6. Kapitel
1835, Kabetogama, die einsame Blockhütte der Pelzjäger
Das beinahe körperlose, heisere Seufzen erklang erneut. Two-Elk war aufgesprungen und hatte die Riegel der Tür überprüft. Nun stand er gespannt wie eine Bogensehne und mit gezückter Klinge mitten im Raum und horchte. Ein schwaches Schleifgeräusch ließ ihn seinen Kopf von den Dachbalken zurück zur Tür drehen. Alle konnten hören, wie draußen Schnee vom Dach auf den Boden fiel. Das Poltern über ihren Köpfen wiederholte sich, diesmal näher an der Kante, und gleich danach war ein dumpfer Aufprall direkt vor der Tür zu vernehmen. Etwas Schweres war vom Dach gefallen … oder gesprungen.
Die Kreatur?
Parker bewegte in seinem Deckenpanzer nur seine Augen, blickte besorgt von dem Indianer zu Lacroix. Der Frankokanadier stand ebenfalls zum Sprung bereit, die Läufe seiner beiden Pistolen auf die Tür gerichtet. Er wirkte ruhig und konzentriert. Doch für einen winzig kleinen Moment, so flüchtig wie ein Wimpernschlag, sah Parker in den dunklen Augen seines Freundes plötzlich etwas aufflackern. Und das erschütterte ihn mehr als die gespenstischen Geräusche von draußen.
Vincent Lacroix hatte Angst.
Das schleichende Entsetzen, das Parker packte, vermischte sich mit dem schmerzhaften Pulsieren in seinen Füßen zu einem unheilvollen Rhythmus. Die Hitze in dem Raum wurde unerträglich, und sein Herzschlag dröhnte so laut in seinen Ohren, dass er kaum wahrnahm, wie sich draußen im Schnee leichtfüßige Schritte von der Blockhütte entfernten.
Dann verlor er das Bewusstsein.