20

 

GEWOGEN UND ALS ZU LEICHT BEFUNDEN

 

Die Fluten trafen sie wie ein Schlag ins Gesicht. Nach Luft ringend, versank Clary in eisiger Finsternis. War das Portal vielleicht schon zu weit verblasst und nicht mehr funktionsfähig gewesen und steckte sie nun in der wirbelnden Dunkelheit des Zwischenraums fest, wo sie langsam ersticken und sterben würde - genau wie Jace sie vor der ersten Nutzung eines Portals gewarnt hatte? 

Oder war sie vielleicht schon tot?

Vermutlich hatte sie nur wenige Sekunden das Bewusstsein verloren, doch es erschien Clary wie das Ende allen Daseins. Als sie wieder zu sich kam, erwachte sie mit einem Schock - vergleichbar dem Schock, den man beim Einbruch durch eine dünne Eisdecke erleidet. Im einen Moment war sie noch ohnmächtig gewesen und im nächsten schlagartig hellwach. Sie lag mit dem Rücken auf einem kalten, feuchten Boden und starrte hinauf zum Himmel, der so sternenübersät war, dass er wie ein schwarzes Tuch mit dicht verstreuten Silbersplittern aussah. Plötzlich spürte Clary einen Schwall fauliger Flüssigkeit in ihrem Mund, beugte sich hastig zur Seite und hustete und würgte, bis sie wieder Luft bekam. 

Als ihr Magen nicht länger krampfartig Flüssigkeit nach oben schickte, rollte sie sich auf die Seite. Ihre Handgelenke waren mit einem schwach glühenden Lichtband gefesselt und ihre Beine fühlten sich schwer und seltsam an, als würden Tausende von Nadeln darin stecken. Clary fragte sich, ob sie vielleicht falsch gelegen und sich einen Nerv eingeklemmt hatte oder ob es sich nur um die Nachwirkungen ihres beinahen Ertrinkungstods handelte. Außerdem schmerzte ihr Nacken, als wäre sie von einer Wespe gestochen worden. Schnaufend hievte Clary sich in eine aufrechte Sitzposition, wobei ihre Beine seltsam taub vor ihr lagen, und schaute sich um. 

Sie befand sich am Ufer des Lyn-Sees, wo der Flutsaum langsam in weichen Sand überging. Hinter ihr erhob sich eine steile schwarze Felswand - die Klippen, an die sie sich noch von ihrem letzten Aufenthalt am See, zusammen mit Luke, erinnerte. Der Strand wirkte dunkel und glitzerte nur dort silbern, wo Elbenlichtfackeln brannten und die Luft mit ihrem hellen Schein erfüllten, der sich wie eine funkelnde Perlenkette auf der Wasseroberfläche spiegelte. . 

Am Ufer des Sees, nur wenige Meter von ihr entfernt, ragte ein niedriger, altarartiger Tisch auf, der aus aufeinandergestapelten flachen Steinen bestand. Offensichtlich hatte jemand die Steine in großer Eile arrangiert, denn obwohl in den Zwischenräumen feuchter Sand schimmerte, waren einige der Steine bereits seitlich weggerutscht. Auf der obersten Steinplatte befand sich etwas, das Clary den Atem anhalten ließ: der Kelch der Engel und darauf das Schwert der Engel - eine lang gestreckte schwarze Flamme im hellen Elbenlicht. In den Sand um den improvisierten Altar herum waren schwarze Runen gegraben. Angestrengt versuchte Clary, sie zu entziffern, doch sie schienen wirr und ohne Bedeutung … 

Plötzlich bewegte sich ein Schatten über den Strand und kam rasch auf sie zu - der lange schwarze Schatten eines Mannes, der im tanzenden Schein der Fackeln flackernd und verschwommen wirkte. Als Clary endlich mühsam den Kopf gehoben hatte, stand er bereits vor ihr. 

Valentin.

Der Schock seines Anblicks war so groß, dass sie es fast schon nicht mehr als Schock empfand. Sie spürte rein gar nichts, während sie ihrem Vater ins Gesicht starrte, das vor dem schwarzen Nachthimmel wie ein fahler Mond leuchtete - weiß, ernst und mit schwarzen Augenhöhlen, die an tiefe Meteoritenkrater erinnerten. Eine Reihe von Ledergurten spannte sich über seine Brust, jeweils bestückt mit etwa einem Dutzend Waffen, die hinter seinem Rücken wie die Stacheln eines Stachelschweins aufragten. Valentin wirkte riesig und unfassbar breitschultrig - die Furcht einflößende Statue eines auf Zerstörung sinnenden Kriegsgottes. 

»Clarissa«, sagte er, »du bist ein ziemliches Risiko eingegangen, dich einfach hierherzuteleportieren. Du kannst froh sein, dass ich dich im Wasser entdeckt habe und gerade noch rechtzeitig herausziehen konnte. Du warst bewusstlos - wenn ich nicht gewesen wäre, wärst du ertrunken.« Ein Muskel in seinem Mundwinkel zuckte leicht. »Und an deiner Stelle würde ich auch nicht allzu große Hoffnung in die Schutzschilde rund um den See setzen - ich habe sie gleich nach meiner Ankunft deaktiviert. Also weiß niemand, dass du hier bist.« 

Das glaube ich dir nicht! Clary öffnete den Mund, um ihm die Worte ins Gesicht zu schleudern. Doch es kam kein Ton über ihre Lippen. Clary fühlte sich wie in einem jener Albträume, in denen sie laut schreien wollte, aber nichts passierte. Lediglich ein Hauch warmer Luft drang aus ihrem Mund - das Röcheln eines Menschen, der mit aufgeschlitzter Kehle zu schreien versucht. 

Valentin schüttelte den Kopf. »Bemüh dich erst gar nicht. Ich habe dich im Nacken mit einer Schweigerune versehen, eine jener Runen, die die Brüder der Stille gern verwendet haben. Deine Handgelenke sind mit einer Fesselungsrune zusammengebunden und eine weitere Rune macht deine Beine unbrauchbar. An deiner Stelle würde ich gar nicht erst versuchen aufzustehen - deine Beine werden dich nicht tragen und das Ganze würde dir nur zusätzliche Schmerzen bereiten.« 

Wütend funkelte Clary ihn an und versuchte, ihn mit einem hasserfüllten Blick zu durchbohren. Doch Valentin nahm davon keinerlei Notiz. 

»Du solltest wissen, es hätte viel schlimmer kommen können. Als ich dich aus dem See zog, hatte das Seewasser bereits begonnen, seine giftige Wirkung zu entfalten. Ich habe dich geheilt, nebenbei bemerkt. Allerdings erwarte ich keine Dankesbezeugungen.« Er lächelte matt. »Du und ich, wir zwei haben uns nie richtig unterhalten können, oder? Jedenfalls kein richtiges Gespräch führen können. Sicherlich fragst du dich, warum ich mich als Vater nie für dich interessiert habe. Es tut mir leid, falls du darunter gelitten haben solltest.« 

Clarys hasserfüllter Blick wandelte sich in reine Skepsis. Wie konnten sie ein Gespräch führen, wenn sie nicht einmal in der Lage war zu sprechen? Erneut versuchte sie, ein paar Worte über ihre Lippen zu bringen, doch ihrer Kehle entwich nur ein leiser Lufthauch. 

Valentin drehte sich nun zum Altar um und legte eine Hand auf das Engelsschwert - Mellartach, das ein schwarzes Licht ausstrahlte, eine Art umgekehrtes Glühen, als würde es den Schein der Elbenfackeln aus der Luft aufsaugen. »Ich wusste nicht, dass deine Mutter mit dir schwanger war, als sie mich verließ«, fuhr Valentin fort. Er sprach mit ihr auf eine Art und Weise, wie er es nie zuvor getan hatte, dachte Clary. Sein Ton war ruhig, fast ungezwungen - doch das war es nicht, was ihr so merkwürdig erschien. »Ich wusste, dass irgendetwas nicht stimmte. Deine Mutter dachte, sie könnte ihre Niedergeschlagenheit vor mir verbergen. Also nahm ich etwas von Ithuriels Blut, trocknete es zu einem Pulver und rührte es unter ihr Essen, in der Annahme, dass dies vielleicht ihre Melancholie heilen würde. Wenn ich gewusst hätte, dass sie zu diesem Zeitpunkt wieder schwanger war, hätte ich das niemals getan. Ich hatte mich ohnehin schon entschlossen, keine Experimente mehr mit einem leiblichen Kind durchzuführen.« 

Du lügst!, wollte Clary ihm entgegenschleudern, bekam allerdings allmählich selbst Zweifel. Valentin klang immer noch sehr merkwürdig. Verändert. Aber vielleicht lag das nur daran, dass er zur Abwechslung einmal die Wahrheit sagte. 

»Nachdem deine Mutter aus Idris geflohen war, habe ich jahrelang nach ihr gesucht«, fuhr Valentin fort. »Und das nicht nur, weil sie den Engelskelch mitgenommen hatte. Sondern weil ich sie geliebt habe. Ich dachte, wenn ich nur einmal Gelegenheit hätte, mit ihr zu reden, könnte ich sie vielleicht dazu bringen, Vernunft anzunehmen. Was ich in jener Nacht in Alicante getan habe, geschah in einem Anfall von Wut - ich wollte sie zerstören, alles zerstören, was unser gemeinsames Leben betraf. Doch danach …«Er schüttelte den Kopf, wandte sich ab und schaute über den See. »Als ich sie endlich aufgespürt hatte, hörte ich die Gerüchte … dass sie ein weiteres Kind bekommen habe, eine Tochter. Ich nahm an, das Kind sei von Lucian. Er hatte sie schon immer geliebt, sie mir immer wegnehmen wollen. Ich ging davon aus, dass sie ihm nach all den Jahren nachgegeben hatte. Dass sie einverstanden gewesen war, ein Kind von einem dreckigen Schattenweltler zu bekommen.« Valentins Stimme klang nun wieder angespannt. »Als ich sie schließlich in eurer Wohnung in New York fand, war sie kaum noch bei Bewusstsein. Aber sie fauchte mir noch entgegen, dass ich ihr erstes Kind in ein Monster verwandelt hätte und sie mich verlassen hätte, ehe ich ihrem zweiten dasselbe antun konnte. Danach fiel sie in meinen Armen ins Koma. All diese Jahre hatte ich nach ihr gesucht und dann blieb mir nur dieser kurze Moment mit ihr. Diese wenigen Sekunden, in denen sie mich mit einem lebenslang angestauten Hass anstarrte. In dem Moment ist mir etwas bewusst geworden.« 

Mit einer kraftvollen Bewegung hob Valentin Mellartach an. Clary erinnerte sich an ihren Versuch, das noch nicht vollständig verwandelte Engelsschwert in die Hand zu nehmen, erinnerte sich daran, wie schwer es damals schon gewesen war. Nun konnte sie beobachten, wie auch die Muskulatur von Valentins Armen sich deutlich abzuzeichnen begann - harte Stränge wie Seile, die sich unter der Haut strafften. 

»Damals ist mir klar geworden, dass sie mich aus einem einzigen Grund verlassen hatte - um dich zu schützen«, setzte Valentin seinen Monolog fort. »Jonathan hat sie gehasst, aber dich … für dich hätte sie alles getan, um dich zu schützen. Vor mir zu schützen. Sie hat es sogar auf sich genommen, inmitten von Irdischen zu leben, was sie sehr viel Überwindung gekostet haben muss. Es muss ihr sehr schwergefallen sein, dich nicht nach unseren Traditionen und Gebräuchen großziehen zu können. Du bist nur die Hälfte von dem Mädchen, das du eigentlich sein könntest. Du hast deine besondere Runen-Gabe, doch dieses Talent wurde durch deine irdische Erziehung verschwendet.« 

Langsam ließ er das Schwert sinken. Die Spitze schwebte auf Höhe von Clarys Gesicht; sie konnte sie aus dem Augenwinkel erkennen, wo sie wie ein silberner Nachtfalter am Rand ihres Sichtfelds verharrte. 

»In dem Moment wusste ich, dass Jocelyn niemals zu mir zurückkehren würde … deinetwegen! Du bist das Einzige auf der Welt, was sie mehr liebt als mich. Deinetwegen hasst sie mich nun. Und aus diesem Grund hasse ich deinen Anblick.« 

Ruckartig wandte Clary das Gesicht ab. Wenn er sie jetzt töten würde, wollte sie ihren nahenden Tod nicht auch noch direkt vor Augen haben. 

»Clarissa«, sagte Valentin. »Sieh mich an.« 

Nein. Clary starrte eisern auf den See hinaus. Auf der anderen Seite des spiegelnden Gewässers konnte sie einen schwachen rötlichen Schein erkennen, wie von glimmender Glut inmitten warmer Asche. Sie wusste, dass es sich um die Flammen der Schlacht handeln musste. Ihre Mutter war dort drüben und Luke. Vielleicht war es ja nur passend, dass die beiden Seite an Seite kämpften, auch wenn sie nicht bei ihnen sein konnte. 

Ich werde meine Augen auf diesen Lichtschein heften, dachte Clary. Ich werde einfach nur dorthin schauen, egal, was kommt. Er soll das Letzte sein, was ich jemals sehe. 

»Clarissa«, wiederholte Valentin. »Du siehst genauso aus wie sie, hast du das gewusst? Genau wie Jocelyn.« 

Clary spürte einen stechenden Schmerz an der Wange - die Klinge des Engelsschwerts. Valentin drückte die Kante gegen ihre Haut, um sie zu zwingen, den Kopf in seine Richtung zu drehen. 

»Ich werde jetzt den Erzengel herbeirufen«, erklärte er. »Und ich will, dass du dabei zusiehst.« 

Ein bitterer Geschmack breitete sich in Clarys Mund aus. Ich weiß, weshalb du so besessen von meiner Mutter bist. Sie war die Einzige, von der du gedacht hast, du würdest sie vollkommen beherrschen, doch dann hat sie sich gegen dich gewandt und dir wehgetan. Du hast geglaubt, sie würde dir gehören, aber das war ein Irrtum. Und deswegen würdest du sie gern hier haben, jetzt in diesem Moment, damit sie Zeuge deines Triumphs wird. Und nur aus diesem Grund begnügst du dich nun mit mir. 

Das Schwert drückte sich tiefer in ihre Wange. »Sieh mich an, Clary«, forderte Valentin. 

Und Clary sah ihn an; sie wollte es zwar nicht, aber der Schmerz war einfach zu groß. Fast gegen ihren Willen fuhr ihr Kopf herum und das Blut lief in dicken, fetten Tropfen von ihrer Wange und spritzte auf den Sand. Übelkeit erfasste sie, als sie den Kopf hob, um ihren Vater anzusehen. 

Valentin betrachtete die Klinge des Engelsschwerts, an der Clarys Blut klebte. Als er schließlich wieder zu ihr schaute, funkelte ein seltsames Licht in seinen Augen. »Die Vollendung dieses Rituals erfordert Blut«, sinnierte er. »Eigentlich wollte ich mein eigenes dafür nehmen, aber als ich dich im See entdeckte, wusste ich sofort, dass Raziel mir auf diese Weise zu verstehen gab, ich solle das Blut meiner Tochter verwenden. Deswegen habe ich dein Blut auch von allem Gift gereinigt, das das Seewasser hinterlassen hat. Du bist nun geläutert - geläutert und bereit. Und deshalb danke ich dir, Clarissa, für die Bereitstellung deines Blutes.« 

Er meint es wirklich so, überlegte Clary. Auf irgendeine seltsame Art und Weise meint er diese Dankbarkeit wirklich ernst. Offenbar hatte Valentin schon vor langer Zeit die Fähigkeit verloren, zwischen Zwang und Zusammenarbeit zu unterscheiden, zwischen Furcht und Bereitschaft, zwischen Liebe und Folter. Diese Erkenntnis wurde von einem plötzlichen tauben Gefühl begleitet - welchen Zweck hatte es, Valentin dafür zu hassen, dass er ein Monster war, wenn er es selbst nicht einmal wusste? 

»Und nun«, fuhr Valentin fort, »benötige ich noch ein kleines bisschen mehr.« 

Ein kleines bisschen mehr wovon?, dachte Clary, doch als Valentin im selben Moment das Schwert nach oben schwang und sich das Licht Tausender Sterne in der Klinge brach, war es ihr sofort klar: Natürlich! Er will nicht nur mein Blut - er will meinen Tod! Das Schwert musste eigentlich schon mit genügend Blut getränkt sein - wahrscheinlich hatte es Geschmack daran gefunden, genau wie Valentin. Clarys Augen folgten dem schwarzen Licht, das Mellartach aussandte: Auf dem Weg zu ihrer Kehle durchschnitt das Schwert die Luft… 

Und segelte im hohen Bogen davon, hinein in die Dunkelheit, Valentins Griff entglitten. Mit großen Augen starrte Valentin ungläubig auf seine blutende Schwerthand und schaute dann - im gleichen Moment wie Clary - auf, um zu sehen, wer ihm das Engelsschwert aus der Hand geschlagen hatte. 

Jace stand am Rand des Sandufers, kaum einen Schritt von Valentin entfernt, ein funkelndes Schwert in der linken Hand. Am Gesichtsausdruck ihres Vaters konnte Clary ablesen, dass er Jace’ Herannahen genauso wenig bemerkt hatte wie sie selbst. 

Bei seinem Anblick blieb Clary fast das Herz stehen: Getrocknetes Blut klebte an seiner Wange und an seiner Kehle schimmerte eine hässliche rote Wunde. Seine Augen leuchteten wie Spiegel und wirkten im Elbenlicht vollkommen schwarz - so schwarz wie Sebastians Augen. »Clary«, sagte er, ohne den Blick auch nur eine Sekunde von Valentin abzuwenden. »Clary, alles in Ordnung mit dir?« 

Jace! Verzweifelt versuchte Clary, seinen Namen auszusprechen, doch die Blockade in ihrer Kehle ließ kein einziges Wort über ihre Lippen kommen. Clary hatte das Gefühl, als würde sie ersticken. 

»Sie kann dir nicht antworten«, erklärte Valentin. »Sie kann nicht reden.« 

Jace’ Augen blitzten wütend auf. »Was hast du ihr angetan?«, herrschte er Valentin an und stieß das Schwert in seine Richtung, worauf dieser einen Schritt zurückwich. Der Ausdruck auf Valentins Gesicht zeugte von Argwohn, aber nicht von Angst. Und in seinen Augen lag etwas Berechnendes, das Clary überhaupt nicht gefiel. Sie wusste, dass sie eigentlich triumphieren sollte, aber das gelang ihr nicht. Im Gegenteil: Jetzt verspürte sie noch mehr Panik als vor wenigen Augenblicken. Sie hatte begriffen, dass Valentin sie töten würde, hatte den Gedanken akzeptiert, doch nun war Jace hier und ihre Sorge weitete sich auch auf ihn aus. Er wirkte so … so zugrunde gerichtet. Ein Ärmel seiner Schattenjägermontur klaffte bis zum Ellbogen auf und die Haut darunter war mit etlichen Striemen übersät. Auch die Brust seines Hemdes hing in Fetzen an ihm herab und über dem Herzen schimmerte eine verblassende Heilrune, die die hässliche rote Narbe darunter nicht hatte beseitigen können. Seine Kleidung starrte vor Dreck, als hätte er sich auf dem Boden gewälzt. Doch am meisten schreckte Clary der Ausdruck in seinen Augen - sie wirkten völlig … leer. 

»Eine Schweigerune. Sie wird dadurch keinen Schaden davontragen.« Valentins Augen hefteten sich auf Jace - gierig, dachte Clary, als würde er seinen Anblick in sich aufsaugen. »Ich nehme nicht an, dass du gekommen bist, um dich mir anzuschließen?«, fragte Valentin. »Um an meiner Seite ebenfalls vom Erzengel gesegnet zu werden?« 

Jace musterte seinen Stiefvater mit unverändertem Ausdruck. In seinen Augen war nichts zu erkennen - nicht der Hauch von Zuneigung oder Liebe oder wohlwollender Erinnerung. Nicht einmal Hass. Nur… Verachtung, überlegte Clary. Eine kalte Verachtung. »Ich weiß, was du vorhast«, erwiderte Jace. »Ich weiß, warum du den Erzengel herbeirufen willst. Aber das werde ich nicht zulassen. Ich habe bereits Isabelle losgeschickt, um die Schattenjäger zu warnen …« 

»Warnungen werden ihnen nichts nutzen. Dies ist nicht die Sorte von Gefahr, vor der man davonlaufen kann.« Valentins Blick fiel auf Jace’ Schwert. »Leg das nieder«, setzte er an, »und dann können wir reden …« Doch im nächsten Moment hielt er abrupt inne. »Das ist nicht dein Schwert«, murmelte er. »Das ist ein Morgenstern-Schwert.« 

Jace lächelte - ein unergründliches, sanftes Lächeln. »Stimmt. Es gehörte Jonathan. Aber er ist ja tot.« 

Fassungslos starrte Valentin ihn an. »Du meinst…« 

»Ich habe es vom Boden aufgehoben, wo er es hat fallen lassen«, sagte Jace emotionslos, »nachdem ich ihn getötet hatte.« 

Valentin wirkte wie vor den Kopf geschlagen. »Du hast Jonathan getötet? Wie konntest du das tun?« 

»Er hätte sonst mich getötet«, erklärte Jace. »Mir blieb keine andere Wahl.« 

»So hab ich das nicht gemeint.« Benommen schüttelte Valentin den Kopf; er sah aus wie ein schwer getroffener Boxer kurz vor dem K. o. »Ich habe Jonathan erzogen … ich habe ihn persönlich ausgebildet. Es gab keinen besseren Krieger als ihn.« 

»Offensichtlich wohl doch«, erwiderte Jace. 

»Aber … aber …«, stammelte Valentin mit brechender Stimme. Es war das erste Mal, dass Clary einen Riss in seiner beherrschten, glatten Maske bemerkte. »Aber er war dein Bruder.« 

»Nein, das war er nicht.« Jace ging einen Schritt vor und schob die Klinge näher an Valentins Herz heran. »Was ist mit meinem richtigen Vater passiert? Isabelle meinte, er wäre bei einem Überfall gestorben, aber stimmt das auch wirklich? Oder hast du ihn getötet - genau wie meine Mutter?« 

Valentin wirkte noch immer fassungslos. Clary spürte, dass er sich angestrengt bemühte, seine Selbstbeherrschung wiederzuerlangen. Kämpfte er gegen den Kummer an? Oder hatte er einfach nur Angst vor dem Tod? »Ich habe deine Mutter nicht getötet. Sie hat sich selbst das Leben genommen. Ich habe dich lediglich aus ihrem toten Leib herausgeschnitten. Wenn ich das nicht getan hätte, wärst du mit ihr gestorben.« 

»Aber warum? Warum hast du das getan? Du brauchtest keinen Sohn - du hattest doch bereits einen!«, konterte Jace. Im kalten Mondlicht wirkte er unerbittlich, dachte Clary, unerbittlich und seltsam, wie ein Fremder. Seine Hand, die Valentin das Schwert an die Kehle hielt, schwankte keinen Millimeter. »Ich will die Wahrheit wissen«, fuhr Jace fort. »Und keine weiteren Lügen über >vom selben Fleisch und Blut<. Eltern belügen ihre Kinder, aber du … du bist nicht mein Vater. Also rück mit der Wahrheit heraus.« 

»Ich … ich brauchte keinen Sohn … sondern einen Krieger«, erklärte Valentin. »Und ich hatte gehofft, Jonathan könnte dieser Krieger werden, doch er hatte zu viele dämonische Eigenschaften an sich. Er war zu wild, zu launisch, nicht geschickt genug. Schon damals, als er noch in den Windeln lag, fürchtete ich, dass er niemals die Geduld oder die Anteilnahme aufbringen würde, um mir zu folgen, um nach meinem Tod den Rat in meinem Sinne weiterzuführen. Also habe ich mit dir einen neuen Versuch gestartet. Aber du hast mir die genau entgegengesetzten Schwierigkeiten bereitet. Du warst zu sanftmütig. Zu mitfühlend. Du hast den Schmerz anderer empfunden, als wäre es dein eigener; du konntest noch nicht einmal den Tod deines Haustiers ertragen. Versteh mich nicht falsch, mein Sohn - für diese Eigenschaften habe ich dich geliebt. Doch genau diese Eigenschaften haben dich für mich auch nutzlos gemacht.« 

»Du hast also geglaubt, ich sei verweichlicht und wertlos«, sagte Jace. »Dann wird es dich wohl überraschen, wenn dein verweichlichter und wertloser Sohn dir jetzt die Kehle durchschneidet.« 

»Das haben wir doch schon hinter uns«, verkündete Valentin mit ruhiger Stimme, doch Clary glaubte, Schweißperlen auf seiner Haut glitzern zu sehen, an den Schläfen und an der Kehlgrube. »Das würdest du doch nicht tun. Schon in Renwicks Ruine hast du das nicht gewollt und jetzt willst du es auch nicht.«

»Da irrst du dich«, erwiderte Jace in gemessenem Ton. »Seit dem Tag, an dem ich dich laufen ließ, habe ich es jede Minute bereut. Mein Bruder Max ist heute tot, weil ich dich damals nicht getötet habe. Dutzende, vielleicht Hunderte von Menschen sind tot, weil ich nicht die Hand an dich gelegt habe. Aber ich kenne deine Pläne. Ich weiß, dass du nahezu jeden Schattenjäger in Idris abschlachten willst. Und da frage ich mich, wie viele noch sterben müssen, ehe ich das tue, was ich bereits auf Blackwell’s Island hätte tun sollen«, fuhr Jace fort. »Nein, ich will dich nicht töten. Aber ich werde es tun.« 

»Tu das nicht«, widersprach Valentin. »Bitte. Ich möchte nicht…« 

»Sterben? Niemand möchte sterben, Vater.« Die Spitze von Jace’ Schwert sackte tiefer und tiefer, bis sie genau über Valentins Herz schwebte. Jace’ Gesicht wirkte vollkommen ruhig - das Gesicht eines Engels, der himmlische Gerechtigkeit bringt. »Hast du noch irgendwelche letzten Worte?« 

»Jonathan …« 

Blut sickerte durch Valentins Hemd, wo die Klingenspitze auf seiner Haut ruhte, und Clary sah vor ihrem inneren Auge Jace, wie er mit zitternder Hand in Renwicks Ruine gestanden hatte, unfähig, seinen Vater zu verletzen. Und wie Valentin ihn verhöhnt hatte: Komm schon. Stoß mit der Klinge zu. Zehn Zentimeter reichen, vielleicht fünfzehn. Dieses Mal sah die Lage jedoch vollkommen anders aus: Jace’ Hand war völlig ruhig. Und auf Valentins Gesicht spiegelte sich Angst. 

»Letzte Worte«, zischte Jace. »Hast du noch irgendetwas zu sagen?« 

Valentin hob den Kopf und betrachtete den Jungen vor ihm aus schwarzen, ernsten Augen. »Es tut mir leid«, sagte er. »Es tut mir so leid.« Langsam streckte er eine Hand aus, als wolle er Jace noch einmal berühren. Seine Hand drehte sich, seine Finger öffneten sich … und dann blitzte etwas Silberfarbenes auf und schoss wie eine Gewehrkugel an Clary vorbei in die Dunkelheit. Sie spürte den Luftsog an ihrer Wange. Im nächsten Moment fing Valentin den Gegenstand auf - eine lange, silberfarbene Klinge, die dunkel in seiner Hand aufflammte, eher er sie hinabsausen ließ. 

Mellartach, das Engelsschwert. Es hinterließ eine Spur schwarzen Lichts in der Luft, als Valentin die Klinge tief in Jace’ Herz stieß. 

Jace’ Augen weiteten sich ruckartig. Ein Ausdruck ungläubigen Staunens huschte über sein Gesicht und er schaute an sich hinab bis zu der Stelle, wo Mellartach grotesk aus seiner Brust ragte. Der Anblick wirkte eher bizarr als schrecklich, wie ein Requisit aus einem Albtraum, der keinen Sinn ergab. Im nächsten Moment zog Valentin seine Hand zurück und riss dabei das Schwert aus Jace’ Brust, als würde er einen Dolch aus der Scheide ziehen. Sofort fiel Jace auf die Knie, als wäre die Waffe das Einzige gewesen, was ihn noch aufrecht gehalten hätte. Sein eigenes Schwert entglitt seiner Hand und landete auf dem feuchten Boden. Verwirrt starrte er auf die Waffe, als verstünde er nicht, wieso er sie überhaupt gezückt hatte oder warum er sie hatte fallen lassen. Langsam öffnete er den Mund, als wollte er eine Frage stellen, und Blut quoll über seine Lippen, lief am Kinn herab und befleckte die Reste seines zerrissenen Hemdes. 

Danach schien sich für Clary alles nur noch in Zeitlupe abzuspielen, als dehnte sich jede Sekunde unendlich aus. Sie sah, wie Valentin zu Boden sank und Jace auf seinen Schoß zog, als wäre er noch ein kleines Kind und könne mühelos gehalten werden. Er zog ihn an sich und wiegte ihn in seinen Armen, dann senkte er sein Gesicht und drückte es gegen Jace’ Schulter; und einen Moment lang dachte Clary, er würde vielleicht sogar weinen. Doch als Valentin den Kopf wieder hob, schimmerte keine einzige Träne in seinen Augen. »Mein Sohn«, flüsterte er. »Mein Junge.« 

Die schreckliche Dehnung der Zeit wickelte sich um Clary wie ein erdrosselndes Seil, während Valentin Jace im Arm hielt und ihm die blutigen Haare aus der Stirn strich. Er hielt Jace fest, während er starb und das Licht in seinen Augen erlosch. Dann legte Valentin seinen toten Stiefsohn behutsam auf den Boden und verschränkte ihm die Arme vor der Brust, als wollte er die klaffende, blutende Wunde verdecken. »Ave …«, setzte er an, um Jace mit dem traditionellen Totengruß der Schattenjäger zu verabschieden, doch dann brach seine Stimme und er wandte sich abrupt ab und marschierte zum Altar zurück. 

Clary konnte sich nicht bewegen. Konnte kaum atmen. Sie hörte ihren eigenen Herzschlag, das Kratzen ihres Atems in ihrer trockenen Kehle. Aus dem Augenwinkel sah sie ihren Vater, der am Seeufer stand. Blut strömte von der Klinge des Engelsschwerts und tropfte in den Engelskelch. Valentin psalmodierte Worte, die Clary nicht verstand. Aber es war ihr auch egal. Schon bald würde sowieso alles vorüber sein und der Gedanke stimmte sie fast froh. Sie fragte sich, ob sie wohl noch genügend Kraft besaß, um sich zu Jace hinüberzuschleppen, sich neben ihn zu legen und an seiner Seite das Ende abzuwarten. Mühsam starrte sie zu ihm hinüber, zu seiner reglosen Gestalt im aufgewühlten, blutigen Sand. Seine Augen waren geschlossen, sein Gesicht wirkte ruhig; wenn nicht die klaffende Wunde in seiner Brust gewesen wäre, hätte Clary sich einreden können, dass er nur schlief. 

Doch er schlief nicht. Er war ein Schattenjäger - gestorben im Kampf. Er verdiente den letzten Segen. Ave atque vale. Clarys Lippen formten die Worte, auch wenn nur warme Luft aus ihrer Kehle drang. Doch nach der Hälfte des Abschiedsgrußes hielt sie abrupt inne. Was sollte sie sagen? Sei gegrüßt und leb wohl, Jace Wayland? Aber das war nicht sein richtiger Name. Er hatte nie einen eigenen Namen erhalten, dachte Clary gequält, lediglich den eines toten Kindes, weil das Valentins Zwecken damals gedient hatte. Dabei steckte so viel Macht in einem Namen … 

Ruckartig hob Clary den Kopf und schaute in Richtung des Altars. Die Runen, die ihn umgaben, hatten zu glühen begonnen. Jetzt erkannte sie auch ihre Bedeutung: Es handelte sich um Beschwörungsrunen, Benennungsrunen und Fesselungsrunen - den Runen nicht unähnlich, die Ithuriel im Keller unter dem Wayland-Herrensitz gefangen gehalten hatten. Regelrecht gegen ihren Willen musste Clary an Jace denken, an die Art und Weise, wie er sie damals mit funkelnden Augen angesehen hatte, voller Vertrauen in ihre Fähigkeiten. Jace hatte sie immer für stark gehalten. Das hatte er ihr wieder und wieder bewiesen, mit jedem Blick und jeder Berührung. Sicher, auch Simon glaubte an sie, aber wenn er sie gehalten hatte, dann wie etwas leicht Zerbrechliches, etwas aus dünnem Glas. Dagegen hatte Jace sie immer mit all seiner Kraft in die Arme genommen, sich nie gefragt, ob sie ihm gewachsen war - er hatte gewusst, dass sie genauso stark war wie er. 

Inzwischen tauchte Valentin das blutige Schwert wieder und wieder in den See, während er leise und schnell psalmodierte. Die Oberfläche des Sees begann, sich zu kräuseln, als würden die Finger einer riesigen Hand sanft darüberstreichen. 

Clary schloss die Augen. Sie musste an Jace’ Blick denken, als sie Ithuriel befreit hatte - und daran, wie er sie jetzt wohl ansehen würde, während sie versuchte, sich neben ihn in den Sand zu legen und zu sterben. Er würde ihr Verhalten nicht für eine noble Geste halten - er wäre wütend auf sie, weil sie einfach aufgab. Er wäre furchtbar enttäuscht. 

Clary ließ sich auf den Boden sinken, bis sie bäuchlings auf dem Strand lag, die tauben Beine hinter sich. Dann robbte sie langsam auf Knien und gefesselten Händen durch den Sand vorwärts. Das glühende Lichtband um ihre Handgelenke brannte und schmerzte; ihr T-Shirt riss, während sie sich über den Boden hievte, und der Sand schürfte die nackte Haut ihres Bauchs blutig. Doch Clary bemerkte es kaum. Es kostete sie enorme Kraft, sich auf diese Weise vorwärtszuschleppen: Schweißtropfen bildeten sich auf ihrem Rücken, sickerten zwischen den Schulterblättern hindurch. Als sie endlich den Runenkreis um den Altar erreichte, schnaufte sie so laut, dass sie schreckliche Angst hatte, Valentin würde sie hören. 

Doch er drehte sich nicht einmal zu ihr um. Er hielt den Engelskelch in der einen und das Engelsschwert in der anderen Hand. Clary beobachtete, wie er mit der rechten Hand ausholte, mehrere Worte sprach, die wie Griechisch klangen, und dann den Kelch kraftvoll in Richtung See warf. Der Kelch schimmerte wie eine Sternschnuppe, während er im hohen Bogen auf das Wasser zuflog und dann mit einem leisen Platscher darin verschwand. 

Sofort begann der Runenkreis schwache Hitze zu entwickeln, wie ein glimmendes Feuer. Clary musste sich winden und drehen, um mit der Hand an ihre Stele zu gelangen, die in ihrem Gürtel steckte. Der Schmerz in ihren Handgelenken nahm schlagartig zu, als sie die Finger um den Griff der Stelle krümmte, doch schließlich gelang es ihr, den gläsernen Stab mit einem unterdrückten Seufzer der Erleichterung aus dem Gürtel zu ziehen. 

Da sie ihre Handgelenke nicht auseinanderbewegen konnte, umfasste sie die Stele ungelenk mit beiden Händen. Dann robbte sie sich mit den Ellbogen bis dicht an den Runenkreis heran und schaute auf die Zeichen hinab, deren Hitze sie nun im Gesicht spüren konnte. Inzwischen leuchteten die Runen so hell wie Elbenlicht. Valentin hielt das Engelsschwert bereit, um es ebenfalls in den See zu schleudern; er psalmodierte gerade die abschließenden Worte der Beschwörungsformel. Mit letzter Kraft rammte Clary die Spitze der Stele in den Sand und begann zu zeichnen, wobei sie Valentins Runen jedoch nicht verwischte, sondern mit ihrem eigenen Muster überlagerte und eine neue Rune über das Zeichen schrieb, das seinen Namen symbolisierte. Solch eine winzige Rune, dachte Clary, solch eine winzige Veränderung - in nichts mit ihrer mächtigen Allianz-Rune oder dem Kainsmal zu vergleichen. 

Aber zu mehr war sie nicht mehr fähig. Erschöpft rollte sie sich auf die Seite - genau in dem Moment, in dem Valentin ausholte und das Engelsschwert warf. 

Mellartach wirbelte kopfüber um die eigene Achse - ein schwarz-silberner Schatten, der sich nahtlos in das Schwarzsilber des Gewässers fügte. Als das Schwert in der Seemitte landete, spritzte eine gewaltige Wasserfontäne hoch, eine Blüte aus platingrauen Tropfen. Die Fontäne stieg höher und höher, wie ein Geysir aus flüssigem Silber, wie aufwärts fallender Regen. Gleichzeitig ertönte ein gewaltiges Dröhnen, wie das Geräusch von brechendem Eis oder einem kalbenden Gletscher - und dann schien der See förmlich zu explodieren: silberne Tropfen, die wie ein umgekehrter Hagelschauer in alle Richtungen spritzten. 

Und innerhalb des Hagelsturms stieg der Engel empor. Clary war sich nicht sicher, was sie erwartet hatte - vielleicht jemanden wie Ithuriel, aber Ithuriel war von den vielen Jahren der Gefangenschaft und Folter geschwächt gewesen. Doch hier stieg ein Engel in seiner ganzen Pracht aus den Fluten auf und Clarys Augen begannen zu brennen, als würde sie in die Sonne starren. 

Valentin ließ die Hände sinken und schaute mit einem verzückten Ausdruck im Gesicht wie gebannt gen Himmel - ein Mann, der miterlebte, wie sein größter Wunsch in Erfüllung ging. »Raziel«, stieß er atemlos hervor. 

Der Engel stieg weiter und weiter empor, als würde der See unter ihm sich senken und eine gewaltige Marmorsäule in seiner Mitte freigeben. Zunächst tauchte Raziels Haupt aus den Fluten auf, mit fließenden Haaren wie Ketten aus Silber und Gold. Dann die Schultern, weiß wie Stein, gefolgt vom nackten Torso, der über und über mit Runen bedeckt war, allerdings mit goldenen, lebendigen Malen, die wie aufsteigende Funken über seine weiße Haut zuckten. Irgendwie erschien der Engel zugleich gigantisch und doch nicht größer als ein Mensch: Clary schmerzten die Augen beim Versuch, ihn in seiner ganzen Pracht aufzunehmen, und dennoch konnte sie nichts anderes sehen. Während er weiter aufstieg, entfalteten sich hinter seinem Rücken zwei gewaltige Schwingen mit goldenen Federn, von denen jede einzelne mit einem großen goldenen Auge bestückt war. 

Der Anblick des Engels war atemberaubend und Furcht einflößend zugleich. Clary wollte die Augen abwenden, doch es gelang ihr nicht. Sie würde sich alles ansehen … sie würde für Jace zuschauen, weil er es nicht mehr konnte. 

Es sieht genauso aus wie auf den Bildern, dachte sie: Der aus dem See emporsteigende Engel, das Schwert in der einen und den Kelch in der anderen Hand. Wasser strömte von den Engelsinsignien herab, während Raziel vollkommen trocken aus den Fluten stieg; kein Tropfen schimmerte auf seinen Schwingen. Seine weißen, nackten Füße standen auf der Oberfläche des Sees, dessen Wasser zu kleinen Kräuseln aufgeworfen wurde. Sein überirdisch schönes Gesicht neigte sich langsam nach vorne und schaute schließlich auf Valentin herab. 

Und dann sprach der Engel.

Seine Stimme klang wie ein Schrei und wie ein Ruf und wie Musik - alles zugleich. Und obwohl das, was er sagte, nicht aus Worten bestand, war er klar und deutlich zu verstehen. Die Kraft seines Atems warf Valentin beinahe um; verbissen grub er die Fersen seiner Stiefel in den Sand, während sein Kopf leicht nach hinten gedrückt wurde, als kämpfte er gegen einen Sturm an. Clary spürte, wie der Wind des Engelsatems über sie hinwegstreifte - heiß wie die Luft aus einem glühenden Ofen und erfüllt vom Aroma exotischer Gewürze. 

Es sind tausend Jahre vergangen, seit ich das letzte Mal an diesem Ort heraufbeschworen wurde, sprach Raziel. Damals hat Jonathan Shadowhunter mich herbeigerufen und mich gebeten, mein Blut mit dem der Irdischen in einem Kelch zu mischen und ein Volk von Kriegern zu erschaffen, das das Antlitz der Erde von allen Dämonen befreien würde. Ich habe seinem Wunsch entsprochen und ihm gesagt, dass er keine weitere Hilfe erwarten könne. Also, warum hast du mich nun heraufbeschworen, Nephilim? 

»Eintausend Jahre sind verstrichen, oh glorreicher Himmelsfürst«, erwiderte Valentin mit erwartungsvoller Stimme, »doch das Dämonengeschlecht ist noch immer hier.« 

Was hat das mit mir zu tun? Eintausend Jahre verstreichen für einen Engel zwischen zwei Wimpernschlägen. 

»Die Nephilim, die Ihr erschaffen habt, waren ein großartiges Volk. Viele Jahre lang haben sie mutig gekämpft, um diese Welt vom Gift der Dämonen zu befreien. Doch letztendlich haben sie versagt - aufgrund von Schwäche und Korruption in den eigenen Reihen. Ich beabsichtige, die Nephilim wieder zu alter Größe zurückzuführen, zu früherer Pracht und Herrlichkeit, zu Ruhm und Ehre…« 

Ehre? Der Engel klang fast neugierig, als wäre ihm das Wort fremd. Ehre gebührt Gott allein. 

Doch Valentin ließ sich nicht beirren. »Der Rat, wie er zu Zeiten der ersten Nephilim geschaffen wurde, existiert nicht länger. Seine Mitglieder haben sich mit Schattenwesen verbündet, von Dämonen befallenen Unmenschen, die diese Welt heimsuchen wie Flöhe den Kadaver einer Ratte. Ich habe die feste Absicht, diese Welt zu reinigen, zu läutern … jedes Schattenwesen zu vernichten, zusammen mit jedem Dämon …« 

Dämonen besitzen keine Seele. Doch die Wesen, von denen du sprichst, die Kinder des Mondes, die Kinder der Nacht, Liliths Kinder und die Feenkinder - sie alle haben eine Seele. Mir scheint, deine Maßstäbe dafür, was einen Menschen ausmacht und was nicht, sind strenger als unsere eigenen. Clary hätte schwören können, dass in der Stimme des Engels eine leicht belustigte Note mitschwang. Beabsichtigst du, den Himmel herauszufordern - so wie jener andere Morgenstern, dessen Namen du trägst, Schattenjäger? 

»Nein, ich will den Himmel nicht herausfordern, nein, mein Fürst Raziel. Ich will mich mit dem Himmel verbünden …« 

In einem von dir angezettelten Krieg? Wir sind der Himmel, Schattenjäger. Wir kämpfen nicht in deinen irdischen Schlachten. 

Als Valentin seine Erwiderung formulierte, klang er fast gekränkt: »Himmelsfürst Raziel, Ihr hättet doch sicher nicht die Existenz eines Rituals zugelassen, mit dem Ihr heraufbeschworen werdet, wenn Ihr gar nicht die Absicht habt, dass man Euch herbeiruft? Wir Nephilim sind Eure Kinder. Wir brauchen Eure Führung.« 

Führung? Nun klang der Engel wirklich belustigt. Das ist ja wohl kaum der Grund, warum du mich herbeigerufen hast. Dir geht es vielmehr um dein eigenes Ansehen. 

»Ansehen?«, wiederholte Valentin heiser. »Für diese Aufgabe habe ich alles hingegeben. Meine Frau. Meine Kinder. Ich habe meine Söhne nicht verschont. Alles, was ich besitze, habe ich für dies hier hingegeben - alles.« 

Eine Weile schwebte der Engel einfach nur über dem See und blickte aus seinen seltsamen, überirdischen Augen auf Valentin hinab, während seine Schwingen sich bedächtig vor und zurück bewegten, wie langsam über den Himmel ziehende Wolken. Doch schließlich sprach er: Gott hat Abraham aufgefordert, seinen Sohn zu opfern … auf einem Altar, der diesem sehr ähnelt… um herauszufinden, wen Abraham mehr liebte, Isaak oder Gott. Doch niemand hat dich aufgefordert, deinen Sohn zu opfern, Valentin. 

Valentin schaute auf den Altar zu seinen Füßen, der mit Jace’ Blut bespritzt war, und dann wieder zum Engel. »Wenn Ihr mir keine andere Wahl lasst, werde ich Eure Gunst von Euch einfordern«, erklärte er. »Aber es wäre mir bedeutend lieber, wenn Ihr mir freiwillig zustimmt.« 

Als Jonathan Shadowhunter mich herbeigerufen hat, habe ich ihm meine Unterstützung gewährt, weil ich erkennen konnte, dass seinTraum von einer Welt ohne Dämonen aufrichtig war. Er träumte von einem Himmel auf Erden. Doch du träumst nur von deinem eigenen Ruhm und den Himmel liebst du schon gar nicht. Mein Bruder Ithuriel kann das bezeugen, erwiderte Raziel. 

Valentin erbleichte. »Aber…« 

Hast du wirklich geglaubt, ich hätte davon nicht gewusst? Der Engel lächelte - das furchteinflößendste Lächeln, das Clary je gesehen hatte. Es stimmt, dass der Gebieter des Kreises, den du gezeichnet hast, von mir eine Gunst einfordern kann. Doch du bist nicht dieser Gebieter. 

Valentin starrte ihn ratlos an. »Mein Fürst Raziel … hier ist sonst niemand…« 

Oh doch, hier ist sehr wohl noch jemand, erwiderte der Engel. Deine Tochter. , 

Valentin wirbelte herum. Clary, die halb bewusstlos im Sand lag, mit schmerzhaft verkrümmten Armen und Handgelenken, starrte herausfordernd zurück. Einen kurzen Moment trafen sich ihre Blicke - und Valentin sah sie an, sah sie scharf an und Clary erkannte, dass ihr Vater ihr in diesem Moment zum allerersten Mal ins Gesicht geschaut und sie wirklich gesehen hatte. Das erste und einzige Mal. 

»Clarissa«, flüsterte er. »Was hast du getan?« 

Clary streckte die Hand aus und schrieb mit einem Finger etwas in den Sand zu seinen Füßen - keine Runen, sondern Worte: Die Worte, die er geflüstert hatte, als er zum ersten Mal sah, wozu sie fähig war… als sie die Rune gezeichnet hatte, die sein Schiff zerstörte. 

MENE, MENE, TEKEL, UPHARSIN. 

Valentins Augen weiteten sich - genau wie Jace’ kurz vor seinem Tod - und er wurde kreidebleich. Langsam wandte er sich dem Engel zu, hob die Hände zu einer flehentlichen Geste. »Mein Fürst Raziel …« 

Der Engel öffnete den Mund und spie. Zumindest sah es für Clary so aus - der Engel spie und aus seinem Mund schoss ein weiß glühender Funke, wie ein brennender Pfeil. Der Pfeil flog in schnurgerader Linie über das Wasser und bohrte sich in Valentins Brust. Vielleicht war »bohrte« aber auch nicht der richtige Ausdruck - er schlug durch Valentin hindurch wie ein Stein durch dünnes Papier und hinterließ ein rauchendes Loch von der Größe einer Faust. Einen Moment lang konnte Clary durch die Brust ihres Vaters hindurchsehen, den See und den feurigen Schein des Engels erkennen. 

Der Moment verstrich wie in Zeitlupe. Dann stürzte Valentin wie ein gefällter Baum zu Boden und blieb reglos liegen - die Lippen zu einem stummen Schrei geöffnet, die Augen auf ewig zu einem letzten Blick ungläubiger Wut verengt. 

Das war die himmlische Gerechtigkeit. Ich hoffe, du bist nicht entsetzt. 

Sprachlos schaute Clary auf. Der Engel schwebte über ihr wie ein Turm aus weißen Flammen, der den Blick auf den Himmel verdeckte. Seine Stimme klang wie der Zusammenprall gewaltiger Gebirgsmassen. 

Du kannst eine Gunst von mir einfordern, Clarissa Morgenstern. Wie lautet dein Wunsch? 

Clary öffnete den Mund, aber kein Laut kam über ihre Lippen. 

Ach, ja, sagte der Engel mit deutlich sanfterer Stimme. Die Rune. Die zahlreichen Augen auf seinen Schwingen blinzelten, dann streifte etwas über Clarys Körper - etwas Weiches, weicher als Seide und jeder andere Stoff, sanfter als ein Flüstern oder der Hauch einer Feder. So mussten sich Wolken anfühlen, überlegte sie. Ein schwacher Duft begleitete die Berührung - ein angenehmer Duft, betörend und süß. 

Sofort fielen die Fesseln um Clarys Handgelenke ab und der Schmerz ließ nach. Auch das Brennen im Nacken war verschwunden, genau wie das Gefühl der Schwere in ihren Beinen. Langsam rappelte Clary sich auf. Mehr als alles andere in der Welt wünschte sie sich, einfach nur durch den blutigen Sand zu robben, zu der Stelle, an der Jace’ Leichnam lag, zu ihm hinzukriechen, sich neben ihn zu legen und die Arme um ihn zu schlingen, auch wenn er von ihr gegangen war. Doch die Stimme des Engels hielt sie zurück; sie rührte sich nicht von der Stelle und starrte hinauf in sein strahlend goldenes Licht. 

Die Schlacht in der Brocelind-Ebene nähert sich ihrem Ende. Morgensterns Macht über seine Dämonen schwand mit seinem Tod dahin. Schon jetzt fliehen viele Hals über Kopf und auch die restlichen werden bald vernichtet sein. Bereits in diesem Moment sind Nephilim auf dem Weg zu diesem See. Wenn du also einen Wunsch hast, Schattenjägerin, dann äußere ihn jetzt. Der Engel schwieg einen Moment und fuhr dann fort: Und denk daran: Ich bin nicht der Allmächtige. Wähle deinen Wunsch weise. 

Clary zögerte - nur einen Augenblick, doch der Augenblick kam ihr unendlich vor. Sie könnte den Engel um alles Mögliche bitten, überlegte sie benommen - um was immer sie wollte: das Ende allen Hungers auf Erden, aller Schmerzen, aller Krankheiten. Weltfrieden. Andererseits lagen diese Dinge vielleicht gar nicht in der Macht eines Engels, denn sonst wären sie sicher längst gewährt worden. Oder die Menschheit musste selbst eine Lösung für diese Probleme finden. 

Doch das alles spielte ohnehin keine Rolle. Letztendlich gab es auf dieser Welt nur eines, worum sie bitten konnte, nur einen einzigen Wunsch. 

Clary hob die Augen und schaute den Engel an. 

»Jace«, flüsterte sie. 

Der Ausdruck des Engels blieb unverändert. Clary hatte keine Ahnung, ob Raziel ihre Bitte für weise hielt oder nicht - oder ob er ihren Wunsch überhaupt erfüllen wollte, überlegte sie, von plötzlicher Panik erfüllt. 

Schließ die Augen, Clarissa Morgenstern, sprach der Engel. 

Und Clary schloss die Augen - schließlich widersprach man einem Engel nicht, ganz gleich, was er vorhatte. Mit pochendem Herzen saß sie da und versuchte angestrengt, nicht an Jace zu denken. Doch sein Gesicht tauchte wie von selbst vor dem leeren dunklen Hintergrund ihrer geschlossenen Augenlider auf. Allerdings lächelte er sie nicht direkt an, sondern warf ihr nur kurz aus den Augenwinkeln einen Blick zu, sodass Clary die Narbe an seiner Schläfe sehen konnte, die spöttisch geschürzten Lippen und die silbern schimmernde Blessur an seiner Kehle, wo Simon ihn gebissen hatte: sämtliche Narben und Makel und Unvollkommenheiten, die den Menschen ausmachten, den Clary mehr als jeden anderen auf der Welt liebte. Jace. Ein strahlendes Licht färbte ihre Vision in einem leuchtenden Scharlachrot und Clary sank rückwärts in den Sand und fragte sich, ob sie in Ohnmacht fallen oder vielleicht sogar sterben würde. Aber sie wollte nicht sterben - nicht jetzt, wo sie Jace’ Gesicht so deutlich vor sich sehen konnte. Sie glaubte sogar, seine Stimme zu hören, die ihren Namen rief, so wie damals in Renwicks Ruine, als er wieder und wieder ihren Namen geflüstert hatte: Clary. Clary. Clary. 

»Clary«, sagte Jace. »Öffne die Augen.« 

Und Clary öffnete die Augen. 

Sie lag im Sand, in ihren zerrissenen, nassen und blutbeschmierten Sachen. So weit hatte sich also nichts verändert. Was sich jedoch verändert hatte, war die Tatsache, dass der Engel verschwunden war und mit ihm das blendende weiße Licht, das die Finsternis taghell erleuchtet hatte. Clary schaute hinauf in den Nachthimmel, zu den Sternen, die wie Spiegel in der Dunkelheit funkelten, und dann in zwei Augen, die auf sie hinabblickten und deren Licht stärker leuchtete als jeder Stern - Jace. 

Begierig sog sie seinen Anblick in sich auf, jeden Zentimeter von ihm - von den zerzausten Haaren über sein blutverschmiertes, schlammbespritztes Gesicht bis hin zu den schmutzumrandeten Augen; von den Blutergüssen unter seinen aufgeschlitzten Ärmeln bis zu der blutgetränkten, zerrissenen Brust seines Hemdes, unter der seine nackte Haut schimmerte. Doch keine Narbe und keine klaffende Wunde zeugten noch von der Stelle, wo das Schwert ihn durchbohrt hatte. Clary konnte den Pulsschlag in seiner Kehlgrube erkennen und hätte fast die Arme um ihn geschlungen, weil dies bedeutete, dass sein Herz schlug und dass … 

»Du lebst«, flüsterte sie. »Du lebst wirklich.« 

Mit einem Ausdruck größter Verwunderung hob er die Hand, um sanft ihr Gesicht zu berühren. »Ich war in der Dunkelheit«, sagte er leise. »Dort gab es nichts außer Schatten und auch ich war ein Schatten … und ich wusste, dass ich tot war, dass es vorbei war, alles vorbei war. Doch dann hörte ich deine Stimme. Ich hörte, wie du meinen Namen gesagt hast, und das hat mich zurückgebracht.« 

»Nicht ich - der Engel hat dich zurückgebracht«, flüsterte Clary mit einem Kloß im Hals. 

»Weil du ihn darum gebeten hast.« Schweigend zeichnete Jace mit einem Finger die Konturen ihres Gesichts nach, als müsse er sich vergewissern, dass sie kein Traum, sondern Wirklichkeit war. »Du hättest dir alles auf der Welt wünschen können, doch du hast dir mich gewünscht.« 

Lächelnd schaute Clary zu ihm auf. Obwohl er vor Dreck starrte und von Kopf bis Fuß mit Blut und Schlamm bedeckt war, hatte sie in ihrem Leben noch nie etwas Schöneres gesehen. »Aber ich will gar nichts anderes auf der Welt.« 

In dem Moment flammte das bereits warme Licht in seinen Augen zu solcher Helligkeit auf, dass Clary kaum hinsehen konnte. Sie musste an den Engel denken - daran, dass er wie Tausende Fackeln gestrahlt hatte und dass in Jace’ Adern ebenfalls Spuren dieses weiß glühenden Blutes flössen und dass dieses Leuchten aus ihm herausstrahlte, aus seinen Augen, wie Licht durch die Ritzen einer Tür. 

Ich liebe dich, wollte Clary sagen und: Ich würde es immer wieder tun. Ich würde mir immer nur dich wünschen. Doch stattdessen stieß sie schließlich etwas ganz anderes hervor. 

»Du bist nicht mein Bruder«, sprudelte es aus ihr heraus, weil sie es ihm gar nicht schnell genug mitteilen konnte. »Aber das weißt du, oder?« 

Langsam, sehr langsam breitete sich ein Lächeln auf Jace’ blutigem, dreckigem Gesicht aus. »Ja«, grinste er. »Ja, das weiß ich.« 

Chroniken der Unterwelt Bd. 3 City of Glass
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