
Durchgebrannt
Während die Dunkelheit die bunten Farben des Tages erlöschen ließ und sich schattengleich über unser Städtchen legte, betrat ich das in eine Moorlandschaft hineingebaute Wachgebäude, das überwiegend aus Wellblech und Rigipsplatten bestand. In dieser Nacht war Oswald mit mir am Start, denn die Grippe hatte Lenny am Vortag erwischt und niedergestreckt. Vor zwei Wochen hatte Oswald sein Debüt bei uns gegeben.
Bei den Kollegen war Oswald keine große Nummer. Sie empfanden ihn als zu weich und seinen Händedruck als zu mädchenhaft. Sein schwarzer Vollbart verdeckte ein Drittel des Gesichtes. Die grünen Augen schienen auf den ersten Blick normal, aber sie konnten einen beunruhigend durchdringend fixieren.
Ich mochte Oswald. Er war ein aufmerksamer, netter Kerl, und jemand hatte es sehr gut mit ihm gemeint, als es um die Verteilung der Intelligenz ging. Er war mit feinen Antennen ausgestattet und besaß eine distinguierte Eloquenz. Manchmal war es eine wahre Freude, ihm nur beim Sprechen zuzuhören. Auch war sein medizinisches Fachwissen brillant. Eher würde die Hölle zufrieren, als dass man mit ihm in eine unbeherrschbare Situation geriet.
An diesem Abend war Oswald ungewöhnlich schweigsam. Er saß am Küchentisch der Rettungswache, hatte ein selbst gemachtes Käsebrot vor sich auf dem Teller liegen und schaute ins Leere. Der Wasserdampf der Kaffeemaschine nebelte in den Wachraum hinein.
»Warum so schwermütig heute?«, fragte ich und sah von meiner Zeitung auf. Oswalds Blick löste sich aus der Starre.
»In letzter Zeit geht es mir nicht gut.« Ich nahm die Kanne und goss Kaffee in Oswalds Tasse. »Schlaflosigkeit ist mein Problem«, fuhr er fort.
»Und sonst?«, hakte ich nach.
»Ständig werden Gesetze geändert. Das Datenschutzrecht wird gelockert. Der Staat kontrolliert seine Bürger durch geheime Behörden. Ist das etwa an dir vorübergegangen?« Oswald stützte beide Hände auf den Tisch, seine Muskulatur verkrampfte sich. »Ich glaube, dass sie mich auch schon bespitzeln.« Oswald war ursprünglich Programmierer gewesen und dem IT-Bereich nach wie vor sehr nah. Wenn überhaupt jemand so etwas einschätzen konnte, war er es.
»Kannst du hellsehen?«, fragte ich ihn.
»Quatsch. Als ich das letzte Mal nach Hause gekommen bin, war meine Tastatur verschoben. Und in der Küche waren Sachen verstellt.« Schweiß glitzerte auf Oswalds Stirn. »Als ich im Supermarkt bezahlen wollte, hat die Kassiererin meine Karte zweimal durchgezogen statt einmal. Wahrscheinlich hat sie dabei die Daten abgegriffen.«
»Ich glaube, deine Karte ist einfach nur reif für den Schredder.«
»Meine Karte war immer tipptopp, hörst du? Immer! Als ich danach auf dem Heimweg war, hat mich irgend so ein Penner in einem Postauto verfolgt!« Oswald nestelte nervös an seinem Ärmel.
»Klar …«
»Ich bin extra einen Umweg nach Hause gefahren. Aber der Typ ist mir hinterher.«
»Fahr dein System mal ein bisschen runter. Du leuchtest ja fast.«
»Der Staat überwacht uns. Und mich auch. Ich habe letztens etwas auf einer Internetseite des Bundesnachrichtendienstes nachgesehen.«
»Und?«
»Ein blöder Fehler. Die haben sicher meine IP-Adresse mitgeschnitten, und jetzt bespitzeln sie mich.«
Oswald machte mir Sorgen. Seine Backen glühten rot, und die Stimme war aufgeregt. Die Schläfenarterie pulsierte mit hoher Frequenz – viel schneller als sonst. Oswald zögerte. Nur das Klacken der Küchenuhr war zu hören. Sein Blick glitt langsam am Fenster entlang, an der Tür zum Gang vorbei. Am Sideboard, auf dem das Telefon stand, stoppte er.
»Wie meinst du das?« Oswald drehte seinen Kopf plötzlich zu mir.
»Meine ich was?« Pause.
»Du hast doch eben gesagt, ich soll meine Jacke zurück ins Auto legen.«
»Was für eine Jacke? Ich habe überhaupt nichts gesagt«, antwortete ich. Oswald verstummte.
Der Zeiger der Uhr näherte sich dem Tageswechsel. Als mein Handy klingelte, verließ ich den Raum, um ungestört zu sein. Am anderen Ende der Leitung war Luisa, eine Freundin von mir. Dass ausgerechnet sie jetzt anrief, war für mich so etwas wie ein Zeichen, denn Luisa ist Psychologin. Sie verstummte immer mehr, während ich ihr beschrieb, was ich mit Oswald gerade erlebt hatte. Luisa versprach, in der Fachliteratur nachzuschlagen und mich dann umgehend zurückzurufen. 20 Minuten später war das Gespräch beendet. Doch Luisa hatte mich ermahnt, diese Nacht lieber Augen und Ohren offen zu halten und wachsam zu sein.
Im Ruheraum dauerte es nicht lange, und ich glitt in einen traumlosen Schlaf. Im Nachtdienst schlafe ich allerdings nie so fest wie zu Hause. Ständig wache ich auf, weil Geräusche, die die zweite Besatzung erzeugt, im Gebäude zu hören sind. Autos und Lkws donnern auf der nahe liegenden Bundesstraße vorbei, und je nach Jahreszeit hört man auch Frösche und anderes Getier. Dann ist da noch das Funkgerät der Rettungswache, über das sich Funkverkehr leise mitverfolgen lässt. Nicht nur der Sprechfunk, sondern auch der Selektivruf zur Alarmierung ist zu hören und stört beim Schlafen. Der Selektivruf besteht aus fünf kurzen Tönen. Unsere persönlichen Alarmempfänger können auf diese Tonfolge codiert werden. Jeder Alarmempfänger »lauscht« auf unserem Funkkanal und reagiert nur auf den Code, der ihm einprogrammiert wurde.
In dieser Nacht war mein Schlaf so leicht, dass ich schon durch das Senden der Fünftonfolge für meinen Alarmempfänger aufwachte, noch bevor der Piepser den Alarm gegeben hatte. In der Hundertstelsekunde kurz vor dem Auslösen öffnete sich der Funkkanal und knisterte. Mein Bewusstsein wurde durch dieses feine Rauschen schlagartig aus dem schwarzen Nichts des Schlafes zurückgeholt. Ein Knacken war zu hören und die kurze Stille danach. Dann zerstörte der Piepser die Ruhe des Nachtdienstes und schlug Alarm. Die Uhr zeigte halb zwei.
Oswald taumelte erst aus dem Bett, als ich bereits in meiner Jacke steckte und dabei war, das Zimmer zu verlassen.
»Was haben wir?« Oswald öffnete die Tür des Rettungswagens und stieg ein.
»Verkehrsunfall.« Ich startete den Motor. »Unklare Situation. Vermutlich eine leicht verletzte Person.«
»Ist ja gut. Dann liegen wir in spätestens einer halben Stunde wieder im Bett.«
Oswald sprach aus, was ich dachte und hoffte. Oft kommt es jedoch anders, als man denkt. Rettungsdienst ist leider kein Wunschkonzert. Und bisweilen kommt es sogar ganz anders, als man denkt.
Der Motor winselte. In Lichtgeschwindigkeit prügelte das blaue Geblitze unserer Signalanlage gegen Verkehrsschilder und Hauswände. Ab und zu hörte man, wie jemand das Funkgerät in irgendeinem anderen Rettungswagen auftastete, also sein Relais öffnete, wodurch ein Klacken durch den Lautsprecher unseres Funkgerätes zu vernehmen war. Der Unfall war in Sichtweite, als mein Handy klingelte. »Luisa« stand auf dem Display. Ich hob ab.
»Sind kurz vor einem Einsatz. Ich ruf dich zurück.« Klick.
Die Einsatzmeldung entpuppte sich als völlig falsch. Mehrere zerstörte Fahrzeuge standen umgeben vom nächtlichen Nebel auf der rechten und linken Fahrspur verteilt. Ein Auto lag im Graben. Der Baum war offenbar stärker gewesen. Das Fahrzeug war so verbeult, dass ich nicht einmal mehr erkennen konnte, um welche Marke es sich gehandelt hatte. Ein Arm baumelte aus dem zersplitterten Seitenfenster heraus, weißer Rauch stieg aus dem Motorraum auf. Kühlerflüssigkeit strömte aus einem geplatzten Schlauch und versickerte im Boden. Auf dem Beifahrersitz eines grünen Autos saß eine junge Frau, deren Augen nur halb geöffnet waren. Sie war gegen die Leitplanke geprallt und bewegte sich nicht. Die Frau blutete aus dem Schädel, der offen und verformt zu sein schien. Ihr Freund, der wohl den Wagen gefahren hatte, kniete vor der Leitplanke und röchelte. Ein abgerissener Scheibenwischerarm steckte in seinem Brustkorb, und sein Arm war unnatürlich verdreht. Ein weiterer Mensch lag mitten auf der Straße. Oder besser gesagt, das, was von diesem Menschen noch übrig war und an einen mit Stofffetzen umgebenen Klumpen blutigen Fleisches erinnerte. Es musste ein Mann sein, denn eine Frau kniete daneben, hielt ihn im Arm und wimmerte den Namen Thomas.
Ich blieb an der Fahrertür stehen, Oswald neben mir. Mir stellten sich die Haare auf. Die Situation glich einem Systemstillstand. Nur der Motor des Rettungswagens und das Knistern defekter Aggregate waren zu hören. Erst als wir wahrgenommen wurden, begannen die Leute zu schreien.
Mit einem Block Papier samt Stift ausgerüstet, ging ich los, suchte die Unfallstelle nach verletzten oder toten Menschen ab und notierte mir die Anzahl. Auf der Gegenspur hatten die Autos schon abgebremst, Menschen saßen dort geschützt in ihren Fahrzeugen und glotzten. Es dauerte fünf Minuten, bis ich den Kriegsschauplatz durchquert hatte und wieder zurück zum Rettungswagen lief. Während ich die letzten Meter zurücklegte und das Schreien etwas leiser wurde, stellte ich mir selbst die Frage, wie eine derartige Falschmeldung hatte entstehen können, die Oswald und mich in diese Bredouille hineinmanövriert hatte. War es vielleicht der berühmte Anrufer von der Gegenspur, der im Vorbeifahren nur einen »kleinen Auffahrunfall« aus dem Augenwinkel gesehen und diesen mit einem Handy gemeldet hatte? Ich kann es nicht genau sagen – in jedem Fall musste der Disponent irgendwie reagieren. Dies tat er entsprechend seiner Vorgabe und schickte einen Rettungswagen dorthin. Nämlich uns.
Meine Rückmeldung an die Zentrale stellte die Sachlage erst einmal richtig: »Mindestens sieben Schwerverletzte. Sicher einige Patienten tot. Wir brauchen dringend Unterstützung.«
Ich schnappte mir meine Ausrüstung, während Oswald neben der toten jungen Frau im grünen Wagen stand und wie hypnotisiert in das Fahrzeuginnere starrte, die Hände in den Hosentaschen, den Blick ins Leere gerichtet. Eine Lavendelblüte steckte im Haar der Frau. Diese Bilder begleiteten meinen Schlaf noch einige Zeit lang nach diesem Einsatz und verblassten nur sehr langsam. Es musste am Tag zuvor gewesen sein. Vermutlich hatte der Freund dem Mädchen diese Blüte am Vorabend des Unfalls in das Haar geflochten, weil sie Lavendel liebte. Die beiden hatten sicher einen schönen Abend voller Harmonie und Liebe verbracht und sich spät auf den Heimweg gemacht. »Nur die Guten sterben jung«, dachte ich und roch für einen Moment Lavendelduft.
»Worauf wartest du? Auf Weihnachten?«
»Was?«, stotterte Oswald und blickte auf.
»Komm in die Gänge, und bring das EKG mit!« Nicht den Hauch einer Reaktion. »Oswald?«
Ich bewegte mich auf den Mittelpunkt des Unfalls zu, der alles an Kraft um sich herum einzusaugen schien. Mehrere Patienten benötigten gleichzeitig medizinische und lebenserhaltende Maßnahmen. »Ich wollte doch nur anhalten, um nach meinem Kühlwasser zu sehen«, flüsterte ein älterer Mann, der sich eingeklemmt am Steuer eines zerstörten Kleinwagens zwischen Leben und Sterben befand. Auf einmal hatte es dann geknallt, denn der Mann war auf der rechten Spur der Autobahn anstatt auf der Standspur stehen geblieben. Fataler Fehler. Ein nachfolgender Wagen hatte das schlecht beleuchtete Fahrzeug übersehen und war mit hoher Geschwindigkeit aufgefahren. Da auf der Autobahn zu diesem Zeitpunkt ein reger Verkehr herrschte, kam es in der Folge zu diesem Crash mit etlichen Autos.
Ich versuchte mein Bestes. Hektik zwischen Wracks und schreienden Menschen. Halskrause. Venöser Zugang. Sauerstoff. Offene Brüche abdecken. Und wieder ein venöser Zugang mitten im Wimmern. Jeder Schritt knirschte auf dem Glas geplatzter Scheiben. Es verging eine gefühlte Ewigkeit, bis ich endlich die Martinshörner meiner nachgeforderten Kollegen hörte. Von Oswald keine Spur.
»Wo sollen wir hin?«, rief mir ein entgegenkommender Kollege zu. Es roch nach Öl und Benzin.
»Da hinten rechts im Graben ...«
Eine andere Besatzung schickte ich zum ersten Fahrzeug, einem blauen Wagen. »Fahrerseite, Polytrauma«, informierte ich die Kollegen. Das zuerst eingetroffene Rettungsmittel – also in diesem Fall ich – hat nämlich zunächst die organisatorische Einsatzleitung, bis ein offizieller Einsatzleiter des Rettungsdienstes die Szenerie betritt.
Die Leitstelle funkte mich an. »1/83/1, ein Hubschrauber ist für Sie unterwegs zur Einsatzstelle. Mehr gibt’s wegen der Nebelsuppe nicht. Tut mir leid.« Immerhin. Einer mehr, als ich angenommen hatte.
Nach und nach kehrte Ruhe ein. Der Nebel lichtete sich etwas, während die Opfer dieses fatalen Verkehrsunfalles abtransportiert wurden. Perfekte Zusammenarbeit aller Retter vor Ort. Die Körper der Verstorbenen wurden mit Laken bedeckt und auf dem Seitenstreifen des Fahrbahnbereiches abgelegt. Einzelne Sterne funkelten so hell, als wollten sie uns Licht machen.
Eine Stunde später war der Einsatz beendet. Ich stand mit dem Einsatzleiter am Rettungswagen. Während er sich eine Zigarette anzündete, fragte er: »Wo ist Lenny?« Er aschte auf den Boden und sah mich an. Eine berechtigte Frage. Wo sich Lenny befand, wusste ich. Über Oswald konnte ich leider nicht dasselbe sagen. Ein Schauer lief mir über den Rücken, und ein Kloß setzte sich in meinem Hals fest. »Lenny liegt mit Kotzerei und Fieber im Bett, Oswald vertritt ihn«, antwortete ich. »Oswald? Oswald!« Keine Antwort. Verdammt. Er musste doch irgendwo sein. Ein paar Kollegen hatten Oswalds Verschwinden mitbekommen und machten sich mit uns auf die Suche. Gedanken blitzten in mir auf. Hässliche Gedanken, denn mir fiel unser Dialog vom Vorabend wieder ein. Oswald war irgendwie anders gewesen als sonst.
»Wir haben euren Retter gefunden«, meinte schließlich ein Kollege der Feuerwehr und kam direkt auf mich zu.
Oswald kniete weit abseits von der Unfallstelle in einem angrenzenden Feld, die linke Hand voller Lavendel. Im Schneckentempo rupfte er einen Stiel nach dem anderen aus dem Feld und hatte so ein Sträußchen gebildet, das bereits ziemlich groß war. Eine Blütenähre steckte hinter dem Ohr in seinen Haaren.
»Eine für dich ... und eine für mich ... eine für dich ... und eine für ...«, wiederholte er mit hoher Stimme, viel höher als sonst. »Nein! Das kann ich ... nicht ... tun!« Oswalds Augen waren so weit aufgerissen, dass das Weiß um seine Iris vollständig sichtbar war. »Warum? Ich weiß den Weg nicht.«
»Oswald? Was ist los?«
»Wieso willst du das wissen? Weil ich nicht bin?« Ein müdes Lächeln verformte seine Lippen, während nebenan Leichensäcke zugeschnürt wurden. Das Lächeln eines Wahnsinnigen. Plötzlich sank Oswald in sich zusammen, die Blumen rutschten ihm aus der Hand. Er starrte ins Gras, der Oberkörper wippte hin und her. Dissoziation. Ende der psychischen Teerstrecke.
Im Rettungswagen war es still. Nur das gelegentliche Klacken eines aufgetasteten Funkgerätes schnalzte aus dem Lautsprecher. Wind zog durch einen Spalt im Seitenfenster und spülte den Geruch der Nacht in den Innenraum. Den Rettungswagen hatte ich in der Leitstelle abgemeldet, denn ohne meinen Schichtpartner Oswald konnte ich keine weiteren Einsätze fahren. Ich nahm mein Handy aus der Tasche und tippte Luisas Nummer. Freizeichen.
»Hallo?«
»Hallo, Luisa. Der Einsatz ist jetzt erst zu Ende. Entschuldige, dass ich dich wecke. Du wolltest mir vorhin etwas Wichtiges über Oswald sagen.«
»Er könnte schizophren sein und steuert auf eine akute Psychose zu. Alle Symptome passen perfekt, ich hab’s noch einmal nachgeschlagen. Auch das, was du mir über Oswalds Kindheit erzählt hast, ist total stimmig.«
»Schizophren?« Pause und tiefes Einatmen. »Ich weiß. Oswald ist vorhin im Einsatz durchgeknallt und zum Lavendelpflücken gegangen. Es war ein höllischer Verkehrsunfall, und wir haben es erst alle nicht bemerkt. Ich habe es vor allem gar nicht bemerkt. Es war so viel los. Die Hintergrundbesatzung fährt ihn in diesem Moment ins Bezirkskrankenhaus.«
»Tut mir leid.«
»Ja, mir auch. Er war echt smart, fachlich wie menschlich.«
»Wieso hat das niemand bei seiner Einstellung gemerkt?«, fragte Luisa. »Solche Menschen sind doch immer auffällig.«
Ich erzählte Luisa, dass ich Oswald schon immer irgendwie sonderbar gefunden hätte. Und dass ich nie genau hatte sagen können, warum eigentlich. Ich hatte auch schon einmal ihre Verdachtsdiagnose in Betracht gezogen, aber Schizophrenie passte einfach nicht zum Kreis der Retter, sondern nur zu dem unserer Patienten. Und deswegen hatte ich so etwas einfach ausgeschlossen.
Ich legte auf. Benzin, Öl und das verbrannte Plastik roch ich mittlerweile nicht mehr so stark. Dafür hatte ich den aromatischen Geruch von Lavendel in der Nase, der mich für immer an diese schreckliche Nacht erinnern wird.