SIEBENUNDFÜNFZIGSTES KAPITEL
Der letzte Tag

Wir durften ausschlafen, hatten dann eine Stunde Zeit zum Frühstücken, zum Friedenschließen mit unseren Göttern oder mit allem sonstigen Kram, den man eben vor einer Schlacht erledigen mußte. Das Große Grab sollte bis zum Mittag halten. Es bestand keine Eile.
Ich fragte mich, was das Wesen in der Erde wohl tat. Die Musterung erfolgte in der achten Stunde. Niemand fehlte. Der Hinker schwebte auf seinem kleinen Teppich durch die Gegend, und sein Weg schien sich häufiger als nötig mit dem von Wisper zu kreuzen. Sie heckten irgendetwas aus. Bomanz wuselte abseits des Geschehens umher und versuchte sich weitgehend unsichtbar zu machen. Das konnte ich ihm nicht vorwerfen. An seiner Stelle wäre ich Hals über Kopf davongelaufen… An seiner Stelle? War ich denn besser dran? Der Mann war ein Opfer seines Ehrgefühls. Er glaubte, daß er eine Schuld begleichen müßte.
Ein Trommelwirbel hieß uns unsere Stellungen einnehmen. Ich folgte der Lady und bemerkte, daß die verbliebenen Zivilisten mit den Besitztümern, die sie zu tragen vermochten über die Straße nach Oar aufgebrochen waren. Auf der Straße würde es wild zugehen. Die Truppen, die die Lady herbeigerufen hatte, befanden sich laut unseren Meldungen schon diesseits von Oar und waren zu Tausenden unterwegs. Sie würden zu spät kommen. Niemand dachte daran, sie wieder zurückzuschicken. Die Wahrnehmungen hatten sich verengt. Die Außenwelt existierte nicht mehr. Ich sah den Zivilisten zu und fragte mich kurz, welche Schwierigkeiten sich wohl vor uns auftun würden, falls wir fliehen mußten. Aber diese Sorge hielt nicht lange vor. Ich konnte mir keine Sorgen mehr machen, die über den Dominator hinausgingen. Über dem Fluß bezogen die Windwale Stellung. Rochen suchten nach Aufwinden. Die Teppiche der Unterworfenen hoben ab. Aber heute blieb ich mit beiden Beinen auf der Erde. Die Lady wollte sich ihrem Gatten am Boden stellen. Vielen Dank verehrte Freundin. In ihrem Schatten stand Croaker mit seinem winzigen Bogen und seinen Pfeilen.
Die Gardisten hatten sich hinter niedrigen Palisaden und hinter ihren Geschützen eingegraben. Die Wimpel wehten an Ort und Stelle, um Darling bei ihrem sorgfältig vermessenen Ritt zu geleiten. Die Spannung stieg. Was blieb noch zu tun?
»Bleib hinter mir«, sagte die Lady mahnend. »Halt deine Pfeile bereit.« »Ja. Viel Glück. Wenn wir gewinnen, lade ich dich in den Gärten von Opal zum Essen ein.« Ich weiß nicht, welcher Teufel mich dazu geritten hatte. Ein wahnwitziger Versuch, mich abzulenken? Der Morgen war kühl, doch ich schwitzte.

Sie zuckte zusammen. Dann lächelte sie. »Wenn wir gewinnen, komme ich darauf zurück.«
Das Lächeln war nur schwach. Sie hatte keinen Grund zu der Annahme, daß sie die nächste Stunde überleben würde.
Sie begann, auf das Große Grab zuzugehen. Ich folgte ihr wie ein getreuer Welpe. Ihr letzter Lichtfunke wollte nicht sterben. Sie würde sich nicht durch eine Unterwerfung retten wollen.
Bomanz ließ uns einen Vorsprung, dann folgte er uns. Ebenso der Hinker. Keiner der beiden war im Plan vorgesehen. Die Lady reagierte nicht darauf. Zwangsweise ließ ich es ebenfalls durchgehen. Die Teppiche der Unterworfenen begannen herunterzukreiseln. Die Windwale schienen etwas aufgeregt zu sein, und die Rochen suchten ein bißchen hektisch nach günstigen Aufwinden.
Der Rand des Gräberlandes. Mein Amulett kribbelte nicht. Sämtliche alten Fetische vor dem Herzen des Gräberlandes waren entfernt worden. Die Toten hatten jetzt ihre Ruhe. Die feuchte Erde saugte an meinen Stiefeln. Mühsam hielt ich das Gleichgewicht. Ich hatte einen schwarzen Pfeil auf den Bogen und an die Sehne gelegt, die anderen Pfeile hielt ich mit der Zielhand am Bogen selbst fest.
Die Lady blieb einige Schritte vor dem Loch stehen, aus dem wir Bomanz herausgezerrt hatten. Sie schien geistesabwesend zu sein, als ob sie sich mit dem Wesen im Boden unterhielte. Ich warf einen Blick über die Schulter. Bomanz war etwas weiter nördlich stehengeblieben etwa fünfzig Fuß von mir entfernt. Er hatte die Hände in den Taschen vergraben und machte ein Gesicht, das mich davor warnte, seine Anwesenheit hier in Frage zu stellen. Der Hinker hatte in der Nähe des Wassergrabens aufgesetzt, da, wo früher ein Wassergraben das Gräberland umschlossen hatte. Wenn das Nullfeld über ihn hinwegfegte, wollte er nicht abstürzen.
Ich sah zur Sonne auf. Etwa die neunte Stunde. Drei Stunden Zeit, wenn wir sie nutzen wollten.
Mein Herz stellte Schlagzahlrekorde auf. Meine Hände zitterten so sehr, daß ich meinte, die Knochen müßten klappern. Ich bezweifelte, daß ich mit dem Pfeil einen Elefanten aus fünf Fuß Entfernung hätte treffen können.
Wieso hatte ich eigentlich das Glück, zu ihrem Prügelknaben ernannt worden zu sein? Ich ließ mein Leben an mir vorüberziehen. Was hatte ich getan, daß ich das hier verdient hatte? So viele Entscheidungen, die ich anders hätte treffen können… »Was?« »Bereit?« fragte sie.
»Niemals.« Ich setzte ein kränkliches Grinsen auf. Sie versuchte zurückzulächeln, aber sie hatte noch mehr Angst als ich. Sie wußte, was ihr jetzt bevorstand. Sie glaubte, daß sie nur noch Augenblicke zu leben hätte.

Diese Frau hatte Mumm, daß sie weitermachte, wo es doch nichts zu gewinnen gab, außer
vielleicht einem Hauch von Rechtfertigung vor den Augen der Welt. Namen huschten durch meinen Kopf. Sylith. Credence. Welcher war es? In wenigen Sekunden konnte die richtige Entscheidung vielleicht lebenswichtig sein. Ich bin kein gläubiger Mensch. Aber ich sandte ein stummes Gebet an die Götter meiner Jugend, daß es mir erspart bleiben möge, das Ritual ihrer Namensnennung zu vollenden. Sie sah zur Stadt und hob einen Arm. Trompeten plärrten los. Als ob niemand aufpassen würde.
Ihr Arm fuhr herab.
Hufschläge. Darling galoppierte ganz in Weiß mit Elmo, Schweiger und dem Leutnant im Schlepptau durch die Gasse zwischen den Wimpeln heran. Das Nullfeld sollte rasch vorrücken und dann erstarren. Der Dominator sollte zwar ausbrechen können, ohne daß jedoch seine Macht erhalten blieb.
Ich spürte das Nullfeld. Es traf mich hart; ich war nicht mehr daran gewöhnt. Auch die Lady taumelte. Ein angstvoller Laut entrang sich ihren Lippen. Sie wollte sich nicht entwaffnen lassen. Nicht jetzt. Aber das war die einzige Möglichkeit. Der Boden bebte einmal sanft und spritzte dann in die Höhe. Ich wich einen Schritt zurück. Erschauernd sah ich,
wie sich die Matschfontäne auflöste… und stellte erstaunt fest, daß ich keinen Menschen, sondern den Drachen vor mir sah…
Der verdammte Drache! Daran hatte ich nicht mehr gedacht. Fünfzehn Meter bäumte er sich auf, Flammen umwaberten seinen Kopf. Er brüllte. Was nun? Im Nullfeld konnte die Lady uns nicht beschützen. An den Dominator dachte ich gar nicht mehr. Ich hob den Bogen, zog durch, zielte auf das offene Maul der Bestie. Ein Schrei hielt mich zurück. Ich wandte mich um. Bomanz hüpfte auf und ab und kreischte Beleidigungen auf TelleKurre. Der Drache richtete seinen Blick auf ihn. Und dann fiel ihm ein, daß sie noch etwas miteinander zu erledigen hatten. Er stieß wie eine Schlange zu. Flammen schössen ihm voraus. Feuer hüllte Bomanz ein, konnte ihm jedoch nichts anhaben. Er hatte sich außerhalb des Nullfeldes aufgestellt.
Die Lady ging ein paar Schritte nach rechts, um an dem Drachen vorbeizuspähen, dessen Vorderbeine jetzt frei waren und sich krabbelnd mühten, den Rest des gewaltigen Leibes ins Freie zu zerren. Unsere Beute vermochte ich nicht zu entdecken. Aber die fliegenden Unterworfenen flogen schon ihre Angriffe. Schwere Feuerlanzen waren bereits in der Luft. Sie röhrten herab und zerbarsten.

Eine dröhnende Stimme verkündete: »Zum Fluß.«
Die Lady lief los. Darling setzte sich ebenfalls in Bewegung und schob das Nullfeld weiter zum Wasser vor. Um mich herum tanzten und fluchten Gespenster. Ich achtete gar nicht auf sie.
Rasch und dunkel stießen paarweise die Rochen herab und tanzten zwischen den Blitzstrahlen umher, die von den Windwalen abgefeuert wurden. Die Luft fing an zu knistern und schmeckte trocken und fremd.
Plötzlich war Tracker bei uns und brummte irgendetwas davon, daß er den Baum retten müßte.
Ich hörte Hörner losbrüllen. Ich wich einem umherdreschenden Drachenbein aus, duckte mich unter einem schlagenden Flügel, blickte zurück. Scharen von unzulänglich bekleideten menschlichen Skeletten strömten hinter einem hinkenden Köter Krötenkiller aus dem Wald. »Ich wußte doch, daß wir dieses Mistvieh nicht zum letzten Mal gesehen hatten.« Ich versuchte die Lady auf mich aufmerksam zu machen. »Die Waldstämme. Sie greifen die Garde an.« Der Dominator hatte mindestens noch ein As im Ärmel gehabt.
Die Lady achtete nicht auf mich.
Was die Stammeskrieger und die Garde taten, war für uns im Augenblick nicht wichtig. Unsere Beute hatte die Flucht ergriffen, und wir wagten nicht, uns noch um etwas anderes zu kümmern.
»Im Wasser!« donnerte die Stimme über uns. Darling rückte weiter vor. Die Lady und ich stolperten über Erde, die immer noch unter den Anstrengungen des Drachens, sich endlich zu befreien, bebte. Er achtete nicht auf uns. Bomanz genoß seine gesamte Aufmerksamkeit. Ein Windwal stieß herab. Seine Tentakel durchsiebten den Fluß. Er fing etwas ein, warf Ballastwasser ab.
Schreiend wand sich eine menschliche Gestalt im Griff des Wals. Meine Lebensgeister erhielten einen ordentlichen Schub in die Höhe. Wir hatten es geschafft… Der Wal stieg zu hoch. Einen Augenblick lang hob er den Dominator über das Nullfeld. Ein tödlicher Fehler.
Donner. Blitze. Das Grauen auf glühenden Hufen. Die halbe Stadt und ein Streifen, der bis zum Rand des Nullfeldes verlief, zerbarsten, zerfielen, brannten und wurden schwarz. Der Wal explodierte.
Der Dominator stürzte hinab. Während er noch auf das Wasser und auf das Nullfeld hinabfiel, bellte er: »Sylith! Ich nenne deinen wahren Namen!« Ich schoß einen Pfeil ab.
Mitten ins Schwarze. Einer der besten Blattschüsse, die mir je gelungen waren. Der Pfeil traf

ihn in die Seite. Er kreischte auf und griff nach dem Schaft. Dann schlug er auf dem Wasser
auf. Rochenblitze ließen das Wasser kochen. Ein weiterer Wal stieß hinunter und schob seine Tentakel unter die Wasseroberfläche. Einen langen Augenblick überkam mich die furchtbare Angst, daß der Dominator unten bleiben und entkommen würde. Aber wieder wurde er im Griff eines Ungeheuers in die Höhe gerissen. Auch dieser Wal stieg zu hoch auf. Und zahlte dafür, obgleich die Magie des Dominators um etliches schwächer geworden war, was wahrscheinlich an meinem Pfeil lag. Er feuerte einen wilden Bannstrahl ab, der außer Kontrolle geriet und Brände in der Kaserne der Garde entfachte. Die Gardisten und die Stammeskrieger waren nahebei in Kämpfe verwickelt. Der Bannstrahl streckte die Kämpfer beider Seiten zu Dutzenden nieder. Ich schoß keinen weiteren Pfeil ab. Ich war wie erstarrt. Man hatte mir eindeutig versichert, daß bei Beachtung der angemessenen Rituale das Nennen eines wahren Namens vom Nullfeld nicht aufgehoben werden konnte. Doch die Lady war nicht schwach geworden. Sie stand einen Schritt vor dem Uferrand und starrte auf das Wesen, das einst ihr Gatte gewesen war. Die Nennung des Namens Sylith hatte sie nicht im Geringsten beeindruckt. Nicht Sylith! Zweimal hatte der Dominator sie falsch benannt… Es blieb nur noch ein Name übrig. Aber mein Grinsen war leer. Ich hätte sie Sylith genannt. Ein dritter Windwal packte den Dominator. Dieser beging keinen Fehler. Er trug ihn ans Ufer zu Darling und ihrer Eskorte. Er wehrte sich heftig. Ihr Götter! Die Lebenskraft dieses Mannes!
Hinter uns schrien Männer. Waffen klirrten. Die Gardisten waren weniger überrascht als ich. Sie hielten aus. Hastig flogen die Unterworfenen zu ihrer Unterstützung herbei und ließen einen Sturm von tödlichen Bannsprüchen herabregnen. Auf Köter Krötenkiller konzentrierte sich ihre Aufmerksamkeit besonders.
Elmo, der Leutnant und Schweiger gingen dem Dominator in dem Augenblick an die Gurgel, als der Windwal ihn fallen ließ. Es war, als ob sie sich mit einem Tiger anlegten. Er schleuderte Elmo zehn Meter weit durch die Luft. Ich hörte das laute Krachen, als er dem Leutnant das Rückgrat brach. Schweiger tänzelte beiseite. Ich spickte ihn mit einem weiteren Pfeil. Er taumelte, ging jedoch nicht zu Boden. Mit glasigem Blick torkelte er auf die Lady und mich zu.
Tracker stellte sich ihm auf halbem Weg entgegen. Er setzte den Sohn des Baumes beiseite, griff sich seinen Mann und begann einen Ringkampf von epischen Ausmaßen. Er und der Dominator brüllten wie gepeinigte Seelen. Ich wollte hinunterstürmen und mich um Elmo und den Leutnant kümmern, aber die Lady bedeutete mir stehenzubleiben. Ihr Blick huschte hierhin und dorthin. Ein gewaltiger Schrei ließ die Erde erzittern. Eine ölige Feuerkugel rollte gen Himmel. Der Drache wand sich kreischend wie ein verwundeter Wurm. Bomanz war verschwunden. Allerdings war nun der Hinker zu sehen. Irgendwie hatte er sich bis auf ein Dutzend Fuß an mich herangeschleppt,
ohne daß ich ihn bemerkt hatte. Meine Furcht war so gewaltig, daß ich beinahe meinen Darm entleert hätte. Seine Maske war nicht mehr da. Die verwüstete Fläche seines Gesichtes glühte vor Bosheit. Er dachte wohl, daß er im nächsten Augenblick sämtliche Schulden mit

mir begleichen würde. Meine Beine wurden zu Gelee.
Er zielte mit einer kleinen Armbrust auf mich und grinste. Dann wanderte sein Ziel beiseite. Ich sah, daß sein Bolzen dem Pfeil auf meinem Bogen recht ähnlich war. Das ließ mich endlich munter werden. Ich zog die Sehne bis zur Pfeilspitze zurück. Er quäkte: »Credence, der Ritus ist vollendet. Ich nenne deinen wahren Namen!« Und dann schoß er.
Im selben Augenblick schoß ich ebenfalls. Ich konnte den Schaft nicht schneller auf den Weg bringen. Verdammnis über mich. Mein Pfeil schlug in sein schwarzes Herz und riß ihn herum. Aber zu spät. Zu spät.
Die Lady schrie auf.
Grauen wandelte sich zu haltloser Wut. Ich stürzte mich auf den Hinker, ließ den Bogen fallen und riß mein Schwert heraus. Er drehte sich nicht um, um meinem Ansturm zu begegnen. Er stützte sich nur auf einen Ellbogen und starrte die Lady an. Da drehte ich wirklich durch. Ich glaube, unter den richtigen Umständen sind wir alle dazu fähig. Aber ich war schon seit Urzeiten Soldat. Ich hatte schon vor langer Zeit erfahren, daß man nicht lange am Leben bleibt, wenn man so etwas tut. Der Hinker befand sich innerhalb des Nullfeldes. Das bedeutete, daß er sich gerade eben am Leben festklammerte, sich kaum selbst zusammenhalten und sich keinesfalls verteidigen konnte. Ich ließ ihn für all die Jahre der Angst zahlen. Mein erster Streich durchtrennte seinen Nacken zur Hälfte. Ich hackte weiter drauflos, bis ich die Sache erledigt hatte. Dann verstreute ich noch einige Gliedmaßen und ließ sowohl meine Klinge als auch meinen Irrsinn ihre Schärfe an einen alten Knochen verlieren. Die Vernunft hielt wieder Einzug. Ich fuhr herum, um zu sehen, was aus der Lady geworden war. Sie war auf ein Knie gesunken und versuchte sich Hinkers Bolzen herauszuziehen. Ich rannte zu ihr und zog ihr die Hand weg. »Nein. Das mache ich. Später.« Dieses Mal erschreckte es mich nicht mehr, daß die Namensnennung nicht gewirkt hatte. Dieses Ereignis überzeugte mich davon, daß nichts sie entwaffnen konnte. Sie hätte tot sein sollen, verdammt!
Ich überließ mich einem lang anhaltenden Schüttelfrost. Die Unterworfenen, die auf die Waldmenschen eindroschen, bewirkten allmählich etwas. Einige Wilde hatten sich zur Flucht gewandt. Köter Krötenkiller war in qualvolle Zaubernetze verstrickt. »Halt durch«, sagte ich zur Lady. »Wir sind über den Berg. Wir schaffen es.« Ich weiß nicht, ob ich daran glaubte, aber es war das, was sie hören sollte. Tracker und der Dominator wälzten sich immer noch über den Boden, grunzten und fluchten. Schweiger tänzelte mit einem breitklingigen Speer um sie herum. Wann auch immer er eine Gelegenheit dazu sah, stach er auf unseren Urfeind ein. Nichts und niemand konnte das auf Dauer überleben.
Darling sah zu, blieb in der Nähe, hielt sich aus der Reichweite des Dominators.

Ich rannte wieder zum zerschlagenen Leib des Hinkers und grub den Schaft aus, den ich ihm
in die Brust geschossen hatte. Er starrte mich böse an. In seinem Hirn regte sich noch Leben. Ich trat seinen Kopf in den Graben, den der Ausbruch des Drachen aufgerissen hatte. Auch dieser regte sich nicht mehr. Immer noch kein Lebenszeichen von Bomanz. Ein Lebenszeichen von Bomanz
würde es nie mehr geben. Beim zweiten Versuch hatte er das Schicksal erlitten, das er für sich befürchtet hatte. Er hatte das Ungeheuer von innen heraus getötet. Haltet Bomanz nicht für unwichtig, weil er sich bedeckt hielt. Ich glaube, daß der Dominator damit rechnete, daß der Drache Darling und die Lady solange in Atem halten würde bis er selbst das Nullfeld verlassen hatte. Dieser Plan wurde von Bomanz vereitelt. Mit der gleichen Tapferkeit und Entschlossenheit, die die Lady angesichts ihres unausweichlichen Schicksals gezeigt hatte.
Ich ging wieder zur Lady zurück. Meine Hände hatten wieder zu ihrer gewohnten schlachterprobten Ruhe gefunden. Ich wünschte mir meine Instrumente herbei. Mein Messer würde genügen müssen. Ich legte sie auf den Rücken und machte mich an die Wühlarbeit. Wenn ich das Geschoß nicht herausbekam, würde es immer weiter an ihr nagen. Trotz ihrer Schmerzen brachte sie ein dankbares Lächeln zustande. Ein Dutzend Männer umstanden nun Tracker und den Dominator und hieben drauflos. Einigen schien es egal zu sein, wen sie trafen. Für das alte Übel war die Zeit nahezu abgelaufen. Ich bedeckte und verband die Wunde der Lady mit Streifen ihrer eigenen Kleidung. »Das wechseln wir, sobald wir dazu kommen.«
Die Stammeskrieger befanden sich in heilloser Flucht. Köter Krötenkiller schleppte sich ins Hochland. Die alte Töle war genauso wie ihr Chef. Gardisten, die sich aus den Kämpfen lösen konnten, liefen in unsere Richtung. Sie schleppten Holz für den Scheiterhaufen des alten Dämons.