So kontern Sie Vorwürfe und Angriffe mit schlagfertigen Antworten
1. Sachlich kontern
Je nach Gesprächsinhalt und
Gesprächspartner kann es am sinnvollsten sein, einem Vorwurf oder
einem Angriff ganz sachlich mit Argumenten zu begegnen.
Insbesondere wenn es darum geht, dass man Ihnen etwas unterstellt,
das Ihnen ernsthaft schaden könnte, sollten Sie sachlich
antworten.
Sachliches kontern ist vor allem im
Geschäfts- und oft im Arbeitsleben die beste Methode, da es hier in
der Regel um Fakten und nicht um Meinungen geht.
Trotzdem funktioniert auch hier die Methode „Fragen stellen“ (siehe
weiter unten) oft sehr gut. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf den
Angreifer zurück und zwingt ihn, seine Vorwürfe zu konkretisieren
oder bessere Lösungen zu präsentieren. Von beidem können Sie
profitieren.
2. Ignorieren
Unsachlichen Vorwürfen kann man oft
einfach dadurch begegnen, indem man sie schlicht ignoriert. Man
behandelt den den Einwurf so, als hätte es ihn nicht
gegeben.
Diese Methode ist oftmals dann besonders erfolgreich, wenn mehrere
Gesprächspartner an dem Gespräch beteiligt sind. Man wendet sich
dann einfach den anderen Gesprächspartnern zu und führt das
Gespräch unbeeindruckt fort.
Der Angreifer wird dadurch verunsichert und isoliert. Sollte er es dann wider Erwarten noch einmal versuchen, können Sie mit einer der anderen Methoden kontern.
3. Durch Zustimmung überraschen
Eine ganz simple, aber oft erfolgreiche Methode besteht darin, einem Vorwurf einfach zuzustimmen. Die meisten Angreifer sind daraufhin so perplex, dass Sie danach Ihre Ruhe haben. Darüber hinaus können Sie dem Angreifer so auch sehr elegant im Beisein anderer den Wind aus den Segeln nehmen.
Beispiele:
- Haben Sie etwa zugenommen?
+ „Ja, das sieht man doch, oder?“
+ „Gut beobachtet!“
„Man kann die Antwort auch noch durch ein wenig Ironie aufpeppen:
+ „Ja, es freut mich, dass Ihnen das aufgefallen ist.“
+ „Ja, aber schön, dass Sie noch einmal darauf hinweisen.“
+ „Stimmt. Ich will mir doch nicht meine Figur ruinieren!“
Man kann die Zustimmung auch noch weiter zuspitzen, indem man sie extrem übertreibt:
- „Sie sind ein bisschen zu jung für die
Aufgabe.“
+ „Ja, gestern noch im Kindergarten, heute schon am Arbeitsplatz.“
- „Sie sind ja nicht mehr der Jüngste.“
+ „Stimmt, man nennt mich auch Methusalem.“
+ „Ja, ich kannte Kaiser Wilhelm noch persönlich.“
4. Fragen stellen
Manchem Angreifer kann man leicht den Wind aus den Segeln nehmen, indem man eine direkte Frage an ihn richtet. Er gerät dann in „Zugzwang“ und kann seine spöttische oder aggressive Haltung nicht aufrecht erhalten. Plötzlich ist er nämlich selbst in der Rolle desjenigen, der reagieren oder sich rechtfertigen muss.
Beispiel:
- „Deinen Job möchte ich nicht haben. Für so
ein paar Euro würde ich nicht arbeiten.“
+ „Da hast du nicht unrecht. Wie viel verdienst du denn eigentlich im Monat?“
- „Ihre Abteilung hat mal wieder nur Mist
gebaut!“
+ „Wie hätten Sie das Projekt denn durchgeführt?“
+ „Welche konkreten Vorschläge zur Verbesserung haben Sie denn?“
Die Rückfrage-Methode funktioniert übrigens so gut wie immer. Wenn Ihnen einmal gar nichts Schlagfertiges einfallen will, fragen Sie einfach zurück.
Tipp:
Nicht alles, was möglich ist, muss man auch tun:
So sehr man auch einen verbalen Angriff sofort mit einer schlagfertigen Bemerkung kontern möchte. Es ist nicht in jedem Fall klug, das auch zu tun.
Insbesondere, wenn Sie merken, dass der andere auf Streit aus ist, oder stur auf seinen Behauptungen beharrt, macht es keinen Sinn, sich länger damit abzugeben.
Auch das einseitige Beenden einer Diskussion oder eines Streits ist ein Zeichen von Selbstvertrauen und Stärke und kostet meist weniger Nerven, als den Streit bis zum Ende durchzufechten. Ganz gleich, wer am Schluss als Sieger dasteht.
Für jedes Gespräch gilt natürlich, dass man sich darüber im Klaren sein sollte, was als Ergebnis des Gesprächs stehen soll. Ist es wichtiger Recht zu bekommen (oder zu behalten), oder ist es wichtiger, dass das Gespräch zu einem positiven Ende kommt?
So kann es bei einem Gespräch mit einem Geschäftspartner oder Kunden sinnvoller sein, darauf zu verzichten, Recht zu bekommen oder sich gegen eine verbale Attacke zu wehren.
Auch im privaten Umfeld sollte man sich immer die Frage stellen, was wichtiger ist: Einen verbalen Schlagabtausch zu den eigenen Gunsten zu entscheiden, oder nichts zu sagen, um vielleicht einen Streit zu vermeiden.

Schlagfertige Antworten, die immer passen:
Die folgenden Antworten passen zu vielen Situationen und sind fast universell einsetzbar. Es ist also ratsam, sie immer parat zu haben.
Am besten schreiben Sie diejenigen, die Ihnen am besten gefallen, auf einen Zettel, den Sie zwischendurch immer wieder einmal zur Hand nehmen können.
„Ich finde es schade, dass Sie das so sehen.“
„Was genau, wollen Sie damit sagen?“
„Soll ich das als Beleidigung verstehen, oder was wollen Sie damit sagen?“
„Wie reden Sie denn mit mir?“
„Das ist vielleicht Ihre/deine persönliche Meinung, tatsächlich ist es aber …“
„Das verstehe ich nicht. Erklären Sie das bitte mal.“
„Ein guter Kommentar … für einen Mann / für eine Frau.“
„Ja, selbstverständlich, was den sonst?“
„Ist das ein Problem für Sie?“
„Reden Sie ruhig weiter, so lange, bis Ihnen etwas einfällt.“
„Beneiden Sie mich?“
„Hm, es sieht aus, als würden Sie mir einen Vogel zeigen. Können Sie das bitte für mich erläutern?“
„Vielleicht bin ich zu dumm, aber können Sie das bitte einmal erklären?“
„Sie haben scheinbar eine andere Vorstellung von XYZ. Erklären Sie mir bitte, wie Sie das sehen.“
„Können Sie das bitte genauer erklären?“
„Worauf wollen Sie hinaus?“
„Welche Lösung schlagen Sie vor?“
„Wie hätten Sie es denn besser gemacht?“

Schlagfertige Antworten auf dumme Sprüche und Fragen:
Haben
Sie zugenommen?
„Ja klar, sieht man das nicht?“
„Herzlichen Glückwunsch. Sie sind der erste, der das sofort gesehen hat!“
„Stimmt. Es sind genau 50 Gramm.“
„Warum? Kennen Sie sich damit aus?“
„Ja, was macht denn eigentlich Ihr Gewicht?“
Haben
Sie keine Augen im Kopf?
„Warum, sind Sie etwa blind?“
„Warum wollen Sie das wissen?“
Sagen
Sie doch auch mal was!
„Warum, sind Sie mit Ihrem Latein schon am Ende?“
„Ich denke gerade …“
„Warum, fällt Ihnen nichts mehr ein?“
Wie sehen Sie denn aus?
„Warum, gefällt Ihnen das?“
„Schön, dass es Ihnen gefällt.“
So alt
sind Sie schon!
„Hm, wie alt sollte ich denn Ihrer Meinung nach sein?“
„Im Ägyptischen Museum habe ich einen Nebenjob als Mumie.“
Warum
sind Sie noch nicht verheiratet?
„Warum, haben Sie ein Problem mit unabhängigen Menschen?“
„Warum die ganze Kuh kaufen, wenn man nur ein Glas Milch möchte?“
„Die Auswahl ist mir zu groß. Ich kann mich noch nicht entscheiden.“
„Sie haben mich ja noch nie gefragt!“
„Sie wissen doch: EHE steht für Errare Humanum Est.“
„Warum sollte ich nur eine(n) Frau/Mann glücklich machen, wenn ich 10 glücklich machen kann?“
Frauen
und Technik!
„Ja, das ist das Gleiche wie Männer und Sex.“
„Ja, danke, dass Sie das für mich machen wollen.“
Schön,
dass Sie auch endlich kommen!
„Wer pünktlich kommt, wird nicht wahrgenommen.“
„Das Beste kommt zum Schluss.“
Gewagte Antworten (!)
Es gibt schlagfertige Antworten, die nicht für jeden und nicht für jede Gelegenheit geeignet sind. Solche scherzhaften Antworten sollte man nur bei Menschen riskieren, die man gut kennt und von denen man weiß, dass sie eine solche Bemerkung nicht „krumm nehmen“,
„Was sagst du als Unbeteiligter zum Thema Intelligenz?“
„Eigentlich wollte ich mich mit dir geistig duellieren, ich sehe aber, dass du unbewaffnet sind.“
Tipp:
Schlagfertigkeit bedeutet nicht „Rache“
Manchmal wird Schlagfertigkeit missverstanden. Sie wird dann als Waffe verwendet, um es dem „Gegner“ heimzuzahlen oder ihn verbal zu „besiegen“.
Wirkliche Schlagfertigkeit ist aber weder das eine noch das andere. Ein schlagfertige Bemerkung ist auch niemals beleidigend oder verletzend. Stattdessen ist sie eine schnelle, spontane Bemerkung, die möglichst elegant, treffend und witzig ist, ohne den Gesprächspartner wirklich anzugreifen.
Tipp
Schlagfertigkeit sollte also immer auch versöhnlich wirken und dem Gesprächspartner die Chance geben, gemeinsam darüber zu schmunzeln.
Vorsicht:
Vermeiden Sie es, in jedem Fall, Ihren Gesprächspartner persönlich anzugreifen, oder ihn vor anderen zu blamieren.
Ihr Gesprächspartner sollte am Ende des Gesprächs nicht als Verlierer oder als Opfer dastehen. Ist das der Fall, wird nicht nur das Verhältnis zum Gesprächspartner belastet. Auch die Wirkung auf andere Gesprächsteilnehmer oder Zuhörer kann sich dann zu Ihren Ungunsten wenden!
Vorsicht Humor!
Es gibt Menschen, denen fehlt jeder Sinn für Humor oder gar Selbstironie. Bei solchen Gesprächspartnern ist jede Form von Schlagfertigkeit Verschwendung. Diese Menschen werden einen Scherz sowieso nicht als solchen erkennen. Darüber hinaus werden sie jede schlagfertige Bemerkung entweder ignorieren oder gar als Angriff werten.
Wenn Sie auf solch einen Menschen treffen, hilft es meist nur, geduldig zuzuhören oder möglichst bald das Weite zu suchen.
Tipp:
Antworten, die einem zu spät einfallen
Vielen Menschen ergeht es so: Kaum ist der Gesprächspartner gegangen oder auch erst Stunden später, zu Hause, fallen einem die besten, witzigen und schlagfertigen Antworten ein, die man eigentlich während der Diskussion gebraucht hätte.
Machen Sie sich nichts draus. Nutzen Sie Ihre Ideen, um sich eine Strategie für das nächste Mal zurechtzulegen.
Notieren Sie Ihre Einfälle. Im Laufe der Zeit erhalten Sie so eine Liste mit schlagfertigen Antworten, die Sie später einmal verwenden können. Wenn Sie die Liste gelegentlich durchlesen, wird es Ihnen beim nächsten Mal viel leichter fallen, „spontan“ mit einer schlagfertigen Antwort zu glänzen.
