Spaziergang 7: Rund um den
Naschmarkt
Der Naschmarkt ist ein von mediterran-orientalischem Flair umwehtes kulinarisches Schlaraffenland, das von der Secession und anderen architektonischen Denkmälern des Wiener Jugendstils, dem Theater an der Wien und zahlreichen Cafés und Kneipen umringt wird.
Obgleich der Name des Marktes wie geschaffen scheint, leitet er sich nicht etwa vom Verb „naschen“, sondern vom ostmitteldeutschen Wort „Asch“ für (Milch-)„Eimer“ ab, da der Vorläufer des Naschmarkts ein reiner Milchmarkt war. Der wurde seit 1774 am Rande des Karlsplatzes abgehalten und 20 Jahre später mit einer Konzession für den Handel mit Obst und Gemüse ausgestattet.
Erst nachdem Wieden 1850 als 4. Bezirk in die Stadt Wien eingemeindet, das Flüsschen Wien reguliert und überbaut und die Installation der Stadtbahnlinie(n) abgeschlossen war, bezog der Naschmarkt im Jahre 1916 seinen jetzigen Standort. Weil er täglich und stationär abgehalten werden sollte, war das in drei parallele Zeilen aufgeteilte Marktgelände bis dahin mit gemauerten Pavillons, Wasserstellen und Toilettenanlagen versehen worden. Die größtenteils noch im Originalzustand erhalten gebliebenen historischen Zweckbauten sind im dekorativen Baustil orientalischer Basare gestaltet und bilden zusammen mit Otto Wagners ornamentverzierten Wienzeilehäusern und dessen grün-weißer Stadtbahnstation Kettenbrückergasse eine gefällige Kulisse für das bunte lukullische Treiben zwischen Linker und Rechter Wienzeile.
Parallel zur Linken Wienzeile mit dem gut 200 Jahre alten Theater an der Wien verläuft mit der alltagscharmanten Gumpendorfer Straße die zweite Hauptschlagader des Mariahilfer Stadtteillebens. Sie wird von einem museal umgenutzten Flakturm aus dem Zweiten Weltkrieg bewacht und bietet mit dem Café Sperl eines der schönsten Kaffeehäuser der Stadt.
Jenseits der Rechten Wienzeile schließt sich
das Freihausviertel an, das nach einer der ersten großen
Mietskasernen der Stadt benannt ist. Das Freihaus wurde 1684
errichtet und nach einem Brand im Jahre 1759 wieder aufgebaut und
zu einem mehrstöckigen Wohnkomplex mit 170 Wohneinheiten und sechs
Innenhöfen erweitert. Es beherbergte seit dem ausgehenden
18. Jh. weit über 1.000 Menschen und bedeckte in etwa das
heutige Areal zwischen Ressel- und Heumühlgasse, Rechter Wienzeile
und Wiedner Hauptstraße. Es war bei seiner Entstehung ein autonomes
Gebiet mit eigener Gerichtsbarkeit und erhielt 1787 sogar ein
eigenes Theater, aus dem später das Theater an der Wien hervorgehen
sollte. Nachdem man bereits 1913 mit seiner Demontage begonnen
hatte, wurde das Freihaus mit dem Abbruch des letzten Gebäudetrakts
in den 1970er Jahren im materiellen Sinne Geschichte, wobei sein
Gemeinschaftssinn im kollektiven Gedächtnis des kulturell und
kommerziell rührigen gleichnamigen Grätzels bis heute weiter
lebt.