2

Hauptmann Gollbergs Erste Kompanie kehrte vom Einsatz im Feindesland zurück und hatte zwei Soldaten und ein Pferd verloren. Gerüchte schossen rasend schnell ins Kraut, aber es klärte sich beinahe ebenso schnell auf, dass die Verluste nicht auf einen Angriff der Affenmenschen zurückzuführen waren, sondern auf ein Rudel ausgehungerter Haihunde. Die Bestien hatten zu zwanzigst – einige Soldaten erzählten später, es seien nur sieben oder acht gewesen – das hinterste Pferd attackiert, obwohl die gesamte Formation in militärisch vorbildlicher Ordnung geritten war. Pferd und Reiter waren zu Boden gegangen und in rasender Geschwindigkeit zerfleischt worden. In dem entstehenden Tumult sei ein zweiter Soldat weiter vorne von seinem Pferd abgeworfen worden. Die gellenden Schreie dieses Mannes verfolgten alle Dabeigewesenen noch Wochen später im Schlaf. Mit Mühe war es Hauptmann Gollberg gelungen, seine Mannen von sinnlosen Rettungsversuchen abzuhalten, sonst wäre es wohl noch zu weit höheren Verlusten gekommen. Hatte ein Haihund nämlich erst einmal Blut geschmeckt, verwandelte er sich in ein schnappendes, reißzahnbewehrtes Maul, dass sich wie hirnlos auch von schwersten eigenen Verletzungen nicht vom Schlingen abhalten ließ.
Gollberg tobte durch die Festung wie ein Rasender. Nichts konnte ihm mehr zusagen, die gesamte Festung schien ihm ein »marodes Furzkissen für fett gewordene Zivilisten« zu sein, während seine Leute »da draußen den Kopf hinhalten« mussten, damit der Kontinent weiterhin »ungerührt an sich selbst herumspielen« konnte. Nur langsam gelang es Oberst Jenko, Ruhe und Ordnung in seinen herausragendsten Offizier zurückzuzwingen.
Die Meldung vom Tod zweier Soldaten, von Festungskameraden, denen man noch Anfang dieses Mondes im Manöver freundschaftlich rivalisierend gegenübergestanden hatte, versetzte auch der Dritten Kompanie einen nicht zu unterschätzenden Hieb. Behnk brach sogar in Tränen aus, obwohl er die beiden Gefallenen so gut wie überhaupt nicht gekannt hatte. Die schmucken Uniformen, die sie alle trugen, schienen mit einem Mal durchlässig geworden zu sein wie feinste Seide, durchlässig für Reißzähne und Klauen aller Art.
Die Leichname der beiden Gefallenen hatten nicht geborgen werden können – Haihunde pflegten selbst Knochen zu zermalmen und zu verdauen. Dennoch wurde am 27. Rauchmond in der Kapelle ein Götterdienst für die Toten und das gesamte Regiment abgehalten, für das eigens eine Senchakpriesterin namens Secesti aus einem nahe gelegenen hesselyschem Dorf namens Bleuken angefordert worden war.
Die Grünhörner hatten noch niemals eine Frau wie Secesti gesehen. Brandversehrt, muskelknotig, narbenübersät, haarlos, den nachgerade männlich kleinen Busen kaum verhüllt, mit herben Falten im Gesicht und Tierknochenasche unter den Augen, sang sie düstere Lieder in einer alten, vergessenen Sprache und deklamierte mit tiefer, rollender Stimme den offiziell-königlich-militärischen Grablegungsritus. »Im Glanze der Krone bist du zu den Schatten gefallen, aus den Reihen deiner Kameraden hat dich dein Geschick herausgebrochen, aus den Augen der Königin hat dich ein Sturmwind gerissen, das Alter und die Ruhe bleiben dir verwehrt. Dendo Mikerlind und Igan Seykar Ruiv, die ihr Soldaten gewesen seid der überdauernden Familie Carlyr – Senchak wird euch nicht vergessen, und wir werden euch auch nicht vergessen. Ihr seid gefallen als Soldaten, habt euren letzten Atemzug getan als Soldaten, seid dem Tod entgegengeritten als Kavalleristen und werdet in Ewigkeit weiterreiten in den Reihen der Helden, die vor euch gegangen sind und nach euch kommen werden. Senchak empfängt euren Geist, gürtet euch neu in Waffen aus silbernem Licht und erfrischendem Tau und führt euch jener Bestimmung zu, die zu erfassen allein den Göttern vorbehalten ist.«
Diese Worte machten einen tiefen Eindruck auf die Grünhörner der Dritten Kompanie, die sich zur Zeit des Affenmenschenfeldzuges noch nicht in militärischen Diensten befunden und somit solche Bestattungsriten noch nie miterlebt hatten. Sie standen neben der Zweiten Kompanie in Reih und Glied, und zwar draußen vor der Kapelle, weil in dem kleinen Andachtsgebäude nur Platz für wenige war – die Priesterin, Hauptmann Gollberg, Oberst Jenko, Gollbergs Korporäle und die fünf engsten Freunde der Gefallenen aus der Ersten Kompanie.
Alman Behnk weinte leise, von Jovid Jonis und Ildeon Ekhanner getröstet. Garsid war bleich, hoch aufgerichtet und feierlich. Breff Adirony Teppels Lippen zitterten; wahrscheinlich dachte er an seine beiden Söhne, die ebenfalls als Soldaten der Königin den Tod gefunden hatten. Fergran von den Holtzenauens Augen schimmerten feucht. Gerris Resea gähnte nicht, wie Fenna insgeheim befürchtet hatte, sondern war ebenfalls angespannt, wie sich das für einen anständigen Korporal gehörte.
In Ermangelung echter Überreste wurden die Ausgehuniformen der beiden Toten auf dem kleinen Friedhof im ewigen Schatten der Ostklippe zur Ruhe gebettet.
Zwei Tage später erfuhr Fenna durch eine nebenbei fallen gelassene Äußerung des Schreibers Lement, dass Korporal Resea sich am Tag der Beisetzung bereits um eine Versetzung in die Erste Kompanie beworben hatte.
Unverzüglich stellte Fenna seinen Korporal zur Rede. Die beiden befanden sich beinahe zufällig von allen anderen entfernt in unmittelbarer Nähe der Stallungen, wo Resea sich in seinen freien Stunden öfters aufhielt.
»Das ist doch wohl ein schlechter Scherz, Korporal?«
»Was denn, Leutnant?«
»Wir haben dich vor fünf Tagen erst zum Korporal befördert – und jetzt willst du die Kompanie wechseln, du krummer Hund?«
Resea bewahrte die Fassung. Fenna schien es nichts auszumachen, dass sich die ersten Umstehenden schon zu dem schreienden Leutnant umblickten. »Ich habe nicht darum gebeten, befördert zu werden, Leutnant Fenna. Ich kann es nicht ändern und nicht rückgängig machen.«
»Und glaubst du im Ernst, du wirst in der Ersten als Korporal weitermachen können? Die werden dich zurückstufen, bis dir Hören und Sehen vergeht.«
»Das ist mir klar, Leutnant. Ich bin lieber einfacher Soldat unter Hauptmann Gollberg als ein Korporal unter Fenna und Gyffs.«
Fenna spürte, wie der Zorn ihn zu übermannen drohte. Er wollte sich auf Resea stürzen und ihn verprügeln, bis er winselte. Aber Resea würde nicht winseln. Er hatte zweimal gut abgeschnitten im Ritterturnier von Endailon. Mit einem Schaudern erinnerte Fenna sich an den furchtbaren Würgegriff, der im nachtfinsteren Waschhaus beinahe das Leben aus ihm herausgepresst hatte. Hilflos drohte er Resea mit dem Finger. »Das wird Konsequenzen haben! Das ist Verrat! Das lasse ich nicht mit mir machen!«
Fenna wandte sich ab und stiefelte auf die F & L zu. Er ärgerte sich unverzüglich über sein Verhalten. »Verrat« zu schreien passierte eigentlich nur sehr unfähigen, aufbrausenden Offizieren. Reseas glatte, geschmeidige Art brachte etwas in Fenna zum Vorschein, das er selbst verabscheute. Vielleicht war es das Beste, diesen ständigen Störenfried endlich los zu sein. Aber was würde dann aus der Kompanie werden?
Zu seiner Überraschung war Leutnant Gyffs bereits beim Oberst. Sie hatte den klügeren, offizielleren Weg gewählt, sich zu erkundigen. »Ah, da seid Ihr ja, Leutnant Fenna, tadellos, ich wollte Euch gerade rufen lassen. Also, ich erkläre es noch einmal. Hauptmann Gollberg hat darum ersucht, dass seine Verluste ausgeglichen werden. Ich habe dem zugestimmt. So ist das. Man kann eine Kompanie wie die Erste nicht mit Neurekruten befüllen, das ergibt keinen Sinn. Hobock & Sells geben freiwillig einen der Ihren her, und an die Dritte hatte ich noch gar nicht gedacht – als mir vorgestern unvermutet eine schriftliche Bewerbung Korporal Reseas auf den Schreibtisch flatterte.«
»Wieso, Herr Oberst, hat Resea von Gollbergs Verlustenausgleich erfahren können und nicht wir Leutnants?«, hakte Fenna nach.
Jenko zuckte die Achseln. »Das weiß ich auch nicht. Der Vorgang war noch nicht wirklich offiziell. Ich wollte ihn eigentlich erst nächste Woche entscheiden.«
»Gollberg hat Resea persönlich angesprochen. Er hatte schon seit dem Manöver ein Auge auf ihn geworfen.«
»Vorsicht, Leutnant, das ist nichts weiter als eine Vermutung! Und selbst wenn es so wäre: Ein Hauptmann hat jederzeit das Recht, sich die besten Leute seines Regiments in seine eigene Kompanie zu holen. Dazu ist er Hauptmann.«
»Wir päppeln sie auf, und der Hauptmann pflückt sich dann unsere erfolgversprechendsten Früchte …«
»So ist das, Leutnant Fenna. Genau, wie Ihr Euch unter den Männern, die Leutnant Hobock für Euch zusammengesucht hatte, die vierzehn Besten aussuchen durftet. Da ist nichts Ungerechtes dabei.«
»Den Leutnant ärgert«, versuchte Gyffs die Wogen zu glätten, »dass es natürlich ungeschickt ist, uns so kurz nach einer Beförderung gleich eines Korporals zu berauben. Das erschüttert das Vertrauen der Mannschaft in die Beständigkeit von Hierarchien.«
»Das verstehe ich durchaus, Leutnant Gyffs«, wandte sich der Oberst ihr zu, deutlich wohlgesonnener. »Ich verstehe auch, dass Ihr ungern den Fernwaffenzug noch weiter schrumpfen sehen möchtet. Ist nie angenehm, Leute zu verlieren. Fragt den Hauptmann. Fragt mich. Aber es ist nun einmal nicht zu umgehen. Die Erste Kompanie ist unsere Außeneinsatztruppe. Sie muss voll besetzt sein, die letzten Tage haben wohl bewiesen, wie gefährlich es dort draußen ist. Ausschließlich die Zweite Kompanie zu beleihen halte ich für … ungerecht. Und die Dritte ist natürlich ohnehin schon die kleinste, aber ich habe Euch beiden ja bereits eine Aufstockung in Aussicht gestellt. Mitte Blättermond möchte ich Leutnant Hobock zu einer weiteren Rekrutierungsmission ins Land schicken, um – sagen wir – zwanzig weitere Anwärter zu sammeln, aus denen Ihr Euch dann die vielversprechendsten siebzehn heraussuchen könnt. Klingt doch formidabel, nicht wahr? Ihr habt hinterher doppelt so viele Leute wie jetzt, und Frauen sind vielleicht diesmal auch dabei. Also weshalb die langen Gesichter?«
»Was machen wir mit unserem Fernwaffenzug?«, fragte Gyffs.
»Na, da wird sich doch noch ein weiterer Korporal finden lassen, oder etwa nicht?«
»Deleven«, seufzte Gyffs nach einem Seitenblick auf Fenna. »Also gut, die Götter scheinen es so zu wollen.«
»Sonst noch etwas, meine lieben Leutnants?«
»Nein, Herr Oberst, es ist alles im Lot«, sagte Gyffs, grüßte ordentlich, schnappte sich den immer noch schnaubend dastehenden Fenna und zog ihn einfach mit sich.
Während sie den Hof überquerten, sagte sie zu ihm: »Ich verstehe gar nicht, weshalb du dich so aufregst. Du konntest Resea doch ohnehin nicht ausstehen. Wenn jemand sauer sein müsste, dann ich.«
»Du verstehst tatsächlich nicht, Loa. Wir haben eben unseren ersten Mann verloren – und wir haben noch nicht einmal gekämpft.«
»Oh, ich finde, das war schon ein ganz hübsches Gemetzel gerade. Was will man machen? Das ist Bürokratie!«
»Scheiß auf die Bürokratie! Gollberg stellt sich dumm an, und wir müssen dafür bluten. Als Nächstes nimmt er uns Deleven, dann Garsid, und irgendwann stehen wir nur noch mit Behnk und Teppel da. Und mit denen sollen wir dann einen Krieg gewinnen!«
»Ich sehe keinen Krieg, Eremith. Ich sehe das Halten einer Stellung, die niemals angegriffen wird. Das werden wir schon hinbekommen.«
»Und dass er auch vor den Korporälen nicht zurückschreckt, ärgert mich am meisten! Dadurch untergräbt er unsere Entscheidungen!«
»Das sehe ich anders. Ich finde, er bestätigt unsere Entscheidungen. Wir haben Resea zum Korporal gemacht, weil zumindest ich von seinen Fähigkeiten begeistert war. Hauptmann Gollberg scheint diese Einschätzung zu teilen, sonst würde er Resea nicht in seine Wundertruppe holen. Und jetzt reg dich langsam wieder ab, du warst doch immer dafür, dass Deleven Korporal wird. Jetzt kriegst du deinen Willen.«
Fenna war noch bis zum Ende des Rauchmonds wütend und unleidlich. Er hatte dauernd Kopfschmerzen, er roch den Gestank von Verbranntem, der aus dem Norden über die Festung hinwehte, und in den Nächten schreckte er auf, weil Haihunde, brennende Kinder und Echsengeier gleichzeitig hinter ihm her waren. Das Essen schmeckte ihm nicht. Gyffs’ Zuverlässigkeit ging ihm auf die Nerven. Seine Soldaten erschienen ihm alle als zu klein oder zu dick, selbst der riesige Kindem und der schmächtige Nelat. Fenna mied jegliche Begegnung mit Hauptmann Gollberg oder irgendwelchen Angehörigen der Ersten Kompanie. Lediglich mit Hobock & Sells kam er in diesen Tagen gut zurande, denn die beiden jammerten ebenfalls hinter vorgehaltener Hand darüber, eines guten Soldaten – in ihrem Falle: einer Soldatin – beraubt worden zu sein.
Reseas Weggang verlief vollkommen unspektakulär. Er räumte sein Bett in Raum F, ohne viele Worte zu machen. Die Grünhörner hatten ihn akzeptiert und respektiert, aber so richtig angefreundet hatte er sich mit niemandem. Gerris Resea zog in das Quartier der Ersten Kompanie, um dort als einfacher Soldat wieder von vorne anzufangen.
Delevens Beförderung zum Korporal war ebenso unauffällig. Und dennoch entdeckte Fenna in Delevens Augen etwas, was vorher weder bei Resea noch bei Garsid zu entdecken gewesen war: ein kurzes Aufblitzen, ein Einrasten. Ja, ich bin der richtige Mann, Verantwortung für diesen Zug zu übernehmen. Ja, ich habe etwas wiedergutzumachen. Ich habe viele Leben genommen in einem früheren Dasein. Jetzt will ich Leben bewahren. Fennas Wut über Reseas Weggang begann zu verrauchen.
Außerhalb der Festung, im südlichen Bergland, hetzte Gyffs den Fernwaffenzug durch immer kompliziertere Schussübungen. Fenna unternahm währenddessen Gewaltmärsche mit dem Infanteristenzug. Sie blieben auch über Nacht weg, damit Fenna seinen Leuten das Wachehalten beibringen konnte.
Gollbergs Erste Kompanie ritt aus und kehrte ohne besondere Vorkommnisse zurück. Soldat Resea hatte seine Feuertaufe in den Reihen der Kavalleristen überstanden.
Die Dritte Kompanie bekam ihren dritten königlichen Sold ausgezahlt. Die Mannschaftsmesse schwirrte an diesem Abend wieder von gelallten, wenig königlichen Reden und großspurigen Ansagen. Sensa MerDilli und Ellister Gilker Kindem prügelten sich, aber der Anlass war dermaßen nichtig und der Faustkampf für alle Beteiligten so spaßig, dass keinerlei böses Blut entstand oder zurückblieb.
»Scheusal« Jeo Kertz erhielt endlich sein Ersatzglas aus Fairai und konnte seine Augenklappe ablegen. Der Waffenmeister der Festung Carlyr schmiedete lange an einem neuen Gestell für die Gläser herum, das besonders stabil war und hinter dem Kopf mit einer Lederschnalle festgebunden werden konnte. Kertz nannte dieses Gestell »meine Kriegsaugen«.
Am 4. Blättermond wurden die Leutnants Fenna und Gyffs zu Oberst Jenko bestellt. In dessen Büro saß bereits Hauptmann Gollberg. Die Gesichter der beiden höchstrangigen Offiziere der Festung wandten sich unverzüglich den beiden Neuankömmlingen zu.
»Leutnants«, begann Gollberg ohne Umschweife, »zuerst einmal möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich für die Übernahme eines Ihrer Männer zu entschuldigen. Es gehört zu den bedauerlicheren Gepflogenheiten in Carlyr, dass die Erste Kompanie jedes Regiments im Verlustfall aus den weiteren Kompanien aufgefüllt wird. Ich kann Euch jedoch versichern, dass Soldat Resea ein Neuzugang ist, der der Dritten Kompanie alle Ehre macht. Ich habe deshalb beschlossen, seinen Korporalsrang nur vorübergehend auszusetzen. Sobald er sich ausreichend bewährt hat – und ich hege keinen Zweifel daran, dass er dazu in der Lage sein wird –, kann er auch in meiner Kompanie zum Korporal aufsteigen, schneller, als wenn er vorher nur ein einfacher Soldat gewesen wäre. Eure Beförderungsentscheidung, Leutnants, wird also von mir durchaus respektiert. Das ist jedoch nicht die einzige erfreuliche Mitteilung, die ich Euch machen kann, Leutnants. Der Oberst und ich haben entschieden, die Dritte Kompanie schon übermorgen in der Frühe auf einen Feindeslandeinsatz zu schicken.«
Gyffs wurde kurz bleich, dann rot. Fenna wahrte die Fassung, spürte aber tief in sich so etwas wie einen Muskelriss. Schon jetzt. Die Jungs. Dort draußen. Sind sie dem denn schon gewachsen?
»Ihr wundert Euch vielleicht«, fuhr nun der Oberst fort, »dass wir die Dritte Kompanie ins Affenland schicken. Nicht die Zweite. Nun, ähm, genau genommen wären zehn Mann genug für diesen Auftrag, also können wir, anstatt die Zweite Kompanie auseinanderzureißen, auch gleich die gesamte Dritte schicken, nicht wahr? Ausschlaggebender scheint uns jedoch zu sein, dass die Dritte Kompanie beim Manöver einen gewissen … wie soll ich das ausdrücken? … Biss bewiesen hat, der der Zweiten Kompanie immer noch abgeht. Die Zweite ist tadellos, um die Festung zu bemannen. Aber dort draußen bei den Affen ist etwas anderes gefordert. Etwas, das Ihr beide mitbringt, Leutnants, und Eure Männer hoffentlich ebenso.«
Jetzt übernahm wieder der Hauptmann. »Es geht selbstverständlich um eine verhältnismäßig ungefährliche Mission, die sich ausschließlich in Gelände bewegen wird, das von meiner Kompanie regelmäßig durchritten und dabei ausgekundschaftet wird. Ihr sollt den Planwagen eines Händlers etwa drei Tagesmärsche weit nach Norden begleiten, dort den Proviant, den der Wagen geladen hat, vergraben, und wieder zurückkehren. Kampfhandlungen mit Affenmenschen sind auf dieser Mission nicht zu erwarten, aber man muss sich auf diesem Terrain selbstverständlich immer vor Bestien und Ungeheuern in Acht nehmen.«
»Es handelt sich um eine tadellose Mission, um das Feindesland und die dortigen Lebensbedingungen kennenzulernen«, ergänzte Oberst Jenko. »Ein solches Wissen ist für eine in Carlyr stationierte Kompanie natürlich Gold wert. Betrachtet es also als eine erweiterte Ausbildung, Leutnants.«
»Die Mission hat aber einen konkreten Zweck«, fügte Hauptmann Gollberg bedeutsam hinzu. »Meine Kompanie hat jetzt schon wiederholt Spuren und Lagerzeugnisse gefunden, die auf versprengte Überlebende unseres Feldzuges hindeuten. Um diesen Spuren aber wirklich Erfolg versprechend nachgehen zu können, müssen wir geschätzte fünf Tage weit in das Feindesland hineinreiten können. Dafür reicht jedoch der Proviant nicht. Speziell Trinkwasser ist in dieser Gifthölle kaum zu gewinnen. Eure Kompanie, Leutnants, hat nun also den Auftrag, ein vorgelagertes Proviantreservoir anzulegen, damit meine Kompanie anschließend den entscheidenden, Erfolg versprechenden Vorstoß unternehmen kann. Wir arbeiten Hand in Hand. Die Erste und die Dritte. Wichtig beim Anlegen dieses Proviantreservoirs ist, dass Eure Kompanie dabei nicht beobachtet wird. Von niemandem. Auch nicht von Tieren. Falls also eine Eule nahebei auf einem Baumstumpf sitzt und zuschaut, sollte sich Euer Fernwaffenzug um dieses Tier kümmern. Wir wissen nämlich nicht, inwieweit es den Affenmenschen möglich ist, Tiere zu Spähern abzurichten.«
»Bei den Händlern, die den Wagen fahren, handelt es sich um Vater und Tochter Raubiel«, erläuterte der Oberst. »Die beiden kennen sich im Feindesland recht gut aus, sie waren an den Proviantierungsvorbereitungen des großen Feldzugs unmittelbar beteiligt. Auch die vier Pferde, die den Wagen ziehen, sind mit derart ungemütlichem Terrain vertraut. Aus dieser Richtung sind also keine Schwierigkeiten zu erwarten. Dennoch wird Eure Kompanie zusätzlich Kartenmaterial erhalten sowie detaillierte Landschaftsbeschreibungen. Hauptmann Gollberg hat das alles vorbereitet. Die Orientierung an markanten Wegpunkten wird ein Kinderspiel. Fragen, Leutnants?«
»Wäre es nicht sinnvoll, uns Pferde zur Verfügung zu stellen, damit wir beritten sind, meine Herren Offiziere?«, fragte Gyffs untertänigst.
Oberst Jenko schüttelte den Kopf. »Der Planwagen wird langsam sein. Ihr sollt ihn beschützen. Es ist also nicht sinnvoll, dass Ihr schneller seid als der Planwagen.«
»Aber auf dem Rückweg ist der Planwagen entladen und deshalb nicht mehr unter allen Umständen zu halten?«, hakte Gyffs nach.
»Doch«, antwortete nun Hauptmann Gollberg. »Es gibt nicht allzu viele Zivilisten wie die Raubiels, die den Mumm haben, mit der Armee zusammenzuarbeiten, also sollten wir diese Menschen mit allem, was uns zu Gebote steht, unterstützen.«
Gyffs ließ nicht locker. »Warum nehmen wir keinen Armeewagen mit Armeepferden und Kutschern, die gleichzeitig Soldaten sind?«
Der Oberst hob begütigend die Hände. »Leutnant Gyffs, Ihr braucht Euch wirklich nicht den Kopf der Festung Carlyr zu zerbrechen. Alle Details aufzuzählen, würde zu weit führen. Ihr könnt Euch darauf verlassen, dass wir uns die Sache gut überlegt haben und keine Unsinnsmissionen vergeben.«
»Mit Verlaub, ich möchte nicht unverschämt erscheinen, aber ich frage mich, ob wir die Gefährdung zweier Zivilisten nicht dadurch umgehen könnten, dass unsere Kompanie den Wagen selbst lenkt und wir die gesamte Mission mit militäreigenem …«
Hauptmann Gollberg zeigte jetzt ein angespanntes Lächeln und fiel Gyffs mit einlenkender Geste ins Wort. »Wenn Ihr es denn unbedingt wissen wollt, Leutnant Gyffs: Wir haben einen Belieferungsvertrag mit der Familie Raubiel, der uns die Verbringung des Proviantes zur vereinbarten Ablieferungsstelle zusichert. Dadurch muss die Festung keine Kosten übernehmen, falls eine Lieferung vor Erreichen des Zieles verloren geht. Die Armee der Königin verfügt bedauerlicherweise nicht über unendliche Geldmittel, deshalb muss ein Händler, der ein lukratives Zulieferungsmonopol haben möchte, auch das eine oder andere Zugeständnis an die besonderen Gegebenheiten einer Armee machen. Selbstverständlich können wir keine Phantasieziele irgendwo im Feindesland benennen und von den Raubiels verlangen, dass sie dorthin liefern, aber ein eskortierter Transport drei Tage tief in der Felsenwüste ist durchaus vertragsgemäß. Die Armee spart dadurch Material und Pferde, falls etwas schieflaufen sollte. Was es aber nicht wird.«
Der Oberst klatschte ungeduldig in die Hände. »Der langen Rede kurzer Sinn: Ihr habt gleichzeitig vier Aufgaben, Leutnants: Erstens Geleitsicherung der beiden Raubiels, zweitens Anlegen des verdeckten Proviantlagers an angegebenem Ort, drittens Vertrautmachen mit dem Gelände bei viertens sicherer Führung Eurer Kompanie, das heißt: Ihr bringt alle Eure Jungs hübsch wohlbehalten wieder zurück. Eine echte Rundummission mit allem Drum und Dran, würde ich sagen. Für eine frische Kompanie, die es noch zu etwas bringen möchte. Oder etwa nicht?«
»Mir fällt auf«, wandte Hauptmann Gollberg sich nun an Fenna, »dass Ihr überhaupt keine Fragen zu haben scheint, Leutnant Fenna?«
»Nein, Hauptmann. Überhaupt keine.«
»Das wundert mich. Aber umso besser. Leutnant Gyffs noch etwas?«
»Ja, Hauptmann. Mir ist die Abstufung der Prioritäten noch nicht ganz klar. Falls wir auf dem Hinweg angegriffen werden, soll die Ladung dann verloren gegeben werden, wenn die Raubiels nicht anders zu retten sind?«
Der Oberst und der Hauptmann wechselten einen längeren, beinahe verzweifelten Blick. Dann antwortete der Oberst seufzend: »Priorität eins: das Leben der beiden Händler. Dem untergeordnet, weil es eine Eskortierungsmission ist, Priorität zwei: die Dritte Kompanie. Erst an dritter Stelle folgt das Anlegen des Lagers. Ausnahmsweise. Im Krieg ist das Durchführen einer Mission oft wichtiger als das Überleben, aber diese Mission zählt noch zur Ausbildung, da soll es keine Toten geben.«
Fenna wünschte sich, Gyffs würde endlich den Schnabel halten, aber der junge weibliche Akedemieleutnant war nicht zu stoppen: »Sollte es aus irgendwelchen Gründen nicht möglich sein, das Lager genau an dem angewiesenen Ort anzulegen, haben wir dann in einem tolerierbaren Rahmen freie Hand?«
»In einem tolerierbaren Rahmen immer«, antwortete Oberst Jenko nickend.
»Und falls unterwegs der Wagen kaputtgeht oder die Pferde verunglücken – ab welchem Status soll die Mission abgebrochen werden?«
Diesmal blies der Oberst sogar die Backen auf. »Nur, wenn es gar nicht mehr weitergeht, Leutnant Gyffs. Die Dritte Kompanie kann Kisten zur Not schultern – ich will nicht, dass die Ladung aufgegeben wird, solange noch andere Möglichkeiten bestehen.«
»Wird uns ein Schreiber begleiten, um über die Mission unabhängig Buch zu führen?«
»Wünscht Ihr das?«
»Ich würde es durchaus begrüßen, ja, Oberst.«
»Dann soll Lement auf dem Wagen mitfahren. Da kann er sich eine hübsche kleine Prämie verdienen. So, nun reicht es aber, Kinder. Diese Besprechung wird ja noch länger als die gesamte Mission. Übermorgen bei Sonnenaufgang geht es los. Die beiden Raubiels werden morgen mit dem beladenen Wagen in der Festung eintreffen. Hier ist das Kartenmaterial, zu Euren Händen, Leutnant Gyffs. Alles Gute von uns aus. Und weggetreten!«
Gyffs und Fenna salutierten zackig, machten kehrt und stampften aus dem Büro.
Unten auf dem Hof platzte es aus Gyffs heraus: »Ich verstehe dich nicht! Tagelang schimpfst du auf alles und jeden, zeterst bei jeder Kleinigkeit über Gollberg und Konsorten – und jetzt, wo man uns mitten hineinschickt in die Hölle: nicht einen einzigen Mucks?«
»Die beiden haben recht, Loa: Es ist eine großartige Mission für uns. Wir kommen ins Feindesland. In einem bewältigbaren Rahmen.«
»Langsam solltest du dich mal festlegen: Findest du Gollbergs Entscheidungen richtig oder nicht?«
»Ich fand es falsch von ihm, uns Resea wegzunehmen. Ich finde es richtig von ihm und dem Oberst, uns diese Mission zu geben. Es ist mal so und mal so.«
Diese Diskussion führten die beiden auch nachts noch in ihren Betten fort.
»Überleg doch mal, Loa«, forderte Fenna. »Wir gehen ins Affenmenschenland. Da waren Hobock & Sells noch nicht ein einziges Mal. Unsere Kompanie entwickelt sich zur zweitwichtigsten in dieser Festung.«
»Und das gefällt dir?«
»Es ist besser, als immer nur auszubilden.«
»Ohne gründliche Ausbildung steht aber alles auf tönernen Füßen.«
»Du findest, dass es zu früh ist?«
»Viel zu früh. Und was hast du plötzlich gegen Ausbildung? Das verstehe ich überhaupt nicht! Früher in Chlayst hast du doch auch nichts anderes getan, als immer nur auszubilden! Und als dann etwas passierte, war es furchtbar und gesundheitlich zu viel für dich!« Die beiden wohnten nun seit zweieinhalb Monden in einem Zimmer. Fenna hatte Gyffs beinahe alles über sich erzählt, und Gyffs Fenna das meiste von dem wenigen, was es über sie zu berichten gab.
»Chlayst ist nicht Carlyr. Chlayst war nicht dazu bestimmt, dass dort alles in Bewegung gerät. Aber Carlyr schon. Wenn nicht irgendwann etwas Bedeutsames passiert, dann werden hier alle zu Affenmenschen. Oder zu Staub. Oder zu einem brandigen Geruch, der über Steppen weht.«
In dieser Nacht stank es draußen wieder, so stark, dass Fenna das Fenster schließen musste.
Die Männer nahmen die Nachricht, dass sie ins Feindesland marschieren sollten, unterschiedlich auf. Die beiden Korporale sowie die meisten der Grünhörner blieben gefasst und ungerührt. Behnk jedoch fing augenblicklich an zu weinen und zu schlottern, Ekhanner zu beten, Jonis befingerte nervös und bleich sein Medaillon. »Scheusal« Kertz lachte und sagte mit deutlich verstärktem Speichelfluss: »Endlich geht’s los!«
Den 5. Blättermond über bereitete die Dritte Kompanie des Zweiten Bataillons ihre Waffen und ihre Ausrüstung auf einen sechstägigen Marscheinsatz vor.
Fenna unterrichtete Lement. Der schien sich tatsächlich zu freuen. »Ich bin schon viermal im Affenmenschengebiet gewesen. Es ist sehr interessant dort, Pflanzen und Tiere, die es sonst nirgends gibt.«
»Und die Affenmenschen?«, erkundigte sich Fenna.
Lement lachte. »Die lassen sich doch ohnehin nie blicken.«
Fenna hatte auch das Bedürfnis, sich von Ilintu zu verabschieden. In den bald drei Monden seines Hierseins war er bei ihr nicht nennenswert weitergekommen, aber dann wiederum hatte er den Eindruck, dass sie mit keinem anderen Angehörigen der Festung einen freien Abend unter vier Augen verbracht hatte, so wie mit ihm in der Mitte des Sonnenmonds. Er hatte sie noch nie gefragt, ob sie außerhalb der Festung einen Mann hatte, aber sie wusste von ihm, dass er nie geheiratet hatte.
Kurz vor der Schwelle zum Lazarett kehrte er wieder um. Es war lächerlich. Er zog nicht in einen Krieg. Nach sechs Tagen Geleitschutz für einen Planwagen würde er wieder zurück sein.
Als er sich umwandte vorm Lazarett, fuhr tatsächlich genau jener Wagen durchs Südtor in die Festung ein. Die rundgespannte Plane war womöglich einmal weiß gewesen, jetzt sah sie aus wie fleckiger Sand. Fenna überquerte den Hof und ging auf die Händler zu, die hinter den vier Zugpferden auf dem Kutschbock saßen.
»Willkommen in der Festung Carlyr«, sagte er. »Ich bin Leutnant Fenna, einer der beiden Leutnants der Dritten Kompanie, die Euch nach Norden begleiten werden.«
»Ahhh, ja.« Der Händler grinste und spuckte Kautabak aus. »Neu hier, was?«
»Drei Monde sind’s schon.«
»Ahhh, das ist doch gar nichts. Ich hab mein ganzes Leben in dieser Gegend verbracht. Angenehm, Leutnant! Ich bin Emjen Raubiel, und das ist meine Tochter Onida.« Fenna gab beiden die Hand. Emjen Raubiels Zähne waren lückenhaft und vom Kautabak dunkelbraun verfärbt. Seine faltige Haut erinnerte an geschnitztes Holz. Onida Raubiel war zwar keine Schönheit wie Ilintu, aber mit ihren klaren, hellen Augen und der schmalen Taille für Fennas Geschmack dennoch deutlich zu attraktiv und zu jung. Sie schien ein Mädchen zu sein, das eher als Junge aufgewachsen war, Jungenarbeit verrichtete und sich nur schwerlich vom bereits ziemlich betagten Vater im Zaum halten ließ. Fenna hatte gehofft, die Händlertochter wäre ein vertrockneter Besen, weil es dann weniger Probleme mit den Männern geben würde. Der schleimige Schäkerer Resea war zwar nicht mehr dabei, aber Fenna konnte ein Schaudern nicht unterdrücken, wenn er sich vorstellte, wie »Scheusal« Jeo Kertz sich vor der aparten Händlerstochter doppelt so stark ins Zeug legte wie sonst. Soldaten tendierten ohnehin dazu, alle Frauen hübsch zu finden und romantisch zu überhöhen. Das lag in der Natur der Dinge: Frauen waren ein seltenes, beschützenswertes Gut für einen Angehörigen der Armee. Es sei denn, sie trugen selbst eine Uniform oder waren sogar eine Vorgesetzte wie Loa Gyffs. Gyffs war auch nicht gerade hässlich, aber sie setzte Strenge und Autorität ein, um nicht als Frau, sondern als Offizier wahrgenommen zu werden. Für einen blutjungen Leutnant hatte sie dieses Problem hervorragend in den Griff bekommen.
»Angenehm, Leutnant Fenna«, sagte Onida Raubiel nun und lächelte dabei spöttisch. »Ich fühle mich schon gleich viel sicherer, jetzt, wo ich weiß, dass Ihr auf mich aufpassen werdet.«
»Na ja. Ihr werdet in keinerlei Hinsicht etwas zu befürchten haben«, gab Fenna zurück. »Das wird ein Spaziergang mit Planwagen, mehr nicht. Morgen bei Sonnenaufgang geht es los. Ruht Euch bis dahin in der Festung aus.«
Als Fenna in sein Quartier zurückkehrte, war Gyffs noch immer mit dem vom Hauptmann ausgehändigten Kartenmaterial beschäftigt. »Ich habe schon mit unseren Männern gesprochen, Eremith«, sagte sie, ohne aufzublicken. »Garsid traut sich zu, den Weg anhand der Karte zu finden. Er sagt, er verfügt über genügend Grenzlanderfahrung, um sich orientieren zu können.«
»Er kennt aber eher das westliche Grenzland, oder?«
»Ja, die Galliko-Region. Aber landschaftlich soll das dort ziemlich ähnlich sein. Erst weiter nördlich beginnt die Fremdartigkeit.«
»Jovid Jonis hat mir übrigens mal erzählt, dass er ganz gut zeichnen kann. Wir sind also in der Lage, eine eigene Karte anzufertigen und vor allem den Ort, an dem wir das Lager anlegen, zu skizzieren, auch wenn dieser Ort vom ursprünglichen Plan abweichen sollte.«
»Das ist gut. Sehr gut sogar. Wir sollten ihn mit ausreichend Papier und Zeichenmaterial eindecken.«
»Darum kann ich mich kümmern. Haben die Wegpunkte, an denen wir uns entlangbewegen sollen, irgendwelche Namen?«
»Zuerst halten wir auf eine bestimmte Felsformation im Norden zu, die aussieht wie zwei Säulen. Dann folgen wir diesem Flusslauf, der im Hochsommer ausgetrocknet sein soll, zu dieser Jahreszeit aber giftiges Wasser führt. Dann queren wir ein Gasfeld, da wird es wohl unangenehm, da müssen wir mit Tüchern vorm Gesicht arbeiten, und auch darum sollten wir uns heute noch kümmern, damit alle entsprechend ausgerüstet sind. Zuletzt müssen wir nur noch zwischen diesen Hügeln hindurch – die Karte zeigt, welche Pfade wir nehmen müssen. An dem Ort, wo wir den Proviant verbuddeln, soll der Boden recht weich sein, und es liegen genügend Steine zum Abdecken herum.«
Fenna betrachtete die zerknitterten Pergamente mit den kreuz und quer laufenden Linien. »Giftfluss. Gasfeld. Das klingt, als würde ich wieder zurückkehren nach Chlayst.«
»Ja. Aber diesmal ist Chlayst nicht nur eine Stadt, sondern gleich ein ganzer Landstrich.«