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Später im Saloon namens Oase versammelte sich eine Gruppe von Männern um Cabe, während er sein Bier trank. Er versuchte, ein wenig zu entspannen und auf die ganze Sache mit Dirker eine Art neue Perspektive zu bekommen. Waren sie jetzt Freunde oder Feinde? Und was war mit seiner Frau? Cabe war herumgekommen und kannte die Art sehr gut, wie sie ihn ansah und was solch ein Blick mit sich brachte. Sie war richtig erregt gewesen bei seinem Scherz über die Huren und was er mit ihnen gemacht hatte. Das hatte er sich nicht eingebildet.
»Also, dieser Mörder, dieser Sin City Strangler«, sagte einer der Männer, ein Minenarbeiter mit einem struppigen grauen Bart, dem die oberen Zähne fehlten. »Man sagt, er schlitzt sie geradewegs auf. Stimmt das?«
»Das ist richtig«, sagte Cabe.
Er hatte beiläufig ein paar Einzelheiten über die Angelegenheit mit Carny, dem Barkeeper, besprochen, und es hatte die anderen von einem Seil gezogen zu ihnen gebracht. Sie wollten alles wissen, alles.
Ein anderer sagte: »Warum zur Hölle vergewaltigt er sie? Huren? Die muss man nicht vergewaltigen … die geben sich hin für zwei Dollar, jedenfalls einige davon.«
»Yeah, warum vergewaltigt er sie?«, wollte noch einer wissen.
»Das hat er noch niemandem erklärt.«
Ein großer Mann in einem grauen Wollanzug und polierten schwarzen Stiefeln schüttelte den Kopf. »Es scheint mir, Sir, dass dies nicht die Art Gespräch ist, das man in Gegenwart von Ladys führen sollte.«
Die Minenarbeiter schauten sich um und versuchten, die Ladys zu finden. Alles, was sie sahen, waren ein paar herumlungernde Huren. Diese Art von Damen zählte ganz sicher nicht als Ladys.
»Es sind keine Ladys hier, Chef«, sagte ein Minenarbeiter. »Falls dir das noch nicht aufgefallen ist.«
»So oder so, ich es dennoch verwerflich.«
Die Minenarbeiter lachten den Mann aus. Es sah gerade so aus, als würden sie vielleicht Ärger anfangen … aber dann sahen sie die Pistolen des Mannes am Gürtel hängen. Sie sahen ausgezeichnet und elegant aus, Colt-Peacemaker mit Elfenbeingriffen. Die Waffen eines Revolvermannes.
Die Minenarbeiter entfernten sich langsam. Heute war nicht der Tag zum Sterben.
»Und Sie, Sir«, sagte der große Mann zu Cabe. »Wenn Sie ein Kopfgeldjäger sind, wie Sie behaupten, wenn Sie tatsächlich Jagd auf diesen Mann machen, dann bezweifle ich ernsthaft, dass Sie ihn am Boden eines Bierglases finden werden.«
Cabe sah Carny an und schüttelte nur den Kopf. »Hören Sie, Mister. Ich bin nur auf einen Drink hier, und nicht um ihrem versilberten Mundwerk zuzuhören.«
Der große Mann machte einen Schritt nach vorn. »All die Manieren eines brünstigen Ebers. Wie wunderbar.«
»Wie ich schon sagte, ich will nur mein Bier trinken. Könnten Sie also so freundlich sein und sich verpissen?«
Das Gesicht des großen Mannes verlor seine Farbe. »Sir, das ist keine Art und Weise für Gentlemen, sich zu unterhalten. Obszönität ist das Produkt eines schwachen Geistes.«
»Nun, das bin ich eben – schwachsinniger Abschaum aus Arkansas. Ich behaupte nicht, ich wäre etwas anderes.«
An Mann aus dem Osten. Ein Dandy. Das war dieser Kerl. In diesen Tagen schien man nicht einmal spucken zu können, ohne einen zu treffen. Cabe ließ sie in der Regel in Ruhe, unabhängig davon, was er ihnen gegenüber empfand. Die meisten störten niemanden. Und dann gab es die Sorte hier.
»Nein, Sir, Sie sind ganz sicher kein Gentleman. Sie sind unhöflich, grob und widerlich.«
»Genau, Sir, wie Sie gesagt haben.« Cabe stellte sein Glas auf die Theke und setzte seinen Hut auf. »Wenn Sie mir jetzt freundlicherweise aus den Augen gehen könnten, bevor der Doc meine Sporen aus Ihrem feinen weißen Arsch ziehen muss.«
Aber er bewegte sich nicht, und Cabe begann sich zu fragen, ob er diesen Hurensohn ebenfalls begraben musste.
»Wenn Ihre Mutter auch nur ein bisschen Verstand gehabt hätte, Kopfgeldjäger, hätte sie Sie in einem Sack ertränkt, bevor Sie heranwachsen und dieses Land verpesten konnten.«
Cabe spürte, wie sich die Haare in seinem Nacken aufrichteten. Nein, nein, er würde sich von diesem Bastard nicht zu etwas drängen lassen, was er hinterher bereuen würde. Das würde einfach nicht passieren. Er würde die Sache auf sich beruhen lassen.
Der große Mann hatte sich jetzt zwischen Cabe und der Tür positioniert. Das bedeutete, Cabe hatte zwei Möglichkeiten: um ihn herum zu gehen, oder geradewegs durch ihn hindurch. Da gab es nicht viel für Cabe zu entscheiden, denn er war keiner, der einem Mann auswich. Das war nicht seine Art. Es hatte ihn im Lauf der Jahre einiges an Blut und blauen Flecken gekostet, aber er machte vor niemandem einen Rückzieher.
Er dachte: ich werde meine Pistole nicht ziehen, nicht, wenn einen anderen Weg gibt.
Der Dandy blieb stehen, und Cabe kam direkt auf ihn zu, ohne langsamer zu werden, ohne seine gleichmäßigen Schritte zu unterbrechen. Als er nur noch einen kostbaren Fuß entfernt war, zog der große Mann seine Colts. Zog sie auch noch ziemlich schnell. Aber nicht schnell genug. Zu dem Zeitpunkt, zu dem er sie aus den Holstern hatte, war Cabe nahe genug, um ihn zu riechen. Ein paar schnelle Schritte, und hämmerte dem Dandy zwei schnelle Geraden ins Gesicht, die ihn auf die Knie gehen ließen. Cabe trat ihn in den Bauch, damit er unten blieb. Dann verlor der große Mann seine Pistolen. Cabe sah sie und stieß sie mit dem Fuß weg.
»So«, sagte er, und er hatte einfach nur die Nase voll von Bullshit wie diesem, »du machst jetzt, dass du nach Hause kommst nach Boston oder Charlottesville oder wo zum Teufel auch immer du herkommst. Geh nach Hause zum Geld von deinem Daddy und seinem Titel. Denn hier draußen wirst du Idiot dich noch umbringen.«
Cabe ging geradewegs an ihm vorbei und ließ ihn hustend und keuchend zurück. Blut tropfte aus seiner gebrochenen Nase. Er hatte es fast bis zur Tür geschafft, als der Dandy Beleidigungen schrie und eine kleine fünfschüssige 32er Remington Elliot zog.
Cabe stand nur da, und er wusste, dass er sich nicht schnell genug bewegen konnte.
Die Pistole war auf ihn gerichtet.
Der große Mann war voller Wut und Hass.
In diesem Moment platzten zwei Männer mit Schrotflinten durch die Tür. Ihre Kleidung war staubig, und sie trugen die Hüte der Präriemänner.
»Du da,« sagte der erste. »Lass die Pistole fallen, oder ich teile dich in zwei Hälften.«
Der Dandy senkte die Waffe und ließ sie von seinen Fingern gleiten.
Der Zweite drehte sich zu Cabe, sah ihn von unten nach oben an. »Bist du Cabe? Tyler Cabe? Der Kopfgeldjäger aus Arkansas?«
»Das bin ich wohl.«
Die Schrotflinten bewegten sich jetzt in seine Richtung. »Dann kommst du besser mit.«