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In das Schiff, das seit Elag/Haven eine lange Reise hinter sich hatte, war wieder dieselbe Langeweile eingekehrt, die auch schon vor der Transition geherrscht hatte. Sten Duncan warf einen zweiten Blick auf die Anzeige des Hauptraumes und stellte enttäuscht fest, daß sie die Veränderung noch nicht wiedergab. Sie hatten die längste Normalraumpassage hinter sich, die er je erduldet hatte, hinaus aus Havens militärisch empfindlicher Nachbarschaft, blind und unter ermüdender Bewachung. Dies war nun plötzlich alles verschwunden. Statt dessen würde es jetzt wahrscheinlich eine weitere, ebenso langweilige Passage geben. Er zuckte die Achseln und ging weiter. Es stank nach Regul. Er hielt den Atem an, als er an der Automatküche vorbeikam, deren Tür offenstand. Er hielt sich in der Mitte des Korridors und nahm kaum wahr, daß ein Schlitten an ihm vorbeihuschte. Die Korridore waren weiträumig gestaltet, in der Mitte hoch und an den Seiten tief, mit leuchtenden, in den Boden eingebetteten Schienen für die Transportschlitten, die die Regul benutzten, um die langen Korridore ihres Schiffes durchqueren zu können.
Es war unmöglich, auch nur für einen Moment zu vergessen, daß dies ein Regul-Schiff war. Die Flure winkelten und krümmten sich nicht wie in den von Menschenhand gefertigten Schiffen, sondern wanden sich in Spiralen, die für die Gleitfahrten der an den Wänden entlangfahrenden Schlitten geeignet waren. Nur in wenigen Korridoren konnte man zu Fuß gehen, und in ihnen gab es in der Mitte genügend Kopfraum für Menschen – oder für Mri, die die üblichen Pächter von Regul-Schiffen waren. Aber an den Seiten verliefen die Schienen für die Regul.
Und das ganze Schiff war erfüllt von fremdartigen Gerüchen, dem fremdartigen Aroma unschmackhafter Speisen und Gewürze, fremdartigen Geräuschen, dem polternden Tonfall der Regul-Sprache, die weder Menschen noch selbst Mri wohl jemals so ausgesprochen hatten, wie es die Regul konnten.
Er verabscheute es. Er verabscheute die Regul von ganzem Herzen, und er wußte, daß das in seiner Lage weder weise noch hilfreich war, und er kämpfte ständig gegen seine Instinkte. Es war nur zu deutlich, daß diese Reaktion bei den Regul auf Gegenseitigkeit stieß; sie gewährten ihren menschlichen Gästen nur sechs Stunden, in denen sie scheinbar frei und nach Herzenslust durch die Personalbereiche streifen durften. Danach kam eine zweiundzwanzig Stunden lange Periode des Arrestes.
Sten Duncan, Assistent des ehrenwerten George Stavros, des angehenden Gouverneurs der neuen Gebiete und gegenwärtigen Verbindungsmannes zwischen Regul und Menschheit, machte regelmäßig Gebrauch von dieser Sechs-Stunden-Freiheit; der ehrenwerte Mr. Stavros tat es nicht – wagte es in der Tat nicht einmal, seine eigene Kabine zu verlassen. Duncan ging durch die Korridore und sammelte die passenden Materialien und Leihgaben der Bibliothek, die der ehrenwerte Gentleman lesen wollte, und er brachte alle Nachrichten, die Stavros seinem Regul Gegenpart, Bai Hulagh Alagn-ni, zukommen ließ, zur Rohrpost.
Das war Regul-Protokoll. Kein Regul-Ältester mit Würde führte seine Aufträge selbst aus. Nur den verurteilten Unfähigen fehlten Dienstjunglinge. Also durfte auch kein Mensch von Stavros Rang so etwas tun, und deshalb hatte sich Stavros einen Assistenten von offensichtlicher Jugend und recht fortgeschrittenem Rang ausgesucht. Das waren Kriterien, die auch Regul anwandten, wenn sie ihr Personal aussuchten.
Duncan war tatsächlich ein Diener. Er verlieh Stavros ein bestimmtes Ansehen. Er führte Aufträge aus. Bei der Aktion, die zur Einnahme Havens geführt hatte, hatte er einen militärischen Rang innegehabt. Die Regul wußten das, und diese Tatsache erhöhte Stavros Ansehen noch mehr.
Duncan sammelte die Nachrichten des Tages auf, stapelte die für Stavros auf dem entsprechenden Tisch und steckte die Essensbestellung in den Schlitz, von wo aus sie in die richtige Abteilung befördert wurde. Ein automatischer Träger würde die bestellte Mahlzeit an ihre Tür bringen – soweit die Regul die Speisen eben zu deuten vermochten, gefertigt aus menschlichen Nahrungsmitteln, die sie mitgenommen hatten.
Wie bei exotischen Haustieren, überlegte Duncan verärgert, denen die Regul so weit wie möglich eine authentische Umwelt zur Verfügung zu stellen versuchten. Wie bei den meisten Ausstellungen von wilden Tieren war die Bühne offensichtlich künstlicher Natur.
Er nahm die Papiere und Info-Bänder und suchte sich seinen Weg durch die Halle zurück, durch den Haupterholungsbereich und die Bibliothek. Er hatte noch keinen Regul gesehen, abgesehen von den Junglingen, die diesen zentralen Entspannungsbereich besuchten. Merkwürdig genug war, daß auch Stavros noch nicht mit Hulagh zusammengetroffen war. Wiederum Protokoll. Sie konnten davon ausgehen, daß sie in der ganzen Zeit, die sie noch bei den Regul verbringen mochten, dem ehrenwerten und verehrten Bai Hulagh Alagn-ni niemals begegnen würden, sondern nur den Junglingen, die ihm als Mannschaft, als Assistenten und Boten dienten.
Regul-Älteste waren im Grunde genommen unbeweglich. Das war sicher. Und Hulagh sollte extrem alt sein. Duncan vermutete insgeheim, daß diese Hilflosigkeit für den älteren Regul beim Umgang mit Nichtregul eine Quelle der Verlegenheit war, und daß sie demzufolge darauf achteten, sich vollkommen von Außenstehenden abzuschließen.
Oder vielleicht hielten sie Menschen und Mri für unerträglich häßlich. Ganz sicher gab es wenig an den Regul, das Menschen schön finden konnten.
Er öffnete die nicht abgeschlossene Tür zu der Doppel-Suite, die er mit Stavros teilte. Der Vorraum war für ihn bestimmt und diente als Schlafquartier und auch für alles andere, von dem man vermutete, daß ihn während der langen Reise danach verlangen würde. Die Vergeltung der Regul, dachte er bitter, für das Beharren der Menschen auf dem langen, langsamen Geleitschutz. Der Empfangssalon und eigentliche Schlafraum gehörten beide Stavros, ebenso die sanitären Einrichtungen, die sich im anschließenden Schlafzimmer befanden und ebenfalls nicht den Kriterien menschlicher Bequemlichkeit entsprachen. Er fragte sich, wie Stavros in seinem Alter damit fertig wurde. Aber es war nicht als weise erachtet worden, aus den Unterschieden zwischen Regul und Menschen selbst in diesem Detail einen Streitfall zu machen. Die Theorie besagte, daß die Regul ihre Gäste ehrten, wenn sie sie genau wie Regul behandelten, bis hin zu der Tradition, nur durch Jungling-Vermittler mit ihnen zu verkehren, und der Tradition, daß Duncans Unterkünfte unbequemerweise nur aus dem winzigen Vorraum zwischen Stavros und dem äußeren Flur bestand.
Hübsche Ermutigung zum Vertrauen in die Regul Zivilisation, dachte Duncan bitter, während er überlegte: er hatte den ehrenwerten menschlichen Gentleman vor Schaden zu bewahren, vor dem Kontakt mit ungehobelten Außenstehenden, vor allen Unannehmlichkeiten. Es schien keine Beleidigung der Regul-Gastfreundschaft zu sein, wenn man vermutete, daß solche Grobheiten voraussehbar waren. Und Stavros blieb eigentlich ein Gefangener seines hohen Ranges, auf einen Raum beschränkt und ohne Kontakt zur Außenwelt, außer durch Duncan.
Dieser verschloß die äußere Tür und klopfte an die innere, eine notwendigerweise bewahrte Formalität – erstens, weil lauschende Regul (vorausgesetzt, die Regul lauschten, was sie beide fest glaubten) auf diese Weise keinen Informationsaustausch zwischen Ältestem und Jungling verstehen konnten, und zweitens, weil sie schon zu lange auf engstem Raum beisammen lebten und beide Wert auf jedes Stückchen Privatsphäre legten, das sie voneinander erhalten konnten.
Die von Stavros Apparaturen bediente Tür ging auf – es war ein widersinniger Anblick: ein Mensch, noch dazu ein zerbrechlich gebauter und schlanker Mensch in einem für Regul-Älteste gebauten massiven Schlittenstuhl. Schreibtisch, Kontrollzentrum und Fortbewegungsmethode in einem: Stavros verschmähte es, ihn durch die ganze Kabine zu steuern. Duncan trat zu ihm, legte ihm die Bänder und Papiere vor, und Stavros nahm sie entgegen und begann sofort damit, sie zu bearbeiten, ohne ein Lächeln oder ein Wort oder einen Gruß oder auch nur einen Wink der Entlassung. Stavros hatte zu Beginn ihrer Zusammenarbeit gelegentlich gelächelt; jetzt tat er es nicht mehr. Sie standen unter fortdauernder Beobachtung durch die Regul. Duncan nahm an, daß er behandelt wurde, als sei er wirklich ein Regul-Jungling, ohne Höflichkeit und ohne als Individuum erachtet zu werden. Zumindest hoffte er, daß das die Ursache für Stavros Kälte ihm gegenüber war.
Er wußte, daß er weit davon entfernt war, solch einen Mann begreifen zu können. Er erblickte an Stavros einige Eigenschaften, die er respektierte: Mut, zum Beispiel. Er dachte, daß es ein großes Stück Mut erforderte, in Stavros' Alter noch solch eine Mission anzutreten. Ein älterer Mensch war dazu erforderlich, ein Diplomat, der, neben seinen Pflichten als Administrator der neuen Gebiete, einen größeren Respekt von seiten der Regul gewinnen konnte, die die Nachbarn der Menschheit sein würden. Stavros war aus dem Ruhestand zurückgekehrt, um diesen Auftrag anzunehmen, kein starker oder physisch beeindrukkender Mann. Er war, wie Duncan bei ihrem einzigen vertraulichen Gespräch noch vor der Einschiffung erfahren hatte, ein Eingeborener von Kiluwa, das zu den schwerwiegenden Verlusten in den ersten Kriegsjahren gehörte. Das mochte einiges erklären. Die Kiluwaner waren legendär exzentrisch, entstammten einer Randgebietkolonie, die zu lange sich selbst überlassen gewesen war, besaßen merkwürdige Ansichten auf den Gebieten der Religion, der Philosophie und den Umgangsformen. Wie die Regul glaubten sie nicht an das Geschriebene. In den Jahren nach dem Fall von Kiluwa war Stavros im Xen-Büro tätig gewesen und erst neuerdings ins akademische Leben zurückgekehrt. Er hatte Kinder, hatte einen Enkel im Kampf um Elag/Haven verloren. Wenn Stavros die Regul haßte, entweder wegen Kiluwa oder wegen seines Enkels, so hatte er das nie gezeigt. Er legte nur selten irgendein Gefühl an den Tag, abgesehen von einem quälenden Interesse an den Regul. Alles an Stavros war ruhig, und unter dieser Gelassenheit gab es zahlreiche Tiefen.
Die blassen Augen des alten Mannes blitzten auf: »Guten Morgen, Duncan«, sagte er und wandte sich sofort wieder seinen Studien zu. »Setzen Sie sich!« fügte er hinzu. »Warten Sie!«
Enttäuscht nahm Duncan Platz und wartete. Er hatte sonst nichts zu tun. Wäre er nicht in der Lage dazu gewesen, lang andauernde Stille und Untätigkeit zu ertragen, wäre er schon längst wahnsinnig geworden. Er sah Stavros bei der Arbeit zu und fragte sich, warum der alte Mann so darauf aus gewesen war, die Regul-Sprache zu erlernen, was viele Stunden in Anspruch genommen hatte. Es gab Regul, die idiomatisch perfektes Basic sprachen. Es gab immer welche. Aber Stavros hatte im Verlauf der Reise solche Fortschritte gemacht, daß er nun dem Band des Regul-Schiffsmeisters zu folgen vermochte, das einen Überblick über Pläne und Informationen des Tages gab, ohne daß er oft auf die schriftliche Übersetzung blicken mußte. Es handelte sich um Regul-Propaganda, die die Ältesten der Heimatwelt Nurag pries, ebenso wie das richtige Management des Schiffsdirektors. Für Duncans Geschmack war das alles äußerst trocken, abgesehen von den kleinen Hinweisen auf das Vorankommen des Schiffes.
Aber aus solchen Dingen lernte Stavros und sprach zumindest einfache Höflichkeitsfloskeln flüssig – lernte mit einer Geschwindigkeit, die Duncan zu verwundern begann. Stavros konnte diesen Geräuschwirrwarr tatsächlich verstehen, der für Duncan einfach ein Wirrwarr blieb.
Solch ein Mann, ein Gelehrter, ein intelligenter Mensch mit Enkeln und Urenkeln, hatte alles Menschliche und Vertraute hinter sich gelassen, alles, was sein langes Leben hervorgebracht hatte, und unternahm nun mit dem Feind eine Reise in unbekannten Raum. Obwohl der Gouverneursposten ein beachtlicher Beweggrund war, so waren die Gefahren für Stavros doch mehr als beachtlich. Duncan wußte nicht, wie alt der Mann war. Auf Haven hatte es ans Unglaubhafte grenzende Gerüchte gegeben. Aber er wußte, daß einer seiner Urenkel im Begriff stand, in den Militärdienst zu treten.
Wenn es zwischen Duncan und Stavros irgendeine Vertrautheit gegeben hätte, dann hätte Duncan gerne gefragt, warum er diese Reise unternahm; aber er wagte es nicht. Doch immer dann, wenn er dazu neigte, dem Druck ihrer Eingeschlossenheit nachzugeben, der Furcht vor der sie umgebenden Fremdartigkeit, kam ihm der alte Mann in den Sinn, wie er geduldig über seinen Lektionen saß, und fand sich damit ab, alles auszuhalten.
Duncan glaubte nicht, daß er Stavros etwas einbrachte, sei es nun Gefährtenschaft oder Dienste, außer den erforderlichen Anschein der Schicklichkeit in den Augen der Regul. Gemessen an der Beachtung, die er ihm widmete, hätte Stavros auch ohne ihn auskommen können. Ein halbes Dutzend Männer waren zum Gespräch mit ihm ausgewählt worden, und auf ihn, Duncan, einen der Offiziere für Oberflächen Taktik auf Haven, war die letzte Wahl gefallen. Er wußte immer noch nicht, warum. Er hatte seinen Mangel an Qualifikation für solch einen Posten zugegeben: Um so mehr wird ihm bewußt sein, daß er Befehle entgegenzunehmen hat, war Stavros' Einschätzung in seiner Anwesenheit gewesen. Freiwilliger? hatte Stavros ihn dann gefragt, als sei dies ein Grund, auf Wahnsinn zu schließen. Nein, Sir, hatte er wahrheitsgemäß geantwortet: Sie haben jeden ObTak im Bereich von Haven herbeigerufen. – Pilotenzeugnis? hatte Stavros wissen wollen. – Ja, hatte er geantwortet. – Hegen Sie einen Groll gegen die Regul? fragte Stavros. – Nein, war seine einfache und wiederum der Wahrheit entsprechende Antwort. Er mochte die Regul nicht, aber das war kein Groll, sondern eben Krieg, alles, was er kannte. Und Stavros hatte seinen Bericht in seiner Gegenwart ein zweitesmal gelesen und ihn angenommen.
Damals hatte es sich noch gut angehört, phantastisch begehrenswert: von einem Krieg, in dem die Lebenserwartung in geflogenen Einsätzen gemessen wurde und in dem er kurz davor stand, sein statistisches Limit zu erreichen, zu einem leichten Pöstchen auf einem diplomatischen Flug unter Geleitschutz, mit garantierter Rückkehr nach Hause und Entlassung nach fünf Jahren, Entlassung mit weniger als dreißig Jahren und einer Pension, die größer war, als sie sich irgendein ObTak vernünftigerweise erträumen konnte, oder – und das war die Sache, der Duncan mit größtem Interesse begegnete – permanente Zuweisung zu einem neuen Kolonialdirektorat, permanente Zuweisung zu Stavros' Gebieten, Wohlstand und Berühmtheit auf einer sich entwickelnden Welt. Das war ein Preis, für den Menschen töten oder sterben würden. Er mußte nur in jedem Fall die Gegenwart von Regul eine Zeitlang ertragen und Stavros' Anerkennung durch seine Dienste erwerben. Er hatte fünf Jahre, um letzteres zu erreichen. Er hatte vor, es zu tun.
Er war nicht sehr furchtsam gewesen, als er an Bord des Regul-Schiffes gegangen war. Er hatte die über die Regul bekannten Daten gelesen, kannte sie als nichtkämpferische, vorzugsweise nicht gewalttä- tige, grundsätzlich scheue Art. Die kriegerischen Mri hatten für sie gekämpft und weitere Konflikte verursacht, und schließlich hatten die Regul die Mri zurückgezogen, sie unter feste Kontrolle genommen. Neue Regul waren jetzt auf deren Heimatwelt an der Macht, eine pazifistische Partei, der auch das Schiff unterstand, auf dem sie reisten, und die Welt, zu der sie unterwegs waren.
Aber im Verlauf der langsamen Reise hatte Duncan eine andere Furcht kennengelernt, eine düstere, beißende Art von Furcht; und er hatte zu vermuten begonnen, warum man nach einem ObTak als Begleiter für Stavros gesucht hatte: er war für fremde Umwelten trainiert, an Einsamkeit und Ungewißheit gewohnt, und vor allem hatte er keine Ahnung von hoher Politik. Wenn etwas schiefging, und er begann zu vermuten, auf welche Weise etwas schiefgehen konnte, dann war Stavros der einzige ins Gewicht fallende Verlust; aber Sten Duncan war nichts, militä- risches Personal, ohne nennenswerte Verwandtschaft, ein Verlust, der ohne Sorge abgeschrieben werden konnte. Seine niedrige Klassifikationsnummer besagte, daß er alles, was er wußte, an einen Feind weitergeben konnte, ohne daß eine Einrichtung von wesentlicher Bedeutung dadurch Schaden nehmen konnte; und Stavros selbst war lange Zeit in der Universitätsgemeinde von Neu Kiluwa isoliert gewesen.
Vielleicht – der Gedanke kam ihm – war Stavros selbst fähig dazu, ihn sofort fallenzulassen, wenn er sich als unbequem erwies. Stavros war ein Diplomat von der Sorte, der Duncan instinktiv mißtraute, die über Leute wie Sten Duncan im Krieg zu Hunderten und Tausenden verfügte. Vielleicht war Stavros deswegen nicht mehr dazu bereit, mit ihm zu reden, als sei er mehr als ein Möbelstück. Regul bestraften rebellische Junglinge, ja sogar unbequeme Junglinge, sofort und gnadenlos, als seien sie ein leicht ersetzbares Verbrauchsgut.
Es war eine nachtgeborene Furcht, von der Art, die in der Dunkelheit wuchs, in den langen Stunden, in denen er auf seinem Bett lag und überlegte, daß jenseits dieser Tür eine fremde Wache stand, deren Lebensprozesse er nicht verstand, und jenseits der anderen Tür ein Mensch war, dessen Geist er nicht begriff, ein alter Mann, der lernte, wie ein Regul zu denken, deren Ältere ein Schrecken für die Jungen waren.
Aber wenn sie während des Tageszyklus beisammen waren, wenn er Stavros von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand, dann konnte er nicht ernsthaft an die Dinge glauben, die er sich nachts überlegte und sich vorstellte. So lange eingepfercht, so lange unter Streß, war es kein Wunder, daß sein Geist sich namenlosen und irrationalen Befürchtungen zuwandte.
Er hätte nur gerne gewußt, was Stavros von ihm erhoffte, oder was er von ihm erwartete.
Die Bandschleife drehte sich zum drittenmal. Duncan verstand zumindest die Grußformel – es waren die wenigen Wörter der Regul-Sprache, die er kannte. Stavros hörte zu und prägte sich alles ein. Binnen kurzem würde er in der Lage sein, das ganze Palaver aus dem Gedächtnis zu zitieren.
»Sir«, unterbrach er vorsichtig Stavros' Gedanken. »Sir, unsere...« Das Band war zu Ende. »Die uns zugeteilte Freiperiode ist fast vorüber. Wenn Sie noch etwas aus der Bibliothek oder dem Labor benötigen...«
Er hoffte, daß Stavros etwas einfallen würde, was er noch brauchte. Ihn verlangte danach, diese kostbare Zeit außerhalb ihres Quartiers mit Gehen, mit Bewegung auszufüllen. Stavros hatte ihm jedoch verboten, irgendwo im Blickfeld der Regul herumzulungern oder zu versuchen, mit einem Mannschaftsmitglied ein Gespräch zu beginnen. Duncan verstand die Überlegung hinter diesem Verbot, das eine vernünftige Vorsichtsmaßnahme war, eine Aufrechterhaltung der menschlichen Mystik, so weit sie die Regul betraf. Sie sollen sich fragen, was wir denken, pflegte Stavros zu vielen Situationen zu sagen. Aber es war unerträglich, hier zu sitzen, während die Freiheit sich dem Ende zuneigte und das Schiff wieder den Regul-Raum erreicht hatte.
»Nein«, sagte Stavros und zerschmetterte damit Duncans Hoffnungen. Dann reichte er ihm, vielleicht aufgrund eines Nachgedankens, eines der Bänder. »Hier. Eine Entschuldigung. Machen Sie den Eindruck, als hätten Sie eine wichtige Aufgabe und kä- men ihr konsequent nach. Holen Sie mir das nächste aus dieser Reihe und bringen Sie mir beide zurück. Viel Spaß bei Ihrem Spaziergang.«
»Ja, Sir.« Er stand auf und war geneigt, dem alten Mann für das Verständnis seines Elends zu danken. Aber Stavros verleidete es ihm, indem er das Band neu einlegte und woanders hin blickte. Duncan zö- gerte und ging dann durch seine eigene Kabine hindurch nach draußen.
Er tat ein paar tiefe Atemzüge, um sich an das Aroma der Luft zu gewöhnen, und fühlte sich trotz der engen Hallen sofort weniger eingesperrt. Die Wohnräume der Regul waren kleine, öde Orte, die nur Raum für die Bewegung eines Schlittens boten; Die meisten Dinge waren in Griffreichweite einer sitzenden Person angeordnet. Duncan unterdrückte das Bedürfnis, sich zu strecken, und setzte sich gemessenen Schritts in Richtung auf den Hauptraum in Bewegung, durch einen Korridor, in dem nicht die Spur eines Regul zu sehen war.
Der Hauptraum diente dem gesamten Personal zur Erholung und Bildung und verfügte auch über ein Terminal der Bibliothek. Es wäre einfacher gewesen, dachte Duncan, einen Anschluß an die Bibliothek bis in die Konsolen der Kabinen zu legen und damit der Notwendigkeit vorzubeugen, diese überhaupt verlassen zu müssen; er war allerdings auch verzweifelt froh darüber, daß sie das nicht getan hatten. Das bot Gelegenheit für eine Ausrede, wie Stavros gesagt hatte. Und vielleicht gab es sogar Restriktionen für Passagiere, die lesen und mehr begreifen konnten als sie. Er wußte es nicht. Er begutachtete die verschlungenen Regul-Nummern auf der Bandpatrone, die er mit sich führte, und lochte vorsichtig die in der Reihe als nächstes folgende Chiffre.
Die Maschine klickte, es gab eine winzige Verzögerung, und die gewünschte Patrone schoß in Position. Er gab Stavros' und seinen Spezialkode an die Bibliothek durch, die daraufhin das Alphabetmodul änderte und, nachdem sie zur Kenntnis genommen hatte, welche Patronen die Menschen haben wollten, und verwirrt durch die Autorisierung wahrscheinlich einen weiteren Entscheidungsprozeß durchlief, um zu entscheiden, daß der Patrone vermutlich ein Ausdruck beigefügt werden mußte – meist kamen mit der Patrone drei Ausdrucke, ein buchstäblicher, eine Transkription und eine Übersetzung –, und schließlich begannen die Mikrospeicher, die Ausdrucke herzustellen.
Duncan schritt durch den Raum, während die Maschine Bogen auf Bogen ausdruckte, und blickte auf die Uhr. Es wurde Zeit. Er trat wieder an die Maschine und stellte fest, daß sie immer noch arbeitete, langsamer als alle von Menschen gefertigten Verarbeitungssysteme, die er schon benutzt hatte. Sie hatte Reaktionen, die so träge waren wie die der Regul selbst. Um die Sekunden auszufüllen, zählte Duncan die Veränderungen auf der Bildschirmattrappe, die in Wirklichkeit eine Projektionswand im Zentrum der Bibliothekswand war. Sie zeigte eine Simulation ihres Fluges durch den Menschenraum, verzichtete merkwürdigerweise aber darauf, das geringste Anzeichen von der Gegenwart der bewaffneten Geleitschutzschiffe zu vermitteln, die die Quelle von so viel Streit gewesen waren. Das Bild war genausowenig aktuell wie das vom Morgen. Mit jedem Pulsschlag wechselte es zu anderen Szenerien: durch ihren fremdartigen Charakter faszinierende Landschaften (sorgfältig zensiert, da war er sicher, damit sie nicht zuviel von den Regul lernten; die Bilder zeigten nichts Lebendiges, keine Städte und keine Strukturen), Sternenfelder und dann wieder die Kursattrappe. Sie beherrschte den ganzen Raum. Er hatte die Veränderungen einen langen Tag nach dem anderen beobachtet, während sie sich dem Sprung genähert hatten. Er hatte aufgehört, diese Reise als eine mit einem bestimmten Ziel anzusehen. Ihre seltsame Isolation war zu einer eigenständigen Umwelt geworden, die geistig nicht mit dem Leben verbunden werden konnte, das er zuvor gelebt hatte, und die es unmöglich machte, sich das Leben vorzustellen, das er nachher leben würde. Sie hatten nur das Wort der Regul dafür, wohin sie unterwegs waren.
Er sah sich drei solcher Bilderzyklen an und wandte sich dann wieder der Maschine zu, die mitten im Drucken aufgehört hatte, während das Prioritätssignal aufblitzte. Jemand mit der entsprechenden Autorität hatte sie unterbrochen, um etwas Wichtigeres zu erhalten. Duncans Materialien waren im Griff der Maschine festgefroren. Er drückte den Löschknopf, um die Patrone zurückzuführen, aber nichts geschah. Die Priorität blitzte nach wie vor, während die Bibliothek tat, was jemand anders ihr zu tun befohlen hatte.
Duncan fluchte und sah wieder auf die Uhr. Der Ausdruck lag zur Hälfte im Ausgabekasten, der Schwanz steckte noch in der Maschine. Er konnte jetzt gehen und sich gewissenhaft an den Zeitplan halten, oder er konnte bleiben und das bißchen Zeit abwarten, das die Maschine zur Klärung benötigte. Er entschied sich dafür, zu warten. Wahrscheinlich lag der Stillstand am Ausdruck, eine unbeholfene und ungeschickte Funktion des Bibliotheksapparates. Das Gerücht besagte, daß die Regul selbst überhaupt nicht schrieben, was aber, wie Stavros und er entdeckt hatten, nicht richtig war. Sie verfügten über eine fein strukturierte und komplizierte Schriftsprache. Aber die Bibliothek war für die Audioreplikation entworfen, und die Mehrzahl der Regul-Materialien war oral-auraler Natur. Man sagte, und nach seinen eigenen Beobachtungen schien das auch wahr zu sein, daß ein Regul ein Band nicht mehr als einmal anhö- ren mußte.
Sofortige und totale Erinnerung. Eidetisches Gedächtnis. Das Wort Lüge war, wie Stavros ihm erklärt hatte, mit Assoziationen von Perversion und Mord beladen.
Als Art konnten die Regul weder vergessen noch verlernen.
Sollte das zutreffen, dann war es möglich, daß sie für alle Zeiten in bezug auf die exakte Wahrheit von den Regul abhingen.
Es war auch möglich, daß eine Art, die nicht lügen konnte, Methoden der Täuschung ohne Lüge entwikkelt hatte.
Er mußte sich nicht groß fragen, was die Regul von den Menschen hielten, die dem geschriebenen Wort große Bedeutung beimaßen, die wiederholt mit besonderen Materialien versorgt werden mußten, um langsam verstehen zu lernen, was Regul mit einem einzigen Zuhören aufnahmen; die die Regul-Sprache nicht lernen konnten, während Regul die Menschensprache so schnell lernten, wie man ihnen die Wörter mitteilte, und denen niemals etwas zweimal gesagt werden mußte.
Wenn Duncan daran und an die Regul-Junglinge dachte, so hilflos langsam, so bedächtig in ihren Bewegungen, während die kleinen Schweinsaugen vor Gefühl glitzerten und sich in den Winkeln falteten, sobald sie einen Menschen erblickten, wurde ihm unwohl zumute, und er erinnerte sich daran, daß dieselben Junglinge, sofern sie nicht von ihren eigenen Eltern ermordet wurden, mehrere menschliche Zeitspannen lang existieren und sich an jeden Augenblick ihres Lebens erinnern würden; und daß Bai Hulagh, der sie und das Schiff und die Zone, zu der sie unterwegs waren, befehligte, das bereits tat.
Duncan widerstrebten sowohl ihre langen Lebensspannen als auch ihr exaktes Gedächtnis. Ihm widerstrebte die Sturheit ihrer allgegenwärtigen Maschinen, die Bigotterie und die Unverschämtheit, mit der sie Stavros und ihn einsperrten und zeitlich einschnürten, von Maschinen umgeben, die ihre Regul Gastgeber zu mehr machten als nur dem physischen Ebenbild von Menschen. Und mit der ganzen angesammelten Frustration einer langen Gefangenschaft widerstrebten ihm all die kleinen Ablenkungen, die ihm seine Regul-Gastgeber fortwährend in den Weg legten, die Gastgeber, die die Menschen wegen ihrer mentalen Unzulänglichkeiten eindeutig verachteten.
Stavros' Bemühungen waren zum Scheitern verurteilt, wenn er die Anpassung an solche Narren anstrebte. Es war ein tödlicher Fehler, anzunehmen, daß ein Mensch zum Regul werden konnte, daß er irgend etwas gewinnen konnte, indem er die Verhaltensweisen von Lebewesen, die ihn verachteten, sklavisch nachahmte.
Das war der Wurm, der seit den ersten Tagen dieser verchromten, seidenweichen Gefangenschaft an Duncans Eingeweiden gezehrt hatte.
Überall um sie herum gab es Regul-Maschinen und Regul, kauernde Tiere, die ohne diese Automation hilflos waren, wie große gestaltlose Parasiten, die an Geräte aus Stahl und Chrom angeschlossen waren. Stavros huldigte einem totalen und gefährlichen Irrtum, wenn er glaubte, die Wertschätzung der Regul gewinnen zu können, indem er die wenigen Vorzüge aufgab, die die Menschen hatten. Die Regul blickten mit Verachtung auf die Art herab, deren Geist vergaß und deren Wissen auf Film und Papier gebannt werden mußte.
Er hatte vor, das Stavros zu sagen, aber er konnte nicht dicht genug an den Mann herankommen, um ihm Rat zu geben. Stavros war im Gegensatz zu ihm ein gebildeter Mann. Duncan war nur ein erfahrener Mann, und die Erfahrung schrie laut hinaus, daß sie sich in einer äußerst gefährlichen Lage befanden.
Er schlug mit der Hand auf die Verkleidung des Terminals, denn die Zeit war vorüber, und diese Monstrosität hatte ihn besiegt – unglaublich, daß das Ding so langsam sein konnte. Es war ebenso nutzund gedankenlos, als hätte er einer von Menschen gebauten Maschine einen Knuff gegeben; aber im Nachhinein wußte er, daß er es nicht hätte tun dürfen, und als das Prioritätssymbol plötzlich erlosch, war er für einen Augenblick erschrocken – dachte, er hätte das Erlöschen verursacht und sich damit gegen einen Regul von hohem Rang gestellt.
Aber die Maschine begann, das übrige Papier auszudrucken, lieferte in angemessener Reihenfolge die Patrone hinterher, und Duncan hielt inne, um alles aufzusammeln. Und als er beim Umwenden auf die Sichtanzeige blickte, sah er, daß sich das Bild geändert hatte, daß dies das Bild eines Sonnensystems mit sieben Planeten war und sich das Schiff dem zweiten davon näherte.
Ihr endgültiges Ziel.
Während er zusah, erblickte er in der Simulation ein zweites Schiff, das sich auf abgelegenem Kurs aus dem System hinausbewegte. Sie waren innerhalb eines Systems, in verkehrsreichem Gebiet und näherten sich Kesrith. Die Zeit setzte sich wieder in Bewegung. Duncans Herz beschleunigte sich mit der wachsenden Sicherheit, daß sie tatsächlich dort angekommen waren, wo sie hingehörten, daß sie sich in der Nähe ihrer neuen Welt befanden. Nach dem Diagramm zu urteilen, würde es zwar noch länger als eine Woche dauern, bis sie an der Station von Kesrith andockten, aber sie waren kurz vor dem Ziel.
Die Zeit der Gefangenschaft war beinahe vorüber.
Im Korridor zu seiner Linken waren Schritte zu hö- ren. Einen Moment lang kümmerte er sich nicht um sie, denn er wußte, daß er seine Zeit überzogen hatte, und erwartete eine ernste Zurechtweisung durch ein Jungling. Den unheilvollen Charakter der Schritte erkannte er nicht sofort. Dann ging ihm auf, daß sie nicht hierher gehörten, dieser gemessene Tritt von Stiefeln auf dem Boden, der so ganz anders war als das langsame Schlurfen von Regul oder selbst Stavros' zerbrechlicher Schritt. Er drehte sich um, schon von dem Anblick erschrocken, durch die Gegenwart von jemandem, der weder Mensch noch Regul war.
Und Duncan erblickte eine Gestalt, die ebenfalls stehengeblieben war, in Schwarz gekleidet und mit vielen kleinen glitzernden Scheiben auf den Gewändern. Mri. Kel'en. Die goldenen Augen über dem Schleier blickten überrascht. Eine schlanke bronzene Hand fuhr zum Messer im Gürtel und zögerte dort.
Einen Moment lang bewegte sich keiner von ihnen, und man hörte nur die langsamen Veränderungen des Projektors.
Der Feind. Der Zerstörer von Kiluwa und Talos und Asgard. Duncan hatte noch nie zuvor einen von ihnen so nahe und in Wirklichkeit gesehen. Nur die Augen und die Hände waren unbedeckt. Die hochgewachsene Gestalt bewegte sich nicht, war von Drohung und Ärger umhüllt.
»Ich bin Sten Duncan«, fand er den Mut zu sagen. Er bezweifelte, daß der Mri ein Wort verstehen konnte, aber er hielt es für an der Zeit, daß Wörter zum Einsatz kamen, bevor es die Waffen taten. »Ich bin der Assistent des Gesandten der Föderation.«
»Ich bin Kel Medai«, sagte der andere in einwandfreiem Basic. »Wir hätten uns nicht begegnen dürfen.«
Und damit drehte sich der Mri auf den Fersen um und schritt in die Richtung davon, aus der er gekommen war, eine schwarze Gestalt, die hinter einer Biegung des Korridors in den Schatten verschwand. Duncan entdeckte, daß jeder Muskel an ihm zitterte. Aus solcher Nähe hatte er Mri bisher nur auf Fotos gesehen, und alle waren sie tot gewesen.
Fremdartig schön – so war der Eindruck, den der Mri-Krieger auf ihn gemacht hatte. Auch ein Tier hätte diesen Eindruck machen können, auf seine Art prächtig – und tödlich.
Er drehte sich um, und sein Blut, das irgendwie die normale Zirkulation wieder aufgenommen hatte, drohte ein zweitesmal zu gerinnen, denn mitten im Hauptraum stand ein Regul-Jungling, dessen Nasenlöcher in der Hast der Erregung flatterten und sich schlossen.
Mit schriller Stimme rief es ihm eine Warnung zu; Angst oder Schrecken, das konnte er nicht genau feststellen. Die Farbe des Junglings wechselte in graublaue Blässe über. »Gehen Sie in Ihr Quartier!« forderte es. »Es ist Zeit. Gehen Sie in Ihr Quartier. Sofort!«
Duncan setzte sich in Bewegung, eilte um den Regul herum und davon, ohne zurückzublicken. Als er das Heiligtum seiner eigenen Tür erreichte, zitterten seine Hände. Noch während die Tür aufging, warf er sich geradezu hindurch und schloß sie sofort wieder, wartete ängstlich darauf, daß sich das Siegel zischend schloß. Dann sank er auf sein Bett und wußte, daß er nur zu rasch Stavros gegenübertreten und ihm einen Bericht über das erstatten mußte, was er getan hatte. Die Materialien aus der Bibliothek glitten ihm aus den klammen Fingern, und einige der Papiere fielen zu Boden. Er beugte sich hinab, um sie mit gefühllosen Fingern wieder aufzusammeln.
Er hatte einen großen Fehler begangen und wußte, daß dessen Konsequenzen erst noch eintreten muß- ten.
Sie waren zu der Welt unterwegs, die man die Heimatwelt der Mri nannte, zu Kesrith, das um die Sonne Arain kreiste.
Die Regul beanspruchten sie jedoch, und ebenso das Recht, sie an die Menschen abzutreten. Sie beanspruchten die Autorität, den Mri Befehle zu erteilen und für sie zu unterzeichnen.
Sie verrieten die Mri und nahmen doch einen Kel'en auf dem Schiff mit, das die Befehle überbrachte, mit denen Kesrith den Menschen übergeben wurde.
Wir hätten uns nicht begegnen dürfen, hatte der Mri gesagt.
Es war offenkundig, daß zumindest die Regul und möglicherweise auch der Mri das Zusammentreffen nicht beabsichtigt hatten. Jemand wurde getäuscht.
Er riß sich zusammen und stieß einen langen Atemzug aus, klopfte an Stavros' Tür und trat diesmal ohne Erlaubnis ein.