SECHSTES KAPITEL
Die Schreckenssteppe

Ich ging nach oben, um meine Wache anzutreten. Von Elmo und seinen Leuten war nichts zu sehen. Die Sonne stand tief. Der Menhir war verschwunden. Bis auf das Geräusch des Windes war kein Laut zu hören.
Schweiger saß in einem Tausendkorallenriff im Schatten. Sonnenkleckse fielen in einem eigenartigen Muster durch die verschlungenen Zweige auf ihn. Korallen geben eine gute Deckung ab. Nur wenige Steppenbewohner nehmen es mit ihrem Gift auf. Die Wachposten schweben stets in größerer Gefahr durch das exotische einheimische Leben denn durch unsere Feinde.
Ich duckte und wand mich unter den todbringenden Nadeln hindurch und schloß zu Schweiger auf. Er ist ein schlaksiger, hagerer Mann, der allmählich alt wird. Seine dunklen Augen schienen auf gestorbene Träume gerichtet zu sein. Ich stellte meine Waffen in Reichweite. »Irgendwas los?«
Mit einer winzigen Geste der Verneinung schüttelte er den Kopf. Ich schob meine mitgebrachten Matten zurecht. Um uns ragten die gewundenen Zweige und Fächer der Korallen zwanzig Fuß in die Höhe. Wir sahen kaum etwas, nur die Furt über den Bach, ein paar tote Menhire und die Wanderbäume auf dem gegenüberliegenden Hang. Ein Baum stand neben dem Bach und hatte seine Zapfwurzel in das Wasser gesteckt. Als ob er spürte, daß ich ihn beobachtete, begann er einen langsamen Rückzug anzutreten. Die sichtbare Steppe ist nahezu leblos. Die üblichen Lebensformen der Wüste - Moosflechten und kümmerliche Büsche, Schlangen und Eidechsen, Skorpione und Spinnen, Wildhunde und Erdhörnchen - sind zwar vorhanden, treten jedoch nur selten auf. Man trifft immer nur dann auf sie, wenn es einem gerade ungelegen kommt. Was im Wesentlichen auf das gesamte Leben auf der Steppe zutrifft. Die wirklich sonderbaren Sachen laufen einem immer nur dann über den Weg, wenn man sie wirklich gar nicht brauchen kann. Der Leutnant behauptet, daß ein Mann, der hier Selbstmord zu begehen versucht, es jahrelang aushalten kann, ohne daß es ihm unbequem wird. Die vorherrschenden Farben sind Rot und Braun, Rost, Ocker, es gibt auch blut- und weinfarbene Sandsteinformationen wie die Klippen, die ihrerseits gelegentlich die eine oder andere orangenfarbene Sedimentschicht aufweisen. Die Korallen legen hier und dort weiße und rosafarbene Riffe ab. Echtes Grün gibt es nicht. Die Wanderbäume und die Büsche haben staubig-graugrüne Blätter, in denen der Grünanteil eher eine Frage der Bezeichnung ist. Die lebenden und toten Menhire sind in strengem Graubraun gehalten, das sich völlig von den normalen Steinen der Steppe unterscheidet. Über die Geröllhaufen am Klippenrand zog ein gewaltiger Schatten. Er deckte etliche Hektar ab, und für den Schatten einer Wolke war er zu groß. »Ein Windwal?« Schweiger nickte.
Er durchzog die Luft zwischen uns und der Sonne, aber ich konnte ihn nicht ausmachen. Ich

hatte schon jahrelang keinen mehr gesehen. Das letzte Mal, als Elmo und ich auf Geheiß der
Lady mit Wisper die Steppe überflogen. War das schon so lange her? Die Zeit verfliegt, und man hat nur wenig Freude daran. »Ist schon viel seltsames Wasser unter der Brücke dahingeflossen, mein Freund. Reichlich seltsames Wasser.« Er nickte, aber er sagte nichts. Er ist Schweiger. In all den Jahren, seit ich ihn kenne, hat er kein Wort gesprochen. Auch nicht in all den Jahren, die er schon bei der Schar ist. Dennoch sagen Einauge und mein Vorgänger im Amt des Chronisten, daß er sehr wohl sprechen kann. Aus verschiedenen Hinweisen, die ich im Laufe der Jahre zusammengesammelt habe, bin ich zu der festen Überzeugung gelangt, daß er in seiner Jugend, bevor er sich in die Schar einschrieb, einen großen Schwur ablegte, niemals mehr zu sprechen. Da es das eiserne Gesetz der Schar verbietet, daß man im Leben eines Mannes vor seinem Eintritt herumbohrt, habe ich über die Umstände nichts erfahren können. Ich habe erlebt, daß er kurz davor war, etwas zu sagen, wenn er ausreichend wütend oder erheitert war, aber stets hielt er sich im letzten Augenblick zurück. Lange Zeit machten die Männer sich einen Spaß daraus, ihn zu provozieren und zu versuchen ihn dazu zu bringen, daß er seinen Eid brach, aber die meisten gaben Bemühungen dieser Art rasch auf. Schweiger konnte einen Mann auf hundert verschiedene Arten entmutigen; Flöhe im Schlafsack war nur eine davon.
Die Schatten wurden länger. Dunkelheit breitete sich aus. Schließlich stand Schweiger auf, stieg über mich hinweg und ging wieder in das Loch hinab - ein dunkel gekleideter Schatten, der sich durch die Finsternis schlich.
Ein seltsamer Mensch ist Schweiger. Nicht nur, daß er nicht spricht; er unterhält sich auch nicht. Wie kommt man an so einen Burschen heran? Trotzdem gehört er zu meinen ältesten und engsten Freunden. Verstehe das, wer will. »Nun denn, Croaker.« Die Stimme klang so hohl wie die eines Gespenstes. Ich zuckte zusammen. Boshaftes Gelächter schepperte durch das Korallenriff. Ein Menhir hatte sich an mich herangeschlichen. Ich drehte mich leicht in seine Richtung. Da stand er mitten auf dem Pfad, den Schweiger eben noch beschriften hatte. Vier Meter hoch und stockhäßlich. Ein Zwerg unter seinesgleichen.
»Hallo, Felsen.«
Nachdem er auf meine Kosten seinen Spaß gehabt hatte, ignorierte er mich nun. Blieb so stumm wie ein Stein. Haha.
Die Menhire sind unsere Hauptverbündeten auf der Steppe. Sie vermitteln zwischen den anderen denkenden Lebensformen. Allerdings sagen sie uns eben nur dann, was vorgeht, wenn es ihnen paßt.
»Was ist mit Elmo?« fragte ich.
Schweigen im Korallenwalde.
Sind es Zauberwesen? Ich glaube nicht. Ansonsten würden sie innerhalb des Nullfeldes, das von Darling ausgeht, nicht überleben können. Aber was sind sie dann? Ein Rätsel. Wie die meisten bizarren Geschöpfe hier draußen.

»Fremde sind auf der Steppe.«
»Ich weiß. Ich weiß.«
Nachtgeschöpfe kamen hervor. Leuchtende Punkte flatterten und huschten über mir dahin. Der Windwal, dessen Schatten ich gesehen hatte, kam weit genug nach Osten, daß ich seine schimmernde Unterseite sehen konnte. Bald würde er niedergehen und mit seinen Schleppfäden alles einfangen, was ihm über den Weg lief. Eine leichte Brise erhob sich. Salbeidüfte kitzelten meine Nase. In den Korallen kicherte und raunte und murmelte und pfiff die Luft. Aus der Ferne drangen die Windglockenklänge von Altvater Baum herüber. Er ist einzigartig. Ich weiß nicht, ob er der erste oder der letzte seiner Art ist. Dort steht er, sieben Meter hoch und drei Meter dick, brütet neben dem Bach und strahlt etwas aus, das fast Grauen ist. Seine Wurzeln sind im geographischen Mittelpunkt der Steppe verhaftet. Schweiger, Goblin und Einauge haben nacheinander und gemeinsam versucht, seine Bedeutung herauszufinden. Sie haben nichts erfahren können. Die wenigen Stammeswilden der Steppe verehren ihn. Sie sagen, er sei seit Anbeginn der Dinge hier gewesen. Er strahlt auch tatsächlich dieses Gefühl von Zeitlosigkeit aus. Der Mond ging auf. Als er sich träge und schwanger über den Horizont hinaufschob, glaubte ich, etwas vor ihm vorbeihuschen zu sehen. Unterworfene? Oder Geschöpfe der Steppe? Am Eingang des Lochs erhob sich Gezeter. Ich stöhnte leise. Das konnte ich jetzt nicht gebrauchen. Goblin und Einauge. Eine halbe Minute lang hegte ich den unfreundlichen Wunsch, daß sie nicht zurückgekehrt wären. »Hört schon auf damit. Ich will diesen Mist nicht hören.«
Goblin flitzte zu den Korallen hinauf, grinste mich an und forderte mich stumm heraus, doch etwas dagegen zu tun. Er sah ausgeruht und erholt aus. Einauge fragte: »Hast du schlechte Laune, Croaker?«
»Worauf du einen lassen kannst. Was macht ihr denn hier draußen?« »Brauchten etwas frische Luft.« Er legte den Kopf schief und spähte zum Klippenrand hinüber. Aha. Er machte sich Sorgen wegen Elmo. »Er kommt schon klar«, sagte ich.
»Ich weiß.« Einauge ergänzte: »Ich habe gelogen. Darling hat uns geschickt. Sie hat gespürt, daß sich etwas am Westrand des Nullfeldes geregt hat. »Ach ja?«
»Ich weiß nicht, was es war, Croaker.« Plötzlich war er abweisend. Und betrübt. Wenn Darling nicht gewesen wäre, hätte er es gewußt. Ihm ergeht es so, wie es mir ginge, wenn man mir sämtliche medizinischen Gerätschaften wegnehmen würde. Er konnte nicht das tun, wofür er ein Leben lang geübt hatte.
»Was werdet ihr also tun?«
»Wir machen ein Feuer.«

»Was?«
Das Feuer loderte und brüllte. Einauge steigerte sich in einen derartigen Eifer hinein, daß das tote Holz, das er heranschleppte, für eine halbe Legion gereicht hätte. Die Flammen trieben die Dunkelheit zurück, bis ich noch fünfzig Meter hinter den Bach sehen konnte. Die letzten Wanderbäume hatten sich zurückgezogen. Wahrscheinlich hatten sie Einauge am Geruch erkannt.
Er und Goblin schleppten einen umgestürzten Baum der gewöhnlichen Sorte herbei. Die Wandler lassen wir in Ruhe, außer daß wir Tolpatsche wieder aufrichten, die über ihre eigenen Wurzeln gestolpert sind. Das passiert allerdings nicht oft. Sie laufen nicht sonderlich viel umher.
Sie zankten sich gerade darüber, wer sich vor der Arbeit drückte. Sie ließen den Baum fallen. »Abgang«, sagte Goblin, und einen Augenblick später waren sie verschwunden. Verdutzt spähte ich in die Finsternis. Ich sah und hörte nichts. Ich merkte, daß ich allmählich nur noch mühsam wachbleiben konnte. Ich nahm den toten Baum auseinander, damit ich etwas zu tun hatte. Dann spürte ich das Sonderbare. Ich erstarrte mitten im Zweigerupfen. Wie lange hatten sich die Menhire schon versammelt? Vierzehn zählte ich am Rande des Feuerscheins. Sie warfen lange schwarze Schatten. »Was gibt es?« fragte ich. Meine Nerven waren ein wenig ausgefranst. »Fremde sind auf der Steppe.«
Ein tolles Lied spielten sie mir da vor. Ich setzte mich mit dem Rücken nahe zum Feuer, warf Holz über die Schulter und ließ die Flammen auflodern. Der Lichtkreis wurde größer. Ich zählte zehn weitere Menhire. Eine Weile später sagte ich: »Das sind nicht unbedingt Neuigkeiten.«
»Einer kommt hierher.«
Das war eine Neuigkeit. Und sie wurde mit Nachdruck verkündet, was ich bisher noch nicht erlebt hatte. Ein- oder zweimal dachte ich, ich hätte eine huschende Bewegung wahrgenommen, aber ganz sicher war ich mir nicht. Feuerschein hat es in sich. Ich legte noch mehr Holz auf.
Diesmal eine deutliche Bewegung. Auf der anderen Bachseite. Eine menschliche Gestalt kam langsam auf mich zu. Mit müden Schritten. Ich machte es mir bequem und schützte Langeweile vor. Er kam näher. Über der rechten Schulter trug er einen Sattel, in der linken Hand hielt er eine Decke. In der rechten Hand trug er einen langen Holzkasten, dessen Politur im Flammenschein aufleuchtete. Sieben Fuß war er lang und vier mal acht Zoll in Höhe und Breite. Seltsam.
Der Hund fiel mir erst auf, als sie den Bach überquerten. Ein Mischling, zerzaust, verdreckt, hauptsächlich schmutzigweiß, aber mit einem schwarzen Kreis um ein Auge herum und ein paar schwarzen Tupfern auf den Flanken. Er hinkte, hielt eine Vorderpfote hoch. Das Feuer fing sich in seinen Augen. Sie glühten hellrot. Der Mann ragte mehr als sechs Fuß auf, war um die Dreißig. Selbst im Nebel seiner Müdigkeit bewegte er sich geschmeidig. Er hatte Muskeln, die auf noch mehr Muskeln saßen. Sein zerfetztes Hemd gab den Blick auf Arme und Brust frei, die mit Narben übersät waren.

Sein Gesicht zeigte keinerlei Ausdruck. Als er sich dem Feuer näherte, begegnete er meinem
Blick. Weder lächelte er, noch tat er unfreundliche Absichten kund. Ein leiser Kältehauch durchzog mich. Er sah aus wie ein harter Brocken, aber andererseits auch nicht hart genug, um die Schreckenssteppe im Alleingang anzugehen. Zuallererst hieß es Zeit schinden. Otto sollte mich bald ablösen. Das Feuer würde ihn aufschrecken. Er würde den
Fremden entdecken, dann würde er wieder abtauchen und das Loch in Aufruhr versetzen. »Hallo«, sagte ich.
Er blieb stehen und wechselte Blicke mit seinem Mischling. Der Hund kam langsam näher, schnupperte in der Luft, suchte die Nacht um uns ab. Einige Fuß entfernt blieb er stehen, schüttelte sich, als wäre er naß und ließ sich auf den Bauch nieder. Der Fremde kam bis genau dorthin heran. »Leg doch ab«, sagte ich einladend. Er schwang seinen Sattel ab, setzte seinen Kasten ab und ließ sich nieder. Er bewegte sich steif und konnte die Beine nur mit Mühe kreuzen. »Pferd verloren?«
Er nickte. »Hat sich ein Bein gebrochen. Vielleicht fünf, sechs Meilen westlich von hier. Ich bin vom Pfad abgekommen.«
Es gibt tatsächlich Pfade durch die Steppe. Einige davon erkennt die Steppe als sicher an. Manchmal jedenfalls. Nach einer Formel, die nur ihren Bewohnern bekannt ist. Allerdings wagt sich nur jemand allein darauf, der verzweifelt oder dämlich ist. Dieser Bursche sah nicht wie ein Idiot aus.
Der Hund gab ein schnaufendes Geräusch von sich. Der Mann schubberte ihn hinter den Ohren.
»Wohin soll’ s gehen?«
»Man nennt den Ort die Feste.«
So nennen wir das Loch in der Legende, in der Propaganda. Ein Hauch von kalkuliertem Glanz und Gloria für die Truppen weitab vom Schuß. »Dein Name?«
»Tracker. Das ist Köter Krötenkiller.«
»Freut mich, euch kennenzulernen, Tracker. Krötenkiller.« Der Hund knurrte. Tracker sagte: »Du mußt ihn schon mit vollem Namen nennen. Köter Krötenkiller.«
Ich verzog nur deshalb keine Miene, weil er ein so großer, finsterer, starker Mann war. »Was soll denn diese Feste sein?« fragte ich. »Ich habe noch nie davon gehört.«

Er hob seinen finsteren, harten Blick von der Töle und lächelte. »Ich habe gehört, daß sie in
der Nähe von Pfändern liegen soll.«
Zweimal an einem Tag? War dies der Tag, an dem alles doppelt passierte? Nein. Eigentlich unwahrscheinlich. Mir gefiel auch das Aussehen dieses Mannes nicht. Er erinnerte mich allzusehr an unseren einstigen Bruder Raven. Eis und Eisen. Ich setzte mein verdutztes Gesicht auf. Es ist wirklich gut. »Pfändern? Das kenne ich noch nicht. Muß aber irgendwo verdammt weit östlich liegen. Was suchst du denn dort?« Wieder lächelte er. Sein Hund öffnete ein Auge und sah mich mürrisch an. Sie glaubten mir beide nicht.
»Hab ein paar Botschaften.«
»Ich verstehe.«
»Eigentlich eher ein Paket. Geht an jemanden, der Croaker heißt.« Ich sog Speichel zwischen den Zähnen ein und musterte langsam die Finsternis um uns herum. Der Lichtkreis war kleiner geworden, aber die Anzahl der Menhire hatte sich nicht verringert. Ich fragte mich, was Einauge und Goblin wohl vorhatten. »Den Namen habe ich allerdings schon mal gehört«, sagte ich. »Soll so ‘ne Art Knochensäger sein.« Wieder sah mich der Hund mit diesem Blick an. Ich kam zu dem Schluß, daß er diesmal sarkastisch gemeint war.
Hinter Tracker trat Einauge aus der Dunkelheit hervor. Er hatte sein Schwert zum Stoß bereit. Verdammt, er war leise gewesen. Mit Hexerei oder ohne. Mit meinem überraschten Blick verriet ich ihn. Tracker und sein Hund blickten sich um. Beide zuckten erschrocken zusammen, als sie merkten, daß hinter ihnen jemand stand. Der Hund stand auf. Sein Nackenfell sträubte sich. Dann sank er nach einer leichten Drehung wieder zu Boden. Jetzt konnte er uns beide im Auge behalten. Aber dann tauchte ebenso leise Goblin auf. Ich lächelte, Tracker sah rasch herüber. Seine Augen verengten sich. Er machte ein nachdenkliches Gesicht wie ein Mann, der gerade feststellt, daß er mit Schurken Karten spielt, die schlauer sind, als er angenommen hat. Goblin kicherte leise. »Er will rein, Croaker. Ich würde sagen, wir bringen ihn runter.« Trackers Hand fuhr zu dem Kasten, den er bei sich getragen hatte. Sein Tier knurrte. Tracker schloß die Augen. Als er sie wieder öffnete, hatte er seine Beherrschung wiedergefunden. Sein Lächeln kehrte zurück. »Croaker, ja? Dann habe ich die Feste gefunden.« »Du hast sie gefunden, Freund.«
Langsam, um niemanden zu verschrecken, holte Tracker ein in Ölhaut gewickeltes Paket aus seiner Satteltasche. Es sah genau so aus wie das andere Päckchen, das ich erst vor einem halben Tag erhalten hatte. Er reichte es mir. Ich schob es unter mein Hemd. »Woher hast du das?«
»Aus Oar.« Er erzählte die gleiche Geschichte wie der vorherige Bote. Ich nickte. »So weit bist du also gewandert, ja?«

»Ja.«
»Dann sollten wir ihn tatsächlich hineinbringen«, sagte ich zu Einauge. Er begriff, was ich meinte. Wir würden diesen Boten dem anderen gegenüberstellen. Und feststellen, ob ein Funke übersprang. Einauge grinste.
Ich blickte kurz zu Goblin hinüber. Er stimmte mir zu. Keiner von uns hatte das Gefühl, daß mit Tracker alles in Ordnung war. Ich weiß nicht, warum.
»Auf geht’s«, sagte ich. Ich schob mich mit Hilfe meines Bogens in die Höhe. Tracker betrachtete den Schaft. Er wollte etwas sagen, hielt sich jedoch zurück. Als ob er ihn erkannt hatte. Ich lächelte, als ich mich abwandte. Vielleicht dachte er, daß er in eine Falle der Lady getappt war. »Folge mir.«
Was er auch tat. Und Goblin und Einauge folgten ihm. Keiner der beiden bot an, ihm beim Tragen seiner Sachen zu helfen. Sein Hund humpelte mit der Nase am Boden neben ihm her. Bevor wir hineingingen, blickte ich besorgt nach Süden. Wann würde Elmo wieder nach Hause kommen?
Tracker und die Töle sperrten wir in eine bewachte Zelle. Sie begehrten nicht dagegen auf. Nachdem ich Otto geweckt hatte, der die Wache schon längst hätte übernehmen sollen, ging ich in mein Quartier. Ich versuchte zu schlafen, aber das verdammte Paket lag auf dem Tisch und plärrte nach meiner Aufmerksamkeit. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich wirklich lesen wollte, was darin stand. Es gewann den Kampf.