Kapitel 3
Unser Zuhause war eine dreistöckige viktorianische Villa auf einem gut zwei Hektar großen Grundstück am Rand von Belles-Faire, einem schäbigen, aber gemütlichen Viertel im Norden von Seattle. Unser Land bestand zum Großteil aus Wald und Sumpfgebiet, das bis zum Birkensee reichte, wo wir Rituale und Festtage begingen. Ich hatte einen Kräutergarten, und Delilah streifte in ihrer Katzengestalt zwischen den Bäumen hindurch, spielte mit ihrer Freundin Misha - seltsamerweise eine Maus - und behielt die Flora und Fauna im Auge. Sie wohnte im zweiten Stock unseres knarrenden alten Hauses, ich im ersten, und das Erdgeschoss diente als gemeinsamer Treffpunkt für alle. Menolly hatte ihren Unterschlupf im Keller als gemütliches Nest in grünem Toile-de-Jouy und Elfenbeinweiß eingerichtet.
Während Morio und ich durch die Waldlandschaft der Vororte fuhren, fiel mir auf, wie viel sich in den vergangenen zwei Jahren verändert hatte, seit meine Schwestern und ich erdseits gekommen waren, und nicht alles zum Besseren. Aber zumindest war unser Zuhause noch sicher und einladend.
In mancher Hinsicht vermisste ich die Ungestörtheit, die wir anfangs hier genossen hatten. Doch inzwischen war unser Haus wahrhaftig ein lebendiges Heim, nicht mehr nur eine vorübergehende Zuflucht, in der wir eine Art Strafversetzung durch den AND absaßen. Jetzt war unser Haus eine echte Zuflucht vor Dämonen und anderen Gefahren, und wir würden hierbleiben, bis Schattenschwinges Pläne endgültig vereitelt waren.
Zu Anfang hatten nur wir drei Schwestern darin gewohnt. Dann war Maggie gekommen, unser Gargoyle-Baby, das ich aus dem Lunchpaket eines Dämons gerettet hatte. Da sie bei uns bleiben würde, hatten wir natürlich ein Kindermädchen und eine Haushälterin gebraucht, also hatten wir Iris angeheuert - einen finnischen Hausgeist (oder richtiger, eine Talonhaltija) und außerdem eine sehr schlagkräftige Person. Sie hatte eine Menge Geheimnisse, aber hinter ein paar davon waren wir schon gekommen, etwa, dass sie eine Priesterin der Undutar war, der finnischen Nebel- und Schneegöttin. Was Iris in Seattle zu suchen hatte und warum sie bei uns arbeitete, war uns immer noch ein Rätsel, aber wir wussten, dass wir uns voll und ganz auf sie verlassen konnten.
Und dann waren all die Männer gekommen. Mein Exfreund Trillian war plötzlich aufgetaucht und wieder in mein Leben getreten. Er war ein Svartaner und galt offiziell als vermisst, doch wir sollten in ein paar Tagen in die Anderwelt reisen und ihn zurückholen. Dann hatten Morio und Smoky mein Leben noch mehr durcheinandergewirbelt. Rozurial, ein Incubus, wohnte nun auch bei uns, und Vanzir, ein Dämon, der zu uns übergelaufen war.
Andere kamen und gingen - Menollys Geliebte Nerissa und Delilahs Verehrer Zachary waren Werpumas vom Rainier-Rudel. Und nun wohnte auch unser Cousin Shamas mit Roz und Vanzir in unserem zum Gästehaus ausgebauten Schuppen.
Ja, unsere Familie war auf einmal ziemlich angewachsen. Und obwohl wir dadurch einiges an Privatsphäre eingebüßt hatten, mochte ich das Gefühl der Sicherheit, wenn so viele Leute um mich herum waren.
Im Haus war es still, als wir hereinkamen. Iris hatte an der Pinnwand eine Nachricht hinterlassen, dass sie und ihr Freund, ein Leprechaun, ins Bett gegangen seien, Maggie schon schliefe und wir alle drei möglichst nicht stören mögen. Rozurial und Vanzir waren entweder ausgegangen oder drüben im Gästehaus.
Morio und ich überprüften die Schutzbanne, um uns zu vergewissern, dass Haus und Grundstück sicher waren, und schleppten uns dann die Treppe hinauf. Ich wollte nur noch ein heißes Bad, aber Morio und Smoky schwebte etwas anderes vor.
Entweder hatte Morio Smoky irgendwie mitgeteilt, wie es mir ging, oder der Drache hatte meine Stimmung gespürt - jedenfalls stand er in seiner ganzen einen Meter neunzig großen Pracht schon vor der Badezimmertür. Sein knöchellanges silbernes Haar wallte offen um seine Gestalt wie die Schlangen einer Meduse. Wortlos schob Morio mich in Smokys Arme, und der flüsterte etwas, das ich nicht mitbekam. Lautlos hoben sich zwei dicke Strähnen seines Haars, schlangen sich um meine Handgelenke und zogen sacht, aber energisch meine Arme zur Seite.
Mir stockte der Atem, als eine weitere Strähne über meinen Rücken glitt und langsam den Reißverschluss meines Kleides öffnete. Während die silbernen Tentakel mir das Kleid über die Schultern und die Arme streiften und es zu Boden sinken ließen, stand ich atemlos da, nackt bis auf BH, Höschen und hochhackige Stiefeletten. Ich war so erschöpft, dass ich Smoky und Morio die Kontrolle über alles geben wollte. Ich wünschte mir, gar nichts tun zu müssen und mich ihnen einfach zu überlassen.
Morio öffnete meinen BH. Meine Brüste wackelten leicht.
Ich war zu müde, um mich zu rühren, und schloss die Augen, als seine Hände sich von hinten über meine Brüste schoben und die Brustwarzen streiften. Seine langen, schwarzen Nägel kratzten über meine Haut und hinterließen schwache Spuren, doch das köstliche Brennen holte mich ins Leben zurück und erinnerte mich daran, dass ich noch hier war, in meinem Körper.
Er ließ die Hände an meinen Seiten hinabgleiten, über meine Taille, die Hüften, und löste damit einen heißen Schauer nach dem anderen aus. Schließlich schob er die Finger unter den Bund meines Höschens, zog es ebenso langsam herunter und hob sacht meine Füße an, erst einen, dann den anderen. Er warf das dünne Seidenhöschen beiseite, schnürte meine Stiefeletten auf und zog sie mir aus. Ich stöhnte leise, als er sich an der Innenseite meiner Beine wieder emporarbeitete, bis seine Hände fest meine Oberschenkel massierten. Ich wollte die Beine spreizen, doch Morio hörte auf und lachte leise.
»Noch nicht«, flüsterte er. »Du brauchst erst dein heißes Bad.«
Smoky trat vor und nahm mich auf die Arme, während Morio ins Badezimmer schlüpfte. Ich lehnte den Kopf an die Brust meines Drachen, sog seinen vertrauten Moschusgeruch ein und entspannte mich allmählich.
Das Badezimmer war schummrig beleuchtet, violette Kerzen brannten auf meinem Toilettentisch. Die überdimensionale Badewanne dampfte unter einem Schaumteppich, der nach Flieder, Lavendel und Narzissen duftete.
Smoky nickte Morio zu. »Geh du ruhig duschen. Wir sehen uns im Schlafzimmer wieder. Ich werde sie baden.«
Er ließ mich ins heiße Wasser sinken, und ich lehnte mich an das warme Porzellan zurück, atmete tief den duftenden Dampf ein und ließ ihn sich in meiner Lunge ausbreiten. Morio zog sich wortlos zurück, als Smoky sich neben die Wanne kniete. Er nahm einen Schwamm, tauchte ihn ins schaumige Wasser, umkreiste damit sacht meine Brüste und rieb meine Brustwarzen. Mein Atem ging schneller, als er mit dem Schwamm über meine Arme glitt und mich dann sacht nach vorn zog, um mir den Rücken zu waschen.
Als ich den Mund öffnete, um etwas zu sagen, legte er den Zeigefinger an meine Lippen. »Sei still.«
Smoky war der einzige Mann, der mich mit einem knappen Kommando dazu bringen konnte, ihm zu gehorchen. Ich wusste nicht, ob das daran lag, dass er ein Drache war. Aber wenn er etwas sagte, hörte ich auf ihn. Obwohl ich vor anderen stets protestierte und widersprach - wenn wir unter uns oder mit Morio allein waren, genoss ich die Gelegenheit, mich gehen zu lassen, die Kontrolle abzugeben und jemand anderem die Entscheidungen zu überlassen.
Ich war immer die Dominante in der Familie gewesen, der Fels in der Brandung für meine Schwestern. Und sie brauchten mich immer noch als ihren Anker. Aber bei Smoky und Morio, in der Abgeschiedenheit unseres Schlafzimmers, konnte ich mich hingeben, darauf vertrauen, dass sie mich beschützen und mir helfen würden, Dämonen, Kämpfe und Blut zu vergessen.
Smoky hielt mir einen Cognacschwenker an die Lippen. Ich nippte ein paarmal daran und lächelte, als der Cognac warm in meiner Kehle brannte und den Geschmack von Honig und Wein in meinem Mund hinterließ. Ehe ich wusste, wie mir geschah, folgte dem Cognac Smokys Zunge, als er sich über die Wanne beugte und die Lippen auf meine presste. Ich öffnete ihm meinen Mund, und er drückte mich an seine Brust, ohne einen Gedanken daran, dass Wasser und Schaumbad sein T-Shirt durchweichten und auf seine weiße Jeans spritzten. Sanft drang er in meinen Mund vor, seine Zunge spielte mit meinen Lippen, und eine Strähne seines Haars kräuselte sich um eine meiner Brustwarzen.
Schwindelig richtete ich mich auf und griff nach einem Handtuch. Als ich aus der Wanne steigen wollte, hielt er mich zurück, hob mich hoch, wickelte mich in das riesige Badetuch, presste mich an sich und trug mich ins Schlafzimmer. Morio in seinem lockeren Morgenmantel aus schwarz-weißer Seide wartete schon auf dem Bett auf uns.
Während Morio das Licht dimmte und die Tagesdecke auf meinem breiten Doppelbett beiseitezog, ließ Smoky mich auf die weiche Daunendecke herab. Er trat zurück, um sich das T-Shirt auszuziehen und den Gürtel zu öffnen.
Atemlos sah ich ihm zu. Er schlüpfte aus der hautengen Jeans und stand vor mir, elegant und muskulös. Sein Körper war ein Bild der Vollkommenheit, sein Schwanz ragte hart hervor. Morio lachte ein wenig heiser und zog seinen Morgenmantel aus. Darunter war er nackt. Er wirkte golden neben Smokys Alabasterhaut, und er war nicht annähernd so groß, aber straff und fit und nicht weniger gut ausgestattet. Ich betrachtete die beiden. Morio hatte recht - ich brauchte sie heute Nacht. Ich brauchte Sex. Ich musste mich von meiner Anspannung befreien, loslassen.
Mit klopfendem Herzen erhob ich mich auf die Knie. Wenn nur Trillian hier wäre, dann wäre mein Kreis vollständig, alle meine Liebsten in ihre passende Nische eingefügt. Aber bis dahin ... Plötzlich raste heiße Lust durch meinen Körper, und ich warf lachend das Haar zurück.
»Kommt und holt mich, Jungs.«
»Wie du wünschst, Liebste«, sagte Smoky und sprang neben mich aufs Bett. Er drückte mich herunter, so dass ich rechts von ihm zu liegen kam.
Morio streckte sich an meiner anderen Seite aus, stützte sich auf einen Ellbogen und leckte eine meiner Brustwarzen. Smoky streichelte meinen Oberschenkel, schob dann die Hand zwischen meine Beine und langsam bis zu meinen Schamlippen hinauf, so dass ich ein leises Keuchen ausstieß. Mein Körper brannte unter ihren Händen, Funken stoben, als hätte jemand mit einem Streichholz ein großes Freudenfeuer angezündet.
Morio presste die Lippen auf meine Brust und knabberte mit den Zähnen daran. Der Schmerz war beinahe lustvoll. Ich griff nach seinem Kopf, doch zwei seidige Strähnen von Smokys Haar schlangen sich um meine Handgelenke und drückten sie mir über den Kopf.
»Überlass uns die Kontrolle. Gib dich uns hin«, flüsterte Smoky.
Ich schloss die Augen, öffnete sie aber gleich wieder, weil ich ihre Gesichter sehen wollte, wenn sie sich über mich hermachten. Smokys Augen funkelten, als er die Finger tief in mich hineinschob. Das war mir nicht genug, ich gierte nach mehr und stieß einen leisen Schrei aus.
»Ich will dich in mir. Oder Morio. Oder beide. Egal.« Meine Muschi pulsierte, verlangte schmerzlich nach mehr. »Nehmt mich. Bitte.«
»Sie ist reif«, sagte Smoky und wechselte einen Blick mit Morio.
»Sie ist hungrig«, entgegnete Morio. »Sollen wir ihr geben, was sie will?«
»O ja, aber nicht zu schnell.«
Ich stöhnte, während sie miteinander witzelten, mein Wimmern ignorierten und mich festhielten. »Oh, bei allen Göttern, fickt mich endlich, Jungs.«
Smokys Lächeln erlosch, und er beugte sich vor, um mir direkt ins Gesicht zu starren. »Zu unseren Bedingungen, zu unserer Zeit. Du bist jetzt still, Süße, sonst muss ich dich bestrafen.«
Ich hielt den Mund. Smokys Bestrafungen taten üblicherweise nicht weh, obwohl er ein Faible für scharfe Klapse hatte und ich ihm das erlaubte, weil er sich von mir so viel gefallen ließ. Aber ich wusste aus Erfahrung, dass er sein Liebesspiel über die ganze Nacht hin ausdehnen konnte und mich erst kommen ließ, wenn er so weit war. Oh, manchmal war das himmlisch - eine stundenlange, köstliche Qual. Aber jetzt wollte ich Erlösung, ich wollte über den Rand des Abgrunds springen und in die Tiefe fallen, fallen.
Morio lachte laut, als Smoky sich ans Kopfteil lehnte und die Knie leicht anwinkelte. Er fasste mich um die Taille und zog mich an sich, so dass mein Rücken an seiner Brust ruhte. Er war hart und erregt, und sein Schwanz glitt zwischen meine Pobacken und rieb sich sacht an mir. Ich spannte mich an, doch vorerst ließ er mich nur spüren, dass er da war.
Morio kniete sich vor mich und spreizte meine Beine. Er beugte sich zwischen meine Schenkel und suchte mit der Zunge nach dem Zentrum meiner Lust. Er saugte, knabberte, wich immer wieder kurz zurück und reizte mich, ehe er endlich die Lippen um meine Klitoris schloss.
Die Glut in mir flammte auf, und ich schrie.
Smokys Haar liebkoste meinen ganzen Körper und drückte meine Brüste zusammen, während der Drache mich weiter festhielt. Ich wehrte mich, versuchte mich zu bewegen, weil ich Morios Kopf halten wollte, während er mich mit der Zunge bearbeitete, doch Smokys starker Griff machte mich hilflos. Frustriert begann ich zu keuchen.
»Lass los«, flüsterte er mir ins Ohr. »Gib dich uns hin. Lass uns dich in Feuer baden.«
Tränen traten mir in die Augen, und ich stöhnte heiser auf, als Morio die Zunge in mich hineinschob, schnell heraus- und wieder hineinglitt, die Zunge in mir bog und am Rand meiner Muschi ein Feuerwerk entzündete.
Dann richtete er sich auf und starrte mir in die Augen. Wilde, animalische Energie stieg um ihn auf wie ein seidiger grüner Schleier. Smokys Aura strahlte silbrig, und als beider Auren sich wie sich paarende Schlangen umwanden, hüllten sie mich in einen Kokon aus Lust, der weit über meinen menschlichen Anteil hinausreichte.
Jedes Mal, wenn dieser Augenblick kam, fragte ich mich, ob ich es schaffen würde, aus dem Reich zurückzukehren, in das diese beiden Männer, die keine Menschen waren, mich davontrugen. Wir waren auf der seelischen Ebene miteinander verbunden, und wenn wir miteinander schliefen, war das so viel mehr als Sex. Wir waren Seelengefährten und Liebhaber, durch ein uraltes Ritual auf ewig aneinander gebunden.
Meine Gedanken verloren sich, als Smoky einen Kreis aus Küssen auf meinem Nacken zog. Morio presste die Lippen auf meinen Mund, und ich schmeckte mich an ihm - doch was meine Zunge berührte, schmeckte süß wie Honig und Wein.
Smoky hob mich sacht hoch und drehte mich herum, so dass ich auf Händen und Knien an der Bettkante landete. Er schob die Finger in mich hinein, verrieb meinen Saft auf seinem Schwanz und fand die Mitte meines Pos. Vorsichtig tastete er sich an meinem After voran, doch ich war auch dafür bereit, und er drang langsam in mich ein und ließ mir nach jedem Fingerbreit Zeit, ihn aufzunehmen. Ich war eng, doch er bewegte sich ganz langsam, und ein wunderbares Gefühl breitete sich allmählich in meinem Körper aus. Ich wand mich kurz und gab mich ihm dann ganz hin, und er begann sacht von hinten zu stoßen.
Seine Oberlippe kräuselte sich zu einem genüsslichen, leicht sadistischen Grinsen. Morio stand vor dem Bett, sein Schwanz ragte vor meinem Mund empor. »Leck mich«, sagte er mit erregter Stimme. Smokys weiche Stöße steigerten meinen Hunger auf mehr, und ich nahm Morio in mich auf, ließ seinen dicken Schwanz durch meine Lippen gleiten und füllte meinen Mund mit seinem warmen, salzigen Geschmack.
Morio krallte sich mit einer Hand so fest in mein Haar, dass es wehtat, doch der Schmerz vermischte sich mit meiner Lust, und ich wollte mehr. Ich wollte sie beide in mir spüren, zusammen. Jetzt.
Dann begann Morio mich in den Mund zu ficken, gerade so tief, dass ich nicht würgen musste. Ich saugte an ihm, leckte und reizte ihn, während meine Aura wie ein violetter Schatten um mich aufstieg und zwischen den beiden Männern tanzte.
»Ja, das ist gut. Fester!« In Morios Augen blitzten topasgelbe Flecken auf, und ich sah, wie seine Gestalt schimmerte und sich leicht veränderte. Ich wusste, dass er sich verwandeln wollte, doch auf dem Bett war kein Platz mehr für seine Dämonengestalt, also zog er sich abrupt aus meinem Mund zurück und schob sich unter mich zwischen meine Beine.
Mit einem geschickten Stoß nach oben drang er in mich ein, und seine Brust presste sich an meine Brüste, als er die Arme um meine Taille schlang und mich von unten zu ficken begann. Das Feuer loderte mit zahllosen kleinen Explosionen durch meinen ganzen Körper, während Smoky und Morio ihren Rhythmus aufeinander abstimmten. Sie füllten mich aus, jeden Fingerbreit von mir, und ihr Moschusduft umwehte mich wie das Parfüm des göttlichen Bockes Pan. Alles fühlte sich so richtig an, so vollkommen im Gleichgewicht, und ich schwankte unter ihren Stößen am Abgrund, als sich der Orgasmus aufbaute wie eine gespannte Feder in meinem Bauch.
Ich hob den Kopf und keuchte heiser, als Morio mit kurzen, scharfen Krallen über meinen Oberschenkel fuhr. Ich wusste, dass er Kratzspuren auf meiner Haut hinterließ, doch der Schmerz steigerte meine Lust, und ich stöhnte laut und wollte nur noch kommen, fallen, fliegen. Als er härter in mich hineinstieß, verlor sein Gesichtsausdruck alles Menschliche, seine Fuchsnatur kam zum Vorschein, und animalische Lust zeichnete sich auf seinem Gesicht ab.
»Mein Dämon«, flüsterte ich, von der Intensität zu Tränen getrieben.
»Vergiss mich nicht«, grollte Smoky hinter mir.
»Wie könnte ich das, mein Herr und Drache? Macht mich fertig, macht mich wieder heil und ganz.«
Und dann stieß Smoky ein lautes Stöhnen aus, als auch er langsam zum Orgasmus kam. Seine Ekstase mischte sich mit meiner, unsere Leidenschaft reagierte wie ein einziges bewusstes, pulsierendes Geschöpf. Sie explodierte mit einem gleißenden Lichtblitz, als wir einen unglaublichen, erschütternden Orgasmus teilten. Mit einem letzten Aufschrei stürzte ich schluchzend in den Abgrund und riss die beiden mit mir in diese schwarze Leere, in der wir auf ewig miteinander verbunden waren, drei Seelen zu einer, auf allen Ebenen, für alle Zeit.
Wir standen mit der Sonne auf - bildlich gesprochen, denn der Himmel war bewölkt und grau, wie meistens in Seattle. Ich stellte mich rasch unter die Dusche, während die Jungs in ihre Klamotten schlüpften - Morio in eine schwarze Jeans und ein grünes Tanktop, Smoky in seine gewohnte weiße Jeans und ein hellgraues T-Shirt. Als ich beim Abtrocknen aus dem Fenster schaute, glitzerte Tau auf dem Gras, und zarter Nebel zog über den Boden. Ich durchforstete meinen Kleiderschrank und suchte ein weinrotes Samtbustier und einen wadenlangen schwarzen Rock aus Spinnenseide heraus. Spinnenseide war wärmer als jeder auf der Erde fabrizierte Stoff, und mit einem leichten, kurzen Cape um die Schultern würde ich es gemütlich warm haben.
Wir polterten die Treppe hinunter und in die Küche. Delilah und Iris blickten vom Tisch auf. Iris las gerade Zeitung, und Delilah saß vor einem Notizblock. Menolly schlief natürlich schon in ihrem Unterschlupf. Auf einem Teller lag ein ganzer Stapel Pfannkuchen, dazu gab es Speck und eine Schüssel frische Beeren.
Ich ging zum Schrank, um uns Teller zu holen, blieb aber vor Maggies Laufstall stehen. Sie saß daneben und schlug mit einem Holzlöffel auf einen unserer großen Edelstahltöpfe ein. Als sie aufblickte und lachte, schimmerten ihre spitzen kleinen Zähne. Ihre Flügel waren im vergangenen Monat gut zwei Fingerbreit gewachsen, und das Laufen fiel ihr jetzt leichter, doch sie fiel immer noch ständig hin, weil jede Kleinigkeit sie aus dem Gleichgewicht brachte. Als sie mich sah, ließ sie den Kochlöffel fallen und kam unsicher auf die Beine.
»Camey! Camey!« Sie tapste mit ausgebreiteten Ärmchen und strahlenden Augen auf mich zu. Ich hob sie hoch und schmiegte das Gesicht in ihr weiches Fell. Sie war eine Waldgargoyle, und die alterten langsamer als wir. Sie würde noch viele Jahre lang ein Baby bleiben.
»Hallo, Schneckchen«, flüsterte ich. »Wie geht es meinem kleinen Mädchen? Wie geht es Maggie heute?«
»Gut«, lispelte sie, schaute über meine Schulter und sagte: »Moky! Orio!«
Smoky nahm sie aus meinen Armen und kraulte sie am Kopf, während Morio sie unter dem Kinn kitzelte. Dann reichten sie die Gargoyle an Delilah weiter, und wir setzten uns an den Tisch. Ich schaffte es, ein paar Pfannkuchen und Speckstreifen zu erwischen, ehe die Jungs die Teller leer räumen konnten.
»Wo ist denn unser Dämonen-Duo heute Morgen?«, fragte ich und blickte mich nach Rozurial und Vanzir um. Iris hatte ihnen diesen Spitznamen verpasst, und er war hängengeblieben. Sie verabscheuten ihn, aber wir zogen sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit damit auf.
»Schon weg. Sie wollten mit Carter sprechen«, antwortete Iris. »Er versucht, irgendeine Spur von Stacia zu finden.«
Ich erstarrte mitten im Kauen. Das Letzte, woran ich jetzt denken wollte, war die Dämonen-Generalin, die als Ersatz für Karvanak hergeschickt worden war. Wir hatten unsere liebe Mühe gehabt, ihn loszuwerden. Und Stacia - auch bekannt als »die Knochenbrecherin« - war jemand, mit dem ich mich wirklich nicht anlegen wollte. Irgendwann würde uns nichts anderes übrig bleiben, aber mir graute jetzt schon davor.
Morio legte mir eine Hand auf die Schulter, und Smoky reichte mir den Krug mit dem Ahornsirup. »Iss«, befahl der Drache. »Du brauchst Kraft.«
Ich warf ihm einen Blick zu und sah sein silbernes Haar wie eine Rauchwolke um seinen Oberkörper schweben. »Ja, ich weiß«, sagte ich mit einem Lächeln, nach dem mir gar nicht zumute war. »Henry übernimmt heute die Buchhandlung. Nach dem Frühstück fahren Morio und ich besser gleich zu Harolds Haus und schaffen diese Goshanti weg. Smoky, Delilah, wollt ihr mitkommen?«
Smoky schüttelte den Kopf. »Wenn du mich brauchst, werde ich selbstverständlich da sein, aber ich habe etwas Dringendes zu erledigen«, sagte er mit gedankenverlorener Miene. Jetzt, da ich ihn so sah, fiel mir auf, dass er schon seit dem Aufstehen ziemlich still gewesen war.
»Wir können uns auch allein darum kümmern.« Morio warf einen Blick auf den Wandkalender. »Übermorgen ist Vollmond. Wir müssen das vorher erledigen, sonst wird die Goshanti diese Macht benutzen, um noch mehr Frauen in ihre Falle zu locken. Diese Teufelinnen können das.«
»Außerdem werde ich ziemlich nutzlos sein, wenn die Mondmutter über den Himmel reitet.« Bei jedem Vollmond gingen Delilah und ich auf und davon - sie als Kätzchen, und ich schloss mich der Wilden Jagd der Mondmutter an. Der Morgen danach war für uns beide nie angenehm. Ich warf Delilah einen Blick zu. »Was ist mit dir?«
Sie schaute von ihren Notizen auf. »Klar. Ich habe heute Vormittag keine Termine. Denkt daran, morgen ist die Vorwahl.«
»Erfahren wir dann, ob Nerissa in den Gemeinderat gewählt wurde?«
»Nein, erst im November«, antwortete sie.
»Ach so.« Ich nickte. »Wir können natürlich nicht mitwählen. Aber um Menollys willen - und für den ÜW-Gemeinderat - hoffe ich auf einen Erdrutschsieg.«
Nerissa war Menollys Freundin. Und Geliebte. Sie gehörte außerdem zum Rainier-Pumarudel und bewarb sich um einen Sitz im Stadtrat, nachdem sie sich als Werpuma wie als bisexuell geoutet hatte.
»Wenn sie tatsächlich gewählt wird, könnte das für die Erdwelt-ÜWs ein großer Schritt dahin sein, endlich von der Bevölkerung anerkannt zu werden.« Iris legte Maggie in ihr Gitterbett, damit sie ein Nickerchen machte, und reichte ihr einen Stoffpinguin. Maggie knuddelte ihn und rollte sich unter ihrer Decke zusammen. Iris deckte den Tisch ab und räumte das Geschirr in die Spülmaschine.
»Ja, aber ihr wisst doch, dass die Freiheitsengel und ihre Reinerhaltungs-Kameraden vor den Wahllokalen protestieren ...« Ich verstummte, als es an der Tür klingelte. »Ich gehe schon.«
Ich spähte durch die Scheibe in der Haustür. Oh, verdammt. Morgana, die Königin der Schatten und der Dämmerung, stand vor der Tür. Sie war der letzte Mensch, den ich jetzt sehen wollte. Mensch war natürlich nicht ganz zutreffend. Morgana war eine von drei Feenköniginnen der Erdwelt, und ihr Erscheinen bedeutete nie etwas Gutes. Allerdings war sie auch eine ferne Vorfahrin von uns dreien - und halb Fee, halb Mensch, genau wie wir.
Um es kurz zu machen: Ich hatte dabei geholfen, die Feenhöfe der Erdwelt wieder auferstehen zu lassen, und obwohl das definitiv mein Schicksal gewesen war, wusste ich nicht recht, ob ich es gut finden sollte. Aber es war nun einmal geschehen. Neben dem Lichten und dem Dunklen Hof gab es jetzt allerdings einen neuen - den Hof der Drei Königinnen.
Ich öffnete die Tür und sank in einen tiefen Knicks. »Euer Hoheit, Ihr ehrt uns mit...«
»Hör auf mit dem Blödsinn, Camille, und lass mich rein.«
Sie drängte sich an mir vorbei und schnupperte. »Ihr vertrödelt eure Zeit wie immer in der Küche, nehme ich an?« Ungebeten eilte sie durch den Flur und platzte in die Küche. Ich hörte, wie Iris eine scharfe Erwiderung entfuhr, ehe sie sich eines Besseren besann und den Mund hielt.
Als ich hinter Morgana die Küche betrat, sah ich als Erstes, dass Smoky sie anfunkelte. Zu behaupten, dass er die Feenkönigin nicht mochte, wäre eine Untertreibung. Morio stand angespannt und wachsam da. Delilah knickste ungelenk, und Iris schaute verärgert drein, als wäre jemand ungefragt in ihr Hoheitsgebiet eingedrungen. Und so war es auch, wenn ich es recht bedachte. Die Küche gehörte praktisch Iris.
»Wie ich sehe, freut ich euch alle sehr über meinen Besuch. Macht euch bitte keine Umstände. Ich komme direkt zur Sache«, sagte die kleine Zauberin und ignorierte alle bis auf Delilah und mich. »Ihr beiden - und eure Schwester, diese Vampirin - solltet noch einmal lange und gründlich darüber nachdenken, ob es wirklich klug ist, die Einladung an meinen Hof abzulehnen. Wir brauchen euch, und ihr werdet uns brauchen. Zwischen den Erdwelt-Feen und denen der Anderwelt werden bereits die Fronten abgesteckt, und ihr solltet euch lieber für eine Seite entscheiden, ehe es zu spät ist.«
»Wie bitte? Wollt Ihr uns etwa drohen? Und was zum Teufel soll das heißen, es würden Fronten abgesteckt? Ich habe kein Wort davon gehört, dass es Arger zwischen beiden Fraktionen gäbe.« Ich hielt ihrem Blick tapfer stand.
Als ich sie kennengelernt hatte, war ich beeindruckt und hingerissen gewesen. Jetzt hatte ich sie satt. Sie war nicht mehr der strahlende Glanz, für den ich sie gehalten hatte, sondern eine finstere Intrigantin, die uns ständig überreden wollte, vom AND zu desertieren und uns von der Anderwelt loszusagen. All das nur, damit wir uns ihrem Hof anschlössen. Natürlich weigerten wir uns standhaft, und deshalb war sie stinksauer auf uns.
»Euch drohen? Nicht doch. Weshalb sollte ich meiner Verwandtschaft drohen?« Doch ihre Miene blieb finster, und sie sah aus, als hätte sie mir am liebsten eine geknallt. Ich hielt ihrem Blick immer noch stand und wich nicht vor ihr zurück. Wir sahen uns recht ähnlich - violette Augen, rabenschwarzes Haar -, aber ich war größer, und mein Feenerbe lag dichter unter der Oberfläche als bei ihr. Sie hingegen hatte ein paar Zeitalter Magie auf ihrem Konto und den Königinnenmantel um ihre Schultern vorzuweisen.
»Wir werden Euren Rat bedenken.« Ich verschränkte die Arme vor der Brust. »Ist sonst noch etwas?«
»Besser nicht, sonst grille ich dich zum Frühstück«, sagte Smoky beiläufig und kippte mit seinem Stuhl nach hinten, bis die Lehne an der Wand ruhte. »Niemand bedroht meine Frau und kommt lebend davon.« Er betrachtete Morgana ungerührt.
Sie machte schmale Augen, und obwohl sie ihn keines Blicks würdigte, sah ich einen Hauch von Angst über ihr Gesicht huschen. Sie fürchtete sich also vor Drachen. Klug von ihr. Smoky konnte sie mit einem einzigen Schlag seiner Klauen niedermähen, und seine eigene Magie schützte ihn vor ihrer. Falls es zu einer echten Auseinandersetzung käme, würde ich auf die übergroße Eidechse setzen.
Morgana kam offenbar zu dem Schluss, dass dies kein guter Tag zum Sterben sei. Sie wandte sich wieder mir zu, ohne ein Wort mit Smoky zu wechseln. »Teilt mir eure Entscheidung mit, aber möglichst rasch. Da braut sich etwas zusammen, und ich möchte nicht zwischen zwei Stühlen oder Welten sitzen, wenn diese Kessel überkochen.«
»Jetzt habt Ihr uns ja gewarnt.« Ich wies höflich zur Tür.
Morgana stieß ein leises Zischen aus. »Dumme Mädchen. Ihr dummen, dummen Mädchen. Ihr glaubt, nur weil ihr es mit Drachen treibt und mit Dämonen herumspielt, könnte euch nichts geschehen? Meint ihr vielleicht, diese vertrocknete alte Elfenkönigin würde euch Zuflucht gewähren? Ihr irrt euch, Mädchen. Ihr spielt in der falschen Mannschaft, und wenn es richtig heiß wird, werdet ihr euch gewaltig die Finger verbrennen.« Damit fegte sie an mir vorbei, stürmte zur Tür hinaus und schlug sie hinter sich zu.
Ich drehte mich zu den anderen um. Smoky begutachtete seine Fingernägel. Morio aß die letzten Bissen seines Frühstücks. Iris wischte die Arbeitsplatte ab. Nur Delilah sah mich an, und ihr Gesichtsausdruck - eine Mischung aus Besorgnis und Verärgerung - spiegelte meine eigenen Gefühle.
»So viel dazu«, sagte ich schließlich. »Also kommt, wir gehen auf Goshanti-Jagd.« Aber der Gedanke, dass unsere eigene Verwandtschaft mehr Probleme aufzuwerfen schien als die Dämonenplage, ließ mich nicht los.
Zumindest gab es ein paar Dinge, die wir immer noch selbst in der Hand hatten, sagte ich mir, als ich mir das Cape schnappte und zum Auto ging. Ein Kampf mit einem einfachen Dämon oder einer Teufelin war mir allemal lieber als die Launen einer zickigen Feenkönigin.