In Heuston trödelte ich ein bisschen auf dem Bahnsteig herum, hoffte, noch einen Blick auf sie – eigentlich ja auf Margaret – zu erhaschen, aber sie waren mir entwischt. Ich hüpfte auf einen Bus, und der fuhr direkt in die O’Connell Street.
Was für eine Müllhalde.
Heiland, was sie auch in Galway anstellen mochten, besser als hier war es allemal. Die einst so eindrucksvolle Straße war verkommen, schmutzig und deprimierend.
Als ich in Richtung Royal Dublin ging, blieb ein Mann mittleren Alters stehen, flüsterte:
»Wissen Sie, wo der Ann Summers Sex Shop ist?«
»Was …? Machen Sie Witze? Woher soll ich das wohl scheißenocheins wissen?«
Dachte: Langsam, krieg dich ein.
Das Hotel hatte ein beeindruckendes Foyer, und das Empfangsfräulein war freundlich, fragte:
»Hat Sir eine Reservierung?«
Hatte er.
Und:
»Zieht Sir ein Raucher- oder ein Nichtraucherzimmer vor?«
Dreimal darfst du raten.
Mein Knastbesuch war für 15 Uhr angesetzt, also nahm ich mir ein Taxi, sagte:
»Mountjoy, bitte.«
Der Fahrer musterte mich, gab aber keinen Kommentar ab. Schweigende Taxifahrer existieren nicht, und nach ein paar Minuten kam:
»Ist das ein Galway-Akzent?«
»Ja.«
Ich sagte das in einem Ton, der jedes weitere Nachfragen wenig ratsam erscheinen ließ. Es funktionierte nicht.
»Lange Anreise zum Joy für Sie, was?«
Er deutete meinen Antwortgrunzer als Interesse, sagte:
»Sie haben das Spiel am Sonntag gesehen?«
Hatte ich nicht, aber das spielt keine Rolle. Ich wusste nicht einmal, welches er meinte, und fragen wollte ich bestimmt nicht. In Irland ist immer ein Spiel, und, viel wichtiger, es ist immer eins, das erörtert werden muss. Ich blendete ihn aus. Schließlich hielt das Taxi an, und er sagte:
»Da ist er, der Zweitwohnsitz der Crème des Landes.«
Ich stieg aus, und er fragte:
»Soll ich warten?«
»Nein, könnte ein Weilchen dauern.«
»Das sagen sie alle.«
Er verbrannte beim Durchstarten ordentlich Gummi. Das war für die Autodiebe hinter den Mauern zweifellos bittere Musik. Ich starrte kurz das Gefängnis an und rauchte eine Zigarette. Mein tägliches Quantum konnte sehen, wo es blieb. Beim Anblick des Knasts spürte ich das gesamte Rückgrat entlang den Bammel. Einschüchternd sah das aus, und nie hätte man es fälschlich für etwas anderes halten können als für das, was es war: ein Ort der Entbehrung, der Bestrafung. Ich schüttelte mich und trat ein. Kein Gebäude, in das man leicht Einlass gewährt bekommt; die Überprüfungen und nochmaligen Überprüfungen dauerten eine Ewigkeit. Meine Zeit als Polizist machte mich auch nicht lockerer. Schließlich nahm ich meinen Platz inmitten der anderen Besucher ein, hauptsächlich Frauen und kleine Kinder. Sie schienen einander gut zu kennen und pflegten das spöttische Geplänkel. Es war fast wie beim Bingo. Das neue Irland sah man an den beiden schwarzen Frauen. Sie saßen abseits, und alles Gefühl schien sie verlassen zu haben, eine Mattigkeit hing über ihnen.
Dann rief ein Wärter, und die Besucher schlurften los. Wieder wurde ich einer Leibesvisitation unterzogen, und der Inhalt meines Plastikbeutels wurde untersucht. Der Spike Milligan wurde aufgeschlagen, befühlt, sogar am Buchrücken wurde hantiert, dann durfte ich durch.