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Die trockenen Winde wurden aus Klüften und Canyons geboren, die wie Hochöfen wirkten. Sie durchkämmten die desolate Landschaft, heulten durch trockene Schluchten und pfiffen die Gipfel der felsigen Abgründe entlang. Dichte Bestände von Chaparral und Wüstensträuchern zitterten. Der Sand blies, und die Schlangen versteckten sich unter den Felsen. Bussarde kreisten im gelben dunstigen Himmel. Fliegen saßen auf den Gesichtern der Lebenden und der Toten, und der Wind schmeckte nach Salz, Hitze, Wind und Elend.

Alles in allem war Nordmexiko ein ausgedörrtes, gottloses Land, das nur knapp auf dieser Seite der Hölle lag.

James Lee Cobb, ein Missouri-Volunteer, beobachtete, wie zwei in Wildleder gekleidete Männer eine weitere mexikanische Leiche aus dem schmutzigen Gestrüpp schleppten.

»Das macht jetzt sechs, Boss« sagte einer von ihnen namens Jones und spuckte ein gutes Maß Tabaksaft in das Gesicht eines Toten, der eine Ladung Schrot in den Bauch bekommen hatte. Er war nur noch eine einzige große Öffnung zwischen Brustbein und Schritt … man hätte einen Medizinball durch ihn hindurchreichen können, ohne das Fleisch zu berühren. »Sechs von den stinkenden, ihre Mutter vergewaltigenden Hurensöhnen.«

»Jedes Mal, wenn ich einen toten Latino sehe«, sagte Cobb, »denke ich, dass dieses Land der Zivilisation einen Zoll näher gekommen ist.«

Jones nickte und trat auf eine im Staub krabbelnde Spinne. »Yep, dem würde ich zustimmen, James. Ganz sicher.« Er spuckte noch einmal auf die Leichen. »Weißt du was? Ein paar Stücke von dem Land hier unten sind gar nicht übel. Ohne die Mexikaner, die alles dreckig machen, könnte ein weißer Mann hier gut leben. Was meinst du?«

»Da sollte man drüber nachdenken.«

Cobb lauschte dem Wind, und er sprach mit den Stimmen von Dämonen, erzählte ihm, es würde noch viel mehr Tote geben, noch viel mehr sich quälende Sterbende, bevor diese kleine Gruppe sich auflöste. Cobb leckte sich die ledrigen Lippen und lächelte.

***

Was auch immer Cobb als Junge gewesen war, als Mann war er es nicht mehr. Er konnte nie ehrlich den Punkt ausmachen, ab dem sich aus einem naiven Jungen mit großen Augen das entwickelt hatte, was er jetzt war: ein vollblütiger Killer.

Vielleicht war es sein erster Mord gewesen.

Der Rumtreiber, den er in Kansas nach seiner Flucht aus Missouri erstochen hatte, derjenige, der begierig gewesen war, ihn die Kunst der Sodomie zu lehren. Vielleicht war es geschehen, als er das Jagdmesser gezogen und im Bauch des stinkenden Perversen versenkt hatte, und als er all das heiße Blut heraussprudeln sah wie Lava durch einen Spalt in der Erde … vielleicht war das der Auslöser gewesen. Denn sobald er seinen ersten Mann getötet hatte, flog es ihm zu, fühlte es sich wirklich einfach und natürlich an. Wie vorherbestimmt.

Genau, wie die Heller der Hexer gesagt hatte, war sein Leben »eine dunkle Angelegenheit« geworden.

Cobb hatte kaum an Missouri oder Heller, an Onkel Arlen und Tantchen Maretta gedacht, nachdem fortgegangen war. Nicht einmal an den Horror, der seine Mutter war. Am Leben zu bleiben, unversehrt zu sein, den Bauch voll zu wissen und seine Kopfhaut intakt – es waren eher diese Dinge, um die sich seine Gedanken drehten. Er stahl Pferde und Rinder. Fing Biber in den Rocky Mountains und am Green River in Wyoming. Er versorgte die Indianer mit Whiskey und Karabinern der US-Armee für ihre Kämpfe gegen die Siedler und die Armee. Alles in allem gab es eine Menge Morde und Gewalt, und das so gut wie täglich. Alle guten Dinge in ihm verdorrten wie grüne Reben in einer Dürreperiode, und etwas anderes, etwas Überschattetes und Namenloses, erhob sich, um die Leere zu füllen.

Etwas, das von Anfang an da gewesen war … und nur darauf gewartet hatte.

Gewartet, bis es an der Reihe war.

Sobald Texas sich entschieden hatte, den Vereinigten Staaten beizutreten, hatte er sich einer Gruppe ruchloser Missouri-Volunteers angeschlossen, um für die Unabhängigkeit von Mexiko zu kämpfen.

Krieg, jeder Krieg, war ein schmutziges Geschäft, aber etwas in Cobb gefiel das.

Einen Vorgeschmack bekam er in den aufgeheizten Kriegslagern bei Matamoros, wo jeder darauf aus war zu kämpfen und es nichts zu tun gab, außer sich gegenseitig auseinanderzunehmen. Die Missouri-Volunteers gingen mit Zähnen und Klauen auf die Freiwilligen aus Georgia und Indiana los, vor allem aber auf die Soldaten der regulären Armee, die auf alle anderen als Abschaum herabsahen. Im besten Fall waren es Söldner, im schlimmsten nur Halsabschneider und Plünderer. Also machten ihnen die Volunteers so oft wie möglich das Leben zur Hölle. Und wenn sie nicht mit den Fäusten aufeinander losgingen, ließen sie ihre Musketen knallen und schossen auf vorüberziehendes Wild, Schatten und alles, was sich bewegte.

Matamoros war eine widerspenstige Brutstätte der Verwirrung und Insubordination. Die regulären Soldaten waren wütend auf diese Banditen, diese teuflischen Freiwilligen-Horden.

Die Volunteers selbst waren über alle Maßen vergnügt.

Aber dann wurden Cobb und die anderen auf ein Schiff gepfercht und den Rio Grande heruntergebracht. Der Fluss war über die Ufer getreten, mehr als einmal. Die Steuermänner hatten es höllisch schwer. Sie konnten sich nie sicher sein, was Fluss war und was überschwemmtes Land. Die Schiffe verfingen sich immer wieder im schlammigen Grund. In dieser spärlich bewachsenen Gegend mussten die Truppen oft an Land gehen, um Holz für die Kessel zu sammeln … was manchmal bedeutete, sich meilenweit vom Schiff zu entfernen.

Schließlich erreichten die Boote Camargo … ein Spuckefleck, der weder hier noch dort war, noch irgendwo, wo man wirklich sein wollte. Es war nur eine kleine mexikanische Stadt am San Juan River, vielleicht drei Meilen entfernt von der Kreuzung mit dem Rio Grande. Einst war sie eine beträchtliche Stadt gewesen, die jetzt durch das Hochwasser in Trümmern lag. Die Truppe, ein reizbarer und störrischer Haufen, wurde in ein Lager verlegt, das Schwärme von Insekten, Schlangen und glühende Hitze plagten. Die Männer wuschen ihre Wäsche und Pferde an denselben Wasserstellen, an denen die Lagerkessel gefüllt wurden. Es war ein schmutziger, trostloser Ort, an dem Gelbfieber und Ruhr ohne Gegenwehr wüteten. Die Sanitätszelte waren überfüllt mit Kranken und Sterbenden.

Cobb und die anderen Volunteers verbrachten die meiste Zeit damit, sich zu streiten, Fliegen zu erschlagen und die Toten zu begraben.

So war dieser Ort.

Der Tod war überall … und die Kämpfe hatten noch nicht einmal begonnen.

***

Cobbs Volunteers schlängelten sich langsam durch die Felsen und luden mehr Kadaver auf den stinkenden Haufen vor ihnen. Zwölf waren es jetzt. Zwölf mexikanische Guerillas. Die Sorte, die auf kleine Gruppen von US-Soldaten Jagd machte. Sie von den großen Verbänden abschnitt und niederschoss. Sie am liebsten lebendig fing, um sie zu foltern. Sie auspeitschte, bis sie das Bewusstsein verloren oder sie in kleine Stücke schnitten, bis sie verbluteten, während sie die ganze Zeit schrien.

Vielleicht wusste die reguläre Armee nicht, wie mit diesen Schweinen umzugehen war, aber die Volunteers wussten es ganz sicher.

Wenn sie die Mexikaner lebendig aufgriffen, machten sie ein Spiel daraus. Sie begruben sie bis zum Hals im Sand, strichen ihnen Honig ins Gesicht und ließen die Feuerameisen ihre Arbeit verrichten. Sie ließen sie von den Pferden über die Felsen ziehen, bis sie auseinanderbrachen. Sie hängten sie an den Füßen auf und ließen sie dann durch große Freudenfeuer schwingen. Sie warfen sie in Gruben voller Klapperschlangen. Sie pfählten sie in der Wildnis und überließen den Rest der Tierwelt. Und, wenn sie sich wirklich kreativ fühlten, bearbeiteten sie sie mit dem Kürschnermesser … so konnte es Stunden über Stunden dauern.

Aber am besten war es, wenn man ihre Dörfer fand und sie niederbrannte. Man erschoss ihre Kinder und vergewaltigte ihre Frauen.

Einer der Volunteers war gerade dabei, auf die Leichen zu pinkeln, und Cobb schrie ihn an. »Zeigst du so deinen Respekt für die Toten, du Hurensohn?«, sagte er und drückte den Mann gegen eine Steinwand. »Behandelt man diese Chilis so? Man sieht, dass du keine verschissene Ahnung hast, mein Freund. Lass mich dir zeigen, wie man das macht.«

Cobb zog sein Bowiemesser und presste die Klinge gegen den Daumen, bis es blutete … nur um sicherzustellen, dass das Messer tatsächlich scharf war. Dann nahm er einen der Toten bei den Haaren und zog die Klinge sorgfältig und fachmännisch am Kiefer und den Wangenknochen entlang, setzte dann direkt unter der Kopfhaut an und vollendete den blutigen Kreis rund um das Gesicht. Dann sägte, zog und schälte er das Gesicht von den Knochen.

Er hielt die tropfende Maske nach oben. »Ich bin dann soweit, die Kiddies zu erschrecken.«

Die anderen lachten und klatschten sich gegenseitig auf den Rücken. Es war die verdammt lustigste Sache, die sie je gesehen hatten. Cobb hatte immer solche Ideen, das musste man ihm lassen. Gerade wenn man dachte, er habe seine grausige Kreativität dafür aufgebraucht, den Hodensack eines Mexikaners als Tabakbeutel zu benutzen oder sich eine Halskette aus Fingern zu machen … kam er mit etwas Neuem.

Sie zogen ihre Messer und taten es ihm gleich.

Cobb ging hin und her, winkte mit seinem blutigen Messer wie ein Schullehrer, der auf die Feinheiten der Konjugation von Verben hinwies. Nur, dass Cobbs Klassenzimmer ein heißer, windumwehter Ort und sein Thema das Schlachten. Er gab eine bemerkenswerte Figur ab in seinen dreckigen, abgenutzten Wildledersachen und mit der Feldmütze, die in einem flotten Winkel auf dem Kopf saß. Sein Bart war lang und struppig, seine Haare hingen bis auf die Schultern in fettigen Knoten herab. An seinem Gürtel hing ein Sortiment von Colts, Revolvern, Messern und Beilen, dazu seine neu erworbene mexikanische Totenmaske und die mumifizierte Hand eines Priesters, die er in Monterrey abgehackt und auf einem flachen Stein in der Sonne getrocknet hatte.

Es gab nicht genügend Leichen, und es entbrannte ein Streit, wer was bekommen würde. Cobb löste das Problem, indem er die Männer anwies: wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Die von euch, die zuerst hier waren, warum schneidet ihr euch nicht ein Gesicht ab, wenn es das ist, was ihr wollt. Ihr anderen, nun, ihr müsst damit zufrieden sein, was ihr erbetteln, ausleihen oder stehlen könnt. Cobb sagte ihnen, und sie glaubten es ihm, dass auf ihrem Weg noch viele Trophäen warteten. Vielleicht morgen, vielleicht heute.

»Die eine Sache, auf die ihr zählen könnt, Jungs«, sagte er ihnen, »ist, dass es immer mehr geben wird. Mexiko ist einfach voll von ihnen.«

Er beobachtete, wie sie an die Arbeit gingen, hackten und sägten und schnitten, und dabei ein paar Liedchen sangen, die sie von den Mexikanern gelernt hatten, ohne davon ein Wort zu verstehen.

Ja, Cobb beobachtete sie, und er wusste, dass sie sich nach seinem Bilde formten. Als einfacher Soldat hatte er angefangen, wurde aber bald genug – vielleicht durch seine Wildheit im Kampf oder schiere Grausamkeit – zum Offizier befördert. Er war ihr Anführer. Sie sahen zu ihm auf. Sie liebten die ganzen Abzeichen und militärischen Orden, die er toten mexikanischen Offizieren abgenommen und an sein Lederhemd gesteckt hatte. Die Halsketten aus Fingern, die geschwärzten Ohren und der Schädel von einem mexikanischen Colonel, den er an seinen Sattelknauf montiert hatte.

Sie wollten sein wie er.

Sie wollten ein blutrünstiges Schlachtross sein wie James Lee Cobb. Sie wollten sich in den Kampf stürzen wie er bei Buena Vista, wo er sich schießend und zustechend seinen Weg durch die mexikanischen Reihen gebahnt hatte.

Sie waren bereit. Bereit, die Schlacht so brutal wie möglich zu kämpfen, um Trophäen sammeln zu können, so wie er.

Und, ja, sie konnten so viel kämpfen und sterben, plündern und die Toten verstümmeln, wie sie wollten … aber keiner von ihnen würde jemals James Lee Cobb das Wasser reichen. Sie würden nie seine besondere Lust auf Leiden und Tod besitzen. Ein Appetit, der an namenlosen Orten geboren wurde, an denen Menschenknochen in Pyramiden aufgetürmt und ihre Seelen in Kesseln gekocht wurden. Sie würden nie das haben, was er hatte, und ganz sicher würden sie nie ein Muttermal wie er tragen.

Das Muttermal, das wie ein roter vierfingriger Handabdruck aussah.

Ein Handabdruck, der jedes Mal brannte, wenn der Tod nahe war.

***

Was in der Schlacht von Buena Vista geschah, war dies: 14.000 mexikanische Soldaten, kommandiert von General Santa Anna, griffen Zachary Taylors US-Streitkräfte an, die weniger als 5000 Mann zählten. Durch Entschlossenheit, Kühnheit und reines Glück drängten die Amerikaner die Mexikaner zurück.

Einfach zu berichten; weniger einfach zu erleben.

An einem düsteren Morgen im Februar 1847 erhielten die Soldaten unter Taylor den Befehl, ihre Zelte abzubauen und auf Buena Vista zu marschieren. Sechzehn Meilen später kamen sie an … ohne Verpflegung, ohne Feuerholz. Früh am nächsten Morgen kamen Scouts und berichteten, dass sich eine große mexikanische Streitmacht näherte, und das rasch. James Lee Cobb und die Missouri-Volunteers stationierten sich auf einem schmalen Grat, gleich hinter einer Artilleriebatterie, und warteten auf ihre Feinde.

Bei ihnen waren Einheiten der Kentucky- und der Arkansas-Kavallerie. Die Männer warteten zwischen den Felsen, die Augen weit aufgerissen, die Steinschloss-Gewehre und Karabiner bereit und im Anschlag, die Messer geschärft und die Beile in der Hand. In der Luft war ein Gestank – sauer, stark, zu Kopf steigend.

Der Geruch der Angst.

Denn unten sammelten sich die Feinde, und alle, die auf dem Grat ausgebreitet waren, konnten sie sehen, konnten sie zum ersten Mal wirklich sehen. Ihre schiere Zahl. Diesmal hatten die Kundschafter die Stärke des Feindes weder über- noch untertrieben. Die Mexikaner bewegten sich und marschierten, bildeten Reihen und verstreuten sich in Schützenlinien. Von dort aus, wo Cobb saß, erschienen sie wie grübelnde, geschäftige Dinge in ständiger Bewegung.

»Schaut nicht da runter und seht euren Tod, Jungs«, sagte Cobb zu seinen Männern. »Schaut da runter in dem Wissen, dass ihr zehn von den Mutterfickern mitnehmen werdet, sollte es euch erwischen.«

Unter dem Beschuss der mexikanischen Kanonen – Achtpfünder und Sechzehnpfünder – explodierte die Bergwand. Bei Einbruch der Nacht wurde der Beschuss stärker, und die Mexikaner ließen die Hölle auf zwei Infanterieeinheiten aus Indiana herabregnen. Trompeten erklangen, Männer starben und Rauchschwaden erfüllten die Luft … aber der eigentliche Kampf sollte erst noch beginnen.

Die Volunteers und die regulären Kräfte warteten und warteten. Hungrig und frierend, aber sie wagten nicht, die Augen zu schließen, während Ladungen von Schrapnell die Landschaft um sie herum zerfetzten.

Im Morgengrauen des nächsten Tages begannen die mexikanischen Kanonen wieder zu singen, und die Dinge gerieten endlich in Bewegung. Schweres Feuer brach über die Reihen der Volunteers herein und wurde von amerikanischen Batterien beantwortet. Der gesamte Berghang wimmelte vor Feinden, die wie Hunnenhorden waren, voller Blutlust und Wut, bereit, eine Stadt niederzubrennen.

Cobb ließ seine Truppe ausschwärmen und überfiel eine versteckte mexikanische Stellung, die die Indiana-Infanterie bedrängt hatte. Sie töteten die Soldaten und hackten auf sie ein, bis sie in Stücke zerteilt neben ihren zerstörten Waffen lagen.

Aber für zehn tote Mexikaner stürmten zwanzig neue schreiend den Hügel herauf. Und hinter ihnen, bei Gott, die halbe mexikanische Armee. Infanterie in ihren grünen Waffenröcken, Kavallerie in scharlachroten Mänteln. Sie trugen British-East-India-Gewehre und lange Lanzen, und sie hatten Helme aus Messing mit großen schwarzen Büscheln auf dem Kopf, die wie Rabenfedern aussahen.

Die Hölle brach los.

Kanonenkugeln pfiffen über die Köpfe der Volunteers hinweg und explodierten in Fontänen von Felsstücken und Staub. Kartätschen rissen die Männer in Stücke und verspritzten ihr Inneres in alle Richtungen. Rauch hing wie Bodennebel über allem, und die Kavallerie sah aus wie hindurchjagende Geisterreiter. Männer schrien und kreischten, Blut bedeckte den Boden in zähflüssigen, dampfenden Pfützen. Die Soldaten – amerikanische und mexikanische – fielen und starben, und ihre Körper häuften sich wie frisch geschlagene Holzstämme. Einige rappelten sich wieder auf, nur um wieder hinzufallen und unter den donnernden Hufen der Pferde zerschmettert zu werden. Trompeten erklangen. Durch das Blutbad krochen Männer, denen Gliedmaßen fehlten und die versuchten, ihre Eingeweide wieder in die aufgerissenen Bäuche zu stopfen. Einige versuchten zu fliehen … aber andere wollten weiterkämpfen.

Cobb schlitzte einen Soldaten mit dem Bajonett auf und zerfetzte das Gesicht eines anderen. Er sah die Volunteers fallen … und jedes Mal, wenn er ihnen zu Hilfe eilte, fielen Körper zu seinen Füßen, Blut und Hirn spritzte in sein Gesicht, und die gegnerischen Soldaten stürzten sich auf ihn.

So beschäftigte er sich damit, sie zu erschießen und abzustechen, einen nach dem anderen.

Und um ihn herum kletterten die Volunteers über die haufenweise herumliegenden Leichen, als Berittene der Mississippi-Infanterie ins Gefecht stürmten. Sie trugen leuchtend rote Hemden und breitkrempige Strohhüte. Die mexikanische Kavallerie traf sie auf tödlichem Boden, Musketen schallten und Säbel schlitzten, und die Pferde wurden von Kanonenkugeln auseinandergerissen. Die Männer fielen zu Hunderten, und die Landschaft wurde zu einem blutenden, schäumenden Meer aus Körpern, Gliedmaßen und glitzernden Innereien.

Hinter der mexikanischen Kavallerie kam eine Abteilung Lanzenträger rennend und schreiend auf sie zu, gesichert von Infanterie mit aufgepflanzten Bajonetten.

Die Missouri-Volunteers, viele von ihnen schwarz verbrannt vom Pulver, kämpften weiter, bereit, sich allem in den Weg zu stellen, was da kommen mochte. Cobb leerte seine Pistolen, bis sie qualmten und heiß waren. Er feuerte seine Muskete, lud, stopfte und feuerte erneut, rasch und fachmännisch. Aber die Mexikaner stürmten nach vorn wie eine wogende, schreiende Flut, trennten die amerikanischen Linien, und Cobb fuhr fort, schlug Schädel mit dem Kolben seines Gewehrs ein, schlitzte Bäuche und Kehlen mit dem Messer auf, hob die Waffen von den Toten auf und kämpfte und kämpfte.

Die Mexikaner griffen jetzt nicht nur von vorne, sondern auch von beiden Seiten und von hinten an. Es war absolutes Chaos. Männer fielen und wanden sich auf dem Boden. Pferde gerieten in Panik und warfen ihre Reiter ab, toll geworden von den klaffenden Wunden und dem Terror aus Schlägen, Schüssen und Gebrüll. Granaten platzten und Gewehrkugeln zischten umher wie irre Hornissen, Rauchschwaden und Staub erhoben sich in blendenden Wirbelstürmen. Die Musketen knallten und die großen Kanonen donnerten. Wagen und ihre Ladung wurden zu Kleinholz gemacht, und überall lagen die Toten und Sterbenden, waren Blut und Rauch und Trümmer.

Und noch immer strömten frische mexikanische Truppen herbei.

Cobb, nun voll mit einem zerreißenden, wütenden Hunger, schoss in ihren Reihen hin und her, machte die Männer nieder mit Musketenfeuer und rauchenden Pistolen. Er spaltete den Kopf eines Lanzenträgers mit seinem Beil, schlitzte die Kehle eines anderen auf, nahm die Lanze und spießte einen mexikanischen Offizier von seinem Pferd. Er versenkte den Schaft in der Brust des Mannes und pfählte ihn in den Boden. Er tötete zwei oder drei andere, stieg dann auf das Pferd eines Mexikaners – ein feiner weißer Hengst – und griff wieder an, hackend und schneidend, schießend und zustechend.

Das Pferd wurde unter ihm wurde von einer Kartätschensalve weggesprengt. Wie Schrapnell verteilten sich überall die Beine des Tieres.

Von oben sah die Landschaft zerklüftet und ausgeweidet aus, ein Schlund voller Rauch und Feuer, wimmelnden Männern und reiterlosen Pferden. Es war ein Gemetzel ersten Grades, und im Chaos war es schwer zu sagen, wer gewinnen und wer verlieren würde.

Cobb wusste es auch nicht, und es war ihm egal.

Er kämpfte weiter, tötete immer mehr Männer, stahl Pferde und schnitt durch die mexikanischen Linien wie eine glühende Klinge. Die Kämpfe dauerten noch einige Zeit an, aber irgendwann, als die Toten zu großen Schutzwällen aus Fleisch und Blut aufgehäuft worden waren, brachen die Mexikaner ihren Angriff ab. Anhaltender Artilleriebeschuss vernichtete ihre Kavallerie, und sie zogen sich zurück. Selbst der Rückzug kostete sie Hunderte über Hunderte Männer.

Als die Kämpfe beendet waren, glich das Schlachtfeld einem Friedhof.

Einem Schlachthof.

Soweit das Auge reichte, waren Leichen und Körperteile zu sehen, dazu Überreste von gesprengten Männern in den Bäumen, durch Kanonenkugeln ausgeweidete Pferde und Soldaten, die das Musketenfeuer halbiert hatte. Es sah aus wie auf einem Gemälde von Bruegel – Der Triumph des Todes – Rauch und Feuer, Leichen und zerstörte Wagen. Aufgerissene Erde. Blutlachen. Tausende von Fliegen, die um die Toten und die Lebenden in der Nähe herumtanzten. Männer flehten um medizinische Hilfe, um Wasser, um ihre Mütter und Liebsten, um nur noch eine Unze des Lebens, sodass sie nur noch ein wenig mehr töten konnten.

Als Cobb durch das Gemetzel ging, das Wildleder seiner Kleidung getränkt mit Blut und verbrannt von rauchenden Splittern, sah er, wie sich lebende Männer unter den Leichen hervorzogen. Wildäugige, blutgetränkte Wesen, die leere Pistolen schwangen und mit blutgetränkten Messern wedelten. Sie stießen ihre Bajonette in die Toten und bettelten selbst um den Tod. Vom Kampf geschockte Offiziere in rußgeschwärzten Uniformen stolperten fluchend und schreiend umher und bellten Befehle zu toten Männern. Sie forderten die Leichen auf, sich zu erheben und den Feind zu verfolgen, während zwischen ihnen Soldaten hin und her torkelten, auf der Suche nach gefallenen Kameraden, verlassenen Waffen und verlorenen Gliedmaßen.

Cobb und seine blutbefleckten, feuergetauften Volunteers liefen durch die brennenden Felder voller Leichen, teilten den brodelnden, qualmenden Nebel und begannen, die Mexikaner zu verstümmeln. Sie skalpierten und zerstückelten sie, hackten Finger und Ohren ab und pflückten sich kostenlose Totenmasken und Hände. Sie lachten mit einem gestörten Gackern, während sie die Leichen der Mexikaner zu obszönen Dekorationen anordneten.

Und Cobb forderte sie zu immer neuen und perverseren Gräueltaten auf, und das Muttermal auf seinem Rücken brannte und dampfte und pulsierte.

Etwas in ihm war sehr zufrieden, sehr zufrieden mit dem, was es sah.

Krieg ist die Hölle.

Und für das, was in Cobb war, war es wie nach Hause kommen.

***

Feuer und Hitze und Rauch und Schreie.

Das Schulhaus brannte.

Stimmen im Inneren schrien auf Spanisch, in gebrochenem Englisch, mit indianischen Zungen … bettelten und flehten darum, freigelassen zu werden, freigelassen zu werden um der Liebe Gottes willen. Und Cobb hatte die feste Absicht, sie freizulassen – direkt in die Hände ihres Schöpfers.

Cobb beobachtete das Feuer, nährte sich von ihm, spürte, wie es auch in ihm brannte. Sein Blut war Säure, perlende und kochende Säure. Sein Herz war ein Hämmern und Hämmern glühender Kolben, die Funken und öligen Dampf aufstieben ließen. Das Muttermal auf seinem Rücken fühlte sich an wie ein Brandeisen, das sich in sein Fleisch fraß.

Die Volunteers umringten das Schulhaus, die Musketen im Anschlag.

»Wenn auch nur einer von den Chilis rauskommt«, befahl ihnen Cobb, »dann knallt die Bastarde ab.«

Die Volunteers hatten die mexikanischen Guerilla-Kämpfer hierher verfolgt, zu einer kleinen Stadt namens Del Barra. Hier lebten sie, von hier aus operierten sie. Es war nicht mehr als eine schäbige Ansammlung von Baracken und Lehmhütten, von der Sonne gebleicht und vom Wüstenwind abgeschliffen. Über allem thronte eine alte spanische Kirche, an die sich das Schulhaus lehnte. Im Untergeschoss der Kirche hatten die Volunteers Gewehre und Munition gefunden, Uniformen und Waffen, den amerikanischen Toten abgenommen. Auf vielen der Kleidungsstücke und Gegenstände waren noch Blutflecken zu sehen.

Der Priester hatte sich geweigert, ihnen den Keller zu zeigen.

Cobb schlitzte ihm die Kehle auf.

Also brannte das Schulhaus in diesem heißen, trockenen Land, der Wind war der von Scheiterhaufen und Krematorien, und die Sonne schmolz wie eine Münze aus gelbem Wachs am wolkenlosen Himmel.

Schweiß lief Cobbs Gesicht wie Tränen herab und schnitt saubere Wege durch den eingeschliffenen Staub. Seine Augen waren weit geöffnet, unbewegt und rot umrandet wie die Grenzen der Hölle. Ein rosa Wurm von einer Zunge leckte das Salz von seinen Lippen. Er konnte das Kreischen und Schreien aus dem Inneren hören. Die Flammen hatten jetzt eine Seite des Schulhauses verschlungen und leckten gierig an der anderen. Im Inneren … alte Männer, Frauen, Kinder. Sie hämmerten gegen die Türen und kreischten, man solle sie herauslassen.

Plötzliches gab es ein, wildes, tosendes Geräusch, und die Flammen verschlangen das gesamte Schulhaus. Dazu brauchte es nicht viel. Das Holz war trocken wie Zunder und brannte wie Streichhölzer. Das Feuer stieß schwarze, trichterförmige Rauchschwaden nach oben, die durch heiße Luft wirbelten. Es stank nach verkohltem Holz, verbranntem Fleisch und versengtem Haar.

Das Schreien und Hämmern wurde jetzt schwächer.

»Jetzt sind so gut wie alle durchgebraten, schätze ich«, sagte Jones und kratzte sich im Schritt.

In diesem Moment platzten ein paar lodernde Formen aus dem Inferno, Strichmännchen, von gelben und orangefarbenen Flammen verschlungen. Sie stolperten umher und wedelten wie verrückt mit den Armen. Wenn es nicht so profan gewesen wäre, hätte es vielleicht komisch gewirkt. Die Volunteers eröffneten das Feuer auf sie und schickten sie zu Boden, als sie durch die Tür tanzten. Weitere folgten. Alles, alles, um diesen Flammen zu entkommen. Die Volunteers feuerten, luden nach, feuerten erneut. Eine letzte Form rannte mit einem seltsamen, zuckenden Gang, Flammen leckten von ihm in flackernden Schwaden. Die Form trug etwas. Cobb erkannte eine Mutter, die ihr Kind in den Armen hielt.

Er hob die Hand.

Die Volunteers feuerten nicht.

Sie schaffte es vielleicht zehn, fünfzehn Fuß und brach dann in einem schwelenden Haufen zusammen. Cobb schaute ihr zu, bis das Feuer erloschen und sie nur noch eine zusammengefaltete, geschwärzte Fensterpuppe war. Ihr Fleisch fiel als Asche herunter. Sie und das Kind waren zu einer verbrannten Masse zusammengeschmolzen. Ihre Gesichter waren zu verkohlten Totenschädeln geworden. Der Rauch, der von ihnen ausging, war heiß und stinkend.

Innerhalb einer Stunde, in der die Volunteers zusammensaßen, Mescal tranken und auf geplünderten Tortillas aus den Lehmhütten kauten, fiel das Schulhaus zu einem an Mikadostäbe erinnernden Haufen aus rußgeschwärzten Balken zusammen.

Nach einiger Zeit verbrannten die Volunteers die Kirche und sprengten die Lehmhütten, bis nichts mehr übrig war, um an das Dorf Del Barra zu erinnern – bis auf Glut und Rauch und den Gestank des Todes.

Und so hinterließen sie diesen Ort.

***

Aber natürlich hatte der Krieg irgendwann zu einem Ende kommen müssen.

Nach Monterrey und Camargo, Buena Vista und Vera Cruz, Cerro Gordo und Palo Alto unterzeichneten die Mexikaner, geschlagen, abgekämpft und müde vom Gemetzel, den Vertrag von Guadalupe Hidalgo, und der Krieg endete.

Die Amerikaner gingen zurück nach Texas und New Mexico.

Einige waren dankbar dafür, dass es zu Ende war.

Andere begaben sich sofort auf die Suche nach dem nächsten Kampf.

James Lee Cobb machte sich ebenfalls auf die Suche nach etwas … er war nur nicht sicher, was es war.