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Katzen suchen sich ihr Zuhause selbst aus
Da habe ich mich wohl ganz gewaltig getäuscht. Caruso scheint sehr wohl in der Lage zu sein, sich sein Abendmahl selbst zu organisieren. Und so wie es aussieht, meint er, er müsse mich gleich mit versorgen. Vorsichtig umwickele ich den Mäuseschwanz mit einem Papiertuch und trage das Tier mit ausgestrecktem Arm in den Garten.
»Caruso«, rufe ich barsch, »wo steckst du? Ich weiß, dass du dich hier irgendwo rumtreibst.«
Auf einmal kommt der Kater seelenruhig durch die Blumenbeete marschiert. Dabei würdigt er mich keines Blickes. Er springt den Baumstamm hinauf und nimmt auf seinem Lieblingsast Platz.
»Wie bist du nur ins Haus gekommen?«, schimpfe ich laut. Die Maus lag vor meiner Wohnungstür, mitten auf dem Schmutzabtreter mit der Aufschrift Danke!, den Rici mir zum Einzug geschenkt hat. In den letzten Tagen habe ich die toten Tiere nur vor meinem Küchenfenster gefunden. Beim ersten Fund glaubte ich noch an einen Zufall. Aber nachdem ich am darauffolgenden Tag wieder ein erlegtes Mäuschen entdeckte, war mir klar, dass Caruso dahintersteckt.
Ich wohne seit vier Monaten in einer Altbauwohnung im Erdgeschoss eines Vierfamilienhauses. Und gleich bei der ersten Wohnungsbesichtigung habe ich mich in die Räumlichkeiten verliebt. Ich war begeistert von den hohen Wänden und den kunstvollen Stuckdecken. Von der Küche aus konnte man auf einen Baum schauen, der dünn mit Schnee überzogen war. Das sah wunderschön aus, obwohl er mir jetzt im Mai noch besser gefällt. Die Äste hängen momentan voller kleiner Blüten, aus denen irgendwann mal große Äpfel wachsen werden.
Wie sich herausstellte, hatte ich eine gehörige Portion Glück bei der Wohnungsvergabe. Der Vermieter war früher selbst Schüler auf genau der Schule gewesen, an der ich anfangen würde zu unterrichten. Als er hörte, dass ich dort als Lehrerin arbeiten würde, ließ er eine wüste Schimpftirade über seine verkorkste Schulzeit ab, die sich gewaschen hatte. Ich sah meine Hoffnungen schwinden, da es sehr viele andere Bewerber für die Wohnung gab. Also wunderte ich mich nicht, als ich noch am selben Abend eine Absage bekam. Doch eine Woche später klingelte mein Telefon, und der Vermieter war dran. Der Anwalt, der die Wohnung eigentlich hatte mieten wollen, war im letzten Moment abgesprungen. Und nun fiel die zweite Wahl auf mich. Zum ersten Mal seit Bens Tod empfand ich wieder so etwas wie Freude. Ich freute mich darauf, aus Düsseldorf wegzuziehen. Nicht sehr weit weg, nur ein Sprung über den Rhein, aber weit genug weg von den alten Erinnerungen und immer noch nah genug, um regelmäßig meine Mutter besuchen zu können.
»Bist du durch den Keller rein?« Ich stehe im Garten und suche mit den Augen die kleinen Souterrainfenster ab. Aber sie sind alle vergittert und geschlossen.
Schon seit Tagen versuche ich, Caruso zu mir in die Küche zu locken, um ihn einfangen zu können. Das Fenster steht deswegen ständig offen. Ich stelle dem Kater Pastete auf den Tisch, Thunfisch oder Schokopops, doch er ignoriert meine Lockversuche. So, als würde er ahnen, was ich dadurch bezwecken möchte. Im Gegenzug dazu finde ich jeden Morgen eine tote Maus im Garten, die ich mit spitzen Fingern entsorge. Dass sie heute allerdings vor meiner Wohnungstür lag, finde ich gar nicht nett. Ich wäre beinahe auf sie draufgetreten, als ich mal eben schnell barfuß nach der Post schauen wollte. Danke!
»Wenn du darauf wartest, dass ich dir die Viecher in der Pfanne brate, hast du dich aber gewaltig getäuscht, mein Lieber«, schimpfe ich laut weiter.
»Sie müssen sie loben.«
Überrascht drehe ich mich um. Am Gartentor steht die alte Frau Schuster, die in der Wohnung neben mir wohnt. Mit dem Zeigefinger deutet sie auf Caruso.
»Die Katze, Sie müssen sie loben«, wiederholt sie und lächelt mich an. Unsere Gespräche haben sich bis jetzt in Grenzen gehalten. Kurz nachdem ich eingezogen war, habe ich mich bei allen Nachbarn vorgestellt und ein paar Worte gewechselt, dabei war es geblieben. Über mir wohnt ein Pärchen mittleren Alters, das ich so gut wie nie zu Gesicht bekomme. Ich habe sie letztens beim Einkaufen getroffen und erst gar nicht erkannt. Schräg über mir, in der anderen Wohnung, wohnt ein Professor, der als Gastprofessor in Lugano unterrichtet und nur ab und zu an den Wochenenden vorbeischaut. Wenn er da ist, kann ich das unten ganz gut hören, weil von morgens bis abends klassische Musik bei ihm läuft.
Mit Frau Schuster hatte ich bisher noch den meisten Kontakt. Sie hat mir netterweise erklärt, wie das mit den Waschmaschinen im Keller funktioniert. Seitdem treffen wir uns häufiger in der Waschküche, da sie aus irgendeinem Grund immer dann zu waschen scheint, wenn ich das auch vorhabe. Ich vermute aber, dass sie mich abpasst, was vollkommen okay für mich ist. Wahrscheinlich ist sie einsam und freut sich, wenn sie mal ein paar Worte mit jemandem austauschen kann. Außerdem finde ich unsere Plaudereien im betonierten Souterrain mittlerweile sogar ganz nett.
Als Frau Schuster nun den Garten betritt und auf mich zukommt, wedele ich vorsichtig mit der Maus hin und her und erkläre: »Die Katze ist ein Kerl, und außerdem gehört er mir nicht.«
»So, so, ein Kater ist es also. Dann sollten Sie ihn erst recht loben. Er schenkt Ihnen seine Beute. Dadurch zeigt er Ihnen seine Achtung. Es ist der größte Liebesbeweis, den er Ihnen machen kann.«
»Er gehört mir doch gar nicht », versuche ich es erneut. Insgeheim freue ich mich aber über die Erklärung mit dem Liebesbeweis.
»Katzen suchen sich ihr Zuhause selbst aus. Der Kater hat sie sozusagen adoptiert. Ich hatte auch mal solch ein Prachtexemplar. Einmal hat er mir gleich sechs Mäuse und zwei Ratten auf einmal angebracht. Sie lagen alle in Reih und Glied auf unserer Veranda. Das war ein Anblick! Aber damals wohnten wir noch weiter draußen auf dem Land und hatten ein großes Haus. Lebendige Mäuse gab es dort quasi gar nicht. Sie waren immer alle tot, mausetot sozusagen.«
Ich könnte die Feuerwehr anrufen. Die sind doch zuständig, wenn es darum geht, irgendwelche Tiere von Bäumen zu retten. Aber Caruso braucht ja augenscheinlich keine Hilfe. Und würde jemand mit einer Leiter in seinem Baum auftauchen und seine Hand nach ihm ausstrecken – würde er die Krallen ausfahren. Danach würde er in aller Seelenruhe vom Baum springen und frech maunzen, und ich müsste die Rechnung der Feuerwehr begleichen. Irgendwie gefällt mir der Gedanke, dass Caruso sich nicht so schnell einfangen lässt. Ben hätte bestimmt seinen Spaß daran, wenn er sehen würde, wie der Kater uns austrickst. Trotzdem wäre es wohl am besten, ich würde einfach zum Telefonhörer greifen und Nathalie bitten, den Kater hier abzuholen. Das fällt mir zwar schwer, aber es ist immer noch besser, als jeden Morgen irgendwelche toten Aufmerksamkeiten vor der Tür zu finden.
Ich verabschiede mich von Frau Schuster, entsorge die Maus in der Mülltonne und gehe zurück in meine Wohnung. Kurz darauf sitze ich mit meinem Handy am Küchentisch und starre es minutenlang an. Dabei überlege ich mir jedes einzelne Wort, das ich jetzt gleich sagen werde. Dann nehme ich all meinen Mut zusammen und rufe Nathalie an. Meine Nummer unterdrücke ich, damit sie nicht zurückverfolgen kann, wer sie angerufen hat. Es könnte ja doch sein, dass mich plötzlich der Mut verlässt und ich einfach auflege. Beherzt wähle ich ihre Nummer.
»Birnbaum.«
»Hallo, hier ist Marly«, möchte ich sagen. »Ich weiß nicht, ob Ben dir von mir erzählt hat …« Aber ich bin wie erstarrt und bringe kein einziges Wort heraus. Nur Sekunden später sitze ich gegen den Buffetschrank gelehnt auf dem Boden, meine Arme um die Knie gelegt, und spüre, wie die Tränen schon wieder laufen.
»Kannst du nicht einfach verschwinden?«, frage ich heulend und wische mir übers Gesicht. Auf der Fensterbank sitzt Caruso und schaut mit schief gelegtem Kopf auf mich herunter. »Ja, dich meine ich!« Aber der eigensinnige Kater denkt gar nicht daran, meiner Bitte Folge zu leisten. Wie selbstverständlich springt er zu mir auf den Fußboden, kommt langsam auf mich zugelaufen und lässt sich mit einem lauten Maunzen neben mir nieder.
»Das ist jetzt nicht wahr …« Ich beginne, Caruso zu kraulen. Als er in monotones, brummendes Schnurren verfällt, stehe ich vorsichtig auf, bewege mich unauffällig auf das Fenster zu und schließe es.
»Jetzt habe ich dich!«
Kurz darauf greife ich wieder zum Telefon.
»Rici, er ist da, bei mir in der Küche. Können wir heute noch fahren?«
Von Neuss bis nach Duisburg sind wir etwa vierzig Minuten unterwegs. Es ist kurz vor neun Uhr morgens. Wenn Rici bis spätestens elf Uhr hier ist, müssten wir Nathalie auf jeden Fall in der Schule antreffen. Ich habe mich ein wenig umgehört und mich telefonisch schon als interessierte Mutter ausgegeben. Klassenlehrer unterrichten ihre Schüler jeden Tag bis zwölf Uhr fünfundvierzig. Wenn alles gut geht, werde ich gleich die Frau sehen, die Ben heiraten wollte. Der Gedanke macht mich nervös. Plötzlich bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich mir das antun möchte. Die Nathalie im Video war einfach zu perfekt. Mir wäre es lieber, sie hätte eine krumme Nase oder wenigstens einen gut sichtbaren Pickel im Gesicht gehabt.
Wir haben gerade halb elf, als meine Freundin mit ihrer Tochter bei mir vor der Tür steht.
»Hallo, Emma, kleine Maus«, begrüße ich sie, doch prompt fallen mir Carusos Liebesbeweise wieder ein. »Komm rein, Schätzchen – hallo Rici.«
»Wo ist das Kätzchen denn?« Aufgeregt hüpft Emma den Flur entlang.
»Es ist in der Küche. Warte auf uns.«
Wenig später sitzen wir drei am Küchentisch, vor uns ein Katzentransportkäfig, den Rici sich von einer Nachbarin ausgeliehen hat.
»Keine Chance!«, sage ich. »Er bewegt sich kein bisschen. Er sitzt die ganze Zeit schon oben auf dem Schrank. Ich hab schon alles versucht.«
»Darf ich die Katze streicheln?«, fragt Emma.
»Ich glaube, die Katze möchte das jetzt gar nicht. Es ist übrigens ein Kater, und er heißt Caruso.«
Aber auch diesmal täusche ich mich. Caruso möchte sich sehr wohl von Emma streicheln lassen – und das sogar freiwillig. Als die Kleine ihn mit ihrer piepsigen Stimme ruft, springt er behände vom Schrank herunter und landet mit einem weiteren Satz wie selbstverständlich auf ihrem Schoß.
Perplex schaue ich erst zu Caruso, dann zu meiner Freundin.
»Kinder!«, lacht Rici.
»Darf Caruso neben mir im Auto sitzen?«, fragt Emma.
»Ja, klar!«
Die Kleine schafft es tatsächlich, den Kater in den Transportkäfig zu locken. Und den verfrachten wir nur kurz darauf auf den Rücksitz in Ricis Auto, gleich neben dem Kindersitz. Caruso verhält sich dabei sehr friedlich. Emma plappert die ganze Zeit auf ihn ein – und er ringelt sich ein und schließt die Augen.
Es ist genau zwölf Uhr dreißig, als wir in Duisburg vor der Waldorfschule parken. Von außen sieht sie ganz genauso aus wie jede andere normale Schule auch.
»Eine Viertelstunde haben wir noch, bevor es klingelt. Am besten, ich geh rein und guck mal nach. Nicht, dass es noch einen anderen Ausgang gibt und wir sie verpassen«, sag ich.
Das Schulgebäude wirkt von innen freundlich und einladend. Im Eingangsbereich hängt eine große Fotowand, auf der alle Lehrer und Lehrerinnen abgelichtet sind und mit ein paar Worten der Schüler beschrieben werden.
Ich muss nicht lange suchen. Frau Birnbaum ist immer freundlich. Sie lächelt viel und isst gerne Nugat steht in Kinderhandschrift unter Nathalies Foto, das ich mir eingehend betrachte. Freundlich wirkt sie wirklich. Aber ich habe auch nichts anderes erwartet. Immerhin war Ben mit ihr verlobt, für eine unsympathische Frau hätte er sich niemals entschieden. Dass sie zudem sehr gut aussieht, versetzt mir allerdings wieder einen unerwartet heftigen Stich in der Herzgegend. Ich bin immer noch eifersüchtig, auch wenn ich gar nicht so empfinden möchte. Als könnte ich das Bild dadurch wieder vergessen, schließe ich meine Augen und atme tief durch. So bleibe ich ein Weilchen stehen und versuche mich zu sammeln. Als ich die Augen wieder öffne, nehme ich etwas Graues, Pelziges wahr, das an meinen Beinen vorbeihuscht. Es erinnert mich an einen Kater, der mir seit Tagen das Leben schwer macht. Fast im selben Moment sehe ich Rici den Gang entlanglaufen.
»Marly, es tut mir ja so leid! Ich wollte nur etwas frische Luft ins Auto lassen. Deswegen habe ich das Fenster runtergekurbelt. Ich hab nicht mitbekommen, dass Emma den Käfig aufgemacht hat. Sie wollte ihn streicheln. Und der blöde Kater ist einfach abgehauen. Ich habe nicht gesehen, wo er hin ist, weil Emma so laut geschrien hat, dass ich dachte, ihr sei etwas passiert. Vielleicht finden wir ihn ja, wenn wir …«
»Da vorne sitzt er«, unterbreche ich meine Freundin und gehe langsam auf Caruso zu. Als er sich dessen gewahr wird, dreht sich maunzend um und läuft weg. Ich renne los, aber es ist schon zu spät, ich erwische den Kater nicht mehr. Wie der Blitz jagt er um die Ecke, und ich sehe noch, wie sein Schwanz verschwindet …
»Und jetzt?«, frage ich Rici atemlos.
»Ich hole Emma. Sie sitzt allein im Auto. Ich bin gleich wieder mit ihr zurück. Dann helfen wir dir suchen. Vielleicht hört er ja auf Emma.«
Doch dazu kommen wir nicht mehr. Wir stehen zu dritt auf dem Gang, als die Klingel den Schulschluss anzeigt. Innerhalb von Sekunden füllt sich der Flur mit Schülern.
»Mist!« Ratlos schaue ich mich um, während die Kinder lautstark an uns vorüberziehen.
Da deutet Emma plötzlich nach vorne und sagt: »Caruso! Da, bei der Frau!«
Das darf doch nicht wahr sein! Der Kater rekelt sich in den Armen einer zierlichen Frau, die vor einem Klassenzimmer steht und lächelnd zu uns herübersieht.
Ich starre reglos auf die rote, leuchtende Mähne, deren Farbton mich auf geradezu unheimliche Weise an Bens Haar erinnert. Hatte sie nicht dunklere Haare als er auf dem Photo gehabt? Mir wäre jetzt jedenfalls wirklich lieber, Bens Schwester käme da auf uns zu. Aber Ben war Einzelkind, genau wie ich. Ein paar Sekunden verharre ich noch bewegungslos, doch dann kehrt Leben in mich zurück.
»Lass uns schnell gehen!« Auffordernd ziehe ich an Ricis Hand, aber es ist schon zu spät.
»Marly?« Nathalie setzt den Kater auf den Boden und kommt auf uns zu.
Da mein Hals wieder wie zugeschnürt ist, bleibt mir nichts anderes übrig, als freundlich lächelnd zu nicken. Mich zu verleugnen, wäre sowieso nicht sinnvoll, da Emma gerade in diesem Moment auf Caruso zuläuft und laut und deutlich sagt: »Tante Marly, da ist er ja wieder!«
»Ich habe dich gleich erkannt.« Nathalie strahlt mich an. »Ben hat mir ganz viel von dir erzählt und jede Menge Fotos gezeigt.«
Nathalie scheint sich wirklich zu freuen, mich zu sehen. In mir kämpfen jedoch heftig widersprüchliche Gefühle. Da ist immer noch die blöde Eifersucht, aber zugegebenermaßen finde ich die Frau wirklich sympathisch. Außerdem kämpfen wir hier nicht um die Gunst eines Mannes – denn wir haben ihn beide verloren. Morgen ist es genau ein Jahr her. Ich entscheide mich also für die Wahrheit.
»Ehrlich gesagt wusste ich bisher kaum was von dir. Also, ich meine, Ben hat mir nicht viel erzählt … Wir sind gekommen, um dir Caruso zurückzubringen, aber vor der Schule ist er uns dann ausgebüxt.«
»Dann war er also bei dir? Er bleibt öfter mal ein paar Tage weg, der alte Streuner, aber er kommt immer wieder zurück. Deswegen habe ich mir bis jetzt auch keine Gedanken gemacht.«
»Du hast ihn nicht zu mir gebracht?« Jetzt bin ich wirklich überrascht.
»Nein, wieso sollte ich?«
»Ich weiß auch nicht. Ich dachte nur … Immerhin sind es über vierzig Kilometer! Wie soll er denn den Weg zu mir gefunden haben?«
»Katzen haben einen tollen Orientierungssinn …«, setzt Nathalie zu einer Erklärung an, aber ich unterbreche sie schnell.
»Ich bin aber erst vor vier Monaten nach Neuss gezogen«, kläre ich sie auf. »Und da ist er vorher ganz sicher noch nie gewesen.«
»Oh, ja dann … Habt ihr vielleicht noch etwas Zeit? Wir könnten in mein Klassenzimmer gehen und uns ein bisschen unterhalten. Immerhin verbindet uns eine ganze Menge.«
Hilfe suchend schaue ich Rici an. Ich weiß nicht, was hier momentan passiert. Aber ich fühle, dass irgendwas nicht stimmt.
»Marly, wir gehen in der Zwischenzeit auf den Spielplatz. Ich hab einen nicht weit von hier gesehen. Das geht doch in Ordnung, oder?«
Die beiden haben bis eben still neben mir gestanden. Sogar Emma, die sonst ununterbrochen plappert, hält sich zurück. Sie scheint zu fühlen, dass hier etwas sehr Wichtiges geschieht.
»Das sind übrigens Emma – und Rici, meine Freundin.« Ich bin froh über die kleine Ablenkung. Nathalie begrüßt die beiden und erklärt ihnen, dass gleich in der Nähe auch ein schöner Wasserspielplatz ist. Ich atme unauffällig tief durch und versuche mich etwas zu beruhigen.
Nur wenig später bin ich mit Nathalie alleine.