XV
Die Ernte in den westlichen Bergen und auf Mona
war diesmal eiliger eingebracht worden als in irgendeinem anderen
der acht Jahre zuvor. Am Ende waren die Kornkammern der Stämme
nicht ganz gefüllt - zu wenige der Stammesmitglieder hatten beim
Aussäen geholfen, und noch weniger von ihnen waren in den zwischen
der Aussaat und der Ernte liegenden Monaten zum Unkrautjäten
abgestellt worden. Doch es war genügend vorhanden, um
sicherzustellen, dass von ihrem Volk keiner verhungern würde, wie
auch immer der Krieg ausgehen mochte. In den auf die Ernte
folgenden Tagen machten sich die Kinder daran, Haselnüsse, Pilze
und jene kleinen, bitteren Äpfel einzusammeln, die erst im Frühling
ihre Süße erlangen würden. Die Älteren zerrieben Färberwaid zu
einem Pulver, vermischten dieses anschließend mit dem Saft der
ausgepressten Brombeeren und stellten daraus eine Farbpaste her.
Außerdem brauten sie Ale, das sie den Winter über warm halten
sollte. Die Krieger schliefen noch oder aßen oder schliffen vor den
bewundernden Augen ihrer Kinder ihre Waffen. Die Träumer dagegen
suchten die Welt ihrer Götter auf. Späher verkündeten die Ankunft
Scapulas in der Festung der Zwanzigsten Legion und einige Tage
später wieder seine Abreise, mit anderthalb seiner Legionen und
zwei kompletten Flügeln der Kavallerie in seinem Gefolge. Scapulas
Vorrücken nach Norden wurde genau überwacht, und immer wieder
fielen von den an den Rändern marschierenden Soldaten und der
Nachhut einige Männer den Angriffen der Krieger zum Opfer. Doch
keine der beiden Seiten hatte einen signifikanten Verlust zu
beklagen. Zu diesem Zeitpunkt konnte man das auch noch nicht
erwarten.
In der vierten Nacht des neuen Mondes, unter einem
schwarzen, frostig kalten Himmel, stießen die genesenen und
ausgeruhten Krieger von Mona mit den versammelten Speerkämpfern der
Ordovizer, der Silurer, der Cornovii und der Durotriger zusammen.
Zu jenen, die bereits in den letzten acht Jahren für ihre Freiheit
gekämpft hatten, gesellten sich nun zu Tausenden junge Männer und
Frauen hinzu, die gerade das Erwachsenenalter erreicht hatten und
die selbst den Krieg noch der Sklaverei vorzogen. Alles in allem
waren sie rund zehntausend Kämpfer, eine Anzahl, die sich durchaus
mit den beiden Legionen messen konnte.
Gegen die Stämme marschierten nun gerade jene
Männer an, die in den Augen der Träumer und der Götter
verantwortlich dafür waren, dass die Bewohner zweier kompletter
Eceni-Dörfer den Tod durch den Strang gefunden hatten; selbst die
Jüngste, ein dreijähriges Mädchen, war dabei nicht verschont
worden. Zudem trugen diese Männer auch die Schuld an der grausamen,
weiter andauernden Unterdrückung der Trinovanter. Der bevorstehende
Kampf war also sowohl eine Vergeltungsschlacht als auch ein Kampf
um die Freiheit.
Gemäß Caradocs Prophezeiung bildete der Fluss der
Lahmen Hirschkuh die Grenze zwischen den beiden Armeen. Auf jeder
der beiden Seiten brannten am äußersten Rande des Flussufers Feuer.
Diesmal bestand für die Stämme kein Anlass, ihre Anwesenheit oder
ihren genauen Aufenthaltsort zu verheimlichen. Wie schon einmal,
hatte Caradoc auch diesmal befohlen, mehr Feuer anzuzünden, als es
Krieger gab; die Legionssoldaten sollten beim Anblick der
Lagerfeuer davon ausgehen, dass sie einer überwältigenden Mehrheit
gegenüberstanden. Dadurch sollte ihr Mut geschwächt werden. Tief
unten im Flussbett spiegelte das Wasser die kleinen Lichtpunkte der
Sterne und die orangefarbenen Blüten der Feuer wider. Von den
beiden Lagern führte ein langer, schmaler Engpass in nordwestliche
Richtung - der einzige Ausweg aus dem Tal. Der Durchgang durch
diesen Engpass jedoch war von einem festen Schutzwall aus
Eichenstämmen und Findlingen versperrt, der anderthalb mal so hoch
war wie ein Mann. Dies war der Wall an der Lachsfalle, die etwas
größere Kopie von Caradocs erster Barrikade, denn er hatte seine
Lektion aus der ersten Schlacht gelernt. Diesmal würden keine
Pferde über den Schutzwall hinwegsetzen können, diesmal würden ihre
Reiter unter den hinter dem Wall eingekesselten Kriegern kein
solches Gemetzel anrichten können.
Beide Seiten legten sich zur Nachtruhe nieder. Die
Träumer entzündeten, etwas entfernt von den Kriegern auf einer
steinigen Aussichtsplattform und unmittelbar unter der Kuppe des
Hügels, ihr eigenes Feuer. Ein verkümmerter Vogelbeerbaum ließ
seine Beeren in faustgroßen Trauben über das Schwindel erregend
steile Bergmassiv hängen. Auf dem ebenen, steinernen Boden der
Plattform schleuderte ein riesiges Feuer aus Rotdorn, Birken- und
Apfelholz seine Funken hoch in die Nacht hinauf.
Zweihundert Sänger und Träumer hatten sich um
dieses Feuer herum versammelt, so viele waren es seit der Invasion
der Römer noch nicht gewesen. Sollte es ihnen gegeben sein, würden
sie, ehe sie das Feuer erneut entzündeten, gesehen haben, wie
Scapula starb. Von jenen mit der größten Macht, deren Zwiesprache
mit den Göttern am reinsten war, fehlte nur Airmid. Ihr Platz war
nun auf Mona, bei der Bodicea und ihrem jüngsten Kind. Breaca war
nicht die Einzige gewesen, die geträumt hatte, dass der Schlüssel
zur Zukunft der Stämme in Graine lag, und besonders die ersten
Lebenstage des Säuglings wurden somit von allen nur möglichen
Vorsichtsmaßnahmen begleitet. Folglich wurde Airmids Abwesenheit
geduldet, wenngleich man die Träumerin vermisste.
Dubornos schmerzte Airmids Fehlen ebenso sehr wie
das Fehlen seines Schildes in einer Schlacht. Zwar hatte er nicht
sonderlich eng mit ihr zusammengearbeitet - Monate konnten
vergehen, in denen sie nicht ein einziges Wort miteinander
wechselten -, doch er spürte, wann sie in seiner Nähe war oder wann
sie fort war, spürte es genauso deutlich, wie er Licht von
Dunkelheit unterscheiden konnte, Hitze von Kälte oder Liebe von
Verlust. Zwar konnte er seine Aufgabe dennoch erfüllen, doch es
fiel ihm ungleich schwerer.
In der Nacht vor jener Schlacht, die größer war als
jede andere, die er seit der Invasion bisher erlebt hatte, stand
Dubornos gemeinsam mit den anderen, mit denen er auf Mona zusammen
im großen Rundhaus gelebt hatte, um das Feuer herum; mit Maroc, dem
Ältesten, und Luain mac Calma, der einst von Hibernia
herübergekommen war, und mit Efnís, der der Erste unter den
Träumern der nördlichen Eceni gewesen war, bis die Exekutionen
einsetzten und es nicht mehr sicher für ihn war, noch länger dort
zu bleiben. Diese drei waren die Mächtigsten: der Bär, der Reiher,
der Falke - alle drei Jäger, jedoch mit der visionären Weitsicht,
die ihre Träume ihnen verliehen. Ihnen zur Seite standen noch
Hunderte anderer, jene, welche bereits seit zehn Jahren oder noch
mehr mit ihnen gelebt und trainiert hatten und die es gewohnt
waren, miteinander zusammenzuarbeiten. Zum ersten Mal in einer
Schlacht waren diesmal aber auch die Träumer der westlichen Stämme
zu ihnen gestoßen, jene Männer und Frauen, die zunächst noch
zurückgeblieben waren, um in einer Zeit der nicht endenden Kriege
das Herz ihres Volkes zu schützen. Sie trafen als Ebenbürtige
aufeinander, und sogleich wurden Bündnisse geschmiedet oder
erneuert. Das gab ihnen Kraft, und nun waren sie eine größere
Macht, als sie jemals hätten erhoffen dürfen, wenn eine jede der
Gruppen in der vergleichsweise stillen Abgeschiedenheit ihrer
Stämme geblieben wäre.
Efnís, der Träumer der Eceni, führte die
Versammlung an. Als Einziger von allen hatte er die Gesichter von
jenen drei Männern in der Masse ihrer Feinde gesehen, deren Tod für
die Stämme am bedeutendsten sein würde: den Statthalter Scapula,
den Legat der Zwanzigsten Legion und den Dekurio der Thrakischen
Hilfstruppe, der auf dem gescheckten Pferd ritt. Diese Erinnerungen
an die Gesichter der Feinde, eine jede Vision mit dem Haar einer
roten Stute an einen grünen Weißdornzweig gebunden, übergab Efnís
nun dem Feuer, damit auch die anderen Männer sie ebenso scharf
erblicken konnten wie er. Während die Zweige verbrannten, atmeten
die Sänger und Träumer die Essenz jener Männer, die sie jagten,
ein, und ließen sie tief in ihr Gedächtnis einsinken: das
Aufblitzen eines Gesichts im Profil, der besondere Geruch eines
Mannes in der Schlacht, der ihn vom Rest der Männer unterschied,
der Klang einer Stimme, wie diese entweder ein Kommando brüllte
oder etwas leiser erklang, wenn sich der Krieger zur Ruhe legte,
die Liebe eines Vaters für seinen Sohn und die Verbundenheit eines
Soldaten mit seinem Kampfgenossen, das komplizierte Gewebe des
Hasses von jemandem, der tötet, nur um seinen eigenen Hass auf sich
selbst zu überdecken.
Zwar war keines dieser Bilder eindeutig, doch sie
enthielten genug Anhaltspunkte, damit die Träumer selbst in den
Wirren einer Schlacht jene verlorenen Seelen ausfindig machen
konnten, die sie suchten. Diesen konnten sie dann Angst oder
Verzweiflung einflößen oder etwas verlangsamte Reflexe, die es den
Kriegern erlauben würden, diesen Männern den tödlichen Schlag zu
versetzen. Das war das Beste, was sie auszurichten
vermochten.
Als schließlich der letzte der drei Männer an der
Reihe war, der Dekurio, welcher auf dem gescheckten Pferd ritt,
legte Dubornos auch seinen eigenen, ganz ähnlich wie die anderen
geschnürten Zweig ins Feuer. Er hatte vier Tage gebraucht, um ihn
anzulegen, hatte in dieser Zeit ganz allein geschlafen und in
Erinnerungen gelebt, die er viel lieber vergessen hätte, hatte die
Muster, die er zunächst noch in einem Nebel aus Kummer und Wut
verborgen gehalten hatte, immer weiter fokussiert, bis sie ein
klares Bild ergaben. Dieses Bild schließlich hatte Dubornos mit
eigenem Blut und Tränen an den grünen, mit Beeren behängten Zweig
des Weißdorns gebunden.
Wenn es einen Weg gegeben hätte, den Zweig zu
binden, ohne sich dabei in seine eigenen Erinnerungen zu vertiefen,
so hätte Dubornos diesen Weg mit Sicherheit gewählt, egal, welchen
Preis er dafür hätte zahlen müssen. Nachdem die Festung
niedergebrannt und es offensichtlich war, dass Scapula seine Armee
gegen die Eceni aussenden würde, hatte Dubornos den Bau der ersten
Lachsfalle koordiniert und war davon ausgegangen, dass der damit
verbundene Plan aufgehen würde. Doch zu Hunderten waren die Männer
und Frauen der Eceni und Coritani schließlich dahinter gestorben,
wenngleich ihre Feinde dafür einen hohen Preis hatten zahlen
müssen, denn die Krieger hatten mit einer Wildheit versucht, die
Reservetruppe, die gegen sie losgeschickt worden war,
niederzumetzeln, wie sie in der Geschichte der Stämme noch niemals
vorgekommen war. Später, als Dubornos die Verluste betrauerte,
hatte seine Seele jedoch zugleich auch über den Sieg gejubelt, den
sie errungen hatten, während die Hand voll römischer Überlebender
der Schlacht zurück zur Festung ritten, die Leichen ihrer
gefallenen Offiziere quer über ihre Sättel gelegt. Unvergessen
blieb aber der Hass, den er auf den rangniederen Offizier auf dem
gescheckten Pferd empfunden hatte, das ebenso leidenschaftlich
tötete wie jeder Krieger. Dieser Mann hatte die in der Lachsfalle
liegende Gefahr erkannt und die Pferde genau über diese Barrikade
gejagt, um damit seine überlebenden Kameraden zu retten.
Noch lange, ehe er den Mann erblickt hatte, hatte
Dubornos damals schon das Pferd entdeckt, und als die Hilfssoldaten
ihre Tiere zurückließen, um zu Fuß weiterzukämpfen, schien es, als
bestände eine gute Chance, das Pferd einzufangen und in die
Zuchtherde zu integrieren. Als Dubornos sah, wie das Pferd sich
unter seinen Reiter fügte, bedauerte er den Verlust dieses Tieres
nur noch mehr. Erst ganz zuletzt, als die grausamen Liquidationen
der Dorfbewohner begannen, wurden die Beweggründe und
Charaktereigenschaften des Reiters und seines Pferdes klar
erkennbar, und Dubornos konnte die abgrundtiefe Bösartigkeit der
beiden ausmachen. Seine jetzigen Visionszweige spiegelten diese
Erkenntnis wider. Dubornos hatte Pferd und Reiter dicht aneinander
gebunden und beide als böse gebrandmarkt.
Der Sänger beugte sich nun etwas vor und legte den
letzten Zweig in die Glut des Feuers. Vertrocknete Beeren
schrumpelten noch mehr zusammen und platzten schließlich auf. Um
Dubornos’ Unterarm züngelten die Flammen, er aber spürte keinerlei
Hitze. Das Feuer fraß sowohl Zweig als auch Haare auf und entsandte
die daran geknüpften Erinnerungen zu den Göttern und den wartenden
Träumern. Es gab nur wenig, das dem Bösen, das Dubornos von diesem
Reiter ausgehen spürte, noch gegenüberstand, doch selbst diese
Details verheimlichte er nicht und ließ die Träumer auch an den
positiven Eigenschaften des Mannes teilhaben.
Er ist groß und schlank und hat schwarzes
Haar. Und er reitet auf einem gescheckten Pferd, das genauso tötet,
wie auch er tötet. Mit seinen eigenen Händen hat er die Kinder
umgebracht.
Seufzend nahmen zweihundert Träumer Dubornos’ Worte
in sich auf und verliehen ihnen Leben. Die Luft auf der Felsspitze
erzitterte vor Hitze, und die versammelten Träumer von Mona und aus
dem Westen taten einen gemeinsamen Atemzug und begannen damit,
ihren Geist auf die Rache allein einzustimmen.
Hinter ihnen zog die Morgendämmerung herauf, kalt
und klar. Die Feuer der Träumer verglühten zu Asche, und die
Versammlung der zweihundert Männer und Frauen löste sich auf. Sie
kletterten den Hügel wieder hinab, um ihre Krieger ausfindig zu
machen, sie aufzuwecken und ihnen den vor der Schlacht üblichen
Segen der Götter zu geben. Dubornos suchte nach dem größten der
Lagerfeuer der Krieger und fand es schließlich am nördlichen Ende
der Felsen, direkt oberhalb eines Wasserfalls, der die breiteste
Stelle des Flusses markierte. Hier hatte die Ehrengarde von Mona
geschlafen und ihr Feuer mit Caradoc und den Ordovizern
geteilt.
Die Männer und Frauen wachten langsam auf,
streckten ihre Glieder, rieben sich ein wenig Heidetau über das
Gesicht oder suchten einen der kleineren Bäche auf, die über die
von Geröll übersäte Anhöhe hinwegplätscherten. Ein paar von ihnen
kletterten im Schutze des Gestrüpps hinab und zu dem in der Mitte
des Hügels verlaufenden Graben. Andere dagegen waren offensichtlich
schon wesentlich länger wach. Ardacos, der die Krieger der Bärin
anführte und den linken Flügel der Ehrengarde der Bodicea bildete,
hatte sich am Ufer des Flusses gemeinsam mit einem Dutzend seiner
Gruppe in die Nähe eines Schwarzdorndickichts gehockt. Sie rochen
recht streng nach Färberwaid und Bärenfett, und über ihre nackten
Körper schlängelten sich graue Symbole, das Ergebnis der Malereien
einer halben Nacht. Die Hefte ihrer Speere waren zunächst mit
weißer Asche bestäubt und anschließend mit dem Blut eines Bären
nahezu schwarz gefärbt worden, ihre Speerspitzen waren in der Form
eines Blattes gehauen und länger als irgendwelche anderen
Speerspitzen auf dem Schlachtfeld; direkt unterhalb der Klinge
baumelten ungefärbte Reiherfedern. Die Krieger drückten sich
gegenseitig Handabdrücke in weißer Tonerde auf die Schultern und
erneuerten noch einmal ihre Kampfschwüre - in einer Sprache, die
Dubornos, Herr über acht Sprachen und ein Dutzend Dialekte, noch
nie gehört hatte.
Hinter den Bärinnen knotete Braint, eine junge Frau
aus dem Stamme der Briganter, die in Breacas Abwesenheit die Spitze
der Ehrengarde anführte, den Schädel einer Wildkatze in die Mähne
ihres Pferdes. Etwas dichter am Feuer malte Gwyddhien, die den
rechten Flügel anführte, das Zeichen des grauen Falken auf die
linke Schulter ihres Schlachtrosses, direkt über dem bereits
aufgemalten Schlangenspeer der Bodicea. Sie war es, die Dubornos
gesucht hatte. Er schlenderte durch das Heidekraut hinab und blieb
wartend ein kleines Stück hinter Gwyddhien stehen.
Von allen Mitgliedern ihres Stammes war Gwyddhien
die Außergewöhnlichste. Sie war schon immer groß gewesen, nun aber
ließ der Kriegsknoten der Silurer, den sie in ihr schwarzes Haar
geknotet hatte, sie noch größer erscheinen. Ihre Haut war von einem
glatten Braun, und sie hatte nur wenige Narben, keine davon verlief
über ihr Gesicht. Sie besaß hohe und weit auseinander stehende
Wangenknochen, so wie sie bei einigen aus den westlichen Stämmen
vorkamen, in deren Adern das Blut der Vorfahren noch unvermischt
floss. Es war leicht nachzuvollziehen, dass manch einer sie sehr
attraktiv fand.
Als Gwyddhien fertig war mit ihrer Arbeit, schaute
sie auf. Sie hatte gewusst, dass Dubornos dastand. Er entbot ihr
den Gruß des Kriegers und sprach: »Airmid schickt dir für die Dauer
der Schlacht ihr Herz und ihre Seele. Sie schreitet, wo du
schreitest, und träumt, was du träumst.«
Das war der formelle Gruß zwischen zwei Liebenden,
wenn die Umstände sie in den Zeiten des Krieges auseinander rissen.
Für einen Augenblick erschien Gwyddhien weniger wie die Kriegerin,
die sie war, und mehr wie die Frau in ihr. Ihre Augen waren von dem
gräulichen Grün alter Haselnussblätter und strahlten im kühlen
Licht des Sonnenaufgangs nur noch heller. Als sie lächelte,
funkelten ihre Augen, als ob Zunder und Eisenfunken sie erhellt
hätten.
»Danke.« Ihr Gruß war der eines Kriegers gegenüber
seinem Träumer, wenn Letzterer von höherem Rang war. Dubornos
fühlte sich geehrt, und genau das war auch das Ziel gewesen. »Geht
es Breaca gut?«, fragte Gwyddhien.
Dubornos wäre jetzt gern wieder gegangen, doch er
durfte nicht, denn die Gebote der Höflichkeit verlangten von ihm,
dass er die Frage beantwortete. »Sie erholt sich zunehmend und das
Kind mit ihr. Ihr größter Kummer aber ist, dass sie nicht an der
Schlacht teilnehmen kann.«
»Aber sie schickt uns ihr anderes Kind, um ihren
Platz einzunehmen, und beraubt dich damit der Chance zu kämpfen?«
Gwyddhien hob ihre Brauen hoch genug, um ihre Feststellung wie eine
Frage wirken zu lassen, ohne aber die Tatsachen in Frage stellen zu
wollen.
»Cunomar?« Dubornos verzog das Gesicht zu einer
Grimasse. »Nein. Breaca hätte ihn gern davon abgehalten, aber
Caradoc hatte ihm bereits versprochen, dass er uns begleiten
dürfte. Er fühlte sich, glaube ich, schuldig, dass er so viel Zeit
mit Breaca und dem Neugeborenen verbracht hatte. Darum hatte er
Cygfa für die Schlacht seine Klinge mit dem Schwanengriff gegeben.
Er musste Cunomar also etwas von gleichem Wert geben, und das
Einzige, was da noch zählte, war die Erlaubnis, sich ihm heute
anzuschließen. Der Junge zerrt bereits wie ein Jährling an seinen
Zügeln. Er will rennen, noch ehe seine Knochen sich gefestigt
haben.«
»Er hat Angst, dass der Krieg vorbei ist, ohne dass
er sich etwas Ehre hat verdienen können, die der seiner Eltern
würdig wäre. Ich würde an seiner Stelle genauso empfinden«
»Vielleicht. Du aber, glaube ich, hättest auf deine
Eltern gehört.«
Gwyddhien schaute Dubornos einen Augenblick an,
dann nickte sie. »So wie du es in seinem Alter getan hast. Oder
warst du noch älter?«
Im Vorfeld der Schlacht streckte die Vergangenheit
wieder ihre Fühler in die Gegenwart aus. Der Atem blieb Dubornos
beinahe in der Kehle stecken. Am liebsten hätte er sich jetzt
umgewandt, doch Gwyddhien hatte ihn an der Schulter gepackt und
hielt ihn fest, so dass er sie anblicken musste. Wenn er wollte,
konnte er nun Mitgefühl, vielleicht sogar Mitleid in ihrem Blick
lesen. Beides aber war ihm ganz und gar nicht willkommen.
»Airmid hat dich mit dieser Nachricht zu mir
geschickt«, sagte Gwyddhien. »Das sollte Beweis genug sein, dass
sie dir deine Vergangenheit nicht mehr vorhält.« Dann, als Dubornos
noch immer nichts erwiderte, fügte sie hinzu: »Du solltest
vielleicht einmal mit ihr darüber reden.«
»So wie sie mit dir darüber gesprochen hat.«
Gwyddhien aber zuckte lediglich mit den Schultern.
»Natürlich. Hattest du denn gedacht, dass sie das nicht tun würde?
Du bist der Erste der Sänger auf Mona, sie ist eine der stärksten
Träumerinnen, und doch sprecht ihr beide nur miteinander, wenn es
sich gar nicht mehr vermeiden lässt. Die Distanz zwischen euch
beiden war bereits von dem Tage an, als du zum ersten Mal die Insel
betreten hast, offensichtlich. Erst kurz vor der Invasion habe ich
sie nach der Ursache gefragt, damals, als es wichtig wurde zu
wissen, auf wen wir uns wirklich verlassen konnten. Und sie hat
dich als einen von denen genannt, denen sie am meisten vertraute.
Nachdem ich aber gesehen habe, wie du dich in ihrer Gegenwart
verhalten hast, habe ich sie eben gefragt. Dennoch bestand nie die
Gefahr, dass ich darum schlechter von dir denken könnte als
zuvor.«
»Und warum nicht? Ich nämlich denke durchaus
schlechter von mir.«
»Ich weiß. Darum sprechen wir ja jetzt auch
darüber. Wir alle machen in unserer Jugend Dinge, für die wir uns
später schämen. Der Unterschied besteht nur darin, dass der Rest
von uns der Dummheit des Kindes irgendwann einmal verzeihen kann
und wir dann beginnen, an die Ehre des Erwachsenen, zu dem wir
geworden sind, zu glauben. Du warst doch erst fünfzehn Jahre alt,
als Amminios’ Adler Breaca und dein Volk im Tal des Reiher-Flusses
in den Hinterhalt getrieben hatten. Du hattest doch kaum deine
langen Nächte der Einsamkeit hinter dich gebracht und hattest noch
keine Schlacht miterlebt. An diesem Tage sind selbst jene Krieger
gestorben, die mehr Kriegerfedern besaßen als irgendein anderer.
Breacas Vater war einer der ersten Krieger der Eceni, doch selbst
ihn haben sie niedergemetzelt, wie man ein Schaf schlachtet. Dein
Vater wurde verwundet, Tagos verlor einen Arm, und Bán wurde
getötet und seine Leiche verschleppt; Breaca hatte Glück, dass sie
all dem lebend entkam. Und ebenso, wie sie uns alle führen, hatten
auch dich damals die Götter geführt. Wenn du dich also nicht
totgestellt hättest, wärst du höchstwahrscheinlich gemeinsam mit
den anderen gestorben.«
»Aber wenigsten wäre ich in Ehren gestorben.«
Gwyddhien schaute an Dubornos vorbei hinab in das
Tal, dorthin, wo kalt und weiß der Fluss strömte. Sie kaute in der
gleichen Art auf ihrer Unterlippe, wie Airmid es tat, wenn sie über
etwas nachdachte. Schließlich entgegnete sie: »Es täte dir
vielleicht ganz gut, dich einmal daran zu erinnern, in wie vielen
Schlachten du dir seit damals eine außergewöhnlich hohe Ehre
erkämpft hast, wie viele Leben du gerettet hast, wie viele andere
in den schlimmsten aller Zeiten auf deine Stärke vertraut haben und
auf deinen Beistand. Du warst für so viele der Fels in der
Brandung. Wenn die Götter gewollt hätten, dass du damals hättest
sterben sollen, wärst du sicherlich schon lange tot. Wenn du dir
selbst also schon nichts wert bist, sollte dir zumindest diese
Tatsache etwas wert sein, die Tatsache, dass sie dich eben nicht
sterben sehen wollten. Du trägst deine Scham mit in die Schlacht,
und das verändert den Mann, der du bist. Eines Tages wird sie deine
Reaktionen verlangsamen, und dann ist der Feind schneller. Mir wäre
es lieber, wenn das nicht passierte. Und Airmid desgleichen.«
Von all dem, was Gwyddhien gerade gesagt hatte,
brannten ihre letzten Worte am heftigsten. Noch ehe der Sänger
etwas erwidern konnte, erschallte ganz in der Nähe ein Horn, und
rhythmisch begannen Bärenklauen auf einen hohlen Totenkopf zu
schlagen. Von einem der anderen Feuer ertönte der Schrei des
Falken, ein Geräusch, unter dem sich die Herzen der Feinde mit
einer Eisschicht überziehen sollten. Durch die überall
umherhuschenden Krieger, die in Kolonnen der Berg hinabritten oder
-liefen, erwachte der Morgen nun endgültig. Dubornos hatte das
Gefühl, man hätte ihn von seinen Kampfgenossen abgesondert, wie
eine leere Hülse, seine Zunge aus lauter Scham wegen seiner
Vergangenheit fest gegen seinen Gaumen geklebt.
Gwyddhien hob ihr noch immer in seiner Scheide
steckendes Schwert auf und legte sich den Trageriemen um den Hals.
Von ihrem Sattelknauf hingen ein Schild und ein Speer hinab. Jeder
von ihnen war mit einem in grüner Farbe aufgetragenen Frosch
bemalt, dem Zeichen von Airmids Traum. Noch einmal berührte
Gwyddhien Dubornos’ Schulter; er sollte diesen Druck noch den
halben Tag über spüren.
»Du hast den Weg der größten Ehre gewählt«, sagte
sie. »Dafür ehren wir dich alle.«
»Ich tue nur, was ich tun muss.«
»Ich weiß. Aber das macht es nicht leichter.« In
Gedanken war die Kriegerin bereits den Hügel hinab- und auf den
Fluss zugelaufen und ging im Geiste noch einmal die vielen
verschiedenen Schlachtpläne durch. Mit offensichtlicher Anstrengung
richtete sie ihre Aufmerksamkeit noch einmal auf Dubornos. »Wir
werden die rechte Flanke bilden. Wenn du Hilfe brauchst, um das
Kind zu beschützen, lass es mich wissen. Ich werde dir dann, wen
auch immer ich entbehren kann, hinüberschicken. Denk daran.«
»Danke. Das werde ich.«
Cunomar war der Einzige hier in den Bergen, der
noch nicht das Kampfalter besaß, und seine Altersgenossen hatten es
alle ausnahmslos akzeptiert, dass sie zu Hause bleiben mussten.
Cunomar hatte sich am Feuer seines Vaters zusammengekauert. Neben
ihm lag als unwilliger Beschützer Hail. Die Seele des Hundes war
auf Mona bei Breaca und dem Neugeborenen geblieben. Anders als bei
Cunomars Geburt hatte sich bei Graines sofort ein unverbrüchliches
Band zwischen ihr und dem Hund ergeben; nun trauerte er über ihr
Fehlen, wie auch der Junge, nur dass Letzterer aus anderen Gründen
murrte.
In der unmittelbaren Umgebung der beiden beendeten
einige Krieger die letzten Vorbereitungen für den Krieg, doch
Cunomar schaute wie versteinert weiter geradeaus. Es war Cygfa,
deren Gegenwart ihn am meisten störte. Seine Halbschwester näherte
sich ihren langen Nächten der Einsamkeit. Seit Monaten schon wurde
ihre erste Blutung erwartet, und man ging weitestgehend davon aus,
dass sie, wenn sie erst einmal eine Erwachsene war, eine Kriegerin
würde, die es sogar mit ihrem Vater aufnehmen konnte. Seit ihrer
Kindheit hatte sie mit dem Volk ihrer Mutter, den Ordovizern,
geübt, und die Krieger der Streitaxt waren im ganzen Land als die
grimmigsten Kämpfer des Westens bekannt. Später dann war Cygfa zu
ihrem Vater auf Mona gestoßen und hatte dort in der Kriegerschule
gelernt und unter der Aufsicht jener Männer und Frauen, die als die
besten von jedem Stamm galten, ihre Schwert- und Speerbewegungen
geübt. Als der Zeitpunkt der Schlacht gekommen war und Cygfa sich
noch immer keinen Speer hatte verdienen können, hatten die Älteren
darin übereingestimmt, dass Cygfa versuchen solle, sich hier im
Kampf ihren ersten Speer zu verdienen, wie auch Breaca es getan
hatte. Ihre Mutter, Cwmfen, kämpfte in Caradocs Ehrengarde, und
Cygfa war die Erlaubnis zuteil geworden, an ihrer Seite reiten zu
dürfen.
Für Cunomar wäre allein das schon unerträglich
gewesen, doch dann hatte Breaca dem Mädchen auch noch ein Geschenk
überreicht, indem sie ihr das gefleckte Schlachtross mit den
breiten Hufen schenkte, das Breaca bereits siegreich durch die
Invasionsschlacht getragen hatte. Das Tier, bekannt als das
Bären-Pferd, wegen der Form seiner Nase und weil es ein so langes
Fell hatte, war die Mutter der Hälfte der besten Jungtiere auf
Mona. Seine ganze Leidenschaft war der Krieg, und offensichtlich
hatte das Tier davon noch nicht genug gesehen. Breaca ritt dieses
Pferd noch immer am liebsten, auch wenn es bereits alt genug war,
um auf das Weideland entlassen zu werden. Nun, da das Tier Cygfa
übergeben worden war, schwelgte es geradezu wieder in den Gerüchen
und den Vorzeichen des Krieges. Es hielt seinen Kopf hoch erhoben
und hatte die Ohren spitz aufgerichtet, und allein die Jahre der
Übung, die es gelehrt hatten, sich vor einer Schlacht still zu
verhalten, hielten es noch davon ab, dem Morgen herausfordernd
entgegenzuwiehern. Seine Anwesenheit also, gemeinsam mit der
Schwanenkopfklinge, die Caradoc ihr überreicht hatte, machten Cygfa
zu einer der am besten ausgerüsteten Kriegerinnen des gesamten
Feldes. Cunomar hasste sie und ließ das auch deutlich
durchblicken.
Dubornos schritt um das Feuer herum auf Cunomar zu.
»Guten Morgen.«
Der Junge nickte einmal, antwortete jedoch nicht.
Sein Blick war starr auf die beiden Krieger auf der
gegenüberliegenden Seite der Feuerstelle gerichtet. Dort standen
Cygfa und Braint von den Brigantern und flochten ihr Haar an den
Seiten zu Zöpfen. In der Pracht des Sonnenaufgangs hätten sie
Schwestern sein können, oder zwei der drei Teile der Briga: die
eine dunkelhaarig, von dunkler Hautfarbe und mit Kampfnarben, die
andere hellhäutig, mit blondem Haar und unversehrt. Allein die
Großmutter fehlte, grauhaarig und hinkend. Cygfa hatte noch
niemanden getötet. Deshalb besaß sie auch nicht das Recht, an ihren
Schläfen die schwarze Krähenfeder zu tragen, doch Gwyddhien hatte
ihr die graugestreifte Schwanzfeder eines Falken überreicht und den
Kiel zuvor mit schwarzer und roter Farbe bestrichen, um ihr Brigas
Beistand zu sichern. Braint zeigte Cygfa gerade, wie sie diese
Feder an ihrem Zopf zu befestigen hatte. Dann lachten beide, und in
Cunomars Ohren hallte dieses Gelächter nach, als würde ein eiserner
Ring polternd einen Berg hinabfallen. Er blickte finster drein, und
seine Lippen bewegten sich in einem unverkennbaren, wenngleich
stummen Fluch.
Dubornos hockte sich neben Cunomar auf einen Stein.
Da er selbst keine Kinder hatte, hatte er auch nie gelernt, wie man
ein Kind ansprach, und selbst wenn er an seine eigene Jugend
dachte, half ihm das wenig. Darum hatte er sich irgendwann
entschlossen, die Jungen genau so anzusprechen, als ob diese
bereits Erwachsene wären. Meistens hatte er damit Erfolg. Bei
Cunomar aber konnte er nie im Voraus wissen, ob das die richtige
Art war.
»Deine Schwester reitet zum ersten Mal in eine
Schlacht«, sagte er. »Es hilft ihr bestimmt nicht, wenn du ihr nun
Unglück wünschst. Und es nützt auch dir nichts, wenn sie stirbt und
du deinen Fluch nicht mehr zurücknehmen kannst.«
Bernsteinfarbene Augen blickten kurz zur Seite,
wandten ihren Blick dann aber rasch wieder ab. »Sie wird schon
nicht sterben. Sie ist genauso gut wie ihr Vater, das sagt jeder.
Und sie wird die Römer in Fleischbrocken schneiden, die sie dann an
ihre Hunde verfüttern kann.«
Das war ein sehr leiser, doch gut geschliffener
Vorwurf, denn es ging das Gerücht um, dass die Legionssoldaten ihre
Feinde den Hunden zum Fraß vorwerfen sollten; nur eine weitere
Niederträchtigkeit auf ihrem langen Kerbholz. Kein Krieger der
Stämme würde sich jemals zu einer solchen Geste herablassen.
»Es steht dir nicht gut zu Gesicht, was du da
gerade sagst«, widersprach Dubornos. »Wenn du Cygfa entehrst, dann
erstreckt sich dieser Schandfleck bis auf deinen Vater und ihre
Mutter. Wünschst du ihnen das tatsächlich? Genau in dem Moment,
wenn sie aufbrechen, um gegen Scapula und den Dekurio der
Thrakischen Kavallerie auf dem gescheckten Pferd zu kämpfen?«
Die Erwähnung ihrer beiden größten Feinde in einem
einzigen Atemzug hatte genau den Effekt, den Dubornos beabsichtigt
hatte. Mit seiner Schildhand beschrieb Cunomar das komplizierte
Zeichen, das alle Flüche wieder auflöste. »Sie werden gewinnen«,
sagte er verdrossen. »Und du und ich werden den ganzen Tag einfach
nur hier gesessen und zugeschaut haben, während die anderen sich
ihre Kriegerfedern verdienen und jene Geschichten schreiben, die
man sich später am Feuer erzählt.«
Wenn es schon für einen erwachsenen Mann, der sich
aus freiem Willen mit seinem Eid daran gebunden hatte, sich von der
Frontlinie fernzuhalten, schwer war, um wie viel schwerer mochte es
dann erst für ein Kind sein, das sich nur daran hielt, weil sein
Vater es ihm so befohlen hatte? Dubornos griff in sein
Gürtelsäckchen und zog kleine Wurfknöchelchen heraus, die er wegen
ihrer nie langweilig werdenden Unterhaltung immer bei sich trug. Er
warf sie auf die versengte Erde beim Feuer und musterte die
Anordnung, in der sie hingefallen waren. »Wir können genauso gut
beten«, bemerkte er trocken. »Allerdings wird es noch etwas dauern,
ehe die Schlacht beginnt. Hast du Lust auf ein kleines
Spiel?«