5
Die Tür war verschlossen, wie immer während der Arrestperiode. Trotzdem versuchte es Sten Duncan erneut, schlug in dem Bewußtsein, daß es nutzlos war, mit der Faust dagegen und ging dann zu dem alten Mann zurück.
»Sie haben es abgelehnt, eine Antwort zu geben«, sagte Stavros. Er saß auf dem Schreibtischstuhl, der Bildschirm der Konsole an seinem linken Ellenbogen zeigte ein eintöniges Grau. Er machte einen unsicheren Eindruck, was für ihn selbst zu einer so schlimmen Zeit unüblich war.
Sie waren auf dem Planeten gelandet. Das war klar.
»Wir hätten andocken sollen«, sagte Duncan schließlich, womit er dem geringsten Teil der in seinem Geist brodelnden Betroffenheit Ausdruck verlieh.
Stavros reagierte nicht auf diese Beobachtung, sondern blickte ihn nur leidenschaftslos an. Duncan las Scham aus diesem Blick.
»Wenn die Pläne geändert worden sind, muß entweder auf der Station oder auf dem Planeten etwas nicht in Ordnung sein«, sagte Duncan. Er versuchte, dem alten Mann wenigstens eine kleine Beruhigung zu entlocken, ein Zurückweisen seiner Auffassungen – sogar ausgesprochenen Zorn. Damit konnte er umgehen.
Und als Stavros ihm überhaupt keine Antwort gab, sank er auf einen Stuhl am Tisch, den Kopf in die Hände gestützt, erschöpft von der Anspannung des Wartens. Für sie war es Nacht, und sie war halb vorbei.

»Vielleicht schlafen sie«, kam es unerwartet von Stavros, der Duncan mit dem völligen Fehlen von Verbitterung in der Stimme überraschte. »Falls sie sich entschlossen haben, auch nach der Landung den Schiffszyklus aufrechtzuerhalten, oder wenn wir in der örtlichen Nacht gelandet sind, könnte es sein, daß Bai Hulagh schläft und seine Befehlsempfänger nicht bereit sind, unabhängig von seiner Autorität eine Antwort zu geben. Die Regul belästigen einen Älteren seines Ranges nicht.«
Duncan blickte ihn wieder an. Er glaubte diese Erklärung nicht, war aber über diese Geste von Stavros froh, egal, ob er noch eine andere im Hintergrund seines Geistes hegte, die er nicht aussprach, oder nicht. Es hob Duncans Gefühle nicht im mindesten, daß Stavros ihm nichts über das Zusammentreffen mit dem Mri gesagt hatte, daß er ihm nur ruhige Fragen über das gestellt hatte, was im Hauptraum geschehen war. Es gab keine Zurechtweisung, keine Spur von dem, was in Stavros' Geist vor sich gegangen war. Auch dann hatte Stavros nichts gesagt, als ihnen wenig später ein neuer Zeitplan mitgeteilt worden war, in dem die Zahl ihrer freien Stunden um die Hälfte gesenkt worden war, ein Regul-Jungling ständig an ihrer Tür Wache hielt und Duncan in einigem Abstand folgte, wenn er den Raum verließ.
Die Vergeltung traf ihn natürlich am schwersten, indem sie ihn noch mehr einschränkte, während Stavros kaum davon betroffen war; aber in bezug auf ihre Sicherheit und die Zukunft der Zusammenarbeit zwischen Regul und Menschen war es als schlechtes Omen genug. Immer noch herrschten die formellen Verhaltensweisen, immer noch enthielten die Tagesbotschaften Grüße. Wie es für die Regul charakteristisch war, hatte man den Zwischenfall in der Halle nicht direkt erwähnt. Ohne alle Erklärungen waren sie lediglich davon in Kenntnis gesetzt worden, daß ihr Stundenplan geändert worden war.
»Es tut mir leid, Sir«, sagte Duncan schließlich aus seiner Frustration heraus.
Stavros sah plötzlich überrascht aus, runzelte dann die Stirn und zuckte die Achseln. »Wahrscheinlich handelt es sich lediglich um Regul-Verhaltensweisen und eine geringfügige Änderung der Pläne. Machen Sie sich keine Sorgen darüber.« Und dann mit einem zweiten Achselzucken: »Gehen Sie schlafen, Duncan! Im Moment ist nicht viel anderes zu tun.«
»Ja, Sir«, erwiderte Duncan, stand auf und ging in den Vorraum, setzte sich auf seine Koje und schlug die Beine unter. Er stützte die Ellenbogen auf die Knie und massierte seine schmerzenden Schläfen.
Seinetwegen waren sie Gefangene.
Stavros war besorgt. Er wußte zweifellos, wovon sie betroffen waren, und er war besorgt. Wenn die Regul das Angebot angenommen hätten, hätte Stavros vielleicht den Menschenjungling, der die Schwierigkeiten hervorgerufen hatte, demonstrativ bestrafen können. Vielleicht hatte er das nicht getan, weil sie beide Menschen waren und Stavros eine unausgesprochene Zuneigung zu Duncan empfand. Oder vielleicht hatte er abgelehnt, es zu tun, weil ein Regul-Ältester unter denselben Umständen es auch nicht getan hätte.
Es war jedoch deutlich genug, daß sie unter dem schweren Schatten des Mißfallens der Regul standen, und das seit vielen, vielen Tagen; und daß sie jetzt nicht da waren, wo zu landen man ihnen beim Start versichert hatte.
Ein Geräusch drang an seine Ohren, ein Geräusch von jemandem, der im Korridor vorbeikam, in einem der Schlitten, die draußen in ihren Schienen entlanghuschten. Duncan blickte auf, als der dort draußen anzuhalten schien, und hoffte gegen alle Hoffnung, daß das Ding stehengeblieben war, um Nachrichten zu überbringen.
Die Tür ging auf. Er sprang sofort in korrekter Haltung auf. Der Schlitten war tatsächlich vor der Tür stehengeblieben, und in ihm saß der älteste und massigste Regul, den er je gesehen hatte. Rolle auf Rolle von gerunzeltem Fleisch und eine krustige Haut verbargen jede Andeutung einer Struktur, die es in dem graubraunen Körper geben mochte, abgesehen von den Knochenplatten des Gesichtes, in denen die Augen zwischen kreisförmigen Runzeln verborgen lagen, schwarze, glitzernde Augen. Die flache Nase und der geschlitzte Mund vermittelten eine täuschende Illusion von Menschenähnlichkeit.
Es war das Gesicht eines Menschen im Körper eines Tieres, und dieser Körper wurde von braunen schimmernden Gewändern mit silbernen Kanten umhüllt, feine Gaze, die eine grobe und von Runzeln durchzogene Haut umgab. Die Nasenlöcher waren geschlitzt, konnten flattern und sich schließen. Duncan wußte, daß diese Bewegung bei Junglingen ein Anzeichen von Gefühlen war, einer der wenigen Ausdrücke, zu denen ihre knochengeschützten Gesichter fähig waren – ein Rollen der Augen, ein Öffnen und Schließen der Lippen, ein Flattern der Nüstern. Aber hätte er nicht gewußt, daß dieses Wesen zu derselben Art gehörte wie die Junglinge, er hätte es nicht geglaubt.
Erstaunlicherweise erhob sich der Älteste, richtete seinen Körper auf und stand dann auf krummen und fast unsichtbaren Beinen im Schlitten.
»Stavros!« sagte es – er – in einem polternden Baß.
Menschen konnten den Ausdruck von Regul nicht nachahmen; vielleicht waren auch die Regul nicht dazu in der Lage, Höflichkeit oder das Fehlen derselben bei Menschen zu erkennen. Trotzdem wußte Duncan, daß jetzt Höflichkeit gefordert war. Er verneigte sich. »Gnade«, sagte er in der Regul-Sprache, »ich bin der Jungling Sten Duncan.«
»Rufe Stavros!«
Aber die Tür war schon offen. In der Absicht, dem Befehl nachzukommen, drehte sich Duncan um und erblickte Stavros, der unter der Tür stand und nicht näher kam.
Es fand ein polternder Austausch von Regul Höflichkeiten statt, und Duncan zog sich, vom Fluß der Sprache verwirrt, an die Wand des Raumes zurück. Er erkannte, was er bereits geahnt hatte, daß dies der Bai selbst sein mußte, der gekommen war, um mit ihnen zu sprechen, Bai Hulagh Alagn-ni, Hoher Befehlshaber der HAZAN, Nachfolger des Holn und provisorischer Gouverneur der Zonen von Kesrith während der Übertragung der Macht von Regul auf Menschen.
Duncan verhielt sich unauffällig; er wollte kein zweitesmal gegen Regul-Verhaltensweisen verstoßen und Dinge komplizieren, die er nicht begriff.
Der Austausch war kurz. Er wurde mit einer Reihe von Floskeln und Gesten abgeschlossen, der Bai ließ sich wieder in seinen Schlitten sinken und fuhr davon. Stavros schloß selbst die Tür, bevor Duncan sich aus seiner Verwirrung lösen und dies tun konnte.
»Sir?« wagte Duncan daraufhin zu fragen.
Stavros ließ sich für seine Antwort Zeit. Schließlich blickte er mit düsterer und besorgter Miene um sich. »Wir sind auf Kesrith gelandet«, erklärte er. »Der Bai versichert uns, daß es für ein Schiff dieser Art ganz normal ist, direkt auf der Planetenoberfläche zu landen, daß es eine Entscheidung in letzter Minute war und aus Gründen, die uns nicht betreffen. Aber ich konnte auch entnehmen, daß es hier eine gewisse Unstabilität gibt, die ich nicht begreife. Der Bai will, daß wir im Schiff bleiben. Vorübergehend, sagt er.«
»Handelt es sich«, fragte Duncan, »um Ärger wegen dieser Sache mit dem Mri?«
Stavros schüttelte den Kopf. »Das weiß ich nicht. Ich weiß es nicht. Ich glaube, daß von der gesamten Mannschaft erwartet wird, das Schiff nicht zu verlassen, bis die Dinge sich selbst geregelt haben. Dies zumindest...« Stavros Augen wandten sich zur Decke, zur Ventilation, zum Licht, zu Einrichtungen, die sie nicht verstanden und denen sie nicht vertrauten. Der Blick warnte, enthielt eine Befürchtung, die er ausgesprochen hätte, wäre er sicher genug dazu gewesen. »Der Bai versichert uns, daß wir am Morgen zum zentralen Hauptquartier gebracht werden. Im Moment herrscht draußen Nacht. Wir unterliegen bereits der Hauptzeit von Kesrith. Der Bai gibt uns bekannt, daß das Wetter gut und die Unbequemlichkeiten gering sind, und man erwartet, daß wir uns unserer Nachtruhe erfreuen und spät aufstehen werden, in der Erwartung einer angenehmen Ankunft auf Kesrith.«
›Der Bai ist höflich und förmlich‹, brachte Stavros' Miene durch die Wörter hindurch zum Ausdruck. Man durfte nicht mit Glaubwürdigkeit rechnen. Duncan nickte verstehend.
»Dann gute Nacht«, sagte Stavros, als sei der Gedankenaustausch laut vor sich gegangen. »Ich glaube, wir können uns darauf verlassen, daß wir für eine beträchtliche Anzahl von Stunden an Bord festgehalten sind und wahrscheinlich genug Zeit für den Nachtschlaf haben werden.«
»Gute Nacht, Sir«, sagte Duncan und sah dem alten Mann zu, wie er zurück in sein Quartier ging. Die Tür schloß sich hinter ihm.
Er wünschte sich nicht zum erstenmal, daß er den alten Mann offen fragen könnte, was er über die Angelegenheit dachte, und daß er erfahren könnte, was der ehrenwerte Stavros von dem glaubte, was man ihm gesagt hatte.
Während der Zeit, in der sie sich geringfügig in der Gunst der Regul befunden hatten, hatte Duncan angefangen, sich dem Studium der Regul-Sprache mit derselben inbrünstigen, verzweifelten Hingabe zu widmen, wie einst den ObTak-Waffen und Überlebensfähigkeiten. Er hatte mit dem Auswendiglernen von Sätzen begonnen und erreicht, sie hinterher mit einer Leichtigkeit bilden zu können, die er sich zuvor nicht hatte vorstellen können. Er war kein Gelehrter, sondern ein erschrockener Mann. Er begann mit der alptraumhaften Konzentration, die die Furcht in ihrer Einsamkeit erreichte, zu denken, daß Stavros wirklich sehr alt war, daß es noch beträchtliche Zeit dauern würde, bis Menschen nachkamen, und daß die Regul, die über ihre eigenen Junglinge so leichthin verfügten, sich nichts dabei denken würden, einen Menschenjungling zu töten, der seinen Ältesten überlebt hatte, falls ihnen dieser Menschenjungling nutzlos erschien.
Stavros' Alter, das der Grund für seinen Auftrag gewesen war, sprach gleichzeitig gegen einen Erfolg. Wenn dem ehrenwerten Mr. Stavros etwas widerfuhr, würde Duncan hilflos zurückbleiben, unfähig, mit der Masse der Junglinge in Verbindung zu treten – und, wie Stavros einmal gesagt hatte, würden die Junglinge es ihm nicht erlauben, mit Regul vom Rang Bai Hulaghs Kontakt aufzunehmen, die als einzige fließend mit der Menschensprache umgehen konnten.
Er dachte nicht gern über diese Möglichkeit nach, über den Tag, an dem er beim Umgang mit den Regul auf sich allein gestellt sein könnte.
Da es bis zum Verlassen des Schiffes auf Kesrith noch Stunden dauern würde, und da seine angespannten Nerven keinen Schlaf ermöglichten, griff er nach seinen Unterlagen und begann, mit einem Stein im Magen und voller Hingabe zu lernen.
Dag – Gnade, bitte, Beachtung. Dieselbe Silbe bedeutete, wenn sie im Tonfall einer Dampfpfeife ausgesprochen wurde: Ehrenwerter. Und schrill: Blut. Dag su-gl'inh-an-ant pru nnugk – Darf ich in direkten Kontakt mit dem Verehrten... Dag nuc-ci: Gnade, Sir.
Er studierte, bis ihm die Unterlagen aus den nervö- sen Händen fielen. Er brach zusammen, um eine hübsche Zeitlang zu schlafen, bis Regul Befehlsempfänger ohne Ankündigung die Tür öffneten und anfingen, mit schriller Stimme Befehle zu rufen und schroff, ohne die frühere Höflichkeit, Stavros' und sein Gepäck aufzunehmen.
Ihm gegenüber gebrauchte keines der Junglinge eine Höflichkeitsform, auch nicht, als er gegen den rauhen Umgang mit seiner Habe protestierte. Sie übten sich ihm gegenüber in bitterem Schweigen und einer fiebrigen Hast, durchsetzt mit Gerede untereinander, während sie das Gepäck auf den Transportschlitten luden, der es fortbringen sollte. Ein weiteres Fahrzeug, ein Fahrgastschlitten, wartete.
»Jetzt, jetzt«, sagte eines – wahrscheinlich der Gesamtumfang des menschlichen Vokabulars, den aufzunehmen es sich bemüht hatte –, drängte zur Eile. Erst als Stavros selbst erschien, übten sich die Junglinge in Etikette.
Selbst einem älteren Menschen erwiesen die Regul seine Ehre: sie schienen Stavros mit heilsamer Furcht zu betrachten.
Aber als Duncan zurückblickte, während sie einstiegen, sah er direkt in das Gesicht eines Junglings, das sich bückte, um ihnen in den Schlitten zu helfen – die Nasenlöcher waren zugeschnappt, die Lippen zusammengepreßt, ein Ausdruck des Hasses, der die Grenzen der Arten überschritt.
Sie waren auf Kesrith und unter Regul, die ihre Begleiter und Berater bei der Evakuierung anderer Regul sein würden, die hier seit Jahrhunderten heimisch waren. Stavros und er waren als Eroberer auf diese Welt gekommen, Eroberer, die zumindest für dreißig Tage nur zwei sein würden, und obendrein verwundbar. Diese Welt hatte Regul und Mri gehört. Und es war nur wahrscheinlich, daß auch Mannschaftsangehörige der HAZAN Kesrith ihre Heimat genannt hatten.
Plötzlich dämmerte es Duncan, daß es bei den Regul mehr als nur einfachen rassischen oder politischen Haß gegen Stavros' und seine Anwesenheit auf Kesrith geben mochte.
Und vielleicht hatten viele der Einwohner Kesriths dem Vertrag, der ihre Welt an die Menschen abtrat, nie zugestimmt.
Nur geringfügige Unbequemlichkeiten, hatte Stavros die Zusicherung des Bai übersetzt. Vielleicht waren sie in den Augen des Bai gering; man nahm an, daß Regul nicht lügen konnten. Aber auch in den Augen der Regul-Junglinge, die sie versorgten, gab es keine Lüge, und sie erzählten eine andere Geschichte.
Während sie sich auf Kesrith aufhielten, würde man sie in einem das Nom genannte Gebäude unterbringen, im Zentrum der Regul-Hauptstadt, und auf diese Weise würden sie an den ersten kritischen Tagen gegen Verwirrung durch Kesriths Atmosphäre und andere geringfügige Unbequemlichkeiten des örtlichen Klimas geschützt sein. Man erwartete von ihnen, sich anzupassen.
Und er sah Stavros' Gesicht, als sie das erstemal aus der Wärme des Schiffes auf die weite Welt hinauskamen und zum erstenmal die Umgebung erblickten: Hügel, Berge, weiße Ebenen, fremdartig von einer rosaroten Sonne beleuchtet.
Für Stavros war dies die Heimat, für immer. Sein Auftrag war es, die Ankunft anderer Menschen vorzubereiten, sie dann einzuweisen, die Zivilisation neu aufzubauen, und Duncan dachte bereits daran, daß fünf Jahre hier eine sehr lange Zeit sein konnten.
Regul, alkalische Ebenen, Geysire, Staub und Minen und eine Sonne, die kränklich aussah und zu groß am Himmel stand. Auf seinen Dienstreisen war Duncan auf zehn verschiedenen Welten gewesen, deren Natur teils aus bloßem Felsen, teils aus blühender Wildnis bestand, aber noch nie zuvor war er auf einer so unmittelbar fremd wirkenden Welt wie Kesrith gewesen.
Verboten, unfreundlich zu Menschen. Die Luft roch giftig und wie mit Reizstoffen durchsetzt.
Falls Stavros Bedauern empfand, zeigte er es nicht. Er ließ sich wie einen Regul-Ältesten behandeln, spielte bereits seine Rolle, und die Junglinge reichten ihn zum Bodenschlitten hinab, der unten wartete. Die Dämmerung lag bereits geraume Zeit zurück, die Sonne hatte ein Viertel ihres Weges über den Himmel zurückgelegt. Anstelle des Willkommens, das sie erwartet hatten – wie die meisten Regul-Zeremonien sorgfältig kontrolliert und durchgeführt –, herrschte auf dem Hafen eine reglose und geisterhafte Stille, als wären sie und die Junglinge in der Umgebung der Gebäude die einzigen lebenden Wesen.
Und weit entfernt auf den Höhen war etwas sichtbar, das Duncans Herzschlag beschleunigte und seinen Bauch mit einer Furcht umklammerte, die nichts mehr mit Vernunft zu tun hatte, denn dort erhob sich die seltsame Silhouette von vier Türmen mit schrägen Wänden, die eine unregelmäßige Pyramide mit flacher Spitze bildeten.
Ein Mri-Edun. Er hatte nicht gewußt, daß es eines auf dem Planeten gab. Er hatte Bilder von den Ruinen des Edun auf Nisren gesehen. Er war nicht darauf vorbereitet, hier eines in solcher Nähe zu erblicken. Es erhob sich in einer Weise über die Stadt, daß nichts, was auf den Ebenen geschah, vor ihm verborgen bleiben konnte.
Da dräute es, eine geheimnisvolle und fremde Gegenwart, erinnerte ihn daran, daß es bei dieser Transaktion des versprochenen Friedens noch eine dritte Partei gab.
»Jetzt, jetzt!« wiederholte das Regul, ungehalten entweder über die Verzögerung oder wegen des Objektes von Duncans Aufmerksamkeit. Duncan wollte jetzt nicht widersprechen, senkte den Kopf und betrat den Schlitten, in dem die Luft gefiltert und von dem beißenden und sauren Geschmack befreit war, der die Luft von Kesrith verunreinigte.
Der Schlitten rumpelte in Richtung auf die Stadt los, über ein Pflaster hinweg, das Sandverwehungen von den Ebenen uneben machten. Die Fahrt führte zu einem Ziel, von dem Duncan mit zunehmender Gewißheit annahm, daß es ein Gefängnis von lediglich größerem Umfang als ihr letztes sein würde.