Kapitel 1
Magregor, falls du glaubst, du könntest deine letzten Drinks auf meine saubere Theke kotzen, hast du dich geirrt. Geh sofort aufs Klo, sonst versetze ich dir einen Tritt, dass du mitten auf der Straße landest. Dann erfährst du am eigenen Leib, wie man sich als plattgefahrener Igel fühlt.«
Ich wischte mir die Hände an einem der frischen weißen Tücher ab, mit denen wir die Bar des Wayfarer sauber hielten, und hängte es sorgfältig über die Stange hinter dem Tresen, während ich den Goblin im Auge behielt. Ich mochte Goblins nicht.
Sie waren nicht nur hinterlistige kleine Kriecher, sie stellten auch eine potenzielle Bedrohung für meine Schwestern und mich dar. Die Goblinhorden waren Verbündete unseres Miststücks von einer Königin zu Hause in der Anderwelt, die eine Todesdrohung über uns verhängt und uns damit praktisch ins Exil verbannt hatte. Bis der Bürgerkrieg vorüber und die Königin besiegt war, mussten wir entweder Erdseits bleiben oder andere Städte aufsuchen, falls wir heim in die Anderwelt wollten; nach Y’Elestrial konnten wir jedenfalls nicht. Ein falsches Wort – und Goblins waren notorische Petzer – könnte Königin Lethesanar genügen, um herauszufinden, wo wir waren.
Die Elfen hatten uns geholfen, das Portal im Keller des Wayfarer in die dunklen Wälder von Finstrinwyrd umzulenken. Das schützte uns zwar vor der unmittelbaren Gefahr, dass die Wachen der Königin durchkommen könnten, dafür mussten wir uns jetzt damit herumschlagen, dass alle möglichen anderen Geschöpfe durch das Portal herüberschlichen. Aber wir wagten es nicht, das Portal dauerhaft zu schließen. Wir brauchten einen schnellen Zugang zur Anderwelt.
Es hätte mir ja nichts ausgemacht, wenn nur hin und wieder irgendein Schläger zur Tür hereingeschneit wäre, aber die Elfen, die die andere Seite des Portals bewachten, waren faul. Allein in dieser Woche hatte ich mir vier Prügeleien mit Feen geliefert, die hier Unheil stiften wollten, drei Kobolde ausgeschaltet, einem grapschenden Gnomen die Tour vermasselt und mit Müh und Not einen potthässlichen Baby-Troll wieder eingefangen, der sich irgendwie durchgeschmuggelt hatte.
»Versuch doch mal, mich rauszuschmeißen, Püppchen... Dann zeig ich dir, wozu Frauen gut sind.« Der Goblin reckte mir mit einem dreckigen Grinsen das Becken entgegen und fasste sich in den Schritt. Er war wirklich sturzbetrunken. Wenn er nicht so voll gewesen wäre, hätte er sich schleunigst verpisst und noch draußen vor Angst geschlottert. Seinem Gesichtsausdruck nach zu schließen, blieben mir noch etwa fünf Minuten, ehe sein Abendessen wieder an der Luft erschien.
»Nein, lass mich dir zeigen, wozu Frauen gut sind«, sagte ich leise und setzte mit einem Sprung über die Bar. Seine Augen weiteten sich, als ich lautlos neben ihm landete. Ich konnte seinen Puls riechen, und sein Herzschlag hallte in meinem Hinterkopf wider. Obwohl ich nicht mal für viel Geld Goblinblut angerührt hätte, außer ich wäre am Verhungern, fuhr ich die Reißzähne aus und lächelte ihn an.
»Heilige Scheiße.« Er versuchte zurückzuweichen, schaffte es aber nur, sich zwischen seinem und dem nächsten Barhocker einzuklemmen. Ich riss ihn am Kragen heraus und ging hinüber zur Kellertreppe, wobei ich ihn hinter mir herschleifte. Er wehrte sich, aber aus meinem Griff würde er sich nicht herauswinden.
»Chrysandra, pass mal kurz auf die Bar auf.«
»Klar, Boss.« Chrysandra war meine beste Kellnerin. Sie hatte eine Weile als Türsteherin drüben im Jonny Dingo’s gearbeitet, es aber irgendwann sattgehabt, sich für einen Hungerlohn von schmierigen Typen anmachen zu lassen. Ich bezahlte ihr mehr, und meine Gäste wussten, dass es besser für sie war, die Angestellten in Ruhe zu lassen. Zumindest die meisten, dachte ich mit einem Blick auf den Goblin und warf ihn mir über eine Schulter, um ihn die Treppe hinunterzutragen. Der Goblin quiekte und trampelte mir gegen den Bauch.
»Lass das, du Sack. Du kannst deine Kinderschühchen noch ein Jahrhundert lang in meinen Bauch rammen, ohne dass ich eine Delle kriege«, sagte ich, dann fauchte ich ihn an.
Er erbleichte. »O Scheiße.«
»Ja, das trifft’s ganz gut«, sagte ich. Ein Vampir zu sein, hatte auch seine Vorteile.
Als ich den Keller betrat, blickte Tavah von ihrem Posten in der Nähe des Portals auf, das wie ein Nebelfleck zwischen zwei großen Menhiren hing. Sie sah den Goblin an, dann mich. »Dachte ich es mir doch, dass der hier nichts zu suchen hat... « Sie verstummte vage, als ich den Unseligen zu Boden schleuderte.
»Wir können ihn auf keinen Fall durch das Portal zurückgehen lassen. Ich schlage vor, du genehmigst dir einen kleinen Snack«, sagte ich.
Tavah blinzelte, dann lächelte sie, wobei sie reichlich Zähne zeigte. Sie war nicht so mäkelig wie ich, was ihre Mahlzeiten anging. »Danke, Boss«, sagte sie, als ich mich abwandte, um wieder nach oben zu gehen.
Hinter mir stieß der Goblin einen erschrockenen Schrei aus, der abrupt abgeschnitten wurde. Ich hielt einen Augenblick lang inne. Im Keller war es still, bis auf leise, schleckende Geräusche von Tavah. Sacht schloss ich die Tür und kehrte in die Bar zurück. Wir durften nicht riskieren, dass der Goblin zurück in die Anderwelt oder gleich nach Y’Elestrial rannte und dort Sachen herumerzählte. Weder die Königin noch die verstreuten Reste des AND wussten, dass wir noch hier waren. Und ich wollte, dass das so blieb.
Im Wayfarer steppte der Bär. Als mir dieser Job an der Bar zugewiesen worden war, hatte ich mich damit abgefunden, einen Haufen betrunkener Penner und trauriger, heimatloser Gestalten zu bedienen. Aber zu meiner Erleichterung und Überraschung tranken die meisten Feen, die in den Wayfarer kamen, zwar genug, um sich zu amüsieren, aber nicht so viel, dass es ständig Ärger gab.
Die Vollblutmenschen unter meinen Gästen waren auch ganz in Ordnung. Sie zahlten gutes Geld dafür, ihre Abende in der Gesellschaft diverser Feen und erdgebundener Übernatürlicher verplempern zu dürfen. Na ja, bis auf die Feenmaiden, und die gingen mir nur auf die Nerven, weil sie knauserig waren. Ich meine, sie kauften sich einen Drink und nuckelten den ganzen Abend daran herum, belegten aber kostbare Plätze in den Sitznischen. Sie waren nur aus einem einzigen Grund hier: um sich von irgendeinem sexgierigen Bewohner der Anderwelt ins Bett zerren zu lassen.
Um ehrlich zu sein, fand ich sie eigentlich eher bemitleidenswert als nervig. Es war ja nicht ihre Schuld, dass sie so empfänglich für Sidhe-Pheromone waren. Wenn sich hier irgendjemand hätte beherrschen müssen, dann die Feen aus dem Volk meines Vaters. Wir Sidhe wussten genau, was passieren konnte, wenn Sex im Spiel war, aber viele Menschen verstanden das nicht. Im Lauf der Monate hatte ich allerdings gelernt, die Klappe zu halten. Wenn ich nämlich doch einmal versucht hatte, eine schwer verknallte Feenmaid von ihrem Vorhaben abzubringen, war ich nur auf Unverständnis gestoßen. Manche waren richtig wütend geworden.
Da das Goblin-Problem nun gelöst war, kehrte ich an meinen Tresen zurück, gerade rechtzeitig, um Camille und Trillian zur Tür hereinspazieren zu sehen. Meine älteste Schwester Camille sah umwerfend aus, mit langem, rabenschwarzem Haar und violetten Augen. Sie war kurvenreich und sinnlich, ihr Kleidungsstil so eine Art Designer-Sado-Maso; heute trug sie ein Lederbustier und einen fließenden Chiffonrock. Trillian sah aus wie eine Figur aus Matrix in seinem langen Mantel aus schwarzem Wildleder, schwarzen Jeans und einem schwarzen Rolli. Er war ein Svartaner – finstere Cousins der Elfen –, und seine Kleidung und sein Teint ergaben eine große pechschwarze Gestalt, eingerahmt von silbernem Haar, das ihm bis zu den Hüften reichte. Es wellte sich und wogte – dieses Haar hatte wahrhaft ein Eigenleben. Die beiden als Paar waren jedenfalls ein echter Hingucker.
Ich wartete, bis sie sich einen Tisch ausgesucht hatten, wischte mir dann die Hände am Bartuch ab und warf es Chrysandra zu. »Ich mache kurz Pause«, sagte ich und ging mit einem Kelch Blütenwein für Camille und einem Scotch on the rocks für Trillian zu den beiden hinüber. Ich musste den Svartaner nicht unbedingt haben, aber ich wollte mit Camille reden. Sie blickte auf, als ich neben ihr auf die Bank glitt, und ich drückte sie kurz an mich.
Trillian ließ ein Lächeln aufblitzen. Wie üblich ignorierte ich ihn. »Was habt ihr herausgefunden?«, fragte ich meine Schwester.
Sie lehnte sich zurück und schüttelte den Kopf. »Sie sind verschwunden. Trillian hat überall gesucht, aber keine Spur von Vater oder Tante Rythwar gefunden. Ihre Häuser waren verlassen, alles war weg.«
»Scheiße.« Ich starrte auf meine Fingernägel hinab. Sie waren perfekt, und das würden sie auch für immer sein. »Hat denn niemand eine Ahnung, wo sie stecken könnten?«
Nun meldete sich Trillian zu Wort. »Nein. Ich habe alle meine üblichen Quellen abgeklappert, ohne Erfolg. Dann habe ich es geschafft, ein paar weitere aufzuspüren, die gar nicht glücklich darüber waren, mich zu sehen – sie schulden mir eine Menge und hatten gehofft, sich noch ein Weilchen vor mir verstecken zu können. Aber offenbar hat wirklich niemand eine Ahnung, wohin euer Vater und eure Tante verschwunden sein könnten.«
»Du glaubst doch nicht, dass Lethesanar sie gefunden und getötet hat, oder?«, fragte Camille.
Ich verzog das Gesicht. »Puh, das ist die Frage, die ich lieber nicht hören wollte.« Doch noch während ich sprach, wurde mir klar, dass es richtig von ihr war, diese Frage zu stellen.
»Nein. Ihre Seelenstatuen sind noch intakt. Ich habe im Ahnenschrein eurer Familie nachgeschaut. Außerdem wisst ihr doch, dass sie nicht widerstehen könnte, solche Gefangenen dem ganzen Hof vorzuführen, und davon hätten wir ganz sicher erfahren. Lethesanar protzt zu gern mit jedem kleinen Sieg über ihre Feinde. Sie würde öffentliche Hinrichtungen ansetzen und sie mit Pauken und Trompeten verkünden. Nein, ich glaube, euer Vater und eure Tante haben einfach ein verdammt gutes Versteck gefunden und warten, bis der Sturm vorüber ist.«
Trillian lehnte sich zurück und drapierte lässig einen Arm um Camilles Schultern. Irgendwann würde ich mich damit abfinden müssen, dass die beiden wieder zusammen waren und sich daran vermutlich nichts ändern würde. Svartaner bedeuteten von Natur aus Ärger, und es gefiel mir nicht, dass meine Schwester sich mit einem von ihnen eingelassen hatte. Tja, das passte mir zwar nicht, aber ich konnte kaum etwas dagegen tun. Und er war uns eine große Hilfe, das musste ich ihm lassen.
Ich dachte einen Moment lang darüber nach und beschloss dann, eine weitere Frage zu stellen. »Was ist mit unserem anderen Problem?«
»Noch nichts gehört«, sagte Trillian.
Camille seufzte tief, und in ihren violetten Augen blitzten silbrige Flecken auf. Sie hatte Magie gewirkt, und das nicht zu knapp. »Königin Asterias Wachen können keine Spur von Wisteria finden, und offenbar ist der Elwing-Blutclan sozusagen vom Radar verschwunden. In der Umgebung ihrer üblichen Schlupfwinkel ist nichts von ihnen zu sehen, und niemand hat etwas darüber gehört, was da vor sich geht. Aber ganz sicher führen sie nichts Gutes im Schilde.« Wisteria, eine fehlgeleitete Floreade, hatte sich mit einem Degath-Kommando von Dämonen – Höllenspähern – zusammengetan und versucht, uns zu ermorden. Sie hatte eine nette kleine Überraschung erlebt, als wir sie stattdessen in den Kerkern der Elfenkönigin deponiert hatten. Bedauerlicherweise war sie entkommen. Gerüchten zufolge hatte sie sich nun mit jemandem verbündet, an den ich gar nicht denken wollte.
»Ich weiß, wozu der Elwing-Clan fähig ist.« Ich schloss einen Moment lang die Augen, um die Erinnerungen zu vertreiben, die mich fertigmachen würden, wenn ich mir erlaubte, ihnen auch nur einen Augenblick lang nachzuhängen. Während der Nacht, wenn ich wach war, konnte ich sie zumindest abschütteln. »Also«, sagte ich und begegnete ihrem Blick. »Was tun wir jetzt?«
Camille zuckte mit den Schultern. »Ich weiß nicht, was wir tun könnten. Ich denke, wir sollten das Portal bewachen, die Nachrichten im Auge behalten und inständig hoffen, dass die Elfen mit ihrer Suche endlich Erfolg haben.«
»Asteria hat uns geraten, Aladril, die Stadt der Seher, zu besuchen und dort mit einem Mann namens Jareth zu sprechen.« Ich wollte etwas unternehmen. Herumzusitzen und darauf zu warten, dass etwas passierte, machte mich furchtbar nervös. Die beste Verteidigung ist immer noch ein guter Angriff – das war meine Meinung. Man musste die Gegner überraschen, ehe sie Gelegenheit bekamen, uns zu überraschen, dann brauchte man nicht ständig zu befürchten, von hinten erstochen zu werden. Oder mit einem Pflock durchstoßen.
»Ich weiß, aber was sollen wir ihm sagen? Wie können wir Antworten von ihm erwarten, wenn wir nicht einmal wissen, was für Fragen wir ihm stellen sollen?« Camille tippte nervös mit dem Fuß auf den Boden. Ich konnte das Wackeln ihres Beins spüren.
»Ich weiß es nicht«, erwiderte ich nach einer kurzen Pause. »Aber wir müssen uns wirklich etwas einfallen lassen. Mit einem Clan abtrünniger Vampire im Rücken könnte Wisteria eine Menge Schaden anrichten, falls es ihr gelingt, wieder in die Erdwelt vorzudringen.«
»Glaubst du wirklich, dass die auf sie hören würden, statt sie einfach leer zu trinken?« Camille runzelte die Stirn und zeichnete mit der Fingerspitze eine Spirale an ihr beschlagenes Glas, von dem Kondenswasser auf den Tisch tropfte.
»Vielleicht schon. Jedenfalls lang genug, um zu erfahren, wie sie hierherkommen können. Irre halten auch zusammen, und der Elwing-Blutclan wird von Dredge geführt, dem größten Irren von allen. Haben wir ein Glück, was?« Ich blickte zur Bar hinüber, wo sich ein neuer Ansturm von Gästen drängte. »Hier ist gleich die Hölle los, ich muss wieder an die Arbeit. Wir treffen uns zu Hause. Passt bloß gut auf euch auf. Irgendetwas geht hier vor – ich kann es fühlen.«
Camille hob das Gesicht, das von der sanften Deckenbeleuchtung in einen goldenen Schimmer getaucht wurde. »Du hast recht, ich rieche es im Wind. Uns stehen böse Zeiten bevor. Ich weiß nur nicht, was genau.« Sie gab Trillian einen Wink. »Gehen wir. Delilah und Iris warten vermutlich schon mit dem Abendessen auf uns.«
Als sie sich aus der Sitznische schoben und zur Tür gingen, ließ Trillian sich ein wenig zurückfallen. »Augen auf«, sagte er zu mir. »Der Elwing-Clan wird Wisteria mit Begeisterung aufnehmen. Achte sehr genau darauf, wer durch das Portal kommt.«
Ich nickte, und er wandte sich ab. Ich mochte ihn nicht besonders, aber dumm war er nicht. Ich wandte mich wieder der Bar zu und ließ den Blick über die weiter anschwellende Menge schweifen. Binnen fünf Minuten war der Laden proppenvoll. Seit etwa einem Monat entdeckten immer mehr Erdwelt-Übernatürliche den Wayfarer, und nun kamen sie in Scharen.
Neben mehreren ganz normalen Feen aus der Anderwelt entdeckte ich zwei Lykanthropen, die an einem Tisch in der Ecke die Köpfe zusammensteckten, eine umwerfend schöne Werpuma-Frau, die ausgerechnet hier Daphne du Mauriers Rebecca las, ein halbes Dutzend Hauselfen, die in eine Art Trinkspiel vertieft waren, und ein paar VBM aus der Neue-Heiden-Szene, die Wahrsage-Unterricht bei einer der Elfen-Seherinnen nahmen, die sich in der Erdwelt niedergelassen hatte. Außerdem waren noch vier Feenmaiden da, sämtlich auf der Suche nach einem guten, harten Fick. Sie waren seit zwei Stunden hier und hatten seither ganze zwei Runden Drinks gekauft.
Ich war gerade auf den Weg dorthin, um ihnen die Meinung zu sagen, als die Tür aufflog und Chase Johnson hereinkam, mit einem hässlichen, riesigen Ketchup-Fleck auf dem Hemd. Mir lag schon ein fieser Kommentar auf den Lippen, doch plötzlich erstarrte ich, als meine Nase meldete, dass das kein Ketchup war. Chase war mit Blut beschmiert. Schwindel überkam mich, und ich zwang mich, die Augen zu schließen und bis zehn zu zählen.
Eins... zwei... Denk nicht einmal daran, ihn anzugreifen. Drei... vier... Du hast schon gegessen, ehe du zur Arbeit gegangen bist. Fünf... sechs... Chase ist Delilahs Freund, und wenn du ihm etwas tust, wird sie stinksauer sein. Sieben... acht... Schieb die Versuchung beiseite. Chase ist ein netter Kerl, das kommt gar nicht in Frage. Neun... Das Blut kommt nicht von Chase, es klebt nur an seinem Hemd und dem Anzug. Zehn... Atme tief durch, obwohl du nicht zu atmen brauchst. Stoße den Atem langsam und laut wieder aus und lass ihn die Anspannung und den Durst mitnehmen, so dass sie gereinigt werden und verfliegen.
Als das letzte bisschen Luft aus meinem Körper geströmt war, öffnete ich die Augen. Jedes Mal fiel es mir ein bisschen leichter. Mit jedem Mal fühlte ich, wie wieder ein bisschen mehr Kontrolle in mein Leben einzog. Wenn ich auf der Jagd war und nicht nach Perversen suchen konnte, sondern mich von irgendjemandem nähren musste – einem Unschuldigen, der nur zufällig gerade da war –, benutzte ich diese Technik ebenfalls. Sie hielt mich davon ab, dauerhaften Schaden anzurichten. Allerdings hatte ich es aufgegeben, meiner Psyche antrainieren zu wollen, diesen Vorgang als Ernährung statt als Genuss anzusehen. Es fühlte sich immer gut an, und daran würde sich auch nichts ändern.
»Chase, was ist los? Bist du verletzt?«
Seine Augen weiteten sich, als er meinem Blick begegnete, doch dann schüttelte er den Kopf und wies mit einem Nicken zur Tür. »Gleich gegenüber, im Kino – wir haben eine Meldung bekommen, da gäbe es irgendwelchen Ärger. Als wir hinkamen, haben wir vier Tote gefunden. Zwei Männer, zwei Frauen.«
»Was ist passiert?« Was auch immer es war, es musste übel gewesen sein. Chase war klug genug, um zu wissen, dass er nicht mit Blut beschmiert in meiner Bar auftauchen sollte. Da hier so viele Erdwelt-ÜW und Feen abhingen, galt die ungeschriebene Regel: Wenn du eine blutende Wunde hast, oder als Frau deine Tage, halt dich vom Wayfarer fern. Der Geruch von Blut war gefährlich, er konnte jederzeit irgendjemanden ausrasten lassen, denn Blut wirkte auf eine ganze Reihe von Übernatürlichen wie ein Aphrodisiakum.
Es musste also ziemlich heftig sein, wenn Chase diese Konvention brach.
»Vampire«, sagte er. »Die Opfer wurden ausgeblutet, haben aber keine offensichtlichen Schnittwunden oder andere Verletzungen. Sharah hat die Leichen untersucht, und tatsächlich – alle hatten zwei kleine Bissmale am Hals. Sie saßen im obersten Rang auf dem Balkon, ganz hinten, allein. Es hat also niemand gesehen, was passiert ist.«
Vampire? Natürlich gab es Vampire in Seattle, aber welche, die sich darauf verlegten, in einem Kino über Menschen herzufallen? Das kam mir merkwürdig vor. Die Anonymen Bluttrinker hatten hart daran gearbeitet, das Trinken von Unschuldigen zurückzudrängen.
Ich schüttelte den Kopf. »Habt ihr sie?«
Chase runzelte die Stirn. »Wir konnten keine Spur von ihnen finden. Wir dachten, du könntest uns vielleicht helfen. Die Wunden sind frisch; die Vampire sind vermutlich noch ganz in der Nähe. Wenn irgendjemand sie aufspüren kann, dann du.«
Ich stöhnte. »Ich soll für euch Buffy spielen? Nenn mir einen guten Grund, weshalb ich meinesgleichen töten sollte.«
Chase lachte heiser. »Weil du zum AND gehörst. Weil du auf der richtigen Seite stehst. Weil du weißt, dass das, was die getan haben, falsch war. Verdammt, von mir aus kannst du dich auch als Mann verkleiden und dich Angel nennen, ist mir völlig egal. Aber hilf uns.«
Toll, ganz toll. Das war also der Preis, den ich dafür bezahlen sollte, dass ich nett zum Freund meiner Schwester war. Aber wenn er mich so anstarrte und mich um Hilfe anbettelte, wie konnte ich da nein sagen? Ich band mir die Schürze ab und warf sie auf den Tresen.
»Chrysandra, ich bin bald wieder da. Übernimm die Bar für mich.« Dann folgte ich Chase, der zur Tür hinaus in die dunkle Januarnacht eilte.
Mein Name ist Menolly D’Artigo, und ich war einmal Akrobatin. Mit anderen Worten: Ich war verdammt gut darin, mich irgendwo reinzuschleichen und Leute auszuspionieren. Jedenfalls war ich meistens verdammt gut darin. Zufällig bin ich aber halb menschlich, von der Mutterseite, und halb Fee, von der Vaterseite. Diese genetische Mischung führt zu Problemen, und die Fähigkeiten, mit denen ein solches Halb-Mensch-halb-FeeKind auf die Welt kommt, werden von gewissen Unsicherheiten verzerrt. Meine Schwestern – Camille, eine Hexe, und Delilah, eine Werkatze – haben diese Lektion ebenfalls auf die harte Tour gelernt.
Während einer routinemäßigen Erkundungsmission passierte mir ein Schnitzer, dank meiner chaotischen inneren Schaltkreise und eines blöden Zufalls. Das war der letzte Fehler, den ich je gemacht habe. Der Elwing-Blutclan bekam mich zu packen, und die spielen nicht herum. Die Folter schien eine Ewigkeit zu dauern, und – nun ja, »Ewigkeit« gilt jetzt auch für mein Dasein. Nachdem Dredge mich getötet hatte, ließ er mich in der Welt der Untoten wiederauferstehen und verwandelte mich in einen Vampir, damit ich wurde wie er. Aber ich weigerte mich, den Dreckskerl gewinnen zu lassen. Niemand hat bei mir das letzte Wort, schon gar nicht ein Sadist wie Dredge.
Meine Schwestern und ich arbeiten für den Anderwelt-Nachrichtendienst, der vor ein paar Monaten abgeschafft wurde. In Y’Elestrial, unserer Heimatstadt in der Anderwelt, ist ein Bürgerkrieg ausgebrochen. Königin Lethesanar hat alle Agenten zurückbeordert und dem Militär unterstellt. Wir haben uns dafür entschieden, Erdseits zu bleiben, vor allem da sie eine Todesdrohung über uns verhängt hat – wir sollten uns also zu Hause lieber nicht blicken lassen.
Jetzt sind wir in einen Wettlauf gegen die Zeit verstrickt, oder vielmehr gegen einen mächtigen Dämonenfürsten namens Schattenschwinge. Er ist sehr groß und sehr böse und der aktuelle Herrscher über die Unterirdischen Reiche. Zusammen mit seinen Dämonenhorden will Schattenschwinge die Erde wie die Anderwelt überrennen und die Herrschaft übernehmen. Wir haben allerdings noch ein paar Verbündete zu Hause in der Anderwelt. Die Elfenkönigin Asteria hilft uns, so gut sie kann, aber das ist eben nicht viel. Meine Schwestern und ich und unsere bunt zusammengewürfelte Gruppe von Freunden sind die Einzigen, die sich Schattenschwinge in den Weg stellen. Und das ist eine beängstigende Position – bestenfalls. Der Delmonico Cinema Complex war das älteste Kino im Stadtteil Belles-Faire, wo der Wayfarer liegt. Es war original erhalten, mit quietschenden Sesseln und einem Balkon aus den Fünfzigern, auf dem Pärchen sich schon immer zur Zelluloid-Ekstase geknutscht hatten – das Delmonico hatte schon bessere Zeiten gesehen. Aber für diesen Vorort von Seattle hatte es einen nostalgischen Charme, denn es stammte aus einer Zeit, als Platzanweiser tatsächlich genau das taten, als noch echte Butter aufs Popcorn kam und am Samstagnachmittag Monsterfilme gezeigt wurden.
Das Kino war leer. Die Besucher hatten nicht einmal mitbekommen, was passiert war. Ich vermutete, es waren ohnehin nicht allzu viele gewesen. Unter der Woche waren die Spätvorstellungen nicht gut besucht, außer es gab irgendeinen Kultklassiker wie Die Rocky Horror Picture Show oder Plan 9 aus dem Weltall. Eine junge Frau, der Uniform nach vermutlich die Kartenabreißerin, und zwei Snack-Verkäufer saßen auf einer Bank und warteten darauf, dass Chase’ Team sie endlich gehen ließ.
»Sie wissen nicht, warum genau wir hier sind, also sag vor ihnen am besten nichts«, ermahnte Chase mich mit gesenkter Stimme. »Je nachdem, was wir finden, erzählen wir ihnen lieber, es hätte eine Prügelei gegeben und irgendjemandem sei die Nase gebrochen worden.«
Er führte mich über die mit abgewetztem Teppich belegten Stufen nach oben, und ich folgte ihm. Zum Glück hatte ich genug Selbstbeherrschung, um meine Instinkte im Zaum zu halten. Ich verdrängte den Geruch nach frischem Blut aus meinen Gedanken und konzentrierte mich auf das, was Chase mir erzählte.
»Wir haben vor etwa einer Stunde einen anonymen Hinweis erhalten. Der Anrufer hat direkt meine Nummer gewählt, er wusste also, dass das ein Fall für das AETT ist«, sagte er.
Das Anderwelt-Erdwelt-Tatort-Team war Chase’ Baby. Er hatte die Sondereinheit aufgebaut, als der Anderwelt-Nachrichtendienst ihn in die Erdwelt-Division aufgenommen hatte. Seine Modelleinheit wurde zum Standard für alle landesweiten Divisionen, die danach eingerichtet wurden. Das Team war für alle polizeilichen Angelegenheiten und andere Notfälle zuständig, die Feen oder erdgebundene Übernatürliche betrafen.
»Du meinst, er hat direkt deine Abteilung angerufen? Deine Durchwahl ist doch nicht öffentlich, oder?« Aus irgendeinem Grund erschien mir das seltsam.
Chase schüttelte den Kopf. »Nein, aber die wäre nicht allzu schwer herauszufinden, wenn jemand sie wirklich wissen wollte. Na ja, jedenfalls war die Nummer des Anrufers unterdrückt, und er klang so, als sei er ziemlich sicher, dass das AETT gebraucht wird. Aber als wir hier ankamen, haben wir eine Weile benötigt, bis wir feststellen konnten, dass die Opfer von Vampiren angegriffen wurden. Auf den ersten Blick hätte hier gar nichts ungewöhnlich ausgesehen. Sofern man irgendeinen Mord als gewöhnlich bezeichnen kann. Derjenige, der mich angerufen hat, wusste also genau, dass diese Leute nicht von einem VBM ermordet wurden.«
Es war merkwürdig, den Begriff »VBM« aus Chase’ Mund zu hören, weil er selbst einer war, aber eigentlich war es nur logisch. Die Abkürzung war einfacher, als jedes Mal »Vollblutmensch, erdgeboren« zu sagen.
»Hat jemand die Leichen bewegt? Könnte es sein, dass jemand nachsehen wollte, ob sie noch am Leben sind, und dabei die Einstiche bemerkt hat?« Ich starrte auf die Opfer hinab. Die AND-Mediziner untersuchten sie immer noch. Na ja, das waren offizielle AND-Mediziner gewesen, bis vor ein paar Monaten – jetzt war der Anderwelt-Nachrichtendienst praktisch unser eigenes Baby, und wir trafen die Entscheidungen.
»Nein. Das glaube ich nicht. Sharah hat gesagt, sie hätten reichlich Blut gefunden, aber die Verteilung weise darauf hin, dass sie noch genau da liegen, wo sie waren, als sie gestorben sind.«
»Da wir gerade von Blut sprechen... «, sagte ich gedehnt und blickte auf die vier Leichen hinab. Bis heute Abend waren diese Leute lebendig und vermutlich recht glücklich gewesen. Ich war beileibe kein Engel, aber ich suchte mir meine Opfer unter dem Abschaum des Abschaums, was mir ein schlechtes Gewissen ersparte.
»Ja?« Chase tippte mir auf die Schulter. Er sah ein bisschen besorgt aus. »Menolly, alles klar?«
»Ja«, sagte ich und rüttelte mich aus meinen Gedanken auf. »Mir geht’s gut. Ich wollte gerade sagen, dass mir noch etwas an diesem Massaker sehr merkwürdig vorkommt. Es sollte nicht so viel Blut überall sein. Eigentlich dürften wir fast gar kein Blut finden, außer wir hätten es mit einem unglaublich schlampigen Vampir zu tun, und selbst die schmuddeligsten Blutsauger, die ich kenne, trinken normalerweise relativ sauber und ordentlich. Deshalb sind Vampirattacken über die Jahre hinweg so gut wie unbemerkt geblieben. Außer... «
Mir schoss ein Gedanke durch den Kopf, dem ich lieber nicht nachgehen wollte. Es war reichlich Blut geflossen, als ich verwandelt worden war, und ich trug die Narben zum Beweis.
»Außer was?« Chase klang ungeduldig, und das konnte ich ihm nicht verdenken. Er musste sich immer noch etwas einfallen lassen, was er den Angehörigen der Opfer sagen sollte. Wir gaben an niemanden Informationen über die Dämonen heraus, und wir vermieden es ebenso, Leuten zu sagen, dass ihre Angehörigen von Vampiren oder anderen Erdwelt-Übernatürlichen ermordet worden waren. Es gab genug Irre auf der Welt, die mit Freuden die Jagd auf alles und jeden eröffnen würden, was nach ÜW roch, wenn sie erführen, dass einer von uns für einen solchen Todesfall verantwortlich war.
»Außer sie wollten diesen Menschen Leid zufügen oder eine Visitenkarte hinterlassen. Habt ihr Wunden gefunden? Irgendwelche Hinweise auf Folter... « Als ich den Kopf hob, trafen sich unsere Blicke, und ich schaute rasch wieder weg, als ich das Mitleid in Chase’ Augen sah. Ich wandte mich ab, ging hinüber zu den Leichen und suchte in ihren Gesichtern nach einem Ausdruck von Schmerz oder Wut.
Sharah war gerade mit ihren Notizen fertig geworden. Sie und ihr Assistent – ein Elf, der aussah, als sei er kaum alt genug, um sich zu rasieren – bereiteten die Leichensäcke vor, um die Toten ins Leichenschauhaus zu bringen und dort eingehender zu untersuchen. Sharahs Blick flackerte zu mir hoch, und sie nickte sacht.
»Ich weiß es noch nicht«, sagte Chase. »Oberflächlich betrachtet waren keine gröberen Verletzungen zu erkennen, aber nach der Autopsie wissen wir sicher mehr.«
Ich musterte die Gesichter der Toten, konnte ihnen aber nicht ansehen, ob sie am Ende Schmerzen gelitten hatten. Sie sahen in erster Linie überrascht aus – so als wären sie alle gleichzeitig angegriffen worden. Eine letzte Überraschung für heute Nacht. Fürs ganze Leben.
Seufzend trat ich beiseite und ließ die Mediziner ihre Arbeit tun. In den vergangenen paar Monaten hatte ich eng mit Wade Stevens zusammengearbeitet, dem Gründer der Anonymen Bluttrinker. Wir hatten es geschafft, mindestens fünfzehn Vampiren hier in der Stadt das Versprechen abzunehmen, dass sie sich möglichst nicht mehr von Unschuldigen nähren würden. Jedenfalls hatten sie einen Eid abgelegt, dabei niemanden zu töten oder schwer zu verletzen.
Wir hatten inzwischen ganz schön Zulauf und peilten schon das nächste Ziel an: alle vampirische Aktivität in Seattle unter Kontrolle zu bringen und unsere Gemeinschaft zu einer Art Untergrund-Polizeitruppe zu formen. Wer nicht kooperierte, würde die Stadt verlassen oder damit rechnen müssen, von uns vernichtet zu werden. Kurz gesagt wollten wir die Mafia der Untoten-Welt werden. Wir hofften, damit auch Anregung für ähnliche Gruppen in anderen Städten zu bieten, so lange, bis Vampire unter den Lebenden wandeln konnten, ohne Angst vor spitzen Pflöcken haben zu müssen.
»Wade muss davon erfahren«, sagte ich. »Ich rufe ihn an, mal sehen, was wir auf unserer Seite herausfinden können.«
Chase nickte. »Danke, Menolly. Ich weiß nicht, wie ich eigentlich Vampire verfolgen soll, außer mit einem Haufen Knoblauch und einem Holzpflock. Du hast ja gesagt, dass Kreuze gar nicht funktionieren... «
»Nein, tun sie nicht. Das gilt auch für Pentagramme, Ankhs oder sonstige religiöse Symbole. Alles Geschwafel, um die Landbevölkerung zu beruhigen, die in Angst vor Vampirangriffen lebte. Sonnenlicht ist natürlich eine sichere Sache. Und es gibt Zauber, mit denen man Vampire abwehren kann. Camille kennt ein paar davon, aber ich werde den Teufel tun und sie an mir üben lassen, deshalb wissen allein die Götter, ob sie die richtig hinbekommt.«
Er schnaubte. »Es ist jedes Mal ein Glücksspiel, wenn sie sich in den Kopf setzt, einen Zauber zu sprechen.«
Ich konnte mir das Grinsen nicht verkneifen. »Nicht unbedingt. In offensiver Magie wird sie langsam besser, obwohl ihre defensiven Fähigkeiten und die Haushaltszauber immer noch viel zu wünschen übriglassen. Aber schreib sie nicht ab, Chase. Sie kann eine Menge Schaden anrichten, wenn sie will.«
Chase entspannte sich und lächelte mich aufrichtig an. »Ja, ich weiß. Delilah auch. Und ich weiß bereits, was du mit mir anstellen könntest. Aber ich vertraue euch Mädels. Euch allen«, fügte er hinzu.
Mir war bewusst, was er damit ausdrücken wollte, und ich nahm das Kompliment gerne an. Noch vor einem Monat war Chase zusammengezuckt, wenn ich den Raum betreten hatte, und ich hatte mir einen Spaß daraus gemacht, seine Angst vor mir zu schüren. Wir mochten einander immer noch nicht. Oder zumindest nicht besonders. Aber ich fing allmählich an, den großen, gutaussehenden Detective zu respektieren, der Delilahs Herz für sich gewonnen hatte. Sie wusste es vielleicht nicht, und ich war mir sicher, dass Chase in diesem Punkt genauso blind war wie eine Fledermaus, aber die beiden waren im Begriff, sich ernsthaft ineinander zu verlieben. Na ja, ich würde jedenfalls nicht diejenige sein, die sie darauf aufmerksam machte. Sie würden noch bald genug von allein dahinterkommen.
Lautlos ging ich zur Treppe, die zum Haupteingang des Delmonico hinabführte. »Ich melde mich bei dir, wenn ich mit Wade gesprochen habe. Bis dahin schlage ich vor, dass du dir eine gute Geschichte ausdenkst, wie diese vier ums Leben gekommen sind. Die Wahrheit darf auf keinen Fall rauskommen. Das könnte einen Aufstand geben. Ruf mich an, wenn du mehr weißt.«
»Klar«, sagte er und wandte sich wieder dem Tatort zu. »Als hätten wir nicht schon genug am Hals.«
Stumm gab ich ihm recht, während ich das Kino verließ und in meine Bar zurückkehrte. Die Nacht war ein in Frost erstarrtes Wunderland, aber ich roch nichts als Blut.