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5

Vielleicht kann Caruso auch seinen Namen tanzen

»Möchtest du vielleicht etwas trinken? Es gibt Wasser oder Kakao hier in der Klasse. Für einen Kaffee müssten wir ins Lehrerzimmer gehen.«

»Ein Wasser wäre nicht schlecht, danke.«

»Ben hat mir erzählt, dass du auch Lehrerin bist.«

Nathalie hört sich fast fröhlich an, als sie seinen Namen erwähnt. So, als wäre Ben gar nicht gestorben. Immerhin wollten die beiden heiraten! Dafür wirkt sie verdammt ungezwungen und ausgeglichen auf mich.

»Nach den Sommerferien beginne ich meine erste Stelle.« Abwartend schaue ich Nathalie an. Ich habe das Gefühl, dass sie mir irgendetwas sagen möchte. Und ich täusche mich nicht.

»Weißt du was? Ich denke, Ben hat dir Caruso geschickt.«

»Ben?« Damit habe ich nicht gerechnet.

»Wie soll Caruso sonst den Weg zu dir gefunden haben?«

»Ich weiß es nicht.«

»Du warst Ben sehr wichtig. Er hat so viel von dir erzählt, dass ich fast eifersüchtig geworden bin. Ehrlich gesagt, hatte ich sogar Angst, dass er sich das mit der Hochzeit noch anders überlegt. Als er mich an dem Tag angerufen hat und mir gesagt hat, dass er vom Flughafen aus zuerst zu dir fährt, bin ich fast geplatzt vor Wut. Und der Gedanke, dass er gemeinsam mit dir Urlaub in Schottland machen wollte, hat mich fast wahnsinnig gemacht.«

Mit so viel entwaffnender Offenheit habe ich nicht gerechnet. Nathalie war eifersüchtig auf mich? Ob sie etwa gespürt hat, was ich Ben sagen wollte? Und wie hätte Ben in diesem Gefühlschaos reagiert?

Vor mir sitzt eine Frau, die an sich zweifelt. Sie ist wunderschön, hat große Ausstrahlung und ist sehr offen. Trotzdem war sie eifersüchtig – auf mich! Der Gedanke gefällt mir irgendwie, und ich kann mich viel entspannter auf das Gespräch einlassen …

»Und? Erzähl schon!«

»Sie wohnt in Mettmann. Ihre Mutter ist eine Arbeitskollegin von Bens Mutter. Bei einer Weihnachtsfeier vor zwei Jahren hat Nathalie Taxi gespielt und die beiden Frauen spätabends nach Hause gefahren, weil sie ordentlich was gezwitschert hatten. Vor der Haustür haben sie irgendwie noch rumgeblödelt. Dabei hat sie Ben kennengelernt. Die Zeit um Weihnachten hat er ja meistens bei seinen Eltern verbracht. In diesem Jahr war er etwas früher da als sonst, weil er seine Brasilienreise plante. Da Nathalie, im Gegensatz zu mir, Katzen liebt, hat sie Ben angeboten, während seiner Abwesenheit auf Caruso aufzupassen. Weil die beiden, also Kater und Nathalie, sich so prima verstanden, hat sie das Katersitting-Angebot auch während des Londonaufenthaltes ausgeweitet. Ich bin immer davon ausgegangen, Caruso wäre bei seinen Eltern geblieben.

Bis dahin waren die beiden einfach nur befreundet. Sie hatten ausschließlich E-Mail-Kontakt, in der Nathalie ihm die neuesten Geschichten über Caruso erzählte. Mit der Zeit wurden die Mails privater – und dann, warte … wie hat sie es ausgedrückt … immer intimer. Wie intim genau möchte ich lieber nicht wissen. Schließlich hat sie sich in den Flieger gesetzt und Ben in London überrascht. Zum Abschied hat er ihr einen neongelben, blinkenden Plastikring geschenkt, was absolut zu ihm passt. Den wollte er bei Gelegenheit in einen echten umtauschen. Aber dazu kam es dann nicht mehr, weil Ben zuerst mich besuchen wollte. Rici, er wusste schon drei Monate lang, dass er Nathalie heiraten wird, hat mir aber nichts davon erzählt. Kannst du dir das vorstellen?«

»Wow!«

Meine Freundin hat mich, bis auf das Wow, kein einziges Mal unterbrochen. Und Emma auch nicht. Sie ist so erschöpft, dass sie sofort im Kindersitz eingeschlafen ist, nachdem wir uns auf den Rückweg gemacht haben. Als sie einmal tief ein- und ausatmet, spreche ich etwas leiser, was mir sehr schwerfällt, aufgewühlt, wie ich gerade bin.

»Wow? Das ist alles, was dir dazu einfällt? Warte mal, was ich dir jetzt noch erzähle. Das Beste weißt du nämlich noch nicht. Nathalie denkt nämlich ernsthaft, Ben hätte Caruso zu mir geschickt, damit er auf mich aufpasst. Was sagst du dazu?«

»Das passt zu einer, die, wie heißt das noch, Eurythmie, unterrichtet. Vielleicht kann Caruso auch seinen Namen tanzen. Hast du sie das mal gefragt?«

Die Vorstellung gefällt mir, und ich muss kichern. Trotzdem, der Gedanke, Ben könne mir Caruso geschickt haben, fühlt sich irgendwie richtig an. Der Kater ist in den letzten Tagen immer nur dann zu mir in die Wohnung gekommen, wenn es mir sehr schlecht ging und ich geweint habe. Nicht mal von seinen Lieblingsleckereien hat er sich locken lassen. Das hatte ich zwar befürchtet, weil Ben immer behauptet hat, Caruso sei nicht bestechlich. Aber ich dachte, der Hunger würde ihn vielleicht doch noch zu mir treiben.

Und die toten Mäuse? Vielleicht hat Ben mich ja doch geliebt, und sie sollten ein später Liebesbeweis für mich sein, in Katersprache sozusagen? Aber das erwähne ich jetzt lieber nicht, sonst wird Rici mich tatsächlich für verrückt erklären. Unauffällig lenke ich das Gespräch in eine andere Richtung.

»Weißt du was? Waldorfschule hin oder her. Ich gebe es nur ungern zu, aber Nathalie ist genauso, wie Ben sich seine Traumfrau immer vorgestellt hat. Sie wirkt so standfest, so unerschütterlich, trotz dieses enormen Schicksalsschlages. Ich glaube, ich kann verstehen, dass er sie heiraten wollte.«

Ich habe mir noch nie großartig viel aus Wein, Bier oder gar irgendwelchen harten Sachen gemacht. Seit Bens Tod habe ich überhaupt keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken. Aus Angst davor, dann richtig abzustürzen und die Kontrolle über mich zu verlieren. Aber heute ist mir das egal. Ich gieße mir das ganze Glas voll Wodka und nehme gleich ein paar große Schlucke hintereinander. Es schmeckt so fürchterlich, dass es mich schüttelt. Ich sehe im Kühlschrank nach, ob sich etwas Passendes zum Mixen findet. Orangensaft habe ich nicht, aber gemischt mit Multivitaminsaft und Vanilleeis wird das Zeug bestimmt erträglicher.

Heute habe ich Nathalie kennengelernt, Bens Verlobte und absolute Traumfrau. Dass sie seine Traumfrau war, weiß ich ganz genau. Es steht schwarz auf weiß auf dem Stück Papier, das ich gerade aus der großen Holzkiste gekramt habe, in der ich alle Erinnerungsstücke an Ben aufbewahre. Den Zettel hat Ben vor fünf Jahren geschrieben.

Damals bin ich mit dem Zug zu ihm nach München gefahren, wo er studiert hat. Ben hat mich vom Bahnhof abgeholt, aber anstatt in seine kleine Studentenbude zu fahren, sind wir bis nach Berchtesgaden durchgebraust. Er wollte unbedingt mit mir im Königssee schwimmen gehen. Für seine spontanen Einfälle habe ich Ben immer schon geliebt. Er kam manchmal auf die verrücktesten Ideen, die allerdings hin und wieder einen kleinen Haken hatten.

Auf dem Rückweg sind wir mitten in der Nacht irgendwo in der Landschaft stehen geblieben, weil die Tankanzeige seines alten Fords angeblich kaputt war. Zumindest hat Ben das damals behauptet. Ich meine aber, er hat das Warnpiepen einfach überhört und wir hätten schon in Berchtesgaden tanken müssen. Auf jeden Fall haben wir die Nacht in einer abseits gelegenen Scheune verbracht, wo wir uns ganz fürchterlich betrunken haben.

Ben hatte zwar kein Benzin mehr, dafür aber jede Menge anderen Sprit geladen, den wir in einer kleinen Enzianbrennerei gekauft hatten. Bis dahin hatte ich von Blutwurz noch nie etwas gehört. Heute weiß ich, dass man das Zeug trinken kann und in kürzester Zeit davon ordentlich einen sitzen hat, was bei einem Alkoholgehalt von 48 Prozent nicht verwunderlich ist.

Ben überlegte an diesem ungewöhnlichen Ort, wie er seiner aktuellen Flamme Patrizia beibringen könne, dass es auf Dauer nichts mit ihnen werden würde. Ich versuchte ihn davon zu überzeugen, es ihr mit einfachen, sehr deutlichen Sätzen zu erklären, wie: Ich liebe dich nicht. Deswegen trenne ich mich von dir oder Ich verlasse dich, weil du nicht die Richtige für mich bist. Begründungen wie Es liegt nicht an dir. Ich bin einfach noch nicht so weit, seien feige, habe ich ihm erklärt. Außerdem würden sie falsche Hoffnungen wecken. Ben hat daraufhin Trennungsgespräche mit mir geübt und mich an diesem Abend gleich mehrmals verlassen. Am besten gefiel mir: »Patrizia, ich verlasse dich, aber vorher muss ich dich noch einmal küssen.« Dabei wäre ich beinahe schwach geworden, aber eben nur beinahe. Ich war zwar betrunken, aber noch nüchtern genug, um mich nicht in seine Arme zu werfen, weil ich viel zu viel Angst davor hatte, Ben dadurch als besten Freund zu verlieren. Liebhaber kann man relativ problemlos austauschen, hatten wir einmal festgestellt, beste Freunde nicht.

Da wir aber bisher immer Pech in Sachen Liebe gehabt hatten – mein damaliger Freund hatte mir vor drei Wochen nach immerhin einem halben Jahr Liaison den Laufpass gegeben –, beschrieben wir im Licht einer Taschenlampe unsere absoluten Traumpartner auf einem Zettel. Dann beschlossen wir, die einzelnen Punkte noch einmal leise vorzulesen und den Wunsch mit der Kraft unserer Gedanken nach oben in den Himmel zu funken. Ich war damals sicher, dass das Blödsinn ist. Außerdem war ich mittlerweile viel zu betrunken, um noch lesen zu können, nicht mal meine eigene Schrift. Ich wünschte mir nur noch den Schlaf herbei, und wenig später fielen mir auch die Augen zu. Am nächsten Morgen wachte ich auf, als mich der Bauer sanft mit seinem Stiefel in die Seite stupste.

Vor der Scheune grasten Kühe. Ben behauptete später, ich sei so betrunken gewesen, dass ich mich die halbe Nacht mit Rosalie, einer dicken Milchkuh, unterhalten hätte. Angeblich hat er mich auch muhen hören. Aber Ben hatte schon immer eine blühende Fantasie und den Hang dazu, maßlos zu übertreiben. Deswegen habe ich mich auch gewundert, dass er ausgerechnet Informatik studieren wollte. Irgendwie bin ich immer davon ausgegangen, aus ihm würde mal ein Drehbuchautor oder ein Regisseur werden.

Ich habe schon oft bereut, dass ich mich nicht mehr daran erinnern kann, was damals wirklich alles geschehen ist.

Ob Ben mich in jener Nacht vielleicht doch geküsst hat? Und ich habe es nicht mitbekommen, weil ich zu betrunken war?

Wehmütig seufze ich auf und schütte noch etwas Wodka in den Multivitaminsaft, auf dem eine Kugel Vanilleeis schwimmt. Die Mischung erinnert mich an die Schlammbowle aus der Abizeit, die damals der absolute Renner war.

Dann streiche ich Bens Zettel glatt und lese:

Meine absolute Traumfrau:

• hat langes Haar und ein sehr schönes, feines Gesicht,

• hat Sommersprossen,

• hat Grübchen – im Gesicht natürlich,

• ist auf jeden Fall kleiner als ich,

• lacht viel und ist warmherzig,

• kann kochen und

• liebt Katzen.

Kurz bevor ich nach Neuss gezogen bin, habe ich mir mutig einen Kurzhaarschnitt verpassen lassen, damit mein Neuanfang auch wirklich ein Neuanfang wird. Mein fransiger Pony ist etwas länger, sodass er vorne lässig ins Gesicht fällt. Die Haare am Nacken sind jedoch sehr kurz geschnitten, und da ich hinten viele Wirbel habe, stehen sie kreuz und quer in alle Richtungen ab. Rici meint, der Schnitt wäre sehr frech und würde zu mir passen. Komisch, dass Nathalie mich trotzdem sofort erkannt hat. Auf den Fotos, die Ben von mir besaß, habe ich zumindest immer halblanges Haar gehabt.

Mein Gesicht würde ich eher als breit und nicht als fein geschnitten bezeichnen. Ich habe schöne volle Lippen, große blaue Augen und eine etwas knubbelige Nase. Als Kind wurde ich oft mit E.T.s kleiner Freundin Gertie verglichen, die von Drew Barrymoore gespielt wurde. Vom Typ her bin ich ihr auch heute noch ähnlich. Ständig muss ich aufpassen, dass ich nicht zu viel Gewicht mit mir rumschleppe. Wenn ich zunehme, macht sich das extrem in meinem Gesicht bemerkbar. Es wird dann noch runder, und ich sehe aus, als hätte ich zehn Kilo zugenommen, obwohl es definitiv nur zwei waren. Aber über mein Gewicht muss ich mir momentan überhaupt keine Gedanken machen. Ich habe keinen richtigen Appetit mehr und muss mich oft dazu zwingen, überhaupt etwas zu essen. Bei einer Größe von 1,72 Meter wiege ich 63 Kilo. So schlank war ich schon lange nicht mehr.

Mit Sommersprossen und Grübchen im Gesicht kann ich leider gar nicht dienen. Und ich lache auch nicht oft. Ben hat häufig zu mir gesagt, ich sei viel zu ernst. Dann hat er Blödsinn gemacht und war erst zufrieden, wenn ich über seine Aufmunterungsversuche gelacht habe. Das empfand ich manchmal als sehr anstrengend. Mir wäre lieber gewesen, er hätte mich einfach so akzeptiert wie ich bin. So aber beschlich mich manchmal das Gefühl, einfach nicht lustig genug für ihn zu sein.

Meine Kochkünste sind ehrlich gesagt auch recht bescheiden. Ich kann ganz gut backen, wenn ich mich genau an das Rezept halte. Aber ich habe nie ein gesteigertes Interesse daran gehabt, irgendwelche besonders ausgefallenen Kochrezepte nachzukochen oder diese gar noch zu verfeinern, so wie Ben das gerne tat. Und Katzen liebe ich auch nicht. Ich habe überhaupt keinen besonderen Zugang zu Tieren. Genau genommen erfülle ich gerade mal einen einzigen Punkt von Bens Liste. Ich bin kleiner als Ben.

Ob Ben damals im Berchtesgadener Land seine Traumfrauwünsche wirklich nach oben in den Himmel gefunkt hat? Vielleicht gibt es dort ja irgendeine Art Wunschauffangstation, in der alle Wünsche gesammelt werden. Mein Wunsch, Schlaf zu finden und morgens ohne Kopfschmerzen aufzuwachen, wurde damals gleich erfüllt. Bei Ben hat es etwas länger gedauert, aber sein Wunsch scheint definitiv auch oben angekommen zu sein. Immerhin ist ihm letztendlich Nathalie, die so ganz dem gewünschten Traumexemplar zu entsprechen scheint, geschickt worden. Irgendwie tröstet mich der Gedanke, an der Sache könne was dran sein. Denn das würde bedeuten, dass es den Himmel wirklich gibt und Ben sich da oben gerade kringelig lacht, weil ich mich mit klebrigen Wodka-Cocktails betrinke – vorausgesetzt, man kann vom Himmel aus wirklich nach unten auf die Erde schauen.

»Bist du da oben?«, frage ich und linse schräg aus dem Fenster in den Nachthimmel. »Dann pass mal gut auf: Denn hier kommen die Wünsche für meinen absoluten Traummann.«

Diesmal bin ich noch nüchtern genug, um lesen zu können, habe aber genügend Alkohol intus, um mir nicht albern vorzukommen. Meine Liste von damals halte ich mittlerweile in den Händen. Laut und deutlich lese ich vor:

Mein absoluter Traummann:

• nörgelt nicht an mir rum, sondern liebt mich einfach so wie ich bin,

• nimmt mich ernst, auch wenn ich mal wieder rumspinne und irgendwelche verrückten Pläne habe,

• würde für mich bis ans Ende der Welt gehen,

• hat dunkles, volles Haar,

• braune Augen,

• ist auf jeden Fall größer als ich und

• hat auf keinen Fall ein Auto mit kaputter Tankanzeige!

• Und er ist zuverlässig!!!

»Ha!«, rufe ich laut. »Eins ist ja wohl klar, damit habe ich damals ganz sicher nicht dich gemeint! Du hast nämlich ständig an mir rumgenörgelt, weil ich dir nicht fröhlich genug war. Ernst genommen hast du mich auch nicht. Als ich nach dem Abi nach Schottland gehen wollte, um Schafe zu hüten, hast du mich ausgelacht. Ich solle nicht rumspinnen und endlich erwachsen werden, hast du mir an den Kopf geknallt. Keine vier Wochen später hast du mir dann erzählt, dass du irgendwann später mal einen Pub in Schottland aufmachen willst, der berühmt für Bens homemade fish and chips werden würde. Und was habe ich dazu gesagt? Dass es eine ganz tolle Idee ist! Und dass ich dein treuester Stammgast sein werde. Dann habe ich etliche Tage hintereinander deine gebackenen Fischkreationen probiert. Aber der Hammer war das heiße Guinness mit Glühweingewürz, das ich trinken musste. Das schmeckte fürchterlich! Ich war mir damals verdammt sicher, dass kein einziger Schotte die Brühe bei dir bestellen würde, auch nicht im Winter. Trotzdem habe ich dich immer in deinen Plänen unterstützt und bestärkt. Und was hast du gemacht?

Du warst in München, in Genf, Brasilien und London, aber ans Ende der Welt bist du nicht für mich gegangen. Über dunkles, volles Haar und braune Augen müssen wir beide uns gar nicht erst streiten, die hast du nämlich ganz bestimmt nicht. Und deine Unzuverlässigkeit war echt ätzend. Du hast mich ständig auf dich warten lassen!«

Als ich merke, dass ich die ganze Zeit, den Kopf hochgereckt, die Zimmerdecke anschreie, ist mir das Ganze doch ein bisschen peinlich, auch wenn ich mir sicher bin, dass mich niemand – auch nicht Ben – sehen kann. Trotzdem schicke ich noch leise ein: »Na ja, warum sollte es dir auch besser ergehen als mir?« hinterher. »Immerhin erfüllst du auch einen Punkt meiner Liste: Du bist größer als ich. Womit wir Gleichstand hätten.« Dann trinke ich in einem Zug den restlichen Wodka leer, wanke in mein Schlafzimmer und lasse mich in der Hoffnung ins Bett fallen, gleich einzuschlafen und morgens ohne Kopfschmerzen wieder aufzuwachen. Die Nummer hat damals schließlich auch schon funktioniert.