17
Der Tag neigte sich bereits dem Ende zu, hinfortgepeitscht von trostlosen Sturmböen, als Tristan die Stufen zum Haus der Carlings hinaufstieg, um Leonora zu treffen. Castor führte ihn zum Salon. Vor der Tür entließ Tristan den Butler und trat ein.
Leonora bemerkte ihn nicht. Sie saß auf der Chaiselongue und blickte hinaus auf den Garten und die Sträucher, die sich unter dem tobenden Wind bogen. Neben ihr im Kamin brannte ein helles Feuer, das fröhlich vor sich hin knisterte und knackte. Henrietta hatte sich vor dem Feuer ausgestreckt und genoss die Wärme.
Das Bild strahlte Behaglichkeit und Wärme aus - und zwar unabhängig von der Raumtemperatur. Es erwärmte seine Seele.
Er trat einen Schritt auf sie zu und ließ seinen Absatz fest auf den Boden fallen.
Sie hörte das Geräusch, drehte sich um … Dann erblickte sie ihn, und ihr Gesicht erstrahlte. Nicht nur vor Neugier und Wissbegier, was er ihr wohl mitzuteilen hatte, sondern in einem herzlichen Willkommen, fast so als wäre ein Teil von ihr selbst zurückgekehrt.
Als er auf sie zuging, erhob sie sich und streckte ihm ihre Hände entgegen. Er nahm sie und führte erst die eine, dann die andere an seine Lippen; dann zog er Leonora zu sich heran und neigte den Kopf. Er schenkte ihr einen Kuss, den er nur mühsam unter Kontrolle halten konnte; einen Moment lang ließ er seine Sinne schwelgen, dann gebot er ihnen Einhalt.
Als er seinen Kopf wieder hob, lächelte sie ihn an; ihre Blicke blieben für einen Augenblick aneinander haften, dann ließ sie sich zurück auf die Chaiselongue sinken.
Er hockte sich hin, um Henrietta zu kraulen.
Leonora beobachtete ihn dabei, dann sagte sie: »Bevor du mir irgendetwas anderes berichtest, verrate mir zuerst, wie Mountford in Miss Timmins’ Haus hineingekommen ist. Du hast gesagt, die Schlösser seien nicht beschädigt worden; und Castor hat mir erzählt, du hättest dich nach einem Kanalinspekteur erkundigt. Was hat er mit alledem zu tun? Oder war das ebenfalls Mountford?«
Tristan blickte zu ihr auf und nickte. »Daisys Beschreibung passt. Anscheinend ist er als Inspekteur vorstellig geworden und hat sie dazu überredet, ihn die Abflüsse von Küche, Spülküche und Waschküche überprüfen zu lassen.«
»Und als sie dann nicht hingesehen hat, hat er einen Abdruck von einem der Schlüssel genommen?«
»Es scheint so. Hier oder nebenan in Nummer zwölf hat sich jedenfalls kein Inspekteur vorgestellt.«
Sie runzelte die Stirn. »Er ist wirklich ein überaus … berechnender Mensch.«
»Er ist gerissen.« Nachdem er einen Augenblick lang ihr Gesicht studiert hatte, fügte er hinzu: »Und seine Maßnahmen werden immer verzweifelter. Bitte vergiss das nicht.«
Sie begegnete seinem Blick und lächelte beruhigend. »Ganz bestimmt nicht.«
Der Blick, den er ihr zuwarf, während er aufstand, schien eher resigniert als beruhigt.
»Ich habe das Schild vor Miss Timmins’ Haus gesehen. Das ging ja schnell.« Sie ließ Anerkennung in ihrer Stimme mitklingen.
»Stimmt. Ich habe diese spezielle Angelegenheit einem Mann namens Deverell anvertraut - Viscount Paignton.«
Sie sah ihn mit großen Augen an. »Hast du etwa noch andere … Kollegen mit eingebunden?«
Tristan schob die Hände in die Taschen und ließ sich vom Feuer den Rücken wärmen. Er sah ihr ins Gesicht, in ihre Augen, die von einer Intelligenz zeugten, die zu unterschätzen er sich inzwischen hütete. »Ich habe eine kleine Armee in meinen Diensten, wie du weißt. Die meisten von ihnen wirst du niemals kennenlernen, aber es gibt noch einen weiteren Gentleman, der mir hilft; ebenfalls ein Mitinhaber von Nummer zwölf.«
»So wie Deverell?«, fragte sie.
Er nickte. »Der andere Gentleman ist Charles St. Austell, Earl of Lostwithiel.«
»Lostwithiel?« Sie runzelte die Stirn. »Ich meine mich zu erinnern, dass die letzten beiden Earls auf tragische Weise ums Leben gekommen sind.«
»Das waren seine Brüder. Er ist der dritte Sohn der Familie und somit der neue Earl.«
»Aha. Und womit ist er dir behilflich?«
Er erzählte ihr von dem geplanten Treffen mit Martinbury und von ihrer Enttäuschung. Sie hörte ihm schweigend zu, während sie sein Gesicht betrachtete. Nachdem er ihr von der Absprache mit Martinburys Freund berichtet hatte, zögerte er. Sie ergriff das Wort. »Du glaubst, dass ihm etwas zugestoßen ist.«
Dies war keine Frage. Er blickte ihr in die Augen und nickte. »Nach allem, was ich aus York erfahren habe und was sein Freund mir erzählt hat, war Martinbury ein verantwortungsvoller, verlässlicher und ehrlicher Mann. Niemand, der eine Verabredung platzen lässt, die er zuvor noch bestätigt hatte.« Wieder zögerte er, doch dann überwand er seinen Widerwillen. »Ich habe bereits damit begonnen, die Polizeiwachen nach erfassten Todesfällen abzuklappern. Charles überprüft die Hospitäler für den Fall, dass er lebend eingeliefert wurde und später verstarb.«
»Er könnte doch noch am Leben sein. Vielleicht ist er schwer verletzt und hat keine Verwandten oder Bekannten in London …«
Tristan überlegte kurz, wie viel Zeit inzwischen verstrichen war, dann verzog er das Gesicht. »Stimmt. Ich werde noch weitere Leute darauf ansetzen, um diese Möglichkeit zu überprüfen. Nichtsdestotrotz müssen wir angesichts der langen Zeit, in der niemand etwas von ihm gehört hat, auch die Todesfälle überprüfen. Unglücklicherweise ist dies eine Aufgabe, die nur ich oder Charles oder jemand in vergleichbarer Position unternehmen kann.« Er begegnete ihrem Blick. »Ein Mitglied des Adels, insbesondere mit unserem Hintergrund, kann sich Einsicht in Akten verschaffen, die jedem anderen schlichtweg unzugänglich sind.«
»Das war mir bereits aufgefallen.« Sie lehnte sich zurück und musterte ihn. »Das heißt, du wirst die kommenden Tage über beschäftigt sein. Ich habe heute zusammen mit den Dienstmädchen jeden kleinsten Winkel in Cedrics Werkstatt durchsucht. Wir haben zahllose Zettelchen und Notizen gefunden, die sich jetzt bei Onkel Humphrey und Jeremy in der Bibliothek befinden. Die beiden sind noch immer in Cedrics Tagebücher vertieft. Onkel Humphrey ist inzwischen davon überzeugt, dass es noch mehr Unterlagen geben müsste. Er glaubt, dass einige Abschnitte, gewisse Aufzeichnungen fehlen. Nicht, weil sie herausgerissen wurden, sondern weil Cedric sie vermutlich woanders erfasst hat.«
»Hm.« Tristan kraulte Henrietta mit der Stiefelspitze am Kopf, dann blickte er zu Leonora auf. »Was ist mit Cedrics Schlafzimmer? Hast du dort schon gesucht?«
»Morgen. Die Dienstmädchen werden mir dabei zur Hand gehen, wir werden also zu fünft sein. Ich verspreche dir, wenn es etwas zu finden gibt, dann werden wir es finden.«
Er nickte und ging im Geiste die Liste der Dinge durch, die er mit ihr besprechen wollte. »Ach ja, richtig.« Er konzentrierte sich wieder auf ihr Gesicht, begegnete ihrem Blick. »Ich habe unsere Verlobungsanzeige in die Gazette setzen lassen. Die Bekanntmachung stand in der heutigen Morgenausgabe.«
Eine feine Veränderung zeigte sich auf ihrem Gesicht; ein Ausdruck, den er nicht recht zu deuten wusste - war es so etwas wie resignierte Belustigung? -, erfasste ihre blauen Augen.
»Ich hatte mich schon gefragt, wann du wohl darauf zu sprechen kommen würdest.«
Er hatte plötzlich das Gefühl, den festen Boden unter den Füßen zu verlieren. Er hob die Schultern, seinen Blick unverwandt auf sie gerichtet. »So ist es schließlich Brauch. Oder vielmehr Pflicht.«
»Durchaus, aber du hättest mich ruhig warnen können. Dann wäre ich nämlich, anstatt mich plötzlich wie ein Reh im Visier des Jägers zu finden, einigermaßen vorbereitet gewesen, als meine Tanten und nicht mal zehn Minuten später rund zwei Dutzend weitere Gratulanten über mich hergefallen sind.«
Er hielt ihrem Blick stand; einen Moment lang herrschte Stille. Dann verzog er zerknirscht das Gesicht. »Es tut mir aufrichtig leid. Wegen Miss Timmins’ Tod und alldem habe ich nicht weiter darüber nachgedacht.«
Sie sah ihn eindringlich an, dann neigte sie den Kopf. Ihre Lippen schienen leicht verzogen. »Entschuldigung angenommen. Aber dir ist doch sicherlich bewusst, dass wir jetzt, da das Geheimnis gelüftet ist, unseren gesellschaftlichen Pflichten nachkommen müssen?«
Er starrte auf sie herab. »Was für Pflichten?«
»Na, die obligatorischen Auftritte, die von jedem frisch verlobten Paar erwartet werden. Wie zum Beispiel bei Lady Hartingtons Soiree heute Abend.«
»Weshalb?«
»Weil es die Veranstaltung des Abends ist und wir den Leuten Gelegenheit geben müssen, uns zu gratulieren, uns zu beobachten, uns aufs Genaueste zu studieren, unser Verhalten zu interpretieren, sicherzustellen, dass wir ein gutes Paar abgeben und so weiter.«
»Und das ist Pflicht?«
Sie nickte.
»Weshalb?«
Sie verstand seine Frage richtig. »Weil wir andernfalls eine gänzlich unerwünschte und gewiss alles andere als diskrete Aufmerksamkeit auf uns ziehen werden. Sie werden uns keine Sekunde lang in Ruhe lassen, sondern permanent vor unserer Tür stehen - und zwar nicht nur zu angemessener Stunde. Sie werden mit ihren Kutschen an unseren Häusern vorbeifahren und sich die Hälse verrenken, wenn sie gerade einmal in der Gegend sind. Jedes Mal, wenn du einen Fuß vor die Tür setzt - sei es zu Hause oder nebenan in deinem Klub -, wird dich eine Gruppe kichernder Mädchen in Empfang nehmen. Und du wirst es gewiss nie wieder wagen, einen Schritt in den Park oder in die Bond Street zu tun.«
Sie sah ihn forschend an. »Ist es das, was du willst?«
Er studierte ihren Blick und musste feststellen, dass es ihr voller Ernst war. Er schauderte. »Großer Gott!« Er seufzte und presste die Lippen aufeinander; dann erwiderte er: »Na schön. Lady Hartingtons Soiree. Treffen wir uns dort oder soll ich dich mit der Kutsche abholen?«
»Es wäre durchaus angemessen, mich und meine Tanten zu der Veranstaltung zu geleiten. Mildred und Gertie werden gegen acht Uhr hier sein. Wenn du kurz darauf eintriffst, kannst du uns in Mildreds Kutsche begleiten.«
Er schnaubte leise, doch mit einem höflichen Nicken. Er ließ sich nicht gerne etwas vorschreiben, doch auf diesem speziellen Gebiet … Dies war einer der Gründe, weshalb er sie brauchte. Er machte sich nichts aus der feinen Gesellschaft; er kannte ihre geheimen Tücken zu gut und gleichzeitig nicht gut genug, um sich in ihrem grellen Schein wirklich wohlzufühlen. Obwohl er die feste Absicht hegte, sich dem gesellschaftlichen Trubel weitestgehend zu entziehen, war ihm doch angesichts seines Titels und seiner Position bewusst, dass er sich und seiner Zielsetzung, ein ruhiges Leben zu führen, keinen großen Gefallen tun würde, wenn er die Damenwelt mit ihren geheiligten Gepflogenheiten offen vor den Kopf stieß. Indem er sich beispielsweise ihrem Drang, ein frisch verlobtes Paar eingehend zu begutachten, entzog.
Er konzentrierte sich wieder auf Leonoras Gesicht. »Und wie lange müssen wir uns ihrem fragwürdigen Interesse ausliefern?«
Ihre Lippen zuckten. »Mindestens eine Woche.«
Er verzog das Gesicht und knurrte buchstäblich.
»Es sei denn, es käme ein nennenswerter Skandal dazwischen oder …« Sie sah ihn eindringlich an.
Er dachte angestrengt nach, doch seine Überlegungen brachten ihn kein Stück weiter. »Oder was?«, fragte er.
»Wir hätten eine ernst zu nehmende Entschuldigung wie etwa unsere aktive Beteiligung an einer Verbrecherjagd.«
 
Als er das Haus eine halbe Stunde später verließ, hatte er sich mit dem abendlichen Soireebesuch wohl oder übel abgefunden. Mountfords zunehmend riskantere Aktionen ließen annehmen, dass sie nicht allzu lange würden warten müssen, ehe er das nächste Mal in Erscheinung treten und ihnen in die Falle gehen würde. Und dann …
Mit etwas Glück würde Tristan nicht mehr allzu viele abendliche Veranstaltungen über sich ergehen lassen müssen - zumindest nicht als unverheirateter Mann.
Dieser Gedanke erfüllte ihn mit finsterer Entschlossenheit.
Festen Schrittes machte er sich auf den Heimweg, während er im Geiste den Ablauf des nächsten Tages und die intensivere Suche nach Martinbury plante. Er war bereits in die Green Street eingebogen und hatte sein Haus fast erreicht, als jemand seinen Namen rief.
Er blieb stehen, wandte sich um und entdeckte Deverell, der in diesem Moment aus einer Droschke stieg. Er wartete, bis dieser den Fahrer bezahlt hatte, dann ging er ihm entgegen.
»Darf ich dich auf ein Glas Brandy hereinbitten?«
»Gern.«
Sie machten es sich in der Bibliothek bequem und warteten ab, bis Havers den Raum verlassen hatte, um auf ihre Geschäfte zu sprechen zu kommen.
»Es hat jemand angebissen«, erwiderte Deverell auf Tristans hochgezogene Augenbrauen. »Und ich würde wetten, es war dieser Finsterling, vor dem du mich gewarnt hast. Er hat sich angeschlichen, als ich gerade gehen wollte; fast zwei Stunden muss er auf der Lauer gelegen haben. Ich benutze ein kleines Büro in einem Haus in der Sloane Street, das mir selbst gehört. Es steht gerade leer und ist für unsere Zwecke bestens geeignet.«
»Was hat er gesagt?«
»Dass er im Auftrag seines Herrn einige nähere Informationen über das Haus Nummer sechzehn einholen wolle. Ich habe ihm die üblichen Dinge genannt; Ausstattung und so weiter und natürlich den Preis.« Deverell grinste. »Er hat mir Hoffnungen gemacht, dass sein Herr womöglich interessiert sei.«
»Und weiter?«
»Ich habe ihm erklärt, warum das Haus zu vermieten ist und dass unter den gegebenen Umständen sein Herr damit rechnen müsse, das Haus nur für wenige Monate bekommen zu können, da der Eigentümer unter Umständen an einen Verkauf denkt.«
»Und das hat ihn nicht abgeschreckt?«
»Nicht im Geringsten. Er versicherte mir, dass sein Herr das Haus ohnehin nur übergangsweise mieten wolle und gewiss kein Interesse daran zeige, was mit dem Vormieter geschehen sei.«
Tristan lächelte finster, wölfisch. »Mir scheint, wir haben die richtige Beute im Visier.«
»Sieht ganz danach aus. Aber ich glaube nicht, dass ich Mountford persönlich zu sehen bekommen werde. Sein Helfershelfer hat mich um ein Exemplar des Mietvertrags gebeten und es mitgenommen. Er sagte, sein Herr würde einen Blick darauf werfen wollen. Wenn er ihn uns mitsamt der ersten Monatsmiete unterschrieben zurücksendet - nun, welcher Makler würde da noch lange zögern?«
Tristan nickte; seine Augen waren zusammengekniffen. »Wir werden sehen, was passiert; aber es klingt in der Tat vielversprechend.«
Deverell leerte sein Glas. »Mit etwas Glück wird er uns in den nächsten Tagen ins Netz gehen.«
 
Tristans Abend fing bereits schlecht an und verschlimmerte sich zusehends.
Er traf frühzeitig am Montrose Place ein. Als Leonora die Treppe herunterkam, wartete er in der Eingangshalle. Er drehte sich um, entdeckte sie - und erstarrte; in ein Kleid aus dunkelblauer Moiréseide gehüllt, von dessen weitem Ausschnitt sich ihre Schultern und ihr Hals wie feines Porzellan abhoben, ihr glänzendes, granatgeschmücktes Haar kunstvoll aufgetürmt, raubte sie ihm den Atem. Ein hauchfeiner Schal, der ihre Arme und Schultern verhüllte und zugleich preisgab, berührte und umspielte sanft ihre grazilen Kurven; seine Handflächen kribbelten.
Dann bemerkte sie ihn, begegnete seinem Blick und lächelte.
Das Blut wich aus seinem Kopf; ihm wurde schwindelig.
Sie durchquerte den Raum und kam auf ihn zu; ihre veilchenblauen Augen waren erfüllt von jenem Ausdruck freudigen Willkommens, das nur ihm allein vorbehalten war. Sie reichte ihm die Hände. »Mildred und Gertie müssten jeden Moment hier eintreffen.«
Ein plötzlicher Lärm an der Tür verkündete die Ankunft der beiden Damen; ihr Eintreffen bewahrte ihn vor der Verlegenheit, eine intelligente Antwort formulieren zu müssen. Ihre Tanten schäumten nur so über vor Gratulationen und endlosen Ratschlägen bezüglich ihres gesellschaftlichen Auftrittes. Er nickte und versuchte, alles weitestgehend zu verinnerlichen, in der Hoffnung, sich einigermaßen für den Kampf zu wappnen, während Leonora und die Tatsache, dass sie schon bald ihm gehören würde, fortwährend in seinem Kopf herumspukten.
Und dieser Preis war den Kampf allemal wert.
Er begleitete die Damen hinaus zur Kutsche. Lady Hartingtons Haus lag ganz in der Nähe. Die Dame des Hauses war selbstverständlich mehr als entzückt, sie beide empfangen zu dürfen. Sie erging sich in endlosen Ausrufen und aufgeregtem Geplapper und fragte sie schelmisch nach ihren Hochzeitsplänen; Tristan verharrte unbeteiligt an Leonoras Seite und lauschte, während sie gelassen allen Fragen gekonnt auswich, ohne auch nur eine einzige davon zu beantworten. Dem Gesichtsausdruck ihrer Gastgeberin nach zu urteilen, waren Leonoras Antworten jedoch vollkommen akzeptabel; ihm hingegen war dies alles ein großes Rätsel.
Dann schritt Gertie schließlich ein und beendete das Verhör. Auf Leonoras unauffälligen Ellenbogenstoß hin führte er sie weiter. Wie gewohnt steuerte er auf einen Platz am Rand des Saals zu.
Ihre Fingerspitzen sanken in seinen Arm. »Nicht. Das bringt nichts. Heute Abend sind wir besser beraten, wenn wir uns gleich ins Zentrum des Geschehens begeben.«
Mit einem bedeutungsvollen Kopfnicken schob sie ihn geradewegs in die Mitte des großen Salons. Er zögerte innerlich, zeigte sich dann jedoch gefügig; seine Instinkte warnten ihn - der Ort bot ihnen keinerlei Deckung, sie konnten von mehreren Seiten zugleich angegriffen, sogar umzingelt werden …
Aber er musste sich wohl oder übel auf ihr Urteil verlassen; auf diesem Schlachtfeld war seine eigene Urteilskraft hoffnungslos unterentwickelt. Doch selbst unter diesen Umständen fiel es ihm nicht leicht, sich von jemand anderem führen zu lassen.
Erwartungsgemäß waren sie innerhalb kürzester Zeit von jungen wie älteren Damen umringt, die ihnen allesamt ihre Glückwünsche aussprechen und die Neuigkeiten aus erster Hand hören wollten. Einige unter ihnen waren überaus liebenswürdig, freundlich und frei von Arglist - Damen, denen gegenüber er seinen Charme bereitwillig einsetzte. Andere wiederum trieben ihn geradezu in den Wahnsinn; am Ende eines weiteren solchen Gefechts, das Mildred gnädigerweise zum Abschluss brachte, indem sie den alten Drachen von seiner Seite fortzog, wanderte Leonoras Blick zu ihm auf, während sie ihm zugleich unauffällig ihren Ellenbogen in die Seite stupste.
Er sah auf sie hinab, ein missmutiges Blitzen in den Augen. Sie lächelte ihn gelassen an. »Nun hör schon auf, so grimmig dreinzublicken.«
Ihm wurde bewusst, dass seine perfekte Fassade ein wenig brüchig geworden war, und brachte seine charmante Maske rasch wieder in Form. Währenddessen erwiderte er im Flüsterton: »Ich hätte diese alte Hexe erwürgen können, insofern war mein grimmiger Ausdruck noch eine überaus gelinde Reaktion.« Er begegnete ihrem Blick. »Ich weiß nicht, wie du es schaffst, solchen Personen gegenüber die Fassung zu bewahren; sie geben sich nicht die leiseste Mühe, ihre eklatante Unaufrichtigkeit zu verbergen.«
Ihr Lächeln war verständnisvoll und spöttisch zugleich; sie lehnte sich einen Moment lang schwerer auf seinen Arm. »Man gewöhnt sich daran. Wenn sie besonders unausstehlich werden, muss man einfach alles von sich abprallen lassen und daran denken, dass sie nur auf eine Reaktion aus sind; indem man ihnen diese verweigert, hat man den Kampf bereits gewonnen.«
Er konnte ihr Argument durchaus nachvollziehen und versuchte sich dementsprechend zu verhalten, doch die Situation zerrte beharrlich an seinen Nerven. In den vergangenen zehn Jahren hatte er alles darangesetzt, keinerlei Aufmerksamkeit auf sich zu lenken; hier, auf einer gesellschaftlichen Veranstaltung, im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses zu stehen und alle Augen und zumindest die Hälfte aller Gespräche auf sich gerichtet zu wissen, lief all seinen tief verwurzelten Gewohnheiten zuwider.
Der Abend schleppte sich langsam dahin; viel zu langsam für seinen Geschmack. Die Anzahl der Ladys und Gentlemen, die nur darauf warteten, mit ihnen sprechen zu dürfen, wurde nicht merklich weniger. Er fühlte sich unsicher und ausgeliefert. Und hatte nach wie vor den Eindruck, den gefährlicheren Exemplaren ihrer Spezies nicht wirklich gewachsen zu sein.
Leonora nahm sich ihrer mit einer Sicherheit an, die ihn tief beeindruckte. Mit genau dem richtigen Maß an Hochmut wie Selbstbewusstsein. Wie gut, dass er sie gefunden hatte.
Dann traten Ethelreda und Edith zu ihnen hinzu; sie begrüßten Leonora, als würde sie längst zur Familie gehören, und sie erwiderte ihre Begrüßung in ähnlicher Weise. Mildred und Gertie berührten sich unauffällig an den Händen; er bemerkte, wie Edith eine kurze Frage stellte, auf die Gertie mit einer knappen Erwiderung und einem verschwörerischen Schnauben antwortete. Dann wechselten die älteren Damen verheißungsvolle Blicke.
Ethelreda trat an ihn heran und tätschelte seinen Arm. »Kopf hoch, mein Junge. Wir sind ja jetzt da.«
Sie und Edith gingen weiter, jedoch nur, um sich an Leonoras Seite aufzustellen. Im Laufe der nächsten fünfzehn Minuten tauchten seine anderen Cousinen - Millicent, Flora, Constance und Helen - auf. Sie begrüßten Leonora ebenso herzlich, wie Ethelreda und Edith es getan hatten, wechselten einige freundliche Worte mit Mildred und Gertie und bildeten dann gemeinsam mit Ethelreda und Edith eine lockere Gruppe an Leonoras Seite.
Und mit einem Mal wendete sich das Blatt.
Die Menge im großen Salon war unangenehm angewachsen; noch mehr Gäste standen um sie herum und warteten darauf, ein paar Worte mit ihnen zu wechseln. Es herrschte ein dichtes Gedränge - und er hasste es, bedrängt zu werden; Leonora begrüßte weiterhin all diejenigen, die bis zu ihnen vordrangen, stellte sie einander vor, übernahm die Gesprächsführung, doch sobald irgendjemand Anstalten machte, sich boshaft, kühl oder auch nur besitzergreifend zu verhalten, griffen Mildred, Gertie oder auch eine seiner Cousinen ein, um die impertinente Person mit einer belanglosen Äußerung fortzulocken.
Innerhalb kürzester Zeit wurde das Bild, das er bisher von seinen alten Damen gehabt hatte, vollständig zerstört und neu konstruiert; selbst die sich aus dem gesellschaftlichen Leben allmählich zurückziehende Flora zeigte bemerkenswerte Durchsetzungskraft, als es darum ging, eine überaus hartnäckige Lady abzulenken und zu entfernen. Gertie ließ ebenfalls keinen Zweifel darüber aufkommen, für welches Lager sie Flagge zeigte.
Diese Umverteilung der Rollen verunsicherte ihn nur noch mehr; auf diesem Schlachtfeld waren tatsächlich sie die Beschützerinnen - entschlossen und siegreich -, während er derjenige war, der ihres Schutzes bedurfte. Ein Teil dieser Schutzfunktion bestand darin, ihn davor zu bewahren, auf diejenigen Damen zu reagieren, die ihre Verlobung als eigenen Verlust verzeichneten und Leonora als Konkurrentin behandelten, die Tristan arglistig in eine Falle getrieben hatte, während in Wirklichkeit das genaue Gegenteil der Fall war. Ihm war nicht bewusst gewesen, wie hart und erbittert der weibliche Konkurrenzkampf auf dem Heiratsmarkt tatsächlich war, oder dass Leonoras offensichtlicher Erfolg sie zu einer Zielscheibe des Neids machen würde.
Der heutige Abend hatte ihm die Augen geöffnet.
Lady Hartington hatte beschlossen, ihre Soiree mit ein wenig Tanz aufzulockern. Als die Musiker sich vorbereiteten, wandte Gertie sich ihm zu. »Sie sollten die Gelegenheit nutzen, solange sie sich bietet.« Sie pikste ihm in den Arm. »Ihr werdet mindestens noch eine weitere Stunde durchhalten müssen, ehe man euch hier gehen lässt.«
Das ließ er sich nicht zweimal sagen; er ergriff Leonoras Hand, lächelte liebenswürdig und entschuldigte sich höflich bei den beiden Damen, mit denen sie sich gerade unterhielt. Constance und Millicent sprangen ein, um ihren Rückzug gekonnt zu decken.
Leonora seufzte und begab sich mit aufrichtiger Erleichterung in seine Arme. »Wie ermüdend. Ich hatte niemals erwartet, dass es jetzt schon so schlimm werden würde; nicht um diese Jahreszeit.«
Während er sie durch den Raum wirbelte, blieb sein Blick fest auf sie gerichtet. »Du meinst, es hätte noch schlimmer ausfallen können?«
Sie erwiderte seinen Blick und lächelte. »Es sind noch längst nicht alle in die Stadt zurückgekehrt.«
Sie sagte nichts weiter; er beobachtete ihr Gesicht, während sie sich quer durch den Raum bewegten, drehten und wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurückkehrten. Sie schien sich mit allen Sinnen dem Walzer hinzugeben; er folgte ihrem Beispiel.
Und fühlte die Entspannung, die ihm dies sogleich verschaffte. Die Gewissheit, sie in den Armen zu halten, sie leibhaftig unter seinen Händen zu spüren; die flüchtige Berührung ihrer Oberschenkel, wenn sie sich drehten; die Harmonie, mit der sich ihre Körper bewegten, aufeinander abgestimmt, in Einklang. Vereint.
Als die Musik endete, befanden sie sich am anderen Ende des Raumes. Ohne zu fragen, legte er ihre Hand auf seinen Arm und geleitete sie zurück zu der Gruppe ihrer Beschützerinnen - ihrem kleinen schützenden Eiland relativer Sicherheit.
Sie sah ihn von der Seite her an, ein Lächeln auf den Lippen, Mitgefühl in ihrem Blick. »Wie fühlst du dich?«
Er blickte sie an. »Wie ein General, der von einem Schwarm kompetenter und engagierter Offiziere umgeben ist.« Er atmete tief ein und blickte nach vorn, wo sie die Gruppe liebenswerter alter Damen bereits erwartete. »Die Tatsache, dass es sich dabei um Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts handelt, ist zwar ein wenig beunruhigend, aber nichtsdestoweniger bin ich ihnen dankbar ergeben.«
Als Antwort erhielt er ein unterdrücktes Glucksen. »Das solltest du auch sein.«
»Glaube mir«, murmelte er zurück, während sie sich den anderen näherten, »ich kenne meine Grenzen. Dies hier ist ein durch und durch weiblicher Schauplatz, auf dem weibliche Strategien dominieren, die viel zu verschlungen sind, als dass ein Mann sie jemals durchschauen könnte.«
Mit einem Lachen in den Augen sah sie ihn mit tief vertrautem Blick an, dann schlüpften sie wieder in ihre offiziellen Rollen und stellten sich der kleinen Horde Gratulanten, die sie noch immer zu sprechen wünschte.
 
Die Nacht endete wie erwartet - jedoch keineswegs wie erwünscht -, ohne ihm und Leonora Gelegenheit zu geben, ihre aufgestauten Bedürfnisse - verstärkt durch ihren fortwährend engen Kontakt, die Verheißungen des Walzers, seine Reaktion auf die wenigen intimen Momente des Abends - in irgendeiner Weise zu befriedigen.
Mein.
Dieses Wort hatte sich in seinem Kopf festgesetzt und kitzelte seine Instinkte, wann immer sie in seiner Nähe war, vor allem dann, wenn andere diese Tatsache nicht so ganz zu begreifen schienen.
Keine besonders kultivierte Reaktion, vielmehr eine höchst primitive. Dies war ihm durchaus bewusst, doch es kümmerte ihn nicht.
Als er am nächsten Morgen die Green Street verließ, fühlte er sich rastlos und unbefriedigt und stürzte sich umgehend in die Suche nach Martinbury. Inzwischen waren sie alle einigermaßen sicher, dass Mountford hinter irgendetwas her war, was sich in Cedrics Aufzeichnungen befand; A.J. Carruther war Cedrics engster Vertrauter gewesen, und Martinbury, als sein Erbe, war allem Anschein nach derjenige, dem Carruther seine Geheimnisse anvertraut hatte - und nun war Martinbury spurlos verschwunden.
Sein Verbleiben aufzuklären oder wenigstens Hinweise auf sein Schicksal zu finden, schien daher der erfolgversprechendste Weg, um Mountfords Motiv zu ergründen und etwas gegen die Bedrohung zu unternehmen.
Kurz gesagt, der schnellste Weg, um die Sache aus dem Weg zu räumen, damit er Leonora endlich heiraten konnte.
Doch die Polizeiwachen aufzusuchen, das Vertrauen der Leute zu erlangen, Dokumente einzusehen und nach kürzlichen Todesfällen zu suchen - all das kostete Zeit. Er hatte mit den Polizeiwachen in der Umgebung der Poststation angefangen, in deren Herberge Martinbury abgestiegen war. Als Tristan am späten Nachmittag in einer Droschke nach Hause rumpelte, ohne den geringsten Fortschritt erzielt zu haben, fragte er sich, ob er nicht von falschen oraussetzungen ausgegangen war. Martinbury mochte schon mehrere Tage in London gewesen sein, ehe er verschwand.
Tristan betrat sein Haus und wurde von Charles, der hergekommen war, um ihm Bericht zu erstatten, bereits in der Bibliothek erwartet.
»Nichts«, konstatierte Charles, sobald Tristan die Tür hinter sich geschlossen hatte. Er wandte sich in seinem Sessel beim Kamin herum und sah Tristan an. »Wie steht’s bei dir?«
Er verzog das Gesicht. »Das Gleiche.« Er nahm die Karaffe von der Anrichte und füllte sich ein Glas, dann trat er zu Charles hinüber, schenkte ihm nach und ließ sich schließlich in den anderen Sessel sinken. Er starrte nachdenklich ins Feuer. »Welche Hospitäler hast du überprüft?«
Charles zählte die entsprechenden Einrichtungen auf; Hospitäler und Hospize, die allesamt in der Umgebung der Poststation lagen, wo die Kutschen aus York ankamen.
Tristan nickte. »Wir müssen schneller vorgehen und unsere Suche ausweiten.« Er erklärte Charles seine Überlegungen.
Dieser neigte zustimmend den Kopf. »Die Frage ist nur, wie können wir es selbst mit Deverells Hilfe schaffen, unsere Suche auszuweiten und zugleich schneller zu werden?«
Tristan nahm einen Schluck, dann ließ er sein Glas sinken. »Wir werden ein kalkuliertes Risiko eingehen und unsere Aufmerksamkeit gezielt einschränken. Leonora gab zu bedenken, dass Martinbury womöglich doch noch am Leben ist, aber aufgrund fehlender Kontakte irgendwo in einem Krankenhausbett vor sich hin vegetiert.«
Charles zog eine Grimasse. »Armer Kerl.«
»Eben. Außerdem ist dies das einzige Szenario, das uns in irgendeiner Weise weiterhelfen würde. Wenn Martinbury tot ist, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass der Täter irgendwelche Unterlagen zurückgelassen hat, die uns in die richtige Richtung führen könnten.«
»Stimmt.«
Tristan nippte erneut an seinem Glas, dann sagte er: »Ich werde meine Leute darauf ansetzen, die Hospitäler nach einem Mann abzusuchen, der Martinburys Beschreibung entspricht und der noch am Leben ist. Das lässt sich immerhin auch ohne unseren Einfluss bewerkstelligen.«
Charles nickte. »Ich werde dasselbe tun und Deverell mit Sicherheit auch …«
Vom Flur her drang eine Männerstimme zu ihnen. Sie blickten beide zur Tür.
»Wenn man vom Teufel spricht«, sagte Charles.
Die Tür öffnete sich und Deverell trat ein.
Tristan stand auf und schenkte ihm Brandy ein. Deverell nahm das Glas entgegen und ließ sich anmutig der Länge nach auf die Chaiselongue sinken. Im Gegensatz zu den ernüchterten Gesichtsausdrücken der beiden anderen funkelten seine grünen Augen lebhaft. Er hob ihnen sein Glas entgegen. »Ich bin gekommen, um euch Neuigkeiten zu überbringen.«
»Gute Neuigkeiten?«, fragte Charles.
»Ein kluger Mann überbringt nur gute Neuigkeiten.« Deverell unterbrach sich, um an seinem Brandy zu nippen; mit einem Lächeln ließ er das Glas sinken. »Mountford hat angebissen.«
»Er hat das Haus gemietet?«
»Sein Helfershelfer hat den Mietvertrag heute Morgen mitsamt der ersten Mietzahlung vorbeigebracht. Der Unterzeichner ist ein gewisser Mr Caterham, der unverzüglich einzuziehen gedenkt.« Er hielt kurz inne und runzelte leicht die Stirn. »Ich habe ihm die Schlüssel ausgehändigt und angeboten, ihnen das Haus zu zeigen, doch der Helfershelfer, er nennt sich übrigens Cummings, lehnte ab. Er sagte, sein Herr sei ein sehr zurückgezogener Mensch und bestehe auf absolute Anonymität.«
Die Falten auf Deverells Stirn vertieften sich. »Ich hatte überlegt, dem Finsterling zu seinem Versteck zu folgen, aber ich dachte mir, die Gefahr, sie zu verschrecken, wäre wohl zu groß.« Er sah Tristan an. »In Anbetracht der Tatsache, dass Mountford - oder wer auch hinter diesem Namen steckt - unverzüglich einziehen will, erschien es mir klüger, ihn sein Ziel in Ruhe verfolgen und ihn geradewegs in unsere Falle tappen zu lassen.«
Tristan und Charles nickten zustimmend.
»Hervorragend.« Tristan starrte abwesend ins Feuer. »Also haben wir ihn endlich; wir wissen, wo wir ihn finden können. Wir werden weiter versuchen herauszufinden, worauf er es abgesehen hat, aber selbst wenn uns das nicht gelingt, können wir immer noch seinen nächsten Schritt abwarten. Dann kann er uns sein Geheimnis persönlich enthüllen.«
»Auf den Erfolg!«, sagte Charles.
Die anderen sprachen seine Worte nach, dann leerten sie ihre Gläser.
 
Nachdem er Charles und Deverell zur Tür gebracht hatte, begab sich Tristan in sein Arbeitszimmer. Als er an den Bögen des Frühstückssalons vorbeikam, hörte er das vertraute Gemurmel seiner ältlichen Mitbewohnerinnen und warf einen flüchtigen Blick in den Raum.
Er blieb abrupt stehen. Er traute seinen Augen nicht.
Seine beiden Großtanten mitsamt seinen - er zählte die Köpfe - sechs anderen Verwandten von Mallingham Manor waren unerwartet aufgetaucht. Seine vierzehn alten Damen hatten sich vollständig unter seinem Dach in der Green Street versammelt, sich über das gesamte Frühstückszimmer verteilt, die Köpfe zusammengesteckt, und sie heckten eindeutig etwas aus.
Tristan beschlich ein mulmiges Gefühl.
Hortensia blickte auf und entdeckte ihn. »Da bist du ja, mein Junge! Was für wunderbare Neuigkeiten von dir und Miss Carling.« Sie schlug mit den Handflächen auf die Armlehnen ihres Stuhls. »Genau wie wir es uns erhofft hatten.«
Er trat die Stufen hinunter. Hermine reckte ihm aufgeregt ihre Hand entgegen. »Ganz recht, mein Lieber. Wir sind außerordentlich zufrieden!«
Er neigte sich über ihre Hand und akzeptierte ihre und alle weiteren Glückwünsche mit einem bescheidenen »Danke«.
»Nun!« Hermine wandte sich herum und sah zu ihm auf. »Ich hoffe, du hältst uns nicht für anmaßend, aber wir haben für heute Abend eine kleine Familienfeier anberaumt. Ethelreda hat mit Miss Carlings Familie gesprochen - Lady Warsingham und ihrem Gatten, der älteren Miss Carling sowie Sir Humphrey und Jeremy Carling -, und alle sind damit einverstanden, einschließlich der jungen Miss Carling, versteht sich. Angesichts der Tatsache, dass wir so viele sind und nicht mehr die Jüngsten und ein solches gemeinsames Dinner zudem der angemessene Rahmen wäre, um ihre Familie offiziell kennenzulernen, hoffen wir auf deine Zustimmung, es noch heute Abend hier stattfinden zu lassen.«
Hortensia schnaubte. »Davon abgesehen hat uns die Fahrt hierher derart zermürbt, dass wir gewiss keine andersgeartete Abendveranstaltung verkraften würden.«
»Und, mein Lieber«, ergänzte Millicent, »wir sollten zudem bedenken, dass Miss Carling, Sir Humphrey und der junge Mr Carling heute bereits an einer Beerdigung teilnehmen mussten. Eine Nachbarin, wenn ich es recht verstanden habe?«
»Ganz richtig.« Vor seinem geistigen Auge formte sich das Bild einer entspannten Abendgesellschaft, die weit weniger förmlich war, als man es erwarten könnte; er kannte seine Großtanten und ihre Mitstreiterinnen inzwischen gut genug. Er sah sich um und begegnete ihren freudigen und eindeutig hoffnungsvollen Blicken. »Soll das bedeuten, dass dieses Abendessen alle sonstigen gesellschaftlichen Veranstaltungen ersetzt?«
Hortensia verzog das Gesicht. »Nun, wenn du darauf bestehst, einen Ball oder eine andere …«
»Nein, nein, keineswegs.« Die Erleichterung, die er empfand, war übermächtig; er lächelte und hatte Mühe, seinen Überschwang in angemessene Bahnen zu lenken. »Ich sehe keinerlei Grund, weshalb dieses Abendessen nicht genauso stattfinden sollte, wie ihr es geplant habt. Tatsächlich«, er ließ seine Maske fallen und zeigte ihnen seine aufrichtige Dankbarkeit, »bin ich für jede Entschuldigung dankbar, mich heute Abend nicht den gesellschaftlichen Kreisen ausliefern zu müssen.« Er verneigte sich vor seinen beiden Großtanten und schloss die anderen Damen mit einem Blick in seine Geste ein, während er ihnen seinen geballten Charme entgegenstrahlen ließ. »Herzlichen Dank.«
Die Worte kamen tatsächlich von Herzen.
Sie lächelten alle und nickten, hocherfreut, ihm einen Dienst erwiesen zu haben.
»Wir hatten auch nicht angenommen, dass das turbulente gesellschaftliche Treiben für dich so unverzichtbar wäre«, tat Hortensia ihre Meinung kund. Sie grinste zu ihm auf. »Für uns im Übrigen auch nicht.«
 
Er hätte sie alle küssen können. Da er sich jedoch lebhaft vorstellen konnte, wie sehr das die meisten von ihnen aus der Fassung gebracht hätte, begnügte er sich stattdessen damit, an diesem Abend ganz besonders auf seine Garderobe zu achten und sich dann rechtzeitig in den Salon zu begeben, um jede von ihnen einzeln mit einer Verbeugung zu begrüßen und ihnen Komplimente über ihre Kleidung, ihre Frisuren oder ihren Schmuck zu machen; und all das mit seinem gewinnenden Charme, den er nur allzu sicher einzusetzen wusste, was er aber nur selten ohne konkrete Hintergedanken tat.
Sein einziger Hintergedanke an diesem Abend war, ihnen für ihre Güte und ihre Aufmerksamkeit zu danken.
Noch nie in seinem Leben hatte ihn die Aussicht auf ein familiäres Abendessen mit einer solchen Dankbarkeit erfüllt.
Während sie im Salon das Eintreffen der Gäste erwarteten, musste er darüber nachdenken, wie unverhältnismäßig seine kleine Familienversammlung nach außen hin erscheinen musste: Er als einziger Mann stand am Kamin, umringt von vierzehn älteren Damen. Doch sie waren seine Familie; er fühlte sich zwischen ihnen und ihrem munteren Geplapper weitaus wohler als in der glitzernden, aufregenden, aber auch arglistigen Welt der edlen Gesellschaft. Er hatte mit ihnen eines gemeinsam - sie alle waren Teil eines unsichtbaren Netzes von Menschen, deren Schicksale über die Jahrhunderte hinweg an denselben Ort, denselben Ursprung gebunden waren.
Bald würde auch Leonora ein Teil dieses Netzes werden, und sie würde sich wunderbar hineinfügen.
Havers trat ein, um Lord und Lady Warsingham sowie Miss Carling - Gertie - anzukündigen. Unmittelbar im Anschluss trafen auch Sir Humphrey, Leonora und Jeremy ein.
Jede Befürchtung, dass er als formeller Gastgeber würde auftreten müssen, hatte sich innerhalb von Minuten zerschlagen. Sir Humphrey wurde von Ethelreda und Constance in Beschlag genommen, Jeremy wurde von einigen anderen Damen umgarnt, und Lord und Lady Warsingham erlagen dem Wemyss’schen Charme, den Hermine und Hortensia verströmten. Gertie und Millicent, die sich bereits am Vorabend kennengelernt hatten, steckten ebenfalls rasch die Köpfe zusammen.
Nachdem Leonora ein paar Worte mit den übrigen Damen gewechselt hatte, gesellte sie sich zu ihm. Sie reichte ihm die Hand und schenkte ihm ihr ganz spezielles Lächeln, das allein ihm vorbehalten war. »Ich muss sagen, ich war hocherfreut über den Vorschlag deiner Großtanten. Nach Miss Timmins’ Beerdigung heute Morgen hätten Lady Willoughbys Ball und die Aussicht, mit jenem fragwürdigen Interesse - wie du es so schön nanntest - umgehen zu müssen, meine Geduld gewiss auf eine harte Probe gestellt.« Sie blickte auf und sah ihm in die Augen. »Genauso wie deine.«
Er neigte zustimmend den Kopf. »Und dabei war ich nicht einmal auf der Beerdigung. Wie war es denn?«
»Bescheiden, aber aufrichtig. Ich glaube, Miss Timmins hätte sich über die Anteilnahme sehr gefreut. Henry Timmins hat die Andacht zusammen mit dem örtlichen Pfarrer abgehalten, und Mrs Timmins war auch dabei. Eine sehr nette Frau.«
Nach einer kurzen Pause drehte sie sich zu ihm um und senkte ihre Stimme. »Wir haben in Cedrics Zimmer einige Unterlagen gefunden, die in einem Korb mit Feuerholz versteckt waren. Es handelt sich nicht um Briefe, eher um Aufzeichnungen, ähnlich wie die in Cedrics Tagebüchern, aber das Bemerkenswerteste daran ist, Cedric hat sie nicht selbst geschrieben; sie sind in Carruthers Handschrift. Onkel Humphrey und Jeremy konzentrieren sich nun erst einmal hierauf. Onkel Humphrey sagt, es seien Beschreibungen zu Experimenten, so ähnlich wie die in Cedrics Tagebüchern, aber bislang haben die beiden noch keinen Weg gefunden, die Aufzeichnungen zu entschlüsseln oder überhaupt herauszufinden, ob sie irgendwie von Bedeutung sein könnten. Es scheint so, als würden alle Dokumente, die wir bislang gefunden haben, nur einen Teil dessen ausmachen, woran die beiden zusammen gearbeitet haben.«
»Was wiederum den Eindruck verstärkt, dass Cedric und Carruther tatsächlich etwas herausgefunden haben, mit dem sie wohlweislich vertraulich umgegangen sind.«
»Stimmt.« Leonora studierte seine Züge. »Für den Fall, dass du dir Gedanken machen solltest … Wir haben das gesamte Personal darauf hingewiesen, besonders achtsam zu sein, und Castor wird sich unmittelbar an Gasthorpe wenden, sollte irgendetwas Außergewöhnliches geschehen.«
»Gut.«
»Hast du etwas herausgefunden?«
Er fühlte, wie sein Kiefer sich anspannte, doch er zwang sich, seinen charmanten Gesichtsausdruck beizubehalten. »Nichts in Bezug auf Martinbury, aber wir haben einen neuen Weg eingeschlagen, der uns möglicherweise schneller voranbringt. Die wesentliche Neuigkeit ist aber, dass Mountford tatsächlich in unsere Falle getappt ist. Er hat die Nummer sechzehn heute am späten Nachmittag mithilfe seines Handlangers gemietet.«
Ihre Augen weiteten sich; ihr Blick war fest auf ihn gerichtet. »Es kommt also Bewegung in die Sache.«
»So ist es.«
Er wandte sich lächelnd um, als Constance auf sie zutrat. Leonora blieb an seiner Seite stehen und plauderte mit den älteren Damen, die sich nach und nach zu ihnen gesellten. Sie berichteten Leonora von ihrem Gemeindefest und von den kleinen alltäglichen Veränderungen auf dem Landsitz, die der Wechsel der Jahreszeiten mit sich brachte. Sie plauderten über dies und das, gaben einige Anekdoten aus Tristans Kindheit zum Besten und erzählten kleine Geschichten über seinen Vater und seinen Großvater.
Sie sah gelegentlich zu Tristan auf, beobachtete, wie er mühelos seinen Charme versprühte, und blickte auch hinter die charmante Fassade. Nachdem sie Lady Hermine und Lady Hortensia kennengelernt hatte, war ihr klar, woher er diese Fähigkeit hatte; sie fragte sich, wie sein Vater wohl gewesen sein mochte.
Doch alles in allem war Tristans Benehmen in diesem Umfeld sehr viel authentischer; seine wahre Persönlichkeit strahlte deutlich hervor, und zwar nicht nur seine Stärken, sondern auch seine Schwächen. Er wirkte entspannt und gelöst; sie hatte das Gefühl, dass er seine Deckung womöglich jahrelang nicht hatte fallenlassen. Die Ketten der Zugbrücke schienen noch immer eingerostet.
Sie schlenderte ein wenig durch den Raum, plauderte bald hier, bald da, doch ihre Aufmerksamkeit blieb stets auf Tristan gerichtet in dem sicheren Bewusstsein, dass er sie ebenso beobachtete wie sie ihn. Dann verkündete Havers, dass das Abendessen angerichtet sei, woraufhin alle ins Speisezimmer traten, sie an Tristans Arm.
Er ließ sie am einen Ende der Tafel neben sich Platz nehmen; Lady Hermine saß am anderen Ende. Sie hielt eine ergreifende Rede, in der sie ihrer großen Freude Ausdruck verlieh und zugleich ankündigte, die Leitung des Haushalts von Mallingham Manor schon bald an Leonora abzutreten; schließlich sprach sie einen Toast auf die Verlobten aus, woraufhin der erste Gang aufgetragen wurde. Ein sanftes Gemurmel erhob sich und erfüllte den gesamten Raum.
Der Abend gestaltete sich überaus angenehm und unterhaltsam. Die Damen begaben sich wieder in den Salon und überließen die Herren ihrem Portwein, die sich schon kurze Zeit später wieder zu den Damen gesellten.
Ihr Onkel Winston, Mildreds Ehemann Lord Warsingham, trat an Leonoras Seite. »Eine ausgezeichnete Wahl, Liebes.« Seine Augen funkelten; ihre Abneigung gegen eine Heirat hatte ihn immer bekümmert, aber er hatte nie versucht, sich einzumischen. »Du hast dir zwar ausgesprochen viel Zeit gelassen, aber es kommt ja schließlich auf das Endergebnis an, nicht wahr?«
Sie lächelte und neigte den Kopf. Tristan kam zu ihnen herüber, und sie lenkte die Unterhaltung rasch auf das neueste Theaterstück.
Sie beobachtete derweil Tristans Verhalten. Sie hatte ihn nicht ständig im Blick, aber dennoch nahm sie ihn intensiv wahr; vielleicht war es so eine Art gefühlsmäßiges Beobachten - wenn es denn so etwas gab -, eine besondere Schärfung ihrer Sinne.
Ihr war wiederholt aufgefallen, dass er oft zögerte, wenn er mit ihr sprach, dass er innehielt, seine Worte überprüfte, nachdachte, dann fortfuhr. Sie hatte gewisse Regelmäßigkeiten entdeckt, die ihr verrieten, was er gerade dachte, wann und in welcher Weise er an sie dachte. Welche inneren Entscheidungen er dabei traf.
Die Tatsache, dass er keinerlei Anstalten machte, sie von den weiteren Nachforschungen auszuschließen, stimmte sie zuversichtlich. Er hätte sich sehr viel mehr dagegen sperren können; sie hatte sogar fest damit gerechnet. Stattdessen folgte er seinem Gefühl und versuchte, ihr so gut es ging entgegenzukommen. Dies bestärkte sie in ihrer Hoffnung, dass sie beide in Zukunft - in ihrer gemeinsamen Zukunft, zu der sie sich entschlossen hatten - gut miteinander auskommen würden; dass sie beide umsichtig mit ihren gegenseitigen Bedürfnissen und Eigenschaften umgehen würden.
Seine Bedürfnisse und Eigenschaften waren weit komplizierter als die der meisten anderen Menschen; dies war ihr bereits vor langer Zeit bewusst geworden. Tatsächlich war dies einer der Gründe, weshalb er sie so sehr faszinierte, weil er anders war als alle anderen, weil seine Wünsche und Bedürfnisse von ganz anderer Art und Intensität waren.
Aufgrund seiner gefährlichen Vergangenheit neigte er weniger dazu, Frauen von allem auszuschließen, und war stattdessen eher dazu bereit, sie für seine Zwecke einzusetzen. Ihr war von Anfang an aufgefallen, dass er im Vergleich zu weniger abenteuerlustigen Zeitgenossen kaum dazu tendierte, Frauen zu verhätscheln; sie kannte ihn inzwischen gut genug, um zu ahnen, wie kalt und kompromisslos er vorgehen würde, wenn es darum ging, seine Pflichten zu erfüllen. Diese Seite seines Charakters war es, die es ihr ermöglichte, derart intensiv an den Nachforschungen teilzunehmen, ohne dabei auf allzu großen Widerstand zu stoßen.
In Bezug auf ihre eigene Person stand seine pragmatische Art jedoch in direktem Widerstreit mit etwas sehr viel Ursprünglicherem, mit einer intuitiven Verhaltensweise, beinahe so etwas wie ein Urinstinkt: der Zwang, sie für alle Zeiten zu schützen, sie von aller Gefahr fernzuhalten.
Immer wieder verdüsterte dieser Konflikt seinen Blick. Seine Züge verhärteten sich, er schaute sie flüchtig an, zögerte, ließ sie dann jedoch gewähren.
Sie mussten sich anpassen. Er sich an sie, sie sich an ihn.
Sie stellten sich zunehmend aufeinander ein, lernten Schritt für Schritt, in welcher Weise sich ihre Leben in Zukunft miteinander verflechten würden. Doch dieser grundsätzliche Konflikt blieb bestehen; vermutlich für immer.
Sie würde dies in Kauf nehmen, sich darauf einstellen müssen. Sie musste seine unterdrückten, aber nichtsdestoweniger vorhandenen Instinkte und Befürchtungen akzeptieren, anstatt darauf zu reagieren. Sie nahm nicht an, dass er Letztere jemals in Worte fassen würde, vielleicht nicht einmal sich selbst gegenüber; doch verborgen hinter all seiner Stärke waren die Befürchtungen da; die Schwächen, die sie selbst freigelegt hatte. Sie hatte ihm erklärt, warum es ihr so schwerfiel, Hilfe anzunehmen oder jemanden mit etwas zu betrauen - egal ob nun ihn oder einen anderen -, was ihr besonders am Herzen lag.
Vom Verstand her glaubte er ihr, dass sie sich dazu entschlossen hatte, ihm voll und ganz zu vertrauen und ihn ins Innerste ihres Lebens vordringen zu lassen; auf einer tieferen, gefühlsmäßigen Ebene jedoch suchte er weiter nach Hinweisen darauf, dass sie diesen Entschluss womöglich vergessen mochte.
Dass sie versuchen würde, ihn auszuschließen.
Auf diese Art und Weise hatte sie ihn schon einmal verletzt. Sie würde es nie wieder tun, doch das würde er erst mit der Zeit begreifen.
Das größte Geschenk, das er ihr gemacht hatte, war seine Akzeptanz; vom ersten Tag an hatte er sie so angenommen, wie sie war. Und ihr Gegengeschenk an ihn war, ihn so zu akzeptieren, wie er war, und ihm die Zeit zu geben, die er brauchte, um seine Befürchtungen abzubauen.
Damit er lernte, ihr genauso zu vertrauen, wie sie ihm vertraute.
Jeremy gesellte sich zu ihnen; ihr Onkel ergriff die Gelegenheit, um mit Tristan über die Verwaltung großer Anwesen zu fachsimpeln.
»Nun, Schwesterherz.« Jeremy ließ seinen Blick über die Menge schweifen. »Ich sehe dich schon vor mir, hier unter all den älteren Damen, wie du ihr Leben ordnest und den Haushalt souverän leitest.« Er grinste sie an, dann wurde sein Gesicht ernst. »Ihr Gewinn ist unser Verlust. Wir werden dich vermissen.«
Sie lächelte, legte ihre Hand auf seinen Arm und drückte ihn leicht. »Ich habe euch ja noch nicht verlassen.«
Jeremys Blick wanderte an ihr vorüber zu Tristan. Er lächelte halbherzig, als er sie wieder ansah. »Doch, ich glaube, das hast du.«