13
Joane saß neben Skallon auf einer verfallenen Mauer, die den Hof des Hotels teilweise umgab, und wartete. Fain war ins Haus gegangen, um Scorpio – der sich immer noch nicht richtig wohl fühlte – zu füttern und um nachzudenken. Skallon hatte ihm diese Aufgabe freudig überlassen. Er hatte das Schattenboxen gegen einen Änderung satt, den sie niemals zu sehen bekamen und an dessen Absichten er allmählich zweifelte.
Im letzten Lichtschimmer des frühen Abends sah er, wie Danon die Maraban Lane heraufgetrottet kam. Skallon empfand gelinde Schuldgefühle ob der Anforderungen, die sie an Danon stellten; er war schließlich noch ein Kind. „Hast du etwas gesehen?“
„Nein.“ Danon ließ sich gegen die Mauer sinken. „An der Rückseite ist niemand gegangen oder gekommen. Und wie war es bei Euch?“ Er hob hoffnungsvoll die Stimme.
„Wir haben versucht, ihm eine Falle zu stellen. Nichts.“
„Der Hund und Commander …“
„… Fain? Sie sind im Haus. Ich glaube, uns sind die Ideen ausgegangen.“
„Mama? Ich habe Hunger.“ Danon war zunächst eifrig dabei gewesen, aber jetzt verlor er sichtlich das Interesse an diesem neuen Spiel.
„Ja, mein Kleiner.“ Sie streichelte Danons Hinterkopf und sah ihn an. Skallon, der sie mit liebevollen Augen betrachtet hatte, fand diese Geste, die Mutterschaft, Familie und ähnliche Rollen denotierte, leicht unpassend für ihre Person.
„Laßt uns hineingehen“, sagte er. „Der Änderung kann bis morgen warten.“ Joane führte sie in die Hauptküche des Hotels, wo Köche schwitzten und Kellner mit dem Geschirr klapperten. Skallon war überrascht, große Berge von Lebensmitteln zu sehen, während draußen eine Seuche wütete: gelbe, schweineartige Tiere mit glasigen, toten Augen, Butter in dicken, weißlichen Klumpen, Ketten von seltsamen grünen Würsten und mühlsteinförmiger Käse. Joane trug für Danon ein Abendessen auf, und der Junge nahm es mit hinaus. Er nickte Skallon zu wie ein Kriegskamerad und ging in sein Zimmer. Vor Erschöpfung lagen seine Augen tief in den Höhlen.
Skallon unterhielt sich mit Joane, tastend und mit einer gewissen Ungezwungenheit. In der Küche roch es nach Essen und Schweiß. Gelegentlich unterbrach sie das Gespräch, um mit sanfter, klarer Stimme irgendwelche Befehle zu erteilen, und die Köche und Helfer gehorchten ihr aufs Wort. Kellner mit halbmondförmigen Schweißflecken in den Achselhöhlen gaben bellend ihre Anweisungen und brachen zähe Wurzeln in einen Salat; gelegentlich tauchten sie den Daumen in Sahnenäpfe, um das Gemisch damit zu aromatisieren. Einer wusch sein Gesicht über einem Spülbecken, in dem sauberes Geschirr abgespült wurde. Joane ertappte ihn dabei, stauchte ihn zurecht und schickte ihn an eine niedere Arbeit.
Skallon genoß es zu sehen, wie sich diese Facette ihrer Persönlichkeil entfaltete. Sie inspizierte die Kellner und schickte sie hinaus, um das Communal zu eröffnen. Es war instruktiv, ihnen dabei zuzusehen. Eine plötzliche Veränderung kam über sie. Ihre Schultern strafften sich, sie rafften ihre verrutschten Gewänder und richteten sie sorgfaltig. Hast und Gereiztheit der Küche fielen von ihnen ab, und von einem Hauch von Feierlichkeit umgeben schwebten sie hinaus.
Joane winkte ihm, sie gingen hinüber zum Communal und betraten es durch den öffentlichen Eingang.
Der mit Ziegeln gepflasterte Raum war bereits gedrängt voll von Menschen, die redeten und aßen. Einige saßen in kleinen Gruppen zusammen und sangen. Kish stand hinter einer kleinen Bar an der Seite, die vor ihm winzig wirkte. Skallon entdeckte Fain, der auf einem Schemel an einem Tisch neben der Bar hockte und eine grüne Flüssigkeit aus einer Schale löffelte. Er aß gleichmütig und mit gesenktem Kopf, alles um sich herum ignorierend. Kish war sichtlich verunsichert durch die Nähe des schweigsamen Erdlers; alle paar Sekunden wanderte sein Blick zu Fain hinüber. Als er Skallon und Joane sah, hellte sich sein Gesicht auf, und er winkte sie herüber an die Bar.
„Euer Freund ist nicht zufrieden mit Eurer Arbeit?“ Kish sprach mit gesenkter Stimme, obwohl es in dem Durcheinander des Communals nicht notwendig war.
„Er wird es überstehen“, antwortete Skallon trocken.
„Ich glaube, seine Laune hat sich auf Danon ausgewirkt“, meinte Joane. „Er war sehr müde und deprimiert, als er zurückkam.“ Kish nickte, als ob dies seine Überzeugung bestätigt hätte, daß Erdler einen schlechten Einfluß ausübten, wenn ihnen etwas in die Quere kam.
„Er ist ständig in Eile“, sagte Kish. „Kann ich ihm nicht etwas anbieten?“
Skallon nickte. „Einen Drink.“
Er erhaschte Fains Blick und winkte ihm herüberzukommen. Kish stellte zwei Becher vor ihnen ab.
„Probier das mal“, sagte Skallon. Er mußte die Stimme heben, weil eine Woge von Gesang aus der Gruppe am anderen Ende des Raumes emporstieg.
Fain nippte und nahm dann einen tiefen Zug. Skallon stellte fest, daß es sich um ein dickes, sämiges Bier mit einem sonderbaren Nachgeschmack nach Eisen handelte. „Mm“, sagte Fain unentschieden. „Nicht schlecht.“
„Ein Starkbier. Sammetbier.“ Kish goß ihre Becher wieder voll.
Sie sprachen über alles mögliche; Fain sagte wenig, und Kish plauderte munter daher, ohne Fains Schweigen zu bemerken. Er erzählte Geschichten von diebischen Kaufleuten und Angriffen gegen seine Ehre, alles am Ende wieder ins Lot gebracht durch ein paar schneidige geschäftliche Manöver. Joane lauschte ihm pflichtbewußt, obwohl sie all das zweifellos nicht zum ersten Mal hörte. Skallon beobachtete die Menge.
„Versucht dies!“ Kish setzte krachend volle Becher vor ihnen ab. Ein leichteres Gebräu diesmal. Blasen stiegen perlend an die bernsteingelbe Oberfläche.
„Tja …“ begann Skallon, nachdem er daran genippt hatte.
„Das ist Dreck“, brummte Fain.
„Ihr habt recht. Ganz genau.“ Kish nickte zustimmend – ein Kritiker seiner eigenen Waren.
„Ein Exkret, das besser wäre geblieben im Pferd“, sagte Skallon, dem ein alter alveanischer Satiretext einfiel.
„Ihr trefft den Nagel auf den Kopf!“ Kish strahlte glücklich. „Aber versucht dies.“
Die Becher landeten dröhnend auf dem Tisch, so daß ein Teil des Inhalts herausschwappte, als wollte er dem kommenden Urteil entgehen. „Hervorragend“, sagte Skallon schlicht, und er meinte es ehrlich. Das dunkle, milde Zeug rann durch die Kehle wie Öl.
„Mmmm. Gut“, stimmte Fain zu. „Gut.“
Kish strahlte noch mehr. Er ging nach hinten zu einer Nische und brachte neue, klirrende braune Flaschen. Er zog das Drahtgeflecht von den Korken, öffnete sie und goß den Inhalt in saubere Becher. „Der Abend singt!“ sagte er und bat sie weiterzutrinken.
Skallon wechselte ein paar Worte mit Fain, und beide nahmen eine kleine Pille aus dem Gürtel und schluckten sie, um ihren Blutkreislauf vom Alkohol zu befreien. Das erwies sich als gute Vorsichtsmaßnahme. Kish wurde immer herzlicher und ausladender und setzte ihnen Proben von seltenem Ale und Bitterbier aus entlegenen Provinzen vor. Dies war offensichtlich so recht nach seinem Herzen.
Danon trat ein, ausgeruht und bereit für sein zweites Abendessen. Sie gaben ihm einen Schluck Bier, und der Junge nahm neben Skallon Platz und sah sich um, während immer mehr Menschen sich im Raum drängten und dicke Rauchschleier in der Luft hingen. Die gesamte Nachbarschaft versammelte sich hier, im größten Communal der Umgebung, vor allem zur Zeit des Festes. Da waren Schmiede, Töpfer, Metzger, Obsthändler, Quantimakas-Schäler und Gepäckträger wie auch Dienstmädchen der verschiedensten Art. Skallon genoß die Vielfalt von Gesichtern aus allen Altersgruppen. Hier und dort saßen kadaverhafte, schweigsame Trinker, mit Bier vollgesogen wie die Schwämme, die die braune, schäumende Flüssigkeit ohne Unterlaß in sich hineinschütteten. Ein paar Frauen gingen halb tanzend, halb taumelnd von Tisch zu Tisch und murmelten Gedichte und Lieder, die sie sich ausdachten, während sie daherwankten, wobei ihnen jeder Reim recht war. Alle waren glücklich, es herrschte eine überwältigende Gewißheit, daß die Welt ein wundervoller Ort war, daß die Seuchen diesen schäumenden, strahlenden Kreis nicht mit rauchigen Fingern umklammern würden und daß die Anwesenden in diesem Raum noble und bemerkenswerte Leute seien. Ein Mädchen tanzte umher, die Knie mit einem Seil zusammengebunden, und mit schwerfälligen Bewegungen folgte ihr ein Mann, der einen gelbbemalten, hölzernen Phallus von der Größe eines Nudelholzes vor sich hertrug. Der Raum bebte von Gelächter. Das Mädchen rollte die Augen, leckte sich erwartungsvoll die rosigen Lippen und ließ sich von dem zuckenden, stoßenden Mann besteigen. Dann brach der Mann mit offenem Mund zusammen. Sie lachte auf und wirbelte davon. Ein anderer ergriff ihren Ellbogen und leitete sie an seinen Tisch. Das schallende Gelächter der wogenden Menge folgte ihnen.
Fain wurde unruhig. Er leerte seinen Becher. „Ich glaube, ich gehe für einen Augenblick hinaus.“
„Warum?“ fragte Skallon.
„Um mich ein wenig umzusehen. Der Änderung muß ja irgendeine Wirkung auf diese Stadt haben.“
„In der Nacht wirst du ihn nicht finden.“
„Er muß irgendwo in der Nähe sein.“
„Unwahrscheinlich.“
„Er macht uns eine lange Nase – falls er eine hat. Uns, Skallon. Diese dämliche Jagd – das war ein Witz!“
„Deshalb mache ich mir Gedanken über die Motive des Änderlings. Vielleicht versucht er ja gar nicht, an die Spitze der alveanischen Gesellschaft zu gelangen. Vielleicht schert er sich einen Dreck um die Hohen Kasten.“
„Ich weiß es nicht. Es ist das gleiche System wie früher.“
„Auf Revolium? Wo du ihn schon einmal gefangen hast?“
„Ja. Da und auch an allen anderen Orten. Wo ich sie umgebracht habe.“
„Aber dieses Wort, System’. Das ganze Problem mit den Änderungen ist doch, daß sie keinem System folgen. Sie handeln rein intuitiv.“
„Deswegen glaube ich, daß er in unserer Nähe ist. Wenn wir ‚zick’ machen, macht er ‚zack’.“
„Auf diese Weise bekommt er niemals irgendwelche Macht in Kalic.“
„Wieso nicht? Schließlich lungern wir hier herum und warten, daß er sich zeigt.“
„Das stimmt.“ Skallon nippte an einem dickflüssigen, aromatischen Bitterbier, das Kish ihm eingegossen hatte.
„Ich glaube, er beobachtet das Hotel.“
„Du meinst, er wohnt hier? Als Gast?“
„Nein. Zu riskant – Scorpio würde es merken.“
„Deswegen willst du also nachts hinaus. Mit Scorpio.“
„Richtig. Der Änderung erkennt uns, wenn er uns sieht. Na schön, nehmen wir ihm diese Möglichkeit. Scorpio kann einen Änderung auch im Dunkeln ausmachen.“
„Ich …“
„Bis später.“ Abrupt wandte Fain sich um und watete durch die Menge davon.
Wenn er wußte, was zu tun war, dann handelte er. Skallon empfand eine gewisse Bewunderung dafür. Kein langes Nachdenken, keine Zweifel, keine alternativen Theorien. Reine Aktion.
„Versucht dies“, durchbrach Kish seine Gedanken. „Ein ungewöhnliches Brauverfahren. Hier …“ Er reichte Danon die beiden Becher. Das Trinken zeigte deutlich Wirkung bei dem Jungen. Unsicher ergriff er die Becher, ließ eine dünne, braune Schicht auf die Bar schwappen und hielt sich dann mit zitternden Händen aufrecht. Als er einen der Becher zu Skallon hinüberschob, murmelte er: „… glaube … muß … klaren Kopf.“
Kish lachte, und seine Stimme dröhnte durch das Communal. „Der Junge muß noch lernen.“ Er zwinkerte Skallon zu. Als Joane zu ihm herübersah, nahm sein Gesicht sogleich einen gesitteten, unbeteiligten Ausdruck an.
Schichten von Qualm hingen in der schweren Luft. Verschwommen dachte Skallon daran, schlafen zu gehen und vielleicht Joane zu bedeuten, ihm nach einer Weile des diskreten Wartens zu folgen. Das Getöse im Communal hatte sich ein wenig gelegt; ein paar der Gesichter waren erschlafft und starrten ins Leere. Die Sänger murmelten untereinander. Andere sogen den Rauch von Euphoricum durch die Nase. Skallon hatte ein wenig von dem beißenden Zeug eingeatmet, als es durch den Raum geweht war. Er glaubte eine leichte Wirkung davon zu spüren. Das Communal erschien kleiner, die Wände zogen sich um ihn zusammen, und er balancierte benommen auf seinem Schemel.
Die Gesichter im Licht der flackernden Öllampen wirkten in sich gekehrt. Es schien, daß sie jetzt, da es nach dem anfänglichen Trubel des Abends wieder bergab ging, erkannten, daß sie keine strahlenden Wesen in einer wundervollen Welt waren, sondern Arbeiter mit rauhen Händen und Frauen, die sich elendig und trostlos betrunken hatten. Fürwahr eine heruntergekommene, schäbige Horde. Aber Skallon durchschaute diese Schicht von Reue und Offenbarung, die sich auf alles herabgesenkt hatte. Er sah einen harten Kern in diesen Leuten, stärker als alle Seuchen. Aber sie trieben haltlos dahin, das konnte man riechen. Eine stabile Gesellschaft bezahlt ihre Sicherheit mit Unbeweglichkeit.
Danon kam wieder herein. Seine Augen leuchteten.
„Ein paar Blocks von hier geschieht irgend etwas. Ich kann den Lärm hören. Ein Menschenauflauf …“, sagte er atemlos.
„Ist Fain dort?“
Danon schüttelte den Kopf, und seine Kapuze flog hin und her. „Ich weiß es nicht.“
Skallon kam auf die Beine; der Nebel des Communals in seinem Kopf lichtete sich nur langsam. „Gehen wir. Aber bleib im Schatten.“ Er nickte Kish und Joane zu, und dann drängten sie sich durch die Menge hinaus.
Als sie auf die Straße traten, hörte Skallon aus der Ferne den gedämpften Lärm einer Menschenmenge, die lauthals durcheinanderredete. Die Maraban Lane war in der Dunkelheit versunken, aber aus einer angrenzenden Straße drang ein Lichtschein herauf. Die beiden eilten darauf zu.
Die Luft war überaus klar. Sie hasteten durch ebene, menschenleere Straßen, ihre Schritte knirschten und klapperten, und der Wind liebkoste Skallons Gesicht. Der weiche Lichtschein wurde zu Straßenlaternen und Handfackeln. Schließlich erblickten sie gut tausend Menschen, die in einem unregelmäßigen Halbkreis eine erhöhte Plattform umringten und einem fetten Alveaner lauschten. Skallon sah, daß der Mann auf einem Gemüsekarren stand. Seine Füße versanken fast in zertretenen Quantimakas-Stielen.
Die Menge raschelte und murmelte, wie um den Redner zum Weiterreden zu drängen. Er sprach über die lästerliche Verunreinigung des Festes durch die Seuchen. Durch bösartige Eindringlinge. Durch die Erdler, die das Leben selbst von den blutigen Lippen der hungrigen Armen rissen.
Skallon hörte aufmerksam zu und sah sich suchend in der Menge um, aber von Fain fand er keine Spur. Gab es Anzeichen dafür, daß der Änderung hinter dieser Sache steckte? Skallon runzelte die Stirn. Schwer zu sagen.
Unterdessen wandten sich hin und wieder Gesichter aus der Menge zu ihm herüber, und forschende Blicke trafen den seinen. Vielleicht stimmte irgend etwas mit seinen Gewändern nicht. Skallon schaute an sich hinunter, schüttelte sich und strich hier und da eine Falte glatt. Es schien alles in Ordnung zu sein.
Die Gesichter der Menschen wurden zu einem Gewebe, wirr und wogend und so fein wie bunte Spitze. Jedes der knotigen Gesichter, jedes starrende Augenpaar, jeder Mund saß haargenau an seinem scharf umgrenzten Platz. Eingerahmt, ja, in unnatürlicher Aufteilung, frisch und sauber, wie in einem wohlkomponierten Gemälde. Ein Gemälde, ja. Unsigniert natürlich. Ja.
Der Redner brüllte seine versimpelten Wahrheiten heraus. Abtrünnig. Treulos. Skrupellose Erdler. Ungeziefer. Alvea hatte sie verbannt, aber die Seuchen dauerten an. Sie hatten ihren Stempel hinterlassen.
Skallon nickte, schüttelte den Kopf, nickte wieder. Der Alveaner verstand nicht, worum es ging. Offenbar wußte der Mann nichts von sozialer Dynamik, von Genetik, von Geschichte. Der Fettwanst spulte plausible, aber hohle Argumente ab und verfehlte die wesentlichen Punkte. Skallon erinnerte sich an ähnliche Menschenmengen, in denen er gestanden hatte, versammelt in Höfen, auf Plätzen und in Unterkünften. Ausbilder hatten ihnen gesagt, was man von ihnen erwartete, wie man sie bestrafen würde, wenn sie sich nicht richtig verhielten, und warum das alles notwendig war. Niemand hatte jemals widersprochen, immer stand die Menge dumpf da und nahm jedes Wort in sich auf.
Aber dieser Haufen von Alveanern war anders. Bei jedem Schmähruf raschelten sie wie Blätter im Wind, und von dem gestikulierenden, schwitzenden Redner wehte eine wütende Brise herab. Jemand feuerte ihn brüllend an.
Skallon lauschte voller Aufmerksamkeit und versuchte, jeden Augenblick, jedes Wort neu zu begreifen. Er spürte, wie er durch den Rand der Menge trieb. Danon flüsterte etwas, drängte ihn zur Rückkehr. Finger griffen nach ihm. Der Junge blieb hinter ihm zurück. Worte spülten über Skallon hinweg. Ein Gewirr von Phrasen. Gesichter wandten sich ihm zu, flatternd im Sturm.
Der Karren ragte vor ihm auf, höher als er erwartet hatte. Ein Mund, der Fragen stellte. Ein Stoß mit dem steif ausgestreckten Arm, und er verschwand. Er bewegte sich vorwärts auf zitternden Knien. Die Hand auf dem Karren, mit keuchendem Atem, und hinauf. Der Redner drehte sich um. Noch ein Gesicht, mehr nicht, ein Gesicht wie alle anderen.
Skallon brüllte einen Satz heraus und dann noch einen. Ich bringe Klarheit. Hände griffen nach ihm. Er stieß sie von sich. Sie wichen zurück. Stille legte sich über die künstlichen Gesichter unter ihm. Unheimlich, dieses erwartungsvolle Schweigen. Die Gemeinsamkeit der Ziele. Danon in der Ferne, ein klar umrissenes, gespanntes Kindergesicht. Aufwärts gerichtet wie die anderen, um die Wahrheit zu hören. Hört zu … Ein frischer, erleuchtender Atemzug. Kraft durch Wissen …
Um es ihnen zu zeigen, warf er seine Kapuze zurück. Löste die Spangen und Fallen und falschen Fassaden seiner Doubluth-Gewänder. Seine irdischen Züge hoben sich klar und deutlich in das trübe Licht. Und doch kenne ich Euch … Ein Aufschrei. Und Euren Planeten, eine Welt, so reich … Aufruhr … und doch heimgesucht von Verfall … Hände … historisch falsch … Sie greifen nach ihm. Ein gedämpftes, wütendes Grollen von unten. Ihr müßt verstehen … Langsam und deutlich, damit sie die Feinheiten verstehen, auf die er hinauswill.
Aber die Hände. Greifend, zerrend. Verschwommene Bewegung. Gesichter gleiten vorüber in dem matten, gelblichen Licht. Eisige Luft. Ein Wagenrad, verkehrt herum. Ein Polster von Lärm umhüllte ihn. Irgendwie war irgend etwas schiefgegangen.