Kapitel 17

Zum ersten Mal überhaupt kam ich zu spät zur Arbeit.

Und ich hatte keine brauchbare Entschuldigung. Ich war lange am Fenster stehen geblieben und hatte Zack beim Rasenmähen zugeschaut, in der Hoffnung, er würde sich umdrehen, mich angucken und mir zuwinken. Und mir in seiner gutmütigen Art verzeihen, wie niemand außer ihm das konnte. Doch das tat er nicht. Er mähte nur den Rasen auf dieser Seite des Hauses und ging irgendwann auf die andere, wo ich ihn nicht mehr sehen konnte.

Dann hatte ich in der Küche herumgekramt, meine Schale in den sowieso schon überfüllten Geschirrspüler gestellt und die Maschine angeschaltet, danach mit einem alten Lappen einen klebrigen Kaffeering von der Arbeitsplatte gewischt. Ich hatte alte Zeitungen gestapelt und in die Papiertonne geworfen und Lebensmittel in die Schränke geräumt, die Dad irgendwann eingekauft haben musste und in der Tüte auf dem Küchentisch abgestellt hatte, als fehle ihm die Energie, sie auszupacken. Oder als ginge er davon aus, seine Frau würde den Rest erledigen. Auch wenn er gar keine Frau mehr hatte, und zwar schon sehr lange nicht mehr – falls sie überhaupt jemals wirklich anwesend gewesen war.

Celia hatte aufgehört zu duschen und ich war nach oben gegangen ins Bad. Beim Haarewaschen wurde mir auf einmal klar, dass ich über Celias bösen Sprüchen, Dads schweigsamem Aufbruch und der Tatsache, dass Zack mich ignorierte, die Zeit völlig aus den Augen verloren hatte.

Am Ende kam ich eine Viertelstunde zu spät zur Arbeit, mit feuchten Haaren und schludrigem Make-up. Außerdem hatte ich auch noch meine Kappe vergessen.

»Tut mir furchtbar leid«, keuchte ich, als ich ins Büro rannte, um mich einzuloggen. »Ich hab mich einfach mit der Zeit vertan.«

Georgia sortierte gerade Coupons und tat Gummis um die einzelnen Stapel. Sie lehnte sich in ihrem Bürostuhl zurück, der knarrte, und musterte mich, bevor sie etwas sagte.

»Wo ist deine Kappe?«, fragte sie. »Na ja, egal. Aber richte dir wenigstens mal die Haare.« Sie reichte mir eins von den Gummibändern, und während ich mir einen Pferdeschwanz machte, beugte sie sich vor, zog eine zerdrückte Kappe aus einer Schublade und schüttelte sie zurecht. »Nimm die hier.«

»Danke«, sagte ich und griff danach. »Der Traum meiner schlaflosen Nächte.« Aber anders als sonst antwortete Georgia nicht mit einer launigen Bemerkung. Ich kannte den abweisenden Tonfall, die zusammengepressten Lippen, das wortkarge Nicken. Ich hatte Georgia schon öfter so erlebt – und zwar, wenn sie wirklich verärgert war über jemanden, der hier arbeitete. Als ich begriff, dass sie zum ersten Mal überhaupt sauer auf mich war, krampfte sich mein Magen zusammen. Herrgott, war denn auf einmal die ganze Welt gegen mich?

Ich setzte die Kappe auf. »Es tut mir wirklich total leid«, begann ich, aber Georgia unterbrach mich mit einem Kopfnicken.

»Geh jetzt endlich nach vorne«, sagte sie. »Greg musste wegen dir extra länger bleiben. Stell dich an die Kasse. Es ist bald Mittagszeit, da wird’s voll.«

»Georgia, im Ernst, ich bin …«

Sie warf mir einen Blick zu. »Später, okay? Ich brauch dich jetzt an der Kasse.«

Ich nickte und ließ sie weiter ihre Coupons sortieren.

Der Mittagsbetrieb begann früher als sonst – gleich nachdem ich Greg abgelöst hatte – und ich fühlte mich bald überfordert. Ich war so neben mir, dass ich dauernd Fehler machte. Ich drückte auf die falschen Tasten, vergaß, Rabatt zu gewähren, kam beim Herausgeben durcheinander und musste Georgia holen, die die Kassenlade mit einem Schlüssel öffnete, damit ich meine Fehler korrigieren konnte. Zweimal wurde ich von aufgebrachten Kunden sogar richtig zusammengestaucht.

Georgias Laune sank mit jedem meiner Fehler weiter in den Keller, aber das Ganze hatte trotzdem eine gute Seite: Ich war derart beschäftigt und machte mir solche Sorgen, wie ich ihr meine miserable Leistung erklären konnte, dass ich gar nicht dazu kam, über Cole, Zack oder Bethany nachzudenken.

Als es ein bisschen ruhiger wurde, spürte ich eine Hand an meiner Taille und hörte Georgias Stimme, die jetzt weicher klang, mehr wie Georgia sonst.

»Komm, lass uns reden«, sagte sie. Dann rief sie Richtung Küche: »Jerry? Kannst du mal für einen Moment an die Kasse, bitte?«

Ich folgte Georgia in ihr Büro. Sie setzte sich, ich blieb mit der Schulter gegen den Türrahmen gelehnt stehen – der Raum war so klein, dass kein zweiter Stuhl hineinpasste.

Erst einmal sagte sie gar nichts. Sie beugte sich nur vor, öffnete den Safe, warf eine leere Geldtasche hinein und schloss die schwere Tür wieder ab. Wie es aussah, war sie doch noch böse auf mich. Wenn sie nicht bald den Mund aufmachte, würde ich verrückt werden und schreiend auf die Straße laufen – noch jemanden, der mich anschwieg, konnte ich nicht ertragen.

Doch irgendwann lehnte sie sich zurück, schob die Finger unter die Brille und rieb sich die Augen, dann sah sie mich lächelnd an.

»Viel zu tun heute«, sagte sie. »Die ganze Woche geht das schon so. Komm, lass mich deine Haare in Ordnung bringen.«

Ich folgte ihrer Handbewegung und drehte mich um. Ihr Stuhl knarrte, dann spürte ich, wie sie mir die Kappe absetzte und das Gummiband löste. Die Haare fielen mir auf den Rücken. Georgia glättete sie ringsherum sorgfältig und machte mir dann wieder einen Zopf.

»Du bist heute nicht ganz bei dir, Liebes«, sagte sie mit undeutlicher Stimme. Anscheinend hatte sie irgendwas zwischen den Lippen, die Kappe oder das Gummiband.

Ich zuckte mit den Achseln. »Stimmt. Ich hab eine richtig miese Nacht hinter mir. Tut mir leid.«

Es ziepte, als sie mir das Gummiband über die Haare streifte. Ich zuckte zusammen, sagte aber nichts.

»So!«, meinte sie. Ich drehte mich um und sie gab mir meine Kappe zurück, dann setzte sie sich wieder hin. »Mach dir nichts draus«, sagte sie. »Es gibt Leute, die kreuzen einfach gar nicht auf und bilden sich trotzdem ein, sie könnten am nächsten Tag wieder hierher zum Arbeiten kommen. Greg war heute Morgen auch zu spät. Ist er übrigens fast immer, der faule Knochen. Aber du hast nicht vor, das zur Dauereinrichtung werden zu lassen, nehme ich an?«

Ich setzte die Kappe auf und schüttelte energisch den Kopf. »Das passiert nicht noch mal, versprochen.«

Sie wedelte mit der Hand. »Ach, Schätzchen, ich mach doch bloß Spaß. Jeder hat mal einen schlechten Tag. Aber hör zu. Dave kreuzt in letzter Zeit andauernd hier auf. Nan vom Chancy-Avenue-Lokal hat mir erzählt, dass er gerade ziemlich rumwütet. Anscheinend hat er den Leiter von der Innenstadtfiliale beim Klauen erwischt und bildet sich jetzt ein, wir wollten ihn alle drankriegen. Nan sagt, er feuert massenhaft Leute, aus dem kleinsten Anlass. Nur darum drückt sich das alte Arschloch dauernd hier rum.«

»Oh«, machte ich. »Dann hätte er mich heute garantiert rausgeschmissen.«

Sie nickte. »Kann schon sein. Und mich vielleicht gleich mit.«

Ich lehnte mich wieder gegen den Türrahmen. Den Job zu verlieren war wirklich das Letzte, was ich brauchte. Ich hatte höchstens die Hälfte von dem Geld für Colorado zusammen – und das auch nur dann, wenn Bethany nicht irgendwelche kostspieligen neuen Ideen hatte, zum Beispiel einen Campingbus oder Sternegucken in einer exklusiven Berghütte. Wie immer, wenn ich an Colorado dachte, war ich sofort aufgeregt, darum wanderten meine Finger unwillkürlich zu der Kette um meinen Hals. Doch dieses Mal war es ein anderes Gefühl als sonst: nicht die freudige Erwartung, dass der Tag näher rückte, an dem ich endlich dorthin käme, sondern Unruhe über das, was am Vorabend mit Bethany passiert war. Ich konnte mir zwar kaum vorstellen, dass sie wegen Coles Ausraster gar nicht mehr würde fahren wollen, aber vielleicht bezweifelte sie, ob ich überhaupt noch mitwollte. Wir hatten uns schon öfter gestritten, uns aber immer wieder versöhnt. Ich hoffte nur, dass das auch diesmal der Fall sein würde.

Ich hätte sie gleich morgens anrufen und mich auf der Stelle entschuldigen sollen. Ich beschloss, das sofort nachzuholen, wenn meine Schicht vorbei war.

»Hör zu«, sagte Georgia jetzt und beugte sich vor. »Ich sag dir trotzdem, was ich allen sage. Lily kommt im Herbst in die Schule und ich brauch dir nicht groß zu erklären, was das bedeutet: Es wird uns eine Stange Geld kosten, sie irgendwo hinzuschicken, wo sie gut aufgehoben ist. Was heißt, ich kann mir absolut nicht leisten, meinen Job zu verlieren. Darum brauche ich alle Hilfe, die ich kriegen kann. Und wer mir hilft, dem helfe ich. Du weißt, dass ich immer hinter euch stehe.«

Vorne ging die Türglocke und wir beugten uns beide vor, um zu sehen, wer das Lokal betrat. Es war ein älteres Ehepaar, mit dem Jerry offenbar ohne Hilfe klarkam. Die Anspannung, unter der Georgia stand, war beinahe zum Greifen, auch wenn sie sich jetzt wieder zurück auf ihren knarrenden Stuhl sinken ließ. Die Sache mit Dave machte ihr sehr zu schaffen.

Ich konnte es ihr nicht verdenken. Georgias Tochter Lily hatte als Baby eine Art Unfall gehabt, darum hatte sie jetzt verschiedene gesundheitliche Probleme und war in ihrer Entwicklung verzögert. Georgia redete nur selten über Lilys Zustand und brachte sie fast nie mit hierher. Sie und ihr Mann arbeiteten hart, um so gut wie möglich für Lily sorgen zu können, aber sie hatten wenig Geld. Ihre Stelle zu verlieren war schon immer eine große Bedrohung für Georgia gewesen.

Ich nickte. »Ich hab’s kapiert. Kein Problem. Das passiert nicht wieder.«

Georgia stand auf und legte mir die Hand auf den Arm. »Das weiß ich«, sagte sie und tätschelte meinen Ellbogen. »Du gehörst zu den wenigen Leuten, auf die ich mich wirklich verlassen kann.« Dann drehte sie mich um Richtung Küche. »Und jetzt sieh zu, dass du nach vorne kommst. Die Arbeit ruft, du verwöhntes Gör. Meinst du, das Gemüse schneidet sich von selbst, während du hier rumlungerst und dich in aller Seelenruhe hübsch machst?«

Ich stand stramm und salutierte. Sie war eindeutig nicht mehr sauer auf mich. Zwischen uns war alles wieder in Ordnung.

Ich lief zum Vorratsraum und schnappte mir eine Tüte Salat, ein paar Tomaten und eine Dose Gurken. Ich kümmerte mich gern um das Gemüse. Diese Arbeit war leicht und ich konnte hin- und herlaufen, statt an der Kasse festzusitzen und einen grünen Tee nach dem anderen auszuschenken. Vor allem musste ich bei dem Job nicht den Müll wegräumen, den die Kunden auf den Tischen hinterließen. In gleichbleibendem Rhythmus Gemüse zu schneiden, wirkte beruhigend auf mich, fast ein bisschen so, als würde ich Radio hören.

Es war die ganze Schicht über ziemlich viel Betrieb. Andauernd strömten neue Kunden herein. Ich musste meine Schnibbelarbeit immer wieder unterbrechen, um zu kassieren, wodurch eine Menge Plastikhandschuhe im Müll landeten. Und das, obwohl der Abend näher rückte – dann würde es noch voller werden und den Leuten in der Küche fehlte der Nachschub, um den Ansturm zu bewältigen. Das stresste Georgia so sehr, dass sie die Büroarbeit liegen ließ und sich an die Kasse stellte, damit ich endlich mit dem Gemüse vorankam. Fieberhaft hackte und würfelte ich und füllte Behälter auf, die sich viel zu schnell wieder leerten.

Ich war derart in die Arbeit vertieft, dass ich Coles Stimme überhaupt nicht wahrnahm, als er bei Georgia seine Bestellung aufgab. Sie räusperte sich vielsagend, und als ich den Kopf hob, bemerkte ich ihren warnenden Blick. Mir war sofort klar, was sie damit sagen wollte: Steh bloß nicht ewig rum und quatsche. Dafür haben wir zu viel Arbeit.

»Hey«, sagte ich über die Theke hinweg. Ich versuchte zu lächeln, aber das fühlte sich verkehrt an. Auf einmal war ich total nervös. Eigentlich war ich immer noch böse auf ihn wegen gestern Abend – jedenfalls wäre ich es gern gewesen, wenn ich nicht das Gefühl gehabt hätte, der Abend läge schon ewig lang zurück. Er lächelte ein bisschen, genau die Art von Lächeln, die ich so gut an ihm kannte – die mit dem Grübchen am Mundwinkel. Zugleich wirkte er irgendwie angespannt. Ihm schien klar zu sein, dass es nicht leicht werden würde, sich wieder mit mir zu versöhnen. Er fühlte sich schuldig und wollte es wiedergutmachen. Schon allein diese Tatsache erleichterte es mir, ihm zu verzeihen.

»Selber hey«, sagte er. Georgia hielt ihm seinen Kaffeebecher hin und er reckte ihn in die Höhe. »Den brauch ich jetzt!« Georgia kassierte und gab ihm ohne ein Wort das Rückgeld, mit einem Seitenblick auf mich. Auch diesmal war die Botschaft eindeutig: Denk an Lily!

Cole lief an der Theke entlang und stand jetzt direkt vor mir. Sein Duft hüllte mich ein und ließ meine Hände zittern, obwohl ich immer noch sauer auf ihn sein wollte.

»Ich kann jetzt nicht reden«, flüsterte ich, ohne ihn anzusehen. »Ich muss das hier erst fertig machen.«

»Klar«, antwortete er. »Ich bleib einfach hier, bis du Feierabend hast.«

Ich warf einen Blick auf die Wanduhr hinter mir. »Das dauert aber noch bis fünf.« Ich machte weiter mit dem Gemüse.

»Ich warte«, sagte er.

»Du willst doch nicht im Ernst zwei Stunden hier rumsitzen?« Natürlich hatte er das schon oft gemacht, aber heute war es etwas anderes. Ich gab mir alle Mühe, genervt zu klingen.

Da spürte ich die Berührung seiner Finger an meiner Wange. Ich blickte auf. Er hatte sich weit über die Theke gebeugt und sah mir direkt in die Augen. Seine Hand streichelte mein Gesicht so wunderbar sanft, dass ich fast Angst bekam, auf der Stelle in Ohnmacht zu fallen.

»Ich würde bis in alle Ewigkeit auf dich warten, wenn’s sein müsste«, sagte er.

Wider Willen lächelte ich. Seine Berührung kam mir so viel wirklicher vor als all die seltsamen Dinge, die er gestern Abend gesagt und getan hatte. Ich konnte einfach nicht anders. Ich liebte ihn.

Da hörte ich Georgias Stimme vom Büro her – »Alex, sind die Eier fertig?« – und erwachte aus meiner Trance.

Eilig arbeitete ich weiter, nun allerdings wieder total unkonzentriert. Jedes Mal, wenn ich hochschaute, sah ich, dass er mich im Blick hatte, den Kaffeebecher in der Hand und weit zurückgelehnt. Wenn wir einander direkt ansahen, war es, als gäbe es einen Kurzschluss in meinem Hirn. Und wenn ich danach wieder auf das schaute, was ich gerade tat, schien es mir total fremd. Hatte ich wirklich gerade Gurken in Scheiben geschnitten? Ich konnte mich kaum noch daran erinnern.

Jeder hat mal einen schlechten Tag, hatte Georgia gesagt. Jeder. Auch Cole. Vielleicht war das die Erklärung für gestern Abend – Cole hatte einfach einen schlechten Tag gehabt. Einen entsetzlich schlechten, aber das war verzeihlich.

Weil ich so unkonzentriert war und dauernd von meinem Schneidebrett hochblickte, bekam ich es sofort mit, als Bethany das Lokal betrat.

Sie ging zur Theke, wo Georgia stand. Nachdem die beiden einen Augenblick lang leise miteinander geredet hatten, sanken Georgias Schultern zusammen.

»Alex«, sagte sie. »Deine Freundin muss dich sprechen.« Sie schürzte die Lippen und flüsterte unhörbar: »Aber mach schnell.«

Anders als bei Cole hatte ich Bethany gegenüber keine gemischten Gefühle. Ich fühlte mich schuldig und sonst gar nichts. Mein schlechtes Gewissen war so überwältigend, dass es mir schwerfiel, auch nur die Füße in ihre Richtung zu lenken. Da stand meine beste Freundin, mit der ich fast mein ganzes Leben geteilt hatte, und ich fürchtete mich davor, mit ihr zu reden. Ich wusste einfach nicht, was ich sagen sollte.

»Hi«, grüßte ich.

Sie lächelte nicht. Sie sah mich nicht mal richtig an, sondern blickte vage nach unten auf meine Hände, die auf der Arbeitsplatte lagen. Dann rückte sie ihre Brille zurecht. »Wann hast du hier Schluss?«, fragte sie.

»Um fünf«, sagte ich.

»Wir wollen mit dir reden«, sagte sie ungewohnt förmlich. »Zack und ich. Kannst du rüberkommen?«

»Hör mal, wegen gestern …«, begann ich, verstummte aber, als sie sich urplötzlich vorbeugte und ihr Gesicht dicht an meines hielt. Ihre Augen waren immer noch rot.

»Ich will hier drin nicht darüber sprechen«, sagte sie. »Mir ist klar, dass er nur ein paar Meter weit weg sitzt, und ich habe absolut keine Lust, wieder in irgendeinen Mist hineinzugeraten. Es ist nur so … na ja, wir müssen reden. Bei Zack zu Hause. Kommst du?«

Ich spähte über ihre Schulter hinweg in Coles Richtung. Sein Gesicht wirkte auf einmal leer und eingefallen. Er sah nicht mich an, sondern schien Bethany zu fixieren. Offenbar wollte er, dass sie sich umdrehte und ihn anschaute. Ich zögerte. Auf einmal sehnte ich mich fast nach dem Schweigen, das mir den ganzen Tag über zugesetzt hatte. Dass plötzlich alle auf einmal mit mir reden wollten, war viel schlimmer.

»Kommst du?«, wiederholte sie so drängend, dass ich mich ihr wieder zuwenden musste.

Ich atmete tief durch. Ich hatte nicht die geringste Chance, diese Situation gut zu lösen. Trotzdem nickte ich. »Ich bin gegen sechs zu Hause«, sagte ich. Dabei wandte ich mich nicht zu Cole um, was ohnehin überflüssig war. Seinen bohrenden Blick spürte ich auch so.