11

Rasser gehorchte den Anweisungen einer Stimme vom Band, die Galaktisch sprach, und ging in einen Raum, in dem sich eine transparente Wand befand. An dieser Wand hingen verschiedene Handschuhe. Hinter der Wand standen zwei Personen, ein Shiro und ein Asix, aber es war erneut die Stimme vom Band, die ihm befahl:

»Vollständig entkleiden und alle persönlichen Dinge in das Gerät mit dem roten Deckel legen.«

Der Botschafter tat, was die Stimme verlangt hatte, und behielt nur das an, was seiner Meinung nach ein Minimum an Anstand garantierte. Die Stimme wiederholte ihre Aufforderung. Rasser versuchte, mit den beiden Gestalten, die vor ihm auf der anderen Seite der transparenten Wand standen, zu verhandeln, doch ihre einzige Antwort war ein beredtes Schulterzucken.

Immer wieder forderte die Stimme vom Band ihn auf, sich zu entkleiden, bis er schließlich tat, was verlangt wurde. Rasser genierte sich. Seine Verlegenheit wurde auf die Spitze getrieben, als er feststellte, dass eine der beiden Shiro eine Frau war. Der Gedanke erregte ihn auf eine Weise, die ein nackter Mann nur schwer kaschieren konnte.

Die beiden Personen zogen sich Handschuhe über, während die mechanische Stimme Rasser nun eine Reihe von Instruktionen erteilte: näherkommen, sich umdrehen, Mund aufmachen, Mund wieder zumachen. Er wurde sorgfältig untersucht, zumindest ausreichend lange, und man nahm ihm mit Spritze und Nadel Blut ab – ein Prozedere, das altmodisch und barbarisch zugleich war. Als er zusammenzuckte und stöhnte, hörte er das Lachen des Mannes auf der anderen Seite. Gut, wenigstens einer der beiden war ein Mann.

Rasser sah, wie ein Fach geöffnet wurde, in dem sich jede Menge Pillen befanden. Er musste einige davon schlucken. Anschließend kniff man ihn in gewisse Teile seines Körpers, die ein Aristokrat aus Neudachren normalerweise nicht vor Fremden zur Schau stellt. Schließlich forderte man ihn auf, sich hinzulegen, und die vertraute Stimme deklarierte:

»Wenn die Blutanalysen keinen Nachweis einer Kontamination mit auf Ta-Shima unbekannten pathogenen Keimen ergeben (warum nur fühlen sich Mediziner auf allen Planeten verpflichtet, mit geheimnisvollen Begriffen um sich zu werfen?) und wenn der Impfstoff keine anormale Reaktion verursacht, die auf eine Hypersensibiliät gegen das Gaia-Virus schließen lassen könnte, dürfen Sie in drei Tagen gehen.«

Da niemand ihn verstand und er niemanden bitten konnte, ihm seine Reisetasche zu bringen, in der er seinen Kommunikator und ein paar Holo-Cubes gesteckt hatte, blieb Rasser nichts anderes übrig, als sich auf ein extrem hartes Bett zu legen und sich zu fragen, ob seine beiden Frauen und seine Tochter sich vor den Augen des Mannes hinter der Wand ebenfalls nackt hatten ausziehen müssen. Doch diese Frage war müßig.

Rasser seufzte. Es gab nur zwei Beschäftigungen, um die Wartezeit totzuschlagen: Er konnte darauf lauern, ob irgendwelche der genannten Symptome auftraten, oder aus dem Fenster auf die langweilige Landschaft des Planeten schauen, auf den es ihn verschlagen hatte.

Zwei Tage verstrichen, und an beiden Tagen blieb der Himmel grau und bedeckt. Von Zeit zu Zeit fielen ein paar Regentropfen. Man sah nichts außer einem tristen grauen Gebäude, so grau wie der Himmel, und eine Straße, ebenfalls grau und mal schlammverschmutzt, mal staubig. Außerdem waren merkwürdige blaue Pflanzen zu sehen, die sehr fremdartig wirkten.

Rasser langweilte sich zu Tode. Sein einziger Trost bestand darin, dass Kapitän Aber die gleiche Zerreißprobe durchmachen musste. Nachdem sie aufgrund der beschränkten Größe des Raumschiffes drei Wochen lang gezwungenermaßen sehr nah aufeinandergehockt hatten, hielt Rasser den Kapitän für einen ganz und gar unerträglichen Menschen. Doch er war ihm nun mal zur Seite gestellt worden, und nachdem er Abers glänzendes Militärbuch und die Fotos begutachtet hatte, hatte Rasser sich gesagt, dass es vielleicht gar nicht so schlecht war: Wenn er Arsel, seine Tochter, schon auf diesen Planeten mitnehmen musste, an dem es sicherlich an Junggesellen mangelte, war es eine gute Sache, Kapitän Aber als potenziellen Ehemann in der Hinterhand zu haben.

Doch bei der Vorstellung, dass er auf diesem gottverlassenen Planeten mindestens vier Jahre würde bleiben müssen – mit den wenigen sozialen Kontakten zu Sekretären der Botschaft, zum Kapitän und zu einer Handvoll Händlern –, bekam Rasser große Lust, den Kopf einfach unter die Decke zu stecken. Er wünschte sich beinahe schon eine schwerwiegende Hypersensibilität, was dieses Virus betraf, sodass er mit dem nächsten Raumschiff wieder von hier weg könnte. Seufzend wälzte er sich auf dem kleinen Bett hin und her, auf der Suche nach einer bequemeren Position und angenehmeren Gedanken.

Schließlich fanden die drei endlosen Tage der absoluten Langeweile, der extrem stickigen und unerträglichen Hitze und der faden vegetarischen Gerichte, die eine tierische Kreatur servierte, die kein einziges Wort einer zivilisierten Sprache kannte, ein Ende. Ein junger Mann betrat das Zimmer, säuberlich zusammengelegte Kleidung über dem Arm. Nachdem Rasser diese übergestreift hatte, folgte er dem jungen Burschen.

Er fand sich in einem Raum mit all den anderen wieder – mit fast allen, denn es fehlten drei Soldaten, wie ihm Kapitän Aber mitteilte, der vergeblich versucht hatte, von einer der Krankenschwestern eine Erklärung zu bekommen. Zumindest glaubte Rasser, dass es sich um eine Krankenschwester handelte, obwohl sie anstelle einer sterilen Gesundheitsstrumpfhose eine formlose Hose und eine zu große Tunika trug – wie die Shiro, die er vom Raumschiff kannte.

Ein Asix, der als Raumfahrtbegleiter arbeitete, konnte ein wenig Galaktisch. Mühsam versuchte er zu übersetzen, was die Frau sagte. Das Ganze dauerte doppelt so lange wie gewöhnlich. Wenn bei all den Erläuterungen, den Klärungen der Missverständnisse und den Wiederholungen nicht irgendeine wesentliche Information verlorengegangen war, würde das an ein Wunder grenzen.

Der Botschafter bat, Huang oder Adaï oder wie immer er hieß, als Dolmetscher zu holen, aber man antwortete ihm, dies sei unmöglich. Rasser wollte wissen, warum. Die Antwort auf diese Frage war ein fünf Minuten währendes Durcheinander, weil der junge Einheimische nicht in der Lage war, alles auf Galaktisch zu übersetzen. Die Außenweltler verstanden bald überhaupt nichts mehr. Als der Botschafter nicht lockerließ, bekam seine erste Ehefrau einen ihrer seltenen Anfälle von Aufbegehren.

»Mein lieber Mann«, sagte sie bestimmend, »lass sie bitte zu Ende reden, damit wir dieses medizinische Zentrum endlich verlassen können!«

Nach langem Hin und Her stellte sich endlich heraus, was man ihnen mitteilen wollte: Keine der anwesenden Personen war Träger der bekannten pathogenen Keime, alle waren mit Erfolg geimpft worden. Da der Impfstoff bei ihnen bereits zu neunzig Prozent wirksam war, durften sie die Quarantäne verlassen und sich mit ausgezeichneten Überlebenschancen auf dem Planeten niederlassen.

»Sagen Sie dieser Krankenschwester, dass ich mit einem Arzt sprechen möchte!«, befahl Kapitän Aber.

»Aber sie ist die Ärztin«, antwortete der Dolmetscher, ohne sich die Mühe zu machen, Abers Anweisung zu übersetzen.

»Diese Frau?«

»Ja, sie ist eine Jestak«, erwiderte der junge Mann, als würde das alles erklären.

»Und was zum Henker ist eine Jestak?«, wollte Aber wissen, wurde jedoch durch energisches Einschreiten der ersten Ehefrau Rassers unterbrochen:

»Lassen Sie es gut sein, um Himmels willen! Mich interessiert nun wirklich nicht, wer die Jestaks sind. Ich will nur raus hier!«

»Wo sind die drei fehlenden Soldaten?«, ließ Kapitän Aber nicht locker.

Die Frau gab ihm und den anderen mit einem Handzeichen zu verstehen, ihr zu folgen, und verließ mit dem Asix den Raum. Der Kapitän und der Botschafter mussten sich beeilen, um mit ihnen Schritt zu halten. Sie gingen einen Flur entlang und kamen in einen großen Raum, in dem Apparate standen, von denen Rasser nicht genau wusste, wozu sie dienten. Eine der Wände bestand aus transparentem Kunststoff und gewährte den Blick auf eine Reihe kleiner Zimmer, die dem ähnelten, in dem Rasser die letzten drei Tage verbracht hatte. Alle Zimmer waren leer – bis auf drei, in denen sich die Soldaten befanden. Ihre Gesichter waren scharlachrot, und sie atmeten nur mit größter Mühe.

»Eine Reaktion auf die Impfung«, sagte die Ärztin.

»Wann wird es ihnen besser gehen?«, erkundigte sich der Botschafter.

»In ein paar Tagen.«

»Und dann können sie die Quarantäne ebenfalls verlassen?«

»Das wäre gefährlich«, sagte die Ärztin. »Was Sie hier sehen, ist eine Reaktion auf den Kontakt mit dem toten Virus, aber wenn das Virus lebt ...« Die Geste, die sie machte – sie legte einen Finger quer über die Gurgel – musste nicht erst übersetzt werden.

»Aber weshalb haben Sie diese Voruntersuchungen nicht in Neudachren gemacht, bevor die Männer an Bord gegangen sind?«

Sie schaute ihn empört an. »Wie bitte? Sie verlangen, dass ich virale Stämme exportiere – mit dem Risiko, auf anderen Planeten eine biologische Kontamination hervorzurufen? Das wäre unverantwortlich. Außerhalb des Quarantänezentrums des Astroports gelten strengste Sicherheitsvorschriften. Unsere Ahnen wurden bei ihrer Ankunft geradezu dezimiert. Es grenzt an ein Wunder, dass überhaupt eine Gruppe überleben konnte. Sie waren praktisch am Limit des minimalen genetischen Pools.«

Genetisch? Aziz Rasser konnte nicht glauben, dass die Frau eine derart vulgäre Redeweise hatte, aber der Dolmetscher bestätigte es mit einer beiläufigen Geste, als würde es sich um einen ganz banalen Ausdruck handeln.

Als sie das Gebäude des Astroports verließen, erlebten sie eine weitere unangenehme Überraschung. Schon im Innern hatten sie es als sehr heiß empfunden, doch als sich die Tür ins Freie öffnete, hatten sie das Gefühl, in ein Dampfbad zu treten. Die Luft war feucht und drückend. Binnen weniger Sekunden war ihre Kleidung tropfnass und klebte widerlich an ihren Körpern.

Der Himmel war genauso grau wie die Erde und voller Wolken, die sich scheinbar alle auf einmal in sämtliche Richtungen bewegten. Vor ihnen führte eine kerzengerade und völlig menschenleere Straße aus gestampfter Erde zu einem Ballungsgebiet, das man schon aus einigen Kilometern Entfernung erkennen konnte. Man sah keine Fahrzeuge, doch in der Ferne entdeckten sie einige Fußgänger. Der einzige Farbklecks in diesem grauen Einerlei war eine Ansammlung einheimischer blauer Pflanzen, deren Zweige – oder waren es Blätter? – sich in der stickigen Luft leicht bewegten.

Die Tür, durch die sie ins Freie getreten waren, öffnete sich erneut, um eine Gruppe junger Leute einzulassen, die fünf große Karren schoben. Sie luden die Koffer ab und gingen dann wieder, ohne ein Wort zu sagen. Die Neuankömmlinge blieben stehen und betrachteten die trostlose Landschaft im Einheitsgrau und die aschefarbene Erde unter einem Himmel aus Blei.

Arsel, die sich zum ersten Mal in der Fremde aufhielt, war fest entschlossen, diesen Planeten schön zu finden, aber sogar sie hatte damit ihre liebe Not: Was konnte man an diesem weißlichen Licht, diesem glanzlosen Himmel, dem Mangel an Farben, der düsteren Landschaft und der stickigen Hitze Schönes finden? Oder an diesem unangenehmen Geruch, bei dem der feuchte Staub und die säuerlichen Ausdünstungen der einheimischen Pflanzen überwogen?

Man sagt, dass jeder Planet seinen spezifischen Geruch hat, tatsächlich aber haben alle menschlichen Welten etwas gemeinsam – den Geruch der Menschheit und den der Produkte der Zivilisation, eine Mischung aus Maschinenöl, Toilettenartikeln, dem Ozon des Antigrav und dem Rauch des Lebenspulvers. Der Geruch von Ta-Shima war anders: feuchte Erde und Brackwasser, und darunter etwas absolut Fremdes, ein Hauch aus dem Dschungel vielleicht. Man hatte das Gefühl, sich auf einem Kontinent aufzuhalten, der nahezu unerforscht war.

»Welch schrecklicher Ort«, sagte Arsel und sprach laut aus, was alle anderen dachten.

Die Tür hinter ihnen öffnete sich ein weiteres Mal. Diesmal kam Kommandant N’Tari heraus.

»Müssen Sie sich jedes Mal dieser Prozedur unterwerfen, wenn Sie an Land gehen, Kommandant?«, fragte Rasser.

»Ich habe mich damit arrangiert. Einer der Pfleger spielt leidenschaftlich gern Schach, genau wie ich. Er hat das Schachbrett, und ich gebe die Züge durch.«

»Ein Einheimischer, der Schach spielen kann?«, staunte die erste Ehefrau Rassers. Sie war so verdutzt, als hätte sie soeben gehört, dass der Hund der Nachbarin Klavier spielen könne.

»O ja, meine Dame. Und ich musste mehr als einmal mein Bestes geben, um diesen Jungen zu schlagen. Bei mir verwendet er das traditionelle Schachbrett, das bei ihnen den Anfängern vorbehalten ist. Experten jedoch benutzen ein Modell mit drei oder vier verschiedenen Ebenen, sodass man die Figuren auch nach unten und nach oben ziehen kann, was ein ausgeprägtes dreidimensionales Vorstellungsvermögen voraussetzt ...«

»Kommandant«, griff Kapitän Aber ungeduldig ein, »die Ausführungen über Schach sind sicher höchst interessant, aber wie kommen wir von hier weg? Ich sehe keine Transportmodule, und niemand ist erschienen, um uns zu empfangen.«

»Ein Mitglied aus meiner Besatzung hat mir versprochen, sich kundig zu machen, ob unsere Quarantäne beendet sei, und die Botschaft zu informieren. Es ist doch schon jemand in der Botschaft, oder?«

»Ja, sicher, der Erste und der Zweite Sekretär, aber auch Einheimische, glaube ich. Aber warum kommt denn keiner?«

»Das dauert hier eine Weile. Es ist besser, sich gleich an die hiesigen Transportmittel zu gewöhnen und Geduld zu wahren.«

»Hiesige Transportmittel?«

N’Tari lachte nur und sagte, er wolle ihnen die Überraschung nicht verderben.

Als das Fahrzeug, auf das sie warteten, in Sichtweite kam, traute Rasser seinen Augen nicht: Es war ein historischer Streitwagen, der ihn an irgendetwas erinnerte, das er in einem Holovid über prähistorische Zeiten gesehen hatte. Gezogen wurde das Gefährt von einem großen Tier mit riesiger Kruppe, dessen Pfoten von Büscheln aus Fell bedeckt waren.

»Im medizinischen Zentrum habe ich moderne und sehr ausgefeilte Apparate gesehen, da können sie in diesem Punkt doch nicht so rückständig sein!«, rief Rasser verblüfft und entsetzt zugleich aus. »Warum verwenden sie nicht normale Module?«

»Die Shiro haben uns die Nutzung zu privaten Zwecken verboten. Ich habe nie begriffen, ob es daran liegt, dass sie über relativ wenig Energie verfügen, oder ob irgendeine verrückte Vorstellung dahintersteckt. Die Asix, die ich gefragt habe, wussten auch nicht mehr. Sie gehorchen, ohne Fragen zu stellen.«

Der vorsintflutliche Wagen kam langsam voran. Als er auf ihrer Höhe war, näherte sich Arsel neugierig dem großen Kopf des fremden Tieres mit seinen riesigen, haselnussbraunen Augen und den langen Wimpern. Ihre Mutter zog sie rasch zurück.

»Geh nicht so nah ran, das Vieh könnte dich töten. Außerdem ist es unhygienisch, Tieren so nah zu kommen. Sie sind unsauber, und man darf sie nicht anfassen.«

»Es ist nicht gefährlich«, intervenierte schüchtern ihre Co-Frau. »Das ist eine Art Pferd.«

»Unsinn! Ich habe Pferde im Holovid gesehen, sie sind nicht so groß und auch nicht so behaart.«

»Ich glaube, es handelt sich um ein Zugpferd. Es gibt ein paar Exemplare im zoologischen Garten meines Planeten. Es gibt sie seit mehreren Jahrhunderten.«

Professor Li, neugierig wie immer, näherte sich vorsichtig dem Tier, während der Wagenlenker abstieg. Es war ein sehr alter Asix, der eine Tunika ohne Gürtel trug. Beim Anblick seiner halb nackten Brust, die von einer dicken grauen Haarpracht bewachsen war, wandte die erste Ehefrau Rassers sich schamvoll um.

»Achten Sie nicht weiter darauf, meine Dame«, sagte Kommandant Aber. »Die Asix arbeiten oft mit nacktem Oberkörper. Obwohl sie eine helle Haut haben, ist das Risiko, dass sie sich einen Sonnenbrand holen, bei ihnen nicht höher als bei uns.«

Dann richtete er seine Aufmerksamkeit auf die beiden Passagiere, die aus dem Wagen stiegen: eine Raumfahrtbegleiterin aus der Besatzung des Raumschiffes, noch in Uniform, und eine andere junge Frau, die in ihren Armen ein Neugeborenes mit dunkler Haut hielt. Beide verbeugten sich mehrmals. Dabei lächelten sie und flüsterten sich etwas in ihrer Sprache und mit ihrer charakteristischen rauen Stimme zu. Kommandant N’Tari antwortete ihnen in derselben Sprache und verbeugte sich seinerseits.

Professor Li Hao beobachtete dies alles interessiert. An Bord des Schiffes waren die Beziehungen zwischen dem Kommandanten und der Besatzung formell gewesen. Während des Dienstes gab er Befehle, und sie gehorchten. Doch außerhalb des Dienstes scherzten sie miteinander. Li Hao hatte nie zuvor gesehen, wie sie einen Bückling voreinander machten oder sich beglückwünschten. Man hätte glauben können, dass N’Tari – der die hiesige Sprache übrigens besser beherrschte, als er andere hatte glauben lassen – es für opportun hielt, sich wie ein Einheimischer zu benehmen. Und bei dem kleinen Jungen handelte es sich offenbar um seinen Sohn.

Die anderen mussten zu demselben Schluss gekommen sein, denn sie musterten den Kommandanten geringschätzig. Er wiederum hob trotzig das Kinn, nahm das Baby auf den Arm, legte sich eine der beiden Taschen auf die Schulter und wartete, bis die Frauen die andere ergriffen hatten. Dann rief er Rasser und den anderen zu: »Einen angenehmen Aufenthalt auf dem Planeten, meine Damen und Herren!«, und ging mit den beiden Frauen in Richtung Stadt.

»Es ist unglaublich, auf welches Niveau Menschen sich herablassen können«, merkte der Botschafter an, als der Kommandant sich entfernt hatte. »Und ich begreife nicht, wie ein Mann ein amouröses Abenteuer mit einer dieser schrecklichen einheimischen Kreaturen haben kann, wo sie so behaart und muskulös wie Kämpfer sind.«

Der Wagenlenker bewegte sich auf die kleine Gruppe zu, die um den Botschafter herum stand, grüßte freundschaftlich und zog dann aus seiner Tasche einen Apfel, den er dem Tier reichte, das ihn wie eine seltene, unerwartete Delikatesse gierig fraß. Die zweite Ehefrau Rassers musste an ihre eigene Kindheit denken. Lächelnd streckte sie die Hand aus, um das Tier zwischen den Augen zu streicheln. Das wiederum hob wiehernd sein Maul und zog die Aufmerksamkeit aller auf sich.

»Muss denn jeder mitkriegen, dass du auf einem Bauernhof aufgewachsen bist?«, zischte Aziz Rasser seine zweite Frau an. Diese murmelte gesenkten Blickes eine Entschuldigung, während die erste Ehefrau ihrer Tochter noch einmal empfahl:

»Geh nicht so nah ran! Ich habe dir doch gesagt, dass diese Viecher gefährlich sein können. Sie töten, sie beißen, und sie sind voller Mikroben.«

»Aber es hat aus der Hand dieses Mannes einen Apfel genommen, ohne ihm was zu tun.«

»Dieser Mann stammt von hier, er ist nicht wie wir. Und guck ihn nicht so an, er ist nicht korrekt gekleidet.«

Bei so viel Gepäck konnte der Wagen nicht alles auf einer Fahrt transportieren. Kapitän Aber befahl einigen seiner Männer, dazubleiben und die restlichen Koffer zu bewachen. Dann versicherte er sich, dass Seine Exzellenz und dessen Damen zwischen den Taschen und Koffern bequem untergebracht waren. Er selbst folgte dem Konvoi mit seinen restlichen Männern zu Fuß. Der Professor hatte neben dem Wagenlenker Platz genommen.

Endlich ging es los, aber sie kamen so langsam voran, dass es fast eine halbe Stunde dauerte, bis sie schließlich die Stadt erreichten. Unterwegs war Aziz Rasser auf die Idee gekommen, den Wagenlenker zu fragen, wie weit es noch sei, aber es gelang ihm nicht, sich verständlich zu machen, obwohl er es mit Händen und Füßen versuchte. Er versuchte es noch einmal, indem er auf seine Uhr zeigte. Der Wagenlenker schaute sie sich mit großem Interesse an und nickte ihm grinsend zu. Entmutigt stellte der Botschafter weitere Versuche ein.

Schließlich hielt das unbequeme, lächerliche Transportmittel vor einem viergeschossigen Gebäude. Es war das höchste Haus in der Stadt und trug über dem Eingang die Inschrift »Föderale Botschaft«. Die beiden Sekretäre standen auf der Schwelle, um die Neuankömmlinge zu begrüßen. Eine der beiden war in Begleitung seiner Frau. Sie standen stramm und stellten sich als Jamr Soener und Omiari Kader vor. Nach einer kurzen Pause fügte Sekretär Soener, ein brauner, noch junger Mann, hinzu: »Und meine Frau Ida.«

Das brachte ihm einen wütenden Blick von Rassers erster Gemahlin ein. Sie fand es mehr als unpassend, dass eine Frau mit ihrem Vornamen vorgestellt wurde.

Glücklich, jemanden in ihrer Sprache reden zu hören, hatten alle es eilig, ins Gebäude zu kommen. Sie baten darum, den Wagen noch einmal zum Astroport zu schicken, um das restliche Gepäck zu holen.

Jamr Soener wandte sich in Universalsprache an den alten Asix. »Hast du verstanden? Fahre zum Astroport. Bring das Gepäck hierher.«

Der Mann nickte und ließ den Wagen eine Kehrtwende machen.

»Wie, er versteht die Universalsprache?«, fragte der Botschafter verblüfft.

»Es geht so. Im Laufe der Jahre, die er für uns arbeitet, hat er die Sprache einigermaßen gelernt.«

Seine Exzellenz schnauzte den Alten gereizt an:

»Teufel, warum hast du nichts gesagt?«

»Keiner hat mich gefragt«, lautete seine Antwort. Dann beendete er die Kehrtwende des Wagens, und das Pferd entfernte sich in leichtem Trab.

Die junge Frau Rasser konnte ein leises Kichern nicht unterdrücken, worauf ihr Mann sie mit großen Augen anblickte. Dann aber schüttelte er den Kopf und brach in lautes Gelächter aus.

Sie traten ins Haus, um in Augenschein zu nehmen, was in den nächsten vier Jahren ihr Zuhause sein würde. Leider sahen sie nichts, was sie wirklich hätte begeistern können: Die Eingangshalle war eher sachlich gehalten; nur der Tisch des zweiten Sekretärs und ein Stuhl standen hier. Eine Tür führte in einen kleinen Innengarten; hier standen ein paar Bänke inmitten einheimischer blauer Pflanzen, die an die Blumen am Astroport erinnerten. Eine andere Tür führte in ein Büro. Durch die dritte Tür schließlich gelangte man in einen großen Saal, in dem einige Sessel standen, ein Holo-Projektor – wahrscheinlich aus der letzten Generation –, ein Tisch aus massivem Holz – welch ein Luxus – und Stühle. Von dort führte eine Treppe in die oberen Etagen, in denen sich die Apartments befanden.

Sie gingen nach oben, und der Botschafter wies jedem sein Zimmer zu. An Platz mangelte es nicht, aber es war keine wirklich würdige Residenz für den Repräsentanten der wohl größten Weltmacht aller Zeiten.

»Warum gibt es in den Zimmern weder Teppiche noch Dekorationen, nicht einmal Kunsthandwerk aus der Region?«, wollte die zweite Ehefrau Rassers wissen. Dieses Mal warf keiner der Anwesenden ihr einen verächtlichen Blick zu.

»Der Transportpreis auf dem Raumschiff ist enorm gestiegen, und im Allgemeinen zieht man es vor, Festmeter zu berechnen. So haben wir die Möglichkeit, uns jedes Jahr bestimmte Konsumgüter wie gastronomische Spezialitäten, parfümierte Seifen, Narkotika und ein Dutzend andere Sachen kommen zu lassen. Diese Dinge mögen unwichtig erscheinen, aber im Laufe des Monats verspürt man ein Verlangen danach«, erklärte Jamr Soener. »Und dann haben die Orkane des letzten Saisonwechsels zum x-ten Mal eine Dachschräge und Möbel aus zwei Zimmern mit sich gerissen. Natürlich habe ich bereits neue bestellt. Es gibt Möbel aus Holz, die hier von Einheimischen hergestellt werden. Wahrscheinlich stehen sie uns in ein paar Tagen zur Verfügung. Doch was die Objekte aus Kunststoff, Metall oder anderen Materialien betrifft, müssen wir alles importieren. Wir warten auf ein Transportschiff vom Planeten Wahie. Hiesiges Kunsthandwerk gibt es eigentlich nicht. Die Häuser auf Ta-Shima sind spartanisch möbliert. Man findet nur, was wirklich nötig ist. Teppiche verwendet man hier nicht, schon wegen des Klimas. Es ist zu heiß, da ist es sehr viel angenehmer, einen Steinfußboden unter den Füßen zu haben. Alles, was dekorativ ist, wird vernachlässigt, und an Kunst – in welcher Form auch immer – hat niemand Interesse. Natürlich bin ich nur sehr selten in den Häusern der Hiesigen, meist bin ich hier«, fügte er rasch hinzu.

Seine Frau Ida, eine Blondine mit trockener, straffer und leicht geröteter Haut, die von einem Sonnenbrand herrührte, trug keinerlei Make-up. Sie biss leicht gereizt die Lippen aufeinander, sagte aber nichts.

»Waren Sie bereits in einem der Shiro-Häuser?«, fragte der Botschafter.

»Nein, noch nie. In Schreiberstadt lebt nur eine Shiro-Familie. Sie wohnt in dem großen schmucklosen Haus aus grauem Stein; Sie sind daran vorbeigekommen. Es ist eine sehr große Familie. Mindestens fünfzig Personen leben in dem Haus. Sie treiben Handel mit den Planeten der Föderation. Ich habe oft mit ihnen zu tun. Ihre Mutter, wie sie sie nennen – dabei ist sie eine junge Frau –, hat der Botschaft bereits einen Besuch abgestattet und die Einladung eines Händlers angenommen, der sich auf skandalöse Art und Weise am Export einheimischer Gewürze bereichert hat. Doch ich habe nicht den Eindruck, dass sie bis jetzt irgendjemandem erlaubt hat, ihr Haus zu betreten.«

»Kann man denn nicht um eine Einladung ersuchen? Es könnte doch interessant sein, Kontakte zur hiesigen Aristokratie zu knüpfen.«

»Da bin ich mir nicht so sicher. Wenn man doch genauso gut mit den Asix zurechtkommt ...«

»Das ist ein starkes Stück!«, rief seine Frau aus, die daraufhin einen schrägen Blick erntete.

»Ich sagte doch bereits, das mit den Shiro ist ein anderes Paar Schuhe. Sie sind stolz und arrogant, und sie sind wegen eines Ja oder Nein zu Tode beleidigt. Und wenn ich ›zu Tode‹ sage, dann meine ich das wortwörtlich. Sollte einer von ihnen Sie freundlich darum bitten, mit ihm im Fechtsaal der Akademie zu trainieren, sollten Sie ablehnen, ohne zu zögern.«

»Warum?«, fragte der Kapitän, der nicht wirklich geglaubt hatte, was N’Tari auf dem Raumschiff erzählt hatte, und der sich nun bestätigt wissen wollte.

»Weil es sich in Wahrheit um ein ordnungsgemäßes Duell handelt, sofern man einwilligt. Sie lassen nicht zu, dass man seine Meinung ändert. Für sie ist das Fechten mehr als ein Sport. Für sie ist es eine nationale Leidenschaft. Sie beginnen bereits in einem Alter, in dem unsere Sprösslinge noch in den Kindergärten herumkrabbeln. In den ersten Jahren wurden ein paar Bürger der Föderation bei einer solch ›freundschaftlichen Ertüchtigung‹ verwundet. Seitdem wissen wir nur zu gut, dass es besser ist, derartige Einladungen abzulehnen oder gar nicht erst in solche Situationen zu geraten. Wenn ich Ihnen einen Rat geben darf: Niemand sollte auch nur auf die Idee kommen, eine Shiro-Dame ... wie soll ich sagen ... zu belästigen. Abgesehen davon, dass sie sehr gute Kämpferinnen sind, könnte dies einen schwerwiegenden Vorfall provozieren, der die guten Beziehungen zu den Einheimischen empfindlich stören würde.«

»Die auf dem Raumschiff haben sich aber wie ordentliche Menschen benommen«, merkte die erste Ehefrau Rassers an.

»Ja, das stimmt. Aber ich glaube zu verstehen, was Herr Soener sagen will«, trumpfte der Botschafter auf, der sein erstes Zusammentreffen mit Oda nicht vergessen hatte.

»Warum gibt es eigentlich keine Klimaanlagen?«, wollte Arsel wissen. »Im Haus ist es genauso heiß wie draußen.«

»Es gibt da schon ein paar Geräte«, antwortete Ida, »aber wenn wir die verwenden, verschwindet das Personal, und nichts und niemand kann es zurückhalten. Man hat also die Wahl. Entweder hat man es kühl und bedient sich selbst, oder man lässt sich von den Einheimischen bedienen und leidet unter der Hitze.«

»Warum werden keine Roboter eingesetzt? Das wäre doch praktisch.«

»Wir haben vier, aber sie stehen deaktiviert im Untergeschoss. Seine Exzellenz, Botschafter Coont, zog es vor, sich an die hiesigen Gebräuche anzupassen, zumindest nach außen hin, um den Kulturschock der Ta-Shimoda abzuschwächen. Seither hat die Feuchtigkeit die Stromkreise der Roboter ein wenig beschädigt. Keiner funktioniert mehr so richtig. Wir hätten sie ja längst an den Hersteller zurückgeschickt, damit er sie wartet, aber die einundzwanzig Einheimischen, die für uns arbeiten, kosten uns ungefähr genauso viel wie die Unterhaltung der vier Roboter. Und in gewisser Hinsicht ist es praktischer, sie um sich zu haben. Wir haben die Roboter nur noch in der Trockenzeit eingesetzt, wenn die Einheimischen Ferien haben. Leider gehen sie alle zusammen in die Ferien. Wir haben es niemals geschafft, sie davon zu überzeugen, nacheinander Urlaub zu nehmen.«

Zur großen Überraschung von Frau Rasser war es Ida gewesen, die geantwortet hatte. Frau Rasser selbst hatte nie die Gewohnheit, sich persönlich um langweilige Banalitäten wie den Haushalt zu kümmern.

»Also haben wir das Ganze den Einheimischen zu verdanken? Um sie nicht zu erschrecken, verfügt die Botschaft über diesen vorsintflutlichen, unbequemen Streitwagen, statt über ein Modul?«

»Als das Fahrzeug der Botschaft während eines Orkans von Dachziegeln getroffen und zerstört wurde, hat Botschafter Coont es nicht ersetzen lassen. Er sagte, Schreiberstadt wäre zu klein, als dass man kein Fahrzeug benötige, um zum Astroport zu gelangen. Deshalb haben wir das Flugmodul benutzt, das, wie Sie ja wissen, bei einem tragischen Unfall vor einigen Wochen zerstört wurde und Botschafter Coont, die Herrscherin über diesen Planeten und ihren Sohn mit in den Tod riss. Das neue Modul müsste an Bord des Frachters sein, den wir in Kürze erwarten.

Es gibt auch motorisierte Fahrzeuge auf dem Planeten. Sie sind allerdings ziemlich bizarr, denn sie sind beinahe vollständig aus Holz. Außerdem erlauben die Shiro die Verwendung dieser Vehikel nur im Fall höherer Gewalt. Das hiesige Krankenhaus besitzt einige Fahrzeuge, die auf dem Boden und in der Luft eingesetzt werden, um im Notfall erste Hilfe leisten zu können. Doch im Allgemeinen ziehen es die Einheimischen vor, auf Geräte jeder Art zu verzichten, die Energie verbrauchen.

Das mussten auch die ersten Händler feststellen. Sie gingen mit einer Ladung an Land, die aus elektrischen und elektronischen Spielereien bestand – in der Hoffnung, die primitiven Menschen damit beeindrucken und sich eine goldene Nase verdienen zu können. Aber sie mussten klein beigeben. Die Läden in Schreiberstadt wurden von den neugierigen Asix beinahe überfallen. Sie schauten die Ware mit großen Augen an und ließen sich lang und breit die Funktionsweise jedes einzelnen Apparates erklären. Aber sie kauften nichts. Heute liegt der gesamte Handel in den Händen einer Familie. Sie übergibt den Händlern eine Liste mit Dingen, die die Ta-Shimoda haben wollen. Zudem betreiben sie Tauschhandel, vor allem mit Gewürzen.«

»Vielleicht haben die Asix nicht genügend Geld, aber die Shiro könnten doch in unseren Geschäften einkaufen?«, meinte die erste Frau des Botschafters.

Soener musste lachen.

»Eher selten. Meiner Meinung nach ist das aufgrund ihres anzüglichen Charakters auch besser so. Einige Händler haben versucht, ihnen Parfums, Freudenpulver, Schmuck, Yachten, Hightech-Apparate und dergleichen zu verkaufen, aber nur ein verächtliches Lächeln geerntet. Die Shiro betrachten es als unter ihrer Würde, Schmuck zu tragen. Womöglich begegnet Ihnen hin und wieder ein Asix mit einer Muschel- oder Samenkette. Vor allem Mädchen schmücken sich gern damit, wenn sie um einen Mann buhlen. Aber ein Shiro nie. Zudem sind sie überaus genügsam und üben sich in Verzicht. Sie hören keine Musik, und sie interessieren sich nicht für den Holovid und andere sogenannte Oberflächlichkeiten. Und als oberflächlich betrachten sie nahezu alles, ausgenommen ihre satanische Fechtkunst. Was Kleidung anbetrifft, tragen Männer und Frauen gleichermaßen dieses farblose graue Gewand, das Sie ja bereits gesehen haben. Es ist für beide Geschlechter nahezu identisch. Ich habe häufig den Eindruck gehabt, dass ihnen der Sinn für Ästhetik völlig abhanden gekommen ist, zumindest, wenn man unsere Maßstäbe anlegt.«

Die Neuankömmlinge bezogen ihre spartanisch eingerichteten Zimmer, die im Vergleich zu den Räumen, in denen sie bislang gewohnt hatten, jedoch sehr groß waren. Das Zimmer von Professor Li war so riesig, dass sein Büro darin Platz fand: So viele Regale, wie er wünschte, einen großen Tisch, auf dem er sein Comp-System unterbringen konnte, und seine seltsamen Stifte. Einen davon trug er stets bei sich, um sich rasch einige Worte oder Sätze aufschreiben zu können, die ihm interessant vorkamen.

Sofort begann er mit der Redaktion seiner Vokabelnotizen, die er von Imi hatte, der jungen Raumfahrtbegleiterin, mit der er während der Reise ein kleines Abenteuer hatte. Glücklicherweise wusste niemand davon; es hätte dem Professor ironische Bemerkungen und verächtliche Blicke eingebracht, wie Kommandant N’Tari sie hatte erdulden müssen.

Nach einer Stunde Arbeit stand er auf und streckte sich. Dann schaute er aus dem Fenster. Obwohl sein Zimmer nur in der dritten Etage lag, konnte er die Dächer der anderen Häuser bis zu den Felsen sehen, deren Steilhang praktisch ins Meer fiel. Links befand sich die Luftbrücke, die Schreiberstadt und den Kontinent verband. Ein tristes, weißliches Licht fiel durch die Wolken. Eine Sonne vom Typ F und vier Monde, erinnerte er sich. Sie bewegten sich auf unregelmäßigen und dezentrierten Umlaufbahnen, was die Berechnung der Gezeiten schwierig machte.

Der Professor dachte mit einem Hauch von Ironie an seine Träume von Abenteuern auf halb wilden Planeten. Sicher, Ta-Shima war eine unterentwickelte Welt, aber sie hatte nichts gemein mit seinen romantischen Schwärmereien. Ta-Shima war ein trostloser und deprimierender Ort, mit einem tristen bleiernen Himmel und Einwohnern, die schlicht gestrickt waren. Hier erinnerte nichts an die glanzvollen Barbaren, die der Professor sich im Traum vorgestellt hatte.

Er seufzte und kehrte zu seinen Papieren zurück.

Den Rest des Tages verbrachte er damit, seine Sachen einzuräumen und Soener, der seit mehreren Standardjahren auf Ta-Shima lebte, ein paar Fragen zu stellen. Danach aß er mit den anderen eine gar nicht so mittelmäßige Mahlzeit. Sie wurde von zwei Asix serviert, die ununterbrochen plauderten.

Auch wenn es noch nicht besonders spät war, gingen schließlich alle schlafen – mehr oder weniger schlecht gelaunt und enttäuscht. Abgesehen von Kapitän Aber, der auf Ta-Shima war, um Befehle auszuführen und dem das voll und ganz reichte.