20. Kapitel
1835, Kabetogama, im Wald 20 Meilen entfernt von Fort Frances
Sie schlugen das Lager am Ufer eines kleinen Bächleins auf, das eisklares Schmelzwasser führte. Die Soldaten entfachten ein großes Feuer, schöpften einen Kessel voll Wasser und kochten eine heiße Suppe, die später an alle verteilt wurde.
Lacroix löffelte sie so schnell er konnte, denn er hatte mächtig Hunger. Parkers Blechtopf ließ er zuerst etwas abkühlen, damit sie ihm besser bekam. Dann fütterte er langsam seinen Freund, während die Soldaten sich ihre Schlafstätten herrichteten. Die Nacht kam mit großen Schritten, fiel auf die Lagernden herab wie ein schwarzes Tuch. Kalt glitzerten die Sterne am mondlosen Himmel.
Nachdem Lacroix das meiste der Suppe einigermaßen erfolgreich in Parkers Magen befördert hatte, machte auch er sich daran, ihre Schlafstatt zu bauen. Dafür brachte er mehrere Armvoll Tannenzweige von einer nahestehenden, düsteren Schonung herbei und schichtete sie sorgfältig in der Nähe des Feuers auf. Mit einer Decke darüber schützten sie viel besser vor der Kälte des Bodens als die dicken Wolldecken der Soldaten.
Er half Parker dabei, sich hinzulegen, und nachdem er noch zwei weitere Decken über ihn geschlagen hatte, ging er zu den Soldaten und trank mit ihnen Branntwein, der zum Klang leiser Gespräche gereicht wurde. Warm schwappte das Gesöff durch seine Glieder, doch entspannen konnte Lacroix sich nicht. Schweigsam betrachtete er der Reihe nach die vom Schein des Feuers vergoldeten Gesichter. Anspannung lag auf einigen von ihnen, gepaart mit zäher Müdigkeit. Wer den Kampf gewinnen würde, war klar; nach einem Ritt von zwanzig Meilen spürte jeder die Verlockung des Schlafes. Dass da draußen etwas war, das ihnen die ewige Finsternis antragen konnte, überstieg ohnehin ihre Vorstellungskraft.
Lacroix blickte zum Lieutenant und dem feisten Sergeant, die ihm gegenüber hinter den züngelnden Flammen des Feuers saßen und dabei aussahen, als schmorten sie bereits im Vorhof der Hölle. Sie waren in ein Gespräch vertieft. Worum es ging, konnte er allerdings nicht hören, doch Stafford notierte sich immer wieder etwas in sein kleines Notizbuch.
Lacroix lächelte sinnend. Ob man das Unerklärliche erklärbarer machen konnte, wenn man es in Worte fasste? Er bedankte sich bei den Soldaten für den Branntwein und legte sich auf sein Lager neben Parker, der schon zu schlafen schien. Er brauchte Ruhe, um Kraft zu schöpfen. Nach einer Weile gelang es ihm, die Augen zu schließen.