19. Kapitel
Das kleine Café an der Rue de la Loi ist schäbig, melancholisch und verraucht. Die Art von Lokal, in dem Aschenbecher nicht geleert werden und Gäste hastig verzehren, um wieder ins Freie zu kommen. Nur die Hartgesottenen, die Trinker und Heimatlosen, verweilen hier länger und verströmen eine Aura der Trostlosigkeit. Bruno Laurenz rümpft die Nase, denn dies ist längst nicht mehr seine Welt. John Schultz hat das Café ausgesucht, um Bruno zu quälen, nein, um umgestört zu sein. Hierher verirren sich keine Journalisten, Beamte oder Abgeordnete, hier ist Niemandsland. Der Wirt, ein ehemaliger Fremdenlegionär, sammelt Blumenstillleben und hat die unverputzten Wände mit Brueghel-Kopien dekoriert.
Schultz trinkt »Duvel« aus der Flasche, preist das belgische Bier und amüsiert sich über Brunos angewidertes Gesicht. »Das hier ist das wahre Brüssel«, sagt er, nachdem er sich mit dem Handrücken Schaum vom Mund gewischt hat.
Behaarte Hände, Kojotenaugen und breiter amerikanischer Südstaatenakzent: Er ist ein Frauentyp, denkt Bruno, weil dieser Mistkerl trotz allem attraktiv ist. Der Typ Marlboro-Mann, vermutlich haben sie ihn nach diesen Kriterien ausgesucht, zum »Senior Consultant« befördert und nach Europa geschickt. An den Sprachkenntnissen kann es nicht liegen, denn John ist stolz darauf, kein Wort Französisch zu sprechen. Dass er sich mit dem Wirt in seiner Version des Englischen über Brueghel den Älteren austauschte, verwunderte Bruno. Schultz meinte hinterher achselzuckend, dass er sich für flämische Malerei interessiere, aber natürlich nur für Originale. »Schönheit kostet eine Menge Geld«, sagte er und entblößte perfekte Zahnreihen. Schönheit, dachte Bruno, werde ich mir später auch kaufen, aber keine alten Schinken, sondern junges Fleisch. Jeder nach seinem Gusto, wenn er’s bezahlen kann. Martin, Gott hab ihn selig, hatte keine hohe Meinung von Schultz, vielleicht hat er ihn sogar gefürchtet. Bruno teilt diese Angst nicht. Der Amerikaner in Brüssel ist dem Intrigenspiel des alten Europa nicht gewachsen. Zu plump, zu direkt – und das Einzige, was für ihn spricht, sind die Summen, die er zu verteilen hat. Der Tabakkonzern im Rücken ist das Interessante an John Schultz – und vielleicht ein arroganter Mangel an Manieren. Wovor hat Martin sich gefürchtet?
»Tut mir Leid um Ihren Boss. Er war ein netter Kerl. Mir gefallen seine Memoiren, wirklich gute Arbeit.« Schultz lehnt sich in dem Bistrostuhl zurück und grinst mit breitem Mund und schmalen Augen. Bruno schaut auf den Aktenkoffer, der dicht neben seinem Stuhl am Boden steht. Nach allem, was er weiß, befindet sich eine Million darin, es ist doch erstaunlich, wie wenig Platz Geld einnimmt. Eine Million für die Diskette, die John so hübsch als »Memoiren« bezeichnet. Das gesammelte Werk des Martin Liebling über die Brüsseler Spitzen, ihre Hobbys, Begierden und Leidenschaften. Es gibt Bücher, für die mehr bezahlt wurde, doch erscheint Bruno dieser Betrag angemessen in Anbetracht der kleinen Leistung, die er dafür erbringen musste. Er hat die Diskette entwendet, einfach aus der Schublade genommen, als Martin einmal vergessen hatte, sie im Safe einzuschließen.
Es war eine Tat ohne besonderen Vorsatz, reiner Zufall, dass er das Ding entdeckte, und der Impuls, es einzustecken, war durchaus spontan. Keine Scham, keine Reue, Bruno zieht es vor, an Glück zu glauben. Einmal im Leben hatte er Glück, und er hat es ergriffen und mit beiden Händen festgehalten.
So schlampig, wie Martin war, fiel es ihm zunächst gar nicht auf. Erst als er die Diskette suchte, im Safe und dann überall im Büro, muss ihm der Gedanke gekommen sein, dass fremde Hände im Spiel waren. Er hat Alicia eingeweiht, davon ist Bruno überzeugt, doch zu ihm hat er kein Wort über die Diskette verloren. Der Gedanke ist bitter, dass er ihm nicht einmal einen Diebstahl zugetraut hat. Der gute alte Bruno mit seinen grauen Anzügen, den grauen Schläfen und der grauen Brille: Man sollte das Grau nicht missachten, weil es für Tarnung steht und für verdeckte Brillanz.
Unterschätzt zu werden, das scheint sich wie ein roter Faden durch Brunos Leben zu ziehen. Begann schon in der Schule, setzte sich an der Universität fort und erstreckt sich auch auf alle Bereiche seines Liebeslebens. Die Ehefrau, sie ist lieb und nett, aber gewiss nicht erste Wahl. Sie war das, was er kriegen konnte, und er hat es genommen. Wie die Diskette, die er zufällig fand, als er in Martins Schreibtisch stöberte, mehr oder weniger aus harmloser Neugierde. Als er sie einsteckte, wusste er ja nicht, dass er einen Schatz gehoben hatte. Das wurde ihm erst klar, als er abends vor seinem Computer saß und die Namen las, das Buch der Eurokraten und ihrer kleinen und großen Schwächen. Manches ist einfach nur komisch, wie die Leidenschaft eines Kommissars für exotische, artengeschützte Zierfische. Anderes brisant, wie sexuelle Präferenzen oder finanzielle Transaktionen der bestechlichen Art. Als John Schultz im Büro anrief und schon beim ersten Treffen die Diskette ansprach, hat Bruno nur kurz gezögert, um sich dann an ein Lebensmotto zu halten, das seiner Form von Bescheidenheit entspricht: Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach …
Eins Komma fünf Millionen Dollar: Die erste Tranche haben sie ihm auf ein Konto auf den Cayman Islands überwiesen. Den Rest hat Schultz in bar dabei. Es ist Geld aus Zigarettenschmuggel, davon geht Bruno aus. Dollars, Euros und Schweizer Franken – insgesamt eine Million. Schwarzgeld, das sie nicht mehr reinwaschen müssen, sondern in eine Diskette investierten. Er mag dieses Wort »Million«, es klingt rund und melodisch. Dr. Bruno Laurenz ist jetzt Millionär, und dafür sollte er Martin dankbar sein. Ist er aber nicht. Seinetwegen kann der Bastard in der Hölle schmoren.
»Ja, es ist ein großer Verlust«, sagt Bruno schließlich und zwingt sich, von dem Koffer weg in die Kojotenaugen zu sehen. Er senkt als Erster den Blick und rührt in seiner Kaffeetasse. Klugheit und Stärke gehen nicht unbedingt konform. Bruno ist ein Bildungsbürger, er hat promoviert und spricht fünf Sprachen fließend. Er ist John Schultz haushoch überlegen – und hat das Blickduell dennoch verloren. Das ärgert ihn, und wenn dies der Fall ist, steigt Rot in seine Wangen. Dass ein Mann errötet, haben Frauen stets komisch und niemals erotisch gefunden. Nun, vielleicht macht eine Million den Unterschied. Die Frauen, die er begehrt, müssen Geld einfach sexy finden. Bruno wünscht sich, dass Schultz ihm den Koffer überreichen und endlich gehen möge. Doch der Amerikaner bestellt noch ein Bier und mustert Bruno mit Verachtung. Der Käufer fühlt sich dem Gekauften überlegen. Das ist irrational und ärgert Bruno bis zu dem Punkt, an dem er darüber nachdenkt, aufzustehen und das Café zu verlassen. Doch der Koffer hält ihn zurück.
»Das mit dem Engländer haben Sie ganz gut hingekriegt. Wie ich höre, hat er sich mit seiner afrikanischen Schlampe nach Cornwall verzogen.
Und unser griechischer Kandidat hat eine ausgezeichnete Presse. Wir werden seine Wahl zu honorieren wissen.«
»Die Kommissare vorzuschlagen ist letztlich eine Entscheidung der Regierungen«, murmelt Bruno.
»Gewiss, aber wir, das Volk, können doch auch unsere berechtigten Interessen einbringen.«
Schultz scheint das komisch zu finden, denn er beginnt zu lachen. Bruno kichert mit, obwohl er schon bessere Witze gehört hat. Seine Frau behauptet, dass er keinen Humor hat, doch er weiß es besser. Horrorfilme bringen ihn zum Lachen. Pornos manchmal, wenn sie unfreiwillig komisch sind. Der Amerikaner hört so abrupt auf, wie er begonnen hat. Er hat seine Hand auf den Koffer gelegt, und seine Stimme ist leise und scharf geworden. »Wir bezahlen gut, Bruno, erwarten dafür aber auch eine gewisse Loyalität. Damit wir uns richtig verstehen: Wir werden Martins Memoiren so diskret nutzen, wie er es getan hat. Mit Fingerspitzengefühl, darauf bildet ihr Europäer euch doch was ein. Ein Kommissionsbeamter hat Kontakt zu mir aufgenommen. Er hat sich über Sie beschwert, Bruno.«
Bruno weiß sofort, wen Schultz meint, und er errötet, wofür er sich hasst.
»Sie waren bei ihm und haben behauptet, Beweise für gewisse Geldflüsse im Zusammenhang mit den Renovierungsarbeiten zu haben. Unser ehrenwerter Freund fand das gar nicht lustig. Stellen Sie sich vor, Bruno: Er dachte, dass Sie ihn erpressen wollen.«
Bruno legt seine Hände auf die Wangen und hält sich mit den Augen an einem Stillleben mit Blumen fest. Sonnenblumen. »Nein, das hat er ganz falsch verstanden. Ich wollte ihn nur warnen, dass solche Behauptungen im Raum stehen.«
»Diese Behauptungen stehen unter anderem auf der Diskette, Bruno. Von der Sie angeblich keine Kopie gezogen haben. Sie haben es geschworen, erinnern Sie sich?«
Mit einer Hand auf der Bibel: Bruno fand die Szene damals schon sowohl dramatisch als auch naiv. Natürlich hat er die Diskette kopiert. Ein Idiot, der das nicht getan hätte. »Ich besitze keine Kopie, John, wirklich nicht. Die Informationen waren an den Rand des Olaf-Berichts gekritzelt. Martin hat immer unsystematisch gearbeitet. Die Diskette war so ziemlich das einzige gesammelte Werk, das er zustande gebracht hat.« Er sieht Schultz beinahe flehend an: »Es gibt keine Kopie, das müssen Sie mir glauben.«
Kojotenaugen, emotionslos auf Brunos Gesicht gerichtet: »Ich glaube an Gott und die Bibel, mein Lieber. Es wäre eine Todsünde.«
Das letzte Wort stößt wie ein Schwert in weiche, ungeschützte Angst. Zum ersten Mal versteht er Martins Furcht vor dem Cowboy. Und entschließt sich zum Gegenangriff, begleitet von einem anzüglichen Lächeln: »Spielen Sie Baseball, John?«
Sein Gegenüber scheint eher amüsiert als beeindruckt. »Ein bisschen, aber mehr als Hobby. Meine Leidenschaft ist Football, Bruno. Und ich war in Chicago, als Ihr Boss in Berlin zu Tode kam. Wir waren gute Partner, er und ich, und es gab keine Differenzen zwischen uns. Denn Martin hat etwas Fundamentales begriffen: Der Wert seiner Sammlung ist sozusagen ideell. Auf einmal auf den Markt geworfen, für lächerliche Erpressungen genutzt, wäre sie vergeudet, verschleudert … nichts mehr wert. In diesem Sinne haben wir sie erworben, Bruno. Es war sehr klug von Ihnen, sie nicht zu behalten. Ich werde, wenn ich das so sagen darf, Martins Testamentvollstrecker sein. Und alle Geheimnisse wahren, wenn es nicht unbedingt notwendig erscheint, sie einzusetzen.«
Bastard! Bruno spült seine Wut mit kaltem Kaffee hinunter, der abscheulich schmeckt. John bestellt sein drittes Bier, und als der Wirt wieder hinter der Theke verschwunden ist, fügt er leise hinzu: »Wenn überhaupt jemand einen Grund hatte, Martin umzubringen, dann sind Sie es, mein Lieber. Schließlich haben Sie ihm die Diskette gestohlen, und früher oder später wäre er dahintergekommen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Mein Hang zu irdischer Gerechtigkeit ist zwergenhaft klein. Aber wenn es um Geschäfte geht, bin ich sehr penibel. Sie haben uns die Diskette verkauft, eine Menge Geld kassiert – und damit sind Sie raus. Keine Besuche mehr bei irgendwelchen Leuten, die auf Martins Liste stehen. Kein Wort über unseren Deal oder die Existenz dieses Dossiers. Wie viel weiß die Sekretärin?«
Er hat sehr leise gesprochen, doch Brunos Ohren glühen. »Alicia? Sie wusste nichts davon. Martin war ein Geheimniskrämer, das wissen Sie doch.« Er hat Alicia geschützt, darauf ist Bruno beinahe stolz. Nicht, dass sie es verdient hätte, doch so übel war sie nicht, dass er sie Schultz zum Fraß vorgeworfen hätte. »Ich habe die Diskette ja auch nur zufällig gefunden.«
»Ein Lottogewinn.« John Schultz hebt den Aktenkoffer hoch und legt ihn auf den Tisch. Er füllt ihn aus, und Bruno starrt darauf wie das Kaninchen auf die Schlange. Sein Mund ist trocken, er sollte etwas trinken, doch jetzt wäre der falsche Moment, nach dem Wirt zu rufen.
Schultz hält seine Hand auf dem Koffer. Er trägt einen schweren Siegelring, den Bruno protzig findet. Amerikaner haben keinen Geschmack, keine Manieren und ein Selbstbewusstsein, das nur auf Einfalt gründen kann. Klugheit ist mit Zweifel verbunden. Bruno hat immer daran gezweifelt, dass die Welt gut genug für ihn ist.
»Sie erwarten ja wohl nicht von mir, dass ich ihn hier öffne, oder? Nachzählen können Sie zu Hause, Bruno. Ein hübsches kleines Häuschen haben Sie, obwohl es doch ziemlich außerhalb liegt. Ihre Frau meint, dass Sie besser in die Stadt ziehen sollten. Sie fürchtet sich manchmal so ganz allein da draußen.«
Furcht ist ein Gefühl, das sich im Magen ausbreitet wie eine große Welle. Sie trägt Bruno in das Niemandsland seiner Ängste, der bösen Welt nicht gewachsen zu sein. Weil sie nicht grau ist, sondern schwarz. Wenn er nachts auf der Straße geht und sie zu zweit auf ihn zukommen, versucht er, die Seite zu wechseln. Es gibt zu viele Schwarze in Brüssel, und zu viele Weiße, die einen auf anderem Niveau überfallen und ausrauben. Bruno ahnt, worauf der Kojote hinaus will. Was er getan hat. Und denkt, dass man für alles zahlen muss, auch für eine Million. Zum ersten Mal wünscht er sich, dass dies alles nicht geschehen wäre: die Mitnahme der Diskette, Martins Tod, seine Begegnung mit John Schultz. Das Leben vorher war langweilig, frustrierend manchmal, aber er hatte es unter Kontrolle. Er hat sie verloren, und John Schultz lächelt auf eine Weise, die die Welle überschwappen lässt. Er könnte jetzt den Koffer an sich reißen, aus dem Café laufen, ins nächste Taxi steigen und zum Flughafen fahren. Das könnte er, doch seine Hände und Füße sind taub, wie gelähmt. Bruno kann sich nicht bewegen, nur gezwungen lächeln und die Worte formen: »Was haben Sie mit ihr gemacht?«
»Nichts, was Anstand und Sitte verletzen würde, Bruno. Was denken Sie von mir? Wir haben geplaudert – und sie hat mir das Haus gezeigt. Eine nette Frau haben Sie, vielleicht ein wenig redselig, aber manche Männer mögen das. Ich wusste gar nicht, dass Sie ein Faible für Modelleisenbahnen haben. Sehr hübsch, was Sie da im Keller gebastelt haben.«
Furcht wandelt sich in Wut, und das ist gut so. Bruno verflucht Margret, denn es muss einen Schuldigen geben. Die Idiotin, die er geheiratet hat, wusste nichts Besseres zu tun, als Schultz zum Versteck zu führen. Die Diskettenkopie im Bahnhofshäuschen: Das Schwein hat sie gefunden. Er kann es in seinem Gesicht sehen, in dem überlegenen Grinsen und in diesen grauenhaften Augen. Vermutlich fand Margret ihn sogar anziehend, sie ist eine so dumme Person. Bruno wird sie verlassen, sobald er das Geld hat. Das blöde Haus kann sie seinetwegen behalten, doch die Katze wird er mitnehmen. Das einzige Wesen, das ihn nie unterschätzt hat. Bruno räuspert sich vor seinem Kotau: »Gut, John, Sie haben mich erwischt. Ich bin tot. Kann ich nun das Geld haben?«
Seine Hand schiebt den schwarzen Aktenkoffer in Brunos Richtung, nur ein paar Millimeter. »Kann ich davon ausgehen, dass ich die einzige Kopie, die existierte, gefunden habe? Überlegen Sie gut, was Sie jetzt sagen, Bruno. Wenn Sie mich noch einmal anlügen, hätte das fatale Folgen für Sie.«
Er hat schon verstanden. Bruno legt die rechte Hand auf sein Herz: »Ich schwöre beim Leben meiner Katze. Oder bei Gott – was immer Sie wollen.«
Der Aktenkoffer rückt noch ein paar Millimeter in Brunos Richtung. Schultz scheint zu überlegen, doch dann lächelt er breiter denn je. »Hol’s der Teufel, ich glaube Ihnen. Nehmen Sie den Koffer, Bruno, und verschwinden Sie von hier. Gehen Sie in Ihr Büro oder in Ihr Häuschen, spielen Sie mit der Katze, und halten Sie die Klappe. Dann wird alles gut.«
Das Gefühl der Demütigung wiegt in diesem Moment schwerer als der Aktenkoffer. Das Gewicht einer Million zieht Bruno nach unten, doch er steht gerade und mit geröteten Wangen vor seinem Peiniger. Das Gewicht macht ihn stärker, und er sagt: »Adieu, du Dreckstück. Ich werde weit genug wegfahren, um dich nie wieder zu sehen.«
Die Worte in seinem Rücken hört Bruno nicht mehr. Dass John Schultz sagt: »Das glaube ich gern.« Bruno verlässt das Café und schlägt die Tür hinter sich zu. Sie knarrt nur ein wenig, doch zumindest in diesem Moment fühlt er sich wie ein Held. In einem miesen Stück, zugegeben, doch alles wird gut, daran glaubt er jetzt. Die Sonne scheint, und in seiner Hand trägt er die Hoffnung auf eine strahlende Zukunft.
Er glaubt es noch, als er die Rue de la Loi überquert, um auf die andere Straßenseite zu gelangen. Bruno macht große Schritte, doch die Geschwindigkeit des Wagens, der auf ihn zufährt, hat er unterschätzt. Viel zu schnell fährt er, und Bruno, während er sein Tempo beschleunigt, denkt noch, dass der Fahrer bremsen wird. Dies hier ist Brüssel am hellen Tag, und Bruno geht über weiße Streifen für Fußgänger. Es gibt Verkehrsregeln, und daran hat sich Bruno immer gehalten.
Er denkt, dass er den Sprung auf den Gehweg schaffen wird, als er einen Schlag spürt, die Berührung mit etwas, das so viel mächtiger ist als sein Körper. Dann fliegt Bruno ein Stück und landet auf dem harten Boden. Es tut weh. Der Himmel ist weiß. Und er denkt, dass Sterben ein Zufall ist. Ein Irrtum, oder etwa nicht?