Sprache, Sprechen und Small talk

Die Stimme ist das zentrale und wichtigste Instrument unserer Kommunikation. Untersuchungen zeigen, dass der Eindruck, den jemand durch gesprochene Sprache macht, nur zu einem geringen Teil durch den Inhalt dessen, was er sagt, hervorgerufen wird.

Viel wichtiger sind die Art und Weise des Sprechens, die Wortwahl, die Betonung und die korrekte Artikulation des Gesprochenen.

Die Wichtigkeit einer souveränen, korrekten und gut artikulierten Sprache für das Selbstbewusstsein kann gar nicht überschätzt werden!

Tipp:

Trockenübungen

Ein ganz einfaches, aber sehr wirkungsvolles Mittel, um mehr Sicherheit beim Sprechen zu erlangen, ist das Sprechen-Üben.

Das klingt banal, ist es aber nicht, was sich unter anderem darin zeigt, dass es nur die wenigsten schüchternen Menschen tun.

Dabei spricht alles dafür. Kein Politiker hält eine Rede, die er nicht zuvor eingeübt hat.
Politiker und Schauspieler lassen sich von Profis darin unterrichten, wie man selbstbewusst und überzeugend spricht, oder wie man Fragen von Journalisten routiniert beantwortet.

Warum sollten wir das Sprechen-Üben nicht auch für unsere Zwecke nutzen?

Will man sich auf ein Gespräch mit einer bestimmten Person vorbereiten, ist es sinnvoll, in Gedanken oder auf dem Papier die Antworten oder Fragen durchzugehen, die diese Person vielleicht oder wahrscheinlich stellen wird.

Auf diese Weise merkt man sofort, wo es bei der eigenen Argumentation „hakt“, oder was man vielleicht besser anders formulieren sollte.

Es geht dabei nicht darum, den Text auswendig zu lernen, oder eine Sprache zu verwenden, die Sie normalerweise nie benutzen würden.

Das würde sofort auffallen, Sie würden dann auch nicht mehr natürlich wirken, was grundsätzlich keinen guten Eindruck hinterlässt.

Wohin es führen kann, wenn man sich mit fremden (Sprach-)Federn schmückt, musste ja schon der berühmte Cyrano von Bergerac in dem gleichnamigen und sehenswerten Kinofilm mit Gérard Depardieu feststellen.

Üben vor dem Spiegel

Ich weiß, es ist anfangs schwierig, sich dazu zu überwinden. Es wirkt zunächst merkwürdig und irgendwie peinlich. Machen Sie sich nichts daraus! Schauspieler, Politiker und andere Personen des öffentlichen Lebens tun es auch. Und was denen recht ist, sollte doch wohl für Sie auch in Ordnung sein, oder?

Konsonanten deutlich artikulieren:

Konsonanten, also stimmlose Buchstaben wie z. B. „k“, „s“, „b“ oder „p“ tragen wesentlich dazu bei, das Sprechen deutlicher zu machen. Achten Sie also beim Sprechen immer darauf, dass Sie die Konsonanten laut und deutlich aussprechen. Vermeiden Sie es, Konsonanten zu „verschlucken“, wie es viele Menschen insbesondere am Ende von Wörtern gerne tun.

Achten Sie darauf, dass Sie ähnlich klingende Konsonanten wie zum Beispiel „b“ und „p“ oder „g“ und „k“ so deutlich aussprechen, dass der Zuhörer ohne nachzudenken weiß, welcher von beiden gemeint ist.

Vokale klingen lassen:

Neben den Konsonanten sind natürlich auch die Vokale, also die klingenden Buchstaben „a“, „e“, „i“, „o“ und „u“ für eine gute Aussprache wichtig.

Vokale lassen ein Wort klingen und tönen. Sie sind deshalb besonders wichtig, um Ihre Stimme nicht nur korrekt, sondern auch wohltönend klingen zu lassen. Sprechen Sie also Vokale nicht zu kurz aus, sondern nutzen Sie diese, um Betonung und Klang in Ihre Stimme zu bringen.

Pausen:

Genauso wichtig wie das Sprechen selbst ist es, auch Pausen richtig und gezielt einzusetzen. Pausen haben beim Sprechen zwei Funktionen:

1. Pausen dienen dazu, den Redefluss zu strukturieren und regelmäßiges Atmen zu ermöglichen.

2. Pausen dienen außerdem dazu, die Bedeutung des Gesagten zu unterstreichen und Spannung aufzubauen.

Achten Sie einmal bei guten Rednern oder Schauspielern darauf, wie diese Pausen ganz gezielt einsetzen.

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Sprechübungen

Um Ihre Artikulation zu verbessern, gibt es vielfältige Sprechübungen, die Sie zu Hause, z .B. vor dem Spiegel oder auch unterwegs durchführen können.

Es gibt zwei Arten von Sprechübungen. Die einen setzen auf den Einsatz mechanischer Hilfsmittel, um die Beweglichkeit und Artikulationsfähigkeit der Zunge und anderer Muskeln, die zum Sprechen benötigt werden, zu trainieren.

Eine andere Methode besteht darin, bestimmte Wörter, Sätze, Gedichte oder anderes laut zu sprechen, um das gleiche Ergebnis zu erzielen.

Als Sprechübungen sind z. B. die sogenannten „Zungenbrecher“, die jeder noch aus Kindheit oder Schulzeit kennt. Hier sind einige Beispiele:

„Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid.“

„Fischers Fritz fischt frische Fische, frische Fische fischt Fischers Fritz.“

„Wenn hinter Griechen Griechen kriechen, kriechen Griechen Griechen nach.“

„In Ulm, um Ulm und um Ulm herum.“

„Mischwasserfischer heißen Mischwasserfischer, weil Mischwasserfischer im Mischwasser Mischwasserfische fischen.“

„Ein plappernder Kaplan klebt Pappplakate - Pappplakate klebt ein plappernder Kaplan.“

„Es klapperten die Klapperschlangen, bis ihre Klappern schlapper klangen.“

Die Sache mit dem Korken

Um die phonetische Bildung von Lauten im Mundraum zu trainieren, greifen viele Profis zu einem einfachen Sektkorken. Dieser wird zwischen den Schneidezähnen eingeklemmt. Nun werden unterschiedliche Texte mit dem Korken zwischen den Zähnen gelesen oder rezitiert. Ziel ist es, selbst mit dem Korken im Mund eine möglichst gut akzentuierte Aussprache zu erreichen. Gleichzeitig werden die Sprechwerkzeuge dadurch so gut trainiert, dass sich die Aussprache im Alltag dadurch deutlich verbessert.

Die richtige Sprechgeschwindigkeit

Die Geschwindigkeit, mit der Sie sprechen, hat einen elementaren Einfluss darauf, wie Sie selbst und das, was Sie sagen, auf Ihre Gesprächspartner wirken.
Es ist wirklich erstaunlich, wie oft dieser Faktor selbst von Profis vernachlässigt wird. Die Sprechgeschwindigkeit entscheidet nicht nur darüber, ob Ihr Gesprächspartner Ihnen glaubt oder nicht. Nein, die Wirkung geht viel weiter. Untersuchungen haben gezeigt, dass sogar die Intelligenz der sprechenden Person von den Zuhörern aufgrund der Sprechgeschwindigkeit beurteilt wurde.

Die Sprechgeschwindigkeit entscheidet, ob Sie glaubwürdig, klug oder dumm wirken!

Auch hierbei zeigte sich: Es ist gar nicht so wichtig, was gesagt wird. Die Art und Weise, und insbesondere die Sprechgeschwindigkeit sind entscheidend dafür, ob das Gesagte für glaubwürdig, klug, oder auch für falsch und dumm gehalten wird.

Sozialwissenschaftler vom University of Michigan Institute for Social Research haben in einer großen Studie die Wirkung unterschiedlicher Sprechgeschwindigkeiten auf weit über 1000 Versuchspersonen untersucht. In tausenden von Telefongesprächen sollten verschiedene Interviewer die Angerufenen davon überzeugen, an einer Umfrage teilzunehmen.

Dabei stellte sich heraus, dass mit Abstand die Interviewer am erfolgreichsten waren, die mit einer mittleren Sprechgeschwindigkeit und regelmäßigen Gesprächspausen sprachen.

Sprachen die Interviewer sehr schnell, litt darunter vor allem ihre Glaubwürdigkeit. Die Versuchspersonen nahmen unbewusst an, dass jemand, der sehr schnell spricht, etwas zu verbergen habe.

Schlecht waren auch die Erfolgsquoten der Interviewer, die sehr langsam sprachen. Fast alle Versuchspersonen nahmen unbewusst an, dass es sich bei dem langsam sprechenden Gesprächspartner um eine Person handelte, die nicht besonders klug sei.

Als optimal wurde eine Sprechgeschwindigkeit von 3,5 Wörtern pro Sekunde ermittelt, was einer mittleren, ruhigen Sprechgeschwindigkeit eines Erwachsenen entspricht.

Natürlich müssen Sie Ihre Sprechgeschwindigkeit nicht mit der Stoppuhr messen. Es reicht, wenn Sie sich immer wieder daran erinnern, weder besonders schnell noch sehr langsam zu sprechen. Wichtig ist es ebenfalls, beim Sprechen kurze Pausen zu machen. In der genannten Untersuchung schnitten die Interviewer, die „ohne Punkt und Komma“ redeten am schlechtesten ab.

Tipp:

Es wurde ebenfalls untersucht, wie sich die Stimmlage auf Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft auswirkten.
Es stellte sich heraus, dass insbesondere Männer mit einer tiefen Stimmlage hier im Vorteil waren. Bei den interviewenden Frauen konnte kein solcher Effekt festgestellt werden.

Als Mann können Sie diesen Vorteil in jedem Fall nutzen. Wenn Ihre Stimmlage eher hoch ist, können Sie durch bewusstes Betonen tieferer Frequenzen Ihre Sprechwirkung verbessern.

Vorsicht Wortwahl!

Woran liegt es nur, dass manche Menschen bei allem, was sie sagen, so selbstsicher wirken und andere gar nicht?

Wir haben ja schon gesehen, dass der richtige Einsatz der Stimme wesentlich dazu beiträgt, Sicherheit und Kompetenz auszustrahlen.
Genauso wichtig ist es aber auch, geschickt mit bestimmten Wörtern umzugehen, diese zu verwenden oder auch zu vermeiden.

Es gibt Formulierungen, die zum Beispiel immer den Eindruck von Unsicherheit vermitteln, ganz gleich, wer sie ausspricht.

Dazu gehören insbesondere Begriffe, die dem Gesprächspartner das Gefühl geben, der Sprecher sei sich seiner Sache selbst nicht sicher oder solche, die dem Gesprächspartner das Gefühl vermitteln, der Sprecher sei nicht kompetent.

Beispiele für Begriffe und Redewendungen, die Unsicherheit ausdrücken:

- Vielleicht

- Eventuell

- Möglicherweise

- Weiß ich nicht

- Dazu kann ich Ihnen nichts sagen

- Das kann ich nicht entscheiden

- Unter Umständen

- Ich könnte …

- Ich würde …

- Eigentlich …

Positive Schlüsselwörter

Umgekehrt gibt es positive Schlüsselwörter, die bei jedem Gesprächspartner das Gefühl erwecken, der Sprecher sei sich seiner Sache sicher und habe alles im Griff.
Untersuchungen haben gezeigt, dass Gesprächspartner auf bestimmte Wörter, sogenannte Schlüsselbegriffe immer sehr positiv reagieren.

Diese Erkenntnis können Sie sich zunutze machen, um bei Ihrem Gesprächspartner ein Gefühl von Sympathie und Vertrauen zu erzeugen.

Schauen Sie sich die Liste der Schlüsselwörter genau an und denken Sie darüber nach, wie Sie diese und ähnliche Wörter in Ihre Kommunikation einfließen lassen können.

Wenn Sie in Ihrem Job zum Beispiel häufig mit Kunden telefonieren, können Sie sich selbst eine Liste mit positiven Wörtern zusammenstellen, die Sie bei Ihren nächsten Telefonaten einfach neben das Telefon legen und während des Gesprächs ab und zu einen Blick darauf werfen.

Beispiele für positive Schlüsselwörter:

+ Lösung

+ ja

+ gut

+ gerne

+ interessant

+ sicher

+ zuverlässig

+ Vorteil

+ persönlich

+ erledigen

+ Sicherheit

+ Leistung

+ Chance

+ Unverzüglich

Vorsicht Jugendsprache!

Jugendliche sprechen ihre eigene Sprache. Das gilt gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum Einen verwenden Jugendliche viele Wörter und Redewendungen, die in der Standardsprache nicht vorkommen. Zum Anderen unterscheidet sich häufig auch die Aussprache Jugendlicher von der, der Erwachsenen. Nicht selten wird undeutliches Nuscheln oder auch das Auslassen ganzer Wörter („Ich gehe Schule.“ „Gibst du Zigarette?“) als besonders „cool“ erachtet.

Das Problem: Was unter Jugendlichen „cool“ oder „in“ ist, kann im normalen Erwachsenenleben genau das Gegenteil bewirken.
Jemand, der nicht in der Lage ist, sich sprachlich korrekt, klar und deutlich auszudrücken, wird schnell für minderbemittelt oder zumindest für nicht besonders intelligent oder für ungebildet gehalten. Dass dies keine gute Wirkung auf das Selbstbewusstsein hat, muss man wohl nicht ausdrücklich erwähnen.

Wer selbstbewusst auftreten will, muss in der Lage sein, klar, deutlich und fehlerfrei zu sprechen. Das gilt für jeden, ganz gleich, ob 17 oder 57!

Jugendsprache ist für Erwachsene tabu!

Der Versuch erwachsener Menschen, die Besonderheiten der Jugendsprache nachzuahmen, wirkt oft komisch, aber nie selbstbewusst!

Will der erwachsene Mensch damit erreichen, jünger zu wirken als er ist, wird es schnell peinlich. Ein Zeichen von Selbstbewusstsein ist es auf gar keinen Fall!

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Selbstbewusstsein kann man lernen
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