KAPITEL 37
Zeit für die Wahrheit!, dachte Xylos und wappnete sich innerlich und äußerlich sowohl für Hasdrubals Vorwürfe, als auch für Sofias aufbrausendes Wesen und ihren eventuellen Angriff.Doch schon bevor er die Tür öffnete und gemeinsam mit Melanie in Richtung Saal ging, wusste er, dass sowohl der Karthager als auch Edwards blonder Engel das Gebäude verlassen hatten. Und dass, obwohl Hasdrubal seine Anwesenheit – und ihre – gespürt haben musste! Niemals hätte Sofia Melanie verlassen, wenn der Alte es ihr gesagt hätte.
Xylos blieb vom Donner gerührt stehen, als ihm Nemesis triumphierendes Geständnis einfiel. Waren es wirklich Styx oder Charon, die als Maulwurf fungierten? – Großer Gott! Hasdrubal!
Zweifel machte sich in dem Vampircallboy breit. Hatte den Karthager seine Liebe zu Maeve dermaßen besessen gemacht, dass er sie verraten konnte? Xylos hatte eine Veränderung in dem Alten gespürt, hatte sie aber seit Sofias Erzählung von der NichtUnsterblichkeit als Reaktion auf Hasdrubals Verdacht gedeutet.
„Ich bin wirklich naiv!“, behauptete er mehr zu sich selbst als zu Melanie.
„Xylos! Gott sei Dank!“ Styx erschien aus der Dunkelheit. Allein die Erleichterung im Auftreten des anderen verhinderte Xylos sofortigen Angriff, als der Vampir bei Melanies Anblick erstarrte. Ungläubig musterte der Jüngere die Vampirin, die sich inzwischen Xylos T-Shirt und eine seiner engen Lederhosen angezogen hatte. Schließlich schien er sich wieder daran zu erinnern, was er sagen wollte. „Ich habe seit Stunden versucht, dich zu erreichen und zu warnen. Nemesis ist hinter dir her – er hat jemanden in den Reihen der Königin, der ihm Informationen zuspielt.“
„Zu spät!“, meinte Melanie, während der Callboy das Gehörte verarbeitete. Styx ein Doppelagent für die Königin?! Er hatte sich rasch wieder gefangen.
„Wo ist Hasdrubal?“ Xylos gab sich keine Mühe, Freundlichkeit zu heucheln.
„Er ist hinter Maeve her, die ihre Vergangenheit erforschen will.“ Deutlich war dem jüngeren Vampir anzumerken, was er von Maeves Idee hielt.
„Sofia und Edward?“
Bei dem Namen ihrer Schwester zuckte Melanie kurz zusammen und bei Edward warf sie Xylos einen prüfenden Blick zu.
„Sofia ist gerade zusammen mit Hasdrubal weggegangen. Er wollte irgendwas Privates mit ihr besprechen. Und danach soll sie mit Edward das Elixier des Lebens und Joel suchen.“
Xylos blinzelte ungläubig, während der Verdacht nagender wurde. „Und die Schatten?“ Joel weg, Edward weg, Hasdrubal weg, wer leitet die Schatten, und wer vertritt Maeve?
„Charon leitet sie auf Wunsch der Königin und hat gerade eben unser Hauptquartier nach Essen verlegt.“
„Gut! Sehr gut!“, lobte Xylos. Zum ersten Mal empfand er so etwas wie Respekt für die beiden Vampire, die Nemesis erschaffen, und die er eigentlich zu den Feinden Maeves eingestuft hatte. „Ein wirklich sicheres Hauptquartier und ein Problem weniger!“ Der Callboy drehte sich zu Melanie und fasste ihre Zukunft zusammen: „Jetzt müssen wir also nur noch die Unsterblichkeit der Vampire wiederherstellen, Maeve Jennifer Schreiner Honigblut wahrscheinlich vor Hasdrubal retten, die Tochter des Magnus finden, des Elixiers´ des Lebens habhaft werden und die Frauen aus den Vampirketten befreien. – Kommst du mit mir?“
An ihrem verwirrten Gesichtsausdruck konnte er erkennen, dass sie keine Ahnung hatte, worum es ging. Aber das Glück, welches aus ihrem gesamten Wesen strahlte und ihre Liebe zu ihm, war deutlich sichtbar.
„Bis in alle Ewigkeit!“, versprach Melanie feierlich, und die Wahrheit in ihren Worten verband sich mit dem Glück und der Liebe und ließen Xylos‘ Herz jubilieren.
ENDE