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Stavros, der außerhalb seines Schlittengehäuses saß, in der Zurückgezogenheit seines eigenen Quartiers, sah wie ein Mann aus, der nicht geschlafen hatte. Auf dem Schreibtisch vor ihm lag ein dicker Hefter mit Papieren, zerknittert und zerlesen: die Arbeit von Tagen, ihn anzufertigen; die Arbeit einer Nacht, ihn zu lesen.

Duncan sah ihn und wußte, daß dies eine Ausgabe seiner Arbeit war, der Stunden, die er mit dem Schreiben und Überarbeiten dessen verbracht hatte, das nur ein Mann, dessen war er sicher jemals lesen würde. Berichte, die nicht an Boaz oder Luiz gehen würden, nicht einmal an die Sicherheit: dies würde niemals Eingang in die Berichte finden, wenn es Stavros' Absichten zuwiderlief.

»Setzen Sie sich!« sagte Stavros.

Duncan tat, wie geheißen, Gegenstand der Musterung durch Stavros' blasse Augen, auf einer Höhe mit seinen. Er hatte nicht das Gefühl, etwas vollbracht zu haben, vielmehr, alles getan zu haben, was ihm zu tun oblag, und daß er damit wahrscheinlich gescheitert war, wie alle anderen Dinge es nicht geschafft hatten, bei Stavros etwas zu ändern. Er hatte sich mit diesem Bericht mehr abgemüht als mit jeder anderen Aufbereitung einer Mission zuvor. Und noch während der Arbeit hatte er eine verzweifelte Angst verspürt, daß alles umsonst sein könnte, daß man ihn nur dazu aufgefordert hatte, um seine Proteste zu beschwichtigen, und daß Stavros es halbgelesen weglegen würde.

»Dieser sogenannte Mri-Schrein«, sagte Stavros. »Sie wissen, daß die Regul darüber beunruhigt sind. Sie haben Angst. In ihrem Denken verbinden sie all diese Mri-Sachen miteinander: den Schrein, das Artefakt, die Tatsache, daß wir uns bemühen, zwei Mri am Leben zu halten – und nicht zuletzt Ihren Einfluß. Das alles formt sich zu einem Muster, das ihnen nicht gefällt. Wissen Sie, daß die Regul behaupten, Sie und Galey gerettet zu haben?«

Duncan fluchte fast, erstickte es. »Das stimmt nicht.«

»Erinnern Sie sich, daß Ihre Lage da draußen einem Regul verzweifelt erscheinen mußte. Ein Regul hätte diese Strecke nicht gehen können. Es wurde Nacht, und sie haben schreckliche Angst vor der Dunkelheit in der freien Wildnis. Sie behaupten, das gelandete Flugzeug ausgemacht und sich daraufhin um Ihre Sicherheit Sorgen gemacht zu haben; daß sie versucht haben, über unsere Mannschaften bei ihren Forschungsarbeiten zu wachen, aus Furcht, ihnen könnte etwas zustoßen, für das die Regul vielleicht verantwortlich gemacht würden.«

»Glauben Sie das wirklich, Sir?«

»Nein«, sagte Stavros rundweg. »Ich schreibe es eher der Neugier zu. Im besonderen Hulaghs Neugier. Er hat ein mörderische Angst vor dem, was die Mri tun könnten, vor allem, worin sie ihre Hand haben. Ich denke, er ist völlig besessen von der Furcht, daß einige überleben und ihn zur Rechenschaft ziehen könnten. Ich bin offen zu Ihnen. Dies ist nicht für Ohren außerhalb dieses Zimmers gedacht. Jetzt sagen Sie mir eines: gab es einen Zusammenstoß, irgendeine offenkundige Drohung von Seiten der Regul, die Sie getroffen haben?«

»Sie legten keine Hand an uns. Aber unsere Sachen...«

»Ich habe das gelesen.«

»Ja, Sir.«

»Sie haben gut genug reagiert«, sagte Stavros mit einem leichten Stirnrunzeln. »Ich denke jedoch, daß hier ein bestimmtes Interesse an Ihnen persönlich angedeutet wird, wie auch an den Mri-Relikten. Ich denke, daß Ihre Anwesenheit sie dorthin gelockt hat. Und wenn ich Ihnen nicht Galey mitgegeben hätte, hätten Sie einen Unfall haben können. Sie haben Vorsichtsmaßnahmen vernachlässigt.«

»Ja, Sir.«

»Sie werden Sie töten, wenn sie können. Ich kann mich damit befassen, nachdem es passiert ist, aber ich kann es nicht verhindern. Nicht, solange Sie in bequemer Reichweite für sie sind. Und warum dieser Schrein, Duncan? Warum dieses Artefakt?«

»Sir?«

»Warum glauben Sie, war das so wichtig? Warum haben die Mri ihr Leben riskiert, um diesen Ort aufzusuchen und das Ding zu holen?«

Duncan gestikulierte unbestimmt zu dem Bericht auf dem Schreibtisch. »Religion. Ich habe erklärt...«

»Sie waren in diesem sogenannten Schrein. Ich habe die Bilder gesehen, die Sie herausgebracht haben. Glauben Sie wirklich, daß das eine Stätte der Anbetung ist?«

»Sie ist wichtig für Sie.« Er wußte nichts anderes zu sagen. Andere Schlüsse konnten aus den Photos gezogen werden: Computerbänke, Waffen, Kommunikationsanlagen – all die Möglichkeiten, vor denen sich die Regul fürchteten, die die Verbündeten der Regul zu fürchten haben würden.

»Sie haben recht: sie ist wichtig für sie. Boaz hat Ihr Ei aufgeschlagen, Duncan. Das Ding ist offen.«

Das erschütterte ihn. Er hatte das für unwahrscheinlich gehalten – hatte gedacht, daß wenn es geöffnet werden mußte, dazu die Hilfe und Kooperation der Mri nötig sein würde; daß darüber verhandelt werden könnte. Aber Boaz' plumpe Hände, die mit Punktsonde und Kontaktbürste arbeiteten, mit all den Möglichkeiten der FLOWER-Techs unter ihrem Kommando – sie hatten Erfolg gehabt, und jetzt war den Mri nichts mehr geblieben, das ihnen gehörte.

»Ich hatte nicht gedacht, daß das so rasch möglich sein würde«, sagte Duncan. »Was sagte der Bericht, war es...?«

»Ist. Was es ist. Boaz sagt, daß es zum Öffnen bestimmt war, ohne Schwierigkeiten für jemanden mit der richtigen Technik, und es gab einige Gewißheit, daß es keine Waffe ist, was Ihre Bilder für meine Begriffe bestätigten. Es ist eine Art Aufzeichnungsgerät. Der linguistische Teil ist unklar – es gibt da eine Art geschriebener Aufzeichnungen; und es gibt keinen der die Mri-Sprache fließend beherrscht, der die Schrift entziffern kann. Aus offenkundigen Gründen wollen wir die Regul nicht konsultieren. Aber es gibt da auch numerische Daten, in Symbolen, die dazu entworfen sind, von jedermann leicht entziffert werden zu können; es gibt dazu sogar einen graphischen Schlüssel. Ihr heiliger Gegenstand, Duncan, und dieser sogenannte Schrein, sind eine Art Aufbewahrungsstätte für Aufzeichnungen, und die wollten sie haben, waren ihnen wichtiger als ihr Leben. Welche Art Unterlagen können so wichtig sein?«

»Ich weiß nicht.«

»Numerische Aufzeichnungen. Serien von numerischen Daten. Welche Art von Unterlagen kommt Ihnen da in den Sinn?«

Duncan schwieg für einen Moment. Aufgrund seiner begrenzten Erfahrungen kam ihm nur eine Sache in den Sinn. »Navigationsunterlagen«, sagte er schließ- lich, weil Stavros darauf wartete, solch eine Antwort zu hören.

»Ja. Und ist es nicht merkwürdig, daß sie so ein Ding haben wollten, wenn sie kein Schiff haben?«

Duncan saß da und bedachte die verschiedenen Möglichkeiten, und nur über wenige davon war das Nachdenken angenehm.

»Dadurch wird ein weiterer Gedanke widerlegt«, meinte Stavros, »daß die Mri ihre ganze Technologie von den Regul hatten, daß sie Analphabeten waren und kein eigenes technisches Wissen hatten.« Er suchte ein Photo heraus, das mit dem Bild nach unten auf dem Tisch lag, schob es herüber. »Von dem Artefakt, zehnfache Vergrößerung.«

Duncan studierte es. Es zeigte eine goldene Platte mit eingravierten Symbolen, im Detail sehr komplex. Es wäre sogar eine sehr feine Arbeit gewesen, wenn das Original so groß gewesen wäre wie das Bild.

»Eine Platte nach der anderen«, sagte Stavros, »wertvoll nur wegen des Metalls. Boaz vertritt die Theorie, daß sie nicht alle von einer Hand angefertigt wurden, und daß die erste dieser Serie sehr alt ist. Techniken von großer Verfeinerung oder viel Geduld, eines von beiden, und als dauerhaft vorgesehen. Man hat mir berichtet, daß diese Mathematik sehr kompliziert ist; man hat auf Computer zurückgegriffen und versucht, die Serie als Navigationsband zu duplizieren und einen Bezugspunkt dafür zu finden. Selbst so scheint es über unsere Möglichkeiten hinauszugehen, eine sorgfältige Analyse durchzuführen. Wir werden vielleicht gezwungen sein, auf die Laboratorien von Haven zurückzugreifen, und das wird Zeit dauern. Sehr viel Zeit. Aber Sie bleiben dabei, nicht gewußt zu haben, was sich da in Ihren Händen befand.«

»Ja, Sir.« Er begegnete Stavros' Blick, ohne zurückzuweichen was die einzig mögliche Verteidigung war. »Ich wußte es damals nicht, und ich bin mir nicht einmal jetzt sicher, daß die Mri es wußten. Vielleicht sind sie von eigenen Auftraggebern geschickt worden und hatten keine Vorstellung, warum. Aber ich stimme damit überein, daß sie es sehr wahrscheinlich doch wußten.«

»Können Sie es aus ihnen herausholen?«

»Nein. Nein, ich denke nicht.«

»Sie scheinen ein Schiff erwartet zu haben – wenn dieses Band das ist, was es zu sein scheint.«

»Ich denke nicht, daß sie das getan haben. Sie wollten den Planeten verlassen, ja, aber sie haben nichts erwartet. Das ist ein Gefühlsmäßiges Urteil, das auf dem allgemeinen Ton dessen beruht, was sie sagten und taten, aber ich glaube daran.«

»Möglicherweise ein sehr wertvolles Urteil. Aber vielleicht begehen sie nicht Ihren Fehler, Duncan, alle Regul als gleich anzusehen. Die Mri hatten speziell mit Doch Holn zu tun; Alagn ist Holns Rivale; und Holn... Holn hat Schiffe

Kälte senkte sich vom Gehirn in den Magen. Das Argument war einleuchtend. »Ja, Sir«, sagte Duncan ruhig. »Aber das wäre eine Frage der Kontaktaufnahme.«

»Der sogenannte Schrein – ist eine Möglichkeit.«

»Nein.«

»Wieder ein gefühlsmäßiges Urteil?«

»Dasselbe Urteil. Die Mri sind erledigt. Sie wissen das.«

»Das sagt Alagn; vielleicht sagen es auch Ihre Mri. Vielleicht lügt keiner von beiden. Aber Regul sagen manchmal nicht alles, was sie wissen. Vielleicht halten es die Mri genauso. Vielleicht haben wir nicht die richtigen Fragen gestellt.« Mit zitternder Hand hob Stavros eine Tasse und trank, setzte sie wieder ab. »Die Mri sind Söldner. Stehen Ihre zur Anwerbung?«

Die Frage bestürzte ihn. »Möglich. Ich weiß nicht.«

»Ich denke, daß alle Regul davor Angst haben. Ich denke, daß das eines von verschiedenen Dingen ist, vor denen Hulagh verzweifelt Angst hat, daß er, wo er die Mri verloren hat, feststellen müßte, daß die Menschheit sie nun besitzt. Und sie benutzt. Was ist ihr üblicher Preis. Wissen Sie das?«

»Nein.« Er betrachtete Stavros und entdeckte diesen merkwürdigen, halb spöttischen Umgang mit der Wahrheit. Er legte das Bild auf den Schreibtisch zurück. »Was schlagen Sie vor?«

»Gar nichts. Ich frage mich nur, wie gut Sie die Mri kennen.«

»Darüber haben wir nicht diskutiert.«

»Nach Ihren Unterlagen sind Sie ein geschickter Pilot.«

Er blickte Stavros ausdruckslos an.

»Richtig?« fragte dieser.

»Wenn es in den Unterlagen steht.«

»Die Operationen bei Elag/Haven erforderten etwas interstellare Navigation.«

»Ich hatte ein völlig automatisiertes Schiff. Ich kann mit system-interner Navigation umgehen; aber für die Transit-Operationen war alles auf Band.«

»Das ist recht gut für das, mit dem wir es hier zu tun haben, nicht wahr?«

Duncan wußte für einige Momente nichts zu sagen.

»Läuft das alles irgendwie zusammen?« wollte er schließlich wissen. »Worauf wollen Sie wirklich hinaus?«

»Übernehmen Sie die Verantwortung für die Mri. Nehmen Sie das Artefakt, das Ei. Sie sagen, daß Sie mit den Mri umgehen können. Oder ist das letztendlich nicht so?«

Duncan lehnte sich auf seinem Stuhl zurück, legte Abstand zwischen sich und den alten Mann und holte mehrmals tief Atem. Er kannte Stavros, aber – fiel ihm plötzlich ein – nicht gut genug.

»Haben Sie Zweifel?« fragte Stavros.

»Jeder vernünftige Mensch würde Zweifel haben. Nehmen Sie die Mri und machen Sie was? Was soll das mit der Navigation?«

»Ich frage Sie, ob Sie wirklich denken, daß Sie mit den Mri umgehen können.«

»In welcher Hinsicht?«

»Ob Sie mehr herausfinden können als das, was Sie mir in Ihrem Bericht sagen. Ob Sie mit Gewißheit für Kesrith feststellen können, daß die Mri kein Problem sein werden oder daß Holn nicht noch mehr von ihnen in der Hand hat.«

Duncan beugte sich wieder vor, stützte die Arme auf die Vorderseite von Stavros' Schreibtisch, wußte nur zu gut, daß Täuschung im Spiel war. Er blickte Stavros in die Augen und war sich dessen sicher, so höflich und unschuldig Stavros' Ausdruck auch war. »Sie lassen sich von meinem Rat nicht beeinflussen. Sie wollen mich blind wegschicken, und da ist noch etwas anderes im Gang. Kann ich erfahren, worum es sich da handelt? Oder soll ich raten?«

Sie hatten eng nebeneinander gelebt, hatten geteilt, er und der alte Mann. Er stützte sich verzweifelt auf diese Tatsache, erkannte Übelnahme und ein langsames Nachgeben in Stavros' Ausdruck. »Zwischen uns«, sagte Stavros.

»Zwischen uns.«

Stavros runzelte die Stirn, seine Lippen zitterten vor Anspannung. »Ich möchte die Mri von Kesrith weg haben, sofort. Ich werde die FLOWER zur Station hinaufschicken, wo sie ungehindert ihre Arbeit fortsetzen kann. Die Regul sind äußerst nervös wegen der Mri seit Ihrem Besuch in Sil'athen. Und es ist nicht ausgeschlossen, daß in naher Zukunft ein Regul-Schiff ankommt. Hulagh sagt, daß sein Doch beunruhigt sein wird, da er seinen Plan mit einem Schiff nicht eingehalten hat, das ihm von ihrer zentralen Organisation anvertraut wurde. Sein Verlust wird ein schwerer Schlag für Alagn sein. Und er macht sich Sorgen. Er regt sich ständig über das Thema Mißverständnisse auf und fordert eine Möglichkeit für sich, den Planeten zu verlassen, um seinen Schiffen entgegenzufliegen. Wenn hier Regul-Schiffe ankommen, möchte ich nicht, daß eines von unseren auf der Oberfläche erwischt wird. Ich denke, die FLOWER aufsteigen zu lassen, wird die Chance eines Zwischenfalls minimal halten. Die SABER und die HANNIBAL verfügen über Schilde, die zusammen ausreichen, die Station und die Forschungsschiffe zu schützen, wenn es Probleme geben sollte. Aber wenn die Mri irgendwo für die Regul erreichbar sind, kann es leicht Schwierigkeiten geben. Die Regul reagieren panisch, wo es um die Mri geht.«

»Das habe ich erlebt«, sagte Duncan bitter.

»Ja«, sagte Stavros. »Der Bai hat wiederholt nach dem Artefakt gefragt. Ich wage zu behaupten, daß er nicht gut schläft. Wenn Sie ein Schiff, die Mri und das Ei zu Ihrer Verfügung hätten, Duncan, denken Sie, daß Sie die Natur dieser Aufzeichnungen herausfinden könnten?«

Duncan stieß langsam den Atem heraus. »Allein?«

»Sie würden den Originalgegenstand dabeihaben. Die Mri würden zweifellos darauf bestehen; und wir haben das Objekt in Holos vervielfältigt – also riskieren wir nicht mehr als den Museumswert des Stükkes, so beträchtlich der auch sein mag. – Unter den Umständen ein vernünftiges Risiko.« Stavros nahm einen langen Schluck und setzte die Tasse mit einem verräterischen Klappern auf dem Tisch ab. Sein Atem ging schwer. »Nun?«

»Sagen Sie mir offen«, meinte Duncan, »worum es dabei geht. Wie weit. Wohin. Welche Wahlmöglichkeiten?«

»Keine Zusicherungen. Keine eindeutigen Versprechungen. Wenn die Mri Holn-Unterstützung suchen, werden Sie das Schiff verlieren, Ihr Leben – was auch immer. Ich bin bereit, auf Ihre Überzeugung zu setzen, daß sie es nicht tun werden. Sie können herausfinden, was das für ein Band ist und vielleicht – vielleicht – mit den Mri verhandeln. Sagen Sie es mir! Wenn Sie denken, daß es unmöglich ist, sagen Sie es! Aber auf die Computer von Haven zurückzugreifen, wird Monate dauern, ein Jahr – während hier auf Kesrith die Regul-Mri-Frage über uns hängt und wir keine Idee haben, was für einer Sache wir da gegenüberstehen. Wir müssen Bescheid wissen.«

»Und wenn ich ablehne?«

»Ihre Mri würden sterben. Keine Drohung: Sie wissen, wie das läuft. Wir können sie nicht gehenlassen; sie würden die Regul erwischen oder die Regul sie. Wenn wir sie behalten, wie sie sind, werden sie sterben. Das war immer so.«

Das entsprach natürlich der Wahrheit.

»Mehr als das«, meinte Stavros, »wir alle sitzen hier auf Kesrith an der Front. Und da gibt es noch die Vertragsangelegenheit, bei der es um mehr geht als Kesrith. Sie schätzen das richtig ein, da bin ich sicher. Sie sagten, daß Sie vernünftig mit ihnen reden können. Sie haben das gesagt. Ich gebe Ihnen Ihre Chance.«

»Das stand nicht im Vertrag. Ich habe keinen außerplanetarischen Aufträgen zugestimmt.«

Stavros blieb reglos. Duncan blickte ihm in die Augen, war sich voll dessen bewußt, was der Vertrag auf kolonialem Gebiet wert war – daß sein Einverständnis in Wirklichkeit nur eine Formalität war.

»Es ist eine Aufgabe für einen ObTak«, meinte Stavros schließlich. »Aber halten Sie sich raus, wenn Sie nicht glauben, daß Sie es schaffen können.«

»Ein Schiff«, sagte Duncan.

»Da ist das Forschungsschiff FOX. Unbewaffnet. Auch Einschließmöglichkeiten, wenn es Probleme an Bord geben sollte. Aber ein einzelner Mann kann es steuern.«

»Ja, Sir. Ich kenne die Klasse.«

»Boaz wird gerade mit den Holos fertig. Die FLOWER startet heute nachmittag zur Station, egal wie Sie sich entscheiden. Wenn Sie Zeit brauchen, um zu überlegen, kann eine Fähre Sie später zur Station hinaufbringen, aber nehmen Sie nicht zuviel Zeit in Anspruch, um zu einer Entscheidung zu kommen.«

»Ich werde gehen.«

Stavros nickte langsam und atmete langsam aus. »Gut«, sagte er, und das war alles.

Duncan stand auf, ging durch den Raum zur Tür, blickte sich um. Stavros sagte nichts, und Duncan ging hinaus mit einer Mischung aus Groll und Bedauern gleichermaßen.

Er mußte seine Ausrüstung zusammenpacken, mehr nicht. Er hatte sein ganzes Leben unter diesen Bedingungen verbracht. Es würde etwa fünf Minuten dauern.

Regul starrten ihn an, während er durch die Halle zu seinem Zimmer ging, waren immer noch interessiert, als er mit seinem persönlichen Gepäck über der Schulter zurückkam – eine Last trug, was weder Regul noch Mri tun würden: die Regul nicht ohne eine Maschine, und die Mri – niemals.

Sie alle sperrten den Mund auf, was bei Regul ein Lächeln sein konnte – und, dachte er, es war ein Lä- cheln der Freude, weil sie erkannten, daß er fortging.

Der Mri-Mensch, hatte er sie ihn nennen hören, und Mri war wie ein Fluch ausgesprochen worden.

»Leben Sie wohl, Mensch!« rief ihm einer zu. Er ignorierte es, wußte, daß sie ihm nicht aus Freundlichkeit Lebewohl wünschten.

Für einen Moment verspürte er Traurigkeit, als er draußen über den Straßendamm ging. Er blieb stehen und betrachtete die Berge mit der Vorahnung, daß es zum letztenmal geschah.

Ein Mensch konnte Kesrith nicht gänzlich lieben: nur die Dusei mochten das tun. Aber hiernach gab es für Duncan nur die kalte, sterile Umwelt von Schiffen, wo es keinen giftigen Wind gab, keine Erde unter den Füßen, und wo Arain ein naher und deshalb gefährlicher Stern war.

Er hob sein Bündel wieder über die Schulter und ging über das hallende Gitterwerk zur herabgelassenen Rampe. Er wurde erwartet. Diesmal unterzeichnete er an Bord als Mannschaftsangehöriger, ein nur deswegen unvertrautes Gefühl, weil es nicht die Erwartung bevorstehenden Kampfes gab. Alte Ängste ergriffen von ihm Besitz. Normalerweise würde ihn sein erster Gang zu dem Reiterfahrzeug führen, das er gezogen hatte, um es zu inspizieren und vorzubereiten für das Hinabstoßen in was auch immer die Befehlszentrale für ihn verfügt hatte.

»Kabine 245«, unterrichtete ihn der diensthabende Offizier und gab ihm seine Plakette als zutrittsbefugter Mannschaftsangehöriger. Eine dumme Formalität dort – hatte er immer gedacht –, wo die Mannschaft so klein war, daß jeder jeden vom Sehen her kannte. Aber jetzt ging es zur Station, einer größeren Welt, wo sich die Mannschaften von zwei großen Kriegsschiffen, zwei Sonden und einem systeminternen Reiter durcheinandermischten. Er steckte sich die Plakette an und begutachtete die Zahlen. Seine Einweisung lag in der Nähe der Mri. Zumindest damit war er voll zufrieden.

Er ging hin, um den Aufstieg bei ihnen zu verbringen.