Döblinger Volkswohnungsbau, Villen
und Weinberge
Auf Döblinger Boden erheben sich die Wiener Hausberge Kahlen- und Leopoldsberg, an deren Hängen die Trauben für den „Stadtwein“ reifen, der in den Heurigen von Heiligenstadt, Grinzing, Nussdorf, Sievering und Grinzing durch die Kehlen von Kennern, aber auch busweise angekarrter Touristen rinnt. Städtebaulich Interessierte finden dort gediegene Villen und mit dem Karl-Marx-Hof das architektonische Aushängeschild des Roten Wien.
Die proletarische Wohnanlage wurde von der damaligen sozialdemokratischen Stadtverwaltung übrigens ganz bewusst in dem seit dem ausgehenden 19. Jh. vom wohlhabenden Bürgertum entdeckten und christlich-sozialen Wählerschichten dominierten 19. Bezirk postiert. Der war 1892 als Zusammenschluss mehrerer Weinhauervororte wie Grinzing oder Nussdorf unter dem Namen „Döbling“ nach Wien eingemeindet worden.
Noch bevor das gut situierte städtische Bürgertum die Vorzüge des Wohnens am Fuße der Weinberge erkannte, hatte Ludwig van Beethoven um 1800 in wechselnden Weinhauerhäusern Quartier bezogen, sodass rund um den bis heute dörflich anmutenden Heiligenstädter Pfarrplatz nicht nur attraktive Weinlokale zu goutieren, sondern mehrere → Beethoven-Wohnungen in Augenschein zu nehmen sind. Im Jahre 1830 ließ sich der Seidenfabrikant Rudolf Arthaber ganz in der Nähe ein repräsentatives Domizil erbauen, das 1870 von dem jüdischen Bankier Leopold von Wertheimstein gekauft wurde. Wiederum ein paar Straßen weiter gönnte sich die von Gustav Klimt porträtierte Großindustriellengattin Sonja Knips 1924 in der Nachbarschaft der nicht minder bemerkenswerten → Insektenpulverfabrik Zacherl eine recht ansehnliche Bleibe.
Zwischen → Villa Wertheimstein und → Haus Knips erklimmt die ebenfalls von einer Reihe unbescheidener Villen aus dem 19. Jh. gesäumte Straße Hohe Warte einen gleichnamigen Hügel, auf dem sich um 1900 eine Gruppe von Künstlern in der → Villenkolonie Hohe Warte ansiedelte und die schöne Aussicht auf → Kahlen- und → Leopoldsberg genoss. Letztere sind von nicht motorisierten Reisenden bequem mit dem Bus (38 A) zu erreichen, der auf dem Weg (von der U-Bahnhaltestelle Heiligenstadt) nach oben besagten Heiligenstädter Pfarrplatz, das pittoreske Weinhauerdörfchen → Grinzing, das Naherholungsgebiet → Am Cobenzl mit dem → Lebensbaumkreis Am Himmel und das Krapfenwaldbad passiert, in dem dem Vernehmen nach nur die Allerschönsten beiderlei Geschlechts die Hüllen fallen lassen.