S I E B E N U N D Z W A N Z I G
Ich suche verzweifelt unsere Umgebung ab und entdecke die Fassade des Gebäudes, das einmal Whole Foods war. Es ist verlassen, wie alles anderen Gebäude, komplett verfallen. Aber im Gegensatz zu den anderen Läden scheinen die Türen noch intakt zu sein. Ich frage mich, ob wir vielleicht herein können und sie hinter uns schließen.
„Hier lang!“, brülle ich Logan zu, der ratlos dasteht.
Wir rennen zum Eingang von Whole Foods, die Psychos sind nur noch 30 Meter hinter uns. Ich würde erwarten, dass sie schreien, aber sie schweigen. Bei alle dem Schnee machen sie überhaupt kein Geräusch, und irgendwie ist das noch gespenstischer, als wenn sie schreien würden.
Wir erreichen die Türen und ich bin erleichtert, dass ein Griff sich öffnet. Ich renne hinein, Logan hinter mir, dann drehen wir uns um und werfen die Tür hinter uns zu. Logan nimmt das schwere Maschinengewehr von seiner Schulter und schiebt es zwischen die Türgriffe, um sie zu blockieren. Er klemmt es hinein, es passt perfekt. Ich prüfe die Türen, und sie rühren sich nicht.
Wir wenden uns um und gehen durch den Laden. Es ist kalt hier drin, leer, verfallen. Es gibt keine Reste von Lebensmitteln, nur aufgerissene und leere Verpackungen überall auf dem Boden. Keine Waffen, keine Vorräte. Kein Ort zum Verstecken. Nichts. Was auch immer es hier gab, ist schon vor langer Zeit geplündert worden. Ich suche nach Ausgängen, aber ich finde keinen.
„Und jetzt?“, fragt Logan.
Es gibt einen plötzlichen Knall gegen die Metalltür, als Dutzende von Psychos dagegentreten. Unser Schloss wird sich nicht lange halten. Ich durchsuche wieder verzweifelt den Laden, auf der Suche nach einer Idee. Und dann entdecke ich etwas: ein Treppenhaus.
„Dort!“, brülle ich und zeige dorthin.
Wir rennen beide durch den Laden, durch die Tür, ins Treppenhaus. Logan sieht mich an.
„Hoch oder runter?“, fragt er.
Das ist eine gute Frage. Wenn wir runtergehen, finden wir vielleicht einen Keller. Vielleicht gibt es dort Vorräte, oder wir können uns dort verbarrikadieren. Aber es könnte auch eine tödliche Falle sein. Und so, wie es hier aussieht, bezweifle ich, dass es Vorräte gibt. Wenn wir nach oben gehen, gibt es dort vielleicht etwas. Vielleicht einen Ausgang auf dem Dach.
Meine klaustrophobische Seite gewinnt.
„HOCH!“, sage ich trotz der Schmerzen in meinem Bein.
Wir beginnen, die Metallstufen zu erklimmen. Logan ist so schnell, dass ich kaum mithalten kann. Er kommt zurück, greift mich mit einem Arm, hält mich fest und zieht mich die Treppen schneller hoch, als ich es allein geschafft hätte. Jeder Schritt ist eine Folter, als würde ein Messer in meine Wade schneiden. Ich verfluche den Tag, an dem diese Schlange geboren wurde.
Wir erklimmen Stockwerk um Stockwerk. Nach der vierten Etage muss ich eine Pause machen, Luft holen. Mein Atem rasselt und klingt unheimlich: Wie der einer 90-jährigen Frau. Mein Körper hat in den letzten 48 Stunden zu viel durchgemacht.
Plötzlich gibt es einen entsetzlichen Knall. Wir sehen uns an, dann das Treppenhaus herunter. Uns wird beiden gleichzeitig bewusst, dass die Psychos es geschafft haben, hereinzubrechen.
„KOMM SCHON!“, brüllt er.
Er greift nach mir, und ich fühle einen neuen Adrenalinschub, als wir die Treppe zwei Mal so schnell hochrennen. Wir schaffen die sechste Etage, dann die siebte. Ich höre, wie die Psychos ins Treppenhaus kommen. Sie laufen schon die Treppe hoch. Sie wissen genau, wo wir sind.
Noch ein Stockwerk. Ich zwinge mich, obwohl ich kaum noch Luft bekomme, die letzte Treppe hinauf. Wir gelangen auf den Absatz und rennen zu der Metalltür, die zum Dach führt. Logan drückt mit seiner Schulter dagegen, aber sie lässt sich nicht öffnen. Sie ist verschlossen. Offensichtlich von außen. Ich kann es nicht glauben.
Der Mob der Psychos kommt näher, das Geräusch ihres Trampelns auf der Metalltreppe ist ohrenbetäubend. In wenigen Momenten werden wir in Stücke gerissen werden.
„TRITT ZURÜCK!“, brülle ich Logan zu, ich habe eine Idee.
Dies ist die beste Gelegenheit, die ich für meine letzte Kugel noch habe. Ich ziehe meine Pistole, ziele und feuere mit meiner letzten Kugel auf das Türschloss. Ich weiß, dass es riskant ist, von so nahem zu schießen – aber ich sehe nicht, welche andere Wahl wir hätten.
Die Kugel prallt vom Metall ab, verfehlt uns nur um wenige Zentimeter, aber das Schloss öffnet sich.
Wir rennen durch die Tür, raus ins Tageslicht. Ich schaue über das Dach, frage mich, wo wir hinkönnen, ob es einen möglichen Fluchtweg gibt. Aber ich sehe nichts. Absolut nichts.
Logan nimmt meine Hand und rennt mit mir ans andere Ende. Als wir den Rand erreichen, sehen wir unter uns eine riesige Steinmauer. Sie umspannt den University Place, geht entlang der 14th Street weiter und trennt alles ab, was südlich davon liegt.
„Die Mauer an der 14th Street!“, schreit Logan. „Sie trennt das Ödland von der Wüste.“
„Der Wüste?“, frage ich.
„Dort ist die Bombe hochgegangen. Es ist alles verstrahlt – alles südlich von der 14th Street. Dort geht niemand hin. Nicht einmal die Psychos. Es ist zu gefährlich.“
Plötzlich scheppert wieder Metall, und die Tür zum Dach öffnet sich. Der Mob strömt heraus, direkt auf uns zu.
Tief unter uns sehe ich eine Schneebank, knapp drei Meter hoch. Der Schnee ist dick, und wenn wir genau richtig landen, dann kann das vielleicht, nur vielleicht, unseren Aufprall mildern. Aber es wird ein tiefer Fall, etwa fünfzehn Meter. Und wir wären dann auf der Wüsten-Seite der Mauer.
Aber ich sehe nicht, was für eine Wahl wir hätten.
„Die Schneebank!“, brülle ich und zeige dorthin. „Wir müssen dort hineinspringen!“
Logan schaut herunter und schüttelt den Kopf, er wirkt ängstlich.
Ich sehe über meine Schulter: Die Psychos sind nur noch 30 Meter entfernt.
„Wir haben keine Wahl!“, brülle ich.
„Ich habe Höhenangst“, gibt er schließlich zu, er sieht sehr blass aus.
Ich nehme eine Hand und trete auf den Sims. Er hält einen Moment inne, Furcht steht in seinen Augen, aber er kommt.
„Schließ Deine Augen!“, brülle ich. „Vertrau mir!“
Und dann, als die Psychos nur noch wenige Meter entfernt sind, springen wir.