Die 30 Tage - Methode
Unser Leben wird bestimmt von Gewohnheiten. Daran ist nichts Schlechtes. Ganz im Gegenteil: Viele Dinge, tun wir gewohnheitsmäßig, ohne weiter darüber nachzudenken, weil es unpraktisch wäre, unsere ganze Aufmerksamkeit darauf zu verwenden.
Dadurch, dass viele Gewohnheiten fast wie von selbst ablaufen, entbinden sie unser Gehirn davon, weiter darüber nachzudenken und ständig darüber Buch zu führen, ob wir eine Sache bereits erledigt haben oder nicht.
Gewohnheiten spielen auch für unser Projekt, selbstbewusster zu werden, eine große Rolle.
Dabei haben wir es mit zwei Arten von Gewohnheiten zu tun:
1. Günstige Gewohnheiten, die uns selbstsicher und stark machen.
2. Ungünstige Gewohnheiten, die dazu führen, dass wir uns unsicher und wenig selbstbewusst fühlen.
Um unser Ziel selbstbewusster zu werden, zu erreichen, müssen wir die ungünstigen Gewohnheiten ablegen und sie durch solche ersetzen, die einen positiven Effekt auf unser Selbstbewusstsein haben.
Zitat:
„Die Gewohnheit ist ein Seil. Wir weben jeden Tag einen Faden, und schließlich können wir es nicht mehr zerreißen.“
(Thomas Mann, deutscher Schriftsteller)

„Ich will so bleiben, wie ich bin!“ Oder
warum es oft so schwierig ist, Gewohnheiten zu
verändern.
Natürlich erzähle ich Ihnen nichts
Neues, wenn ich sage, dass das Ablegen negativer Gewohnheiten eine
schwierige und anstrengende Sache sein kann.
Jeder, der schon einmal versucht hat, das Rauchen aufzugeben, keine
Schokolade mehr zu essen oder weniger Zeit vor dem Fernseher zu
verbringen, weiß das.
Umgekehrt erweist sich das Aneignen von neuen, guten Gewohnheiten ebenfalls als nicht ganz einfach. Ganz gleich, ob wir uns vornehmen, 3 mal pro Woche Sport zu treiben oder regelmäßig unseren Schreibtisch aufzuräumen: Meist sind die guten Vorsätze schon nach kurzer Zeit verpufft und wie fallen wieder in unsere alten Gewohnheiten zurück.
Es gibt zwei Gründe, warum das so ist:
Der erste liegt darin begründet,
wie unser Gehirn funktioniert:
In unserem Gehirn ist die Art und Weise, in der wir auf Ereignisse
reagieren, vor allem dadurch festgelegt, nach welchen Mustern wir
bisher gehandelt haben.
Umso häufiger ein bestimmtes Verhaltensmuster aktiviert wird, desto stärker prägt es sich ein und desto leichter kann es beim nächsten Mal wieder aktiviert werden.
Im Gehirn selbst werden
Gewohnheiten und Handlungsmuster in Form von sogenannten neuronalen
Verbindungen gebildet.
Dabei handelt es sich um Verbindungen zwischen
Nervenzellen.
Zellverbindungen, die häufig aktiviert werden, wachsen, während
solche die nicht benutzt werden, schrumpfen oder absterben.
Ein ganz einfaches Beispiel dafür ist das Klavierspielen. Bei jemandem, der noch nie Klavier gespielt hat, gibt es nur sehr wenige und schwache Nervenverbindungen in den Bereichen des Gehirns, die dafür zuständig sind, dass die einzelnen Finger beider Hände unabhängig von einander bewegt werden können.
Klavierschüler kennen das Problem: Die Finger lassen sich am Anfang kaum einzeln und gezielt bewegen. die Bewegungen sind langsam, oft bewegt sich der falsche Finger und drückt dabei eine falsche Taste.
Eltern, Lehrer und Mitbewohner leiden besonders unter diesem Phänomen ;-)
Es gibt aber genau eine einzige Methode, um das Klavierspielen (und auch fast alles andere)zu erlernen. Diese Methode heißt Üben!
Neue Verhaltensweisen lernt man nur durch Einüben!
Üben heißt in diesem Fall, immer wieder das tun, was das Gehirn und die Finger lernen sollen, nämlich auf der Tastatur spielen.
Erst dadurch entstehen im Laufe der Zeit immer mehr neuronale Verbindungen in den Bereichen des Gehirns, die für die Verarbeitung von Musik und zur Koordination der Finger beim Spielen zuständig sind.
Und tatsächlich kann man mit Hilfe der Computer-Tomografie erkennen, dass diese Bereiche des Gehirns bei Musikern viel besser ausgebildet sind als bei Menschen, die kein Instrument spielen.
Nicht anders verhält es sich beim Einüben neuer Verhaltensweisen, wie Sie sie zum Beispiel in diesem Buch kennenlernen werden. Durch das Lesen allein, können Sie nur erfahren, wie Sie erfolgreich vorgehen können.
Die tatsächlichen Veränderungen in Ihrem Denken und Handeln finden aber erst dann statt, wenn Sie das neue Verhalten immer wieder aktiv einüben. Erst dadurch werden die notwendigen Verknüpfungen im Gehirn geschaffen, die notwendig sind, damit Ihnen das neue Verhalten „in Fleisch und Blut“ übergeht.
Warum erlernt man eigentlich ungünstiges Verhalten so problemlos?
Gemeinerweise sind die notwendigen Anstrengungen beim Erlernen vieler ungünstiger und ungesunder Verhaltensweisen viel geringer als beim Erarbeiten neuer selbstbewussterer Gewohnheiten.
So benötigen die meisten Menschen keine Unterstützung dabei, regelmäßig Schokolade zu essen, zu rauchen oder Alkohol zu trinken. Ganz im Gegenteil, diese ungesunden Gewohnheiten entwickeln sich oft sogar anscheinend ganz ohne unser Zutun.
Der Grund dafür ist, dass es Sinneswahrnehmungen gibt, durch die im Belohnungssystem unseres Gehirns sofort bestimmte Botenstoffe (Neurotransmitter) wie zum Beispiel Dopamin freigesetzt werden.
Das heißt, jedes Mal, wenn wir im Mund die Süße von Schokolade spüren, werden Botenstoffe freigesetzt und wir fühlen wir uns umgehend ein kleines bisschen glücklicher.
Manche dieser Belohnungsverknüpfungen haben wir von Geburt an, andere werden später erlernt.
Ein Beispiel dafür, dass dieses Belohnungssystem bei falschem oder unbedachten Verhalten auch sehr schädlich sein kann, sind Drogen jeglicher Art.
Alle Drogen haben die Eigenschaft, das Belohnungssystem im Gehirn zu aktivieren. Das geschieht zum Beispiel dadurch, dass bestimmte Glücks-Botenstoffe ausgeschüttet werden, oder langsamer abgebaut werden.
Bei manchen Drogen, wie zum Beispiel beim Heroin, kann eine einzige Dosis schon zu starker Abhängigkeit führen. Bei anderen, wie zum Beispiel Alkohol oder Nikotin dauert es etwas länger. Eine Abhängigkeit entsteht hier jedoch bei häufigem Konsum ebenfalls.
Glücklicherweise können wir das
Belohnungssystem unseres Gehirns auch für viele positive Dinge
nutzen.
Auch auf unserem Weg zu mehr Selbstbewusstsein werden wir das
Belohnungssystem für unsere Zwecke einsetzen.
Einüben heißt Handeln!
Klavierspielen (und alles andere auch) erlernt man nicht durch theoretische Beschäftigung mit dem Thema, sondern durch immer wieder wiederholtes Durchführen der zu erlernenden Tätigkeit.
Das Einüben neuer Verhaltensweisen ist, genau wie das Klavierspielen, etwas, das über einen langen Zeitraum immer wieder aktiv praktiziert werden muss, damit dauerhafte Veränderungen eintreten.
Wird das neue Verhalten nur ein paar Mal oder nur für einen kurzen Zeitraum eingesetzt, hat unser Gehirn keine Chance, das Verhalten zu verinnerlichen und dauerhaft zu speichern.
Erst wenn das neue Verhalten häufig und über einen längeren Zeitraum aktiviert wird, beginnt das Gehirn sich auf die gewünschte Art und Weise zu verändern.
Es gibt viele Versuche, in Zahlen zu fassen, wie oft oder wie lange ein neues Verhalten eingeübt werden muss, bevor man sich darauf verlassen kann, dass es auch in stressigen Situationen problemlos abrufbar ist.
Die Ansichten reichen dabei von 60 mal insgesamt bis zu 60 mal am Tag für eine Dauer von 3 Wochen.
Tatsache ist, dass es keine wirklich wissenschaftlich fundierte Aussage darüber gibt, wie häufig ein neues Verhalten ausgeführt werden muss, bevor es dauerhaft etabliert ist.
Zudem kann man davon ausgehen, dass die Zahlen auch von Mensch zu Mensch und von Verhalten zu Verhalten unterschiedlich sind.
Zitat:
„Übung kann fast das Gepräge der Natur verändern;
sie zähmt den Teufel oder stößt ihn aus mit wunderbarer Macht.“
(William Shakespeare, englischer Dramatiker und Dichter)

Die Formel für Erfolg
Die einzige Aussage, die mit Sicherheit korrekt ist, kann man in folgender Formel darstellen:
Erfolgreiche Verhaltensänderung = Häufigkeit x Dauer
Ein neues Verhalten wird also umso besser erlernt, je häufiger es eingesetzt wird. Genauso gilt, je länger der Zeitraum, in dem ein neues Verhalten durchgeführt wird, desto stärker wird es im Gehirn verankert.
Die optimale Vorgehensweise, um ein neues Verhalten zu etablieren, ist also, das Verhalten häufig und über einen längeren Zeitraum einzuüben.
Darüber hinaus wissen wir aus der
Lernpsychologie, dass es günstig ist, das neu zu Erlernende
möglichst regelmäßig einzuüben.
Es ist viel wirksamer, etwas Neues, pro Tag für eine Stunde, zu
üben, als die ganze Woche über nichts zu tun und dafür am Sonntag 8
Stunden am Stück daran zu arbeiten.
Zitat:
Als ein erfolgreicher Golfspieler einmal einen ans wunderbare grenzenden Schlag führte, wobei er den Golfball aus seiner Lage unterhalb eines überhängenden Bunkers bis in eine Entfernung von drei bis vier Zentimetern vor das Loch trieb, sagte ein Zuschauer zu ihm: „Mein Gott, was für ein Glück“. Der Golfspieler antwortete: „Stimmt, aber ich will Ihnen eins sagen: je mehr ich übe, umso mehr Glück habe ich“.
(Edward de Bono, britischer Psychologe und Schriftsteller)
30 Tage bis zum Ziel
Schaut man sich die Ergebnisse von Untersuchungen an, die sich mit dem Erlernen neuer Verhaltensweisen beschäftigen, stellt man trotz voneinander abweichenden Angaben fest, dass sich der Zeitraum, der benötigt wird, um ein neues Verhalten zu etablieren, in etwa einen Monat beträgt.
Wird ein neues Verhalten für die Dauer von etwa 30 Tagen mehrmals täglich durchgeführt, stellt sich eine gewisse Gewohnheit ein.
Die Widerstände werden geringer und
es fällt generell leichter, sich zu dem neuen Verhalten
„aufzuraffen“.
Wer ein neues Verhalten 30 Tage lang täglich praktiziert, hat gute
Chancen, es auch dauerhaft zu etablieren.
Schenken Sie falschen Versprechungen keinen Glauben
Übrigens, das Einüben neuer Gewohnheiten über einen bestimmten Zeitraum ist eine psychologisch sinnvolle Methode, die schon seit Langem bekannt und erforscht ist.
Trotzdem versuchen bestimmte Ratgeber diese Methode immer wieder als etwas völlig Neues darzustellen.
Damit es etwas attraktiver klingt, wird dann die Einübungsphase möglichst kurz angenommen. Sollten Sie also irgendwo lesen, dass Sie neue Gewohnheiten innerhalb von 10, 14 oder 21 Tagen erlernen können, sollten Sie dies nicht allzu wörtlich nehmen.
Es gibt auch keine 100 %ige Garantie dafür, dass Sie sich eine neue Gewohnheit innerhalb von 30 Tagen aneignen können.
Je nachdem wie schwierig die Aufgabe ist und wie viele Widerstände Sie überwinden müssen, kann es durchaus auch länger dauern. Das ist völlig normal und in Ordnung. Sie müssen sich deshalb nicht unter Druck setzen und kein schlechtes Gewissen haben!
Wichtig ist, dass Sie wissen, dass Sie selbst viel dazu tun können, um sich ein erwünschtes Verhalten oder eine erwünschte Eigenschaft anzueignen. Wenn Sie das neue Verhalten regelmäßig, immer wieder über einen längeren Zeitraum einüben, wächst von Mal zu Mal die Wahrscheinlichkeit, dass Sie es verinnerlichen und es zu einer guten Gewohnheit wird.
