4-14

Am nächsten Morgen berichtete Janice Dirker Tyler Cabe von dem Riesen, der letzte Nacht auf der Suche nach ihm gewesen war. Während sie sprach, wurde sie praktisch weiß vor Angst. Und Cabe hatte eine ziemlich klare Vorstellung davon, dass sie kein Hasenfuß war.

»Elijah Clay«, das war alles, was Cabe kopfschüttelnd sagen konnte. Plötzlich hatte er sein Frühstück aus Kuchen und gebratenen Kartoffeln vergessen. »Himmelherrgott, dieser Hurensohn ist wirklich hinter mir her. Verdammt will ich sein.«

Janice sah mehr als nur ein wenig besorgt aus. »Wer ist das, Mister Cabe?«

Und er sagte es ihr, erzählte ihr alles darüber, wie er Virgil Clay niedergeschossen hatte und wie Charles Graybrow ihm von dem Tier, das Virgils Vater war, berichtet hatte … halb Grizzlybär, halb Oger und einhundert Prozent arschtretender, das Leben nehmender, intoleranter Hillbilly. Ihre dunklen, wunderschönen Augen waren die ganze Zeit auf ihn gerichtet, und es war tatsächlich Sorge in ihnen, echte Angst.

Und Cabe dachte: Ich will verdammt sein, diese Lady interessiert sich wirklich für mich.

»Ich kann das überhaupt nicht gut finden, Mister Cabe«, sagte sie, und ihre Stimme war tief und sinnlich, und sie ließ das Innere des Kopfgeldjägers kochen wie süße Melasse. »Ich weiß, dass diese Angelegenheit mich nichts angeht, aber ich denke, es wäre klug, wenn Sie sich eine Zeit lang verstecken. Lassen Sie meinen Mann sich um dieses menschliche Schwein kümmern. Er wird wissen, was zu tun ist.«

Cabe stellte fest, dass er wie ein kleiner Junge lächelte.

Er lächelte, das musste man sich einmal vorstellen.

Hier war nun der absolut gemeinste Bastard hinter ihm her, den man sich nur vorstellen konnte, der einen Tabakbeutel aus seinen privatesten Teilen machen wollte, und er stand da und lächelte wie kleiner Junge, der einen Pfefferminzlutscher ganz für sich allein hat. Und das alles nur wegen Janice Dirker. Obwohl er nicht viel besser aussah als ein durchschnittliches Wildschwein (und er war das erste, der das zugeben würde), hatte Cabe über die Jahre seinen Anteil an Frauen gehabt. Er war leidenschaftlich begehrt worden. Aber niemand hatte sich jemals wirklich darum gekümmert, ob er lebte oder starb … und jetzt gab es jemanden, der das tat. Er fühlte eine Menge Dinge in diesem Moment: Verwirrung, Erstaunen, und ja, sogar Angst.

Aber er mochte alles davon, Gott ja.

»Ma'am, Sie sind sehr freundlich zu mir. Sehr fürsorglich zu einem alten abgewetzten Rumtreiber wie mir, und ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr ich das zu schätzen weiß«, sagte er zu ihr und spürte, wie seine Stimme vor Emotionen zitterte. »Aber ich kann wirklich meine Angelegenheiten selbst regeln. Habe es immer getan, werde es immer tun. Und Jackson … beziehungsweise der Sheriff … na ja, ich glaube, er hat schon genug Probleme, ohne sich über mich Gedanken machen zu müssen.«

Janice atmete schwer und Cabe ebenso.

Was war hier los? Lust? Leidenschaft? Ja, sicher waren diese Dinge offensichtlich, aber hier war noch etwas anderes. Etwas, das tiefer ging. Etwas, das er tief in sich brennen spürte wie heiße Kohlen und blaues Eis. Es gab ein Wort dafür, aber er wagte es nicht, es zu denken.

»Bitte, Mister Cabe. Sie sind ohne Zweifel ein Mann, der seine eigenen Angelegenheiten regeln kann, aber …«

»Aber was?«

Sie wandte die Augen ab. Cabe streckte die Hand aus und legte seine auf die ihre. Es war, als würde ein elektrischer Schlag durch ihn geleitet. Es traf sie ebenso. Sie machte den Versuch, ihre Hand wegzuziehen, während ihre Wangen aufblühten, tat es aber nicht. Und unter seiner rauen, schwieligen Pfote lag ihre Hand, blütenweich und feingliedrig. Es fühlte sich so gut an.

Sie leckte sich die Lippen. »Ich weiß nicht … oh, was in Gottes Namen mache ich hier?«

»Sagen Sie es«, ermunterte er sie.

Sie seufzte. »Ich will nicht, dass Ihnen etwas passiert.«

»Wenn es das ist, was Sie wollen, dann werde ich dafür sorgen, dass nichts passiert.«

Sie blickten einander eine Zeit lang in die Augen, und dann zog Janice ihre Hand weg und eilte so schnell sie konnte aus dem Esszimmer. Und Cabe saß einige Zeit nur da und fühlte sich wie ein Mann, der von einer riesigen Welle fortgespült wurde.

Es dauerte einige Zeit, bevor er zumindest stehen konnte.