20

Die Luft war unvorstellbar schmutzig, verdorben durch so viele erschreckte Regul. Abgesehen von den Lichtern auf zwei Schlittenkonsolen und den beiden Lebendbatterie-Lampen, die der Bunker bot, war es dunkel. Die Wasseranlagen funktionierten nicht mehr. Es wurde davon gesprochen, Wasser auf Kesrith-Art zu suchen, auf dem Land, aber keines der Junglinge war sich sicher, das schaffen zu können, und sie waren auch nicht begierig darauf, hinaus in die vergiftete Außenwelt zu gehen oder über die kochenden Ebenen.

Hulagh hatte es ihnen noch nicht befohlen. Er würde es tun, daran zweifelte Stavros nicht, wenn er selbst anfing, Durst zu verspüren.

Die Schlitten wurden jetzt mit Batterien betrieben, und auch dafür gab es eine Grenze, aber die Ältesten, Stavros und Hulagh, verbrauchten wichtige Energie, wie sie auch Speisen und Wasser unrationiert verbrauchten, weil es nicht in Frage stand, daß die Ältesten von den Jungen versorgt werden mußten. Stavros entdeckte, daß er für den gequälten Sekretär Hada Mitleid empfand, der das, was von Nahrungsmitteln und Wasser übriggeblieben war, an 300 andere Junglinge verteilte, und gleichzeitig Hulagh und ihm diente. Sie waren in dem Bunker so eng zusammengedrängt, daß selbst das jüngste und geringste sich nicht zum Schlafen niederlegen konnte; nur den Schlitten wurde ihr Manövrierraum zugestanden. Die Junglinge wichen vor ihnen mit einer Ehrerbietung zurück, die an Anbetung grenzte; in der Tat konzentrierte sich ihre ganze Hoffnung aufs Überleben auf die Anwesenheit von Ältesten bei ihnen. Sie sprachen wenig. Sie alle blickten Hulagh an, Reihe auf Reihe von knochengeschützten Gesichtern und stumpfen Köpfen und Augen, die in der Beinahe-Dunkelheit glitzerten, und Nasenschlitzen, die Stavros in einem langsamen Rhythmus zu arbeiten und in einem Augenblick bizarren Humors zum Gleichklang zu tendieren schienen.

Und im Verlaufe der langen Stunden bemerkte er noch etwas anderes, daß nicht wenige in Schlaf fielen und nicht wieder erwachten.

Bai, Gnade , signalisierte er langsam mit Regul Buchstaben auf dem Schirm. Ich denke, daß einige der Junglinge krank sind.

Hulaghs großer Körper schwoll an, während er ihn ansah, schwoll erneut an und gab ein Zischen der Heiterkeit von sich. »Nein, verehrter Mensch, sie schlafen. Sie werden schlafen, bis Ihre Hilfe kommt. In diesem Zustand verbrauchen sie weniger.«

Und die Junglinge glitten in zunehmender Zahl, mit dem Jüngsten anfangend, in diesen Zustand, bis fast alle eingeschlafen waren.

Und selbst Bai Hulagh begann zu dösen. Mit einem Ruck und einem polternden Fluch befreite er sich wieder daraus und rief nach Hada. »Essen!« befahl er. »Mach schnell, Geistloses!«

Die dicke, sauer riechende Suppe wurde auch Stavros angeboten, aber er lehnte sie ab und würgte fast. Hada war darüber besorgt, aber reichte die Portion daraufhin Hulagh, zwischen dessen dünnen Lippen die Paste rasch verschwand.

»Sie essen nicht«, stellte Hulagh fest.

Ich brauche nicht zu essen, antwortete Stavros, und fügte ehrlich hinzu: Ihre Nahrung bekommt mir nicht. Aber ich würde gerne Soi haben.

Hada jagte davon, um diesem Wunsch zu entsprechen, fiebrig, beinahe manisch in seinem Bedürfnis, zu gefallen. Er bot die heiße Flüssigkeit, mit einem Halm zur leichteren Aufnahme versehen, Stavros gesunder Hand an und trieb sich in seiner Nähe herum.

Hulagh lachte, ein Poltern, eine Folge von Zischlauten. »Geh, Eierstehler, setz dich zu den anderen Junglingen!« Und Hada krümmte sich sichtlich zusammen und schlich mit kleinen, wankenden Schritten davon.

»Hada weiß«, erklärte Hulagh, der unter dem Druck des langen Wartens, unter der Notwendigkeit, sich mit Menschen und den Wegen von Menschen gutzustellen, beinahe leutselig geworden war, »daß wir noch viel länger hiersein werden, daß die Rationen sich weiter verkleinern werden; und Hada ist gierig. Ich lasse diesem Jungling freien Lauf. Ich werde es behalten, wenn es mir weiterhin gefällt. Vielleicht behalte ich sie alle. Ich habe«, fügte er traurig hinzu, »meine eigenen verloren.«

Mit dem Schiff, verstand Stavros. Mein Beileid, Verehrung.

»Und meines für den Verlust Ihres eigenen Junglings.« Das große dünnbekleidete Monster seufzte und verfiel in lange Träumereien.

Und Stavros, sein Schlitten Nase an Nase mit dem Hulaghs, wirbelte seine Gereiztheit in die schwachen Finger seiner linken Hand. Sie bewegten sich nur schwach. Die rechte Hand verkrampfte sich. Er fürchtete jetzt nicht mehr, daß die Lähmung sich ausbreiten oder auf seinen Geist auswirken würde, aber er hatte auch keine Hoffnung mehr, daß sie jemals wieder ganz verschwinden würde. Er blieb der Regul Technologie dankbar, wenn nicht den Regul selbst.

Hulaghs Beileidsbekundungen waren zweifellos ehrlich, aber das bedeutete nicht, daß der Regul in dieser Sache saubere Finger hatte. Stavros betrachtete den dösenden Regul mit zusammengekniffenen Augen. Jetzt, mit den Regul in einem Bunker eingeschlossen, war nicht der richtige Zeitpunkt, um das Offensichtliche auszusprechen, daß Hulagh mit dem Verschwinden Duncans irgend etwas zu tun hatte und daß andererseits Stavros am Verlust des Schiffes und der an Bord befindlichen Junglinge des Bai unschuldig war.

In den Moralbegriffen der Regul war die Beseitigung eines Junglings eine ernste Angelegenheit, aber nur aufgrund des Affronts seines Ältesten und seines Doch. Ein Regul würde den Zorn eines Ältesten über den Verlust eines Junglings ebenso rasch überstehen wie den Zorn desselben Ältesten über entdeckte anrüchige Geschäftsoperationen. Und Stavros glaubte, daß dieselbe unbarmherzige Logik auch zur Beseitigung eines einsamen Ältesten führen konnte, dessen Doch sich als feindlich erweisen mochte, gemäß der Informationen, die dieser Älteste besaß.

Regul logen nicht, das glaubte Stavros immer noch, aber sie waren uneingeschränkt zum Mord fähig, wobei Lügen als unnötig erachtet werden konnten. Und einerseits fürchteten sie ihn, wie sie andererseits auf seine Hilfe hofften, und er nährte diese Hoffnung in ihnen, da er sein eigenes Leben wertschätzte.

Er fing an, den Geisteszustand Bai Hulaghs vom Doch Alagn einzuschätzen, der ein verzweifelter Bursche war, der in den Augen seiner Art einem gefährlichen Verlust erlitten hatte. Und deshalb bemühte Hulagh als guter Handelsprinz sich um einen Kompromiß, solange er noch gewinnträchtig schien.

Es war ein Kompromiß, aus dem die Menschheit einen großen Gewinn ziehen konnte.

Aber Teil dieser Übereinkunft würde, dazu war Stavros entschlossen, die Ablegung von Rechenschaft für den Verlust eines bestimmten ObTak sein, dem Stavros weit mehr Zuneigung entgegengebracht hatte, als er sich selbst zugestanden hatte. Er hatte seine eigenen Kinder nicht geliebt, von denen er nur wenig gesehen hatte, so eingeschlossen, wie er als Gelehrter auf Kiluwa gelebt hatte, oder später, als er bei der Regierung und auf der Universität beschäftigt gewesen war. Er hatte viele andere Dinge für wichtiger gehalten, als sich mit den Ereignissen von verschiedenen seiner jungen Leidenschaften abzuplagen, die ihm zuerst eine Sammlung von Söhnen und danach von Enkeln und Großenkeln verschafft hatten – die ihn überwiegend deswegen hatten haben wollen, weil eine Kiluwanerverbindung Prestige verschaffte. Einige von ihnen, das wußte er, haßten ihn mit derselben hingebungsvollen Leidenschaft, mit der sie nach Vorteilen durch seinen Einfluß strebten.

Aber er vermißte Duncan. Duncan war zu ihm gekommen wie andere, geplagt von Stavros Ruf, Wohlstand erreichen zu können, mit den Motiven der anderen. Und doch hatte Duncan ihm gegenüber ständig und ernst seine Pflicht getan, ernst in seinen Versuchen, die kiluwanischen Formalitäten zu durchdringen, einfach weil es Duncans Natur entsprach, das zu tun.

Stavros hatte nie gelernt, das zu erwidern, und wegen der Regul erlaubte er sich auch nicht den Kummer, den sie nicht hätten verstehen können. Aber zusätzlich zu der Rechenschaft für Kiluwa kam noch die für einen nicht zur Sache gehörigen ObTak.

Trotzdem bedauerte er nicht, Duncan geschickt zu haben, selbst für einen solchen Preis. Die Vorgänge hatten den Regul Schaden zugefügt, ihnen Satisfaktion abgenötigt, und menschlicher Gnade ausgeliefert. Und das befriedigte Stavros außerordentlich. Das war ein Teil des Preises für Kiluwa.

Der volle Preis würde fällig werden, wenn er die Zügel der Befehlsgewalt von Bai Hulagh übernahm und anfing, Doch Alagn zu einem Abkommen mit den Menschen zu zwingen, das war Rache von der Art, die sowohl Kiluwa als auch Hulagh zu schätzen wissen würden. Um so mehr, wenn sichergestellt war, welche Regul direkt für Kiluwa verantwortlich waren und die Mittel zur Verfügung standen, mit ihnen umzugehen. Als Kiluwaner pflegte Stavros einen spezifischen und logischen Haß: es gab eine Art, genannt Regul; aber die Regul genannte Art war es nicht, die Kiluwa zerstört hatte. Das war ein Doch, und dessen Name war Holn, und es war hier nicht vertreten.

Holn waren bei ihrer Landung dezimiert worden, aber das befriedigte Stavros nicht. Er war nicht an Blutvergießen interessiert. Es war der Untergang von Holn, den er wollte, ihr Abschied von der Macht bei den Regul.

Und Hulagh, wenn kontrolliert und ein Verbündeter der Menschheit, konnte ein Instrument dieser Politik sein.

»Ältester«, grollte Hulagh schließlich, »ist es sicher, daß Sie Befehlsgewalt über Ihre Leute haben?«

Sofern keine Mri eingreifen und etwas Weitgehenderes hervorrufen, antwortete Stavros. Ich habe Befehlsgewalt über die Kräfte, die nach Kesrith kommen.

»Gnade«, sagte Hulagh. »Die Mri werden kein Faktor mehr in den Beziehungen zwischen uns sein. Sie sind verschwunden. Es gibt keine Mri mehr.«

Das war neu. Stavros ließ ein Fragesymbol aufleuchten, nicht mit Wörtern geschmückt.

»Das Schiff«, berichtete Hulagh, »enthielt alle Überlebenden der Mri-Spezies. Wir haben diese Seuche, die unsere beiden Arten im Krieg gegeneinander hielt, beseitigt.«

Hulagh hatte damit gewartet, diese Nachricht bekanntzugeben. Stavros hörte sie und war über diesen Gedanken zuerst entsetzt, die Ausrottung einer intelligenten Art. Dann wurde er argwöhnisch – aber die Regul logen nicht. Er begann über die Möglichkeiten in einem Universum ohne Mri nachzudenken und kam zu dem Schluß, daß die Möglichkeiten für menschlichen Profit enorm waren.

»Es ist klar«, sagte Hulagh, »daß die völlige Neugestaltung der Beziehungen zwischen Menschen und Regul in Ordnung geht. Doch Alagn könnte interessiert sein, dazu beizutragen.«

Stavros erschrak zum zweitenmal und erkannte diesen Schrecken als menschliche Reaktion, die auf Moralvorstellungen basierte, die Hulagh unmöglich anerkennen konnte. Es gab keinen besonderen Grund dafür, daß Doch Alagn auf ein Angebot verzichten sollte, das nach menschlichen Begriffen vernünftig war. Doch Alagn befand sich in finanziellen und politischen Schwierigkeiten. Hulagh wollte sich an die Mächte anpassen, die über die Ressourcen bestimmten, nach denen ihn dürstete.

Der Groll der Menschheit, antwortete Stavros nach angemessenem Nachdenken, richtet sich gegen Doch Holn. Es liegt im Bereich des Möglichen, zu neuen Übereinkommen zu gelangen, die für unserer beider Interessen von Vorteil sind.

Hulaghs Lippen öffneten sich zu einem Regul Lächeln. Ein leiser Zischlaut bekundete sein Vergnü- gen. »Wir werden das prüfen«, sagte er. »Wir werden es prüfen, äußerst hervorragender Stavros.«

Und er weckte Hada und verlangte nach Soi, und erinnerte sich diesmal daran, es gesüßt zu verlangen, um Stavros' persönlichen Wünschen entgegenzukommen.

Aber bevor es zubereitet worden war, kam Hada zurückgehastet und wedelte vor Erregung mit den Händen. »Das Schiff«, keuchte er. »Seid gnädig, Älteste, das Menschenschiff, vorzeitig – der Bericht...«

Hulaghs Handbewegung unterbrach das Jungling abrupt. Die Lippen des Bai blieben geöffnet, seine Nasenlöcher weiteten sich zu dem, was Stavros als Ausdruck der Angst kennengelernt hatte. Die allgemeine Haltung das Bai war die eines Mannes mit einem nervösen Lächeln, der trotz unterdrückten Schreckens gute Manieren an den Tag legte.

»Sicherlich werden sie den Wunsch haben«, meinte Bai Hulagh, »diese Vertreter Ihres Volkes zu begrü- ßen und ihnen die Situation zu erklären. Versichern Sie ihnen unser Bedauern über den Zustand des Hafens, Verehrung.«

Wir werden zurechtkommen, antwortete Stavros, während er mit seiner Angst und deren Zügelung beschäftigt war und sich daran erinnerte, wie wichtig es war, daß Hulagh beruhigt wurde. Haben Sie Vertrauen, Verehrung, daß Sie nichts zu befürchten haben werden, wenn Ihre Junglinge sich ruhig verhalten und die Operationen nicht behindern.

Er drehte seinen Schlitten zur Kontrollsektion des Bunkers, folgte der rollenden Gangart von Hada Surag-gi, der für Regul-Begriffe beinahe rannte.

* * *

Die großen Türen des Bunkers gingen auf und Lichtbalken glänzten durch das matte Innere, gehandhabt durch die phantastischen Gestalten von Menschen in Raumanzügen, die mit schweren Schritten zwischen den Reihen schlafender Junglinge entlangstapften. Vorsichtshalber wurde das Tor wieder geschlossen. Einer der Männer benutzte einen Geigerzähler und untersuchte, ob Strahlung in das Bunkerinnere eingedrungen war. Wache Junglinge hasteten beiseite, um ihnen den Weg freizumachen, und zitterten vor Furcht.

Stavros glitt mit seinem Vehikel vorwärts, hielt vor einer verhüllten Gestalt an und sah, daß der von blindem Glas verhüllte Kopf in einer Haltung der Verwunderung innehielt.

»Konsul Stavros?«

Der Namensstreifen auf dem Raumanzug wies aus, daß der Mann Galey hieß und im Rang eines Leutnants stand.

»Ja«, sagte Stavros, ließ den Kommunikationsschirm sich drehen und buchstabierte mit dem Basic Alphabetmodul eine Nachricht, da er seiner undeutlichen Sprache bei komplizierten Äußerungen nicht traute. Ich leide unter den Folgen eines Schlaganfalls. Sprache nur unbeholfen, aber Prothesen passen sehr gut. Sprechen Sie mit mir normal und beobachten Sie dann den Schirm. Haben Sie Respekt vor diesen Regul. Es wird nötig sein, sie in Sicherheit zu bringen, falls Sie hier im Gebäude keine normalen Operationen garantieren können.

»Sir«, sagte Galey, den die Situation offenbar verwirrte. Er holte tief Atem und stieß ihn wieder aus. »Sie haben hier unten das Kommando. Welche Instruktionen? Ich fürchte, daß die Energie ein großes Problem sein wird. Möglicherweise können wir eine Mannschaft dafür einsetzen, und es scheint hier keine Verseuchung zu geben, aber in der Nähe des Hafens gibt es einige ganz schön heiße Stellen. Die Station ist intakt. Wir würden lieber evakuieren.«

Kann dieses Gebäude besetzt werden, bewohnt werden?

»Dieses Gebäude? Ja, Sir, es scheint so.«

Dann bleiben wir. Widriges Wetter hier ein Problem. Das übrige habe ich unter Kontrolle.

»Die Mri, Sir...«, sagte Galey. »Uns ist nicht klar, was hier passiert ist.«

Wir haben ein Problem, Leutnant Galey, aber wir sind dabei, es zu lösen. Setzen Sie freundlicherweise Ihre Männer so ein, daß wir hier im Gebäude wieder normalen Betrieb aufnehmen können. Die Funkstation ist durch jene Tür dort zu erreichen. Sie werden mich entschuldigen, wenn ich Sie nicht begleite.

»Ja, Sir«, sagte Galey und grüßte hölzern und flüchtig auch den Regul. Die Marines in seiner Begleitung fingen an, sich um ihre verschiedenen Aufgaben zu kümmern, zweifellos über Anzugtelefone, bei denen die Regul am Austausch von Kommentaren und Instruktionen nicht beteiligt waren.

»Sie haben es mit Junglingen zu tun«, stellte Bai Hulagh fest. »Gnade. Sind noch andere Älteste dabei beteiligt?«

Andere Befehlsinhaber, so faßte Stavros auf, was der Bai meinte, Befehlsinhaber, die Vereinbarungen zwischen ihnen beiden komplizieren konnten. Meine Entschuldigung, Bai Hulagh. Dies war ein älterer Jungling, und der Älteste, der sie alle befehligt, muß sich – wie Sie sich vom Vertrag her sicher erinnern werden – in Angelegenheiten der Verwaltung von Kesrith und seiner Zone mir beugen. Es gibt jedoch einen Bereich, in dem seine und meine Befehlsgewalt sich überschneiden könnten.

»Und das ist, Menschenbai?«

Mein vermißter Assistent ist militärisches Personal. Der Bai des ankommenden Schiffes meint vielleicht, daß er mit dieser Angelegenheit am besten fertig werden kann. Das wäre für ihn eine Gelegenheit, mit seiner Befehlsgewalt in meine Domäne einzudringen. Das entspricht natürlich nicht meinen Wünschen. Ich habe das Gefühl, daß es der Sache dienlich sein könnte, wenn es möglich wäre, bestimmte Antworten zu geben.

Hulaghs Nasenlöcher flatterten vor Erregung rascher. »Gnade, Verehrung. Wir könnten eine Absuchung der Dus-Ebene vorschlagen, wo es zu Auseinandersetzungen zwischen meinen Junglingen und den gesetzlosen Mri gekommen ist. Es ist eine unangenehme Vermutung, aber wenn Überreste gefunden werden könnten...«

Stavros betrachtete den ängstlichen Bai ohne Mitgefühl. Ist es also die Meinung das Bai, daß dieser Jungling tot ist?

»Das ist äußerst wahrscheinlich, Verehrung.«

Aber wenn er es nicht ist, ist es wahrscheinlich, daß jemand aus Ihrem Stab eine Suche aussichtsreicher leiten könnte, als jemand von den Schiffsoffizieren. Das ist möglich, nicht wahr, Bai? Es würde meine Autorität hier enorm vergrößern, und die Verhandlungen zwischen uns erleichtern, wenn es möglich wäre, diesen Jungling wieder aufzufinden. Er ist natürlich nur ein Jungling, und seine Erfahrungen während der Mri-Aktion werden seinen Verstand zweifellos zur Hysterie hin beeinflußt und seine Einschätzungen getrübt haben, so daß kein Bericht, den ergeben könnte, ernstgenommen werden kann. Aber es würde mir gefallen, wenn er lebendig wiedergefunden werden könnte.

Der Bai dachte darüber nach, einschließlich des implizierten Sinns dieser Worte. »In der Tat«, sagte Bai Hulagh, »gibt es in meinem Stab einen solchen Experten, eine Person, die mit dem Terrain vertraut ist. Mit der Kooperation Ihres Stabes könnte alles sofort eingeleitet werden.«

Meine Dankbarkeit, Verehrung. Ich werde mich um die erforderliche Ausrüstung aus dem Schiff kümmern. Und Stavros drehte seinen Schlitten und suchte Galey, während seine Ohren auffingen, wie Bai Hulagh dringend nach Hada rief.

Die Reaktion fing an, ihn zu beeinträchtigen. Er fand es im Augenblick schwer, sich auf die numerischen Signale zu konzentrieren, die die verschiedenen Programme des Schlittens aktivierten. Seine Augen waren getrübt. Daran war er nicht gewöhnt. Er hatte die emotionelle Reaktion jedoch wieder unter Kontrolle, als er den Schlitten mit beiläufiger Unbefangenheit neben Galey steuerte, der nicht zu wissen schien, ob er sein Beileid bekunden oder zum Überleben gratulieren sollte.

»Sind Sie allein hier, Sir?« fragte Galey.

Wie Sie bemerkt haben werden, gibt es reichlich Schwierigkeiten. Keine Verzögerungen. Hat Koch da oben den Befehl?

»Ja, Sir.«

Dann stellen Sie für mich einen direkten Kontakt zu ihm her. Ich kann diese Konsole in die Hauptleitungen einschalten. Können Sie ein Schiff herunterholen, das genügend Personal für Arbeitsmannschaften hat und auch einen offiziellen Stab für mich?

»Nicht schnell. Der Hafen ist total zerstört. Die Station ist jedoch in gutem Zustand. Überall Servos.« Galey beugte sich über die Schaltung der Kom Einheit und fingerte hilflos auf den Regul-Kontrollen herum.

»Hier«, sagte Stavros etwas befriedigt, gab die Chiffre ein und ließ die Folge von Veränderungen anlaufen, die sie mit dem Kriegsschiff SABER verband, das ihnen den ganzen Wirrwarr von Personal gebracht hatte, der Kesrith menschlich machen würde: Bodenfachleute und Wissenschaftler.

Und Waffen.

Sein Kommando, Kesrith, seines. Kein Stabsmediziner würde über ihm herrschen, bis er nicht mehr in der Lage war, zu regieren. Und tief in seinem Innern wußte er, daß er diesen kauernden Handelsprinzen der Alagn brauchte, so sehr wie Doch Alagn momentan ihn brauchte.

Er bemerkte den Schock auf dem Gesicht des Kom Offiziers der SABER. Plötzlich verschwand dieses Gesicht und wurde durch das von Stavros' militärischem Widerpart Koch ersetzt.

»Stavros?« erkundigte sich Koch.

Sprechen bereitet Schwierigkeiten, buchstabierte er die Antwort auf dem Schirm, anstatt sein Bild übertragen zu lassen. Wir haben hier unten gestrandete Regul. Halten Sie sich bereit, uns mit planetarischen Operationen zu unterstützen. Wir brauchen Nahrungsmittel und trinkbares Wasser.

»Auf Regul waren wir nicht vorbereitet.«

Unvorhersehbare Umstände. Alle Entscheidungen bezüglich Kesriths und der Regul liegen bei mir. Die Lage hier ist unter Kontrolle. Im Augenblick suchen wir meinen Assistenten, möglicherweise bei Mri-Angriff verlustig gegangen. Heiße Stellen nach Berichten auf den Hafen beschränkt. Ich fordere von der SABER militärisches Personal unter meinem Kommando an, bis wir altes geklärt haben.

»Exzellenz«, sagte Koch, »die medizinischen Einrichtungen der SABER stehen zu Ihrer Verfügung, wenn Sie zur Station heraufkommen möchten.«

Negativ. Regul-Einrichtungen geeignet. Die Lage ist zu dringend. Meine Verfassung ist den Umständen entsprechend gut. Ich verfolge Angelegenheit unter meiner Befehlsgewalt als Gouverneur von Kesrith. Schicken Sie Wissenschaftler, militärische Hilfskräfte, alles dazugehörige Personal samt Ausrüstung so rasch, wie die Gegend darauf vorbereitet werden kann.

»Es könnte ratsam sein, zu warten.«

Schicken Sie das geforderte Personal herunter.

Es gab eine lange Verzögerung.

»Na gut«, meinte Koch dann. »Die Gruppe wird von einem Arzt begleitet.«

Auf Kesrith, sagte Stavros, wird der Arzt auf meine Zustimmung warten.

Koch verdaute auch das. Schließlich nickte er zustimmend. »Sie haben den Befehl, in Ordnung. Aber Schiffspersonal bleibt unter meinem Kommando. Die Zivilisten werden runterkommen, sobald wir festen Boden für sie entdeckt haben. Sternschiff FLOWER steht zu Ihrer persönlichen Verfügung, mit meinen Glückwünschen. Eine Forschungseinheit allerdings, nicht für Kampf geeignet. Erfordert die Lage sofortige bewaffnete Unterstützung?«

Negativ.

»Ganz schönes Wetterchen da unten.«

Das ist häufig so. Warten Sie also! Wir verfolgen hier unsere Operationen mit erreichbarem Personal. Sie sind eingeladen, herunterzukommen und Höflichkeiten auszutauschen, sobald wir die Trümmer beseitigt haben.

Ein Schlitten kam herbeigesummt. Stavros hörte ihn und stellte die Blindverbindung momentan wieder her. Er beobachtete befriedigt, wie Koch zum erstenmal einen Regul-Ältesten erblickte.

Das ist Bai Hulagh, erklärte ihm Stavros, und schaltete die Sichtverbindung wieder ab. Ein höchst einfluß- reicher Regul, Sir, wenn es Ihnen recht ist. Wir haben hier zu einer gewissen erforderlichen Kooperation gefunden, die beiden Arten zum Vorteil gereicht.

»Verstanden«, erwiderte Koch langsam und schien vollkommen verblüfft zu sein. Koch war ein Militär, durch und durch. Er war mit einer Situation konfrontiert worden, mit der er nicht zurechtkam, und erkannte das glücklicherweise.

»Ihre Hilfe wird kommen«, sagte er. Stavros unterbrach die Verbindung mit innerer Befriedigung und warf Galey einen Blick zu. ›Untersuchen Sie die Gegend hier‹, teilte er dem Leutnant mit. ›Und wenn Sie herausgefunden haben, wo es sicher ist, werden wir damit anfangen, diese Junglinge wieder ihren normalen Pflichten zuzuführen. Dies ist der Stab des Bai. Erweisen Sie die gebührende Beachtung, Leutnant!‹

»Berichte werden mitgeteilt«, erwiderte Galey. »Die ganze Gegend scheint kalt und sicher zu sein. Die Versiegelung des Gebäudes hält ziemlich gut.«

Stavros seufzte vor Erleichterung.

»Meine Junglinge«, sagte Hulagh, »werden Möglichkeiten finden, Wasser zu gewinnen und die Energiekollektoren zu reparieren.« Er winkte mit seiner massigen Hand. »Hada wird sich um andere Dinge kümmern, um Transportmöglichkeiten. Ich glaube, daß einige der Fahrzeuge bei der Wassergewinnungsanlage es überstanden haben könnten.«