KAPITEL 13
Xylos stand in der Eingangstür und konnte nicht anders, als auf sein Geschöpf zu starren.Sie war nicht scheu oder berechnend, spielte nicht die Unnahbare oder die Femme fatale, sie schien bisher nicht einmal bemerkt zu haben wie sie aussah, oder welche Wirkung sie haben konnte. Sie lag immer noch ruhig auf dem Bett, nur in das seidige Betttuch gehüllt, welches er über sie gelegt hatte.
Mit ihren blonden zerzausten Haaren, die um sie herum ausgebreitet lagen, sie selber tief in den Kissen vergraben, sah sie aus wie ein mysteriöser Engel, ausgeschickt, um einen Dämonen zu zähmen, obwohl sie es nicht einmal versuchte.
Der Geschmack des frischen Blutes ließ Xylos daran denken, dass es für sein traumlos schlafendes Geschöpf nie ein Opfer geben würde, weder Mensch noch Vampir. Sie würde von ihm trinken – ausschließlich von ihm.
*** Glühendes Silber verbrannte ihre Adern, zerfräste Nervenzellen und hinterließ verdorrtes Blut. Hinter ihren Lidern zuckten helle Blitze, die das Dunkel ihres Schlafes hell erleuchteten, in ihr Gehirn gleißten und Qualen verursachten, die ein Mensch unmöglich überleben konnte.
Unerträglich.
Sie erwachte. Der Hunger war so schmerzhaft und so grenzenlos, wie sie es noch nie empfunden hatte. Alle Gedanken begannen in Resonanz auf die Reaktionen ihres Körpers sofort um ihn zu kreisen: Blut und Leben, Blut und Tod, Blut und Schmerzen, Blut, Blut, Blut …
Wimmernd schloss sie die Augen. Sie würde nicht töten, um zu überleben. Die Entscheidung war da, bevor sie einen klaren Gedanken fassen konnte. Zusammen mit den Schmerzen, die rhythmisch und in einem Kaleidoskop blutroter Flecken hinter ihren Augenlidern tanzten.
Sie öffnete die Augen, und wie ein Springteufel mit Vampirzähnen betrat ihr Bewacher ihr Gesichtsfeld.
Er wird dich zwingen …, ihr Gedanke vervollständigte sich nicht, beinhaltete aber Blut und Menschen und Tod. Sie wich zurück, bis sie gegen den Bettpfosten stieß.
Melanie schüttelte den Kopf in einer stummen Verneinung. Wie ein wildes Tier in der Falle.
„Du vertraust mir nicht?“ Xylos wirkte verletzt. Er war es nicht gewohnt, vorverurteilt zu werden. Es hieß unschuldig bis zum Gegenbeweis. Doch in Melanies Augen las er das Gegenteil. Sie hielt ihn für schuldig, obwohl er noch nichts getan hatte, um diesen Verdacht zu verdienen. Er glaubte zu wissen, was sie befürchtete.
„Ich habe nicht getötet!“
Trotz der Wahrheit, die sie spüren konnte, sah er ihre Ablehnung, während eine neue Hungerattacke über ihr zusammenschlug. Und einen konvulsivischen Schock durch ihren Körper jagte. Xylos fluchte lautlos ob ihres Martyriums. Dieses närrische Mädchen und ihre Vorurteile! Jennifer Schreiner Honigblut
Er biss sich ins Handgelenk, wusste um die Macht, die der Blutgeruch über sie haben würde, und kannte den Hunger, den er damit vertiefte.
Melanie knurrte, als habe er sie verwundet. Er konnte sehen, wie sie sich beim Anblick seines Blutes versteifte und gegen den verlockenden Geruch wappnete.
Sie kannte den Preis für das Blut, welches in einem kleinen, verführerischen Rinnsal über Xylos Handgelenk nach unten lief und der Schwerkraft folgte. Als der erste Tropfen vergeudet zu Boden fiel, grub sie ihre Fingernägel in ihre Handballen, um sich zurückzuhalten.
„Ich werde kein Blut zu mir nehmen.“ Sie dachte an die Versuchung, die das Blut mit sich trug, die Verführung zur körperlichen Vereinigung, und fragte sich, welchen Preis Xylos jedes Mal zahlen musste, wenn er von einem Menschen trank. Sie versuchte den Gedanken beiseitezuschieben, doch stattdessen drängte sich ein anderes Bild auf: Er und sie im ekstatischen Rausch des geteilten Blutes. Sie versuchte Sofias ungezwungenen Tonfall nachzuahmen: „Nachher bekomme ich noch die Vampirseuche!“
Sein Lachen, tief und grollend und viel zu selbstsicher enthielt eine Drohung und ein Versprechen. Es hüllte die Vampirin ein und hielt sie fest – und dann war er da, stand direkt vor ihr und fing ihren Blick ein.
Das Glühen in Xylos hellblauen Augen war zu primitiv, um es mit Worten zu umschreiben. Es hatte nichts mit Macht zu tun, oder damit, dass er ein Vampir war, sondern alles damit, dass er ein Mann war.
Melanie wand sich innerlich, fand aber die Kraft, ihre Wünsche in Worte zu fassen: „Das nächste Mal, wenn ich mit einem Mann schlafe, will ich, dass mehr als die körperlich notwendigen Organe davon betroffen sind. Das nächste Mal will ich sein Herz.“
Xylos lächelte über ihre Worte. Sie hätten aus seinem eigenen Mund stammen können, wenn er ehrlich gewesen wäre. Stattdessen verschanzte er sich hinter seiner Schlagfertigkeit und der Mauer, die er in mühsamen Jahrhunderten um sein Herz gebaut hatte. „Ich kann dir versichern, du wirst es nicht vermissen!“
„Doch! Werde ich!“
Werde ich! Nicht würde ich!, analysierte Xylos Verstand. Im nächsten Moment hatte sein Körper reagiert und Melanie aufgefangen, als ihre Muskeln kontraktierten und sie ihr Gewicht nicht mehr halten konnte. Sie versuchte aus seinem erbarmungslosen Griff zu entkommen, obwohl sie auf den Boden fallen würde.
Xylos wählte seine grausamen Worte mit Bedacht: „Willst du wirklich sterben?“
Melanies Bewegungen erlahmten schlagartig. Sie sah ihn überrascht an, als habe sie nicht an die Konsequenzen gedacht, die die Ablehnung von Nahrung früher oder später mit sich bringen würde.
„Nein!“, flüsterte sie. „Will ich nicht.“
Xylos biss abermals in sein Handgelenk, ignorierte die Schmerzen, die seine eigenen Zähne verursachten, und hielt ihr die blutige Wunde hin.
Er las das kurze Zögern in Melanies Blick, die Ergebenheit in ihr Schicksal und in ein weiteres Mal animalischen Sex. Kurz kam er sich vor wie ein verabscheuungswürdiges Ungeheuer. Aber er würde nicht zulassen, dass sie einen Sterblichen wegen seines Blutes begehrte – oder einen anderen Unsterblichen.
Melanies Magen verkrampfte sich vor Ekel, als ihr Gehirn die in langjähriger Erziehungsarbeit erlernte Sozialisation, Moral und Tabu, ins Spiel brachte. Doch ihr Jennifer Schreiner Honigblut Geruchssinn ließ sie über ihren Schatten springen. Ihre Zunge zuckte vorsichtig über die Wunde an Xylos Handgelenk.
Die Würze seines Blutes prickelte auf ihren Geschmacksknospen, sandte Schauer der Lust und des Hungers durch ihren Körper und ließ sie ihren Mund auf sein festes Fleisch pressen und trinken.
Scharf und beißend wie erlesene Pfefferminze begann die Verlockung seines Blutes in ihr zu wachsen, die Würze breitete sich aus, während das Prickeln von ihrer Zunge durch ihren Körper schoss und feuriges Verlangen anfachte, welches aus sich selbst geboren schien.
Wie Fishermen´s Friends: Sind sie zu stark, bist du zu schwach!, ging ihr durch den Kopf. Und sie war auf jeden Fall zu schwach für diesen Mann. Dass sie es wusste und trotzdem nichts dagegen tun konnte, war fatal und demütigend. In diebischer Freude spielte Xylos mit den Frauen. Sie waren ohne Bedeutung für ihn, wussten es, und ihre Bedeutungslosigkeit war ihnen egal. Ihr war es nicht egal und trotzdem ... Er hat dich gehabt und wird dich wieder bekommen.
Ihr Denken verblasste und wurde zu einer Nebensächlichkeit, als er ihren Mund von sich fortführte, nur um ihn mit seinen Lippen in Beschlag zu nehmen, und langsam und genüsslich mit ihm zu spielen.
Melanie wimmerte ungeduldig und öffnete ihren Mund mit einem Zungenschlag. Xylos Reaktion kam prompt und steigerte ihr Verlangen ins Unermessliche. Mit einem tiefen, kehligen Grollen griff er in die Flut ihrer seidigen Haare, hielt ihren Mund gegen seinen gepresst, ihr Gesicht an seinem und drückte sie zurück in die Matratze.
Seine Zunge stieß in einem gebieterischen Kuss tief in ihren Mund und brandmarkte ihre Seele. Xylos Mund und sein Kuss ließ sie wissen, wie er sie lieben würde.
Melanies Gedanken begannen zu schwirren, und die Realität verblasste endgültig, wurde beherrscht von einem einzigen Gedanken, einem einzigen Wunsch.
Sie reagierte in einem Freudentaumel der Erregung, von Sinneslust und Verlangen getrieben, zog ihn zu sich und protestierte nicht, als seine Finger und harten Handflächen über ihren Körper wanderten und jede einzelne Rundung erkundeten, als ob er ihren Körper auswendig lernen wollte. Seine Berührungen waren qualvoll und weckten tief in ihrem Inneren ursprüngliche, primitive Emotionen. Sie wollte ihn in sich. Jetzt.
Seine Hände schlossen sich plötzlich fest um ihre Hüften, drehten sie um und zogen sie hoch, so dass sie auf den Knien vor ihm hockte. Mit einem Mal waren seine Hände überall – massierten, streichelten, drückten und drängten. Bis ihre Haut glühte, und ihre Nerven zum Zerreißen angespannt waren und vor Wolllust vibrierten. Bis das Glühen zu einem tosenden Höllenfeuer anwuchs, in ihr pulsierte und sich in ihrem Schoß sammelte. Die erste Woge der Lust schlug über ihr zusammen, ließ Blitze aufzucken, die bis in ihre Mitte drangen.
Sie spürte seine Finger an ihrer Klitoris, das Liebkosen der pulsierenden Knospe in ihrem feuchten, angeschwollenen Fleisch, und die zweite Welle schlug über ihr zusammen. Dann erst glitt er in sie hinein und füllte sie tief aus, so tief, bis Melanie ihn in ihrem ganzen Körper spüren konnte.
Wie gesponnene Sinnlichkeit drang Melanies lustvolles Keuchen durch den Raum. Sie bäumte sich auf, doch Xylos drückte sie zurück nach unten, stieß noch tiefer in sie Jennifer Schreiner Honigblut hinein, fing sie in lustvollen Genüssen und wob sein Netz der Leidenschaft fester um die Vampirin.
Der Callboy war entschlossen, sie so lange zu lieben, bis sie nicht mehr denken konnte, bis sie nicht mehr den Willen besaß davonzulaufen oder an ihrer Liebe zu ihm zu zweifeln. Doch er benötigte die ganze Kraft seiner Erfahrung und jedes Quäntchen Selbstbeherrschung über das er je verfügt hatte, um ihr die tiefen Stöße zu geben, die sie brauchte, ohne selbst die Kontrolle zu verlieren.
Längst war die Selbstgefälligkeit aus seinem Gesicht verschwunden. Doch er hatte nicht vor, Gnade walten zu lassen. Er verschloss die Ohren vor ihrem verheißungsvollen Stöhnen, ignorierte die mäandernde Linie ihres Rückens und konzentrierte sich auf ihren Genuss und seine Kontrolle.
Er schob die schwere, seidige Masse ihres Haares beiseite, drückte mit geöffnetem Mund Küsse auf ihre Schultern und auf ihren Hals. Ließ sie seine scharfen Zähne spüren, die Bedrohung und den Genuss. Und bewegte sich in langsamen, gleichmäßigen Stößen, einem Rhythmus, der sie sowohl befriedigte, als auch hungrig auf mehr machte. Gnadenlos wartete er darauf, dass sie sich ihm überließ und ihm ihre Seele und ihren Körper verkaufte.
Melanie spürte die nächste Woge der Lust kommen, sah die Blitze, doch der Einschlag traf sie tief in ihrem Innersten, ließ alle Deiche brechen und spülte sie im Rausch der Flut in den Abgrund. Sie spürte, wie sie dahinschmolz, ebenso dahinschmolz wie all die anderen Frauen in seinem Leben – Untot – und ihn willkommen hieß – nicht nur in ihrem Körper, sondern auch in ihrem Herzen.
Melanies ungehemmter Schrei riss Xylos mit sich, zerrte an seinem Herzen und seiner Seele, und er verlor seine mühsam aufrechterhaltene Kontrolle.
*** Xylos erwachte orientierungslos und war sich nicht sicher, ob er tatsächlich wach war. Den süßen Frieden, der ihn umfangen hielt, hatte er lange verloren geglaubt. Am liebsten hätte er sich nie mehr bewegt, um den Zauber nicht zu zerstören, der auf dem flüchtigen Augenblick lag.
Er sah zur Seite auf seine bezaubernde Gespielin und hätte beinahe gelacht. Die sinnliche Verbindung, die zwischen ihnen bestand, erfüllte die Liebesspiele mit ihr mit einer Energie und Tiefe, die über das Übliche weit hinausgingen. Mit üblichen Dingen kannte er sich nur zu gut aus. Er hatte so viele Frauen gehabt, dass er aufgehört hatte zu zählen. Doch der Unterschied zu Melanie war ihm sofort bewusst geworden. Und trotz ihrer Unschuld musste sie es auch bemerkt haben.
Schlagartig verfinsterte sich sein Gesicht. Er hatte tatsächlich einfachen, normalen Sex mit ihr gehabt. Einmal war Zufall, zweimal war Pech und dreimal …
Dreimal war einfach dämlich und zeugte von Kontrollverlust.
Sicher konnte er das erste und das dritte Mal auf das Blut schieben, doch es war eine Lüge. Er war dem Blut nicht genug erlegen gewesen, um sich gehen zu lassen. Was ist bloß los mit dir? Wo ist der Xylos, der Frauen bitten und betteln lässt, der sie abhängig macht und ihnen zeigt, wer die Kontrolle und die Macht in einer Beziehung hat?
Der Callboy kannte sich zu gut, um nicht zu akzeptieren, dass er sich niemals gänzlich von dieser magnetischen Anziehungskraft würde befreien können, dieser süchtig Jennifer Schreiner Honigblut machenden primitiven Besitzgier, wenn er Melanie bloß ansah. Aber er würde diese Beziehung lenken!
Er beschloss, diesen Vorsatz sobald wie möglich in die Tat umzusetzen. Er würde Melanie von sich abhängig machen, sie zähmen und unterwerfen. Der Gedanke gefiel ihm, obwohl er wusste: Er würde ihr nie trauen können; so wie er keiner Frau trauen konnte. Niemals. Ohne Fesseln würde sie fortlaufen und nie zurückkommen. Schlimmer, sie würde ihn betrügen und belügen und in einen Hinterhalt locken, aus dem es kein Entrinnen mehr gab.
Das Zittern der Erinnerung trieb Xylos aus dem Bett und ans Handy. Das kurze Gespräch mit Maeve gab ihm einen neuen Rückhalt – und nachdem er von Magnus Tod berichtet hatte, eine neue Aufgabe.
Sein Blick ruhte auf Melanies Gestalt, die langsam zu erwachen schien. Er würde sie allein lassen und einsperren müssen. Aber vorher würde er ihr ihre erste Xylos-Lektion erteilen.
*** Als sie erwachte, warnte sie Xylos Lächeln. Aber die Vampirin war zu gesättigt von Blut und Sex und noch zu schläfrig, als dass sie sich wirklich hätte wehren können.
Ihre kurze Abwehr wurde von seiner Kraft überwältigt, ihre Handgelenke von seinen Händen eingefangen, und ihre Hände waren so schnell mit zwei seidigen Tüchern an die Bettpfosten gebunden, dass sie nur aufschreien konnte.
Seine Hand legte sich auf ihren Mund, und er betonte jedes einzelne Wort sehr sorgfältig. „Wenn du schreist, bin ich gezwungen, dich zu knebeln. Aber das möchte ich nicht!“
Melanie starrte ihn ungläubig an.
Doch erst als sie nickte, zog sich der Vampir zurück und verharrte reglos am Ende des Bettes. Es dauerte einen Augenblick, bis er sein wildes Verlangen wieder unter Kontrolle gebracht hatte. Was jetzt geschah, musste perfekt sein. Alles musste richtig sein. Sonst würde er sie verlieren.
Unter Xylos selbstsicherem Blick zog Melanie an den Seilen, doch die Knoten und die Tücher hielten. Knurrend zog sie vehementer.
Xylos sah zu, wie Melanie mit rein menschlicher Kraft versuchte, die Seile zu bezwingen, verriet ihr nichts von der Kraft ihres Willens und vampirischen Fähigkeiten, sondern ließ sie prüfen und kämpfen. Schließlich ließ sie sich zurücksinken und sah ihn herausfordernd an.
Innerlich frohlockte der Callboy. Der erste Schritt war getan, sie ergab sich. Nicht nur den Fesseln, sondern auch der Vorstellung, gefesselt und ausgeliefert zu sein.
In dem angespannten Schweigen zwischen ihnen war die Sinnlichkeit, die zwischen ihnen flackerte, deutlich zu spüren. Sie schien fast einen eigenen Willen zu haben, eine gefährliche, bezwingende Kraft.
„Ich will das nicht!“, behauptete Melanie und spürte ihre eigene Lüge.
Xylos schenkte ihr ein Lächeln. Er hätte die Lüge auch ohne vampirische Fähigkeiten aufgespürt. Kannte er doch die Frauen zu gründlich, um nicht von dem Kampf zu wissen, der in der Vampirin tobte. Dem Kampf gegen ihre eigenen Wünsche, gegen das Verlangen, das durch das Seine in ihr geweckt worden war. Jennifer Schreiner Honigblut
„Bitte!“, flehte sie leise, nicht in der Lage, seinem Blick standzuhalten.
Xylos schüttelte den Kopf. Keine Gnade. Sie hatte in ihm den Wunsch geweckt, die Zeit zurückzudrehen. Wieder lebendig zu sein, voller Unschuld und Vertrauen, und jetzt musste sie den Preis bezahlen in einer Währung, die ihm gefiel.
„Ich werde dir zeigen, wie meine Welt ist, dich in ein Labyrinth der sinnlichen Freuden entführen und dich dort gefangen halten, bis Leidenschaft wie Lava durch deine Adern fließt. Bis du nass und heiß bist, und ich dich ausfüllen und in dem Feuer deines Verlangens baden kann“, versprach er. Er wusste, dass es nicht Lust war, die eine Frau an den Rand der Ekstase brachte, sondern in erster Linie das Versprechen der Lust.
Melanie war fassungslos über Xylos Versprechen, ein Bolzen purer Lust und Erregung durchfuhr sie und ungeahnte Fantasien und Wünschte regten sich so intensiv in ihr, dass sie nicht registrierte, wie der Vampir näher kam. Bis er sie küsste. Sie verging in seiner Sinnlichkeit. Sie war nackt, ihm ausgeliefert und stand in Flammen, obwohl er nichts weiter tat, als ihren Mund zu plündern.
Denn er küsste sie nicht nur, er machte Besitzrechte geltend. Er nahm ihren Mund mit einer Eindringlichkeit in Besitz, als hinge sein Leben von ihren Küssen ab.
„Ich will sehen, welche Gipfel der Lust du erklimmen kannst, wie hoch ich dich steigen lassen kann, ehe du zusammenbrichst“, hauchte Xylos gegen ihre Lippen.
Melanie versuchte einen Sinn aus seinen Worten herauszuhören, was ihr jedoch nicht gelang. Nicht, während seine Hände über ihren Körper wanderten und ihn von der seidigen Decke befreiten. So liebkosend und mit solcher Intensität, dass sie eine Gänsehaut bekam.
Der Vampir ließ seine Finger über das Gesicht seines Geschöpfs flattern, bis sie die Augen schloss und sich dem Genuss hingab, den er ihr nur zu gerne schenken wollte; ließ sie über ihren Hals gleiten, liebkosend über ihren Busen, ihren Bauch; von ihrer Hüfte in einer mäandernden Linie über ihre Wade bis hinab zu ihren Knöcheln und wieder zurück. So sanft, dass sie das Gefühl hatte zu zerbersten, als er von ihr abließ und zur Tür der Nachtkonsole griff.
Sie blinzelte, roch das Öl schon, bevor sie die Flasche in seiner Hand sah.
Ätherisch und verführerisch. Eine Mischung aus Mandelblüten und etwas Schwererem, kaum fassbar und betörender als alles, was sie je gerochen hatte. Exquisit und auf ihn zugeschnitten. Oder auf dich!
Xylos goss einige Tropfen des eigens für ihn kreierten Körperöls in seine Hand. Kein Wunder, dass dich allein ihr Geruch um den Verstand bringt!, er warf seinem Geschöpf einen lächelnden Blick zu. Ob sie so riecht, weil du sie erschaffen hast, und es dein Lieblingsgeruch ist?
Er massierte ihren rechten Fuß, ihren Knöchel und die Wade. Ein wohliges Seufzen drang über Melanies Lippen, ließ ihn wissen, dass sie entspannte und vertraute, während er die Prozedur auf ihrer linken Seite wiederholte. Erneut goss er Öl in seine Handflächen, massierte von ihrer Wade über die Knie zu ihren Schenkeln aufwärts.
Xylos träufelte ein paar Tropfen des Öls auf ihren Bauch, rieb es in kleinen Kreisen in ihre Haut und mied jede Berührung der primären und sekundären Geschlechtsorgane, obwohl ihre Brustwarzen aufgerichtet waren und empfindlich auf Berührung zu hoffen schienen. Er wandte sich ihren Armen zu und ihren Schultern. Massierte, verrieb und knetete, bis der verlockende Duft so eindringlich und betörend wie ein Aphrodisiakum in der Luft hing. Jennifer Schreiner Honigblut
„Bitte ...“, flehte Melanie und wusste selbst nicht, um was genau sie bat.
Xylos verbarg seinen triumphierenden Gesichtsausdruck. Wenn sie wüsste, wie lange er vorhatte sie auf dem Rand der Ekstase tanzen zu lassen, würde sie schreiend protestieren. Doch nur dort ließen Frauen wirklich los; erst wenn sie jenseits aller Heuchelei und Verstellung waren, jenseits aller Zurückhaltung; dann fiel ihre äußere Maske ab, und sie hörten auf zu täuschen.
Wieder ließ er seine Hände über ihren Körper gleiten, strich über ihren Schamhügel, vergrub seine Finger kurz in ihrem Haarnest und wandte sich wieder den Innenseiten ihrer Schenkel zu.
Melanies Füße verschränkten sich, sie versuchte die Schenkel fest zusammenzupressen. Es war ihre letzte Verteidigung gegen die Lust, die bei jeder winzigen Berührung durch sie tobte. Und aus diesem Grund nahm Xylos ihr diese Möglichkeit, löste ihre Knöchel und spreizte ihre Beine, um beides zu binden.
„Nein!“, widersprach Melanie, doch Xylos legte ihr seinen Zeigefinger auf die Lippen. „Ssscht, meine Schöne! Sonst muss ich dich knebeln.“
Ihr Gesichtsausdruck zeigte das Wissen um ihre plötzliche und komplette Hilflosigkeit.
Xylos hatte sich längst daran gewöhnt, jede Frau an den Rand der Ekstase zu führen, um einen winzigen Blick in ihre wahre Persönlichkeit zu werfen und sie für Sekunden zu lieben. Nur dort konnte er ihnen vertrauen, nur dort gehörten sie ihm – ohne Wenn und Aber – und nur dort war er sicher vor Enttäuschung.
Er war versucht, sein Gesicht in Melanies Haaren zu verbergen, damit sie aufhörte ihn anzusehen.
Ihr Gesichtsausdruck hatte nichts von dem der anderen Frauen. Sie versuchte nicht einmal, sich zu verstellen, die Unbeteiligte zu spielen oder so zu tun, als habe sie alles unter Kontrolle. Sie wirkte nur ehrlich und verletzlich, schrecklich verletzlich.
Für Sekunden fragte sich Xylos, ob er das Richtige tat. Doch ihr Körper wollte es, verlangte nach ihm.
Melanie spürte Xylos Zögern, und bevor ihr Verstand eingreifen konnte, ihre Befürchtungen und Ängste eine Stimme fanden, formte ihr Mund schon eine Bitte: „Hör nicht auf!“
Xylos blinzelte, dankbar ob ihrer Erlaubnis, ihrer Einwilligung in ihre vollständige seelische Entblößung. Er wandte sich Melanies ungewohnt empfindlicher Körperstelle zu, die er zuvor schon bestaunt hatte: Ihre Brüste. Handlich und fest, die rosigen Brustwarzen bereits hart aufgerichtet und geschwollen.
Melanie befeuchtete nervös ihre Lippen. Sie hatte schon vorher sein Interesse an ihren Brustwarzen bemerkt, kam nicht umhin, sich selbst über ihre plötzliche und ungewohnte Empfindsamkeit zu wundern, und versuchte sich für die Berührung zu wappnen, die unweigerlich kommen würde.
Xylos fing ihren Blick ein und hielt ihn fest, während er seine rechte Hand ein Stück über ihren linken Busen hielt und sie langsam senkte, bis seine Handfläche ihre aufrecht stehende Warze berührte. Die Berührung war sanft, kaum spürbar, und doch glaubten ihre aufgewühlten Sinne ihn viel tiefer, viel intensiver und verschmelzender zu spüren, als menschenmöglich.
Dann begann er seine Hand zu bewegen, hin und her, quälend langsam, wobei er nur die Spitze ihrer Brustwarze berührte. Hin und her, hin und her, dann dasselbe an ihrer Jennifer Schreiner Honigblut anderen Brust, bis er bei jedem zweiten Richtungswechsel zwischen ihnen hin und her pendelte. Sie versuchte ihn zu stärkeren Berührungen zu zwingen, bog sich durch, um ihre Brust tiefer in seine Hand zu pressen, doch er wich aus, drückte sie mit seiner linken Hand zurück auf die Matratze, hielt sie dort ruhig, bevor die Bewegungen seiner Rechten schneller wurden.
Xylos gab ihr nur einen Bruchteil des Drucks, den sie brauchte, ließ sie das Versprechen einer Erlösung spüren, die er hinauszögern wollte, bis sie ihn abermals bat.
Seine Handfläche bewegte sich schneller, er verstärkte den Druck kaum merklich, und doch stöhnte Melanie leise auf, gefangen in den winzigen Spuren der Lust, die sich von ihren Brustwarzen durch ihren Körper zogen, gleißend helle Lichtbahnen in ihren Adern hinterließen und zuckende Nerven.
Ein weiterer Seufzer entkam ihr. Es war immer noch zu wenig, was er ihr gab, doch es war wenigstens etwas. Druck. Reibung.
Der Callboy wusste, dass sich Melanie nach mehr sehnte, sah es an ihrem Gesichtsausdruck und daran, dass er Kraft benötigte, ihren Körper mit der Linken ruhig zu halten. Er senkte seine Hand noch weiter. Den Bruchteil eines Zentimeters.
Melanie bebte nun nahezu in dem Rhythmus, den Xylos Handbewegungen ihr vorgaben, versuchte gar nicht, seine Wirkung auf sich zu leugnen oder ihren Körper unter Kontrolle zu halten. Es gab nichts, was sie diesem Mann oder seinen Berührungen entgegenhalten konnte. Ihr ganzes Sein, ihre ganze Existenz schien nur noch um ihn zu kreisen, um seine Bewegungen und die Magie, die er um sie und ihr Verlangen gesponnen hatte.
Sie konnte spüren, wie das Pulsieren in ihrem Unterleib stärker wurde, mit Nachdruck nach mehr schrie, pochte und klopfte und sich immer mehr auf einen einzigen Punkt konzentrierte.
Xylos bewegte seine Hand schneller. Dann nahm er sie weg.
Melanie bäumte sich empor, dorthin, wo die Hand noch Sekunden zuvor gewesen war, zerrte an ihren Fesseln, doch da war nichts mehr, keine Berührung. Ihre Fesseln waren zum Zerreißen gespannt. Nichts. Nur noch Xylos Linke, die sie zurückdrückte, sanft und nachdrücklich.
Ein unkontrolliertes, krampfartiges Zucken durchlief ihren Körper, und zum ersten Mal verstand sie, welches Versprechen in den straffen, unnachgiebigen Fesseln verborgen war. Das Versprechen der Erlösung. Einer langen, qualvoll beschwerlichen Erlösung.
Sie wimmerte leise.
Xylos beobachtete Melanies kurzen Kampf, als sie zum ersten Mal versuchte, ihn auszuschließen und nicht mehr an ihrer Lust teilhaben zu lassen. Sie versuchte sich vom Rand wegzukämpfen, ihr Gesicht und ihren Körper unter Kontrolle zu zwingen, ihn nur noch sehen zu lassen, was sie ihn sehen lassen wollte. Begriff, wie viel von sich sie von Anfang an preisgegeben hatte.
Kurz wurde ihr Gesicht so leer und abweisend wie das der anderen schönen Frauen, die Xylos besessen hatte, und ebenso kurz bereute er seinen Entschluss, sie wie all die anderen leiden zu lassen und zu unterwerfen.
Doch bei der ersten neuerlichen Berührung seiner Hand war beides vergessen. Melanie wurde wieder zu flüssigem Feuer unter seinen Händen, ungezähmt und ungezügelt einer Lust ausgeliefert, die sie nicht verstand und nicht kontrollieren konnte. Jennifer Schreiner Honigblut
Xylos sah zu, wie sich die Vampirin unter seinen Händen wand, hilflos aufgrund von Berührungen, die immer noch so geringfügig waren, dass eine weniger empfindliche Frau sie kaum gespürt hätte. Er gab ihr mehr Druck, so stark, wie sie es sich wünschte. Dann keinen mehr, wieder mehr, dann keinen; ein weniger mehr, dann wieder keinen.
Ein paar Sekunden verzichtete er auf jede Berührung, bevor er ihr wieder Druck zugestand.
Melanie versuchte den Fesseln, ihrer Gefangenschaft und Xylos Berührungen zu entkommen. Doch er schien überall das Netz der taumelnden Leidenschaft über sie geworfen zu haben, hielt ihrem letzten Widerstand stand.
Melanies Aufschrei schmeichelte Xylos. Er fühlte die krampfartigen Zuckungen ihres Körpers unter seinen Fingerspitzen; sah, wie sie ihren Rücken durchbog, um sich gegen die anbrandende Flut der Ekstase zu stemmen.
Trotz seiner Kontrollvorsätze war der Wunsch, Melanie zu besitzen, mit einem Mal da – und die davon ausgehende Verlockung.
Ihre Bitte kam seiner Entscheidung zuvor. Wurde atemlos geäußert, bar jeglicher Arroganz oder Demut. Sie bat genau um das, was sie wollte: „Fick mich.“
Er war ihrem Wunsch nachgekommen, bevor sein Verstand mit einer Warnung eingreifen konnte, und Melanies erster Schrei war ein Schrei der Erleichterung. Endlich konnte sie nachgeben, aufnehmen und entgegenhalten. Aber Xylos hielt sie fest, nahm erst allmählich Rhythmus auf, während er das Tempo bestimmte.
Sein Geschöpf krümmte sich in Zuckungen, ihre enge Scheide pulsierte, umschloss ihn heiß und feucht und die Geräusche, die über ihre Lippen kamen, waren magisch. Ebenso magisch wie ihr Gesicht. Offen und unverstellt, bar jeder Maske.
Xylos brach mit seiner Regel, das Gesicht seiner Liebesgespielin immer bis zum Finish zu beobachten, und schloss die Augen. Er akzeptierte, dass Melanie nicht nur wunderschön war, sondern ehrlich. Ebenso ehrlich, wie die drei Mal zuvor. Bar jeglicher Verstellung und Vortäuschung.
Die Erkenntnis traf ihn, riss die Verteidigungswälle ein, die er um seine Seele gebaut hatte, und das Feuerwerk seiner plötzlich angefachten Besitzgier explodierte gemeinsam mit ihrer Lust, katapultierte sie gemeinsam auf einen Höhepunkt, auf dem nur noch sie beide existierten, und die Realität in Bedeutungslosigkeit versank. Jennifer Schreiner Honigblut