Longinus rieb sich seinen Arm. Den Gerüchten zufolge hatte er eine Brandwunde erlitten, die ihn einen ganzen Abend im Lazarett gekostet hatte, wo er auf ärztliche Behandlung hatte warten müssen. Er roch leicht nach Gänseschmalz, ein Umstand, der dieses Gerücht zu bestätigen schien.
»Dem Dekurio zufolge soll Prasutagos, ihr Anführer, Claudius damals die Lehnstreue geschworen haben, woraufhin dieser ihn zum Vasallenkönig machte. Man erzählte uns, der Mann sei so etwas wie ein Handlanger Scapulas, und er wollte auf Bitte des Statthalters hin sein Volk ohne jeden Kampf ausliefern. Ich schätze, der ›König‹ hatte wohl vergessen, seine Krieger darüber zu informieren.«
Der König. Noch niemals in ihrer Geschichte hatten die Eceni die Herrschaft eines Königs akzeptiert, und Prasutagos war nicht aus dem Holz geschnitzt, aus dem Könige sind. Bei Wettrennen, ganz gleich, ob zu Fuß oder zu Pferd, war er stets nur Zweiter geworden. Bei Keilerjagden fiel er meist hinter die Hunde zurück, und sein Speer blieb immer in der Brust eines sterbenden Tieres stecken; nie war er der Erste, der zustieß. Und im Krieg... wie Prasutagos im Krieg gewesen war, daran konnte Valerius sich beim besten Willen nicht mehr erinnern. Möglicherweise hatte er sich früher einmal recht wacker geschlagen, aber dabei hatte er einen Arm verloren, und wenn man dem Statthalter glauben konnte, war Prasutagos aufgrund seines Gebrechens zu einem verbitterten, willensschwachen Menschen geworden, der sich mühelos mit Wein und Gold kaufen ließ. Man konnte sich nur sehr schwer vorstellen, dass die stolzen, unabhängigen Eceni von einem solchen Mann Befehle entgegennehmen würden.
»Möglicherweise hatte der König seine Krieger ja tatsächlich instruiert, aber sie zogen es vor, nicht auf ihn zu hören«, erwiderte Valerius. »Die Eceni haben noch nie Befehle von einer Einzelperson entgegengenommen. In ihren Ältestenräten herrschen die Großmütter, und die Großmütter wiederum sind den Träumern untergeordnet. Es wäre ein Fehler, zu viel von Tagos zu erwarten, nur weil er sich Rom beugt. Er mag zwar genug Gold haben, um diejenigen zu kaufen, die sich etwas daraus machen, aber das bedeutet noch lange nicht, dass sie auf ihn hören werden, wenn ihre Träumer oder ihr eigener Instinkt ihnen etwas anderes sagen.«
»Ihr Instinkt drängt jetzt offenbar auf Krieg, und ich kann es ihnen wirklich nicht verübeln.«
Wie in stillschweigender Übereinkunft wanderten die beiden Männer gemeinsam zum Fluss hinunter. »Bedauerst du es, dass du bei dieser Entwaffnungsaktion mitwirkst?«, wollte Valerius wissen.
Longinus’ Gesicht war lediglich als verschwommenes Oval in der Dunkelheit zu erkennen. »Ich möchte zwar lieber auf dieser Seite sein als auf der anderen, aber… ja, ich wäre lieber im Westen, wo sie einen offenen und ehrlichen Krieg führen, statt hier, wo angeblich Frieden ist, wo in Wirklichkeit aber Mord und Totschlag herrschen.«
»Wir hier im Osten stehen auch kurz vor dem Ausbruch eines offenen Krieges. Es ist gut möglich, dass er sogar schon angefangen hat. Hör doch!« Valerius hatte das Geräusch bereits gehört, als sie die Koppel verließen, hatte seinen Ursprung aber nicht so recht ausmachen können. Nun, da sie näher am Fluss waren, hörte er es ganz deutlich: den Hufschlag eines bis zum Äußersten getriebenen Pferdes, das in der Finsternis über schneebedeckten Boden stolperte. »Was würde einen Mann veranlassen, in einem solchen Tempo durch die Nacht zu reiten?«
»Vielleicht wird er angegriffen?«, schlug Longinus vor.
»Er oder seine Garnison. Auf dem Territorium der nördlichen Eceni gibt es eine Festung. Ich wette mit dir um eine vernünftige Heilsalbe für deinen Arm gegen die Rückgabe meines falkenköpfigen Dolches, dass die Eceni sich aufgelehnt haben und die Festung nur noch ein Haufen lichterloh brennender Balken ist und wir in den Norden geschickt werden, um den Aufstand niederzuschlagen.« Valerius wandte sich zu Longinus um. In einer Welt voller Ängste und Sorgen hatte sich seine schlimmste Befürchtung nun bewahrheitet. Wie bei vielen Dingen empfand er die Sache jetzt aber doch nicht als ganz so schlimm, wie er ursprünglich gedacht hatte. Der Fluch der Großmutter hatte seine Furcht abstumpfen lassen; insofern hatte die Verwünschung also sogar noch ihr Gutes. Lächelnd sagte Valerius: »Es sei denn, du hast den Dolch schon an jemand anderen verloren und kannst ihn nicht mehr zurückgeben?«
 
Fünf Tage später, in der weiß getünchten Ruhe und Friedlichkeit des Lazaretts, bekam er den falkenköpfigen Dolch wieder zurück. Valerius saß auf der Kante von Longinus’ Bett, während er die Waffe in den Händen hin und her drehte. Die Klinge war in der Nähe der Spitze abgebrochen und wies nun eine ungleichmäßig gezackte Kante auf. Der Gott Horus hatte eine tiefe Delle am Hinterkopf erlitten, dabei hatte sich eines seiner Augen gelöst.
»Das ist deine eigene Schuld. Dein irrer Killer von einem Pferd hat darauf herumgetrampelt.« Longinus grinste mit derjenigen Hälfte seines Gesichts, die nicht ein einziger leuchtender, sich allmählich grünlich verfärbender Bluterguss war. Man sah ihm deutlich an, welch große Schmerzen ihm dieses Lächeln bereitete.
Valerius schob den Dolch in seine Scheide zurück. Er war über alle Maßen erschöpft, so erschöpft, wie er sich nicht erinnern konnte, jemals zuvor gewesen zu sein. Selbst die zweitägige Invasionsschlacht hatte nicht derart an seinen Kräften gezehrt. »Das nächste Mal werde ich daran denken, anzuhalten und besser den Dolch vom Boden aufzulesen als den Mann«, sagte er.
»Und mich deinen Barbaren mit ihren Hexenzeichen überlassen?«
»Nein. Eher hätte ich dir mit einem Hammer den Schädel eingeschlagen als dich dem ausgeliefert.«
»Herzlichen Dank.«
Sie ließen es wie einen Scherz klingen, um ihre Furcht zu kaschieren, doch jeder der beiden wusste, dass es dem anderen vollkommen ernst war. Valerius hatte zwei Männer mit seinem Wurfhammer getötet, keinen von beiden jedoch schnell genug. Nun, da er wieder daran erinnert worden war, war es ihm unmöglich, an irgendetwas anderes zu denken.
»Hast du gewusst, dass der Erste dort an dem Baum hing, als du die Kolonne entlanggeritten bist?«, fragte Longinus.
»Natürlich nicht. Woher hätte ich das wissen sollen? Ich wusste nur, dass wir schnurstracks in einen Hinterhalt liefen. Ich wollte Corvus etwas sagen, ehe wir dank der verfluchten Infanterie des Statthalters allesamt umkommen würden.«
Genau genommen war es nicht Scapulas Infanterie, sondern die seines Sohnes, Marcus Ostorius, und es waren der Stolz dieses jungen Mannes und seine Anwesenheit, die die Schuld daran trugen, dass es so viele Tote und Schwerverwundete gegeben hatte.
Das Problem war das Protokoll gewesen. Scapula hatte seinen Sohn, den Tribun der Legio Secunda Augusta, angewiesen, im Osten zu bleiben, während die Verstärkungstruppen gen Westen marschierten, um seiner Legion zu Hilfe zu kommen. Es war sein Recht und seine väterliche Pflicht, seinen Sohn vor den Verwüstungen des im Westen tobenden Krieges zu schützen, aber der Junge ärgerte sich über die ihm aufgezwungene Untätigkeit und brannte voller Ungeduld darauf, endlich zu kämpfen, und jeder, der Augen im Kopf hatte, konnte das erkennen. Als sich die Offiziere zusammengesetzt hatten, um zu entscheiden, wie sie auf den Aufstand unter den Eceni reagieren sollten, hatte Marcus Ostorius sich sofort bereit erklärt, die volle Kohorte der Zwanzigsten Legion auf einem Gewaltmarsch in die Bastionen der Einheimischen zu führen. Es ist nicht leicht, sich einem Tribun zu widersetzen, geschweige denn dem Sohn eines römischen Statthalters, der seinen Stolz und seinen Ehrgeiz so offen auf den Tisch legt. Die anschließende Diskussion war ungewöhnlich diplomatisch geführt worden. Am Ende hatten alle Beteiligten einstimmig beschlossen, dass Marcus Ostorius zwei Zenturien der Legion mitnehmen sollte, um die Eceni anzugreifen, und den Rest zur Bewachung und zum Schutz der Festung zurücklassen sollte, für den Fall, dass es zu einem Aufstand unter den Trinovantern kam. Die beiden Kavallerieflügel, insgesamt eintausend Mann, waren als »Eskorte« für seine einhundertundsechzig Legionare abkommandiert worden.
Auf diese Weise war das Desaster schon so gut wie vorprogrammiert gewesen. Die Kavallerie war gezwungen gewesen, in dem Tempo von marschierenden Soldaten zu reiten, und so kam es, dass die zurückkehrenden Einheiten für die gleiche Reise, für die ein völlig verängstigter Reiter weniger als die halbe Nacht gebraucht hatte, beinahe zwei Tage brauchten. Im Morgengrauen des zweiten Tages erreichten sie schließlich das in Rauch gehüllte Skelett der Festung, auf die ein Angriff verübt worden war. Kein gefallener römischer Soldat hatte es verdient, einfach anonym verscharrt zu werden, und so hatte Marcus Ostorius seinen Männern befohlen, die Überreste der Festung bis auf die Grundmauern niederzubrennen, um alle jene zu ehren, die zu seiner Verteidigung ihr Leben gegeben hatten. Mitten im Herzen von Feindesgebiet hatten eintausend kampfbereite Legionssoldaten einen Vormittag damit verbracht, Feuerholz zu sammeln und sich dabei auf jeden Schatten und jedes verdächtige Geräusch zu stürzen, bis eine komplette Zeltbelegschaft von acht Legionären bei einem irrtümlichen Zusammenstoß mit ihren eigenen Kameraden verwundet worden war und unter dem Schutz eines halben Dutzends Kavalleristen zur Festung zurückgeschickt werden musste. Ihre Anzahl auf diese Weise reduziert, hatten die Übrigen das gesammelte Holz um den Fuß der Festung herum aufgeschichtet und angezündet. Das Ergebnis ihrer Anstrengungen war ein gigantischer Scheiterhaufen; ein Feuer, das Flammen warf, die bis zu den Wipfeln der höchsten Bäume reichten, und doch nichts dazu beitrug, um den Männern ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln.
Gleich zu Beginn, als sie auf die Festung gestoßen waren, waren loyale trinovantische Kundschafter ausgeschickt worden, und zwei der fünf Männer kehrten schließlich mit der Nachricht zurück, dass im Nordwesten Eceni-Krieger aufmarschierten. Der Pfad, den sie die Truppen an jenem Nachmittag entlangführten, war nicht breiter als zwei Pferde und schlängelte sich in einen Wald hinein, dichter als jeder, durch den sie bisher marschiert waren. Die Soldaten der Kavallerie, nun wieder zu Pferd, ritten in Kampfformation, mit gezogenen Schwertern und mit ihren Schilden einsatzbereit über dem Arm - aber im Schritttempo, damit die Infanteristen, die sie begleiteten, nicht ins Hintertreffen gerieten. Wenn jemand so lange Zeit an einer Stelle stehen müsste, wie die gesamte Kolonne brauchte, um vorbeizumarschieren, hätte ihm wirklich glatt die Lust am Warten vergehen können. Einem anderen hingegen, der einen Überfall aus dem Hinterhalt plante, wäre diese Langsamkeit jedoch wie ein Geschenk der Götter erschienen.
Valerius ritt am Ende seiner Truppe, mit Sabinius an seiner Seite. Diese Aufteilung entsprach Corvus’ Schlachtplan, und beide Kavallerieflügel hielten sich genau daran: Der stellvertretende Kommandeur jeder Schwadron ritt als Letzter in der Kolonne, so dass - falls der Schlange bei einem Überfall aus dem Hinterhalt der Kopf abgeschnitten werden sollte - der Schwanz der Truppe noch in der Lage war, zurückzuschlagen und dem Feind die Zähne zu zeigen, angeführt von einem Offizier mit einiger Erfahrung in der Führung von Truppen. Valerius hatte zwar keine Führungserfahrung - oder zumindest hatte er noch keine Truppe in ein Gefecht geführt -, aber er hatte drei Jahre Übung im Erteilen von Befehlen, und er hatte sich oft genug Corvus’ Schilderungen vergangener Schlachten angehört, um seinem eigenen Urteilsvermögen trauen zu können. Und jetzt sagte ihm sein Urteilsvermögen, dass er in einen Hinterhalt hineinritt und dass nichts von dem, was er tun konnte, etwas daran ändern würde.
Zu Sabinius gewandt sagte er: »Wenn wir von den Seiten angegriffen werden, dann schwing dich aus dem Sattel und stell dich so auf, dass wir beide Rücken an Rücken kämpfen. Sorg dafür, dass dein Pferd auf deiner linken Seite bleibt, damit es dir als Schutzschild dienen kann, und sei bereit, sofort aufzusitzen und nach Süden zu reiten, um dich in Sicherheit zu bringen, falls ich getötet werde. Einer von uns sollte möglichst überleben, um den Statthalter zu benachrichtigen; da kannst auch ebenso gut du derjenige sein.«
»Du hast bereits mit einem Überfall gerechnet?«
»Schon bevor wir die Festung verlassen hatten.«
Kurz darauf hielt die Kolonne auf Befehl des Tribuns an, und Valerius wurde nach vorn gerufen. Er roch das Blut und den ausgeschiedenen Urin, als er zum Anfang der langen Schlange galoppierte - Gerüche, die er im Laufe des vergangenen Monats nur zu oft wahrgenommen hatte, aber nicht hier, in dieser Gegend, wo die Entwaffnung noch gar nicht begonnen hatte. Als er sich den ersten Reihen der Kolonne näherte, hörte er das Geräusch heftigen Würgens und roch den säuerlichen Geruch von Erbrochenem.
Die führenden Offiziere waren am Rande einer kleinen Lichtung versammelt, in deren Mitte eine uralte Eibe ihre dicken, ausladenden Äste über schwarzen Lehmboden ausstreckte; hier konnten weder Schnee noch Sonnenlicht durchdringen. Das Erste, was Valerius bemerkte, als er sich aus dem Sattel schwang, war, dass Corvus seinen Dolch benutzt hatte und das Dolchheft sowie sein rechter Arm klebrig schwarz waren. Zwar hatte sich Corvus nicht erbrochen, aber er war kurz davor; und er hatte sich nicht an Valerius wenden wollen, war aber durch die Umstände oder den Befehl des Tribuns dazu gezwungen gewesen. Sichtlich bereute er dies schon jetzt.
Nun ließ Valerius seinen Blick weiterwandern, um das zu sehen, was die nervös hin und her tänzelnden Pferde bisher mit ihren Leibern verdeckt hatten. Der Leichnam eines nackten Mannes baumelte von einem Ast der Eibe herab. Er war an einer Ferse aufgehängt und drehte sich langsam hin und her, bewegt von einem nicht existenten Wind. Von seinem Rücken waren große Hautlappen abgeschält worden, die wie Flügel herabhingen. Auf der Vorderseite seines Körpers war Blut von seiner verstümmelten Leistengegend herabgeflossen, auf den Erdboden getropft und geronnen. Die Kehle war ihm offensichtlich erst einige Zeit später aufgeschlitzt worden, nachdem man ihm die Genitalien abgeschnitten hatte, und alles, was noch von dem Blut des Mannes übrig geblieben war, hatte den weichen Lehmboden unter der Eibe überschwemmt. Sein Gesicht zu erkennen war schlichtweg unmöglich.
»Einer von den Trinovantern?«, fragte Valerius tonlos.
»Wer sonst?« Corvus’ Lippen bildeten eine bleiche, gerade Linie. »Auf seiner Brust sind verschiedene Zeichen eingeritzt. Das obere Zeichen ist das galoppierende Pferd der Eceni - es sieht genauso aus wie das Symbol, das wir auf den Mauern der niedergebrannten Festung gesehen haben. Die anderen Zeichen sind neu. Sie sind uns weder jetzt noch während der Invasion schon einmal begegnet. Es würde uns sicherlich ein Stück weiterhelfen, wenn du sie identifizieren könntest.«
Auf der Lichtung war es sehr still; an diesem Ort hielten selbst die Götter den Atem an. Der eine Gott war nicht gegenwärtig, dies war nicht sein Reich. Die Abwesenheit seines Gottes deutlich spürend, schritt Valerius zu dem Leichnam hinüber. Die Hoden des Trinovanters waren abgehackt und in seinen Mund gestopft worden, die gerechte Strafe für einen Mann, der seine Feinde unterstützt. Als Valerius in die Hocke ging, stellte er fest, dass man dem Trinovanter außerdem die Augen ausgestochen und diese dann auf den Waldboden platziert hatte, so dass das eine nach vorn starrte und das andere nach hinten. Auch das war keineswegs übermäßig grausam, sondern durchaus gerecht und im Rahmen der Stammesgesetze: Der Mann war ein Späher und Kundschafter gewesen, er hatte seine Augen an Rom verkauft, und nun waren sie den Göttern wieder zurückgegeben worden. Beide Augäpfel waren eingetaucht in den Strom frischen Blutes, der sich aus der durchgeschnittenen Kehle des Trinovanters ergossen hatte. Als Valerius die Blutlache probeweise berührte, stellte er fest, dass seine Finger feucht von seinem Daumen abglitten; hier war noch keine Spur von Gerinnung zu erkennen. Die Gänsehaut in seinem Nacken verwandelte sich in einen eisigen Schauder. Widerstrebend wandte er sich zu Corvus um, der kürzlich sein Messer benutzt hatte.
»Dieses Blut hier ist frisch vergossen. Lebte er noch, als du ihn gefunden hast?«
»Ja.«
»Großer Gott!« Früher waren Verräter nie bei lebendigem Leibe verstümmelt worden; die Männer waren stets schon tot gewesen, bevor ihnen die Schnitte beigebracht worden waren. Selbst während der Invasion, als der Zorn der Stämme auf dem Höhepunkt war, war ihnen zuerst die Kehle aufgeschlitzt worden oder die Männer waren im Kampf gestorben; in jedem Fall aber waren ihnen die Verstümmelungen erst nach ihrem Tod beigebracht worden. Die Götter forderten eine gerechte Strafe, aber sie hatten noch nie zuvor verlangt, dass ein Mann so entsetzlich für seinen Verrat leiden musste, wie dieser eine hier gelitten hatte. Der trinovantische Kundschafter war den halben Vormittag fort gewesen, doch sein Leichnam hing keine tausend Schritte von der brennenden Festung entfernt auf dieser Lichtung. Keine seiner Wunden war tödlich gewesen. Hätten die Hilfstruppen einen anderen Weg genommen, hätte der Mann womöglich noch den Rest des Tages und bis in die Nacht hinein lebend an dem Baum hängen müssen, ohne dass ihn jemand von seinen Qualen erlöst hätte.
Valerius legte eine zitternde Hand auf seine Augen und wartete, bis sich der Tumult in seinem Magen wieder einigermaßen beruhigt hatte. »Sie lernen allmählich von uns«, murmelte er vor sich hin. »Ein langsamer, qualvoller Tod verbreitet Furcht unter denjenigen, die ihn mitangesehen haben.«
Nur an der sich plötzlich verändernden Art des Schweigens um ihn herum merkte er, dass er laut gesprochen hatte.
»Die in seine Brust eingeritzten Zeichen sind nicht der Schlangenspeer«, sagte Corvus. »Wir müssen wissen, womit wir es zu tun haben.«
»Und unterdessen umzingelt der halbe Stamm der Eceni diese Lichtung hier, um uns allesamt an den Fersen aufzuhängen!« Marcus Ostorius war nervös, und er ließ es sich auch deutlich anmerken, was nicht gerade half, den Mut seiner Truppen zu stärken. »Wir müssen schleunigst zusehen, dass wir weiterkommen, solange wir noch Tageslicht haben und noch eine Chance besteht, aus diesem verfluchten Wald hinauszureiten. Entziffert die Zeichen, und damit basta! Wir sollten uns hier wirklich nicht aufhalten.«
Valerius hatte die Zeichen bereits gesehen, und als er begriffen hatte, was sie bedeuteten, war der Schock so groß gewesen, dass sich ihm abrupt der Magen umgedreht hatte. Den Blick auf Corvus gerichtet, sagte er: »Das Zeichen unter dem Pferd stellt einen Fuchs dar. Siehst du, hier... diese einzelne Linie zieht sich von der Nase bis zum Schwanz, und hier... über der Nase sind die beiden Ohren und darunter die Vorderpfoten. Sein Platz unterhalb des galoppierenden Pferdes bedeutet, dass er das persönliche Zeichen desjenigen ist, der die Krieger anführt.«
»Und wer ist das? Wer hat den Fuchs als sein Traumzeichen?«
»Ich weiß es nicht.« Das stimmte nicht so ganz. In irgendeinem dunklen Winkel seines Bewusstseins regte sich eine vage Erinnerung, aber sie wollte nicht hervorkommen. Corvus’ Ungeduld spürend, schüttelte Valerius den Kopf. »Aber das werden wir bestimmt bald genug herausfinden. Wenn derjenige den Fuchs hier zusammen mit dem Pferd der Eceni eingeritzt hat, dann wird er ihn zweifellos auch im Kampf tragen. Wenn wir auf die Krieger stoßen - falls wir überhaupt jemals irgendeinen von ihnen sehen, bevor sie uns töten -, wird dieser Mann also leicht zu erkennen sein.«
»Oder diese Frau«, entgegnete der Tribun missmutig.
Ihre Blicke trafen sich. Valerius nickte. »Ganz recht.«
Marcus Ostorius machte auf dem Absatz kehrt und schwang sich auf den Rücken seines Pferdes. Die Truppen formierten sich in Schlachtordnung und setzten sich wieder in Marsch, jeder einzelne Mann bereit, zu töten und getötet zu werden. Die immer dichter werdenden Wälder waren von Göttern erfüllt, aber es waren nicht die Götter Roms oder seiner Verbündeten. In den Reihen der einfachen Soldaten wurden Gebete an Jupiter, Gott der Legionen, und an Cernunnos, den Geweih tragenden Waldgott der Gallier, gesprochen. Die Thraker wiederum riefen ihre eigenen Götter in ihrer eigenen Sprache an. Valerius und seine Glaubensbrüder berührten ihre Brandmale und erneuerten ihren Eid gegenüber Mithras, Stiermörder und Beschützer der seinen.
Auf Marcus Ostorius’ Anweisung hin ritt Valerius jetzt an der Spitze der Kolonne bei den Offizieren, um jegliche von den Einheimischen hinterlassenen Zeichen schneller entziffern zu können. Er trabte unter Bäumen hindurch, deren Äste ihm in den uralten Sprachen der Ahnen zuflüsterten. Seine Haut fühlte sich so überempfindlich an, als ob er kürzlich ausgepeitscht worden wäre, so dass er jedes Geräusch, jeden Laut als schmerzhafte körperliche Berührung empfand. Als Corvus, der wenige Schritte von ihm entfernt ritt, ihn fragte: »Was hatte das dritte Zeichen zu bedeuten?«, zuckte Valerius unwillkürlich zusammen.
»Das unter dem Fuchs? Ich bin mir nicht sicher. Es war schwer zu entziffern - der Mann muss sich heftig gewehrt haben, als sie es in seine Haut ritzten, deshalb waren die Linien nicht klar und deutlich.«
Corvus hatte ihm noch nie erlaubt, sich mit Ausflüchten oder ausweichenden Antworten aus der Affäre zu ziehen, und er erlaubte es auch jetzt nicht. »Mir kam es wie ein Vogel vor«, sagte er. »Genauer gesagt, wie ein Falke.«
»Das könnte durchaus sein. Die Frage ist nur, welche Art von Falke? Ich glaube… ich fürchte sehr, dass es der Rote Milan war.«
»Und wenn er es nun war?«
»Dann haben die Krieger der Coritani und die der Eceni ihre seit sieben Generationen währende Feindschaft begraben und sich nun gegen uns verbündet.« Valerius rang sich ein Lächeln ab und wusste, dass man ihm die Anstrengung deutlich ansah. »Freu dich. Der Tribun wünscht sich doch einen Kampf, der dem Zusammenstoß im Westen, den er gerade verpasst, in nichts nachsteht. Wenn wir gegen die Krieger der Coritani und der Eceni zugleich kämpfen müssen, dann kriegt er genau das, was er sich so brennend gewünscht hat.«
Danach ritten sie getrennt weiter und sprachen auch nicht mehr miteinander. Die anderen beiden vermissten Kundschafter fanden sie auf ihrem Weg durch den Wald: Der eine hing - ebenso wie der Erste und ebenfalls noch lebend - kopfüber an einem Baum; der andere lag mit dem Gesicht nach unten in einem Sumpf, an Pflöcke gespannt wie ein Tierfell und mit einem Stein unter dem Kinn, der seinen Kopf über Wasser hielt. Bei diesem Mann waren die Traumzeichen in den Rücken eingeritzt worden. Valerius tötete sie beide, indem er seinen mit Eisenspitzen bewehrten Hammer schwang und ihnen einen gezielten Schlag zwischen die Augen versetzte, so wie er es auch bei einem Pferd mit Kolik getan hätte. Es war ein schneller und gnädiger Tod. Und dennoch kam er in jedem der Fälle einen halben Tag zu spät.
Die drei gefolterten Männer waren in regelmäßigen Abständen entlang einer klar erkennbaren Route zurückgelassen worden, nach dem gleichen Prinzip, nach dem ein Jäger Fleischbrocken für einen Bären auslegen würde, um ihn in eine Falle zu locken; und es hatte Valerius nicht im Geringsten überrascht, als kurz nach der Entdeckung des gepfählten Trinovanters die ersten Wurfspeere aus dem Wald geflogen kamen. Wenn er, Valerius, einen Überfall aus dem Hinterhalt geplant hätte, dann hätte er ihn an genau der gleichen Stelle verübt - nämlich hier, wo der Pfad so schmal wurde, dass die Pferde einzeln hintereinander gehen mussten und die Hilfstruppen gefangen waren zwischen nassem, äußerst trügerischem Sumpfland auf der einen Seite und dichtem Wald auf der anderen, wo die Bäume zu eng nebeneinander standen, als dass Pferde oder Menschen sich einen Weg hätten hindurchbahnen können.
Die Soldaten der Infanterie bekamen, da sie sehr viel langsamer waren, den Speerhagel am stärksten zu spüren; es war von Anfang an klar gewesen, dass sie die volle Wucht des Angriffs abbekommen würden. Sie stellten ihre viereckigen Schilde Kante an Kante nebeneinander auf und kauerten sich hinter die Mauer, die sie auf diese Weise bildeten. Die Speere flogen jedoch in hohem Bogen und sausten fast senkrecht von oben herab, so dass die Mauer an etlichen Stellen zerbrach und Breschen für wieder andere Speere hinterließ. Die Männer starben wie Schafe bei einer Massenschlachtung.
Während der ersten Augenblicke des Angriffs umkreiste die Kavallerie vergeblich die Ränder des Waldgebiets und verlor dabei ebenso schnell Pferde und Männer wie die Infanterie. Sie konnten weder irgendwo zwischen den Bäumen durchdringen, noch die hinter ihren Schilden kauernden Legionssoldaten schützen. Und so trieben auf Marcus Ostorius’ ausdrücklichen Befehl hin beide Kavallerieflügel ihre Pferde zum Galopp an und flohen. Die durch die Luft sausenden Speere trieben sie wie eine Herde Rinder auf das offene Gelände am Ende des Pfades zu. Die Soldaten der Infanterie, angeführt von Zenturionen, die nicht das Verlangen verspürten, Männer um der Sache willen sterben zu sehen, schnappten sich ihre Schilde und rannten hinter ihnen her. Etwas mehr als einhundert Mann überlebten diesen ersten Angriff und erreichten die Lichtung.
Als Valerius an der Spitze seiner Truppe aus dem Wald herausstürmte, fand er sich auf einem Stück Land wieder, auf dem vereinzelt Eichen und Ulmen standen. Auf seiner Rechten bildete die Marsch eine durchgehende Grenze, links von ihm stieg dichter Wald auf. Und vor ihm war eine Barriere aus gefällten Eichenstämmen errichtet worden, dreihundert Schritte lang und so hoch, dass sie einem ausgewachsenen Mann bis zur Schulter reichte. Hinter dieser Barriere warteten die in geschlossener Formation angetretenen Krieger zweier Stämme. Einer vorsichtigen Schätzung zufolge belief sich ihre Anzahl auf mindestens dreitausend Mann. Aufleuchtende Farbtupfer von Umhängen, Armreifen und Waffen ließen erkennen, dass sich noch zahllose andere Krieger versammelt hatten, die sich in dem Wald zur Linken drängten und die Marsch auf der Rechten absicherten. Die Eceni und die Coritani waren zahlenmäßig gleich stark vertreten, eine Beobachtung, die Valerius’ schlimmste Befürchtungen bestätigte.
Die Soldaten der Hilfstruppen hätten besser zu Pferd kämpfen sollen. Für den Rest seines Lebens war Valerius davon überzeugt, dass sie hätten siegen können oder zumindest nicht ganz so viele Männer verloren hätten, wenn sie nicht hätten absitzen müssen; aber Marcus Ostorius war im Grunde seines Herzens ein Infanterieoffizier und musste seine noch vorhandene halbe Zenturie von Infanteristen schützen und lebendig wieder nach Hause bringen. So hatte der Tribun das Signal zum Absitzen gegeben, und Männer, die seit ihrer Kindheit dafür trainiert hatten, zu Pferd zu kämpfen, waren zu ihrer ungläubigen Fassungslosigkeit nun plötzlich dazu verdammt, als Fußsoldaten agieren zu müssen.
Marcus Ostorius hatte zahllose Schriften über Kriegsführung gelesen, hatte unzählige Stunden damit verbracht, mit Altersgefährten gebildete Diskussionen zu führen und Scipios Gefechte gegen Hannibal oder Octavians Kämpfe gegen Marcus Antonius zu analysieren. Konfrontiert mit einem Feind, der in überwältigender Anzahl aufmarschiert war und sich hinter einer unzerbrechlichen Barriere verschanzt hatte, und in Ermangelung der nötigen Ausrüstung für eine Belagerung, teilte Marcus Ostorius nun seine Soldaten in zwei Flügel ein, während er selbst zusammen mit den restlichen Männern seiner beiden Zenturien das Zentrum zu stürmen plante.
Die Eceni lachten spöttisch. Valerius hörte ihr schallendes Gelächter von seinem Platz an Regulus’ Seite auf dem linken Flügel des vermeintlichen Angriffskommandos aus. Als die Soldaten der Hilfstruppen zum Wald herumschwenkten, hallten die Beleidigungen nur so von den Bäumen wider, als ob die wartenden Krähen die Sprache der Menschen gelernt hätten. Einige dieser höhnischen Zurufe waren auf Lateinisch, der Großteil nicht. Von all jenen, die auf der Seite Roms standen, konnten wahrscheinlich nur Valerius und Corvus den Hohn ihrer Feinde in seinem ganzen Ausmaß verstehen und ihn in gewisser Weise vielleicht sogar teilen. Corvus führte seine Männer in zwanzig Schritt Entfernung auf Valerius Linker vorbei und weigerte sich zweimal, seinem Blick zu begegnen; er würde in unverbrüchlicher Loyalität gegenüber seinem vorgesetzten Offizier sterben, mochte der Befehl auch noch so irrsinnig sein.
Und er war ganz und gar irrsinnig. Die Männer der Quinta Gallorum zogen vorzeitig ihre Schwerter und benutzten Klingen, die eigentlich zum Aufschlitzen von Haut und Fleisch bestimmt waren, stattdessen dazu, um sich durch dichtes Gestrüpp und Farnwedel und ineinander verhedderte Dornenranken zu schlagen. Es war schon von Anfang an klar, dass sich ihre großen Schilde - sobald sie tiefer in den Wald eingedrungen waren - prompt im Unterholz verfangen würden und mühsam wieder herausgezerrt oder vorwärtsgeschoben werden müssten, um gewaltsam Platz zu schaffen, wobei der Mann hinter dem Schild schutzlos dem Stoß eines Eceni-Speeres ausgeliefert sein würde.
Longinus’ Flügel hatte die noch schwierigere Aufgabe: nämlich die, einen Weiher von unbekannter Tiefe zu überwinden, um dann von der rechten Seite aus auf Krieger loszustürmen, die ihre Angreifer kommen sehen und nach Belieben einzeln abschießen konnten. Marcus Ostorius Scapula setzte sich, seinem Erbe getreu, an die Spitze seiner noch verbliebenen hundert Legionssoldaten. Er befahl ihnen, ihre Schilde über die Köpfe zu heben, damit sie nicht von geschleuderten Steinen oder Speeren getroffen wurden, und dann führte er sie - ganz wie irgendein ruhmreicher General aus alten Zeiten - gegen eine massive eichene Barriere und dreitausend wartende Speerkämpfer.
Später, in dem schrecklichen, alles vernichtenden Kampf, der darauf folgte, erhaschte Valerius hin und wieder einen Blick auf das Gemetzel an der Barriere. Noch nicht einmal in den ersten fruchtlosen Schlachten der Invasion hatte er so viele Männer um eines so lächerlichen Resultats willen sterben sehen. In Anbetracht des grausamen Tötens dämmerte ihm allmählich, dass es das hier war, was die vogeläugige Großmutter gemeint hatte. Du bist verflucht... du bist dazu verdammt, ein nutzloses, leeres, armseliges Leben zu führen, dazu verdammt, weder wirkliche Angst noch wahre Liebe, weder Freude noch Kameradschaft zu kennen, dazu verdammt, gleichgültig und gedankenlos zu töten... Die ganzen Schlachten seiner Vergangenheit hindurch hatten ihn panische Angst und das Bedürfnis, am Leben zu bleiben, angestachelt, und danach hatte er sein Gewissen stets mit der Entschuldigung beruhigt, dass er ja schließlich kämpfte, um zu überleben. Jetzt, in seiner ersten wirklichen Schlacht unter dem Schutze Mithras’, brauchte er auf einmal kein Gewissen mehr zu beruhigen. Er kämpfte im Nahkampf gegen Männer und Frauen, deren Gesichter ihn in seinen Träumen verfolgten und deren zu gellenden Schlachtrufen erhobene Stimmen einst, in seiner Jugend, prickelnde Erregung und Sehnsucht in ihm geweckt hatten - und er empfand doch nicht das Geringste. Er kreuzte seine Klinge mit Kriegerinnen und Kriegern, die nicht nur um ihre Ehre und ihre Freiheit kämpften, sondern auch, um Rache zu üben für ein unsägliches Unrecht, und er spürte, wie sich ihr Zorn über ihn entlud, während der seine schlummerte. Er sah, wie Regulus in eine Falle tappte, sah, wie vier auf der Lauer liegende Krieger über den Dekurio herfielen und ihm den Kopf von den Schultern schlugen, und dennoch empfand er weder Genugtuung noch Betrübnis noch Angst, dass er selbst mit jedem Schritt vorwärts Gefahr lief, auf die gleiche Art zu sterben.
Nicht lange nach Regulus’ Tod drängten sich die Überreste der Quinta Gallorum - weniger als drei Viertel des Flügels - zwischen den Bäumen hindurch. Die Linie des Feindes wich zurück. Vom Wald her kamen noch weitere Soldaten der Hilfstruppen herbeigerannt, und zu ihnen gesellten sich wenig später nassbeinige Thraker, die ungehindert von der Marsch herüberstürmten. Auf der Fläche hinter der Barriere, die kurz zuvor noch mit Kriegern vom Stamm der Coritani und der Eceni gefüllt gewesen war, wimmelte es nun plötzlich von polierten Kettenpanzern und blanken Helmen, farbenprächtigen Federbüschen und runden weißen Schilden. Es schien ganz so, als ob der Sieg ihrer wäre. Soldaten, die sich schon rettungslos verloren geglaubt hatten, fühlten sich, als sei ihnen das Leben plötzlich neu geschenkt worden. Schwerter hämmerten in jubelndem Triumph auf Schildbuckel ein, und Marcus Ostorius’ Name ertönte in einem ohrenbetäubenden Sprechchor, der sich über die hastig den Rückzug antretenden Krieger ergoss, so wie sich eine Welle über Strandgut am Meeressaum ergießt.
Aus dem Nichts und aus keinem ersichtlichen Grund fiel Valerius plötzlich wieder eine Geschichte aus Kindheitstagen ein, in der es um eine Fischfalle ging. In dieser Geschichte wurde erzählt, wie ein Bär laichende Lachse in den Teich hinter einem Biberstaudamm gelockt hatte, aus dem dann das Wasser abgeleitet wurde, so dass die hilflos zappelnden Fische als leichte Beute für den Bären zurückblieben. Eigentlich hatte es eine Geschichte für Kinder sein sollen, um ihnen das Jagen beizubringen, aber die in dieser Geschichte enthaltene Lehre ließ sich auch ebenso gut auf Krieg führende Erwachsene anwenden. In seiner gottverfluchten geistigen Klarheit sah Valerius plötzlich die blitzenden Schuppen der Legionarspanzer in blutigen Spiralen über die Barriere wirbeln - und dann sah er die Krieger einer gewaltigen Flutwelle gleich zurückkehren, um eine kleine, schlecht geführte Truppe zu zerschlagen, die gegen ein unüberwindliches Hindernis aus massivem Holz zurückgedrängt worden war und nun hilflos in einer Falle saß, aus der es kein Entrinnen mehr gab. Schon hatten die ersten Krieger wieder kehrtgemacht und griffen nun die Soldaten in ihrer unmittelbaren Reichweite an.
»Es ist eine Falle!«, schrie Valerius Corvus zu, der in seiner Nähe kämpfte; er hatte ihn die ganze Zeit über nicht aus den Augen gelassen. »Schlag dich irgendwie zu dem Tribun durch! Sag ihm, dass wir in ihre Falle geschwommen sind!«
Die Krieger griffen jetzt in immer größerer Zahl an. Corvus, der arge Mühe hatte, einfach nur am Leben zu bleiben, lachte. »Dann sieh zu, dass du einen Weg zum anderen Ende findest, auf dem wir wieder rausschwimmen können. Zurück können wir nicht mehr.«
Es gab auch kein Vorwärtskommen mehr, bis Valerius ganz plötzlich das Zeichen des Fuchses entdeckte. Es war nicht etwa auf den Schild eines Kriegers aufgemalt, so wie er es erwartet hatte, sondern vielmehr mit rotem Ocker auf die Stirn eines Sängers gezeichnet, oberhalb eines schmalen Stirnbandes aus Pferdeleder, welches erkennen ließ, dass sein Träger den höchsten Rang bekleidete. Der Mann hatte einen simplen Streifen Fuchsfell um seinen Oberarm geschlungen, trug im Übrigen aber keinerlei Schmuck. Auf einem Schlachtfeld voller Krieger, die stets in prächtiger Aufmachung in den Kampf zu reiten pflegten - behängt mit emailliertem Goldschmuck und geschmückt mit Kriegerfedern und allen möglichen Traumsymbolen und Rangabzeichen -, fiel dieser eine durch sein nüchternes, fast karges Äußeres auf. Dennoch hatte er die Kontrolle über die Krieger und über den Fluss der Schlacht. Er stand ein Stück abseits von dem Kampfgetümmel auf einer kleinen Anhöhe, und wenige Schritte von ihm entfernt hatte sich ein Knäuel von in blaue Umhänge gehüllten Kriegern versammelt, um ihn zu schützen und zugleich darauf zu warten, seine Befehle an ihre Kameraden weiterzuleiten. Um ihn herum erhob sich ein leichter Wind, der an seinem dünnen, roten Haar zerrte, und er drehte sich ein wenig, so dass er im Profil zu sehen war.
»Dubornos!«
Dieser Name hatte schon eine ganze Weile in Valerius’ Hinterkopf herumgespukt, ohne dass er sich wirklich darauf hätte besinnen können, schon seit dem Augenblick, in dem sie den Kundschafter mit dem in die Brust eingeritzten Zeichen des Fuchses im Wald gefunden hatten. Jetzt zischte Valerius den Namen vor sich hin, und er sah, wie der Sänger abrupt den Kopf hob, so als ob er ihn laut gerufen hätte. In diesem Moment fühlte Valerius sich, ungeachtet des Fluches, plötzlich doch von dem Gott durchdrungen, und er empfand etwas - nicht blinden Mut oder die fieberhafte Erregung der Schlacht, sondern ein Körnchen reiner, ungetrübter Freude, ein Fünkchen Hoffnung in dem endlosen Dunkel, eine wundervolle Gewissheit, dass er diesen einen Mann als den Einzigen von allen Eceni töten konnte, ohne Angst haben zu müssen, dass sein Geist zurückkehren würde, um ihn in seinen Träumen zu quälen.
Er riss sein Schwert hoch, schrie: »Hier! Der Fuchs ist hier! Tötet ihn, und wir durchbrechen die Falle!«, und stürmte vorwärts.
Er hätte dabei leicht den Tod finden können. Eingehüllt in den roten Nebel der Schlacht, kämpfte Valerius sich einen Hügel hinauf, um es ganz allein mit einer wahren Wand von blauen Umhängen, durchsetzt mit den grün gestreiften Umhängen der Coritani, aufzunehmen. Aber dann tauchten plötzlich Umbricius und Sabinius neben ihm auf und kämpften gemeinsam mit ihm. Aeternus, der junge Helvetier, gesellte sich zu ihnen und außerdem sein Cousin, der aber verwundet worden war und schnell niedergemetzelt wurde. Zu viert setzten sie ihren erbitterten Kampf fort und bekamen wenig später noch Verstärkung durch Longinus, der noch andere Männer aus dem thrakischen Flügel mitbrachte. Der Gott lächelte ihnen zu, und sie formierten sich zu einer Linie, ihre großen ovalen Schilde Kante an Kante ineinandergreifend, während sie mit ihren Schwertern durch die Lücken schlugen, genau so, wie sie es in der mehrmonatigen Probezeit, bevor sie in die Kavallerie aufgenommen worden waren, immer wieder geübt hatten. Und genau so konnten sie überleben, konnten sie kämpfen, um zu siegen, konnten sie über die Körper der toten und sterbenden Krieger hinweg vorwärtsdrängen - um dann schließlich feststellen zu müssen, dass all ihre Anstrengungen umsonst gewesen waren.
Mit vereinten Kräften war es ihnen zwar gelungen, die Anhöhe zu erstürmen, aber der Fuchsträumer war nicht dageblieben, um sich ihnen zu stellen. Auf der anderen Seite des Hügels, am Fuße des sanft abfallenden Hanges, waren angespitzte, senkrecht nach oben zeigende Pfähle in den Boden gerammt worden, um Menschen und Pferde gleichermaßen abzuschrecken, und die Krieger hatten sich hinter diese Barrikade zurückgezogen und ihre Sänger mitgenommen. Jenseits des Sumpflandes lag dichter Wald, in den nur Krieger gefahrlos hineingelangen konnten.
Frustriert wandte Valerius sich um. Hinter ihnen, an der eichenen Barriere, tobte noch immer der Kampf. Die Falle war zugeschnappt, und die Krieger waren prompt zurückgekehrt, um die ums Überleben kämpfenden Legionssoldaten und ihre unberittenen Kameraden von den Hilfstruppen wie eine Flutwelle zu überrollen. Marcus Ostorius befand sich mitten in dem wilden Kampfgetümmel; er hatte sich von der Barriere aus ein paar Schritte vorgekämpft, kam aber nicht weiter. Ganz in der Nähe kämpfte Corvus verzweifelt darum, zu ihm zu gelangen. In blaue und grüne Umhänge gehüllte Krieger umzingelten die beiden. Es schien nicht sehr wahrscheinlich, dass einer der beiden Männer überleben würde.
Valerius tötete eine Frau mit kupferrotem Haar und blickte dann an ihr vorbei, um Longinus Sdapeze auf seiner Schildseite vorzufinden. Der Mann war heil und unversehrt, abgesehen von einem Bluterguss über einer Augenbraue, wo sein Helm dank eines kräftigen Schwerthiebs auf den Kopf gegen seine Stirn geprallt war. Mit einem grimmigen Grinsen sagte er: »Was die können, das können wir auch. Wir könnten sie überrumpeln, indem wir von hinten über sie herfallen und sie ein für alle Mal kaltmachen. Wir sind genügend Männer, oder zumindest beinahe.« Er hob einen Arm und brüllte etwas auf Thrakisch. Ein Dutzend weiterer Soldaten seines Flügels kam auf ihn zugerannt.
Valerius schüttelte den Kopf. »Nein. Zähl sie lieber erst mal - dort unten sind weniger als die Hälfte der Eceni. Glaubst du allen Ernstes, der Fuchs und seine Krieger sind geflohen? Ich nicht. In dem Moment, in dem wir mitten im Kampfgetümmel stecken, in dem Moment, in dem es tödlich für uns sein würde, unseren Gegnern den Rücken zuzukehren, werden sie abermals angreifen, und wir werden zwischen zwei feindlichen Kampfverbänden eingekeilt sein und regelrecht zermalmt werden.«
»Aber was sollen wir sonst tun? Hast du eine andere Idee?«
»Wir laufen zu den Pferden und kämpfen hoch zu Ross, so wie wir es schon von Anfang an hätten tun sollen. Es ist unsere einzige Hoffnung.«
Longinus lachte. »Deine Hoffnung vielleicht, aber nicht unsere. Nicht alle von uns reiten Killer-Pferde. Meine Stute ist zwar gut, aber sie würde niemals hier hereinkommen.« Er hob eine Hand zum Salut der Kavalleristen. »Hol du die Pferde. Dir und deinem gescheckten Untier werden sie ganz sicherlich folgen. Ich werde diejenigen Männer mitnehmen, die bereit sind, mir zu folgen, und sehen, ob wir nicht an den Tribun herankommen können. Der Statthalter wird es uns nicht danken, wenn wir ihm nicht wenigstens die Leiche seines Sohnes zurückschicken.«
Valerius grinste und erwiderte den Gruß. »Achte darauf, dass das Gesicht des Goldjungen nicht verunstaltet wird, wenn sie ihn abschlachten. Du musst dich vergewissern, dass er auch als Leichnam immer noch ein erfreulicher Anblick ist.«
Keiner von ihnen rechnete ernsthaft damit, dass er mit dem Leben davonkommen würde. Im Krieg handeln Menschen manchmal auf eine Art und Weise, die sich später als offenkundiger Wahnsinn erweist, dennoch empfinden sie ihr Vorgehen zu jenem Zeitpunkt als durchaus vernünftig. Zwischen der Lachsfalle und den Wäldern, wo die Pferde standen, waren keine Krieger. Valerius warf seinen Schild einem Soldaten der thrakischen Hilfstruppe zu, der ihn sicherlich dringender brauchte als er, und rannte los.
Die Kavalleriepferde waren in der Obhut eines Dutzends Gallier zurückgelassen worden, die jedoch allesamt getötet worden waren. Die Pferde selbst waren nicht angerührt worden; abgesehen von ihren Kindern schätzten die Eceni Pferde über alles, und sie würden Tieren, die gutes Blut in ihre Herden bringen konnten, niemals etwas antun. Es warteten aber keine Krieger in ihrer Nähe, da sie offenbar keine Notwendigkeit dafür sahen, die Tiere zu bewachen. Die Pferde waren speziell für Gefechte abgerichtet; sie standen neben den Leichen der Männer, die bis zuletzt ihre Herren gewesen waren, und sie würden auch weiterhin dort ausharren, es sei denn, sie wurden von einer Stimme gerufen, die sie kannten. Valerius’ Stimme war den Tieren wohlvertraut. Er fand sich ganz allein auf der freien Fläche zwischen Bäumen und Marsch wieder und sah, wie das Krähen-Pferd den Kopf hob, um ihn anzublicken. Würgend und völlig außer Atem vom Laufen, mit dem metallischen Geschmack von Blut auf der Zunge, hob er zwei Finger an den Mund und pfiff.
Genau wie Longinus es vorhergesagt hatte, folgte die Herde ihrem Führer. Krähe kam im gestreckten Galopp herbei, und die restlichen überlebenden Tiere der beiden Kavallerieflügel liefen hinter ihm her. Sie wären möglicherweise stehen geblieben, wenn er es ihnen befohlen hätte, aber sicher konnte er sich nicht sein, und außerdem hatte Valerius seinen Stolz. Den hatte der Fluch der Großmutter ihm nicht rauben können. Der Sprung eines bewaffneten Mannes in voller Rüstung auf ein galoppierendes Pferd war eine Meisterleistung, die von Kavalleristen und Kriegern gleichermaßen gefeiert wurde, und sie alle hatten - auch wenn sie noch so sehr mit Tod und Überleben beschäftigt waren - das dumpfe, an Donnergrollen erinnernde Hufgetrommel von einer großen Menge galoppierender Pferde vernommen. Vor den Augen seines Gottes, seiner Feinde und jener, die vielleicht seine Freunde waren, vollführte Julius Valerius, Duplikarius der dritten Schwadron der Fünften Gallischen Kavallerie, Diener Mithras’ und des Kaisers, eine fast perfekte Aufsitz-Übung auf ein galoppierendes Pferd nach Art der Kavallerie, dicht gefolgt von einer Herde, die ihn zu Brei zerstampft hätte, wenn er bei dem Sprung auf den Rücken seines Schecken abgerutscht und unter ihre Hufe gestürzt wäre. Später dachte er, dass das Ganze noch besser ausgesehen hätte, wenn er seinen Schild nicht weggeworfen hätte.
Nur Longinus wusste, was Valerius vorhatte. Der Thraker schrie sich regelrecht heiser bei dem Versuch, die Soldaten von der Barriere wegzutreiben. Um von dort fortzukommen, mussten sie entweder mit aller Gewalt vorwärtsdrängen und sich gegen den Strom der Krieger stemmen, um Platz zu schaffen, oder seitwärts in Sumpf oder Wald ausweichen. Die Männer taten alles drei, und viele von ihnen kamen dabei ums Leben. Diejenigen, die überlebten, beobachteten, wie ihr Duplikarius seinen Schecken zum Sprung über ein Hindernis antrieb, das ihm bis an die Brust reichte und keinen freien Blick auf das gestattete, was auch immer sich dahinter befand, und sahen dann, wie sich das Pferd sammelte und sprang. Drei Dutzend der nächsten Pferde in der Herde folgten dem Schecken, bevor der Großteil der Tiere vor der Höhe der Barriere zurückscheute und sich abwandte.
Als Valerius mit Krähe über die Barriere hinwegsetzte und für Sekundenbruchteile, die eigentlich so etwas wie ein krönender Augenblick hätten sein sollen, hoch über dem Kampfgetümmel schwebte, schmeckte er den Staub und die Asche des Misserfolgs und wusste wieder einmal, dass sein Gott ihn verlassen hatte. In der Anerkennung der Männer Trost suchend, sah er, wie Longinus von einem herabsausenden Coritani-Schwert am Arm getroffen wurde. Valerius schrie etwas, und der einzige noch unverletzte Mann auf dem Schlachtfeld, der seine Stimme erkannte, hörte ihn und fuhr herum; und so geschah es, dass Corvus, der sich inzwischen bis zu seinem Tribun durchgekämpft und etwas Platz um ihn herum geschaffen hatte, von hinten von einem Speer getroffen wurde und gleich darauf von einem Schwert.
In diesem Augenblick gab Valerius jeden Anschein von Menschlichkeit auf und ließ mit einem gellenden Eceni-Schlachtruf auf den Lippen, der Wildheit und Brutalität des Krähen-Pferdes freien Lauf. Mensch und Pferd töteten gemeinsam, wieder und wieder und wieder. Mindestens einer von ihnen genoss das Abschlachten. Später - in dem kühlen, gut beleuchteten Lazarett, abgeschirmt gegen die Nachwirkungen der Schlacht - sagte Valerius ruhig: »Hast du gewusst, dass sie Marcus Ostorius den Eichenlaubkranz verliehen haben, weil er einem Mitbürger das Leben gerettet hat?«
Es war der höchste Tapferkeitsorden, den man überhaupt erringen konnte. Longinus riss überrascht die Augen auf. »Wen hat er denn gerettet? Auf jeden Fall keinen von den Legionssoldaten - die waren alle tot, und ich bin kein römischer Staatsbürger, deshalb zähle ich nicht. Doch nicht etwa Corvus? Der Tribun hat Corvus gerettet? Ich dachte, ich hätte ihn zu Boden gehen sehen.«
»Das hast du auch. Er bekam einen gewaltigen Schwerthieb in den Rücken, kurz bevor du mit voller Wucht gegen den Schildbuckel des Coritani gerannt bist und dadurch außer Gefecht gesetzt wurdest. Als die Pferde die Eceni zurückdrängten, trug Marcus Ostorius ihn hinter die Barriere, und wir haben Corvus anschließend auf einer Tragbahre hierher zurücktransportiert. Du hättest die gleiche Behandlung erfahren, aber du warst im Delirium und wolltest partout nicht von meinem Pferd runter.«
Longinus grinste. Sein Grinsen zerknitterte die verletzte, mit Blutergüssen übersäte Hälfte seines Gesichts, und man sah ihm an, wie schmerzhaft dies für ihn war. »Es war die einzige Chance meines Lebens, deinen Killer-Hengst zu reiten, und auf die wollte ich auf keinen Fall verzichten, auch wenn ich quer vor deinem Sattel gehangen habe und insofern von Reiten eigentlich keine Rede mehr sein kann.« Er schüttelte den Kopf - über sich selbst oder vielleicht auch bei der Erinnerung an das Erlebnis -, dann verblasste sein Lächeln. Er griff nach Valerius’ Hand und umschloss sie fest. Seine Handfläche war schweißfeucht und kalt. Nach einer Weile, als sie sich etwas wärmer anfühlte, fragte er: »Warum bist du hier und nicht bei ihm?«
Er stellte seine Frage zu beiläufig; sie kannten einander viel zu gut, als dass das nicht ersichtlich gewesen wäre. Valerius überlegte einen Moment und entschied dann, Longinus die Wahrheit zu sagen. »Der Tribun hat ihm verboten, Besuch zu empfangen. Jedenfalls glaube ich nicht, dass Corvus möchte...«
Er blickte überrascht hinunter. Longinus hatte ihm den falkenköpfigen Dolch in die Hand gedrückt. Kopfschüttelnd, ganz so, als ob er jemanden vor sich hätte, der ein bisschen schwer von Begriff war, sagte der Thraker: »Geh und besuche ihn. Er muss unbedingt wissen, was du getan hast, wenn auch sonst nichts. Sag Theophilus, dass du für seine Genesung unerlässlich bist. Er wird dich unterstützen, und ein Tribun kann einem Arzt bei der Ausübung seines Berufs keine Vorschriften machen.«