten waren ihnen fremd. Offensichtlich waren sie nur hier, um schnell einen Kaffee zu trinken.
Die Besitzerin des Gasthofs fragte Will auf Französisch, ob sie vielleicht Kaffee wollten, und lächelte wissend, als wüsste sie, wie die beiden die Nacht verbracht hatten.
»Ja, das wäre sehr schön«, antwortete Miranda für sie beide in stockendem Französisch.
»Wahrscheinlich sieht sie dauernd Pärchen wie uns«, flüsterte sie Will zu. »In England würde man unser Verhalten stark missbilligen.«
»Amerikaner können auch sehr prüde sein«, meinte Will. »Um ein Hotelzimmer zu bekommen, müsste man vorgeben, verheiratet zu sein.«
Die Frau brachte ihnen eine Kanne Kaffee und einen Korb mit warmen Croissants. Als sie sich umdrehte, sagte sie etwas zu den französischen Soldaten, das Miranda nicht verstand, doch sie war überzeugt, dass es sich auf Will und sie bezog, weil die Männer in ihre Richtung schauten und lächelten.
»Glaubst du, dass nur Franzosen dieses Hotel kennen?«, fragte Miranda.
»Möglich. Der Ort befindet sich auf dem Gebiet der französischen Armee. Für die meisten englischen Offiziere wäre er ohnehin zu weit entfernt, und soweit ich weiß, kommen kaum englische Ehefrauen nach Frankreich.«
Einer der beiden Korporale rief Will etwas zu. Er sprach so schnell, dass nicht einmal Miranda etwas verstehen konnte. Will sah ihn hilflos an.
»Er will wissen, wann die Amerikaner herkommen, um uns zu helfen«, übersetzte der Sergeant für sie in perfektes Englisch.
»Sie sind unterwegs«, sagte Will.
Der Mann fragte Will, wo er stationiert sei und wie lange es seiner Meinung nach dauern werde, bis die Truppen einsatzbereit wären.
»Wir sind in Calais stationiert, und ich habe gehört, dass die Truppen Anfang 1918 so weit sein müssten.« Dann erkundigte Will sich nach Verdun und der Schlacht an der Somme. »Ich bin unsagbar entsetzt gewesen, als ich von den ungeheuer hohen Verlusten auf englischer und französischer Seite gehört habe.«
Der Sergeant übersetzte alles für seine Gefährten.
Will hatte Miranda vor einigen Tagen anvertraut, wie schwer es war, die Wahrheit über die Zustände an der Front zu erfahren oder – was noch wichtiger war – darüber, wie die französischen und alliierten Truppen zur Ankunft der amerikanischen Soldaten standen. Falls es unterschwellige Ressentiments gab, musste diese Einstellung überwunden werden. Miranda erkannte, dass diese zwanglose Unterhaltung mit französischen Soldaten für Will eine hervorragende Gelegenheit war, etwas über die herrschende Stimmung in Erfahrung zu bringen.
Miranda überließ ihn seinem Gespräch, trank ihren Kaffee und aß ein Croissant. Dabei beobachtete sie aber die ganze Zeit den französischen Sergeant, und zwar nicht nur, weil er so gut Englisch sprach oder weil Will und er sich sehr gut zu verstehen schienen, als sie sich über Waffen, das Für und Wider von Panzern und den Einsatz von Kavallerie unterhielten.
Alles an dem Mann war faszinierend, einschließlich seiner stahlblauen Augen und der markanten Wangenknochen und einer alten Narbe, die von einem Messerstich zu rühren schien. Sogar sein Haar war auffallend, ein sehr helles Braun mit feinen blonden Strähnen. Als hübsch, wie Will es auf seine gepflegte und gesunde Art war, würde Miranda ihn nicht bezeichnen, dafür sah er zu abgebrüht aus. Aber er versprühte jenen Elan, für den die französischen Offiziere bekannt waren, und sehr viel Charme, und sie hatte das Gefühl, dass er viel mehr war als ein gewöhnlicher Soldat.
»Ich habe versäumt, mich vorzustellen«, sagte Will. »Sergeant Will Fergus, und das ist meine Verlobte Miranda Forbes-Alton aus England. Miranda arbeitet in Camiers als Rettungsfahrerin.«
»Für diese Art Arbeit sind Sie viel zu schön«, sagte der Sergeant galant, was Miranda noch mehr für ihn einnahm. »Das sind Caporal Pierre Armel und Caporal Deguire, und mein Name ist Etienne Carrera. Wir sind alle entzückt, Sie kennenzulernen.«
Bei dem Namen Etienne zuckte Miranda leicht zusammen. Möglich, dass dieser Vorname in Frankreich sehr verbreitet war, aber irgendwie schien alles, was ihr Belle über ihren Etienne erzählt hatte, zu diesem Mann zu passen. Sie hatte nie seinen Nachnamen genannt oder sein Aussehen beschrieben, nur erwähnt, dass er eine dunkle Vergangenheit hatte und sehr gut Englisch sprach. Was für ein unglaublicher Zufall, wenn er es tatsächlich wäre!
Will erkundigte sich gerade nach der Meuterei, die vor Kurzem in der französischen Armee stattgefunden hatte. Er hatte gehört, dass viele Männer ihre Posten verlassen hatten, und wollte wissen, ob es vielleicht nur ein unbegründetes Gerücht war.
»Doch, es ist wahr, auch wenn keiner von uns dreien beteiligt war«, antwortete Etienne. »Aber ich finde, man kann denen, die dabei waren, kaum einen Vorwurf machen. Unsere Männer sind immer bereit, ihre Stellung an der Front zu halten, doch es war Wahnsinn, sie in Offensiven zu verheizen, die den sicheren Tod bedeuteten. Die Männer, um die es geht, waren keine Deserteure, was auch immer Sie gehört haben. Sie waren körperlich am Ende, unterernährt und erbärmlich ausgerüstet und hatten wesentlich weniger schweres Geschütz als die Deutschen. Sie haben auf die einzige Art protestiert, die ihnen möglich war. Und es hat funktioniert, weil sich die Situation verbessert hat und wir nun besseres Essen und längere Pausen bekommen.«
Die beiden Korporale stellten auf Französisch Fragen, und der Sergeant übersetzte Wills Antworten. Miranda beobachtete Etienne. Je länger sie ihn ansah, desto stärker wurde ihr Wunsch herauszufinden, ob er der Mann war, den Belle geliebt hatte.
Sie wartete, bis die Unterhaltung ein wenig verebbte. »Sergeant Carrera, Sie kommen nicht zufällig aus Marseille?«, fragte sie.
»Doch«, sagte er überrascht. »Kennen Sie Marseille?«
»Nein, aber eine Freundin von mir kannte jemanden namens Etienne, der von dort stammt. Ich habe mich bloß gefragt, ob Sie es vielleicht sind.«
Seine Augen verengten sich. »Und der Name Ihrer Freundin?«
»Belle Reilly.«
Er schien wie vor den Kopf geschlagen. »Dann haben Sie den Richtigen vor sich. Ich kenne Belle tatsächlich.«
Will sah Miranda erstaunt an. »Die Welt ist klein«, meinte er.
»Belle ist hier in Frankreich«, sagte Miranda. »Sie arbeitet mit mir für das Lazarett.«
Es war interessant, wie Carrera auf diese Neuigkeit reagierte. Er antwortete nicht sofort, doch sie konnte förmlich sehen, wie es in seinem Kopf arbeitete: Er hätte ihr gern einige Fragen gestellt, war sich aber im Unklaren, wie viel sie über ihn wusste.
»Auch als Rettungsfahrerin?«
»Ja, wir sind zusammen hergekommen. Wir sind seit einer ganzen Weile befreundet; wir leben im selben Teil von London.«
Jetzt beugte er sich eifrig vor, als wüsste er gern mehr, und auf einmal kam ihr der Gedanke, dass Belle vielleicht nicht allzu erfreut wäre, wenn er im Lazarett auftauchte.
»Ihr Mann ist übrigens in Belgien, irgendwo bei Ypern, glaubt sie«, sagte sie. »Er ist an der Somme verwundet worden, zum Glück nicht schwer. Sind Sie schon verwundet worden?«
Er lächelte sie an, und seine Augen wurden auf eine unglaublich anziehende Weise sanft. »Nur kleinere Verletzungen. Sie können Belle ausrichten, dass mein Glück noch anhält.«
Irgendetwas an seiner Antwort wirkte so intim, dass Miranda leicht aus der Fassung geriet und Will vorschlug, jetzt lieber aufzubrechen. Sie wünschte inständig, sie hätte nachgedacht, bevor sie den Mann nach Belle gefragt hatte. Wenn er jetzt ins Lazarett kam und ihre Freundin in eine peinliche Lage brachte, wäre es ihre Schuld.
Etwas später machten Miranda und Will in einem kleinen Dorf halt und beschlossen, vor dem Mittagessen ein Stück am Fluss spazieren zu gehen.
»Sag mal, woher kennt Belle diesen französischen Sergeant?«, wollte Will wissen. »Es schien ihn ziemlich zu überraschen, dass sie in Frankreich ist.«
Miranda hätte ihm gern die ganze Geschichte erzählt, doch das war nicht möglich, ohne einen Großteil von Belles Vergangenheit preiszugeben.
»Sie lernte ihn kennen, als sie vor dem Krieg in Paris war«, antwortete sie zurückhaltend. »Das war lange bevor wir uns kennenlernten und Freundinnen wurden.«
»Er dürfte ihr etwas bedeutet haben, wenn sie dir von ihm erzählt hat«, meinte Will. »Und sie hat ihm ganz sicher etwas bedeutet – er ist ja fast vom Hocker gesprungen, als du ihren Namen genannt hast.«
»Vielleicht war da mal etwas. Doch sie ist nach Hause gefahren und hat Jimmy geheiratet. Er war ihre Jugendliebe.«
»Dann muss dieser Jimmy ein Teufelskerl sein.«
Miranda wusste genau, was er meinte. Selbst in der kurzen Zeit war ihr aufgefallen, dass Etiennes zwei Kameraden und Will ihn bewunderten. Es lag nicht daran, dass er etwas Besonderes gesagt oder getan hätte, er besaß einfach diese angeborene Überlegenheit, die manchen Menschen eigen war. Eine Fremdsprache fließend zu sprechen war Teil davon, doch sein Aussehen und seine Manieren taten ein Übriges.
»Jimmy ist ein sehr guter Mensch«, sagte Miranda. »Liebevoll, verlässlich und auf seine Art genauso charismatisch. Die beiden sind ein sehr glückliches Paar, und sie passen einfach perfekt zusammen.«
»Dann solltest du ihr vielleicht lieber nicht erzählen, dass du ihren alten Freund getroffen hast.«
Miranda fand diese Bemerkung sehr scharfsinnig. Nur wenige Männer würden eine Situation so schnell erfassen wie Will. »Ja, da hast du wohl recht, auch wenn es mir schwerfallen wird, das für mich zu behalten.«
Die anderen drei Mädchen schliefen schon, als Miranda um elf Uhr abends zurückkam, aber Belle saß im Bett und las und wartete auf sie.
»Wie war’s?«, flüsterte sie, legte ihr Buch weg und klopfte einladend auf die Bettkante.
»So schön, dass ich es nicht einmal annähernd schildern kann.«
»Tja, warum erzählst du mir nicht zuerst von dem Gasthof, in dem ihr abgestiegen seid?«
»Alt und ein bisschen schäbig, aber gemütlich und, verglichen mit dieser Bude hier, ein wahres Paradies. Das ist wahre Liebe, Belle, alles in mir weiß es, ohne den geringsten Hauch von Zweifel. Ich hätte nicht gedacht, jemals so glücklich zu sein.«
»Habt ihr schon beschlossen, wann die Hochzeit stattfinden soll?« Sie hatte ihre Freundin noch nie so strahlend gesehen, das Glück machte sie schön, und sämtliche Befürchtungen Belles wegen dieser Liebesbeziehung lösten sich in Luft auf.
»Wir haben uns überlegt, dass wir lieber hier heiraten würden, doch Will braucht dazu die Genehmigung seines vorgesetzten Offiziers. Er könnte natürlich seine Erlaubnis verweigern. Und ich habe keine Ahnung, wo wir wohnen werden, ob ich hierbleiben soll oder was auch immer.«
»Das wird sich alles von selbst ergeben«, tröstete Belle sie. »Vielleicht musst du dich noch ein klein wenig gedulden. Aber das ist ja nicht so schlimm.«
»Leicht gesagt für dich.« Miranda grinste verschmitzt. »Nach diesem ersten Mal will ich ihn noch mehr als vorher, und das Warten wird eine Qual sein. Ich brauche ein neues Kleid für die Hochzeit. Glaubst du, dass sich in Calais eine Schneiderin finden lässt?«
»Ganz bestimmt, doch jetzt geh lieber zu Bett! Es sollen sehr viele Verwundete zu uns unterwegs sein. Keine Zeit für Liebe und Leidenschaft!«
Lange nachdem Belle eingeschlafen war, lag Miranda noch wach und ließ ihre gemeinsame Nacht mit Will Revue passieren. Allein daran zu denken, versetzte sie in Erregung und ließ ihr Herz schneller schlagen. Um endlich einzuschlafen, stellte sie sich vor, dass der Krieg vorbei war und sie mit Will an Bord eines Schiffs nach Amerika fuhr. Er hatte gesagt, das Haus seiner Eltern sei klein, ein Reihenhaus, wie es sie auch in England gab, nahm Miranda an. Aber dort würden sie nur so lange bleiben, bis Will einen neuen Posten bekam, und dann würden sie in einer der Familienwohnungen innerhalb des Kasernenbereichs wohnen.
Als Belle mit dem Plan herausrückte, sich als Hilfsschwester am Royal Herbert zu bewerben, war Miranda eigentlich nicht sonderlich begeistert gewesen. Sie hatte sich einfach vom Enthusiasmus ihrer Freundin mitreißen lassen. Dutzende Male war sie drauf und dran gewesen, alles hinzuschmeißen, weil die Arbeit so schwer war und sie es nicht gewöhnt war, herumkommandiert zu werden. Um die Wahrheit zu sagen, war sie nur geblieben, weil sie wusste, dass ihre Mutter triumphieren würde, recht behalten zu haben. Auf die Idee, als Rettungsfahrerin zu arbeiten, war sie gekommen, weil diese Arbeit leichter und vielleicht auch glamouröser zu sein schien. Jetzt hätte sie darüber lachen mögen. Nichts an dieser Arbeit war glamourös, und sie war sogar noch anstrengender als die Pflege von Verwundeten.
Aber nun sah es so aus, als wäre es ihre Bestimmung gewesen, hierherzukommen und Will zu begegnen. Vor ihr lag ein neuer Anfang in einem Land, das sie schon immer hatte kennenlernen wollen. Will hatte ihr heute so viel darüber erzählt: von seinen Eltern und davon, wie sie ums Überleben hatten kämpfen müssen, als sie als Einwanderer nach Amerika gekommen waren, von dem überfüllten, heruntergekommenen Viertel, in dem sie gelebt hatten, als er klein gewesen war, und von der Schönheit des Landes außerhalb der Großstädte.
Er hatte ihr versprochen, ihr ein Buch über Amerika zu besorgen, damit sie sich einen besseren Begriff von dem Leben auf diesem Kontinent machen konnte. Und morgen könnte sie Belle ein bisschen ausfragen. Auf die Idee war sie bis jetzt noch gar nicht gekommen.
Ein seltsamer Gedanke, dass sie das alles im Grunde Frank zu verdanken hatte. Ohne ihre Affäre mit ihm und die Abtreibung hätte sie Belle nie kennengelernt, und ihr Leben wäre in ganz anderen Bahnen verlaufen. Ihre Eltern hätten sie mittlerweile wahrscheinlich schon unter die Haube gebracht, und sie hätte ihre Tage zweifellos damit verbracht, Socken und Schals für Soldaten zu stricken und ihrer Mutter von Tag zu Tag ähnlicher zu werden.
Belle war der einzige Mensch, den sie vermissen würde, wenn ihr neues Leben begann. Ihre Freundschaft bedeutete ihr so viel, all die Geheimnisse, die sie einander anvertraut hatten, das Lachen und die Freude an der Gesellschaft eines anderen Menschen, der alles über sie wusste und sie trotzdem liebte. Und Miranda war überzeugt, dass Belle zu kennen einen besseren Menschen aus ihr gemacht hatte.
Es würde ihr furchtbar schwerfallen, Abschied von ihr zu nehmen.
Sie spähte zu Belles Bett hinüber. Heute Nacht war es zu dunkel, um sie zu sehen, aber sie gab im Schlaf kleine schniefende Laute von sich. Miranda hätte ihr gern von ihrer Begegnung mit Etienne erzählt, doch Will hatte recht, das Wissen, dass er so nah war, könnte Belles inneren Frieden stören.
Miranda lächelte in sich hinein. Dieser Etienne war der Typ Mann, der jede Frau um ihren inneren Frieden brachte. Seine stahlharten blauen Augen, die kantigen Wangenknochen und sein französischer Akzent waren an sich schon genug, aber das war noch längst nicht alles. Belle hatte ihr erzählt, dass eine Freundin ihn einmal als Tiger bezeichnet hatte, und Miranda fand den Vergleich durchaus passend. Er war ein Raubtier und ein Jäger, stark, möglicherweise rücksichtslos und gefährlich, wenn man sich ihm aus der falschen Richtung näherte.
Dennoch bestand für Miranda kein Zweifel daran, dass Belle ihm viel bedeutet hatte und immer noch bedeutete.
»Zeit aufzustehen, Mädels!«, rief Sally am nächsten Morgen um sechs Uhr.
Belle stöhnte, rieb sich die Augen und schlug müde die Bettdecke zurück. »Es kann noch nicht Morgen sein, wir sind doch erst vor ein paar Minuten ins Bett gegangen.«
»Einige von uns vielleicht«, bemerkte Sally spitz und warf einen Blick auf Miranda, die noch tief und fest schlief.
»Kein Grund, gehässig zu werden, Sally«, warf Vera ein. »Du bist doch bloß neidisch.«
»Fürs Protokoll, sie ist um elf heimgekommen. Ich habe noch mit ihr geredet«, sagte Belle und streckte einen Arm aus, um ihre Freundin wachzurütteln.
Der Regen war zurückgekehrt. Als sie ihre Baracke verließen, um frühstücken zu gehen, wateten sie wieder einmal durch tiefe Pfützen. Eine Viertelstunde später lief Belle, ihren Mantel zum Schutz vor dem Regen über den Kopf gestülpt, zu ihrem Rettungswagen und stellte fest, dass David den Motor bereits angelassen hatte und im Führerhaus saß. Als sie einstieg, sah sie Miranda mit Alf bei ihrem Wagen stehen. Sie schien sich über irgendetwas zu ärgern.
»Was da wohl los ist, David?«, fragte Belle und setzte sich hinter das Lenkrad.
»Ich glaube, sie ist sauer, weil sie schon wieder diese Kiste fahren muss. Erinnerst du dich nicht, wie sie am Samstag gestöhnt hat, weil die Gangschaltung so klemmt?«
Belle nickte. Miranda hatte vom Schalten der Arm wehgetan. »Wahrscheinlich hatte sie es am Sonnabend so eilig wegzukommen, dass sie vergessen hat, es zu melden.«
Die beiden Mädchen versuchten immer, im Konvoi zu fahren, weil sie sich dann am Bahnhof ein bisschen unterhalten konnten, wenn ein Zug Verspätung hatte. Deshalb wartete Belle einen Moment, um zu sehen, ob Miranda mit ihrem Rettungswagen zurechtkam. Als er sich in Bewegung setzte, fuhr sie los, und die Freundin folgte ihr.
»Scheint in Ordnung zu sein«, bemerkte David, der einen Blick in den Seitenspiegel warf. »Vielleicht ist die Schaltung ja repariert worden. Hatte sie ein schönes Wochenende?«
»Ein wunderschönes«, grinste Belle. »Sie schwebte im siebten Himmel, als sie zurückkam. Wenn heute wie angekündigt noch mehr Verwundete als sonst eintreffen, dürfte sie allerdings mit einem unsanften Ruck auf die Erde plumpsen.«
David erzählte ihr von einem Streit um einen verschwundenen Kuchen, der am vergangenen Abend zwischen zwei Männern in seiner Baracke ausgebrochen war. Dan, der den Kuchen von zu Hause geschickt bekommen hatte, war überzeugt, dass Ernie ihn genommen und verputzt hatte.
»Und hatte er das?«, fragte Belle.
»Nein, es kam heraus, dass Dan den Kuchen vorsichtshalber in seinen Koffer gepackt und es dann vergessen hatte. Als er den Koffer aus irgendeinem Grund hervorholte, entdeckte er den Kuchen. Dan blieb nichts anderes übrig, als ihn mit den anderen zu teilen, und Ernie ließ sich als Entschuldigung ein besonders großes Stück geben.«
Belle lachte. In den Unterkünften der Männer kam es immer wieder wegen derartiger Vorfälle zu Streitigkeiten. Die Mädchen, mit denen sie zusammenwohnte, waren wesentlich manierlicher. Wenn eine von ihnen von daheim etwas zu essen geschickt bekam, teilte sie immer mit den anderen.
»Dieser verdammte Regen! Glaubst du, das bleibt den ganzen Sommer so?« Belle beugte sich vor, um durch die Windschutzscheibe zu spähen, weil die Scheibenwischer nicht besonders gut funktionierten. Vor ihnen lag der Eisenbahnübergang, doch als Belle das Häuschen passierte, in dem immer ein Wächter saß, der eine Fahne schwenkte, wenn ein Zug nahte, konnte sie niemanden sehen.
»Wo mag er sein?«, murmelte sie. Sie hatte oft mit dem Mann geplaudert, wenn sie am Bahnübergang hatte warten müssen.
»Vielleicht wird gar kein Zug erwartet«, meinte David hoffnungsvoll. »Oder er ist schon durchgefahren.«
Belle fuhr über die Schienen und schaute in den Rückspiegel, um zu sehen, ob Miranda noch hinter ihr war, doch ihre Freundin war ungefähr vierhundert Meter zurückgefallen. Anscheinend gab es immer noch Probleme mit der Schaltung.
Belle fuhr langsamer, damit Miranda sie einholen konnte. In diesem Moment hörte sie das schrille Pfeifen der Lok.
»Verdammt, ein Zug!«, schrie sie entsetzt. Sie hielt an, und David und sie sprangen aus dem Wagen, um Miranda zu warnen. Aber als sie am Fond des Krankenwagens waren, konnten sie sehen, dass Miranda direkt auf den Schienen stand und nicht weiterfuhr.
»Gott im Himmel!«, rief David. »Was macht sie denn?«
Sie rannten die sechs- bis siebenhundert Meter zu ihr zurück und ruderten wie wild mit den Armen, um sie zu warnen, doch der Wagen rührte sich nicht, und selbst aus der Entfernung konnten sie erkennen, dass Miranda das Gefährt weder vor noch zurück bewegen konnte.
Die Lazarettzüge fuhren langsam, aber die Schienen folgten vor dem Bahnübergang einer Kurve, und der Lokführer würde den Rettungswagen nicht rechtzeitig sehen, um stehen zu bleiben.
»Steigt aus!«, brüllten David und Belle aus voller Kehle. »Steigt sofort aus!«
Der Zug war fast da, wenn auch hinter Bäumen verborgen, aber sie konnten den Dampf aufsteigen sehen und das Rattern der Räder auf den Schienen hören.
Belle schrie vor Panik laut auf; sie war jetzt nahe genug beim Bahnübergang, um Mirandas kreidebleiches, entsetztes Gesicht und den Zug zu sehen, der unaufhaltsam auf sie zurollte. Alf, der auf dem Beifahrersitz saß, gestikulierte und schrie Miranda offensichtlich an, endlich auszusteigen. Dann flog seine Tür auf, er sprang heraus und raste auf Belle und David zu.
Und dann schien alles auf einmal ganz langsam zu gehen. Anscheinend hatte der Lokführer den Rettungswagen gesehen, denn sie konnten das Kreischen der Bremsen hören. Miranda wandte sich zum Zug um und bewegte den Arm, als versuchte sie immer noch, den Gang einzulegen. Und dann war der Zug auf einmal da, krachte gegen den Wagen und stieß ihn wie ein Stück Pappe vor sich her.
Sie sahen, wie Miranda die Arme hochriss und über ihren Kopf hielt, als sich der Wagen überschlug und vom Zug überrollt wurde.