Mary Roos
Roos is a Roos is a Roos is a Roos
Mary Roos wurde am 9. Januar 1949 in Bingen geboren. Sie ist Sängerin, Schauspielerin und ein Schatz. Wir haben neulich mal versucht, uns zu erinnern, seit wann wir drei uns «kennen», kamen aber nur auf die gemeinsame Station «Blond am Freitag». Da ich (Hella) nun mal vier, knapp zwei Monate im Jahr auch fünf Jahre älter bin als Conny, bin ich auch länger Fan von Mary. Das kann nicht daran liegen, dass Mary 1958 schon sang: «Ja, die Dicken sind so gemütlich», da war ich ja erst in Planung. Aber bei «Arizona Man» 1970 war ich dabei!
Ich (Conny) bin spätestens 1984 zum Fan geworden. «Aufrecht gehen» hat mir viel Kraft gegeben, als meine Mutter schon sehr krank war.
Wann immer wir Mary Roos also zum ersten Mal persönlich begegnet sind – wir beide waren richtige FANS. Mich (Hella) würde es nicht wundern, wenn ich vor ihr auf die Knie gefallen bin – immerhin war sie die erste Deutsche, die Gast in der Muppet Show war.
So. Jetzt habe ich ja eine komplette Sternzeichenklatsche und will nicht unerwähnt lassen, dass meine fünf deutsch singenden Lieblingsstars alle Steinbock im Sternzeichen sind: Mary Roos, Hildegard Knef, Caterina Valente, Inga Humpe und AnNa R. Alles Steinziegen. Und jetzt sind Sie dran! Gunter Sachs selig hätte an dieser empirischen Erhebung hundertprozentig seine Freude gehabt.
Mary sollte also bei «Lafer! Lichter! Lecker!» kochen und wünschte sich mich als zweiten Gast. Na bravo.
Ich (Conny) hatte als Hellas Managerin bisher alle Einladungen zu Kochsendungen standhaft weggebissen. Aber diesmal blieb keine Wahl. Wenn Mary ruft, kommen wir! Zum Glück. Es wurde eine sehr unterhaltsame Show. Nach der Aufzeichnung interviewten wir Mary in einer Barderobe. (War ein Raum, in dem die dicke Tante [also ich, Hella] sich umziehen konnte, der aber auch ’ne Bar beherbergte.)
HvS: Meine liebe Mary, wir sind sehr interessiert daran, ob du irgendwo ’ne Schraube locker hast?
MR: Das trifft den Nagel auf den Kopf! Ich gehe gerne in Baumärkte und kaufe Akku-Schrauber und alle möglichen Geräte. Gerade hab ich meinen Teppichboden verlegt. Ich mache alles selbst, was ich mit Händen machen kann. Wenn ich da reinkomme, rufen die schon: «Aaaah, Frau Roos, was machen wir denn heute? Was brauchen wir denn? Farbe? Kleinen Bohrer? Oder was darf’s sein?» Das ist eine Macke von mir. Ich habe jetzt vier Bohrer. Ich brauche eigentlich nur einen. Aber ich habe vier Bohrer, die immer griffbereit sind, egal, ob ich etwas mit Steinen mache oder mit Holz. Jetzt habe ich mir noch einen kleinen Akku-Schrauber gekauft. Damit ich schrauben kann. Alles liegt griffbereit. Ich bin ja nicht so ordentlich, aber mein Werkzeug liegt sofort zack-zack!

CS: Hast du eine Wand, wo du die Umrisse vorgezeichnet hast? Bohrer, Hammer, Säge – so wie bei Leichenfunden?
(Lacht.) Nein, aber ich habe ein großes Regal, und da steht alles drauf, von Terpentin über Farbe über meine Bohrmaschinen, Marmeladengläser voller Nägel und Schrauben – alles da!
Ist das denn wirklich ’ne Zille? Erst mal sagt mir das ja, dass du extrem patent bist.
Wenn ich vier Bohrmaschinen habe und nur eine brauche, ist das schon ’ne Macke. Wahrscheinlich werde ich mir auch noch ’ne fünfte kaufen, wenn sie schön aussieht.
Das Design fixt dich an?
Ja, und ich finde auch immer wieder, wenn ich eine neue sehe, dass die vielleicht handlicher ist. Schneller geht. Dass sie leiser ist, nicht so ’ne lange Aufladezeit hat, falls ich mal den Akku brauche. Alles das sind so Sachen, bei denen ich schon gedacht habe: «Die hat sie doch nicht mehr alle, die Alte! Das kann doch nicht normal sein?!»
Zu den Bohrmaschinen hast du also eine besondere Affinität. Und hast du nur einen Hammer?
Nein, nein. Ich habe auch verschiedene Hämmer.
In allen Größen?
Na ja, in vier Größen. Vier Hämmer, in normalen Größen. Die man so braucht.
Und Schraubenzieher sind es dann aber 25, oder was?
Schraubenzieher habe ich ein ganzes Set. Schraubenzieher braucht man. Man braucht ’n Kreuzschraubenzieher. Man braucht ’n Schlitzschraubenzieher. Man braucht das.
Für welche Arbeiten muss denn ein Handwerker kommen?
Von elektrischen Sachen lass ich die Finger. Und ich habe jetzt was gemacht, was ich nie wieder selbst machen würde! Ich habe unter dem Waschbecken in der Küche den Siphon rausgedreht!
(Wir heulen auf.)
Das Rausdrehen war einfach! Aber das Reinkriegen! Ich glaube, ich habe drei Stunden gebraucht. Das werde ich nie wieder tun!
Aber was für ein Ehrgeiz!
Ja! Ich dachte: «Ich kapituliere nicht!» Wisst ihr, ich bin nicht so die typische Frau, die dann sagt: «Ach, dann geh ich mal zum Nachbarn, der hilft mir …» Ich dachte: «Nö! Jetzt hast du’s rausgeschraubt, jetzt mach mal!» Drei Stunden hat das gedauert! Aber zum Schluss …
… hat’s nicht getropft?
Nein. Ich habe heißes Öl reingegossen.
Respekt!
Das heißt, Freunde von dir wissen schon, womit sie dir zu Weihnachten oder zum Geburtstag ’ne Freude machen können?
Langsam ist der Keller zu klein. Aber meine Nachbarn kommen immer und sagen: «Kannst du mir mal deinen Kreuzschlüssel geben?»
Und bringen sie ihn zurück?
Ja, darauf lege ich Wert. Wie mit Büchern. Die dürfen nicht verloren gehen.
Aber wenn du in solch einer intimen Beziehung zu deinem Werkzeug stehst … dann finde ich es bemerkenswert, dass du das überhaupt verleihen kannst!
Ja, das verleihe ich. Ich verleihe überhaupt alles. Aber ich finde, dieses Wiederbringen, das ist was ganz Wichtiges. Ich gebe alles ab, aber ich möchte es bitte wiederhaben. Ich habe jetzt zum Beispiel jemandem Geld geliehen und komme mir jetzt vor, als ob es umgekehrt gewesen ist. Dieser Mensch sagt nicht: «Kann ich das mit 20,– € abzahlen oder so?» Nein, da kommt gar nichts.
Oh, das kennen wir! Haben auch Tausende Taler verliehen und haben das Gefühl, wir schulden denen was …
Du schuldest denen was. Ja, ganz genau. Und das sage ich auch meinem Sohn Julian: «Julian, es gibt zwei Sachen, bei denen ich ein bisschen zickig reagiere: Wenn du mir nicht sagst, dass du eine Bahn verpasst hast. Weil ich mir dann Sorgen mache. Ich will dich nicht kontrollieren, sondern denke: ‹Oh Gott! Julian ist nicht da!› Das ist nur, weil ich Angst habe.» Das habe ich ihm begreifbar machen können. Und das Zweite war: «Wenn du dir was geliehen hast, bitte gib es wieder zurück!» Das finde ich wichtig. Es gibt ein paar Sachen, die wichtig sind im Leben.
Ja, finde ich auch. Da könnte also durchaus eine Freundschaft dran zerschellen, wenn du eine Bohrmaschine nicht zurückbekommst.
Bei ’ner Bohrmaschine vielleicht nicht, aber wenn ich zinslos Geld verleihe, und dann höre ich von denen ein Jahr nichts mehr – das finde ich scheiße.
Du trägst Eulen nach Athen.
Also, ich bin in anderen Sachen nicht nachtragend. Wenn ich mit jemandem Streit habe und er sagt: «Du blöde Kuh!» – ist bald vergessen.
Hast du noch ’ne Macke?
Die zweite Macke ist, dass ich alles liegen lasse.
Oh … (singt:) «Niemals geht sie so ganz …»
Es ist mir jetzt zum dritten Mal passiert, dass ich mit verschiedenfarbigen Schuhen auf die Bühne gehe! Das ist mir gerade gestern in Bonn passiert. Ich hatte das gaaaaanz große Kleid an, guck an mir runter und sehe: «Hilfe, meine Schuhe!» Und ich hatte nur Stiefel dabei. Ich habe unter diesem Abendkleid meine Stiefel angelassen. Bin auf die Bühne, sage: «Leute, so ist es! Wenn ihr mal wirklich eine Chaotin sehen wollt: hier!» Ich habe mein Kleid hochgehoben und habe die Stiefel gezeigt.
Wenn du verreist, vergisst du dann auch deinen Pass?
Komischerweise nicht.
Und wenn du aus dem Haus gehst, vergisst du dann deinen Schlüssel?
Ja, der Schlüsseldienst wird reich an mir. Weil ich ja auch noch eine Dreifachverriegelung habe, das kostet dann noch mal Extrageld.
Und Handys bleiben auch liegen?
Nein, es gibt so ein paar Sachen, die sind immer dabei. Handy, Pass, Portemonnaie.
Na, wenigstens das. Wenn du jetzt zwei Wochen in Urlaub fährst: Was würdest du am meisten vermissen, wenn du es vergisst? Was ist wichtig?
Ich glaube, mein Glätteisen. Ich habe so ’ne Naturkrause. Ich brauche die ja fast nie zu waschen, die sind total trocken. Aber wehe, ich gehe einmal raus, und es ist feucht, dann habe ich eine Matte wie … wie heißt die aus Hair?
Marsha Hunt.
Genau! So sehe ich aus ohne Glätteisen. Ich habe in fast jeder Handtasche ein Glätteisen.
Hihi! Wie lustig! Glätteisen! Ich dachte zuerst, ihr sprecht von Bügeleisen!!
Nein. Glätteisen. Ja, das ist mir ganz wichtig.
Gibt es Ängste in deinem Leben?
Ich habe so viel mitgemacht. Ich glaube, ich bin ziemlich angstfrei. Ich lebe ja auch alleine. Ich habe auch keine Angst vorm Tod. Hast du Angst, Hella?
Vorm Tod? Ich habe auf keinen Fall Angst vor der anderen Seite. Da bin ich eher neugierig drauf.
Weißt du, was ich mir denke? Wenn ich dahin komme, da sind alle da, die ich mag.
Und genauso visioniere ich das auch. Das gibt mir auch Trost und nimmt mir auch die Angst.
Ja, total! Und die, die ich nicht mag, sind ganz woanders.
Ich weiß auch nicht, wie es gehen soll, aber ich denke genauso.
Und dann sagen die anderen: «Ach, schön, dass du da bist!» Ist eine ganz wunderbare Sache.
Und hast auch keine Höhenangst? Keine Platzangst?
Nein, ich habe gar keine Angst.
Super. Hast du Lampenfieber?
Ja, Lampenfieber habe ich. Aber ich denke, das muss sein.
Das hat Hilde Knef schon gesagt.
Wenn du das nicht mehr hast … ich kenne Kollegen, die sagen: «Ach, ich habe schon zwei Mucken gemacht, ich mache jetzt noch eine.» Das ist so wie Prostitution. Das ist respektlos. Ich habe vor diesem Metier so viel Respekt.
Aber was machst du, um das Lampenfieber in den Griff zu bekommen?
Gar nichts. Ich warte ab.
Ist es beim ersten Ton weg?
Ach, noch nicht mal. Bis zur Mitte der Bühne. Dann ist es weg.
Und gibt es was, wovor du dich ekelst?
Ich würde nie ins Dschungel-Camp gehen. Im Leben nicht. Ich würde nie solche Tiere essen, nur um ein paar Euro zu verdienen. Da würde ich putzen gehen. Das sage ich euch ganz ehrlich. Die haben schon so viel Geld geboten.
Die haben dich schon dafür angefragt?
Ja. Für die Tanz-Show auch und fürs Promi-Dinner auch.
Würdest du das alles nicht machen? Promi-Dinner auch nicht?
Nein.
Wir sind ja alle so ein bisschen abergläubisch. Wie ist es bei dir? Muss ein Glücksbringer mit auf der Reise sein?
Nein. Also, meistens finde ich mich gut. Ich denke immer: «Ach, wenn die das nicht mögen, dann kann ich auch nichts machen.»
Klopfst du auf Holz?
Nein, gar nicht.
Du gehst auch unter Leitern durch? Jetzt wo du’s sagst: Du hast mich eben vor der Aufzeichnung auch nicht zurück bespuckt! Ich habe dich bespuckt, und du hast nicht zurückgespuckt.
Hast du rechts gespuckt?
Nein, ich habe links gespuckt.
Links darf man nie spucken. Im Leben nicht. Du darfst nur rechts spucken. Nie links. Das musst du ignorieren.
Mooooment! Bei dir links! Überm Herzen! Ich habe da gespuckt!
Ach so, dann habe ich das nicht mitgekriegt. Da war ich vielleicht ein bisschen nervös.
Und ich hab gedacht, du hättest extra nicht zurückgespuckt. Wimmer.
Nee, nee! Kannste mir glauben, dass ich das gerne mache! Manchmal denke ich, dass ich vielleicht auch ein bisschen zu unnormal bin für solche Jobs.
Du meinst, zu normal? Ich finde, diese Bodenständigkeit, die macht auch deinen langjährigen Erfolg aus. Dass du keine Zicke bist, keine Diven-Allüren hast, dass du so kumpelhaft und herzlich bist. Ist doch toll, dass du so bist!
Meine Geschwister sind genauso. Einfach ein gutes Zuhause, wo immer jemand zu dir sagt: «Du machst das schon!» Oder: «Ich vertraue dir!» Da kannst du auch groß werden. Aber wenn ständig einer sagt: «Kannst du eh nicht!» – das wird nichts.
Was für ein schönes Schlusswort.
Wir danken dir von Herzen.