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Nun, das würde ja interessant werden, nicht wahr?
Cabe lag im heißen Wasser und dachte über den Krieg nach und über Jackson Dirker, über seine Frau und das Hotel, das ihm gehörte. Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr fiel ihm auf, wie komisch das alles war. Wie alles zu einem Mann zurückkommt, früher oder später. Seine Vergangenheit war wie ein Geist, den er in einer Kiste weggepackt und versucht hatte, ihn zu vergessen. Jetzt hatte sich der Geist befreit und kam geradewegs zu ihm zurück.
Und Dirker? Jackson Dirker?
Ganz ehrlich, was empfand er tatsächlich beim Gedanken an ihn? Das war eine gute Frage. Cabe mochte den Mann nicht, wirklich nicht … doch er konnte nicht mehr sagen, dass er den Mann hasste. Die Zeit hatte seine Wut gedämpft. Wenn überhaupt, waren seine Gefühle Dirker gegenüber neutral. Ihn zu hassen wäre einfacher, wenn Dirker angriffslustiger wäre und dazu neigen würde, darüber zu prahlen, was er getan hatte. Aber diese Sorte Mann war er nicht. Sicher, Dirker war immer noch der dreckige Sohn einer Hure, aber er entsprach kaum dem Dämon, der Cabes Erinnerung all die Jahre heimgesucht hatte.
Und das machte alles nur noch schwieriger.
Cabe dachte: Du bist nicht hier, um dich um vergangenes Unrecht zu kümmern. Denk daran. Dirker Probleme zu machen wird deinen Geldbeutel nicht füllen. Du bist hier, um den Strangler zu finden, um diesen irren Bastard fertigzumachen. Mehr nicht. Sobald du versuchst, Dirker auf die Pelle zu rücken, wird es Ärger geben. Er ist der County Sheriff. Er kann das Leben für dich wirklich unangenehm machen.
Aber … Sammy, Pete, Little Willy Gibson. Was war mit ihnen?
Gibson war in den Wäldern gestorben an jenem Tag, Sammy in Camp Douglas. Pete war gegen Cabe ausgetauscht worden, war dann in eine andere Einheit eingetreten. War es gerechtfertigt, zwanzig Jahre nach den Ereignissen den Hass aufrechtzuerhalten? Die Bibel predigte Vergebung, aber Cabe war nie der vergebende Typ gewesen und hatte nicht viel mit religiösen Schriften am Hut. Aber auf der anderen Seite war er weder ein hasserfüllter noch ein gewalttätiger Mann, seiner Profession zum Trotz. Wann immer es möglich war, versuchte er mit Köpfchen durchzukommen, seine Widersacher zu überlisten.
Aber Jackson Dirker … verdammt, der Mann wusste, wie er einen treffen konnte. Cabe war in sein Büro gegangen mit dem Plan, die Kontrolle zu behalten, und der Hurensohn hatte ihn zum Überschäumen gebracht, ohne auch nur einmal die Stimme zu heben.
Der Süden hatte den Krieg verloren. Das war Fakt. Wie bei jedem guten Sohn der Konföderation schmerzte das auch ihn ein wenig, brannte noch an einem geheimen Ort. Aber Cabe konnte nicht herumsitzen und darüber brüten, dass die Yankees den Familienbesitz zertrampelt hatten, wie andere es taten. Seine Familie war arm wie die Kirchenmäuse, stammte aus Yell County, Arkansas. Sie mussten eine Farm bewirtschafteten, die anderen gehörte … sie hatten von Anfang an nichts, was man ihnen wegnehmen konnte. Wenn die Yankees die Farm niedergebrannt hätten, wäre das eine entschiedene Verbesserung gewesen.
Daran konnte er sich also nicht klammern.
Manchmal fragte er sich nur, was da überhaupt war, um Halt zu finden.
Mit schwieligen Fingern strich er über die Narben, die sich über sein Gesicht zogen, und entschied, dass Dirker zur Hölle fahren konnte. Um ihn würde er sich zu gegebener Zeit kümmern, wenn überhaupt. Jetzt war die Zeit, das Geschäft zu erledigen und Geld zu verdienen.