Das Krankenhaus hatte meine Klamotten gereinigt, aber die Blutflecken hafteten immer noch schwach am Hemd. Ich sah ungepflegt aus. Um mein Hinken zu lindern, hatten sie mir einen Spazierstock angeboten. Ich hatte abgelehnt, musste aber einlenken. Ich stützte mich drauf, dankte der Schwester, bekam einen Vorrat an Schmerzpillen und nahm den Aufzug ins Parterre. Ein Vermögen war für das Krankenhaus-Foyer ausgegeben worden, leichtfertig ausgegeben worden. Es sieht aus wie die Abflughalle in einem Flughafen, mit einer protzigen Kaffeebar, massiven Topfpflanzen und einer Atmosphäre obszöner Opulenz. Niemand kann die Aufnahme finden, und die Menschen wandern benommen und verwirrt umher.
Ich rief eine Taxifirma an, und das Mädchen sagte:
»Das wird etwa zwanzig Minuten dauern. Woran erkennt der Fahrer Sie?«
»Ich sitze in der Kaffeebar, ich habe einen Spazierstock …«
Und bevor ich fortfahren konnte, brüllte sie:
»Fünf Neun, Fuhre ab Krankenhaus, alter Mann am Stock.«
Klick.
Versuchte, nicht darüber nachzudenken, ließ mir einen Kaffee geben und senkte mich vorsichtig auf einen Stuhl, hörte:
»Jack!«
Drehte mich um und sah, wie Ann Henderson sich näherte. Mein Herz schlingerte. Sie trug eine Cordhose, unten breit genug für Stiefel, und einen engen gelben Pulli, die Ärmel hochgekrempelt, sodass eine leichte Sonnenbräune sichtbar wurde. Ihr Ehering schien zu leuchten. Sie fragte:
»Darf ich mich setzen?«
»Klar.«
Wie üblich bekam ich bei ihrem bloßen Anblick einen Kloß im Hals. Ich hatte meinen Spazierstock mit der Krücke an die Tischkante gehängt, und sie warf einen schnellen Blick darauf. Ich sagte:
»Ich wurde soeben als alter Mann bezeichnet.«
Das schmerzte sie, und ich spürte ein leichtes Stechen der Freude.
Heiland, ich wollte sie verletzen, schlimm. Sie antwortete:
»Es tut mir so furchtbar leid.«
»Was? Dass ich alt bin?«
Sie schüttelte den Kopf, ganz kurz ansatzweise verstimmt, dann:
»Was dir zugestoßen ist.«
»Du hast es doch nicht gemacht.«
»Ich habe es bewirkt. Ich habe Tim von unserem Treffen erzählt, und da hat er dir aus Eifersucht diesen Zettel geschrieben.«
Und dann:
»Aber ich wusste nichts von dem Zettel, erst als alles schon passiert war.«
Das ließ ich so stehen. Wenn sie auf Verständnis gehofft hatte –, ohne mich. Ich steckte den Löffel in den Kaffee, rührte wie besessen. Sie bewegte die Hand, um mich zu berühren, und ich schnappte:
»Finger weg!«
Sie wich zurück wie gebissen. Ich sagte:
»Er ist mich besuchen gekommen, dein Mann. Ohne Weintrauben, sogar ohne Hurlingschläger, aber er wollte etwas. Er wollte die Vergangenheit ruhen lassen. Was meinst du, Ann? Sollte ich es dabei bewenden …, vielleicht noch eine Messe lesen lassen, und jedes Mal, wenn ich hinke, könnte ich es, äh, darbringen als Opfergabe für die Seelen im Fegefeuer? Findest du, das ist die richtige Art, abzutreten?«
Ihr Gesicht war von Schmerz verzerrt, und mit jedem Wort, das ich gemächlich äußerte, peinigte ich sie aufs Unermesslichste. Sie holte tief Atem, fragte:
»Jack, könntest du … Könntest du es auf sich beruhen lassen?«
»Nein.«
Sie rang die Hände, dann:
»Wenn du ihm etwas zuleide tust, werde ich dich nie wiedersehen. Du wirst für mich tot sein.«
Ein Mann kam, fragte:
»Sie wollten ein Taxi?«
Ich nickte, stand auf und griff nach meinem Stock. Sie ließ ihre Hand vorschießen, berührte meine, flehte:
»Ich bin auf den Knien, Jack.«
Ich beugte mich nah zu ihr, ihr Parfum brachte etwas in meinem Kopf zum Tanzen, sagte:
»Richte deinem Mann dies aus, kannst du das machen? Sag ihm, für ihn sind die Tage des Hurlings vorbei.«
Ich humpelte hinter dem Taxifahrer her, der fragte:
»Brauchen Sie irgendwie Hilfe, Kumpel?«
Ich schüttelte den Kopf. Die Hilfe, die ich brauchte, hatte am Hals ein Siegel von der Firma Jameson. Als ich es mir hinten bequem gemacht hatte, ließ er den Wagen an, beschimpfte einen Krankentransport, und es konnte losgehen. Musterte mich im Spiegel, fragte:
»Ist das Ihre Missis?«
»Nein, das ist meine Vergangenheit.«
Das verdaute er und stellte das Radio an. Ich erkannte Lyric FM, den Klassiksender. Der Ansager sagte:
»Das war, Sie haben es natürlich erkannt, ›Tabula rasa‹ von Arvo Pärt, und später werden wir ›Festina Lente‹ hören.«
Ich quengelte:
»Ihr ganz bestimmt.«